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»Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!« Erich Kästner

In Erinnerung an Murray Bookchin

Das Foto zeigt  Murray Bookchin in Burlington, Vermont USA, 1990, im Alter von 69 Jahren.

Murray Bookchin in Vermont, 1990

Foto: Debbie Bookchin - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Seine ökologischen und kommunitaristischen Ideen sind nach wie vor einflussreich und umstritten

Murray Bookchin war während der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Stimmen in der ökologischen Debatte und verband tiefgreifendes philosophisches, anthropologisches und historisches Wissen einerseits mit brillanten politischen Einsichten andererseits. Seine intellektuelle Laufbahn ist komplex: Sie verbindet intellektuelles und militantes Engagement und reicht vom Syndikalismus über den Trotzkismus bis hin zum späteren Anarchismus. Vor allem entwickelte er das Konzept der Sozialökologie, für das er am bekanntesten ist. Die vielen Polemiken, in die er verwickelt war, machten ihn zu einer umstrittenen Figur in der anarchistischen Bewegung, doch die Relevanz und Originalität seiner Beiträge stehen außer Frage.

Vom Marxismus über den Anarchismus zum Kommunalismus

Murray Bookchins politisches Engagement begann schon in sehr jungen Jahren, beeinflusst von den sozialistischen Ideen, die ihm seine Großmutter schon als Kind vermittelt hatte. Als 15-Jähriger versuchte er, sich für den Spanischen Bürgerkrieg zu melden, wurde aber wegen seines jungen Alters abgelehnt. Als junger Fabrikarbeiter engagierte er sich in syndikalistischen Kämpfen und brach noch vor seinem 20. Lebensjahr mit seiner stalinistischen politischen Zugehörigkeit. Er schloss sich den trotzkistischen Ideen an und trat der Socialist Workers Party sowie der United Electrical Workers bei, während er bei General Motors arbeitete. Anfang der 50er Jahre begann er, sich für ökologische Themen zu interessieren, und schrieb seine ersten Essays unter dem Pseudonym Lewis Herber, um der mccarthyistischen Unterdrückung zu entgehen. Ende der 1950er Jahre sah er sich selbst als Anarchist und veröffentlichte – einige Monate vor Rachel Carsons bahnbrechendem Werk „Silent Spring“ – „Our Synthetic Environment“. Während seiner anarchistischen Jahre entwickelte er das Konzept der Sozialökologie, das sein Denken für den Rest seines Lebens prägen sollte. In den 1990er Jahren brach er mit dem Anarchismus, weil er in der Bewegung eine – wie er es nannte – primitivistische, individualistische Wende sah – eine Kritik, die er in seinem 1995 erschienenen Buch Social Anarchism or Lifestyle Anarchism thematisierte. In seinen letzten Lebensjahren prägte er den Begriff des Kommunalismus, der als seine letzte intellektuelle und politische Wende angesehen werden kann.

Sozialökologie und Post-Knappheit

Bookchins wichtigster theoretischer Beitrag zum ökologischen Denken ist zweifellos der Begriff der Sozialökologie. In einer Zeit, als die Deep-Ecology-Bewegung in den USA dominierte, schlug Bookchin eine auf Sozialkritik ausgerichtete Ökologie vor. Er argumentierte, dass die Herrschaft über die Natur ein Ergebnis sozialer Hierarchien sei und dass wir, um Ersteres zu überwinden, die Grundlage sozialer Herrschaft selbst entwurzeln müssten. Wenn sie keine Gesellschaftskritik beinhaltet, ist Ökologie bestenfalls ein moralisches Anliegen und eine Ansammlung „grüner“ Technologien, die Unterdrückung aufrechterhalten. Ökologie ist insofern sozial, als sie sich damit auseinandersetzen muss, wie die Gesellschaft (oder die „zweite Natur“) das Ergebnis der natürlichen evolutionären Entwicklung (oder der „ersten Natur“) ist. Das ermöglicht es ihm zu behaupten, dass alle Formen gesellschaftlicher Beziehungen zur Natur tatsächlich politisch sind. Jede menschliche Gesellschaft ist stets in den Kontext einer Öko-Gemeinschaft eingebettet, die sowohl nicht-menschliches Leben als auch anorganische Systeme umfasst, die das Leben erhalten.

Bookchin war der Ansicht, dass eine ökologische Gesellschaft und Politik ihr Handeln auf Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit gründen sollten, denn gegenseitige Hilfe und Solidarität sind nicht nur ethische Werte, sondern auch die beste evolutionäre Strategie. In diesem Sinne folgte er einem Weg, der von Élisée Reclus und Peter Kropotkin bereits klar umrissen worden war. Laut Bookchin versorgt uns die Natur mit genügend Ressourcen und einer herausragenden Rationalität, die es uns ermöglicht, ökologische Technologien zu entwickeln, die jedem ein würdiges Leben ermöglichen würden – ein Leben, das frei von der Erzeugung von Bedürfnissen ist und sich stattdessen auf befreite Wünsche konzentrieren kann. Diese These steht im Mittelpunkt seines Konzepts der Post-Knappheit – ein Konzept, das er in dem Buch „Post-Knappheit-Anarchismus“ mit Anarchismus und Ökologie verknüpft.

Die Alternative, vor der wir stehen, so sagt er, lautet nicht mehr Sozialismus oder Barbarei; es ist vielmehr Anarchismus oder Vernichtung.

Libertärer Kommunalismus und der Kampf in Rojava

Die Politik der Sozialökologie ist der libertäre Kommunalismus, eine Form staatenloser Politik, die auf Dezentralisierung, direkter Demokratie und einem allgemeinen Umdenken in Bezug auf Urbanisierung und die Organisation von Arbeit basiert. Bookchins Ansichten zu diesen Themen veranlassten ihn, sich nicht nur für eine Dezentralisierung auf institutioneller Ebene einzusetzen – was dennoch ein wichtiger Grundsatz des libertären Kommunalismus ist –, sondern auch auf geografischer Ebene. Er vertrat die Ansicht, dass Großstädte in „Gemeinschaften menschlichen Maßstabs“ aufgeteilt werden sollten, was es lokalen demokratischen Versammlungen ermöglichen würde, direkte Kontrolle über die Städte und die gemeinsamen natürlichen Ressourcen auszuüben. Bookchins Ideen zum libertären Kommunalismus wurden von Abdullah Öcalan während seiner Haftjahre teilweise aufgegriffen und an den kurdischen Kontext angepasst. Öcalan entwickelte seinen demokratischen Konföderalismus, der schließlich nach der Revolution 2012 in Rojava umgesetzt wurde. In Bookchins letzten Lebensjahren gab es den Versuch, einen Besuch auf der Insel Imrali zu organisieren, wo Öcalan inhaftiert ist, doch Bookchins schlechter Gesundheitszustand ließ dies nicht zu.

Bookchin starb am 30. Juli 2006 und konnte die Rojava-Revolution nicht mehr miterleben. Anlässlich seines 20. Todestages gibt uns das Schreiben über ihn die Gelegenheit, an den enormen Einfluss seiner Ideen zu erinnern und noch einmal den Zusammenhang zwischen ökologischer und sozialer Unterdrückung sowie Befreiung zu betonen.

Quelle: Remembering Murray Bookchin, Fabio Carnevali, 30. Juli 2026

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht autorisiert]


 

Alle Schönheit liegt jenseits der Angst oder: Das Wechselspiel aus Nostalgie und Angst - und außerdem war ich im Urlaub

Ich weiß nicht, ob du schon mal versucht hast, im Sommer in einem State Park zu zelten, aber heutzutage ähneln die meisten eher Wohnmobil-Städten als dem, was man traditionell mit Campingplätzen verbindet. Für die Leute, die das mögen, ist es wahrscheinlich unglaublich schön. Es ist wahrscheinlich unglaublich schön, eine Woche lang mit der Familie in deinem geldverschlingenden Wohnmobil abzuhauen, um unter den Bäumen zu schlafen, während der Generator läuft und die LED-Unterbodenbeleuchtung blinkt, umgeben von einer vorübergehenden, aber freundlichen Gemeinschaft.

So bin ich nicht aufgewachsen. Wir sind in Zelten zelten gegangen, und wir sind nicht dorthin gefahren, um uns im Grunde wie in einer provisorischen Stadt zu fühlen. Aber ich stelle mir gerne vor, dass ich, wenn es so gewesen wäre, die Freiheit geliebt hätte, auf Wanderwegen herumzustreunen, Frösche zu fangen und in Seen zu schwimmen, um dann nach Hause zu kommen – zu warmem Essen, kühler Luft und einem Bett, das kein Schlafsack ist. Ich hätte die vorübergehende Gemeinschaft geliebt, die vorübergehenden Freunde, die vorübergehenden Lieben.

Mit vorübergehenden Freunden kam ich immer besser zurecht als mit Schulfreunden. Ich kam immer besser zurecht, wenn ich bei Null anfangen konnte – mit Leuten, die nicht wussten, dass ich das unbeliebte Kind war, das sie verprügeln, mit dem sie keinen Spaß haben oder in das sie sich nicht verlieben sollten.

Aber nichts davon ging mir letzte Woche durch den Kopf, als ich um 23 Uhr ein winziges Backpacking-Zelt auf einem winzigen Stück Sand und Erde in einem State Park in Michigan aufstellte. Wir waren nicht mehr als zehn Fuß von unseren nächsten Nachbarn entfernt, nicht mehr als zwanzig Fuß von einem Wohnmobil mit den bereits erwähnten Regenbogen-LED-Unterbodenleuchten, die die ganze Nacht über brannten. Wir wollten einfach nur irgendwo schlafen, wo uns die Polizei nicht wecken würde, also zahlten wir etwa 50 Dollar für das Privileg, auf diesem Planeten existieren zu dürfen.

Wir hatten zwei Isomatten, einen Schlafsack, eine Wolldecke und keine Kissen. Das Zelt war kaum so groß wie unsere beiden Körper, wenn wir uns hinlegten, aber wir hatten auch einen Hund und eine Katze dabei. Es war viel zu heiß. Die Katze pinkelte zuerst auf die Wolldecke, direkt zu meinen Füßen. Dann, eine Stunde vor Sonnenaufgang, zog sie ans Kopfende des Zeltes, um sich auf die Weste und die Jacke zu stellen, die ich als Kissen zusammengeknüllt hatte. Und sie pinkelte wieder.

Ich habe nicht gut geschlafen.

Ich nehme an, er auch nicht.


Es gibt einige Karten, die ich mir selbst beim Schreiben verdeckt halte, und ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich nicht jede Karte offenlege. Ich war schon immer eine zurückhaltende Memoirenschreiberin, sowohl weil mir meine Privatsphäre wichtig ist, als auch weil jede Geschichte, die ich dir erzählen könnte, nicht nur meine eigene Geschichte ist, sondern die Geschichte aller, die dabei waren.

Ich kann euch erzählen, dass wir beide beschlossen haben, für ein paar Tage auf die Obere Halbinsel von Michigan zu fahren: zwei Tage Fahrt hin, zwei Tage dort, zwei Tage zurück. Das war eine Menge Fahrt für nur ein paar Tage in einer Hütte, aber ich habe nichts gegen einen guten Roadtrip in guter Gesellschaft. Außerdem habe ich einen Van, den ich mit einem Bett, einem kleinen Minikühlschrank und sogar einer 12-Volt-Klimaanlage ausgestattet habe (leider ohne Regenbogen-Unterbodenbeleuchtung), also rechneten wir damit, Hotelkosten zu sparen und unterwegs bequem schlafen zu können.

Ich beschloss, meinen Hund mitzunehmen. Er ist der halbe Grund, warum ich den Van überhaupt habe – ich habe ihn mir vor ein paar Jahren für eine Lesereise zugelegt und dann umgebaut, um mit meinem Jungen zu reisen. Deshalb gibt es eine Klimaanlage und einen ferngesteuerten Temperatursensor, sodass ich jederzeit auf meinem Handy nachsehen kann, wie warm es bei ihm drinnen ist, und so immer weiß, dass er in Sicherheit ist. Er mag Autofahrten nicht besonders, aber er liebt neue Orte, und wir beide sind zusammen glücklicher als getrennt, also kam er mit mir in den Urlaub. Außerdem ist meine Hundebetreuung ins Wasser gefallen.

Dann ist in letzter Minute auch noch die Katzenbetreuung geplatzt. Kein Problem, dachten wir. Rintrah hat seine Transportbox, und wir können ein Katzenklo und ein paar Pissmatten auf den Boden des Vans legen – das würde schon klappen.

Mein Van hatte allerdings andere Pläne. Noch zehn Stunden von unserer Hütte entfernt fing der Van an zu rütteln, der Motor begann zu stottern, und ich schaltete herunter und kroch mit eingeschalteten Warnblinkern die Nebenstraßen entlang. Wir schafften es bis in eine kleine Stadt am Ufer des unheilvoll benannten Devil’s Lake und bogen dann auf den Parkplatz des ebenso unheilvoll benannten „Devil’s Lake Auto Care“ ab.

Wir wurden aber nicht ermordet, was gut ist.

Als ich früher in einem Van lebte (einem anderen Van), habe ich komplett aufgehört, Horrorfilme zu gucken. Mein Leben bestand viel zu sehr darin, in kleine Städte zu fahren und an schäbigen Tankstellen nach Orten zu fragen, an denen ich allein in meinem Auto unter Bäumen schlafen konnte, als dass ich mir Filme über Leute wie mich, die ermordet werden, hätte ansehen wollen.

Natürlich fing ich dann wieder an, Horrorfilme zu schauen, als ich allein in einer schwarzen Hütte im Wald lebte, aber manchmal muss man sich einfach auf Ästhetik und Romantisierung einlassen, um mit der Angst fertig zu werden.

So oder so, wir hatten eine Panne am Devil’s Lake, und wenn diese Geschichte eine Moral hat, dann findest du sie hier: Manche Probleme lassen sich tatsächlich leichter mit Freunden und der Gemeinschaft lösen als mit Geld oder der Infrastruktur, die unsere Gesellschaft bereitstellt. Denn ein Freund kam aus einer nahegelegenen Stadt angerannt, um uns und unsere Tiere abzuholen, während ein anderer Freund uns ein Auto lieh bzw. vermietete, damit wir unseren Urlaub nicht verlieren würden. Unterdessen hielt ein Bauer – ein Fremder – am Devil’s Lake an und sagte uns, er würde dem Mechaniker Bescheid geben, dass der Van repariert werden müsse.

Aber damit blieben uns nur noch unsere Notfall-Campingausrüstung, die nicht für so viele Menschen und Haustiere ausgelegt war. Und ein winziger Kombi, der ebenfalls nicht wirklich für so viele Menschen und Haustiere ausgelegt war.

Am nächsten Morgen, benommen und mit Urinflecken, als die Sonne gerade aufging, traf ich auf meinen alten Feind, der mir so vertraut war, dass es sich anfühlte, als würde ich einen alten Freund wiedersehen: die Angst.

Nicht irgendeine Angst. Es gibt diese ganz bestimmte, übelkeitserregende Angst, die dich überkommt, wenn du auf Reisen im Freien schläfst, wenn deine Optionen so gut wie auf „weitermachen“ beschränkt sind, weil du nicht bleiben kannst, wo du bist. Jahrelang begleitete mich diese Angst jeden Morgen, während ich per Anhalter unterwegs war. Jahrelang fühlte ich mich jeden Morgen krank und mein Körper arbeitete hart daran, jedes bisschen Essen und Wasser, das ich zu mir genommen hatte, wieder loszuwerden.

Also fühlte ich mich an jenem Morgen letzte Woche in Michigan wieder jung – auf die schlimmste Art und Weise. Ich fühlte mich außer Kontrolle.

Es ist fast schon Klaustrophobie, die dich überkommt, wenn das Morgenlicht bedeutet, dass du deinen Schlafplatz verlassen und raus auf die Autobahn musst. Es ist fast schon Klaustrophobie, wenn die Bullen auftauchen, um deinen Ausweis zu überprüfen, dich nach Drogen zu durchsuchen und andeuten, dass sie dich verhaften werden, wenn du bei Einbruch der Dunkelheit noch in der Stadt bist.

Ich verbrachte meine Zwanziger mit einer verzweifelten Suche nach Freiheit, verzichtete auf Arbeit zugunsten von Aktivismus, auf Stabilität zugunsten von Fernweh, aber das forderte seinen Tribut. Und ironischerweise fühlte ich mich oft gefangen.

Walt Whitman schrieb einmal: „Jetzt sehe ich das Geheimnis, wie die besten Menschen entstehen /

Es besteht darin, an der frischen Luft zu wachsen und mit der Erde zu essen und zu schlafen.“

Aber er hat vergessen, über Polizisten zu sprechen, und er hat vergessen, darüber zu sprechen, wie man versucht, auf Wohnmobilstellplätzen zu schlafen, auf denen die Generatoren laufen, und wie wir uns genau diesen Stellplatz ausgesucht hatten, weil wir nicht von Polizisten geweckt werden wollten. Er hat vergessen, darüber zu sprechen, wie dein eigenes Gehirn in den ersten paar Stunden nach dem Aufwachen dein Feind ist. Er hat vergessen, von der Anspannung zu erzählen, dass man manchmal, wenn man ohne Wände lebt, klaustrophobisch werden kann, sich gefangen fühlen kann.

Er hat vergessen, von den Katzen zu erzählen, die auf deine Decke und dein Kissen pinkeln, oder von dem Hund, der fast genauso ein Arschloch wird wie du, wenn er und du nicht schlafen.

Das ging mir an jenem Morgen durch den Kopf.

Michigan, Obere Halbinsel, Oberer See am Pictured Rocks National Lakeshore.

Michigan, Obere Halbinsel, Oberer See am Pictured Rocks National Lakeshore.

Foto: Wolpodzilla - Eigenes Werk. Gemeinfrei

Am Abend fiel mir die Kehrseite der Medaille wieder ein, denn die Upper Peninsula ist atemberaubend schön. Weil wir zu dieser Hütte gewandert sind, die Tiere untergebracht haben und auf der Veranda saßen und den Vögeln lauschten statt Rasenmähern. Wir sprachen über dreizehn Fuß große Vögel, die man nur aus dem Augenwinkel sehen kann. Wir sprachen über das Leben und über Bäume, und ich erinnerte mich an das Mantra, das mich durch meine Zwanziger gebracht hat, durch meine Morgen voller Angst und Übelkeit:

Alle Schönheit liegt jenseits der Angst.

Nichts, was sich lohnt, ist einfach oder schmerzfrei. Reisen ist von Natur aus stressig. Umso mehr, wenn etwas schiefgeht. Mit den richtigen Hilfsmitteln (wie Notfall-Campingausrüstung) und Freunden (wie denen, die uns gerettet haben) sowie der Freundlichkeit von Fremden (wie der Mann, der uns den Mechaniker vermittelt hat).

Ich verstehe, warum ich so viele Jahre lang weitergemacht habe. Ich habe so viele Orte gesehen, so viele Menschen kennengelernt. Ich glaube nicht, dass ich ohne diese fünfzehn Jahre auf der Straße die Autorin sein könnte, die ich heute bin.

Ich verstehe auch, warum ich aufgehört habe: Meine körperliche und geistige Gesundheit verlangten es.

Aber manchmal sehne ich mich danach zurück. Oft sogar, wenn ich ehrlich bin. Und ich muss in dieser Nostalgie ehrlich sein. Ich muss mich an diese Krankheit erinnern, an diesen schrecklichen Preis, denn das hilft mir, mich an diese Schönheit zu erinnern.

Obwohl es mir auch nichts ausmacht, wenn die Katze glücklich auf meiner Brust schläft, mein Hund glücklich mit dem Kinn auf meinem Bein schläft und wenn alles ganz einfach sein kann.

Quelle: „All Beauty Lies on the Far Side of Fear or: the interplay of nostalgia and anxiety, and also I went on vacationl“ von Margaret Killjoy, 12. August 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Drag* March 2026

Das Foto zeigt 4 Teilnehmer*innen des Drag March Berlin, die ein Transparent halten, auf dem in Blickrichtung links 2 pinke Schnür-High-Heels in der der Mitte der Text "Drag* March Berlin " sowie rechts das Logo des "Ordens der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und von Travestie für Deutschland" abgebildet sind.

Foto: © Monika von Wegerer via Umbruch Bildarchiv

Der erste offizielle Drag* March in Berlin fand am 24. Juli 2026 als Auftakt des CSD-Wochenendes statt und wurde vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und von Travestie für Deutschland mitgetragen. Die rund einen Kilometer lange Route führte vom Platz der Republik zum Brandenburger Tor. Die Demonstration für Sichtbarkeit, Vielfalt, Demokratie und Solidarität stand unter dem Motto: „Haltung ist Hot – Segen statt Hetze!“

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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DYKE* March 2026

Das Foto zeigt einige Teilnehmer*innen des Marsches, die in die Kamera lächeln. Eine hält eine Papptafel mit dem mit Glitzergold geschriebenen Text "Dyke Power" nach oben.

Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv

Mehr als 10.000 Menschen beteiligten sich am diesjährigen Dyke* March vom Roten Rathaus bis zum Oranienplatz.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Als Dykes* spüren wir die Gefahr von Rechts unmittelbar: Unsere Rechte werden angegriffen, patriarchale Gewalt und Diskriminierung nehmen zu – ob auf der Straße, in der Familie oder in Form von Repressionen gegen linke Proteste. Während der Staat Milliarden in Militarisierung investiert, wird überall sonst gekürzt.

Diese Kürzungen treffen besonders (BIPoC) Dykes*, Frauen, trans*, nichtbinäre und queere Menschen sowie arme Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen, Neurodivergenz, chronischen und/oder psychischen Erkrankungen.

Deshalb gehen wir laut und unüberhörbar auf die Straße: für eine Gesundheitsversorgung für alle, für körperliche Selbstbestimmung, für ein Adoptionsrecht, das lesbische Lebensrealitäten mitdenkt, gegen Sozialabbau und gegen Sonderregister für queere Menschen. Nicht nur, um zu verteidigen, was wir gewonnen haben, sondern um Befreiung für alle zu erkämpfen.

Der Kampf gegen Faschismus ist dabei notwendige Voraussetzung für unsere Freiheit.

Gemeinsam solidarisch

Der Dyke* March ist ein Ort unterschiedlicher politischer Positionierungen. Was uns verbindet, sind gegenseitiger Respekt, Solidarität mit marginalisierten Menschen und die Ablehnung jeder Form von Menschenfeindlichkeit. Politische Differenzen müssen hier nicht verschwinden. Für uns ist aber klar: Trotz alledem wehren wir uns gemeinsam gegen den Faschismus. (…)

aus dem Aufruf zum Dyke* March 2026 

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k9 » größenwahn » politischer fiimabend: Die Halbstarken

Der Flyer zum Filmabend zeigt neben den Angaben zum Film in Kurzfassung ein verfremdetes Foto einer Kinoreklametafel mit dem historischen Filmplakat mit Karin Baal und Host Buchholz. Der Flyer ist Blutrot mit schwarzem Kontrast gehalten

„Die Halbstarken“ skizziert den gesellschaftlichen Konflikt zwischen der kleinbürgerlichen Welt der spießigen Adenauer-Gesellschaft, sowie den an US-amerikanischen Vorbildern orientierten Jugendlichen aus Rock´n´Roll, neuen Klamotten etc. Alles was provokant wirken mußte, war beliebt und gegen die restriktiven Forderungen und preußischen Ideale wie gegen jede Ordnung, Disziplin, bedingungslose Unterordnung unter Autoritäten, der "Alten".

"Halbstarke" wurden in der BRD ab der 1950er Jahre fast überwiegend nur männliche Jugendliche aus der Arbeiterklasse bezeichnet, die durch ihr provokantes Verhalten, Lederjacken, Jeans, aufgemotzte Mopeds und besonders Rock'n'Roll gegen die bürgerliche Normen rebellierten. Ihre Krawalle prägten da ein neues, subkulturelles Jugendbild. Eine neue, von "Alten" als "verdorben" oder "Rowdy" wahrgenommene Generation. Während die post-nationalsozialistische westdeutsche Filmindustrie Produktionen wie "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Division Brandenburg" oder "So war der deutsche Landser" auf den Markt bringt, stürmen die Jugendlichen in Filme mit amerikanischen Rebellen wie Marlon Brando ("Der Wilde", 1953, "Die Faust im Nacken"1954, James Dean, "... denn sie wissen nicht, was sie tun"1955, "Jenseits von Eden" 1955, "Giganten", 1956) Der Film ist lediglich ein kleiner Einblick, mit Ausschnitten in den westdeutschen/westberliner Nachkriegsalltag, mit rebellierenden jugendlichen gegen Zucht, Ordnung+Spießigkeit.

Der Film wurde im Juli und August 1956 in Westberlin gedreht.

Schwarzweißfilm von Georg Tressler, 92 Minuten

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


 

Wenn sie auf dem „Torment Nexus“ bestehen oder: Dein Auto sollte dich nicht ins Gefängnis fahren

Vor ein paar Wochen hat ein selbstfahrendes Taxi der Marke Waymo in San Mateo, Kalifornien, zwei Kinder in die Hände der Polizei gebracht. Die Maschine stellte fest, dass ihre beiden 15-jährigen Fahrgäste Alkohol tranken und mit Spielzeugwaffen herumschossen, also alarmierte sie die Polizei, fuhr von selbst auf einen Parkplatz und schaltete sich aus. Die Kinder wurden daraufhin von den bewaffneten Männern (und möglicherweise Frauen) festgenommen, die gnädigerweise beschlossen, die Teenager nicht hinter Gitter zu stecken, sondern sie ihren Eltern zurückzugeben. Diesmal.

Fast jeder Artikel, den ich zu diesem Thema gelesen habe, will unbedingt betonen, dass die Kinder nicht im Auto eingesperrt waren, dass sie frei waren, zu gehen. Dass es den beiden Fünfzehnjährigen freistand, von einem beliebigen Parkplatz aus zu gehen, Gott weiß, wie weit von zu Hause entfernt. Als ob das alles in Ordnung machen würde.

Und ich habe viele Artikel über den Vorfall gelesen, weil mich mindestens ein Dutzend Leute in den Beiträgen getaggt oder mir Nachrichten dazu geschickt haben. Denn 2015 veröffentlichte Vice eine Kurzgeschichte von mir namens One Star, in der es um einen nicht-binären Graffitikünstler geht, der in einem selbstfahrenden Taxi gefangen ist, das beschließt, ihn ins Gefängnis zu fahren. Es ist eine kurze Lektüre, kaum länger als mein durchschnittlicher Newsletter.

Ich kam mir damals, als ich sie schrieb, richtig clever vor. Die Idee dazu kam mir, als ich mit ein paar Freunden in dem Van, in dem ich früher gewohnt hatte und den ich „Leviathan“ getauft hatte, quer durch das Land reiste. Weil er gigantisch war und die Zivilisation verkörperte.

Selbstfahrende Autos befanden sich zu diesem Zeitpunkt gerade mal in der Proof-of-Concept-Phase, aber ich erklärte, dass ich es toll fände, wenn „Leviathan“ von selbst fahren könnte – wenn ich einfach hinten in meinem eigenen Bett schlafen könnte, während mein Van mich dorthin bringt, wo ich hinwollte.

„Wenn sie selbstfahrende Autos erfinden, werden sie die Leute einfach ins Gefängnis fahren. Das weißt du doch, oder?“, sagte mein Freund zu mir.

Ich hatte keine Antwort für ihn, denn er hatte recht. Es gab nie eine Chance, dass eine Strafgesellschaft wie die USA selbstfahrende Autos als etwas anderes entwickeln würde als eine Erweiterung der sozialen Kontrolle und der Strafjustiz.

Also schrieb ich eine Geschichte darüber, verkaufte sie an Vice und versuchte seitdem, nicht zu viel darüber nachzudenken.

Zehn Jahre später wurde diese Geschichte wahr.


Im Jahr 2021 twitterte der „The Onion“-Autor Alex Blechman:

Der Screenshot zeigt den Tweet von Alex Blechman
Sci-Fi-Autor: In meinem Buch habe ich den „Torment Nexus“ als warnendes Beispiel erfunden. 
Tech-Unternehmen: Endlich haben wir den „Torment Nexus“ aus dem klassischen Sci-Fi-Roman „Don’t Create The Torment Nexus“ geschaffen.

Seitdem ist „Torment Nexus“ zum Synonym für die schrecklichen Dinge geworden, die Menschen (vor allem diejenigen, die Tech-Unternehmen leiten) tun und die von den schlimmsten dystopischen Vorstellungen von Science-Fiction-Autoren inspiriert zu sein scheinen.

Alex Blechman sprach konkret davon, wie Facebook seinen Namen in Meta änderte und versuchte, das Metaversum zu entwickeln – inspiriert vom Metaversum aus dem dystopischen Cyberpunk-Unternehmensroman Snow Crash von Neil Stephenson. Ich denke, das „Torment-Nexus“-typischste Beispiel für dieses Phänomen ist Palantir, das durch und durch böse Überwachungsunternehmen, benannt nach den Geräten, die von den durch und durch bösen Bösewichten aus Der Herr der Ringe verwendet werden.

Wenn wir ganz genau nehmen, halte ich das Waymo-Gefängnis-Taxi nicht für einen echten „Torment-Nexus“-Moment, denn ich bin nicht so überheblich zu glauben, dass selbstfahrende Taxis – oder ihre Fähigkeit, straffällige Jugendliche in die Hände der Polizei zu liefern – von meinen Texten inspiriert wurden.

Stattdessen habe ich mich einfach als hellsichtig erwiesen, und zwar nicht auf eine Art, die sich gut anfühlt.

Ich will den „Torment Nexus“ nicht.

Was wäre, wenn wir stattdessen alle Hron aufbauen würden, aus Margaret Killjoys erfolgreichem utopischem Roman aus einer fiktiven Welt, Please Build the Country of Hron? (Na ja, eigentlich heißt er A Country of Ghosts.)


Wir rutschen immer schneller in einen Albtraum, den niemand – außer den Machthabern – will. Wir wollen keine Flock-Kameras, die jede unserer Bewegungen verfolgen. Wir wollen unser Denken nicht einer aufgeblasenen Autovervollständigung überlassen, die die Bücher dieser Welt zerstört.

Wir wollen den Klimawandel bekämpfen. Wir sehen Städte in Flammen oder unter Wasser, und manchmal sind das unsere eigenen Städte. In der vergangenen Woche wurden in Frankreich und Spanien eine Drittelmillion Menschen durch die dortigen Brände vertrieben, und entweder du oder jemand, den du kennst, hat diesen Sommer bereits miterlebt, wie das Stromnetz unter der Last von Hitzewellen und Hitzekuppeln zu kämpfen hatte.

Die Bewegung gegen Rechenzentren ist wahrscheinlich die Bewegung, die am ehesten in der Lage ist, uns über kulturelle Grenzen hinweg in diesem Land zu vereinen. Während die traditionellen Medien mit dem kometenhaften Aufstieg von Rechenzentren und KI als Infrastruktur prahlen, würden wir alle es lieber sehen, wenn diese Anstrengungen in die Nachrüstung von Wohngebäuden für Energieeffizienz, Kühlung und Rauchfilterung fließen würden. Denn „wäre es nicht toll, wenn eine Website dir ein kleines Lied vorsingen könnte“ fühlt sich im Moment viel weniger wichtig an als „Ich möchte nicht zusehen müssen, wie meine Liebsten am Rauch der Waldbrände ersticken.“

Die einzige stromfressende Infrastruktur, über die wir uns gerade Gedanken machen müssen, ist die Klimaanlage.

Dazu habe ich nicht viel zu sagen, was über eine Aneinanderreihung von Schimpfwörtern hinausgeht.

Und unsere Autos sollten uns nicht ins Gefängnis fahren. Ich wünschte, wir könnten selbstfahrende Autos haben, aber der Strafvollzugsstaat und der Kapitalismus sind der Grund, warum wir keine schönen Dinge haben können.

Ich bin nicht gegen Technologie, zumindest nicht im abstrakten Sinne. Aber Technologie ist nicht neutral; sie wird innerhalb von Gesellschaften entwickelt und umgesetzt. Die ursprünglichen Ludditen hassten nicht die Idee von Maschinen, sie hassten die Vorstellung, dass ihre Lebensgrundlage durch Maschinen zerstört wurde. Textilarbeiter hatten zuvor in Häuschen gearbeitet – einer buchstäblichen Heimindustrie –, wurden aber plötzlich zu ersetzbaren Rädchen im industriellen Getriebe der Städte. Es ist nicht so, dass alle Arbeiter ihre Jobs verloren hätten, sondern dass ihre Arbeit von der Würde des Handwerks in das Elend der industriellen Produktion abglitt.

Und heute Morgen zitierte die New York Times einen KI-Arsch, der meinte, KI werde „das Zehnfache der industriellen Revolution mit zehnfacher Geschwindigkeit“ bringen.

Nun bin ich glücklicherweise ein kleiner KI-Optimist. Das heißt, ich glaube, dass sie zusammenbrechen und scheitern wird, anstatt diese gewaltigen, weltverändernden Dinge zu vollbringen, die keiner von uns will. Wahrscheinlich wird sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Aber wenn nicht, nun, dann gibt es bereits jetzt eine Revolte, und diese Revolte wird wachsen.

Und wenn sie auf dem „Torment Nexus“ bestehen, können wir uns weigern, ihn zu bauen.

Und wenn sie ihn trotzdem bauen, können wir ihn zerstören.

Quelle: „When They Insist Upon the Torment Nexus or: your car should not drive you to jail“ von Margaret Killjoy, 29. Juli 2026

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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

Operación Estrella - 30. Juli 1971: Die größte Flucht aus einem Frauenknast in der Geschichte

Die Collage zeigt die 38 Frauen, zusammengestellt aus Pass- oder Fahndungsfotos

38 Frauen des Movimiento de Liberaciön Nacional-Tupamaros (MLN-T)- aus dem Cabildo Gefängnis in Montevideo, Uruguay, brachen in der Nacht des 30. Juli 1971 aus dem FGefängnis aus. Inspiriert von der Nutzung der Kanalisation in Warschau durch den jüdischen Widerstands gegen das Nazi-Regime, entstand die Idee, für den Ausbruch das Abwassersystem Montevideos zu nutzen. Es wurden zwei Tunnel gebaut: einen vom Gefängnis bis zu den Abwasserkanälen u. einen von dort zu einem nahen Haus, das von der Gruppe gemietet worden war. Die Ausgrabung der Tunnel (jeweils 18 Meter lang, 1,20 ‚hoch und 80 cm breit) dauerte etwa fünf Monate...

1994 erschien ein Buch von Graciela Jorge Pansera im Verlagshaus Tupac Amaru Ediciones: Historia de 13 palomas y 38 estrellas: las fugas de la cárcel de mujeres ( ISBN 978-9974-41-025-1). Im Jahr 2018 veröffentlichte Josefina Licitra das Buch "38 estrellas: La mayor fuga de una cárcel de mujeres de la historia (Los Tres Mundos)".

Siehe auch: De 13 Palomas y 38 Estrellas. Die Gefängnisausbrüche der Tupamaras in den 1970er Jahren in Uruguay von Elisabeth Pütz in: Arbeitspapiere zur Lateinamerikaforschung, Ausgabe II-16

  1. Marta Teresita Avella Lucchini
  2. Susana Alberti Alé
  3. Sandra Verónica Angeleri Chamorro
  4. Noemí Lydia Alonso Firpi
  5. Alba Mabel Antúnez Nieto
  6. María del Carmen Beretta Curi
  7. Carmen Teresa Bonilla Bravo
  8. Griselda Borges Saravia
  9. Olga Cairello Pérez
  10. Cristina Cabrera Laport
  11. Águeda Susana Carli Alaniz
  12. Ana Elena Casamayou del Pino
  13. Adriana Iris Castera Morales
  14. Graciela Darré Francia
  15. Raquel Margarita Dupont Olivera
  16. Edda Fabbri
  17. Mirtha Ercilla Fernández Pucurull
  18. Myriam Raquel Fernández Márzico
  19. Santa Nélida Fontora Santos
  20. Xenia Itté González
  21. Graciela Nelly Jorge Pansera
  22. Telma Juárez Beli
  23. María Teresa Labrocca Rabellino
  24. Yessie Arlette Macchi Torres
  25. Lía Margarita Maciel Rodríguez
  26. Nora Maneiro Mancilla
  27. Edith Moraes Alves
  28. Sonia María Mosquera Villamil
  29. Virginia Amanda Oliveri González
  30. Martha Lorelley Pallas Silveira
  31. Rosa Rebollo Pereira
  32. Alicia Rey Morales
  33. Stella Myrna Saravia Rivera
  34. Stella María Sánchez Mendoza
  35. Lucía Topolansky Saavedra
  36. María Elia Topolansky Saavedra
  37. Elida Valdomir Coelho
  38. Esther Carmen Uribasterra Matas
Besten Dank an H. für Information, Bilder und Erinnerung.

EINTOPF braucht eure Unterstützung!

Das SharePic für die Kampagne zeigt eine Gießkanne, die einen Blumentopf gießt. Dazu die Logos des IT Kollektivs und von Eintopf.info überlagert vom Text "Let's go, let's grow Deine Unterstützung für digitale Souveränität Klasse & Methode e.V. liebt und lebt digitale Commons*: Wir betreiben Eintopf Stuttgart und weitere kostenlose Dienste für viele lokale Gruppen. So viele, dass ein neuer Server her muss, da der alte aus allen Nähten platzt.".

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92. Todestag von Nestor Machno

Nestor Machno, 1921 Fotograf* unbekannt
Nestor Machno, 1921 Fotograf* unbekannt

"Je mehr sich ein Mensch durch Reflexion seiner unterwürfigen Lage bewusst wird, desto empörter wird er, und desto stärker wächst in ihm der anarchistische Geist der Freiheit, der Entschlossenheit und des Handelns. Das gilt für jeden Einzelnen, ob Mann oder Frau, auch wenn er oder sie das Wort „Anarchismus“ vielleicht noch nie zuvor gehört hat..."

Nestor Machno, Der Kampf gegen den Staat und andere Aufsätze.

Am 25. Juli 1934 starb Nestor Iwanowitsch Machno, Gründungsmitglied der Revolutionären Aufstandsarmee der Ukraine während der Russischen Revolution von 1917, im Alter von 44 Jahren im Exil in Paris an Tuberkulose. Seine Miliz, die als Machnowisten bezeichnet wurde, besiegte die konterrevolutionäre Weiße Armee von General Denikin, richtete Antisemiten hin und verteilte Land und Macht an die Arbeiter und Bauern. Nachdem sie von den Bolschewiki verraten worden waren, versuchten sie anschließend, die Revolution in der Ukraine gegen die Rote Armee zu verteidigen, bis sie schließlich von einer übermächtigen Streitmacht überwältigt wurden.

Makhno nimmt in der Geschichte des Anarchismus einen besonderen Platz ein. In den Gebieten, die die Aufständischen der Anarchistischen Schwarzen Armee verteidigten, lebten von 1918 bis 1921 Millionen von Menschen in einer staatenlosen Gesellschaft. Er zeigte, wie es möglich ist, sich allen Formen von Hierarchie und Unterdrückung zu widersetzen und in einer völlig freien, kooperativen Gesellschaft zu leben.

Emma Goldman zufolge „war es Makhnos Ziel, im Süden eine libertäre Gesellschaft zu errichten, die als Vorbild für ganz Russland dienen sollte“. Interessanterweise merkte Trotzki einmal an, dass er und Lenin mit dem Gedanken gespielt hätten, Makhno zu diesem Zweck das Gebiet zu überlassen, doch das Vorhaben scheiterte, als in der Ukraine Kämpfe zwischen den anarchistischen Guerillas und den bolschewistischen Truppen ausbrachen.

•    *Es ist bemerkenswert, dass eine Reihe von Veteranen seiner Aufständischen Armee 1936 tatsächlich in die Durruti-Kolonne ging, um dort zu kämpfen. Wie passend also, dass spanische CNT-Genossen finanzielle Unterstützung leisteten, als Machno todkrank an Tuberkulose in einem Pariser Krankenhaus lag.

•    Nestor Machno – Die anarchistische Revolution:

•    Keine politischen Parteien, keine Diktaturen, kein Staat, Arbeiterräte an der Basis … Machnowia: Aufbau des Anarchismus im Bürgerkrieg. Dieses Video ist eine Geschichte des freien Gebiets in der Ukraine während des russischen Bürgerkriegs, das manchmal als Machnowia oder Machnowtschina bezeichnet wird. Es handelte sich um eine riesige anarchistische Region in der Ukraine, an der Millionen von Menschen beteiligt waren und die von der Schwarzen Armee verteidigt wurde:


Mit Hand und Fuß oder: Bei einem Computerjob brauchst Du körperlich anstrengende Hobbys

Dieses Essay baut auf meinem Essay „The Punk Rock Good Life“ auf. (Zur deutschen Übersetzung hier entlang) 

Die Hausbesetzer in Amsterdam waren nicht gerade begeistert von mir.

Gebäude „Kosmos“, Koningsplein 1,  in Amsterdam. An der Ecke von Koningsplein und Singel 1890–1891 errichtetes GESCHÄFTSGEBÄUDE mit BÜROS und einer KONCIERGEWOHNUNG nach einem Entwurf im Neobarockstil von Th.G. Schill und D.H. Haverkamp im Auftrag der Direktoren der Versicherungsbank „Kosmos“. Das Geschäft befand sich im Erdgeschoss, die Büros – der Versicherungsbank „Kosmos“ selbst – waren im ersten und zweiten Stock untergebracht und die Hausmeisterwohnung befand sich im dritten Stock.

Das besetzte Kosmos in Amsterdam

Foto: Bas Koffie

Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Räumungswelle stand bevor – die Hausbesetzer in Amsterdam leisteten immer so heftigen Widerstand, dass die Polizei aus dem ganzen Land anrücken musste, um auch nur eine einzige besetzte Wohnung zu räumen; daher wurden mehrmals im Jahr mehrere besetzte Wohnungen an einem einzigen Tag geräumt. Die Räumungswelle stand bevor, und die Hausbesetzer machten sich bereit.

Wenn du nicht sofort auf der Seite der Hausbesetzer stehst, dann lass mich dir Folgendes sagen: In den 1980er Jahren hatte die Immobilienspekulation ein Drittel von Amsterdam leer stehen lassen, während die Menschen dringend Wohnraum brauchten; also begannen Hausbesetzer, leerstehende Gebäude zu nutzen, um sich selbst und andere unterzubringen. Niederländische Hausbesetzer waren stolz darauf, ihre Räume zu verschönern, statt nur in Elend zu leben, und ich habe noch nie eine Gemeinschaft von Menschen getroffen, die sich so sehr für die Eigenreparatur von Wohnungen engagierte und dazu fähig war.

Sogar die Regierung stimmte zu, dass die Hausbesetzung ein gesellschaftliches Gut war, und jahrzehntelang war es legal, jedes Gebäude zu besetzen, das seit mehr als einem Jahr leer stand und für das der Eigentümer keine Pläne hatte.

Aber die Regierung tat das nicht aus reiner Herzensgüte. Die Hausbesetzungen kamen zuerst, und die Regierung eilte hinterher. (So laufen übrigens alle gesellschaftlichen Veränderungen ab.) Selbst in einer Zeit legaler Hausbesetzungen wussten die Hausbesetzer, dass sie ihre Gebäude verteidigen mussten. Würden Räumungen jemals einfach werden, wäre es mit den Hausbesetzungen vorbei.

Jede Räumung war also ein wildes Spektakel aus Farbbomben (von den Hausbesetzern) und Wasserwerfern sowie Tränengas (von der Polizei). Die Leute erzählten mir Geschichten von Farbbomben-Katapulten auf den Dächern. Die Leute erzählten mir Geschichten davon, wie die Polizei einmal den Haupteingang aufgab, einen Schiffscontainer mit Polizisten füllte und ihn mit einem Kran hochhob, um im dritten Stock einzubrechen – nur damit die Hausbesetzer den Container mit einer langen Holzstange im Kreis herumwirbelten.

Übrigens stellten sie ihre Farbbomben so her, dass sie Luftballons in Wachs tauchten, sie dann entleerten, um eine hohle Hülle zu erhalten, die sie mit Farbe füllten und anschließend mit mehr Wachs versiegelten. Falls du neugierig warst.

Die Leute hatten mir eine wilde Geschichte nach der anderen erzählt – von versteckten, federbetätigten Falltüren, von leeren Bierfässern, die bereitstanden, um das Treppenhaus hinunterzufallen, von den Home Alone-Streichen, die ihre Lebensweise bewahrten und Immobilienjäger davon abhielten, ihre Stadt erneut zu zerstören. Sie erzählten mir diese Geschichten und waren ziemlich enttäuscht von mir, als wir uns auf die Räumungswelle vorbereiteten und ich erklärte, dass ich so gut wie keine handwerklichen Fähigkeiten hatte. Vor allem wusste ich nicht, wie man schweißt. Was für ein Mensch weiß denn nicht, wie man schweißt, fragten sie sich.

Leute wie ich, lautete die Antwort. Ein amerikanischer Kunsthochschulabbrecher, der Fotografie studiert hatte. Ich wusste nicht, wie man schweißt.

Mein Vater war tatsächlich eine Zeit lang professioneller Schweißer gewesen, und ich hatte als kleines Kind ein- oder zweimal in unserer Garage mit dem Lichtbogen geschweißt, aber es war ein kniffliger Vorgang, und aus welchem Grund auch immer war ich nicht von Natur aus mit handwerklichem Geschick (oder, was noch wichtiger ist, mit Liebe zum Detail) gesegnet, also blieb es nicht dabei. Na ja, eigentlich blieb es mir viel zu sehr im Gedächtnis. Das ist ein Witz über das Lichtbogenschweißen … Lichtbogenschweißen ist ein kniffliger Vorgang: Wenn man zu wenig Druck ausübt, entsteht keine Schweißnaht, und wenn man zu viel Druck ausübt, schweißt man den Schweißstab mit dem Werkstück zusammen.

An der Kunsthochschule fragte mich mein Bildhauerlehrer: „Du warst doch der Junge, der nicht entlang der gepunkteten Linien schneiden konnte, oder?“ Was stimmte. Später nahm mich mein Zeichenlehrer beiseite und sagte mir:

„Es ist keine Schande, abzubrechen, wenn die Kunsthochschule nichts für dich ist.“

Also nein, die niederländischen Hausbesetzer waren von mir genauso wenig beeindruckt wie mein Zeichenlehrer damals.

Zehn Jahre später baute ich mir eine Hütte und lebte darin. Heutzutage verbringe ich den Großteil meiner Freizeit damit, Dinge zu basteln. Zum Schweißen bin ich noch nicht zurückgekehrt, aber es steht auf meiner Liste und ich glaube, ich werde es lernen können. Als Kind spielten sich die meisten meiner Hobbys am Computer ab. Videospiele, digitale Kunst. Computer reparieren. Spiele mit einfachen Programmierprogrammen wie ZZT entwickeln. Schreckliche Cyberpunk-Geschichten über einsame, introvertierte Teenager schreiben. Layout – ich war der Designer für das Jahrbuch meiner Schule und, falls es dich interessiert, habe ich meinen Abschluss als Chefredakteur sowohl des Jahrbuchs als auch der Literaturzeitschrift gemacht.


Es wird dich nicht überraschen, dass ich nicht besonders sportbegeistert war. Ich bin viel mit dem Fahrrad herumgefahren, da ich kein Auto hatte, aber alles, was ich zum Spaß gemacht habe, hatte mit einer Tastatur und einem Bildschirm zu tun. (Ich bin unendlich dankbar, dass ich vor der Zeit der Smartphones und vor World of Warcraft aufgewachsen bin).

Ein paar Jahre, nachdem ich das College abgebrochen hatte und per Anhalter herumgereist war, besorgte ich mir einen Laptop, den ich mitnehmen konnte. Ich reiste mit einem großen Wanderrucksack, einer Ziehharmonika in einem schweren Holzkasten und einer Laptoptasche. Ich war nicht gerade ein Ultraleicht-Wanderer. Aber ich habe diesen Laptop gut genutzt. Ich betrieb anarchistische Websites. Ich betrieb einen Zine-Vertrieb, der noch heute existiert. Ich schrieb furchtbare Cyberpunk-Geschichten über einsame, introvertierte Twens. Ich machte Musik. Während des halben Jahres, das ich in Amsterdam lebte, nahm ich ein ganzes furchtbares Industrial-Album auf. Ich half beim Layout eines Hausbesetzer-Magazins und lernte dabei von einer Österreicherin Punk-Grafikdesign. Ich tat all die Dinge, die schon bald zu meinem Lebensunterhalt wurden (ich gestaltete Buchinnengestaltung und E-Books für AK Press – das war etwa ein Jahrzehnt lang meine Haupteinnahmequelle).

Aber ich habe auch schon früh eine Entscheidung getroffen, für die ich jeden Tag dankbar bin. Ich beschloss, dass, da ich am Computer arbeitete, alle meine neuen Hobbys körperlich sein mussten.

Deshalb habe ich nie 3D-Design gelernt. Deshalb programmiere ich nicht. Deshalb habe ich nie einen dieser RPG-Generatoren benutzt, um zu versuchen, mein eigenes Videospiel zu entwickeln. Ich habe nichts gegen diese Dinge. Ich habe mich in all das mal reingeschnuppert, und ich glaube, es würde mir sowieso leichter fallen als körperliche Hobbys, aber ich darf es einfach nicht.

Stattdessen arbeite ich mit Holz. Ich spiele Instrumente (schlecht, aber es macht mir Spaß). Eine Hütte zu bauen oder einen Schuppen zu dämmen, ist für mich das, was Spaß macht. Ich kann einen Baum fällen, wenn es keine allzu knifflige Aufgabe ist. Mit Gleichstromsystemen komme ich ganz passabel zurecht. (Dass ich früher ein Computerfreak war, zeigt sich, wenn es darum geht, ein Auto zu reparieren – ich bin besser in der Elektrik als in der Mechanik, ganz anders als alle anderen, die ich kenne).

Ich bin in all dem nicht von Natur aus begabt. Ich verbringe Stunden damit, über Ampere, Watt und Volt zu lesen, über Holzarten und darüber, wie man ein Fenster abdichtet. Mein YouTube-Algorithmus ist ein Chaos, aber er weiß, dass ich tatsächlich einschlafen möchte, während ich mir ein Video anschaue, in dem jemand einen Keller ausbaut oder darüber spricht, welche Ausrüstung er mitgebracht hat, um den Pacific Crest Trail zu wandern.


In Asheville, North Carolina, gibt es eine Reihe von genossenschaftlich geführten Wohnwagenparks. Sie gehören den Bewohnern selbst, werden aber von einer Gruppe namens Poder Emma organisiert („Emma“ ist der Name des ländlichen Viertels, daher bedeutet der Name auf Spanisch „Power Emma“). Die Finanzierung erfolgte über Seed Commons. Ich halte Poder Emma und Seed Commons für zwei der wichtigsten Bausteine einer revolutionären Infrastruktur in diesem Land, und so sehr ich das Hausbesetzen auch geliebt habe, finde ich genossenschaftliches Eigentum noch besser.

Eines Tages gab es eine Arbeitsaktion in einem dieser Wohnwagenparks. Jemand entkernte gerade seinen Wohnwagen, um ihn neu aufzubauen, also tauchten ein paar Dutzend von uns auf, um zu helfen. Ich brachte meinen Pick-up mit, um Müll abtransportieren zu können, und bekam Komplimente dafür. „Der war nicht billig“, gab ich zu. (Ich hatte mir einen Kredit für einen gebrauchten Pick-up aufgenommen, kaum dass ich meinen ersten festen Job bekommen hatte, bei dem ich Computerarbeit für Seed Commons erledigte) .

„Na ja, wenn du ihn für die Arbeit brauchst, dann brauchst du ihn eben für die Arbeit“, antwortete jemand.

Ich musste ihnen gestehen, dass ich am Computer arbeitete. Aber ich kam mir kein bisschen wie ein Angeber vor, weil ich diesen Tundra hatte – ich lebte autark in einer Hütte, die ich selbst gebaut hatte, und ich hatte mir den Pick-up zugelegt, weil ich es satt hatte, mir Fahrzeuge auszuleihen oder zu versuchen, Bauholz aus dem Fenster meines winzigen Hybrid-Sedans zu quetschen. Ich habe diesen Pick-up benutzt, um Kies zu transportieren, ich habe ihn benutzt, um einen Holzhäcksler abzuschleppen, und ich habe ihn benutzt, um mit meinem Hund und einem Bett im Laderaum durch das Land zu reisen.

Dieser Moment in diesem Wohnwagenpark war für mich irgendwie sehr bedeutsam, weil er mein gespaltenes Leben deutlich machte. Ja, ich verdiente meinen Lebensunterhalt am Computer (indem ich Förderanträge schrieb, die zur Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten beitrugen), aber ich hatte mir tatsächlich ein Leben aufgebaut, das auch meinen Körper und meine Hände einbezog. Es ist kein Arbeits-Truck, aber auch kein „Asphaltprinz“.

Auch wenn der Großteil der Umbauten, die ich selbst daran vorgenommen habe, elektrischer Natur ist. Wie die violetten Lichter im Fußraum und die USB-Steckdose. Genau wie in meiner alten Hütte habe ich bei der Solaranlage und dem Mobilfunk-Signalverstärker bessere Arbeit geleistet als bei der Verkleidung und dem Anstrich.

Denn wenn man ein „Innenkind“ nach draußen schickt, wird es Kabel verlegen.

Und das ist in Ordnung.


Hausbesetzen nach niederländischer Art (wo man den Ort aufwertet, anstatt ihn herunterzukommen) hat unglaublich viel mit Eigentum (vor allem genossenschaftlichem Eigentum) gemeinsam. Bei beidem geht es darum, Verantwortung für deinen Raum zu übernehmen.

Eine Welt voller Vermieter und Mietwohnungen ist aus tausend Gründen schrecklich. Vor allem wegen der Tatsache, dass Vermieter ihren Mietern Reichtum abziehen. Aber auch, ähnlich wie bei der Arbeit an nicht-genossenschaftlichen Arbeitsplätzen, lehrt dich das Mieten nicht, Verantwortung für deinen Raum zu übernehmen.

Ich habe nur etwa ein halbes Jahr in Amsterdam verbracht, aber es war eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Und eine Erkenntnis, die ich daraus mitgenommen habe, war, dass man auch für vorübergehende Räume Verantwortung übernimmt. Wo auch immer du lebst, solltest du diesen Raum verbessern. Zwei spanische Lesben wohnten weniger als zwei Wochen in unserem besetzten Haus und bauten dort ein Hochbett, wobei sie dicke Ankerbolzen ins Mauerwerk schraubten. Als sie gingen, zog ich in dieses Zimmer ein, und ihre Verbesserungen hielten jahrelang – bis die Polizei die Tür aufbrach und alle mit vorgehaltener Waffe hinaustrieb, auf Geheiß des inhaftierten Mafiabosses, dem das Gebäude gehörte.

Die Gesellschaft beraubt uns unseres Verantwortungsbewusstseins, und indem wir Verantwortung für unsere Umgebung und unsere Gemeinschaften übernehmen, gewinnen wir unsere Freiheit und unsere Würde zurück.


Manchmal denke ich, der Höhepunkt meines Lebens war, bevor ich diesen Job bei Seed Commons antrat: Ich saß auf der Veranda meiner selbstgebauten Hütte, schnitzte Löffel mit einem Hakenmesser und hörte dabei Hörbücher. Ich war unglücklich und pleite, es herrschte Pandemie und ich war einsam, aber ich habe auch jede Menge Löffel geschnitzt und vermisse das.

Und wenn ich jemals zurückkehren würde, könnte ich ein uraltes holländisches Haus viel besser gegen die Polizei verbarrikadieren. Obwohl ich wahrscheinlich immer noch jemanden bräuchte, der mir das Schweißen beibringt.

Quelle: „With Our Hands and Our Bodies or: if you work on a computer for a living, do physical hobbies“ von Margaret Killjoy, 08. Juli 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

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