Ich weiß nicht, ob du schon mal versucht hast, im Sommer in einem State Park zu zelten, aber heutzutage ähneln die meisten eher Wohnmobil-Städten als dem, was man traditionell mit Campingplätzen verbindet. Für die Leute, die das mögen, ist es wahrscheinlich unglaublich schön. Es ist wahrscheinlich unglaublich schön, eine Woche lang mit der Familie in deinem geldverschlingenden Wohnmobil abzuhauen, um unter den Bäumen zu schlafen, während der Generator läuft und die LED-Unterbodenbeleuchtung blinkt, umgeben von einer vorübergehenden, aber freundlichen Gemeinschaft.
So bin ich nicht aufgewachsen. Wir sind in Zelten zelten gegangen, und wir sind nicht dorthin gefahren, um uns im Grunde wie in einer provisorischen Stadt zu fühlen. Aber ich stelle mir gerne vor, dass ich, wenn es so gewesen wäre, die Freiheit geliebt hätte, auf Wanderwegen herumzustreunen, Frösche zu fangen und in Seen zu schwimmen, um dann nach Hause zu kommen – zu warmem Essen, kühler Luft und einem Bett, das kein Schlafsack ist. Ich hätte die vorübergehende Gemeinschaft geliebt, die vorübergehenden Freunde, die vorübergehenden Lieben.
Mit vorübergehenden Freunden kam ich immer besser zurecht als mit Schulfreunden. Ich kam immer besser zurecht, wenn ich bei Null anfangen konnte – mit Leuten, die nicht wussten, dass ich das unbeliebte Kind war, das sie verprügeln, mit dem sie keinen Spaß haben oder in das sie sich nicht verlieben sollten.
Aber nichts davon ging mir letzte Woche durch den Kopf, als ich um 23 Uhr ein winziges Backpacking-Zelt auf einem winzigen Stück Sand und Erde in einem State Park in Michigan aufstellte. Wir waren nicht mehr als zehn Fuß von unseren nächsten Nachbarn entfernt, nicht mehr als zwanzig Fuß von einem Wohnmobil mit den bereits erwähnten Regenbogen-LED-Unterbodenleuchten, die die ganze Nacht über brannten. Wir wollten einfach nur irgendwo schlafen, wo uns die Polizei nicht wecken würde, also zahlten wir etwa 50 Dollar für das Privileg, auf diesem Planeten existieren zu dürfen.
Wir hatten zwei Isomatten, einen Schlafsack, eine Wolldecke und keine Kissen. Das Zelt war kaum so groß wie unsere beiden Körper, wenn wir uns hinlegten, aber wir hatten auch einen Hund und eine Katze dabei. Es war viel zu heiß. Die Katze pinkelte zuerst auf die Wolldecke, direkt zu meinen Füßen. Dann, eine Stunde vor Sonnenaufgang, zog sie ans Kopfende des Zeltes, um sich auf die Weste und die Jacke zu stellen, die ich als Kissen zusammengeknüllt hatte. Und sie pinkelte wieder.
Ich habe nicht gut geschlafen.
Ich nehme an, er auch nicht.
Es gibt einige Karten, die ich mir selbst beim Schreiben verdeckt halte, und ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich nicht jede Karte offenlege. Ich war schon immer eine zurückhaltende Memoirenschreiberin, sowohl weil mir meine Privatsphäre wichtig ist, als auch weil jede Geschichte, die ich dir erzählen könnte, nicht nur meine eigene Geschichte ist, sondern die Geschichte aller, die dabei waren.
Ich kann euch erzählen, dass wir beide beschlossen haben, für ein paar Tage auf die Obere Halbinsel von Michigan zu fahren: zwei Tage Fahrt hin, zwei Tage dort, zwei Tage zurück. Das war eine Menge Fahrt für nur ein paar Tage in einer Hütte, aber ich habe nichts gegen einen guten Roadtrip in guter Gesellschaft. Außerdem habe ich einen Van, den ich mit einem Bett, einem kleinen Minikühlschrank und sogar einer 12-Volt-Klimaanlage ausgestattet habe (leider ohne Regenbogen-Unterbodenbeleuchtung), also rechneten wir damit, Hotelkosten zu sparen und unterwegs bequem schlafen zu können.
Ich beschloss, meinen Hund mitzunehmen. Er ist der halbe Grund, warum ich den Van überhaupt habe – ich habe ihn mir vor ein paar Jahren für eine Lesereise zugelegt und dann umgebaut, um mit meinem Jungen zu reisen. Deshalb gibt es eine Klimaanlage und einen ferngesteuerten Temperatursensor, sodass ich jederzeit auf meinem Handy nachsehen kann, wie warm es bei ihm drinnen ist, und so immer weiß, dass er in Sicherheit ist. Er mag Autofahrten nicht besonders, aber er liebt neue Orte, und wir beide sind zusammen glücklicher als getrennt, also kam er mit mir in den Urlaub. Außerdem ist meine Hundebetreuung ins Wasser gefallen.
Dann ist in letzter Minute auch noch die Katzenbetreuung geplatzt. Kein Problem, dachten wir. Rintrah hat seine Transportbox, und wir können ein Katzenklo und ein paar Pissmatten auf den Boden des Vans legen – das würde schon klappen.
Mein Van hatte allerdings andere Pläne. Noch zehn Stunden von unserer Hütte entfernt fing der Van an zu rütteln, der Motor begann zu stottern, und ich schaltete herunter und kroch mit eingeschalteten Warnblinkern die Nebenstraßen entlang. Wir schafften es bis in eine kleine Stadt am Ufer des unheilvoll benannten Devil’s Lake und bogen dann auf den Parkplatz des ebenso unheilvoll benannten „Devil’s Lake Auto Care“ ab.
Wir wurden aber nicht ermordet, was gut ist.
Als ich früher in einem Van lebte (einem anderen Van), habe ich komplett aufgehört, Horrorfilme zu gucken. Mein Leben bestand viel zu sehr darin, in kleine Städte zu fahren und an schäbigen Tankstellen nach Orten zu fragen, an denen ich allein in meinem Auto unter Bäumen schlafen konnte, als dass ich mir Filme über Leute wie mich, die ermordet werden, hätte ansehen wollen.
Natürlich fing ich dann wieder an, Horrorfilme zu schauen, als ich allein in einer schwarzen Hütte im Wald lebte, aber manchmal muss man sich einfach auf Ästhetik und Romantisierung einlassen, um mit der Angst fertig zu werden.
So oder so, wir hatten eine Panne am Devil’s Lake, und wenn diese Geschichte eine Moral hat, dann findest du sie hier: Manche Probleme lassen sich tatsächlich leichter mit Freunden und der Gemeinschaft lösen als mit Geld oder der Infrastruktur, die unsere Gesellschaft bereitstellt. Denn ein Freund kam aus einer nahegelegenen Stadt angerannt, um uns und unsere Tiere abzuholen, während ein anderer Freund uns ein Auto lieh bzw. vermietete, damit wir unseren Urlaub nicht verlieren würden. Unterdessen hielt ein Bauer – ein Fremder – am Devil’s Lake an und sagte uns, er würde dem Mechaniker Bescheid geben, dass der Van repariert werden müsse.
Aber damit blieben uns nur noch unsere Notfall-Campingausrüstung, die nicht für so viele Menschen und Haustiere ausgelegt war. Und ein winziger Kombi, der ebenfalls nicht wirklich für so viele Menschen und Haustiere ausgelegt war.
Am nächsten Morgen, benommen und mit Urinflecken, als die Sonne gerade aufging, traf ich auf meinen alten Feind, der mir so vertraut war, dass es sich anfühlte, als würde ich einen alten Freund wiedersehen: die Angst.
Nicht irgendeine Angst. Es gibt diese ganz bestimmte, übelkeitserregende Angst, die dich überkommt, wenn du auf Reisen im Freien schläfst, wenn deine Optionen so gut wie auf „weitermachen“ beschränkt sind, weil du nicht bleiben kannst, wo du bist. Jahrelang begleitete mich diese Angst jeden Morgen, während ich per Anhalter unterwegs war. Jahrelang fühlte ich mich jeden Morgen krank und mein Körper arbeitete hart daran, jedes bisschen Essen und Wasser, das ich zu mir genommen hatte, wieder loszuwerden.
Also fühlte ich mich an jenem Morgen letzte Woche in Michigan wieder jung – auf die schlimmste Art und Weise. Ich fühlte mich außer Kontrolle.
Es ist fast schon Klaustrophobie, die dich überkommt, wenn das Morgenlicht bedeutet, dass du deinen Schlafplatz verlassen und raus auf die Autobahn musst. Es ist fast schon Klaustrophobie, wenn die Bullen auftauchen, um deinen Ausweis zu überprüfen, dich nach Drogen zu durchsuchen und andeuten, dass sie dich verhaften werden, wenn du bei Einbruch der Dunkelheit noch in der Stadt bist.
Ich verbrachte meine Zwanziger mit einer verzweifelten Suche nach Freiheit, verzichtete auf Arbeit zugunsten von Aktivismus, auf Stabilität zugunsten von Fernweh, aber das forderte seinen Tribut. Und ironischerweise fühlte ich mich oft gefangen.
Walt Whitman schrieb einmal: „Jetzt sehe ich das Geheimnis, wie die besten Menschen entstehen /
Es besteht darin, an der frischen Luft zu wachsen und mit der Erde zu essen und zu schlafen.“
Aber er hat vergessen, über Polizisten zu sprechen, und er hat vergessen, darüber zu sprechen, wie man versucht, auf Wohnmobilstellplätzen zu schlafen, auf denen die Generatoren laufen, und wie wir uns genau diesen Stellplatz ausgesucht hatten, weil wir nicht von Polizisten geweckt werden wollten. Er hat vergessen, darüber zu sprechen, wie dein eigenes Gehirn in den ersten paar Stunden nach dem Aufwachen dein Feind ist. Er hat vergessen, von der Anspannung zu erzählen, dass man manchmal, wenn man ohne Wände lebt, klaustrophobisch werden kann, sich gefangen fühlen kann.
Er hat vergessen, von den Katzen zu erzählen, die auf deine Decke und dein Kissen pinkeln, oder von dem Hund, der fast genauso ein Arschloch wird wie du, wenn er und du nicht schlafen.
Das ging mir an jenem Morgen durch den Kopf.
Am Abend fiel mir die Kehrseite der Medaille wieder ein, denn die Upper Peninsula ist atemberaubend schön. Weil wir zu dieser Hütte gewandert sind, die Tiere untergebracht haben und auf der Veranda saßen und den Vögeln lauschten statt Rasenmähern. Wir sprachen über dreizehn Fuß große Vögel, die man nur aus dem Augenwinkel sehen kann. Wir sprachen über das Leben und über Bäume, und ich erinnerte mich an das Mantra, das mich durch meine Zwanziger gebracht hat, durch meine Morgen voller Angst und Übelkeit:
Alle Schönheit liegt jenseits der Angst.
Nichts, was sich lohnt, ist einfach oder schmerzfrei. Reisen ist von Natur aus stressig. Umso mehr, wenn etwas schiefgeht. Mit den richtigen Hilfsmitteln (wie Notfall-Campingausrüstung) und Freunden (wie denen, die uns gerettet haben) sowie der Freundlichkeit von Fremden (wie der Mann, der uns den Mechaniker vermittelt hat).
Ich verstehe, warum ich so viele Jahre lang weitergemacht habe. Ich habe so viele Orte gesehen, so viele Menschen kennengelernt. Ich glaube nicht, dass ich ohne diese fünfzehn Jahre auf der Straße die Autorin sein könnte, die ich heute bin.
Ich verstehe auch, warum ich aufgehört habe: Meine körperliche und geistige Gesundheit verlangten es.
Aber manchmal sehne ich mich danach zurück. Oft sogar, wenn ich ehrlich bin. Und ich muss in dieser Nostalgie ehrlich sein. Ich muss mich an diese Krankheit erinnern, an diesen schrecklichen Preis, denn das hilft mir, mich an diese Schönheit zu erinnern.
Obwohl es mir auch nichts ausmacht, wenn die Katze glücklich auf meiner Brust schläft, mein Hund glücklich mit dem Kinn auf meinem Bein schläft und wenn alles ganz einfach sein kann.
Quelle: „All Beauty Lies on the Far Side of Fear or: the interplay of nostalgia and anxiety, and also I went on vacationl“ von Margaret Killjoy, 12. August 2026
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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]