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»Ich sehe nicht ein, warum ich, der Einfalt Anderer wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte.« Arthur Schopenhauer

Du bist nicht allein – psychische Gesundheit und linker Aktivismus

Der Ausschnitt aus dem Veranstaltungsflyer zeigt zwei Personen, die sich als Teil einer Menschenkette untergehakt haben sowie Angaben zum Ort und Uhrzeit der Veranstaltung
Ausschnitt aus dem Veranstaltungsflyer
Du bist nicht allein - psychische Gesundheit und linker Aktivismus. Eine Veranstaltung der Roten Hilfe am Freitag, 13.02.2026 19 Uhr. Psychische Belastung, Burnout und Streitereien folgen häufig auf Repression und sich nur langsam einstellender Erfolge. Wir wollen zusammen mit Tom, einem ausgebildeten Psychotherapeuten, den Fragen nachgehen: Was können wir dagegen tun, was braucht es und wie helfen wir einander?

Freitag, 13.02.2026 18:30 Uhr Einlass, 19 Uhr Beginn

Nachbarschaftshaus Nürnberg - Gostenhof Adam-Klein-Straße 6  (U1 Bärenschanze / Gostenhof)

Klimakatastrophe, Krieg, Sozialraub und Faschismus sind nicht nur drängende Themen unserer Zeit, sie sind auch der Grund warum immer mehr Menschen politisch aktiv werden. Das ist eine notwendige und gute Entwicklung auf die großen Probleme, die vor uns stehen. Doch meist nach bereits kurzer Zeit der Aktivität begegnen uns Widerstand und Gewalt. Egal ob sich diese durch Schlagstöcke, Tränengas, Gerichtsverfahren oder Verleumdungen ausdrücken, getroffen wird nicht nur die Bewegung. Getroffen sind immer auch Individuen, die mit Ängsten, Schuldgefühlen und Ohnmacht umgehen müssen. Häufig führt diese nicht zu einem kollektiven Umgang, sondern zu Streitereien, Schuldvorwürfen und Missgunst.

Doch wie können wir das anders machen? Was brauchen wir dafür und wo begingen?

Der Weisheit letzter Schluss besitzen auch wir auch nicht. Doch zusammen mit Tom, einem ausgebildeten Psychotherapeuten, wollen wir diesen Fragen nachgehen.

Teile auch Du gerne unsere Veranstaltung. Hier findest Du den aktuellen Flyer zum Selbstdruck in DIN A5 Vorder-, Rückseite

Ablauf der Veranstaltung / Worauf kannst Du Dich einstellen?

Die Veranstaltung ist als Gespräch auf der Bühne zwischen einer Vertreterin der Ortsgruppe und Tom geplant. Es wird keine allgemeine Debatte oder Fragerunde mit dem Publikum geben. Wir wollen für alle einen sicheren Raum schaffen und können das anderweitig nicht gewährleisten. Die Veranstaltung erfordert keine Vorkenntnisse und soll zu einem bewussteren Umgang in unseren Zusammenhängen und Kollektiven beitragen. Sie kann keinesfalls die eigene Beschäftigung mit dem Thema oder gar eine therapeutische Bearbeitung von Traumata ersetzen. Ziel des Abends wird es sein Werkzeuge und Antworten auf folgende Fragen zu finden:

– Wie kann ich mit abstrakten Ängsten nach Aktionen umgehen, z.B. in Form von Spekulationen: Kommt Post, kommt keine, wie schlimm wird es?
– Wie umgehen mit konkreten Ängsten, z.B. vor einer anstehenden Gerichtsverhandlung?
– Wie umgehen mit Gewalterfahrungen, Willkür und Ungerechtigskeitsempfinden?
– Wie umgehen mit Schuldgefühlen weil andere wegen Solidarisierung mit mir Repression erfahren haben oder weil ich das Gefühl habe „etwas dummes“ gemacht zu haben das die Repression begünstigt hat?
– Wie ins Gespräch kommen über Repression?
– Wie mit Ängsten innerhalb der Bezugsgruppe?

Quelle: Rote Hilfe Nürnberg via Redside

Sehenswerte Doku: Akutstation Psychiatrie

Psychose, Alkoholsucht, Essstörung, Panikattacke und Suizidgedanken: Die Reportage bietet einen ungeschminkten und berührenden Einblick in den Alltag einer psychiatrischen Akutstation. Barbara Jost und ihr Team kümmern sich in den Kreiskliniken Groß-Umstadt um psychiatrische Notfälle. Wer kommt in die Psychiatrie? Und wie behandelt man psychiatrische Erkrankungen? Die Erfahrung zeigt: Psychische Erkrankungen können jeden treffen. Sehenswerte Dokuserie in zwei Staffeln in der ARD.

Über Sisyphus

Sisyphos-Darstellung Tizians
Sisyphos-Darstellung Tizians
„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr [recte: den Herrn] seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder [recte: jedes] Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos: 6. Aufl., Reinbek, 2004. S. 159f.
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Ein alter Mann geht vorüber

Erich Kästner 1961
Foto: von Basch
Lizenz: [CC BY-SA 3.0 nl]

Ich war ein Mann. Und jetzt bin ich ein Greis.
Die Zeit verging. Ich bin noch immer hier
Und möchte gern vergessen, was ich weiß.
Ich war ein Kind. Ein Mann. Nun bin ich mürbe.
Wer lange lebt, hat eines Tags genug.
Ich hätte nichts dagegen, wenn ich stürbe.
Ich bin so müde. Andre nennen's klug.

Ach, ich sah manches Stück im Welttheater.
Ich war einmal ein Kind, wie ihr es seid.
Ich war einmal ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.
Und meistens war es schade um die Zeit...
Ich könnte euch verschiedenes erzählen,
Was nicht in euren Lesebüchern steht.
Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen,
Sind immer die, um die sich alles dreht.
Wir hatten Krieg. Wir sahen, wie er war.
Wir litten Not und sah'n, wie sie entstand.
Die großen Lügen wurden offenbar.
Ich hab' ein paar der Lügner gut gekannt.

Ja, ich sah manches Stück im Welttheater.
Ums Eintrittsgeld tut's mir noch heute leid.
Ich war ein Kind. Ein Mann. Ein Freund. Ein Vater.
Und meistens war es schade um die Zeit...

Wir hofften. Doch die Hoffnung war vermessen.
Und die Vernunft blieb wie ein Stern entfernt.
Die nach uns kamen, hatten schnell vergessen.
Die nach uns kamen, hatten nichts gelernt.
Sie hatten Krieg. Sie sahen, wie er war.
Sie litten Not und sah'n, wie sie entstand.
Die großen Lügen wurden offenbar.
Die großen Lügen werden nie erkannt.

Und nun kommt ihr. Ich kann euch nichts vererben:
Macht, was ihr wollt. Doch merkt euch dieses Wort:
Vernunft muß sich ein jeder selbst erwerben,
Und nur die Dummheit pflanzt sich gratis fort.
Die Welt besteht aus Neid. Und Streit. Und Leid.
Und meistens ist es schade um die Zeit.

Erich Kästner, in "Die Weltbühne", 1933/1946

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