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»Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht.« Goethe

Angriff von Rechtsaussen - wie Neonazis den Fußball missbrauchen

Veranstaltungsflyer
Veranstaltung von Komma Jugend und Kultur und VVN-BdA Esslingen mit dem Buchautoren Ronny Blaschke.

Seit Jahren rekrutieren Neonazis ihren Nachwuchs in Fußballstadien. Rassistische, antisemitische oder homophobe Sprechchöre zeigen, dass rechtsradikale Einstellungen bei Teilen der Fanszene tief verwurzelt sind.

Auch in Esslingen ist der Einfluss rechter Fangruppen deutlich zu spüren. So trifft sich beispielsweise die rechte Hooligangruppe "Neckar-Fils", die immer wieder durch Gewalttatenauf sich aufmerksam macht, regelmäßig
in der Gaststätte Hirsch in Oberesslingen.

Ronny Blaschke arbeitet als freier Journalist in Berlin, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und den Deutschlandfunk. Im vergangenen Jahr ist sein neues Buch erschienen: "Angriff von Rechtsaussen - wie Neonazis den Fußball missbrauchen". Sein Buch egwährt arlamierende Einblicke in ein Problemfeld, über das wenig bekannt ist. Zugleich wertet es Erfahrungen und Vorschläge aus, wie dem Einfluss Rechtsradikaler in den Vereinen und Stadien begegnet werden kann. Und es plädiert für eine politische Diskussionskultur in einer Branche, die sich ihrer sozialen Verantwortung selten bewußt ist.

Vortrag mit Ronny Blaschke
am 25.09.2012, 19:00
KOMMA, Maille 5-9 Esslingen

Das Braune Netz: Naziterror - Hintergründe Verharmloser Förderer

Das Braune Netz: Naziterror -“ Hintergründe Verharmloser Förderer
Veranstaltung und Diskussion mit Markus Bernhardt


Die Bilanz des Nationalsozialistischen Untergrunds in ihrer mehr als 13 jährigen Geschichte sind 11 Tote und ein Bombenattentat mit mehreren Verletzten. Während gegen die Angehörigen der Opfer ermittelt wird, in Winterbach Nazis versuchen 5 junge MigrantInnen in einem Gartenhäuschen zu verbrennen, in Dortmund und Aachen Waffenarsenale in Händen von Nazis ausgehoben werden, spielen Regierungspolitiker und Strafverfolgungsbehörden die Überraschten. Gleichzeitig wird immer deutlicher wie eng Geheimdienste und militante Neonazis zusammenarbeiteten und arbeiten: Denn die NSU wurden nicht etwa nur von den Strafverfolgungsbehörden nicht behelligt, sondern sind von den Inlandgeheimdiensten auch noch gefördert worden. Die zuständigen Behörden widmen sich mit Vorliebe der Kriminalisierung von Antifaschisten, während das braune Netz aus Verfassungsschutz, Polizei und Faschisten ungestört sein blutiges Handwerk übt. Regierungspolitiker versuchen jetzt den größten Geheimdienstskandal der BRD als technische Panne zu verharmlosen und sein wahres Ausmaß zu verschleiern. Markus Bernhardt geht auf die Hintergründe des Zusammenwirkens der Geheimdienste und militanten Neonazis ein und nennt Verharmloser, Vertuscher und Förderer beim Namen.

Mittwoch, 26. September 2012, 19 Uhr
Muse-O, Gablenberger Hauptstr. 130
(42er Haltestelle Gablenberg)


NAZIKANZLEI IN STUTTGART-OST Die Anwältin eines sog. „Unterstützers der NSU“ - Ralf Wohlleben, der als einziger neben Beate Zschäpe noch in Untersuchungshaft sitzt, hat eine Zweigstelle ihrer Kanzlei in der Werastraße in Stuttgart-Ost. Nicole Schneiders, die neben ihrem jetzigen Mandanten mal Vizevorsitzende der NPD in Thüringen war, verteidigt gleichzeitig auch einen der angeklagten Nazis im Prozess wegen Winterbach. Darüber hinaus teilt sie sich ihre Kanzlei zusammen mit zwei anderen bekannten Neonazis, die ebenfalls Anwälte sind. Darunter Steffen Hammer, langjähriger Sänger der Naziband Noie Werte, die 2 Lieder zum Bekennervideo der NSU beigesteuert haben.


NAZIAUFMARSCH IN GÖPPINGEN Am Samstag, den 6. Oktober wollen in Göppingen Nazis aufmarschieren, um ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straße zu tragen. Als Redner ist u.A. Thomas Baumann angekündigt, der mehrere Sprengstoffanschläge in Freiburg geplant hatte. Bei der Veranstaltung wird es Informationen zu den Gegenaktivitäten und Blockaden geben.

Mehr Information: Zusammen Kämpfen [Stuttgart]

Naziaufmarsch am 6.10. in Göppingen - LÄUFT NICHT!

Am 6. Oktober wollen Nazis in Göppingen wieder demonstrieren, das wäre dieses Jahr dann schon das vierte Mal. Bei solchen Demos werden rassistische und faschistische Inhalte verbreitet, die darauf abzielen Bevölkerungsgruppen auszugrenzen, zu unterdrücken und zu vernichten. Unter dem Schutz der Meinungsfreiheit propagieren Nazis einen gleichgeschalteten Führerstaat, in dem dann keine Meinungsfreiheit mehr gelten wird. Seit 1990 wurden mehr als 200 Menschen durch Nazis ermordet. Die aufgedeckten Morde der rechten Terrorgruppe NSU verdeutlichen einmal mehr die aktuelle tödliche Konsequenz der neonazistischen Ideologie.

Bereits mehrmals versuchten Nazis hier in Göppingen ihre rassistische und menschenverachtende Propaganda mit Kundgebungen unter die Leute zu bringen. Immer wieder schlug ihnen dabei Widerstand entgegen – Ihr letzter Kundgebungsversuch wurde mit vielfältigen und entschlossenen Protesten beantwortet – eine weitere Niederlage. Deshalb mobilisieren die Göppinger Nazis nun zu einem größeren Aufmarsch, bei dem mehrere hundert Faschisten_innen aus verschiedenen Regionen erwartet werden.

Es stößt bei Menschen quer durch die Bevölkerung auf vollkommenes Unverständnis, dass die Kundgebungen der Faschisten_Innen stattfinden dürfen. Wir kommen aus der Region Göppingen und haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam zu handeln. Wir fühlen uns in unseren Pflichten als verantwortungsbewusste Menschen angesprochen und wollen nicht nur von Zivilcourage reden, sondern rufen zu Mut, Einigkeit und zivilem Ungehorsam auf. Wenn die Verwaltung den Nazis Vortritt lässt, wenn die Politiker_innen sich verstecken und wenn Gerichte zustimmen, wollen wir gemeinsam auf die Straßen gehen und uns den Nazis in den Weg stellen.
Eine erfolgreiche Blockade und Verhinderung der Nazidemo ist das Gebot der Stunde. Göppingen darf nicht das Aufmarschgebiet der Faschisten_innen in der ganzen Region werden!

Nehmen wir es selbst in die Hand: Mit friedlichen Sitzblockaden, an denen sich eine Vielzahl von Menschen beteiligen kann, wollen wir nicht nur Zeichen setzen, sondern den Aufmarsch der Nazis stoppen. Solche Blockaden in anderen Städten wie Dresden, Wunsiedel, Lübeck und Köln haben bewiesen, dass es vielen Menschen gemeinsam gelingt, Naziaufmärsche zu verhindern.

Im Zusammenspiel mit unterschiedlichen kreativen und ausdrucksstarken Protestformen werden wir den 6. Oktober zu einem Tag des Zusammenhaltes für ein solidarisches Miteinander machen. Nur wenn viele Ideen und viele Menschen zusammen wirken, werden wir erfolgreich sein.

 

Unterstützer_innen:

Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg (AAB)
Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart und Region (AABS)
ADGH – Demokratische Jugendbewegung in Europa
ADHF – Föderation für demokratische Rechte in Deutschland
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Rastatt/Baden-Baden
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen
Antifaschistische Aktion Lörrach
Antifaschistische Aktion [O] Villingen-Schwenningen
Antifaschistische Gruppe Göppingen
Antifaschistische Jugend Ludwigshafen/Mannheim
Antifaschistische Linke Bühl/Achern
Antifaschistische Linke Freiburg
Autonome Antifa Heidenheim
Autonome Antifa Nürtingen
Demokratischer Kulturverein Schwäbisch Gmünd
DIDF Jugend Baden-Württemberg (Jugendverband der Föderation demokratischer Arbeitervereine)
DIDF Göppingen
Die Linke Baden-Württemberg
Die Linke im Stadtrat Göppingen
Die Linke Kreisverband Göppingen
DKP Gruppe Göppingen/Geislingen
FAU – Freie ArbeiterInnen Union Stuttgart
Frauenverband Courage Göppingen
Halkevi Volkshaus Kirchheim/Teck
Libertäres Bündnis Ludwigsburg (LB)²
Linksjugend ['solid] Baden-Würtemmberg
Linksjugend ['solid] Stuttgart
Migrantinnenverein Göppingen
MLPD Göppingen
Offenes Antifaschistisches Bündnis Kirchheim/Teck
Offenes Antifa Treffen (OAT) Freiburg & Region
Rems-Murr Nazifrei
SDAJ Tübingen & Region
SJD – Die Falken Stuttgart
Sozialistische Alternative Stuttgart
VVN-BdA Baden-Württemberg
VVN-BdA Göppingen
VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen
VVN Kreisvereinigung Stuttgart
Zusammen Kämpfen (Stuttgart)

Hier findet sich die Web-Versionen des Aufrufes:

Flyer und eine Kopiervorlage als PDF’s:
Flyer Front
Flyer Rückseite



Quelle und neueste Informationen.

Götz Aly im Schutze Kaiser Maximilians! Anderen reicht vorerst das Grundgesetz

Unser Seelenwächter Götz Aly hat in der Frankfurter Rundschau vom 4.September 2012 drei Angriffe entdeckt gegen etwas, das die meisten allenfalls aus dem Geschichtsunterricht kennen: den Landfrieden. Er sieht im Fällen einer deutschen Eiche in Rostock, einem Angriff auf einen Rabbiner und allgemeinen antisemitischen Ausschreitungen eine elementare Gemeinsamkeit: Der Landfrieden wurde verletzt. Anderen wäre vielleicht aufgefallen, dass eine Eiche - wenn auch deutsch - keine Schmerzen empfindet. Auch keine Angst. Bedrohungen gottergeben hinnimmt. Antisemitische Angriffe dagegen richten sich regelmäßig auf den Leib des Attackierten und stellen dessen Verletzung zumindest als wünschbar hin.

Götz Aly sieht bei all diesen und anderen Verstößen nur ein Gegenmittel: Strafe. Hart und unnachsichtig. Nur so, sein zu vermutender Grundgedanke,lässt sich Zusammenleben ohne Beeinträchtigung durchsetzen.
Das Merkwürdige bei Alys Altertumsverehrung: er lässt ganze Bereiche von Nötigung aus, die eben im Augenblick alle Medien erfüllen und viele härter treffen am eigenen Leib.Nötigung durch Streik. Stellt die zeitweise Abschaffung von Fluggelegenheiten auf dem Airport keine empfindliche Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit dar? Und trifft ebenfalls eine Unmenge von Personen, gegen welche die Urheber der Behinderung genau so wenig persönliche Aggressionen empfinden wie die Eichenfäller von Rostock!Dass Streiks weh tun müssen,wenn sie wirken sollen, wird von den Gewerkschaften dabei offen einbekannt und angezielt.

Warum lässt Götz Aly diese massenhaften Angriffe und Auseinandersetzungen weg, die Kaiser Maximilian noch nicht kennen konnte? Vermutlich, weil er sonst den realen Zustand der gegenwärtigen Gesellschaft als verwerflich hinstellen müsste. Einen nämlich, der - wie man es auch umschreiben möchte - durch Klassenkampf bestimmt ist. Durch die durch nichts zu beseitigende Gegnerschaft von Kapital und Arbeit. Es hat seit den Tagen des wilhelminischen Kaiserreichs lange gedauert, bis das Streikrecht anerkannt wurde - als Grundrecht eines jeden Lohnabhängigen. Wie sehr die Ausübung dieses Rechts dann nach 1945 auch gefesselt wurde und in beengende Schranken verwiesen - anerkannt wurde doch notgedrungen - wie mürrisch auch immer- selbst von einem Reaktionär wie Nipperdey im Bundessozialgericht, dass die Klassengegensätze nicht einfach durch Gesetz und Sanktion wegdekretiert werden können. Auch ein Kaiser Maximilian konnte daran nichts ändern.Will Götz Aly ihn in diesem Punkt überholen? Er wird wenig Freude bei seinen Versuchen in dieser Richtung erleben.

Zum 100. Geburtstag Alfred Haussers: „Nur wer sich aufgibt, ist verloren“. Ein Lied für einen unvergessenen Antifaschisten

Alfred Hausser
Foto: VVN-BdA
Anläßlich des 100. Geburtstages ihres 2003 verstorbenen Ehrenvorsitzenden erinnerte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes am Wochenende an das Lebenswerk Alfred Haussers und bekräftigte ihr Bekenntnis zu seinem Vermächtnis: „Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg.“

Im Beisein von 150 Besucherinnen und Besuchern würdigte der DGB Landesvorsitzende, Nikolaus Landgraf, den Mut Alfred Haussers im Widerstand gegen den aufkommenden Faschismus und seinen aufrechten Gang während seiner Haft- und Leidenszeit. Eines seiner herausragenden Verdienste sei es, die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, auch der tiefsten Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung, wach gehalten zu haben:

„Kaum einer hat so konsequent wie er sein Leben in den Dienst der Arbeiterbewegung und des Antifaschismus gestellt. Dafür gebührt ihm auch heute noch Dank und Respekt.“

Dr. Ulrich Schneider, Historiker und Generalsekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) zeichnete die Biographie Alfred Haussers nach. Dabei hob er neben den Verdiensten im Widerstand auch seinen unermüdlichen Einsatz für die Weitergabe der Erfahrungen aus Widerstand und Verfolgung an die junge Generation hervor. Er würdigte seine Arbeit für Wiedergutmachung und seinen schließlich erfolgreichen Einsatz für die Entschädigung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ebenso, wie sein Eintreten gegen alte und neue Nazis und sein Engagement in der Friedensbewegung.

Kornelia Kehrt, Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, erinnerte an Alfred Haussers Bedeutung für Gründung und Entwicklung „seiner“ Organisation, die heute noch ebenso notwendig sei, wie er es selbst für die unmittelbare Nachkriegszeit eingeschätzt habe: „Mit der Gründung unserer Vereinigung verbanden wir die Hoffnung, dass jene im gemeinsamen Widerstand und erst recht in der Verfolgung gewachsenen Werte wie Toleranz und Solidarität durch uns in eine neue wirklich demokratische Gesellschaft eingebracht werden.“

Dieter Keller erinnerte an Alfreds Haussers Wurzeln in der Arbeiterbewegung und als Mitglied der Kommunistischen Partei. Seine Überzeugung, dass eine bessere, gerechtere und solidarische Gesellschaft machbar sei, habe ihm die Kraft und den Optimismus verliehen, Widerstand zu leisten, seine Leidenszeit zu überstehen und trotz schlimmer privater Schicksalsschläge und politischer Rückschläge, lebenslang für seine antifaschistische Überzeugung einzustehen.

Alle Rednerinnen und Redner wiesen daraufhin, dass das Vermächtnis Alfred Hausser nicht im Blick auf die Vergangenheit bestehe, sondern darin, sich in der Gegenwart und für die Zukunft in seinem Sinne zu engagieren. Gerade in einer Zeit, in der zunehmende neofaschistische Aktivitäten bis hin zu den Terrormorden des sogenannten „NSU“ festzustellen seien, gelte es sich gemeinsam gegen solche Entwicklungen zu stemmen. Kornelia Kehrt wies auf den Skandal hin, dass die Organisation Alfred Haussers, die VVN-BdA, auch unter der neuen grün-roten Landesregierung im Verfassungsschutzbericht als „extremistisch beeinflußt“ verdächtigt und verächtlich gemacht werde.

Niko Landgraf forderte erneut das längst überfällige Verbot der NPD ein.

Einig waren sich RednerInnen und Anwesende auch darin, dass es weiterhin gelte, sich Naziaufmärschen, wie dem bevorstehenden Aufmarsch in Göppingen am 6. Oktober gemeinsam entgegen zu stellen.

Silke Ortwein und Bernhard Löffler von der Musikgruppe die Marbacher hatten die Veranstaltung mit Liedern aus dem antifaschistischen Widerstand von ihrer neuen CD umrahmt und ein eigens für die Veranstaltung geschaffenes „Alfred-Hausser-Lied“ beigetragen. Zum Schluss sangen sie gemeinsam mit allen Gästen das Lied von den „Moorsoldaten“.

Quelle: Pressemitteilung der VVN-BdA
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Zuletzt bearbeitet am 03.09.2012 19:33

Angriff von Rechtsaussen

Der Sportjournalist Ronny Blaschke hat mit dem Buch Angriff von Rechtsaußen: Wie Neonazis den Fußball missbrauchen (Verlag die Werkstatt, 2011) ein spannendes undwichtiges Buch vorgelegt. Er geht der Frage nach wie Neonazis sich den Fußball zu Nutze machen um Einfluss zu gewinnen. In der Einleitung schreibt er: „In den Bundesligastadien sind die Auswirkungen von rechtsextremen Einstellungen zurückgegangen, dank moderner Sicherheitsarchitektur und professioneller Fanarbeit. Urwaldgesänge gegen schwarze Spieler sind nicht mehr zu hören. Reichskriegsflaggen nicht mehr zu sehen. Das bedeutet aber nicht, dass sich Einstellungen verändert haben. (…) Während Rassismus und Antisemitismus auch wegen der deutschen Geschichte tabuisiert sind, flüchten sich Anhänger oft in Homophobie oder Sexismus, Diskriminierungen, die weniger geächtet sind.“ (S. 11) Das entspricht einer allgemeinen Tendenz, die auch Werner Heitmeyer von der Uni Bielefeld mit seiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ festgestellt hat. Es gibt zwar einen latent noch immer vorhandenen Antisemitismus, er taucht aber nicht mehr so deutlich in der Öffentlichkeit. Die neuen Feindbilder sind nun Muslime, Homosexuelle und vor allem Obdachlose. Dieser Trend in der Gesellschaft spiegelt sich auch in den Fußballstadien. Viele Nazis treffen sich mittlerweile bei den Spielen in den unteren Ligen. Das macht sie aber nicht weniger gefährlich. Im Gegenteil, in den kleineren Stadien und bei weniger Zuschauern fallen sie viel mehr auf und können so ihren Einfluss ausbauen.

Ein besonders heftiger Fall stellt die Unterwanderung des Vereins Lok Leipzig dar. „Die NPD macht sich im Umfeld des 1. FC Lok Leipzig einen rechten Grundtenor zunutze, den viele Fans im heimischen Bruno-Flache Stadion teilen“. (S.15) So stellten sich Fans bei einem A-Jugend Spiel 2006 zu einem Hakenkreuz auf, oder zeigen schon einmal ein Transparent auf dem zu lesen ist: „Wir sind Lokisten – Mörder und Faschisten“. Der Autor Ronny Blaschke beschreibt genau wie gezielt Nazis von den Kameradschaften und der NPD in den letzten Jahren Vereine unterwandert haben. In dem Buch sind mehrere Hintergrundinterviews eingestreut, die er zu seinen Recherchen gemacht hat.

Einer der Interviewpartner ist Mehmed Matur, der Integrationsbeauftragte im Berliner Fußball. „Mehmet Matur glaubt, auf einem guten Weg zu sein. Bis Sommer 2010, bis Thilo Sarrazin sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte. (…) Mehmet Murat spürt die Folgen nun im Fußball: `Mir läuft es kalt über den Rücken, das macht mir Angst. Wir bemühen uns seit Jahren um Integration, wir gehen viele kleine Schritte, und Herr Sarrazin macht diese Arbeit mit einem Buch zunichte, Bei vielen muslimischen Spielern und Trainern wächst die Sorge, die sagen sich erst recht: Wir haben es immer gewusst, in Deutschland wollte man uns sowieso nie haben“ (S.136) Diese Interviews sind neben den Fakten eine der ganz großen Stärken des Buches.

In einem anderen Kapitel wird die Rolle der Vereine während des Faschismus untersucht. Sowohl der Deutsche Fußballbund als auch die Vereine taten in der Vergangenheit so, als ob sich ihr Verhalten im Faschismus nicht geändert hat. Obwohl Nils Havemann bereits 2005 sein Standardwerk Fußball unterm Hakenkreuz: Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz veröffentlicht hat, hat sich seitdem kaum etwas geändert. Überall wo Vereine ihre Rolle im Nationalsozialismus aufgearbeitet haben stand am Anfang der Druck der Fans. Die Geschichte von Bayern München ist bezeichnend. Auf der Internetseite des Vereins hätte man vergebens nach dem früheren Vorsitzenden Kurt Landauer gesucht. „Lange kannte kaum jemand seine Geschichte, dabei hat der Münchner Fußball ihm viel zu verdanken. Vielleicht würde der FC Bayern ohne Kurt Landauer heute gar nicht existieren. Fast 20 Jahre ist der Jude Landauer Präsident des FC Bayern gewesen. Unter ihm wurde der Verein 1932 zum ersten Mal Deutscher Meister. Landauer trat 1933 als Präsident zurück. Am 10. November 1938 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. (..) Landauer konnte aus dem Lager entkommen und in die Schweiz flüchten.“ (S.159) Den Vorsitzenden des FC Bayern war die Geschichte ihres ehemaligen Kollegen kein Wort wert. Erst nachdem Fans über die Geschichte des Vereins zu forschen begannen sah sich der Verein gezwungene sich zu dieser Geschichte zu bekennen. Ein anderer Jude, der eine wichtige Rolle im deutschen Fußball spielte war Walther Bensemann. Er hatte 1898 in Paris das erste Länderspiel Deutschlands organisiert. 1900 wurde er Mitgründer des Deutschen Fußball Bunds und gründete 1920 das Fußballmagazin „Kicker“. 1933 floh er in die Schweiz, wo er ein Jahr später mittellos starb. Vereine wie der VFB Stuttgart dagegen waren stolz auf ihre frühe Zusammenarbeit mit der SA und hatten bereits 1933 alle jüdischen Spieler rausgeschmissen. Bei Nils Havemann kann man nachlesen: „Die Infiltration der Vereine durch die Nationalsozialisten, dies belegen die angeführten Beispiele Werder Bremen, 1860 München, VfB Stuttgart und Schalke 04 erfolgte in vielfältiger Form.“

Das Buch von Ronny Blaschke belegt das die Nazis heute auch wieder versuchen über die Fußballvereine Einfluss zu gewinnen.

Ronny Blaschke Angriff von Rechtsaußen: Wie Neonazis den Fußball missbrauchen Verlag die Werkstatt, 2011

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