Sämtliche Medien wiederholen für Libyen das eingeübte Stück: "Der Irre von..." - Dieses Mal nicht "von Bagdad", sondern "von Tripolis".
Sein Auftritt wie der "Steinerne Gast" - aber absolut nicht monumental. Abstrahiert man vom Gaddafi-üblichen Gezappel und der Intonation, lässt man sich vor allem nicht durch die absichtlich gebrochene Übersetzung verhetzen, kommt man ziemlich nah an das, was westliche Herrscher in der Not auch ausgeben. Unsere Gegner: versifft, verkifft und vom Ausland bezahlt. Berlusconi hat so was sicher schon hundertmal abgelassen. Samt der Berufung auf die demokratische Stützung der vorhandenen Gewalten, insbesondere der diese überwölbenden Militärmacht. Und so weiter.
Zugegeben, eines haben die Berlusconis und Blairs noch nicht eingesetzt: das Militär in seiner vollen Brutalität.
Aber, was nicht ist, kann unter den gegebenen Umständen noch werden. Das Militär ist es, das auch in den fundiertesten nationalen Gebilden des Westens notdürftig die Einheit des Ladens zusammenhält. So lange es eben geht. Und wo Gramscis Hegemonie nicht mehr vorhält zum Zusammenhalt.
Und darum jetzt ein Rückblick auf die Frühzeit des bürgerlichen Revolutionärs Gaddafi - und Vorblick auf sein zu erwartendes trauriges Ende.:br />
1969 war in Libyen vor kurzem Erdöl entdeckt worden. Die zunächst noch geringen Erträge fielen unter König Idris einer ganz kleinen Clique im Inland zu, vor allem aber den aktiv gewordenen Erdölfirmen.
Gaddafi als Führer des "Revolutionären Rats" von Offizieren, betrieb die Nationalisierung der ganzen Erdölindustrie. Ohne dass die westlichen Abnehmer des Öls groß zu protestierten wagten. Ganz im Sinne Lenins: den Reichtum des Landes fremden Ausbeutern entreißen und nationalisieren.
Ganz nach den Mustern der deutschen und vor allem der italienischen nationalen Einigung sah sich Gaddafi wie ein neuer Cavour und Garibaldi zugleich. Für den gesamtarabischen Raum des Maghreb. In diesem Sinn unternahm er immer neue Versuche des Zusammenschlusses: mit Ägypten, mit Tunesien, mit dem Tchad. Alles durch innere Schwierigkeiten und vor allem äußeren Einfluss nirgends lange gelungen. Nirgends bis zum Ende gediehen.
Eine wesentlich nach Stämmen organisierte Bewohnerschaft hat Gaddafi nicht der Brutaldressur des "nation building" unterworfen. (Das werden die westlichen Angelwerfer noch bedauern. Es fehlt der zentrale Verfügungsverwalter). Er versuchte ein System einer demokratischen Ur-Versammlung. (Damals auch von GRÜNEN besucht und gebilligt, die heute vermutlich mit allen anderen zusammen in ein kräftiges "HUCH" verfallen!)
Schließlich hat Gaddafi den nationalen Reichtum lange Zeit nicht für Waffen verschleudert, sondern tatsächlich im Vergleich mit den Nachbarländern vorbildliche öffentliche Einrichtungen geschaffen. Er hat sich auf die bestehenden Strukturen gestützt - stützen müssen - und insofern den Stämmen viel, der Zentralgewalt weniger Verfügungsgewalt überlassen als benachbarte Staaten.
Mit brutalen Militärüberfällen auf der einen Seite, Geldangeboten auf der anderen haben die USA am Ende das Steuer herumgerissen und Gaddafi für den Westen eingekauft. (Die Kaserne, in welcher der ehemalige Revolutionsführer seine vielleicht letzte Rede hielt, wurde von der US-Luftwaffe seinerzeit in offener Mordabsicht gegen Gaddafi bombardiert. Der Vater eines ehemaligen Schülers hat den Angriff auf dem Bauch liegend knapp überlebt. Der Revolutionsführer verdankte seiner Marotte des Übernachtens im Beduinenzelt das damalige Überwintern).
Woher die Chance des Einkaufs eines Mannes, der im Rahmen der Möglichkeiten lange Zeit ganze Arbeit geleistet hatte? Vermutung: Im Lauf der gesteigerten Geldzufuhr traten immer stärkere Zugriffsmöglichkeiten auf. Und damit schwand mehr und mehr die relativ gleichgestellte Stammesgesellschaft (Gentilgesellschaft nach der Diktion von Friedrich Engels). Es traten - ohne große Vorbereitung durch langfristige geistige Entwicklungen - offen und brutal Klassengegensätze auf, gegenüber denen sich Gaddafi mehr und mehr nur noch auf die militärische Gewalt verlassen konnte. Damit von vornherein auch auf Waffenlieferungen und Instruktionshelfer - die, wie Merkel sich das auch vorgenommen hat, die Methode der Machtausübung "westlich" angeboten haben. Dass in einem Land mit den bestehenden Traditionen dann schnell und tief auf offene Gewalt zurückgegriffen wird, darf nicht so stark verwundern, wie die plötzlich pazifistisch gewordene westliche Wertegemeinschaft jetzt tut. Es muss klar sein, dass gerade in Libyen, aber auch in den anderen umkämpften Nationen, die Aufständischen alle - mit vollem Recht - keineswegs Ghandhi nachfolgten.
Man würde gern mitbekommen, was in einem Land wie unserem zu hören wäre, wenn da irgendwo auch nur eine Poststelle in Flammen aufginge. (Für Amnesie-Anfällige: vergleiche Strasbourg / Brücke). In Tunesien, Ägypten, Libyen wurden öffentliche Gebäude absichtlich und bewusst zerstört. Heuchlerisch machen Merkel und ihresgleichen die Augen davor zu und reden weiter tränentrunken von den Zivilisten, die von Militär und Polizei angegriffen werden.
Dieser Pazifismus wird nicht lange vorhalten. Es müsste offen Partei ergriffen werden. Im Russland 1917 ff. sowie in Spanien reichte der wohlfeile Ruf nach Waffenlosigkeit nicht aus. Es musste und muss Partei ergriffen werden.
Am Beispiel der mutig begonnenen und doch pervertierten bürgerlichen Revolution zeigt sich eines: das westliche Ideal einer Revolution ohne soziale Absichten, ohne übers Kapital hinausreichende Ziele wird nach kurzer oder längerer Zeit zusammenbrechen. Bürgerlich allein hängt ab jetzt in der Luft. Bereitet sich vor auf den langen Fall und Verfall.
Von daher müsste von unseren eigenen Machthabern Unmögliches, zugleich Unerlässliches gefordert werden. Partei ergreifen.
Und wenn mit Recht gegen den heutigen Gaffhafi Partei ergriffen würde, dann gegen einen, der als bürgerlicher Revolutionär an sein Ende geriet - und jetzt sich gegen zwei Versuche wehrt: die der alten Stämme, sich das gemeinsame Öl unter den je eigenen Nagel zu reißen - und gegen - nur zu vermutende andere - von der bürgerlichen zur sozialistischen Republik voranzuschreiten. Also genau das, was der WESTEN gemeinsam am meisten verabscheut: Sozialismus.
Da der WESTEN darauf auf keinen Fall freiwillig eingehen wird, wird er über heuchlerisches BlaBla niemals hinauskommen. Nicht einen Flüchtling mehr werden sie aufnehmen - aus keinem der umkämpften Länder.
Unsere Aufgabe hier - die derer, die Merkels Grapschgriff entgegentreten = herauszubekommen: wie konkret ein solcher Übergang von der bürgerlichen Revolution zu einer hin zum Sozialismus konkret vorzustellen wäre.
P.S.:
Leider sehr verzerrt wird der Geschichte des "Revolutionsführers" in "rf-news vom 22.2.2011" Rechnung getragen. Schon das Attribut "selbsternannt" sollte in keiner linken Schrift mehr geduldet werden. Zumindest nicht im Zusammenhang mit revolutionären Aktivitäten. Was wäre denn mit einer Meldung: "Der selbsternannte Guerilla-Führer Che Guevara..." tat dies und das. Gibt es denn irgendwo eine Abteilung im Innenministerium, bei der man einen Antrag stellen könnte? "Bitte um Ernennung zum Guerillero mit späteren Aufstiegs-Chancen zum Abteilungs-Chef?"
Zum Inhalt der Ausführungen: Durch Übernahme von Merkels Als-Ob-Pazifismus wird eine Entscheidung unmöglich gemacht. Auf Panzern sitzen am Ende offensichtlich beide Parteien.
P.P.S: Eine richtige Erinnerung an das, was uns vor Jahren Gaddhafi bedeutete. Uwe Kampmann im Kommentar zu einer Darstellung Gaddhafis im "FREITAG" online. 22.2.2011 (Mit freundlicher Genehmigung des Autors)
"Fremd sind mir die Veränderungen in seinem Gesicht,
nie wünsche ich mir ihn wieder zu sehen.
Einst Stolz im mutigen Blick,
die Schultern den Mächtigen den Weg versperrten.
In den Falten des Umhangs hat sich der Wind verfangen.
Einst frei, schreit er jetzt das blutige Grauen,
in den Städten über das Land.
Flüsternd steht es auf und ruft in den Wind:
"Freiheit!“
Der Wind ist zurückgekehrt."
Die Lust, sich anlügen zu lassen!
Bekannter Vorläufer: Der Lügenbaron Münchhausen entdeckt die Bibliothek von Alexandria.
Zeichnung von William Strang 1895
Zeichnung von William Strang 1895
Alles Behauptungen, die anderen schon getanen des Ministers brutal widersprechen. Es kann aber nur eine von ihnen wahr sein. Also haben alle Beifallsklatscher in FACEBOOK und Kelkheim den unverschämtesten Lügen zugejubelt, die über sie ausgegossen wurden. Und die große Mehrheit der Befragten in Deutschland nach EMNID eben so.
Wie ist das möglich? Wo doch nach den gleichen Quellen die meisten den Afghanistankrieg raschest-möglich beenden wollen. Betrieben vor allem von dem jetzt Umjubelten!
Was beweist das? Der Begriff jeder Wahrheit ist inzwischen verloren gegangen. Was immer auch seit den Tagen der Aufklärung darüber gesagt worden ist, in begrenztem Umfang kann eine Definition nicht weggedrückt werden: Wahr ist die Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt. Natürlich: Was genau ist eine Aussage? Und vor allem: wie kann ich etwas über den Sachverhalt erfahren, was nicht aus unmittelbarer sinnlicher Erfahrung entspringt - oder eben anderen Aussagen? Perpetuum mobile!
In einem engen Umfang ist der Vergleich von Aussage und Sachverhalt aber trotz allem irrtumsfrei möglich. Wenn nämlich beides schon Schrift geworden ist.Man legt Schrift 1 neben Schrift 2 und stellt Übereinstimmung oder Abweichung fest. Daran gibt es nichts zu "meinen". Nur: Nachvollzug.
Als Hannah Arendt zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Berlin kam, stieß ihr eben das auf. Man stieß bei jeder Diskussion ins Schwammige. Es gab bei allen befragten Deutschen keine Tatsachen mehr, nur noch Meinungen. Nach einem Krieg, bei dem spätestens Juni 1940 nach dem Sieg über Frankreich so ungefähr alle Hurra geschrien hatten, durfte es kein Nachbohren nach Tatsachen mehr geben.
"Hitlers Krieg hat Deutschland ärmer zurückgelassen, als er es nach dem ersten Weltkrieg vorgefunden hatte!" -"Schon möglich! Ja, kann man so sehen" "So, meinen Sie?" Damit erstickte jede Diskussion beim eingeforderten Respekt vor dem individuellen Wahn. Auch bei Umständen, die nicht wegzuerfinden waren.
Diese Tendenz hat sich in Deutschland fortgesetzt. Was gegenwärtig "Diskussion um Guttenberg" genannt wird, bleibt im Austausch von Treue- oder Abscheubekenntnissen stecken.
Anstatt dass der Wahrheitsbegriff ausgeweitet würde. Ganz offenbar wurde das Textbündel, das Guttenberg zusammensaute oder zusammensauen ließ, genau in der Haltung lanciert wie seine Kriegskunststücke in Afghanistan. Hauptsache,man kommt damit noch ein halbes Jahr durch! Oder ein ganzes? Guttenberg agiert strategisch ganz gleich beim Kriegen wie beim Lügen. Wenn nur der erzeugte Schein noch ein Minütchen hält.So lange es eben geht! Guttenberg verhält sich auf allen Gebieten als Erkenntnis-Nihilist.Wahr ist nichts, Wirkung alles! Und wahrscheinlich haben ihn deshalb viele Deutsche so lieb. "Wer hat nicht schon Fehler gemacht?" (Häufigste Antwort der Umgefragten) - Hauptsache man kommt damit durch, so lange wie möglich!
Was bedeutet diese kollektive Abdankung für die Möglichkeit von Demokratie in diesem Land? Gute Frage!
Zitate nach PHOENIX.22.2.2012: Wiedergabe der Rede v. Guttenbergs in Kelkheim
Hamburg: Viererbande beim Sturm auf den Flugzeugträger Europa
Scholz. Ein Grinsmaul im Klatschorkan der Aufstiegswiligen. Strengste Schröderschule. "Sozial ist, was Arbeit schafft". Unbekehrter Wirtschaftsschleimer. Die sozialen Anliegen im Schlepptau. Mitgedacht: Geht es der Wirtschaft gut, ist die Elbe weggebaggert, dann kriegen die Arbeitenden immer wieder mal was ab. Die Klasse, was von ihr noch übrigbleibt, im ewigen Schlepptau. Die beschriebene Kreatur wurde als Scholzomat gekennzeichnet. Der ist er - entgegen den Jubelschluchzern - bis heute geblieben. Ist bloß eine neue Walze eingelegt worden. Wirtschaft ahoi!
Nur - wer ist besser! Die CDU bereut öffentlich, dass sie der Propaganda der GRÜNEN zu sehr nachgegeben hat. Ab jetzt: siehe oben! Wirtschaft ahoi und voran!
Die farbenfrohe Frau Roth gab sich angestrengt zufrieden. Schluckte die Enttäuschung tapfer herunter. Der Absprung von der CDU-Koalition stellte sich eindeutig als Flop heraus. Gegen Bürgermeister Schmunzelfroh Kopfnuss kommen sie nicht an.
Die glücklich über den Bordrand gekrochene FDP muss nicht eigens beurteilt werden. Wirtschaft wie immer: Ahoi und Voran!
Austauschbar alle vier. Der SPD wurde unter Scholz jede Erinnerung an bessere Zeiten ausgetrieben. Mit Auftrumpferin Kraft in Nordrhein-Westfalen alles ausradiert, was auch nur äußerlich an linke Vorstellungen erinnert.
Für die CDU haben KOHLMERKEL die Austreibung schon betrieben. Bei der FDP war nichts auszutreiben. Den GRÜNEN hat Jutta Ditfurth eben nachgewiesen, dass sie ihr Fähnlein nach jedem Wind richten. (Ob immer schon, wäre noch zu untersuchen).
Austauschbar also die Mitglieder der Viererbande. Inhalte stören. Auch wenn Roth und Merkel von Zeit zu Zeit verklärt von "Werten" sprechen. Alle zusammen fest entschlossen, gemeinsam den Flugzeugträger Europa zu entern. Kurz darauf den Vorgang wegzustecken und ganz legal das Kommando einfordern.
Und die LINKE? Sie hat sich auf dem vorigen Stand gehalten. Warum sie Plattwalzer Scholz nicht mehr Stimmen entreißen konnte, müsste noch untersucht werden. In einer Stadt voller sozialer Unruhen. In Kämpfen an vielen Stellen. Haben sich die LINKEN in Berührungsangst da zu sehr abgekapselt? Auf jeden Fall: sie sind da. Sie werden von der vereinigten Viererbande weggedrückt, angegiftet, angepisst werden. Aber rauskriegen werden die ihre lästigen Aufseher nicht.
Nur - wer ist besser! Die CDU bereut öffentlich, dass sie der Propaganda der GRÜNEN zu sehr nachgegeben hat. Ab jetzt: siehe oben! Wirtschaft ahoi und voran!
Die farbenfrohe Frau Roth gab sich angestrengt zufrieden. Schluckte die Enttäuschung tapfer herunter. Der Absprung von der CDU-Koalition stellte sich eindeutig als Flop heraus. Gegen Bürgermeister Schmunzelfroh Kopfnuss kommen sie nicht an.
Die glücklich über den Bordrand gekrochene FDP muss nicht eigens beurteilt werden. Wirtschaft wie immer: Ahoi und Voran!
Austauschbar alle vier. Der SPD wurde unter Scholz jede Erinnerung an bessere Zeiten ausgetrieben. Mit Auftrumpferin Kraft in Nordrhein-Westfalen alles ausradiert, was auch nur äußerlich an linke Vorstellungen erinnert.
Für die CDU haben KOHLMERKEL die Austreibung schon betrieben. Bei der FDP war nichts auszutreiben. Den GRÜNEN hat Jutta Ditfurth eben nachgewiesen, dass sie ihr Fähnlein nach jedem Wind richten. (Ob immer schon, wäre noch zu untersuchen).
Austauschbar also die Mitglieder der Viererbande. Inhalte stören. Auch wenn Roth und Merkel von Zeit zu Zeit verklärt von "Werten" sprechen. Alle zusammen fest entschlossen, gemeinsam den Flugzeugträger Europa zu entern. Kurz darauf den Vorgang wegzustecken und ganz legal das Kommando einfordern.
Und die LINKE? Sie hat sich auf dem vorigen Stand gehalten. Warum sie Plattwalzer Scholz nicht mehr Stimmen entreißen konnte, müsste noch untersucht werden. In einer Stadt voller sozialer Unruhen. In Kämpfen an vielen Stellen. Haben sich die LINKEN in Berührungsangst da zu sehr abgekapselt? Auf jeden Fall: sie sind da. Sie werden von der vereinigten Viererbande weggedrückt, angegiftet, angepisst werden. Aber rauskriegen werden die ihre lästigen Aufseher nicht.
Afghanistan: "Partnering" - Guttenbergs wirklicher Betrug
Der Lügenbaron bei der Sicherheitskonferenz in München
Wie wenig der Gesamt-Inhalt der Doktorarbeit wirklich interessiert - im Vergleich zu den copy & paste Nachweisen - wird an einem ersichtlich: es sind beim fleißigsten Suchen über google keine inhaltlichen Rezensionen zu finden. Worum ging es dem späteren Wehrmachtsminister in seinem Europa-Werk? Vermutlich um stärkeres Zusammenstehen Europas in Kampf und Völkerringen. Zusammengeklaut oder nicht - ein Autor steht für sein Assoziationen-Bündel ein, wieviel oder wie wenig er davon auch selbständig zusammen gekratzt hat. Bush jr. war hirn-und handmäßig wahrscheinlich nicht zu mehr als zu zwei eigenen Zeilen in der Lage - und muss mit Recht trotzdem für all den verbrecherischen Mist einstehen, den ihm die Schreiberknechte in die Verlautbarungen klemmten.
Also Guttenberg kein Betrüger? Er war einer in viel schlimmerem Umfang, als das Gequengel über seine schriftlichen Auswürfe ahnen lässt.
Betrüger war er als feuriger Propandist und Mitbetreiber dessen, was seit Obama "Partnering" heißen sollte - in Afghanistan.
Als man sich im head-quarter der USA eingestehen musste, dass ein Sieg über die verschiedenen Sorten der Aufständischen undenkbar war, fand keiner - kein Obama, kein Piräus- den Mut zum Abgang. Es musste was Neues erfunden werden, um am Kampfplatz Afghanistan weiterhin zu kleben.
"Partnering". Mit den afghanischen Soldaten zusammen sollte das Unterdrückerhandwerk weiter geübt werden. Bis die Afghanen es unter Chefbetrüger Karsai - ab 2013 - immer besser und am Ende allein könnten.
Natürlich mussten die USA und ihr treuer Gefolgsmann Guttenberg - allzeit bereit - zu dem Zweck ein paar kleine Nebenumstände verdrängen. So die geringe Bezahlung der afghanischen Hiwis. Die Kollegen bei den unter dem Namen Taliban zusammengefassten Aufständischen scheinen besser zu zahlen. Hinzu kommt bei etwas klarer denkenden Angeworbenen die Erkenntnis, dass ein Kampf zur Weiterführung der Karsai-Wirtschaft nur immer tiefer in die Kloake führen wird.
Kurz und gut: Es kam wie es kommen musste. Ein eingeschleuster Sympathisant der Aufständischen schoss auf Deutsche. Drei sind schon tot. Zwei werden schwerverletzt gerade zurückgeflogen. Ein solcher Angriff bedeutet viel mehr. Das phantastische "Partnering" setzt nach allem, was man hört, voraus, dass Deutsche und US-Soldaten gemeinsam vorwärts stürmen - in vollem Vertrauen auf den afghanischen Nebenmann. Muss ich von dem einen Schuss in den Rücken erwarten, ist das ganze Konzept futsch. Dann stehen die Deutschen wieder allein und können sich die Phantasien abschminken vom Rückerobern feindlicher Gebiete.
Guttenberg erfindet auch in diesem Augenblick noch weiter, was ihm selbst, seiner Kanzlerin und den Dümmsten in den herrschenden Fraktionen zu Eigenlob und Seelentrost gereichen soll.
Bewiesen freilich mit und ohne Guttenbergs Zuspruch: "Partnering" war die Schnapsidee einer Sippschaft von Endsiegern und Durchhalte-Aposteln. Sie bestand in einem leicht durchschaubaren Volksbetrug der USA-good-governance und bei uns der Guttenberg-Mafia. Wer so unter trügerischen Versprechen Bundestag und eine Minderheit von immer noch anfälligen Hurra-Brüllern hereingelegt hat, der hat wirklich verraten. Abtreten von alleine können solche so wenig wie Mubarak. Sie müssen durch Schläge ins Gesicht, durch Niederlagen, ihrer Lügen überführt werden - und durch Abwahl den Teppich unter den Füßen weggezogen bekommen. Dann kann Guttenberg als grämlicher Festungskommandant seine Tage zählen und sich - allzujung - bei Memoirenschreibern wie Helden-Fischer anklumpen. Und auf die alten Tage Zitieren üben.
Nachtrag: Guttenberg - metaphorisch Frontschwein - real: FJ Strauss als Wiedergeburt
"Die angesehene „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ glaubt, dass die Plagiat-Affäre für Guttenberg zum Lackmustest dafür werden könnte, ob er überhaupt zum Kanzler taugt: Bisher habe der Minister „wie ein Überflieger“ gewirkt. Jetzt sei er „zum ersten Mal in einen Grabenkampf verwickelt“: „Das erfordert ein Durchhaltevermögen, das der Minister wegen der kurzen Verweildauer in seinen bisherigen Ämtern noch nicht hat aufbringen müssen ... Die Frage ist, ob er auch willens ist, in die Untiefen des politischen Kampfes hinabzusteigen“, schrieb die FAZ gestern.
Der Umkehrschluss: Wer in der Politik noch höher hinaus will, muss schwindelfrei sein!"
Der Bonner Politik-Professor Gerd Langguth ist davon überzeugt, dass der CSU-Star durch die Affäre sogar an Format und Profil gewinnen kann: „Ein Spitzenpolitiker muss Schrammen haben, muss durch Stahlgewitter gegangen sein. Das erdet ihn, das macht ihn menschlicher. Erst dann trauen ihm die Leute das für eine Kanzlerschaft absolut nötige Durchhaltevermögen zu. Deshalb kommt es jetzt darauf an, dass Guttenberg nicht den Kopf einzieht, sondern die Sache durchsteht -“ unabhängig davon, wie am Ende die juristische und wissenschaftliche Bewertung seiner Doktorarbeit aussieht.“ (Zitat aus BILD -19.02.2011, Zitiert nach NACHDENKSEITEN 21.2.2011)KOMMENTAR: Metaphern beachten! "Grabenkampf" "Stahlgewitter" - nach Ernst Jünger - "erdet" - man soll das Verdreckte spüren ("für uns auf dem Bauch durch den Schlamm gerobbt"). Wozu der Aufwand? Wir sollen verstehen: auch im Zitatenkrieg führt Guttenberg - für uns - den wirklichen in Afghanistan. Dass er den verlieren wird, ist zustimmend vorausgesetzt.
Gerd Langguth, der unzersetzt dem Gymnasium in Wertheim entschritt, das ich als Assessor ehemals nach Ansicht der Oberschulämter geistig verwüstete, hat freilich auch handfeste Erinnerungen an Beispiele. Franz Josef Strauss - wegen juristischer Verfehlungen zum Rücktritt gezwungen, in undurchsichtige Geschäfte verwickelt, schaffte es dennoch "durchhaltend" annähernd zum Diktatoren-Posten in Bayern "ganz unabhängig von der juristischen Beurteilung des Sachverhalts". Mitgedacht: Nur wer Gesetz und Urteil mit Füßen tritt, kann bei seinen masochistischen Mitbürgern - eigentlich: Tributpflichtigen und anderen Untertanen - auf Unterwerfung und Anerkennung hoffen.
Erträumte Aufsatzbewertung für den lieben kleinen Schüler Rech
Lieber Heribert,
Du hast leider die Aufgabenstellung missverstanden. Verlangt war die Aufsatzart "Bericht". Du hast aber eine "Phantasie-Erzählung" abgeliefert. Als künftiger Krimi-Autor kannst Du Dir im Bastei-Verlag vielleicht einmal ein Zubrot verdienen. Einfallsreich genug bist Du ja. (Oder hast Du heimlich bei älteren Kameraden abgeschrieben?) Freilich fehlt Dir der hier verlangte Tatsachensinn in erschreckendem Umfang. (So werden Molotow-Cocktails in der Regel am Ort des Abwurfs fabriziert, nicht wie polizeilich öfter vermutet, wie alter Wein im Keller gelagert. Das Rezept zur genauen Herstellung darf ich Dir - weil minderjährig - leider nicht verraten).
Wegen des - unterstellten - guten Willens noch eine Vier Minus!
Lehrer Güde.
Zweitkorrektur der Kollegen von der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD) in indymedia.de vom 16.02.2011
Die Antworten des Innenministers im Original:
Du hast leider die Aufgabenstellung missverstanden. Verlangt war die Aufsatzart "Bericht". Du hast aber eine "Phantasie-Erzählung" abgeliefert. Als künftiger Krimi-Autor kannst Du Dir im Bastei-Verlag vielleicht einmal ein Zubrot verdienen. Einfallsreich genug bist Du ja. (Oder hast Du heimlich bei älteren Kameraden abgeschrieben?) Freilich fehlt Dir der hier verlangte Tatsachensinn in erschreckendem Umfang. (So werden Molotow-Cocktails in der Regel am Ort des Abwurfs fabriziert, nicht wie polizeilich öfter vermutet, wie alter Wein im Keller gelagert. Das Rezept zur genauen Herstellung darf ich Dir - weil minderjährig - leider nicht verraten).
Wegen des - unterstellten - guten Willens noch eine Vier Minus!
Lehrer Güde.
Zweitkorrektur der Kollegen von der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD) in indymedia.de vom 16.02.2011
Innenminister Heribert Rech liefert groteske -šBegründung-™ für Spitzeleinsätze und vertuscht weiterhin das Ausmaß der Affäre
Als Antwort auf Anfragen der Landtagsfraktionen von SPD und Grünen hat Innenminister Heribert Rech eine absurde Erklärung für den Einsatz des LKA-Spitzels Simon Bromma geliefert, der mit falscher Identität versehen ein Jahr lang die linke Szene Heidelbergs ausspioniert hatte:
Anlass für den auf mehrere Jahre angelegten Einsatz des Undercover-Ermittlers sei eine Demonstration im Herbst 2009 in Sinsheim im Kraichgau gewesen, bei der dazu aufgerufen worden sei, „den Nazis mit allen Mitteln entgegenzutreten“. Es handelt sich dabei allerdings um eine Bündnisdemonstration vom 19.09.2009, an deren Organisation sich Gewerkschaften, Linkspartei, die Grünen und die SPD beteiligt hatten und die völlig ohne Zwischenfälle verlief. Der Innenminister bezeichnet die Vorbereitung dieser Bündnisdemonstration als „Kontakte zwischen mehreren Führungspersonen der antifaschistischen und anarchistischen Szene“. Bei einer dieser angeblichen „Führungspersonen“ - so behauptet der Innenminister - seien anlässlich einer Hausdurchsuchung „sieben gebrauchsfertige Brandsätze“ sichergestellt worden.
Die erwähnte Hausdurchsuchung fand bei einer jugendlich-subkulturell geprägten Wohngemeinschaft in einem kleinen, mehr als 50 Kilometer von Heidelberg entfernten Ort im Kraichgau statt und richtete sich gegen einen vermuteten Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im Keller wurden sieben mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Glasflaschen gefunden, die laut Polizeidirektion zum Einsatz als Molotowcocktails geeignet gewesen seien. Verurteilt wurde wegen dieser angeblichen Brandsätze bisher niemand.
Diese Hausdurchsuchung im Kraichgau als Begründung für eine langfristige Ausforschung durch Undercover-PolizistInnen zu benutzen, ist in vielfacher Hinsicht grotesk: Die Betroffenen sind in keiner Weise in die linke Szene Heidelbergs eingebunden. Ob überhaupt eine Straftat vorgelegen haben könnte, ist völlig ungeklärt. Die Polizei besitzt keinerlei Erkenntnisse über solche Vorfälle im Umfeld von Heidelberg. Erst recht ist eine Nähe der bespitzelten Gruppen (studentische Arbeitskreise, BUND, Anti-Castor-Gruppen etc.) zu solchen angeblichen Straftaten völlig aus der Luft gegriffen. Vor allem aber: der Einsatz der Verdeckten ErmittlerInnen in Heidelberg war schon lange vor diesen Vorfällen geplant und vorbereitet worden. Offensichtlich hatten LKA und Polizeidirektion nur auf einen Vorwand gewartet, der ihnen im Zweifelsfall eine -“ wenn auch brüchige -“ Begründung für den Einsatz liefern könnte.
Weiterhin versucht das Innenministerium, die Öffentlichkeit über das tatsächliche Ausmaß der Spitzelaffäre zu täuschen. Zu der Existenz der zwei weiteren ErmittlerInnen des LKA in Heidelberg, die die AIHD vor kurzem enthüllt hatte, schweigt Rech weiterhin -“ angeblich „um das polizeiliche Einsatzziel von verdeckten Maßnahmen nicht zu gefährden und den Schutz von verdeckten Ermittlern zu gewährleisten“ -“ und räumt damit implizit die Existenz dieser ErmittlerInnen ein. Tatsächlich scheint die Vertuschung der von ihm verantworteten Polizeiskandale dem Innenminister sehr viel wichtiger zu sein als der Schutz seiner BeamtInnen.
Die AIHD fordert weiterhin die Offenlegung sämtlicher Spitzeleinsätze gegen politisch missliebige linke Gruppen sowie Offenlegung und sofortigen Abzug sämtlicher verdeckter ErmittlerInnen. FaschistInnen mit allen geeigneten Mitteln entgegenzutreten ist kein Verbrechen, sondern eine schlichte Notwendigkeit.
weitere infos unter:
Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD)
Die Antworten des Innenministers im Original:
- http://www.landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/7000/14_7510_d.pdf
- http://www.landtag-bw.de/WP14/Drucksachen/7000/14_7569_d.pdf
Report Mainz: Dummheit Arm in Arm mit dem bekannten Gespenst

Manuskriptseite des Manifestes der kommunistischen Partei mit dem geflügelten Wort: „Ein Gespenst geht um in Europa -“ das Gespenst des Kommunismus“
Dann aber der Hammer: Pflichtmäßig vor den Wahlen in Hamburg. Eine Entdeckung, die jeden ARD-Abonnenten augenblicklich auf den Rücken werfen muss. Zusammengefasst: die LINKEN in Hamburg sind überhaupt nicht pazifistisch. Wir erinnern uns noch gut an die Zeiten, als Pazifismus bundesweit für verbrecherisch gehalten wurde. LINKE, die nicht mindestens Gandhi nachahmen wollen, sind für REPORT Mainz aber heute noch Verbrecher.
Himmelschreiend auch die Berichterstattung über Hamburger und Berliner Ereignisse in der von einer LINKEN redigierten Szenezeitschrift.
Beispiel: Es wird in dieser Zeitschrift zu einer Demo aufgerufen. Nachträglich stellt sich heraus, dass die Polizei bei dieser auf "GEWALT" gestoßen ist, worin immer die bestanden haben mag.
Schlussfolgerung: Also hat die LINKE zu Gewalt aufgerufen. Dieses Delikt haben sämtliche linke Blogs zwangsweise immer wieder begangen. Nämlich alle, die die Gabe der Prophezeiung nicht im polizeilich erwünschten Umfang besitzen. Und deshalb nicht alles vorauswissen, was passieren wird. Und so weiter...
Peinlich bei allem: man erfährt absolut nichts über das, was die LINKE in Hamburg und sonstwo wirklich will. Die einzige fassbare Auskunft: Die sind nicht so "pragmatisch", wie sie tun. Pragmatisch - wahrscheinlich ein Hüllwort für "angepasst". Anpassung - Vorleistung jeder Gruppierung, die von Polizei und Report-Mainz gelobt werden wollen.
Nachdenkseiten haben in ihrem Mittwochsbeitrag den betreffenden Teil der Sendung "einen Tiefpunkt" genannt und damit der melancholischen Phantasie vorzeitig Grenzen gesetzt. Wer weiß, ob nicht auch das noch überboten wird?
Mir tun die Reporterinnen und Reporter von Report-Mainz ja auch leid, die sich als so viel dümmer hinstellen müssen, als sie wirklich sind. In den Sendungen über Ägypten sind im Lauf der Woche immer wieder Reporterinnen gezeigt worden, die - ziemlich ungerührt - bekannten, dass sie tagaus tagein den größten Blödsinn verzapfen mussten, um ihre Stellung zu behalten. Sollte es in unserem seit jeher befreiten Reich der offenen Rede- und Meinungsfreiheit nicht schon vor einer Revolution ein einziges Mal möglich werden, ein entsprechendes Bekenntnis abzulegen?
Wendt: FESTUNG EUROPA! Perversion aller Gewerkschaftsziele!
Ganz alte Leute erinnern sich noch an die Ziele sämtlicher Bewegungen, die sich je "Gewerkschaft" genannt haben. Damals war allen Lohnabhängigen klar: sie können sich nur durch energischen Zusammenhalt gegen die kapitalistische Übermacht behaupten. Kein Streik, wenn nicht die Mehrzahl mitmacht.Die Wendung gegen das Kapital enthielt immer auch potentiell eine Wendung gegen den Staat. Den Staat, insofern er regelmäßig über Gerichte, Polizei und schließlich Armee den in die Enge getriebenen Kapitalisten zu Hilfe kam.
Ein Problem trat dabei von vornherein auf, als Staatsbedienstete sich selbst zu Gewerkschaften zusammenschlossen. Vor allem in Deutschland, wo die Gewerkschaften die längste Zeit das Streikverbot für Beamte nicht brechen konnten. Bald - wegen der mit dem Beamtentum verbundenen Privilegien - auch nicht mehr wollten. Immerhin wurde durch den Eintritt in den DGB formell Solidarität mit den Arbeitskämpfen der freieren Arbeiterinnen und Arbeiter anerkannt.
Verschärft das Problem, als in den siebziger Jahren die deutsche Polizeivereinigung sich als Gewerkschaft konstituierte und selbst in den DGB eintrat. In der GEW wurden wir von den entsprechenden gewerkschaftlichen Tributleistenden vor Oberschulämtern immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Angriffe gegen Polizisten sich jetzt gegen Gewerkschaftskollegen richteten - und darum unerwünscht seien.
Immerhin galt selbst in Polizeikreisen noch das Prinzip, dass eine Gewerkschaft vor allem dazu da sei, die Interessen der Mitglieder zu vertreten. Dafür gäbe es an sich auch in der Polizei Grund genug. Man denke nur an die Überstunden, die durch die bundesweiten Einsätze mehr oder weniger unabgegolten bis in die Ewigkeit weitergeschoben werden.
Seit man zum Sprecher der Polizeigewerkschaft ein Wesen namens Wendt gewählt hat, ist davon keine Rede mehr. Wendt sieht seine Hauptaufgabe darin, den Staat in sämtlichen geplanten Gewaltmaßnahmen zu überbieten. So schon in Rostock. Peinlicher in Strasbourg: Wendt proklamierte aus allen Nachrichten noch schärferes Vorgehen. Und wusste als einziger vor jedem Gericht, welche Brandstifter sich da mit den Protestierenden zusammengetan hätten. Von den Lasten der einfachen Polizistinnen und Polizisten durch das Propaganda-Tam-Tam: kein Wort.
In Berlin ist es Wendt endlich gelungen, den Gedanken der Interessenvertretung der Lohn-oder Gehaltsabhängigen endgültig in die Tonne zu treten. Seine neuen staatszuträglichen Forderungen: Rundumeinsatz der europäischen Abwehrflotten um ganz Europa herum. Keinen Flüchtling auch nur nach Lampedusa lassen. Mitgedacht bedauerte er den Fall der Diktatur in Tunesien und in Ägypten. Unter denen sei wenigstens noch aufgepasst worden an den Grenzen. Und schließlich sein Clou: Aufbau einer "FESTUNG EUROPA".
Mitleidig ließe sich annehmen, der Bildungsgrad in Polizeikreisen sei inzwischen so herabgemindert, dass Wendt nicht wüsste, woher seine Parole stammt. Erfunden wurde sie von einer Fraktion der deutschen Faschisten, die nach 1942 erkannten, dass das Deutsche Reich seine Hegemonie nur beibehalten könne,wenn es den unterworfenen Ländern ein bescheidenes Mitinteresse an dieser Herrschaft suggerierte. Vordergründig gegen eine englisch-amerikanische Invasion. Im Hintergrund aber Abwehr aller Kapitalisten gegen die Bedrohung durch die "Bolschewiken", wie man damals mit Vorliebe sagte. Bedrohung des Privateigentums an Produktionsmitteln selbst. Dahinter müssten nationale Differenzen zurückstehen.
Wahrscheinlich weiß aber Wendt, wen er da zitiert. Wie bei den Kriegsverbrechen Schröders und Fischers gegen Jugoslawien sollte das Tabu der Kriegsführung überhaupt getilgt werden. Was die beiden gegen Jugoslawien unternahmen, sollte zumindest die deutsche Außenpolitik des Nationalsozialismus rehabilitieren. Bei gleichzeitig ritualisierter Wiederholung des Abscheus vor den damaligen Verbrechen im Innern.
Im dritten oder vierten Satz ihrer Grundsatzerklärungen erwähnten die Gewerkschaften bis jetzt noch die Verpflichtung gegenüber dem Internationalismus. Unterstützung der Freiheitsbewegungen!
Wendt dagegen stellt sich in den Dienst des neuen Imperialismus, dieses Mal auf gesamteuropäischer Basis. Offene Ausbeutung fremder Nationen - Abwehr des Eindringens der geschröpften und erniedrigten Bewohner dieser Länder.
Wenn es in den übrigen deutschen Gewerkschaften noch Leute geben sollte, die sich an Ziel und Zweck aller gewerkschaftlichen Organisierung erinnern, kann ihre Forderung nur lauten: RAUS MIT WENDT!
Tunesien / Ägypten: Redefreiheit - ein großer Sieg! Was mit ihr anfangen?
Berechtigter Jubel überall! Man kann endlich alles sagen! Alles, was man seit Jahren auf dem Herzen hatte! Ganz wie bei uns! Ein wirklicher unbestreitbarer Sieg!
Gefahr dabei: Wieviel auch gesagt wird- die bestehenden Kräfte des alten und neuen Regimes schließen sich zusammen und hören intensiv weg. Und machen ungerührt weiter. Ganz wie bei uns. Weitgehend nach 1945 und ausnahmslos nach 1989.
Chance: Die Redefreiheit kann dazu führen, die gemeinsame Not auszusprechen. Nicht als Klage vor der altneuen Obrigkeit. Sondern für empfänglichere Ohren. Solche die hören wollen - nein müssen, dass bisher nichts geändert ist. Absolut nichts an der materiellen Lage. Und dass es dabei nicht bleiben darf.
Im Säuselgewoge der staatstragenden Kommentare in unserem TV wurde mit Westerwelle allgemein unterstrichen, es gehe in Tunesien und Ägypten um einen Aufstand der Mittelklasse. Die - Gottseidank! - gar nichts Politisches im Sinn hätte! Allenfalls ihre Aufstiegschancen.
Die freilich durch die Umstände nicht besser geworden sind. Und mit vollem Recht eingeklagt werden.
Die Vergessenen aber- die ohne Notebook-sind als die Flüchtlinge in Lampedusa plötzlich wieder aufgetaucht.Mehrere Tausend in kürzester Zeit. Die, denen es so dreckig geht, dass sie die gefährliche Fahrt über See auf sich nehmen. Unter Gefahr sofortiger Festnahme und Rückschickung.
Zugleich wird aus Ägypten von der Fortsetzung der Streiks berichtet, die es offenbar schon die ganze Zeit gab. Die aber von jeder Wahrnehmung weggedrückt worden waren. An denen kann das Militär sich die Zähne ausbeißen. Das Militär, das genau so die Staatsgewalt innehat, wie vorher auch. Man kann über Ukas der Zentralgewalt zwar einen öffentlichen Platz für geraume Zeit räumen, kaum aber einen Streik beenden - ohne Verhandlung und Zugeständnisse.
Redefreiheit also als Raum möglicher Zusammenschlüsse. Zusammenarbeit im Sinne echter Basis-Gewerkschaften, um die Kräfte zu sammeln. Abschüttlung der Aufsicht solcher bisherigen Gewerkschaftsspitzen, die kollaboriert haben.
Redefreiheit aber auch, um sich den aufdringlichsten Helfern laut und öffentlich zu widersetzen. Unser Westerwelle hat zu Beginn der Woche Tunesien beglückt. Womit hat er wohl vor allem helfen wollen? Genau mit dem, was Italien gestern angeboten hat. Invasion italienischer Zollbeamten in Tunesien - zur Rückweisung jeder Menschenüberschwemmung. Enttäuschte Erbitterung des staatstragenden Kommentators in den Abendnachrichten: Hilfe abgelehnt. Unsere Kanzlerin hat auch schon durchblicken lassen, dass alles für Tunesien und Ägypten zur Verfügung steht: strammste Unterstützung beim berechenbaren Staatsaufbau. Nur: keinen einzigen Tunesier will sie bei uns im Lande zu Gesicht bekommen. Soviel Hilfe! Kaum zu fassen...
Und ganz im Sinne der versammelten deutschen Chauvis!
Redefreiheit! Um sich auf die eigene Kraft zu verlassen. Von einem Europa, das eben Griechenland das Fell über die Ohren zieht und weitere Privatisierungen verlangt, ist kein Zuschuss zu erwarten. Jedenfalls keiner, der nicht sofort den Ordnungskräften in Tunesien und Ägypten zuströmen wird.
Redefreiheit! Um die nicht für immer gewährten Chancen zu nutzen! Um zu gemeinsamem Handeln zu kommen!
Gefahr dabei: Wieviel auch gesagt wird- die bestehenden Kräfte des alten und neuen Regimes schließen sich zusammen und hören intensiv weg. Und machen ungerührt weiter. Ganz wie bei uns. Weitgehend nach 1945 und ausnahmslos nach 1989.
Chance: Die Redefreiheit kann dazu führen, die gemeinsame Not auszusprechen. Nicht als Klage vor der altneuen Obrigkeit. Sondern für empfänglichere Ohren. Solche die hören wollen - nein müssen, dass bisher nichts geändert ist. Absolut nichts an der materiellen Lage. Und dass es dabei nicht bleiben darf.
Im Säuselgewoge der staatstragenden Kommentare in unserem TV wurde mit Westerwelle allgemein unterstrichen, es gehe in Tunesien und Ägypten um einen Aufstand der Mittelklasse. Die - Gottseidank! - gar nichts Politisches im Sinn hätte! Allenfalls ihre Aufstiegschancen.
Die freilich durch die Umstände nicht besser geworden sind. Und mit vollem Recht eingeklagt werden.
Die Vergessenen aber- die ohne Notebook-sind als die Flüchtlinge in Lampedusa plötzlich wieder aufgetaucht.Mehrere Tausend in kürzester Zeit. Die, denen es so dreckig geht, dass sie die gefährliche Fahrt über See auf sich nehmen. Unter Gefahr sofortiger Festnahme und Rückschickung.
Zugleich wird aus Ägypten von der Fortsetzung der Streiks berichtet, die es offenbar schon die ganze Zeit gab. Die aber von jeder Wahrnehmung weggedrückt worden waren. An denen kann das Militär sich die Zähne ausbeißen. Das Militär, das genau so die Staatsgewalt innehat, wie vorher auch. Man kann über Ukas der Zentralgewalt zwar einen öffentlichen Platz für geraume Zeit räumen, kaum aber einen Streik beenden - ohne Verhandlung und Zugeständnisse.
Redefreiheit also als Raum möglicher Zusammenschlüsse. Zusammenarbeit im Sinne echter Basis-Gewerkschaften, um die Kräfte zu sammeln. Abschüttlung der Aufsicht solcher bisherigen Gewerkschaftsspitzen, die kollaboriert haben.
Redefreiheit aber auch, um sich den aufdringlichsten Helfern laut und öffentlich zu widersetzen. Unser Westerwelle hat zu Beginn der Woche Tunesien beglückt. Womit hat er wohl vor allem helfen wollen? Genau mit dem, was Italien gestern angeboten hat. Invasion italienischer Zollbeamten in Tunesien - zur Rückweisung jeder Menschenüberschwemmung. Enttäuschte Erbitterung des staatstragenden Kommentators in den Abendnachrichten: Hilfe abgelehnt. Unsere Kanzlerin hat auch schon durchblicken lassen, dass alles für Tunesien und Ägypten zur Verfügung steht: strammste Unterstützung beim berechenbaren Staatsaufbau. Nur: keinen einzigen Tunesier will sie bei uns im Lande zu Gesicht bekommen. Soviel Hilfe! Kaum zu fassen...
Und ganz im Sinne der versammelten deutschen Chauvis!
Redefreiheit! Um sich auf die eigene Kraft zu verlassen. Von einem Europa, das eben Griechenland das Fell über die Ohren zieht und weitere Privatisierungen verlangt, ist kein Zuschuss zu erwarten. Jedenfalls keiner, der nicht sofort den Ordnungskräften in Tunesien und Ägypten zuströmen wird.
Redefreiheit! Um die nicht für immer gewährten Chancen zu nutzen! Um zu gemeinsamem Handeln zu kommen!
Petr Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs
Thomas Trueten verwies letzte Woche auf einen wichtigen Gedenktag. Gestorben am 8. Februar 1921, wurde fünf Tage später in Moskau Fürst Peter Kropotkin -“ neben Proudhon und Bakunin einer der bedeutendsten Klassiker des Anarchismus -“ unter Anteilnahme einer vieltausendfachen Menschenmenge zu Grabe getragen. Es war das letzte Mal, dass Anarchisten und Marxisten sich auf den Straßen Moskaus frei bewegen konnten. Seitdem nie wieder!
Fürst Kropotkin hat auf seine alten Tage sein vielleicht schönstes Buch geschrieben: die "Memoiren eines Revolutionärs".1969 ist es im Insel-Verlag herausgekommen und wirkte trostreich auf alle, die selbst zwar empört waren - und wie! - aber zugleich ein schlechtes Gewissen hatten, weil sie im gewöhnlichen Leben immer das Gegenteil dessen taten,was ihnen eigentlich als richtig vorkam. Kam man aus der Gemengelage je heraus?
Da wirkte der Weg des Fürsten im zaristischen Russland vertrauenerweckend und beispielgebend. Er - unter dem Schlächterzaren Nikolaus geboren - selbst Abkömmling der Rurik-Familien, die vor den Romanows den Thron innegehabt hatten, schildert zunächst ganz ohne Groll die behütete Kindheit. Eine - ohne Vater und Mutter. Mutter tot, Vater lebte noch und trainierte müde, um noch einmal den Familienvorstand und General zu markieren. Vor allen Ferien gab er seitenlange Ukase heraus, wie und von wo bis wo die Wagen mit Möbeln und Proviant ins Ferienhaus gefahren werden sollten. Die riesige Dienerschaft samt den Kindern hörte geduldig zu, nickte anständig und gab sich gleich an der nächsten Straßenecke dem freudigsten Gejohle hin. Chef weg! Drei Monate lang!!!
Wie die Adligen im achtzehnten Jahrhundert in Frankreich wurden die Kinder dieser Grufties von allen anderen erzogen als von den eigenen Eltern. Ammen, Kindermädchen, Hauslehrer hatten sich zu kümmern - und taten das hingebungsvoll. Alles Leibeigene- die sich mit den Kindern identifizierten und gegen die Machthaber mit ihren Listen eisern zusammenhielten.
Die ewig langen Sommerferien! Die inhaltsleeren anstrengungslosen Auswendiglernstunden! Die behütete Zeit ohne Ende! Wie ein Turgenjew schildert der spätere Revolutionär so friedvoll die vergangene Welt. Wahrscheinlich findet nur der die Kraft zum härtesten Widerspruch, der das immer noch in sich findet -“ aufgehoben - was zu zerstören er doch auf sich nimmt.
Und schaffte es wirklich, aus den Windeln der Privilegien sich herauszuwickeln. Er wird nicht nur Page beim neuen Zaren Alexander II, sondern gleich Sergeant der übrigen Pagen - Leibdiener sozusagen beim gesalbten Oberhaupt der Christenheit. Dennoch entschließt er sich am Ende der Kadettenzeit nicht für einen der herrlichen Regimentsposten, die ihm offengestanden hätten, sondern für das verachtete Sibirien - und dort für Teile am Amurfluss, die erst vor kurzem annektiert worden waren.
Vom Bewunderer des Zaren, der -“ angeblich - die Bauern befreit hatte, wird Kropotkin allmählich zum Kritiker, als er entdeckte, dass alles auf ein riesiges Bauernlegen hinauslief. Wie in den USA gegenüber den Sklaven,ungefähr zur gleichen Zeit, fordert das Kapital eine Mobilisierung der riesigen Werte, die in den Leibeigenen und in deren Winzgütern sozusagen begraben lagen. Wie in Preußen wird den ehemaligen Gutsbesitzern als Entschädigung für den Verlust der Leibeigenen im Voraus Entschädigung gezahlt. Diese soll durch alljährliche Steuern -“ Abgaben - der Befreiten wieder hereinkommen. Das Unglück dabei nur, selbst aus kapitalistischer Sicht: es gab keine - oder kaum - produktiv gesonnenen Gutsbesitzer, die das gewonnene Geld produktiv z.B für mechanische Pflüge oder Sämaschinen angelegt hätten. Das Geld wurde verplempert.
Kropotkin, noch als Offizier, benutzt die Zeit, um Vermessungen des unbekannten Amurgebiets zu machen. Was könnte man damit alles anfangen? Macht auch Reisen ins damals noch russische Finnland. Und immer deutlicher stellt sich die Frage: Wozu das? Abstrakt gesagt: Der wissenschaftliche Fortschritt, die Entwicklung der Produktivkraft wird zur Destruktivpotenz, wenn niemand etwas mit dem Erworbenen anfangen kann.
Der Geologe und Agronom stellt sich die Frage:
Seite 280: "Was nützt es aber, zu diesem Bauern von amerikanischen Maschinen zu reden,wenn er kaum Brot genug hat,sein Leben von einer Ernte zur andern zu fristen, wenn die Rente, die er für die harten Lehmschollen zu zahlen hat,im selben Maße, wie der Boden durch seine Bemühungen besser wird,steigt?"
Seite 281: Einschätzung der Lage im Kindheitsgut Nikolskoje nach der Bauernbefreiung:
"Sie sind jetzt frei. Sie schätzen ihre Freiheit sehr hoch.Aber sie haben keine Wiesen. Auf die eine oder andere Weise haben es die Grundherren einzurichten verstanden, dass sie fast alle Wiesen besitzen...
Familien, die früher drei Pferde besaßen, halten jetzt eins oder keins. Wozu ist aber ein einziges erbärmliches Pferd nütze? Keine Wiesen, keine Pferde, kein Dünger."
Was folgt daraus? Es müssen erst alle Verhältnisse umgestürzt werden,damit auch nur die kleinste Verbesserung verfängt.
Im Anblick des Zaren-vor dem Abschied nach Sibirien - erscheint dem noch Unschlüssigen die Leere. Das unvermeidliche Verlorengehen. Die Verdunklung.
Nach der Ernennung aus dem Pagencorps zum Offizier. Der Zar versammelt die neuernannten Offiziere um sich.
Seite 196. "In ruhigem Tone begann er:"Ich wünsche ihnen Glück.Sie sind Offiziere."Er sprach dann von Soldatenpflicht und loyaler Gesinnung, wie es bei solchen Anlässen zu geschehen pflegt." Sollte aber einer von ihnen "fuhr er fort, wobei er jede Silbe scharf betonte und sein Gesicht sich plötzlich vor Zorn verzerrte,"sollte einer von ihnen - was Gott verhüten möge -sich illolyal gegen Gott, Vaterland und den Zaren verhalten, merken sie wohl, was ich sage, so wird ihn die volle Strenge des Gesetzes treffen ohne das geringste Erbarmen." Die Stimme versagte ihm,sein Gesicht trug einen feindlichen Ausdruck blinder Wut,wie ich ihn als Kind in den Gesichtern der Grundherren bemerkt habe, wenn sie ihren Leibeigenen drohten, sie bis aufs Blut peitschen zu lassen.Heftig stieß er seinem Pferde die Sporen in die Weichen und sprengte davon. Am nächsten Morgen wurden auf seinen Befehl in Modlin drei Offiziere erschossen,während ein Soldat, namens Szur, unter den Spießruten seinen Geist aufgab.(Im Rahmen der brutalen Niederschlagung des Polenaufstandes 1863) "Reaktion, mit Volldampf rückwärts"sagte ich zu mir, als wir zum Korps zurückgingen".
(Noch eine letzte Unterredung)
"Alexander fand mich heraus und fragte:..Fürchtest Du Dich nicht, so weit zu gehen? (In gerade frischerschlossene Teile Sibiriens). Ich erwiderte mit Wärme:"Nein, ich will arbeiten. Es muss in Sibirien so viel zu tun geben, um die großen Reformen,die gemacht werden sollen, dort einzuführen". Er schaute mir gerade ins Gesicht und wurde nachdenklich;schließlich sagte er: "Nun so geh! Man kann überall nützlich sein."Und dabei nahm sein Gesicht einen so müden Ausdruck an,und verriet so völlige Willenlosigkeit, dass ich sofort dachte: Er ist ein gebrochener Mann und wird alles aufgeben".
Zuspitzung: Zwei Männer, Produkte der gleichen Klasse, am Kreuzweg. Einer im Versinken. Im Absprung der andre.
Im Rückblick kommt Kropotkin noch einmal auf diesen Augenblick zurück.1881. Nachdem "Narodnaja Wolna" mit der allerletzten verbliebenen Bombe am Zaren gerechtes Gericht geübt hatte.
Es hatte unter den gegebenen Umständen so kommen müssen.
Es kann hier nicht der ganze Weg Kropotkins nacherzählt werden. Nur eines noch: der Anblick Petersburgs, als Alexander II den Weg des Wüterichs eingeschlagen hatte und weiterstolperte. Kropotkin war lang weg.
Was ist aus den Zukunftsplanern und Quasi-Liberalen geworden, denen 1861 die Backen schwollen vor lauter Reform und Perspektive? - Keiner traut sich mehr das leiseste Wort. Jeder schwört ab, jemals an etwas anderes gedacht zu haben, als an Selbstherrschaft und Majestätsbrummertum. Kropotkin schildert die Verbissenheit des Geheimdienstes, der alles niedertrampelt. Der jeden Anflug eines Gedankens mit Knast bedroht. ES DARF NICHTS NEUES MEHR GEBEN! Mit vollem Recht - von den Herrschenden aus gesehen. Denn jeder Gedanke brächte nur eines heraus: DER ZAR MUSS WEG! ZUSAMMEN MIT UNS ALLEN!
Auch das nahm die Stimmung der mittleren siebziger Jahre für uns Leser vorweg. Mit vollem Mund das Fortschrittsbrot in der Mundhöhle wälzen - damit nur ja keine einzige Erkenntnis herauskommt.
Bibliographische Angaben:
Neue Übersetzung aus dem Englischen, herausgegeben von Heiner Becker und Niclas Walter Und mit Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem Personenregister versehen:
• Memoiren eines Revolutionärs, Band 1 / 2
ISBN: 3-89771-901-0
Ausstattung: br., 248 Seiten
Preis: 14.00 Euro
• Memoiren eines Revolutionärs, Band 2 / 2
ISBN: 3-89771-902-9
Ausstattung: br., 304 Seiten
Preis: 14.00 Euro
(Die Besprechung basiert auf der Ausgabe des Insel Verlages von 1969)
Fürst Kropotkin hat auf seine alten Tage sein vielleicht schönstes Buch geschrieben: die "Memoiren eines Revolutionärs".1969 ist es im Insel-Verlag herausgekommen und wirkte trostreich auf alle, die selbst zwar empört waren - und wie! - aber zugleich ein schlechtes Gewissen hatten, weil sie im gewöhnlichen Leben immer das Gegenteil dessen taten,was ihnen eigentlich als richtig vorkam. Kam man aus der Gemengelage je heraus?
Da wirkte der Weg des Fürsten im zaristischen Russland vertrauenerweckend und beispielgebend. Er - unter dem Schlächterzaren Nikolaus geboren - selbst Abkömmling der Rurik-Familien, die vor den Romanows den Thron innegehabt hatten, schildert zunächst ganz ohne Groll die behütete Kindheit. Eine - ohne Vater und Mutter. Mutter tot, Vater lebte noch und trainierte müde, um noch einmal den Familienvorstand und General zu markieren. Vor allen Ferien gab er seitenlange Ukase heraus, wie und von wo bis wo die Wagen mit Möbeln und Proviant ins Ferienhaus gefahren werden sollten. Die riesige Dienerschaft samt den Kindern hörte geduldig zu, nickte anständig und gab sich gleich an der nächsten Straßenecke dem freudigsten Gejohle hin. Chef weg! Drei Monate lang!!!
Wie die Adligen im achtzehnten Jahrhundert in Frankreich wurden die Kinder dieser Grufties von allen anderen erzogen als von den eigenen Eltern. Ammen, Kindermädchen, Hauslehrer hatten sich zu kümmern - und taten das hingebungsvoll. Alles Leibeigene- die sich mit den Kindern identifizierten und gegen die Machthaber mit ihren Listen eisern zusammenhielten.
Die ewig langen Sommerferien! Die inhaltsleeren anstrengungslosen Auswendiglernstunden! Die behütete Zeit ohne Ende! Wie ein Turgenjew schildert der spätere Revolutionär so friedvoll die vergangene Welt. Wahrscheinlich findet nur der die Kraft zum härtesten Widerspruch, der das immer noch in sich findet -“ aufgehoben - was zu zerstören er doch auf sich nimmt.
Und schaffte es wirklich, aus den Windeln der Privilegien sich herauszuwickeln. Er wird nicht nur Page beim neuen Zaren Alexander II, sondern gleich Sergeant der übrigen Pagen - Leibdiener sozusagen beim gesalbten Oberhaupt der Christenheit. Dennoch entschließt er sich am Ende der Kadettenzeit nicht für einen der herrlichen Regimentsposten, die ihm offengestanden hätten, sondern für das verachtete Sibirien - und dort für Teile am Amurfluss, die erst vor kurzem annektiert worden waren.
Vom Bewunderer des Zaren, der -“ angeblich - die Bauern befreit hatte, wird Kropotkin allmählich zum Kritiker, als er entdeckte, dass alles auf ein riesiges Bauernlegen hinauslief. Wie in den USA gegenüber den Sklaven,ungefähr zur gleichen Zeit, fordert das Kapital eine Mobilisierung der riesigen Werte, die in den Leibeigenen und in deren Winzgütern sozusagen begraben lagen. Wie in Preußen wird den ehemaligen Gutsbesitzern als Entschädigung für den Verlust der Leibeigenen im Voraus Entschädigung gezahlt. Diese soll durch alljährliche Steuern -“ Abgaben - der Befreiten wieder hereinkommen. Das Unglück dabei nur, selbst aus kapitalistischer Sicht: es gab keine - oder kaum - produktiv gesonnenen Gutsbesitzer, die das gewonnene Geld produktiv z.B für mechanische Pflüge oder Sämaschinen angelegt hätten. Das Geld wurde verplempert.
Kropotkin, noch als Offizier, benutzt die Zeit, um Vermessungen des unbekannten Amurgebiets zu machen. Was könnte man damit alles anfangen? Macht auch Reisen ins damals noch russische Finnland. Und immer deutlicher stellt sich die Frage: Wozu das? Abstrakt gesagt: Der wissenschaftliche Fortschritt, die Entwicklung der Produktivkraft wird zur Destruktivpotenz, wenn niemand etwas mit dem Erworbenen anfangen kann.
Der Geologe und Agronom stellt sich die Frage:
Seite 280: "Was nützt es aber, zu diesem Bauern von amerikanischen Maschinen zu reden,wenn er kaum Brot genug hat,sein Leben von einer Ernte zur andern zu fristen, wenn die Rente, die er für die harten Lehmschollen zu zahlen hat,im selben Maße, wie der Boden durch seine Bemühungen besser wird,steigt?"
Seite 281: Einschätzung der Lage im Kindheitsgut Nikolskoje nach der Bauernbefreiung:
"Sie sind jetzt frei. Sie schätzen ihre Freiheit sehr hoch.Aber sie haben keine Wiesen. Auf die eine oder andere Weise haben es die Grundherren einzurichten verstanden, dass sie fast alle Wiesen besitzen...
Familien, die früher drei Pferde besaßen, halten jetzt eins oder keins. Wozu ist aber ein einziges erbärmliches Pferd nütze? Keine Wiesen, keine Pferde, kein Dünger."
Was folgt daraus? Es müssen erst alle Verhältnisse umgestürzt werden,damit auch nur die kleinste Verbesserung verfängt.
Im Anblick des Zaren-vor dem Abschied nach Sibirien - erscheint dem noch Unschlüssigen die Leere. Das unvermeidliche Verlorengehen. Die Verdunklung.
Nach der Ernennung aus dem Pagencorps zum Offizier. Der Zar versammelt die neuernannten Offiziere um sich.
Seite 196. "In ruhigem Tone begann er:"Ich wünsche ihnen Glück.Sie sind Offiziere."Er sprach dann von Soldatenpflicht und loyaler Gesinnung, wie es bei solchen Anlässen zu geschehen pflegt." Sollte aber einer von ihnen "fuhr er fort, wobei er jede Silbe scharf betonte und sein Gesicht sich plötzlich vor Zorn verzerrte,"sollte einer von ihnen - was Gott verhüten möge -sich illolyal gegen Gott, Vaterland und den Zaren verhalten, merken sie wohl, was ich sage, so wird ihn die volle Strenge des Gesetzes treffen ohne das geringste Erbarmen." Die Stimme versagte ihm,sein Gesicht trug einen feindlichen Ausdruck blinder Wut,wie ich ihn als Kind in den Gesichtern der Grundherren bemerkt habe, wenn sie ihren Leibeigenen drohten, sie bis aufs Blut peitschen zu lassen.Heftig stieß er seinem Pferde die Sporen in die Weichen und sprengte davon. Am nächsten Morgen wurden auf seinen Befehl in Modlin drei Offiziere erschossen,während ein Soldat, namens Szur, unter den Spießruten seinen Geist aufgab.(Im Rahmen der brutalen Niederschlagung des Polenaufstandes 1863) "Reaktion, mit Volldampf rückwärts"sagte ich zu mir, als wir zum Korps zurückgingen".
(Noch eine letzte Unterredung)
"Alexander fand mich heraus und fragte:..Fürchtest Du Dich nicht, so weit zu gehen? (In gerade frischerschlossene Teile Sibiriens). Ich erwiderte mit Wärme:"Nein, ich will arbeiten. Es muss in Sibirien so viel zu tun geben, um die großen Reformen,die gemacht werden sollen, dort einzuführen". Er schaute mir gerade ins Gesicht und wurde nachdenklich;schließlich sagte er: "Nun so geh! Man kann überall nützlich sein."Und dabei nahm sein Gesicht einen so müden Ausdruck an,und verriet so völlige Willenlosigkeit, dass ich sofort dachte: Er ist ein gebrochener Mann und wird alles aufgeben".
Zuspitzung: Zwei Männer, Produkte der gleichen Klasse, am Kreuzweg. Einer im Versinken. Im Absprung der andre.
Im Rückblick kommt Kropotkin noch einmal auf diesen Augenblick zurück.1881. Nachdem "Narodnaja Wolna" mit der allerletzten verbliebenen Bombe am Zaren gerechtes Gericht geübt hatte.
Es hatte unter den gegebenen Umständen so kommen müssen.
Es kann hier nicht der ganze Weg Kropotkins nacherzählt werden. Nur eines noch: der Anblick Petersburgs, als Alexander II den Weg des Wüterichs eingeschlagen hatte und weiterstolperte. Kropotkin war lang weg.
Was ist aus den Zukunftsplanern und Quasi-Liberalen geworden, denen 1861 die Backen schwollen vor lauter Reform und Perspektive? - Keiner traut sich mehr das leiseste Wort. Jeder schwört ab, jemals an etwas anderes gedacht zu haben, als an Selbstherrschaft und Majestätsbrummertum. Kropotkin schildert die Verbissenheit des Geheimdienstes, der alles niedertrampelt. Der jeden Anflug eines Gedankens mit Knast bedroht. ES DARF NICHTS NEUES MEHR GEBEN! Mit vollem Recht - von den Herrschenden aus gesehen. Denn jeder Gedanke brächte nur eines heraus: DER ZAR MUSS WEG! ZUSAMMEN MIT UNS ALLEN!
Auch das nahm die Stimmung der mittleren siebziger Jahre für uns Leser vorweg. Mit vollem Mund das Fortschrittsbrot in der Mundhöhle wälzen - damit nur ja keine einzige Erkenntnis herauskommt.
Bibliographische Angaben:
Neue Übersetzung aus dem Englischen, herausgegeben von Heiner Becker und Niclas Walter Und mit Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem Personenregister versehen:
• Memoiren eines Revolutionärs, Band 1 / 2
ISBN: 3-89771-901-0
Ausstattung: br., 248 Seiten
Preis: 14.00 Euro
• Memoiren eines Revolutionärs, Band 2 / 2
ISBN: 3-89771-902-9
Ausstattung: br., 304 Seiten
Preis: 14.00 Euro
(Die Besprechung basiert auf der Ausgabe des Insel Verlages von 1969)
Nach Mubaraks letztem Lall Militärdiktatur -in welcher Form auch immer
Karikatur: (Carlos Latuff)
Zwischen allem Eigenlob konnte man mühsam die Übergabe der Befugnisse an Suleiman heraushören. Aber ohne das Recht, das Parlament aufzulösen. Armseliger geht es nicht mehr! Es scheint so, dass vor allem inzwischen die Arbeiterinnen und Arbeiter an verschiedenen Orten, vor allem in den Textilfabriken, nicht nur streikten, sondern sich an vielen Einzelorten an Demonstrationen beteiligten. Offenbar wurden auch Polizeistationen gestürmt. Ganze Ministerien haben sich geleert. Überall Generalstreik durchgesetzt!
Das ist unbestreitbar selbst als dieses Quaken aus dem Sumpf ein Sieg der Demonstrationsbewegung. Im Gegensatz zu dem, was bisher anzunehmen war, vermehrte sich die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten - und weitete sich aus auf andere Plätze in Kairo. Offenbar bekamen die Offiziere Angst auf dem bisher eingeschlagenen Weg.
Nur- wie ist das zu vereinbaren mit den zahlreichen Sprüchen aus Militärkreisen - ohne Mubarak komme das Chaos?
Es steht zu vermuten, dass die gemeinsame Militärführung ein Zugeständnis machen musste- nicht unter dem Druck der USA, nicht unter dem verlogenen Gesäusel aus München, sondern unter dem ohne offene Massaker nicht mehr einzudämmenden Einfluss der Arbeiterklasse. Diese wieder in bitterste Not versetzt durch die Preissteigerungen für die Grundlebensmittel. Spekulationsverstärkt.
Es wird auf jeden Fall zunächst auf - die immer schon bestand-Militärherrschaft hinauslaufen, ob nun an Suleiman als Vizepräsident abgegeben wird, oder an ihn als Geheimdienstchef und Folterspezialist, oder - unglaublicherweise - an einen vorgeschobenen Zivilknilch, der sich irgendwo muss finden lassen.
Nach der Einstampfung des ausgedienten Chefs wird Suleyman - in welcher Funktion auch immer - als Hauptparole ausgeben: SCHLUSS JETZT MIT DEM CHAOS. Mit allen Mitteln, auch denen schärfsten Durchgreifens. Und entsprechenden nationalen Aufrufen zum Wiederaufbau eines starken unabhängigen Ägypten - das sich ab jetzt nichts mehr sagen lassen wird - auch nicht von den USA.
Da nicht zu erwarten ist, dass die Armee ihre eigenen Fabrikunternehmen aufgeben wird, noch weniger, dass sie die ägyptische Bourgeoisie niederzwingt, wird die Armee - ob ihr das passt oder nicht - mit starker Hand den Büttel machen müssen für das internationale Kapital.
Ein Archäologe des letzten Jahrhunderts schöpft in seinem Blog aus den versumpftesten Quellen und unterstellt Teilen der Armee, sie kämpften für das "nationale Kapital" gegen das "internationale". Das gab es vielleicht in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Wie sollte eine solche Abtrennung heute zu denken sein?
Im berechtigten allgemeinen Jubel werden die ersten Brutalmaßnahmen der neuen Militärdiktatur kurzfristig hingenommen werden. Solange die Aufständischen das Militär als relativen Schutz vor der Polizei auffassten.
Das wird sich geben. Es wird - bei stärkster Niederhaltung aller Bewegungen in der Öffentlichkeit - darauf ankommen, spät mit und aus den Komitees der Straßenkontrolle durch die Anwohnenden Organisationen zu schaffen, die - zusammen mit den Gewerkschaften- eine wirkliche und dauerhafte Gegenmacht aufbauen werden.
Der morgige Freitag kommt bestimmt! Da wird wohl noch einmal nachgefragt und abgerechnet.


