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»Jeder Tag ist Abschied, aber die Nacht ein Lied der Wiederkehr.« Oskar Werner

Nepalesische Anarchisten über den Sturz der Regierung: Ein Interview mit Black Book Distro

In Nepal eskalierte Anfang September 2025 eine Protestbewegung als Reaktion auf Polizeigewalt zu einem spontanen Aufstand, der mit der Brandstiftung des Parlaments und einer Reihe von Regierungsgebäuden, Polizeistationen, Parteizentralen und Villen von Politikern gipfelte. Innerhalb von anderthalb Tagen war Premierminister Khadga Prasad Oli geflohen und die Regierung war zusammengebrochen. Aber der Sturz einer Regierung ist nur die erste Phase eines viel längeren Kampfes; inmitten dieser Unruhen konkurrieren Monarchisten, Neoliberale und Radikale um die Zukunft Nepals. Um ein klareres Verständnis für den Hintergrund des Aufstands und die Dynamik innerhalb desselben zu bekommen, haben wir Black Book Distro interviewt, ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek in Kathmandu.

Der Aufstand in Nepal ist Teil einer Reihe von Aufständen, die Asien in den letzten Jahren erschüttert haben. Wir können die Spuren der Funken vom Sturz des Präsidenten von Sri Lanka im Jahr 2022 bis zum Aufstand in Bangladesch im Jahr 2024 und dem Aufstand in Indonesien im August 2025 verfolgen, ganz zu schweigen vom anhaltenden Bürgerkrieg in Myanmar.

Seit dem Sturz der nepalesischen Regierung sind auch auf den Philippinen heftige Proteste ausgebrochen. All dies ist eine Reaktion auf die weit verbreitete wirtschaftliche Not und das Versagen der Versprechen der Politiker. Die Komplizenschaft der institutionellen kommunistischen Parteien bei dem Massaker, das den Aufstand ausgelöst hat, sollte alle angehenden Revolutionäre daran erinnern, dass es unmöglich ist, die Probleme des Kapitalismus allein durch die Gewalt des Staates zu lösen – selbst wenn man „kommunistisch” im Namen seiner Partei hat.

Die Herausforderungen, die der Kapitalismus für die Menschen mit sich bringt, erfordern radikalere Veränderungen, als sie mit Polizeiausrüstung und politischen Vorschlägen in den Machtzentralen erreicht werden können.

Ebenso sollte dieser Aufstand Politikern und Polizisten auf der ganzen Welt zu denken geben, die glauben, sie könnten ungestraft plündern und terrorisieren. Heute mag das Geld, das sie erhalten, sie vor den Folgen ihrer Handlungen schützen – aber morgen ist alles möglich.

Keine dieser Revolten hat bisher alle ihre Ziele erreicht, aber während Menschen auf der ganzen Welt mit Oligarchie und staatlicher Unterdrückung zu kämpfen haben, bietet jede von ihnen Lehren.

Wie ein Kommentator in den sozialen Medien es ausdrückte: „Nur ein junger Mann, der die Haut des Feindes trägt.“

Stell dein Projekt vor. Wer bist du und was machst du?

Black Book Distro präsentiert einige englischsprachige Materialien während des Anarchist Zine Fest in Nepal.
Black Book Distro präsentiert einige englischsprachige Materialien während des Anarchist Zine Fest in Nepal.
Wir sind Black Book Distro, ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek mit Sitz in Kathmandu, Nepal, die sich der Radikalisierung durch Aufklärung über die Geschichte der Linken sowie der aktiven Beteiligung an Volkskämpfen und Bewegungen widmet, die wir für mit unseren Zielen vereinbar halten (die Proteste der Generation Z, die Meter-Byaj-Bewegung,1 die Guthi-Bewegung2). Wir sprechen zu euch als anarchistische Bewegung, die unter der Unterdrückung eines gescheiterten und korrupten kommunistischen Regimes und Kongresses steht.

Gib uns einen kurzen Überblick über die sozialen Bewegungen und Kämpfe in Nepal in den letzten ein oder zwei Jahrzehnten. Was waren die wichtigsten Anliegen, die zu den Unruhen in der Bevölkerung geführt haben?

In einer Hand liegen 3 leere Gewehrpatronenhülsen
Heute wurden scharfe Munition gegen Zivilisten, darunter auch Kinder, eingesetzt. Wir waren an vorderster Front. Wir haben gesehen, wie viele Menschen erschossen wurden.“
Nach der maoistischen Revolution hat Nepal mehrere Wellen sozialer, wirtschaftlicher, geografischer und politischer Umbrüche erlebt. Zu den wichtigsten Problemen gehören die weit verbreitete Kastendiskriminierung, eine tödliche Epidemie des Menschenhandels mit Wanderarbeitern, die durch den Mangel an Möglichkeiten im eigenen Land angeheizt wird, regelmäßige Grenzkonflikte mit unseren atomar bewaffneten Nachbarn und eine politische Korruption, die so dreist ist, dass sie zu einem erschreckend starken Wiederaufleben monarchistischer Gefühle im Land geführt hat.

Zu den Volksbewegungen für Veränderungen gehörten der Kampf der Madhesh um Rechte und Würde, Proteste gegen die Korruption in der COVID-Ära unter dem Motto „Enough Is Enough” (Genug ist genug), nationalistische Streitigkeiten über Grenzgebiete wie Lipulekh, die Hungerstreiks von Dr. KC für eine bessere Gesundheitsinfrastruktur, der Widerstand gegen räuberische Hypothekenzinsen und die Verteidigung der Gemeinschaftsflächen des Volkes der Newar.

Diese Kämpfe werden von einem komplexen sozialen Gefüge angetrieben, das immer noch von Patriarchat, Kastenwesen und Religion geprägt ist, während gleichzeitig verfassungsrechtliche Bemühungen um Repräsentation, Meinungsfreiheit, wirtschaftliche Freiheit und Föderalismus unternommen werden. Die wichtigsten politischen Organisationen sind die Kongresspartei, maoistische und marxistisch-leninistische Parteien sowie royalistische Fraktionen. Darunter gibt es unabhängige Jugendgruppen, linke Räume und indigene Gemeinschaftsgruppen.

Historisch gesehen wurden die meisten Proteste von den großen politischen Parteien angeführt oder beeinflusst, obwohl spontane Jugend- und Basisinitiativen zunehmend unabhängig agieren (einschließlich des jüngsten Aufstands der „Generation Z“).

Wie verstehst du die Ziele der Basisaktivisten in diesem Aufstand? Gibt es mehrere Strömungen mit unterschiedlichen oder widersprüchlichen Zielen?

Ein Demonstrant in Nepal zeigt eine „One Piece“-Piratenflagge, die zum Symbol der Rebellion in Indonesien geworden ist.
Ein Demonstrant in Nepal zeigt eine „One Piece“-Piratenflagge, die zum Symbol der Rebellion in Indonesien geworden ist.
Die aktuelle „Gen Z“-Bewegung hat ihre Wurzeln in der von Jugendlichen angeführten „Enough Is Enough“-Bewegung von 2019, die sich angesichts der Misswirtschaft während der COVID-19-Krise auf soziale Gerechtigkeit und Umweltfragen konzentrierte. Dieser erste Aufstand bestand aus mehreren unabhängigen Jugendgruppen, die von normalen Bürgern, Liberalen und linksradikalen Kreisen unterstützt wurden, ohne eine zentrale Führung zu haben. Seitdem hat die Regierung ihre Online-Überwachung und totalitären Maßnahmen gegen die Jugend immer weiter verschärft, was die Bewegung zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Ihre Hauptforderungen sind Meinungsfreiheit, Maßnahmen gegen Korruption und vollständige Rechenschaftspflicht der Regierung, ohne Beteiligung etablierter politischer Parteien. Die tragische Erschießung friedlicher Demonstranten, darunter Studenten, die von der Philosophie der Anime-Serie „One Piece“ inspiriert waren, löste weit verbreitete Empörung aus.

Der Aufstand war dezentralisiert und spontan und gipfelte in der Brandstiftung des Parlaments und der meisten Regierungsbüros, Politikerhäuser, Polizeistationen und Parteizentralen, wodurch die Regierung in weniger als 35 Stunden gestürzt wurde. Innerhalb der Bewegung gibt es verschiedene Strömungen: Monarchisten, die den König wieder auf den Thron bringen wollen, Gemäßigte, die Einfluss in einer neuen neoliberalen Regierung gewinnen wollen, und radikale Linke, die sich für echten Föderalismus, Säkularismus und die inklusive Teilhabe marginalisierter Gemeinschaften einsetzen. Diese Vielfalt an Zielen spiegelt die komplexen Bestrebungen und Spannungen innerhalb der Bewegung wider.

So wie wir es hier aus der Ferne verstehen, haben die Kommunisten in Nepal viele Jahre lang einen Widerstandskampf geführt, bevor sie 2006 die Staatsmacht erlangten. Wir haben den Eindruck, dass interne Konflikte innerhalb der revolutionären Bewegung insgesamt zu einer Reihe von Kompromissen zwischen den Kommunisten und der nepalesischen herrschenden Klasse geführt haben. Wie haben sich diese Kompromisse auf die nepalesische Gesellschaft ausgewirkt, insbesondere auf die radikalen Basisbewegungen, die sich am Volksaufstand beteiligt haben, sowie auf Gewerkschaften und andere Gruppen?

 Ein ausgebranntes Auto der nepalesischen Polizei vor dem Patan Durbar Square am 9. September 2025.
Ein ausgebranntes Auto der nepalesischen Polizei vor dem Patan Durbar Square am 9. September 2025.
Der Erfolg des maoistischen Aufstands beruhte auf seiner Opposition gegen die Überreste des „Panchayat“-Systems, einer feudalen agrarischen Unterdrückungsstruktur der mit der Monarchie verbündeten Eliten der oberen Kasten gegenüber dem einfachen Volk, die 1990 offiziell abgeschafft worden war. Sobald sie jedoch an der Macht waren, haben viele maoistische Führer ihre revolutionären Ziele aufgegeben, um die Kontrolle zu behalten, und nach und nach kapitalistische Praktiken übernommen, die genau das gleiche Panchayat-System der Unterdrückung widerspiegeln, das sie angeblich zerstört hatten. Diese Kompromisse haben ihre Glaubwürdigkeit bei den Massen untergraben, und die Maoisten werden heute allgemein eher als korrupte Politiker denn als Revolutionäre angesehen.

Unterdessen sind Menschenrechtsverletzungen durch Militär und Polizei weit verbreitet, und Gerechtigkeit bleibt für die Opfer auf allen Seiten unerreichbar. Das angeschlagene Image der linken Politik hat der monarchistischen Bewegung Raum gegeben; sogar die jüngste Gen-Z-Bewegung hat politische Parteien und Gewerkschaften bewusst von der Teilnahme ausgeschlossen, weil sie befürchtete, dass diese Gruppen ihre eigenen Interessen durchsetzen würden. Das hat zwar die Integrität der Bewegung geschützt, aber es ist jetzt schwieriger für echte linke Radikale, die Veränderung wollen, sich zu organisieren. Zum Glück entsteht langsam eine anarchistische Bewegung, die immer mehr Akzeptanz findet, obwohl manche Leute Anarchismus mit Chaos verwechseln.

Wie ist die Regierungskoalition entstanden? Wie siehst du den Unterschied zwischen den beiden kommunistischen Parteien und welche Rolle spielt die Kongresspartei in der Regierungskoalition?

Die Regierungskoalition entstand, um nach dem Krieg in einem zersplitterten Mehrparteiensystem eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Beide kommunistischen Parteien haben sich Korruption und kapitalistischen Praktiken verschrieben, wobei die UML (Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten)) derzeit die besser organisierte der beiden ist. Aufgrund ihres Missbrauchs kommunistischer Ideologien und ihrer korrupten Vergangenheit verliert die kommunistische Bewegung rapide an Boden, und Parteimitglieder werden oft verspottet, wenn sie sich zu ihrer kommunistischen Identität bekennen. Die Kongresspartei, die historisch gesehen eine wichtige Rolle bei der „offiziellen” Beendigung des Rana-Regimes und des Panchayat-Systems gespielt hat, bleibt die führende neoliberale Kraft in der Regierung. Im Jahr 2008 verbündeten sich Maoisten und Marxisten-Leninisten, um die Kongresspartei zu überstimmen, und im Jahr 2024 verbündeten sich die Kongresspartei und die Marxisten-Leninisten, um die Maoisten zu überstimmen. Während sie einst ideologische Differenzen trennten, sind diese Unterschiede in den Augen der Bevölkerung fast vollständig verschwunden.

Sowohl Indien als auch China gehören zu dem mächtigen Industrie- und Handelsblock, der als BRICS bekannt ist. Wie wirkt sich das auf die einfachen Leute in Nepal aus? Welche Gruppen wollen vom Sturz der nepalesischen Regierung profitieren?

Das Parlament von Nepal wurde am 9. September 2025 niedergebrannt.
Das Parlament von Nepal wurde am 9. September 2025 niedergebrannt.
Die Auswirkungen der BRICS-Mitgliedschaft auf die einfachen Nepalesen sind noch nicht klar, da die politischen und intellektuellen Kreise geteilter Meinung sind. Einige sehen die BRICS als Mittel, um die Vorherrschaft der USA zu verringern, während andere darin eine Ausweitung des autoritären Einflusses Chinas sehen. Die nepalesische Regierung beobachtet die Entwicklung der Beziehungen zwischen Indien und China vorsichtig und hat noch nicht entschieden, ob sie der BRICS beitreten wird.

Es bleibt unklar, welche Gruppen letztendlich vom Sturz der Regierung profitieren werden, aber keine politische Entscheidung in Nepal wird ohne die Beteiligung des indischen Geheimdienstes RAW (Research and Analysis Wing) getroffen. Auch die CIA [Central Intelligence Agency] spielt wahrscheinlich eine Rolle, wie es ihrer Geschichte in globalen Revolutionen entspricht. Zu den größten Gefahren zählen die Möglichkeit, dass royalistische Fraktionen mit indischer Unterstützung an die Macht kommen, angetrieben von extremistischer hindu-nationalistischer Politik, sowie das Wiederaufleben alter politischer Eliten ohne substanzielle Veränderungen. Ein Militärputsch war zwar eine reale Gefahr, fand aber glücklicherweise nicht statt.

Da Nepal ein Binnenstaat ist, der sozial und wirtschaftlich von Indien abhängig ist, hat sich die chinesische Investitionstätigkeit etwas verlagert, und es wurden Verbindungsautobahnen durch Nepal eröffnet. Während China und Indien ihre Rivalität verschärfen, wird Nepal, anders als andere Nationen, die an die geografischen Giganten grenzen, zu einem Schauplatz der Kontrolle und des Gleichgewichts...

Beide Mächte haben bisher offene Konflikte vermieden und Nepal zu einem Schauplatz des geopolitischen Gleichgewichts zwischen Indien und China gemacht. Nepal, das geografisch zwischen diesen beiden Atommächten eingeklemmt ist, hat nur begrenzte Möglichkeiten, sich ihrem endlosen Tauziehen zu widersetzen. Indiens Treibstoffblockade nach dem Erdbeben von 2015 war eindeutig ein Machtmanöver im Zusammenhang mit der Madhesi-Bewegung, die Indien inoffiziell unterstützte. China übt Einfluss aus, indem es die nepalesische Regierung dazu drängt, Proteste im Zusammenhang mit Tibet zu kontrollieren. Kulturelle Bindungen und offene Grenzen machen den Einfluss Indiens stärker spürbar, während chinesische Investitionen, wie zum Beispiel Autobahnprojekte im Rahmen der Belt and Road Initiative, von der Bevölkerung allgemein als Chance für wirtschaftliche Unabhängigkeit von Indien begrüßt werden.

Viele westliche Linke betrachten die Beziehungen Nepals zu China und Indien – beides Handelspartner der USA und Israels, obwohl China als geopolitischer Gegner der USA wahrgenommen wird – und kommen zu dem Schluss, dass die Aufstände in Nepal und Indonesien von der CIA unterstützte Farbrevolutionen sein müssen, die darauf abzielen, westlich orientierte Diktaturen zu installieren. Was denkst du darüber?

Zwar ist der ausländische Einfluss Indiens, Chinas und der USA unbestreitbar, doch die Aufstände auf eine von der CIA unterstützte Farbrevolution zu reduzieren, bedeutet, die echte Wut und die Opfer der nepalesischen Bevölkerung zu ignorieren. Millionen Menschen haben sich mobilisiert, um Parlamentsgebäude, Regierungsbüros und die Häuser politischer Führer niederzubrennen – nicht weil ausländische oder inländische Organisationen sie dazu aufgefordert hätten, sondern wegen jahrzehntelangem Versagen und Korruption der Regierung. Diese Bewegung als Farbrevolution zu bezeichnen, untergräbt unsere Solidarität mit ähnlichen Basisbewegungen auf der ganzen Welt. Aktivisten aus Bangladesch, Indonesien und Sri Lanka feiern die Kämpfe der anderen, ohne sie als ausländische Verschwörungen abzutun. Dies ist ein Volksaufstand, der aus erlebter Ungerechtigkeit entstanden ist. Wenn diese Aufstände Farbrevolutionen sind, dann wären mächtige globale Bewegungen wie der Arabische Frühling und Black Lives Matter ebenfalls Farbrevolutionen. Es ist an der Zeit, dass westliche Beobachter diese Kämpfe unterstützen, anstatt sie zu delegitimieren.

Welche Verbindungen siehst du, wenn überhaupt, zwischen dem Aufstand in Nepal und den vorangegangenen Aufständen in Sri Lanka, Bangladesch und Indonesien? Inwiefern haben diese die Vorstellungskraft der Bevölkerung beeinflusst und so zu dieser Revolte beigetragen? Was sind die Unterschiede zwischen dem nepalesischen Kontext und den anderen Kontexten?

Die Aufstände haben klare Gemeinsamkeiten, darunter weit verbreitete Korruption, Ausgrenzung, fest verwurzelte Macht nepotistischer Familien, staatliche Zensur und starke ausländische Einmischung. Sri Lanka, Indonesien und Nepal haben jeweils eine Geschichte kommunistischer Bewegungen und deren letztendlichem Scheitern. Eine interessante Verbindung zwischen Nepal und Indonesien ist das Vorhandensein aktiver anarchistischer Bewegungen und der kulturelle Einfluss des Anime „One Piece“, der für die Jugend beider Länder ihren Kampf gegen den Autoritarismus symbolisiert.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die kommunistische Bewegung in Nepal erfolgreich an die Macht kam, aber anschließend korrupt wurde und ihre Versprechen brach, was die Enttäuschung der Bevölkerung schürte, während in Indonesien und Sri Lanka die kommunistische Regierung nicht an die Macht kam.

Hast du aufgrund deiner jüngsten Erfahrungen in Nepal einen Rat für Menschen, die sich in anderen Teilen der Welt an basisdemokratischen Widerstandsbewegungen beteiligen?

Effektiver Widerstand muss organisierte Aufklärung, Agitation und die Bereitschaft zu spontanen Massenaufständen kombinieren. Es ist entscheidend, die Menschen darauf vorzubereiten, gesellschaftliche Bewegungen in die richtige Richtung zu lenken, insbesondere um die Machtvakuums zu bewältigen, die beim Zusammenbruch einer Regierung entstehen und oft von kapitalistischen Kräften genutzt werden, die die alte Ordnung wiederherstellen wollen. Die alten Eliten werden versuchen, die Macht zurückzugewinnen, aber die revolutionäre Bevölkerung in Nepal hat sich vehement dagegen gewehrt, indem sie Infrastruktur zerstört und sich physisch mit den Führern konfrontiert hat.

Allerdings war dieser Aufstand nicht vollständig auf das vorbereitet, was als Nächstes passiert. Bisher haben wir uns hauptsächlich auf Aufklärung und Proteste konzentriert, ohne Strukturen für die Zeit nach dem Zusammenbruch zu planen. Unser Rat an die Genoss*innen weltweit ist, sich nicht nur auf den Aufstand vorzubereiten, sondern auch auf nicht-hierarchische Strukturen und den gesellschaftlichen Wiederaufbau nach dem Sturz der Regime.

Was machen Anarchisten und antiautoritäre Gruppen in Nepal? Was können wir konkret tun, um anarchistische und allgemein antiautoritäre Bemühungen in Nepal zu unterstützen?

Das Foto zeigt das brennende Parlament
Eine Botschaft vom 13. September 2025: „Diejenigen, die mit der Polizei zusammenarbeiten. Ihr vergesst, dass sie unsere Kinder getötet haben. Diejenigen, die sagen, dass Vandalismus, Brandstiftung und Plünderungen falsch sind. Ihr vergesst, dass dies das Ergebnis der kollektiven Wut ist, die seit mehr als 40 Jahren gegen dieses Regime herrscht. Dass es das Ergebnis der kapitalistischen Hölle ist, in der normale Bürger sich niemals die Dinge leisten können, mit denen sie durch Werbung bombardiert werden. Glaubt ihr, dass die Elite von Kathmandu in Bhatbhatani [Nepals größter Einzelhandelskette] geplündert hat? Nein, das waren Menschen aus der Arbeiterklasse und der Mittelschicht. Glaubst du, Bhatbhatani hat so große Verluste erlitten? Die haben eine Versicherung. Das Hilton Hotel hat eine Versicherung. Haben die Eltern der toten Kinder eine Versicherung über Millionen von Rupien?
Anarchistische und antiautoritäre Gruppen in Nepal veranstalten Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen, Musikveranstaltungen sowie direkte Aktionen auf der Straße. Die meisten unserer anarchistischen Kollektive glauben an eine Organisation ohne Hierarchien und fördern offene Gespräche, sogar mit kommunistischen Radikalen, die wirklich egalitäre Gesellschaften anstreben. Wir glauben, dass Solidarität innerhalb der linken Bewegung super wichtig ist, deshalb beurteilen wir eher nach Taten als nur nach Ideologie. Um diese Bemühungen zu unterstützen, rufen wir dazu auf, das Bewusstsein für die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen zu schärfen, darunter der Tod von mindestens 72 Demonstranten, darunter viele Jugendliche, die getötet wurden, weil sie ein Ende von Korruption und Totalitarismus forderten. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und unverzüglich strafrechtlich verfolgt werden.

Fußnoten:


  • Meter-byaj ist eine Form der Kreditvergabe mit exorbitanten Zinssätzen. In den letzten Jahren hat eine Protestbewegung dagegen an Dynamik gewonnen.

  • Im Juni 2019 gingen Tausende auf die Straße, um gegen einen Gesetzentwurf zu protestieren, der jahrhundertealte Gemeinschafts- und Religionsstiftungen verstaatlichen würde. Dieses als „Guthi” bekannte System zur Erhaltung von Tempeln und traditionellen öffentlichen Räumen sowie zur Organisation von Festen hat seine Wurzeln in der Newar-Gemeinschaft, die im Kathmandu-Tal beheimatet ist.

  • Der Bürgerkrieg, der 2006 endete.

  • Eine Bewegung für die Rechte der Madhesis Tharus, Muslime und Janjati-Gruppen in Nepal, mit Aktivitätswellen in den Jahren 2007, 2008 und 2015.

  • Lipulekh ist ein Himalaya-Pass an der Grenze zwischen Indien und dem von China regierten Tibet. Die nepalesische Regierung hat Ansprüche auf die Südseite des Passes erhoben, die seit der britischen Kolonialherrschaft unter indischer Verwaltung steht.

  • Der Chirurg und Gesundheitsaktivist Dr. Govinda KC hat 23 Hungerstreiks durchgeführt, um Reformen zu fordern.



Quelle: Interview mit Black Book Distro, 22.09.2025

Übersetzung: Thomas Trueten

10 Jahre Selbstorganisation, 10 Jahre Unabhängigkeit, 10 Jahre für die Menschen in Stuttgart-Ost: Stadtteilzentrum Gasparitsch

Der Flyer zeigt grafisch aufbereitet die Eckdaten zum Fest
Einladungsflyer (Vorderseite)
Das selbstverwaltete Stuttgarter Stadtteilzentrum Gasparitsch feiert mit einem Straßenfest nicht nur das eigene Jubiläum, sondern vor allem all diejenigen, die das Gasparitsch überhaupt erst möglich machen: die Nachbarschaft und ganz Stuttgart-Ost.

Kommt vorbei und feiern wir gemeinsam die vergangenen und kommenden großartigen Jahre im Stuttgarter Osten!

Samstag, 19. Oktober, 14-22 Uhr (+ Aftershow Party)
Stadtteilzentrum Gasparitsch
Rotenbergstr. 125, U4 Ostendplatz, U9 Raitelsberg (gegenüber der Gaststätte Friedenau)

Hier findet ihr den geplanten groben Ablauf für unser Fest… Es kann aber auch immer zu kleinen und größeren Verschiebungen kommen.

Ablauf

ab 14 Uhr:

  • Kinderprogramm
  • Kaffee & Kuchen
  • kaltes Buffet
  • Quiz
16:00 Uhr: Live-Musik mit Dave Collide (Singer/Songwriter)

ab 18:30 Uhr:
  • warmes leckeres Essen
  • bis 18:30 Uhr: Quizabgabe
ab 19:30 Uhr
  • Quizauflösung
ab 20:15 Uhr
  • Live Musik mit bellalebwohl (kantig, roh & tanzbar)
Mehr Informationen rund um das Stadtteilzentrum.

Blogkino: Ibun Sarutobi Sasuke (1965)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino den Samurai-Reißer des am 25. März diesen Jahres verstorbenen Regisseurs Masahiro Shinoda. Der Plot: Nach Jahren des Krieges ist Japan unter dem Tokugawa-Shogunat vereint, und der Samurai-Spion Sasuke Sarutobi, der des Konflikts überdrüssig ist, sehnt sich nach Frieden. Als jedoch ein hochrangiger Spion namens Tatewaki Koriyama vom Shogun zu einem rivalisierenden Clan überläuft, gerät die Welt der Schwertkämpfer in Aufruhr. Nachdem Sasuke ungewollt in den Konflikt hineingezogen wird, verfolgt er Tatewaki, während eine mysteriöse Gestalt mit weißer Kapuze beide zu jagen scheint. Am Ende der Geschichte ist niemand mehr der, der er zu sein schien, und die Wahrheit ist weitaus persönlicher, als irgendjemand vermutet hätte. Regisseur Masahiro Shinodas  auch als Samurai Spy (異聞猿飛佐助, oder Spy  Hunter bekannt gewordener Film ist voller Clan-Intrigen, Ninja-Spionen und mehrfachen Verrat und markiert eine kühne stilistische Abkehr von den Konventionen des Schwertkampf-Films.


‘Don’t Mention the Children’. A poem for the children of Gaza

‘Israel bans radio advert listing names of children killed in Gaza.’ Guardian, 24 Juli 2014

Don’t mention the children.
Don’t name the dead children.
The people must not know the names
of the dead children.
The names of the children must be hidden.
The children must be nameless.
The children must leave this world
having no names.
No one must know the names of
the dead children.
No one must say the names of
the dead children.
No one must even think that the children
have names.
People must understand that it would be dangerous
to know the names of the children.
The people must be protected from
knowing the names of the children.
The names of the children could spread
like wildfire.
The people would not be safe if they knew
the names of the children.
Don’t name the dead children.
Don’t remember the dead children.
Don’t think of the dead children.
Don’t say: ‘dead children’.


A poem for the children of Gaza, by Michael Rosen


Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 11: Rigoberto López Pérez vs. Anastasio Somoza García

Das Foto zeigt Rigoberto López Pérez
Rigoberto López Pérez 13. Mai 1929 in LeonNicaragua; † 21. September 1956 ebenda
Am 21. September 1956 fand der nicaraguanische Dichter Rigoberto Pérez Einlass zu einem Wahlkonvent in der Casa de Obrero in León, auf dem sich Anastasio Somoza García zur Wiederwahl aufstellen ließ. Er verkleidete sich als Kellner, konnte so in die unmittelbare Nähe des Präsidenten gelangen und ihn durch fünf Schüsse aus seiner Smith & Wesson .38 & .32 Double Action schwer verletzen. Die umstehenden Guardias Nacionales der Leibwache Somozas erschossen Lopéz Pérez unmittelbar darauf. Anastasio Somoza García wurde kurze Zeit später mit einem Militärflugzeug in die damals noch den USA unterstehende Panamakanal-Zone in das US-Militärkrankenhaus Hospital Gorgas gebracht, wo er 8 Tage später verstarb. Nach dem Tod von Anastasio Somoza García folgte ihm sein Sohn Luís Somoza Debayle als Präsident Nicaraguas.

“Yo estoy sufriendo.
Yo tengo el dolor de toda mi patria
y en mis venas anda un héroe buscando la libertad.
Las flores de mis días siempre estarán marchitas
si la sangre del tirano está en sus venas.
Yo estoy buscando al pez de la libertad
en la muerte del tirano”.

"Ich leide.
Ich trage den Schmerz meiner ganzen Heimat in mir,
und in meinen Adern fließt ein Held, der nach Freiheit strebt.
Die Blumen meiner Tage werden immer verwelkt sein,
wenn das Blut des Tyrannen in seinen Adern fließt.
Ich suche den Fisch der Freiheit
im Tod des Tyrannen."

Rigoberto López Pérez

Brief von Rigoberto an seine Mutter, San Salvador, 4. September 1956

Meine liebe Mutter:

Obwohl Sie es nie gewusst haben, habe ich mich stets an allen Bemühungen beteiligt, das verhängnisvolle Regime unseres Landes zu bekämpfen. Angesichts der Tatsache, dass alle Anstrengungen, Nicaragua wieder (oder zum ersten Mal) zu einem freien, uneingeschränkten und makellosen Land zu machen, erfolglos geblieben sind, habe ich mich entschlossen, auch wenn meine Mitstreiter dies nicht akzeptieren wollten, selbst den Anfang vom Ende dieser Tyrannei einzuleiten. Sollte Gott wollen, dass ich bei meinem Versuch scheitere, möchte ich, dass niemand dafür verantwortlich gemacht wird, denn alles war meine Entscheidung. (...)

Zwei Jahre nach dem Sieg der sandinistischen Revolution wurde Rigoberto López Pérez, der mit seinem Engagement und seiner Opferbereitschaft für die Freiheit Nicaraguas den Anfang vom Ende der Tyrannei Somoza markierte, durch das Dekret Nr. 536 zum Nationalhelden erklärt.


Danke an H. für den Hinweis und Informationen


Frankreich rebelliert – doch mit welchem Ziel?

Das Gewerkschaftsbündnis, das zu den Streiks am 18. September aufgerufen hatte, hat ein Ultimatum gestellt – aber Bloquons Tout will mehr als nur Zugeständnisse.

Das Foto zeigt demonstrierende Menschen hinter einem Transparent mit dem Text "Bloque Tout!" (Blockiert Alles!)
Foto: Thomas Bresson, CC BY 4.0
Gestern (18. September) wurde Frankreich zum zweiten Mal in Folge von Störungen heimgesucht, nachdem die Gewerkschaften mit Streiks in verschiedenen Branchen und großflächigen Störungen im ganzen Land versucht hatten, ihre Bedeutung wieder zu unterstreichen.

Die CGT gab an, dass eine Million Menschen an den Aktionen am Donnerstag teilgenommen hätten; selbst das Innenministerium räumte ein, dass es mindestens 500.000 gewesen seien. Neun Gewerkschaften handelten zum ersten Mal seit den Rentenstreitigkeiten von 2023 gemeinsam.

Der RATP-Gewerkschaft gelang es weitgehend, die Pariser Metro lahmzulegen, und Lehrer und Schulpersonal streikten gemeinsam mit Kollegen aus dem Energiesektor und der Bahn, wo es zu erheblichen Störungen im Nah- und Fernverkehr kam.

Studierende mobilisierten sich an Universitäten im ganzen Land. Der Universitätsbetrieb in Paris, Caen, Montpellier, Nantes, Rouen und Toulouse unter anderem wurde laut Contre Attaque eingestellt, die auch berichteten, dass in Lyon „die Sciences Po und die ENS von der Verwaltung ‚vorbeugend’ geschlossen wurden”.

Anarchisten standen weiterhin im Mittelpunkt der Aktionen. In Laon nahm die Peter-Kropotkin-Brigade erneut an den Demonstrationen teil, diesmal mit Schwerpunkt auf dem lokalen Sonoco-Werk, wo kürzlich 117 Entlassungen angekündigt worden waren.

Im Vergleich zur Vorwoche reagierte die Polizei zurückhaltender – was vor allem darauf zurückzuführen war, dass die gleiche Anzahl von Beamten gegen eine deutlich größere Zahl von Demonstranten auf den Straßen eingesetzt wurde.

Kleine Gruppen von Faschisten und rechtsextremen Demonstranten tauchten ebenfalls kurz auf, um die Demonstranten zu konfrontieren. In Montpellier, wo sich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen versammelt hatten, um die Aktionen zu unterstützen, konfrontierte eine Gruppe von bis zu 30 rechtsextremen Männern gegen Ende des Tages etwa 200 Demonstranten und Antifaschisten.

Die Polizei griff schließlich ein, um die rechtsextreme Gruppe zu schützen, von der einige Mitglieder von Beobachtern als Mitglieder einer Ultras-Gruppe identifiziert wurden, die mit dem Fußballverein der Stadt in Verbindung steht. Mehrere Demonstranten und Antifaschisten wurden bei einer Reihe von Angriffen durch Mitglieder der rechtsextremen Gruppe verletzt, aber die Polizei unternahm nichts gegen die Täter.

Obwohl das Ausmaß der Aktion beeindruckend ist, bestehen weiterhin Spannungen zwischen den Bestrebungen von Teilen von Bloquons Tout – einer führerlosen, dezentralen Bewegung, die Spontaneität schätzt und weder über Mechanismen noch den Willen verfügt, mit Mainstream-Politikern zu „verhandeln“ – und den etablierten Gewerkschaften, mit denen die Regierung besser zurechtkommt.

In dem Versuch, die Initiative zurückzugewinnen, hat das Gewerkschaftsbündnis dem neuen Premierminister Sébastien Lecornu ein Ultimatum gestellt und die Rücknahme der Haushaltsvorschläge gefordert, die zum Sturz seines Vorgängers geführt hatten, andernfalls drohten nach dem 24. September erneute Aktionen.

Zu den Forderungen gehörten auch die Einführung einer Vermögenssteuer und die Aufgabe der Versuche, das Rentenalter anzuheben.

Bei einer Befragung zeigten sich die von Bloquons Tout beeinflussten Aktivisten auf der Straße jedoch weniger überzeugt von den Vorzügen von Verhandlungen oder konventionellen Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Politikern.

Ein Aktivist sagte gegenüber France 24: „Wir haben nichts von der Regierung zu verlangen. Wir versuchen nicht zu verhandeln ... Wir wollen unsere Forderungen durchsetzen, und unsere einzige Forderung ist, dass die Regierung zurücktritt.“

Andere wiesen auf den Ausschluss der parlamentarischen Linken aus der Regierung und die Unhaltbarkeit von Macrons Fließband an entbehrlichen Premierministern hin.

Der Zombie-Macronismus rollt weiter, aber gleichzeitig wächst die Revolte. Die orthodoxen Gewerkschaften – die oft ebenso sehr ein Mittel zur Eindämmung von Protesten wie zu deren Förderung sind – haben sich gestern mit ihrer Rolle zufrieden gegeben, aber es ist alles andere als klar, dass sie in der Lage sein werden, die breitere antipolitische Stimmung, die durch Bloquons Tout repräsentiert wird, zu kontrollieren oder zu kanalisieren.

Vor diesem Hintergrund liegt es im Interesse der Regierung, vor Ablauf der Frist am 24. September eine Art Annäherung mit den zugelassenen Gesprächspartnern der Arbeitnehmer zu erreichen. Angesichts der bisherigen Unnachgiebigkeit Macrons und der anarchistischen Spontaneität von „Bloquons Tout“ bleibt die Lage in Frankreich jedoch ungewiss.

Quelle:  punkacademic France revolts – but to what end?

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Rally marking the 10th anniversary In memory of Luke Holland - Kundgebung zum 10. Jahrestag In Erinnerung an Luke Holland

Rally
- Saturday, September 20, 2025, 4:00 p.m.
Luke Holland memorial site Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)


Die Grafik zeigt ein Porträt von Luke Holland über das der Text: "Remembering Luke Holland in Gedenken" steht.
Luke Holland
Luke Holland was only 31 years old. On September 20, 2015, he was murdered in the early morning by a neo-Nazi on the street in Neukölln.

Luke came from Manchester and moved to Berlin in 2014. He was murdered because he spoke English. Shortly before the crime, the murderer complained that “only English and Spanish were spoken” in the bar in front of which he committed the murder. Nazi memorabilia, weapons, ammunition, and explosives were found in his apartment. However, judges and prosecutors still did not want to establish a right-wing motive for the crime.

Luke’s father, Philip Holland, believes that Luke’s murderer also murdered Burak Bektaş in 2012 and that the lack of investigative pressure after Burak’s murder gave him the confidence to kill his son Luke as well. In the parliamentary committee of inquiry into the “Neukölln complex,” he sharply criticized the police investigations.

On the 10th anniversary of Luke’s death, we will gather at the site of his death to commemorate him. Please feel free to bring flowers and candles. No one will be forgotten!


Remembering Luke Holland 
- In Erinnerung an Luke Holland: 10. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln

Kundgebung 
Samstag, 20. September 2025, 16:00 Uhr
 – Luke Holland Gedenkort Ringbahnstraße Ecke Walterstraße (Nähe S-Bahnhof Neukölln) Berlin


Luke Holland wurde nur 31 Jahre alt. Denn am 20. September 2015 wurde er am frühen Morgen von einem Neonazi auf offener Straße in Neukölln ermordet.

Luke kam aus Manchester und zog 2014 nach Berlin. Er wurde ermordet, weil er Englisch sprach. Kurz vor der Tat beschwerte sich der Mörder darüber, dass in der Bar, vor der er den Mord beging, „nur noch Englisch und Spanisch gesprochen“ werde. In seiner Wohnung wurden zahlreiche Nazi-Devotionalien, Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Ein rechtes Tatmotiv wollten Richter und Staatsanwälte aber trotzdem nicht feststellen.

Lukes Vater Philip Holland geht davon aus, dass Lukes Mörder 2012 auch Burak Bektaş ermordet hat und der fehlende Ermittlungsdruck nach dem Mord an Burak dem Verdächtigen das Selbstvertrauen gegeben hat, auch seinen Sohn Luke umzubringen. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum „Neukölln-Komplex“ kritisierte er die polizeilichen Ermittlungen scharf.

An Lukes 10. Todestag kommen wir an der Todesstelle zusammen, um ihm zu gedenken. Bringt gerne Blumen und Kerzen mit. Niemand wird vergessen!

[Trailer zur Kundgebung bei archive.org / Youtube]

Quelle: Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

Blogkino: Chushingura (1962)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino einen Klassiker des japanischen Samuraifilm Kinos: 47 Rōnin von Hiroshi Inagaki, verfilmt nach der Geschichte von Seika Mayama. Die mehrfach verfilmte Geschichte der 47 Rōnin, auch Akō Rōshi, ist ein in Japan berühmtes Ereignis, bei dem 47 herrenlose Krieger den Tod ihres Fürsten rächten. Die Ereignisse gelten als vorbildliches Beispiel für die bedingungslose Treue der Samurai und werden teils zu den Nationalmythen Japans gezählt.


45 Jahre Oktoberfestattentat

Der Flyer zeigt Elemente des Oktoberfestes: Riesenrad, Karusell und Achterbahn werden gesprengt. Im Hintergrund die Münchner Frauenkirche. Darüber der Text: "Oktoberfest Gedenken 26.09.2025 sowie das Logo der Münchner DGB Jugend und der VErweis auf die Webseite www.erinnernheisstkaempfen.de
Vorderseite des Einladungsflyers
Am 26.09.2025 jährt sich zum 45. Mal das Attentat auf das Oktoberfest von 1980 – der größte rechtsterroristische Anschlag der bundesdeutschen Geschichte.

Ein Attentat, bei dem nicht nur 12 Menschen ermordet und Hunderte verletzt wurden, von denen viele bis heute unter ihren Verletzungen leiden. Sondern auch ein Attentat, bei dem unzählige Angehörige, Familien und Freund*innen mit den Betroffenen mitgelitten haben und immer noch leiden.

Die diesjährige Gedenkveranstaltung soll sich daher mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Gedenkens beschäftigen.

Wir wollen einen Blick zurückwerfen und uns die Frage stellen, warum junge Menschen die Verantwortung für das Gedenken an die Opfer des rechten Terrors übernommen haben oder auch übernehmen mussten.

Wir wollen uns aber auch die Fragen stellen: Warum gedenken wir heute? Was wollen wir in Zukunft erreichen? Wo findet Gedenken noch zu wenig statt? Welche rechten Strukturen gibt es und wo gibt es Verbindungen zu anderen rechtsterroristischen Anschlägen?

Das jährliche Gedenken hat das Ziel, dass die Stadtgesellschaft die Überlebenden, ihre Angehörigen und die Opfer nicht vergisst. Es ist die Aufgabe der Jugend die Erinnerungen am Leben zu erhalten, damit wir nicht vergessen und uns erinnern.

Denn erinnern heißt kämpfen!

Wir laden ein zur Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung
Ort: Denkmal am Haupteingang zur Theresienwiese
Datum: Freitag, 26. September 2025, 09:30 Uhr

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr wieder der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dieter Reiter, ein Grußwort sprechen wird.

Die Veranstaltung wird in Kooperation und Beratung mit dem Kulturreferat München durchgeführt.

Quelle: Flyer DGB Jugend München (PDF)
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