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»Ein Kind, das an Leib oder Seele darbt, ist ein größerer Vorwurf gegen die Menschheit als alle Feindschaft und alle Niedertracht der Welt!« Erich Mühsam,

Aktion in U3, U7 und U8 fordert kostenlosen ÖPNV in Berlin

Das Foto zeigt eine Hand, die einen Hängeflyer der Aktion, der an einer Haltestange in der u-Bahn befestigt ist, hält. Auf dem Hänger sind Angaben zur Aktion sowie ein QR Code für weitere Informationen zu sehen
Auf die Hänger achten!
Die Kampagne freifahren jetzt hat am Montagmorgen, den 13.04.2026 in den Linien U3, U7 und U8 rund 5.000 Hänger im BVG-Design verteilt. Die Hänger enthalten einen QR-Code, der zu einer App sowie  Telegram-Gruppe führt, über die Nutzer*innen Kontrolleur*innen im Berliner ÖPNV in Echtzeit melden können. Mit der Aktion ruft die Kampagne auf, sich solidarisch gegen Ticketkontrollen und die hohen Preise im ÖPNV zu wehren. 

Begründet wird die Aktion mit den steigenden Preisen im ÖPNV, der wachsenden Armut und aktuellen Ölkrise: Das Deutschlandticket kostet derzeit 63 Euro monatlich, ein Preis, der nach Ansicht von freifahren jetzt für viele Berliner*innen nicht tragbar sei, besonders wegen der steigenden Lebenshaltungskosten. Die Kampagne verweist auf das frühere 9-Euro-Ticket als Beleg dafür, dass günstiger Nahverkehr politisch möglich ist, aber nicht aufrechterhalten worden sei. "Kostenloser ÖPNV würde gerade jetzt, in Zeiten hoher Inflation und starker Verteuerung, mehrere Millionen Berliner*innen auf einen Schlag finanziell entlasten. Dass das funktionieren kann, zeigen andere Länder: In zwei australischen Bundesstaaten wurde als Reaktion auf die aktuelle Ölkrise der ÖPNV kostenlos gemacht." so Leonie Melbert, Sprecherin von freifahren jetzt.

Helga B. aus Marienfelde, die bei der Verteilaktion mitgemacht hat: "Ich habe Angst, wegen der steigenden Preisen bald zwischen Monatskarte und Wocheneinkauf entscheiden zu müssen." Beispielsweise verdreifachte sich der Preis für das Berliner Sozialticket innerhalb von 10 Monaten. Von März 2025 bis Januar 2026 stieg der Preis von 9 auf 27,50 €.
"Diese massiven Steigerungen der Ticketpreise sind nicht nur ungerecht sondern ein sozialpolitischer Skandal und brutale Politik gegen die Schwächsten" so Leonie Melbert, Sprecherin von freifahren jetzt.

freifahren jetzt fordert kostenlosen ÖPNV für alle Berliner:innen sowie mehr Investitionen in den Nahverkehr - besonders Angebotsausbau und bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im ÖPNV. Mobilität, so die Gruppe, sei keine Luxusleistung, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.

"Mobilität ist kein Luxus - sie ist alternativlos. Solange die Politik das nicht umsetzt, nehmen wir uns dieses Recht selbst", so Leonie Melbert, Sprecherin von freifahren jetzt.

Die Kampagne kündigt an, ihre Aktionen fortzusetzen, bis der Berliner ÖPNV für alle kostenlos zugänglich ist.

Quelle: Pressemitteilung 13. April 2026

Straßenfeste und Ölkrisen oder: Wie man sich vorbereitet

Es ärgert mich, wenn abgedroschene Sprüche tatsächlich zutreffen. Deshalb ärgert es mich, dass ja, der beste Zeitpunkt, sich vorzubereiten, gestern war. Der nächstbeste Zeitpunkt, sich vorzubereiten, ist heute.

Es ist Zeit, sich vorzubereiten. Oder, wenn du regelmäßig meine Beiträge liest, ist es Zeit, deine Vorbereitungen zu überprüfen und aufzufrischen.

Um es klar zu sagen: Ich mache mir keine besonderen Sorgen um einen Atomkrieg. Nicht mehr als gestern. Ich bin fest davon überzeugt, dass man auf alles vorbereitet sein sollte, aber man muss Prioritäten setzen, und ein Atomkrieg sollte auf deiner Liste immer ziemlich weit unten stehen, denn er ist unwahrscheinlich, schwer vorzubereiten und selbst wenn du vorbereitet bist, schwer zu überleben. In sehr vielen Szenarien mit einem Atomkrieg werden du und alle, die du liebst, mehr oder weniger ohne Vorwarnung sterben.

Klar, du kannst dir Jodtabletten besorgen, um deine Schilddrüse zu schützen und das Risiko für eine bestimmte Krebsart zu senken (obwohl diese Tabletten für alle über 40 kontraindiziert sind). Du kannst dir überraschenderweise sogar ziemlich einfach einen selbstgebauten Atombunker bauen, und vielleicht mache ich mir das eines Tages auch mal. Aber ein Atomkrieg kommt entweder oder eben nicht, und es ist durchaus möglich, dass er einfach das Leben auf der Erde auslöscht, also lohnt es sich ehrlich gesagt nicht, sich darüber große Sorgen zu machen.

Nein, es ist die Ölkrise, die mir Sorgen bereitet, und sie wird Folgewirkungen haben. Ein Fünftel des weltweiten Öls fließt durch die Straße von Hormus im Persischen Golf, südlich des Iran. Als ich heute Morgen aufwachte, erfuhr ich, dass Öltanker brannten. Das ist die größte Störung der Ölversorgungskette in der Geschichte.

Es kommt mir seltsam vor, mich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Amerikaner zu konzentrieren, wenn ich einen Krieg beschreibe, der von einem verrückten Kriegstreiber wie Pete Hegseth geführt wird, der mit falschen Gewichten trainiert, um muskulös zu wirken, und Moral als Schwäche betrachtet. Es ist ein extrem unmoralischer Krieg, der von zwei extrem unmoralischen Regimes geführt wird (gegen ein drittes Land, das von einem extrem unmoralischen Regime regiert wird, aber wie immer sind es die Menschen selbst, die darunter leiden). Aber ich kann nur über so viele Dinge auf einmal schreiben.

Das Foto zeigt zwei Reiter vor einem Laden, die in Anzügen und mit Aktenkoffer auf Pferden sitzen. Dem Vorderen wird ein Dokument von einem dritten Mann überreicht, der in einen weißen Laborkittel gekleidet vor einem Laden mit der Aufschrift "G.F & D. Thomas" steht.
Ölkrise 1974: Titelseite der 'Foundation News'
Quelle: Wellcome Library, London

In den 1970er Jahren gab es eine Reihe von Ölkrisen, die durch Spannungen in Westasien verursacht wurden. 1973 weigerten sich die meisten arabischen Länder, Öl an Länder (wie die USA) zu verkaufen, die Israel während des Jom-Kippur-Kriegs unterstützt hatten (sechs Jahre zuvor, im Sechstagekrieg, hatte Israel den Westjordanland und den Gazastreifen von Nachbarländern gestohlen, und 1973 versuchten verschiedene Länder vergeblich, diesen Landraub zu stoppen).

Das Embargo vervierfachte die Ölpreise im Westen, was zu Energie-Rationierungen und einem Börsencrash führte, der die US-Wirtschaft und damit die Weltgeschichte neu prägte. Die Revolution im Iran 1979 führte zu einer Verdopplung der Ölpreise und einer zweiten Ölkrise. Während dieser Krisen bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen, wobei sich die Leute um die Zapfsäulen prügelten und sich gegenseitig aus den Autos bestahlen.

Die Benzinpreise sind bereits um etwa fünfzig Cent gestiegen und könnten bis nächste Woche 4 Dollar erreichen. Die Wirtschaft steckte bereits in Schwierigkeiten, da die USA im letzten Monat 92.000 Arbeitsplätze verloren haben. Es hätte also zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können.

Das heißt, der aktuelle Krieg gegen den Iran könnte (oder auch nicht) zu viel größeren Problemen führen als „Benzin ist 50 Cent teurer“.

Der Benzinpreis wirkt sich auf die Preise für alles aus. Die Sachen, die wir im Laden kaufen, wurden mit Lkws dorthin transportiert, die Benzin verbrauchen. Dünger wird aus Petrochemikalien hergestellt (ob das nun richtig ist oder nicht) und die Produktion von Lebensmitteln wird teurer werden.

Wir stecken natürlich schon in einer Wirtschaftskrise. Und diese Krise wird sich noch verschärfen. Wenn die aktuelle Energiekrise nur von kurzer Dauer ist, werden Einzelhändler und Großhändler die Kosten tragen. Aber wenn sie einen Monat oder länger andauert (nach dem, was ich gelesen habe), dann werden die Kosten die Kunden erreichen, die ohnehin schon Schwierigkeiten hatten, das Nötigste zu bezahlen. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass die USA in der Lage sind, einen Krieg innerhalb eines Monats zu beenden.

Also: Vorsorge. Wie bereitet man sich auf eine Ölkrise vor? Nun, mehr oder weniger so, wie man sich auf alles vorbereitet: Stärke deine Fähigkeit, kurz- und mittelfristige Störungen in der Lieferkette zu überstehen, indem du zu Hause Vorräte für ein paar Tage oder Wochen vorrätig hast. Lebensmittel, Wasser, Medikamente. Notstromversorgung. Halte zusätzliche haltbare Lebensmittel vorrätig, indem du jedes Mal, wenn du einkaufen gehst, etwas mehr kaufst, als du verbrauchst. Erweitere deine Vorratskammer.

Man kann Benzin lagern, aber das ist kompliziert. Ich persönlich habe das nur eine kurze Zeit lang gemacht, weil die Pflege mühsam ist. Da Benzin nicht lange haltbar ist, musst du deine Vorräte etwa alle 3 Monate austauschen (etwas länger, wenn du ethanolfreies Benzin bekommst, und noch etwas länger als das, wenn du dir die Mühe machst, Additive hinzuzufügen). Wenn du Benzin lagern willst, besorg dir hochwertige Benzinkanister, füll sie auf und beschrifte sie mit dem Datum. Lagere sie zwei Monate lang und füll das Benzin dann in dein Fahrzeug und füll die Kanister wieder auf.

Ich persönlich mache mir diese Mühe nur, wenn Grund zur Annahme besteht, dass es zu Engpässen kommen könnte. So wie, na ja, gerade jetzt. Ich glaube, ich gehe heute mal tanken.

Aber im Allgemeinen solltest du dein Auto einfach öfter volltanken. Mach es dir zur Regel, nicht mit weniger als einem halben Tank zu Hause zu parken. Letztendlich kostet es genauso viel, den Tank immer voll zu halten.

Wenn du darüber nachgedacht hast, dir ein Elektroauto zuzulegen, ist jetzt vielleicht kein schlechter Zeitpunkt dafür. Es ist schwer zu sagen, wie sich eine Energiekrise auf die Stromkosten auswirken wird, aber sie wird wahrscheinlich nicht so schnell oder dramatisch zuschlagen wie der Benzinpreis.

Aber das Wichtigste, was du tun kannst, um dich auf eine Energiekrise vorzubereiten, ist derselbe Schritt, der bei der Vorsorge immer der wichtigste ist: baue eine Gemeinschaft auf.

Das ist ohnehin etwas, was immer mehr Menschen aufgrund der ICE-Krise tun, in der bewaffnete Banden durch unsere Straßen ziehen und Menschen entführen. Überall im Land werden Schnellreaktionsnetzwerke aufgebaut, und ehrlich gesagt kann ich mir kein besseres Netzwerk vorstellen, in das man sich für jede Krise einbinden könnte, als Nachbarn, die sich um andere Nachbarn sorgen und bereit sind, für sie zu kämpfen.

Die Art und Weise, wie ich gesehen habe, wie Menschen hyperlokale Gemeinschaften aufbauen, ist ein zweigleisiger Ansatz. Ein Ansatz besteht darin, sich mit den Menschen in deiner Nachbarschaft zusammenzutun, mit denen du die größte ideologische oder subkulturelle Affinität hast. Punk-Treffen, Anarchisten-Treffen oder, ich schätze, Transgender-Furry-Treffen (was auch immer ihr Zoomers so macht). Versucht, euch regelmäßig zu treffen – zum Abendessen, zu Potlucks, zum Gleitgel-Wrestling oder was auch immer euch so gefällt. Schafft dafür einen Kommunikationskreislauf. Diese Gruppe von Menschen lässt sich leichter organisieren, weil ihr von einem ähnlichen Standpunkt aus startet. Aber das reicht nicht.

Der andere Ansatz besteht darin, sich mit all euren Nachbarn zu organisieren, die bereit sind, eine grundlegende Grundidee zu teilen, wie zum Beispiel: „Wir sollten nicht zulassen, dass bewaffnete Banden unsere Nachbarn entführen.“ Das ist eine ziemlich weit verbreitete Einstellung, und ihr werdet wahrscheinlich Leute finden, die dem zustimmen. Du kannst dazu aufrufen, ein Schnellreaktionsnetzwerk aufzubauen, aber du kannst auch zu einem Grillfest oder einer Straßenparty einladen. Ich habe den Verdacht, dass die Straßenparty die wichtigste soziale Struktur der Revolution sein wird. Dein Ziel mit deinen Nachbarn ist vielleicht nicht, sich sofort zu organisieren, sondern einfach, sich gegenseitig in eurem Leben wahrzunehmen.

Ich habe schon einiges zum Thema Vorsorge geschrieben, falls du neugierig bist:



Quelle: Block Parties and Oil Crises or: how to get ready, 12. März 2026 von Margaret Killjoy.
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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Elon Musk wird uns nicht zum Mars bringen oder: über Raumfahrt, KI und Föderationen

Der Mars in natürlichen Farben, aufgenommen von der al-Amal. In der Bildmitte ist der Tharsis Montes zu sehen, links davon der Olympus Mons und rechts das Valles Marineris.
Der Mars in natürlichen Farben, aufgenommen von der al-Amal. In der Bildmitte ist der Tharsis Montes zu sehen, links davon der Olympus Mons und rechts das Valles Marineris.

Foto: Kevin Gill from Los Angeles, CA, United States - Mars - August 30 2021
Lizenz: CC BY 2.0
Elon Musk wird dich nicht zum Mars bringen, und keine der KI-Firmen arbeitet wirklich an einer allgemeinen künstlichen Intelligenz. Musks Technologie scheint bestenfalls dazu zu dienen, das Sonnensystem auszubeuten, und KI-Firmen bauen nur komplizierte, aber unintelligente Copy-Paste-Maschinen, die vorübergehend die gesamte Weltwirtschaft am Laufen halten.

Bei allem, was gerade los ist (eine Aktionswoche in Minneapolis läuft, ein Krieg gegen den Iran droht, die ICE verwüstet weiterhin Gemeinden, die Ukraine geht in ihr fünftes Jahr der Abwehr der russischen Invasion), scheint es seltsam, sich darauf zu konzentrieren, aber ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass Elon Musk dich nicht zum Mars bringen wird. Ich denke, das unterstreicht die Tatsache, dass die Menschen nur irgendwo auf dem Spektrum zwischen Betrüger und Tyrann liegen. Als mein Großvater in den Krieg zog, diente er im Pazifik auf der USS Scamp, einem U-Boot der Gato-Klasse. Die Gato-Klasse war das serienmäßig hergestellte U-Boot der US-Marine im Zweiten Weltkrieg. Weil die Marine beschloss, einen Landstreicher aus Iowa aufs College zu schicken, um Schiffbau zu lernen, überlebte mein Großvater den Krieg, die Scamp jedoch nicht. Ein paar Einsätze, nachdem er zur Schule gegangen war, ging die Scamp mit der gesamten Besatzung unter – zumindest nehmen wir das an, da ihre Überreste nie gefunden wurden. Die Schuld des Überlebenden verfolgte meinen Großvater bis zu seinem Lebensende.

Ein U-Boot der Gato-Klasse wurde mit einer wasserdichten Trennwand in der Mitte des Maschinenraums gebaut, die die beiden Generatoren voneinander trennte, falls Wasser eindringen sollte. Geräte, die für widrige Bedingungen ausgelegt sind, werden absichtlich mit mehreren Redundanzen überdimensioniert. Ich bin mir sicher, dass jedes System an Bord über mehrere Backups verfügte, und das war das serienmäßig hergestellte Modell.

Das Militär verwendet das Akronym PACE: Primary, Alternate, Contingency, Emergency (Primär, Alternativ, Notfall, Notfall). Man hat immer einen Plan und drei Backup-Pläne. Nicht nur die Backup-Systeme sollten über Backup-Systeme verfügen, sondern auch die Backup-Systeme der Backup-Systeme sollten über Backup-Systeme verfügen.

Tesla baut tödliche Autos, in denen regelmäßig Menschen ums Leben kommen, weil ihre elektronischen Türgriffe im Notfall nicht funktionieren. Die meisten, aber nicht alle dieser Türen haben eine manuelle Überbrückung für den Fall eines Stromausfalls, aber bei vielen dieser manuellen Überbrückungen müssen Verkleidungen von den Türen entfernt werden. Und diese Überbrückungen sind nur von innen verfügbar. Bei einem Stromausfall sind die ausklappbaren Türgriffe von außen nicht zugänglich. Cybertrucks haben gepanzerte Glasfenster, was bedeutet, dass Rettungskräfte regelmäßig nicht in der Lage sind, Menschen zu retten.

Dies ist kein Unternehmen, das Dich zum Mars bringen wird.

Ich will hier nicht extra die Vorzüge des US-Militärs anpreisen, aber mein Großvater und Ingenieure wie er hätten uns vielleicht zum Mars bringen können (und Ingenieure seiner Generation haben uns zum Mond gebracht). Jedes Schiff, das mein Großvater entworfen hat, hat er persönlich getestet. Er ließ sich vom Kapitän in die schlimmsten Stürme fahren, die man sich vorstellen kann, und stand an Deck, um die Wellen und den Wind zu spüren und zu sehen, wie seine Konstruktion sich bewährte.

Elon Musk würde so was nie machen, weil sein Unternehmen nicht auf Zuverlässigkeit ausgelegt ist. Es geht um Kosteneffizienz. Der Hauptgrund, warum ich weiß, dass niemand ernsthaft daran interessiert ist, den Mars zu kolonisieren, ist, dass es schon Jahrzehnte her ist, seit jemand versucht hat, eine Biosphäre zu schaffen – ein in sich geschlossenes künstliches Ökosystem. Alle bisherigen Versuche sind gescheitert, und es scheint, als hätten die meisten Leute einfach aufgegeben. Solange wir nicht beweisen können, dass wir in autarken künstlichen Umgebungen leben können, können wir keine autarken Kolonien auf leblosen Planeten gründen.

Jedes Science-Fiction-Buch und jeder Science-Fiction-Film nimmt diese spezielle Technologie als selbstverständlich hin, aber Autarkie ist eines der größten ungelösten Probleme zwischen uns und der Expansion innerhalb des Sonnensystems. Ich nehme an, wir halten es für selbstverständlich, weil es von außen so einfach aussieht, aber wir wissen einfach nicht, wie wir es machen sollen.

Elon Musk versucht lediglich, Raketen kostengünstig zu bauen. Eine Zeit lang war ich verwirrt, warum so viele Starts von SpaceX mit spektakulären, explosiven Fehlschlägen enden, während die NASA seit Jahrzehnten Menschen auf dem Mond landen kann. Dann unterhielt ich mich auf einer Messe mit einem betrunkenen NASA-Ingenieur, der mir erzählte, dass das einzige Ziel von SpaceX darin bestehe, herauszufinden, wie kostengünstig sie Raketen bauen können. Das große technologische Problem, das sie lösen wollen, ist: „Wie viel können wir weglassen?“ Sie fragen sich: „Was ist das absolute Minimum an funktionsfähigem Produkt?“

Es gibt alle möglichen dystopischen Anwendungen für solche Technologien. Wie zum Beispiel den Abbau von Asteroiden, hoffentlich durch Roboter, aber wahrscheinlich durch eine neue Klasse von Leibeigenen. Aber das ist kein Weg, um sichere, zuverlässige Transportmöglichkeiten zu einem anderen Planeten zu schaffen. Es ist nur ein Weg, das Sonnensystem auszubeuten. Wenn man einer KI eine Frage stellt, auf die sie keine Antwort weiß, erfindet sie eine Antwort. Das heißt nicht, dass sie „lügt“, sondern dass das, was wir als KI bezeichnen, eigentlich nicht intelligent ist. Sie denkt nicht. Große Sprachmodelle sind nur ausgefallene Textvorhersagen, die die Erde austrocknen, die Strompreise in die Höhe treiben und bald die gesamte Weltwirtschaft zerstören werden.

Das NASA-Shuttle Enterprise vor der Werksanlage in Palmdale mit der Star-Trek-Besetzung. Von links nach rechts: Dr. James C. Fletcher (damaliger Leiter der NASA), DeForest Kelley (Dr. „Pille“ McCoy), George Takei (Mr. Sulu), James Doohan (Chefingenieur „Scotty“ Scott), Nichelle Nichols (Lt. Uhura), Leonard Nimoy (Mr. Spock), Gene Roddenberry (der Erfinder von Star Trek), Kongressabgeordneter Don Fuqua und Walter Koenig (Fähnrich Pavel Chekov).
Das NASA-Shuttle Enterprise vor der Werksanlage in Palmdale mit der Star-Trek-Besetzung.
Ich bin mit Star Trek aufgewachsen, wo die Charaktere einem Computer eine Frage in einfacher Sprache stellen können und eine Antwort bekommen. „Wie oft haben Menschen die folgenden Planeten besucht?“ oder „Vergleiche den folgenden Virus mit allen bekannten außerirdischen Kulturen, um seinen wahrscheinlichen Ursprung zu bestimmen.“ Der Computer lügt sie nie an, weil er auf Datenbanken zurückgreift und Daten analysiert.

Es ist eine subtilere Technologie als der Warp-Antrieb, der Teleporter, der Lebensmittelreplikator oder das Holodeck, aber der Bordcomputer ist in der Tat mächtig.

Und die Sache ist die: Wir sind davon genauso weit entfernt wie von künstlicher Schwerkraft. Denn LLMs sind eine Technologie, die grundsätzlich nicht in der Lage ist, künstliche Intelligenz zu erzeugen. Die einzigen Menschen, die halluzinieren, sind die Gläubigen an KI.

Die anderen Technologien, die es den Menschen in Star Trek ermöglichen, den Weltraum zu erforschen, sind soziale Technologien. Konkret geht es natürlich um die Art von demokratischem Kommunismus der Föderation und ihre radikale Inklusivität und ihren Multikulturalismus. Nichts davon befasst sich natürlich mit den ethischen Fragen der Weltraumkolonisierung. Die Frage „Sollen wir in den Weltraum gehen?“ spaltet die Linke ebenso tief wie Fragen rund um Autorität, Staatsmacht und Taktik, und ich treffe fast nie jemanden, der in dieser Frage agnostisch ist. Die Leute scheinen entweder zu glauben, dass es grundsätzlich gut oder schlecht ist, die Weltraumforschung voranzutreiben.

Ich vermute, dass diejenigen von uns, die mit Science-Fiction-Romanen aufgewachsen sind, eher dazu neigen, zu sagen: „Ja, lasst uns in den Weltraum fliegen.“ Um meine Karten offen auf den Tisch zu legen: Ich bin mit vielen Science-Fiction-Romanen aufgewachsen.

Octavia Butler beschreibt in ihren „Parable“-Romanen eine im Wesentlichen religiöse Überzeugung, dass es das Schicksal der Menschheit ist, das Universum zu erforschen. Andere haben diese Idee kritisiert und darauf hingewiesen, dass sie aus derselben „offensichtlichen Bestimmung“ stammt, die so viel Siedlerkolonialismus und Völkermord ausgelöst hat.

Aber theoretisch gibt es nirgendwo anders Leben, zumindest nicht im Sonnensystem, sodass die meisten ethischen Kritikpunkte gegen die Kolonisierung des Sonnensystems bei den meisten Leuten nicht so richtig ankommen.

Das Problem für mich ist, dass die Organisationen, die am ehesten den Weltraum erforschen und kolonisieren würden – Unternehmen und Regierungen –, genau die sind, denen man das nicht erlauben sollte.

Immer wieder nutzen Machtsysteme die besten Absichten von Menschen aus – die meisten Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten daran, das Wissen und die Fähigkeiten der Menschheit zu erweitern, und nicht, um dieses oder jenes System zu bereichern. Also sagt eine Regierung oder ein Unternehmen zu ihren Bürgern oder Mitarbeitern: „Wir werden den Mars kolonisieren, um das Universum besser zu verstehen und neue Lebensweisen zu ermöglichen!”, aber ihr Ziel ist eigentlich die Konsolidierung ihrer Macht.

Unter dem aktuellen System scheint Sklaverei im Asteroidenbergbau viel wahrscheinlicher als irgendeine Art von utopischer Erforschung.

Kritiker der Weltraumforschung sagen oft: „Wir müssen erst unsere Probleme hier lösen, bevor wir überhaupt über die Kolonisierung des Weltraums reden sollten“, und ich denke, da ist was Wahres dran. Nicht unbedingt als moralische Verpflichtung (ich denke, mit 8 Milliarden Menschen können wir an mehr als einem Projekt gleichzeitig arbeiten), sondern als technische Notwendigkeit.

Eine der Voraussetzungen für die Erforschung des Weltraums ist die Zerstörung der Gesellschaft, die Leuten wie Musk, Trump, Putin (oder, ehrlich gesagt, Biden) Macht verleiht.

Wenn wir eine Zukunft wie in Star Trek wollen, müssen wir das Geld abschaffen und den Multikulturalismus begrüßen, das ist alles, was ich sagen will.

Und beweisen, dass wir in einer Biodome leben können.

Oh, und das Problem der Weltraumstrahlung lösen.

Sehen Sie, wir werden das wahrscheinlich nicht so schnell schaffen.

Vielleicht sollten wir also einfach den Kapitalismus und den Staat abschaffen und von dort aus weitermachen.

Quelle: "Elon Musk Won't Get Us to Mars or: on space travel and AI and federations" von Margaret Killjoy, 25.02.2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Hohe Kosten wegen Klage gegen Bürgerinitiative Grünheide

Das Sharepic zeigt den Text: "#Protect the Protest - Hohe Kosten wegen Klage gegen Bürgerinitiative Grünheide - Spendet Geld - Infos zur Klage hier"
Soli - SharePic

Spendet Geld!

Bericht vom Gerichtsprozess:


  • Beweise und Zeugenaussagen der BI wurden ignoriert
  • Machtverhältnisse im Gericht:
    • die BI arbeitet ehrenamtlich und hat wenig Geld
    • der Bürgermeister hat deutlich mehr Ressourcen
    • das Urteil ist unverhältnismäßig
  • -> BI hat nun 15.000€ an Kosten

Spendet für die BI Grünheide:

Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg e.V.
IBAN: DE73 8306 5408 0004 2584 87
BIC: GENODEF1SLR
VR Bank Altenburger Land

Hintergrund:

Seit der Ansiedlung von Tesla in Grünheide hat die Bürgerinitiative Grünheide und der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg e.V. (VNLB) immer wieder Probleme durch Tesla in die Öffentlichkeit gebracht und aufgezeigt, wie die Politik Tesla den roten Teppich ausgerollt hat. Insbesondere im Konflikt um Trinkwasser.

Ein Lokalpolitiker hat diese Aufklärungsarbeit durch eine Klage massiv erschwert. Wir bezeichnen die Klage als SLAPP. So wird die Bürgerinitative nun in ihrer Arbeit eingeschränkt. Hohe Gerichtskosten stehen an für die Bürgerinitiative

SLAPP

Solche Klagen sind nicht selten und werden SLAPP genannt: Mit SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation) verklagen mächtige Akteur*innen, Journalist*innen, andere kritische Personen oder Gruppen. Bei diesen Angriffen geht es weniger um eine tatsächliche Rechtsverletzung. Vielmehr geht es darum, kritische Berichterstattung zu verhindern und einzuschüchtern.

Quelle: Tesla den Hahn abdrehen – Bündnis für Wasserschutz und Mobilitätswende

A 100 – Kein Meter weiter!

Das Foto zeigt die Demo auf der A100. In der vorderen Reihe tragen Menschen große Pappbuchstaben, die den Satz: "Kein Meter weiter" ergeben.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Tausende Menschen auf Fahrrädern, Inlineskates und zu Fuß protestierten am 18. Oktober 2025 unter dem Motto „Kein Meter weiter!“ auf dem 16. Abschnitt der A100. Organisiert wurde die Demo vom Bündnis „A100 wegbassen“, das aus zahlreichen Organisationen, lokalen Initiativen und Musikclubs besteht.

Sie fordern ein Ende der Planung des 17. Abschnitts und die Schließung des 16. Abschnitts, der täglich zu Verkehrschaos und Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern am Treptower Park und den angrenzenden Kiezen führt. Polizei und Politik weigern sich, die untragbare Situation zu regeln.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema


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SternSternbrücke: Staatsanwaltschaft kriminalisiert Rettungsversuch von todgeweihten Stadtbäumen

Das Foto zeigt eine S-Bahn, die die Sternbrücke überquert. Darunter fahren Autos.
Foto © Stephan Pflug, Initiative Sternbrücke
Am morgigen Dienstag Verhandlung im Amtsgericht Altona, 05.11.24, 13 Uhr, Sitzungssaal 201, Max-Brauer-Allee 89

Stephan Pflug, 56, und Ivo Jaklic, 58, stehen am Dienstag vor Gericht. Der Vorwurf: Sachbeschädigung. Die beiden hatten im Januar 2023 in der Max-Brauer-Allee einige Bäume mit Signalfarbe markiert. Bäume, die 2025 ausschließlich für den Transport der neuen Sternbrücke gefällt werden sollen.

“Planfeststellungsverfahren sind abstrakt und Planungsunterlagen schwer zu lesen. Wenn wir die todgeweihten Bäume in der Max-Brauer-Allee sichtbar markieren, versteht jede:r unmittelbar, wieviel Stadtnatur zerstört wird, kann sich eine Meinung bilden und sich einmischen. Mit unserer Aktion wollen wir die Bäume retten,” so Pflug und Jaklic.

Seit mehr als 4 Jahren macht die Initiative Sternbrücke die überdimensionierte Sternbrücken-Planung von Senat und Bahn begreifbar und fordert eine Neuplanung. Zum Zeitpunkt der Baum-Aktion im Januar 2023 lag noch keine Baugenehmigung vor und ein Einfluss von Protesten auf die Planung war noch denkbar.

Entsprechend wurden bereits bei einer Demonstration im Oktober 2022 die Allee-Bäume symbolisch von Verkehrssenator Anjes Tjarks (als Maske) mit einer Motorsäge attackiert. Die Bäume an der Max-Brauer-Allee sind auch aktuell mit Kreuzen markiert und Plakaten behängt.

Zumindest eine alternative Planung, die ohne Fällung der Allee-Bäume auskäme, ist seit Jahren öffentlich bekannt; gleiches gilt für die Sanierung der Sternbrücke, die vom Denkmalamt der Kulturbehörde nach wie vor für richtig gehalten wird.

„Senat und Bahn wollen fast 90 Bäume für die schlecht geplante Monsterbrücke vernichten - die Hälfte ist bereits gefällt, weitere Fällungen sind für diesen Winter geplant. In der Stadtklimaanalyse 2023 der Umweltbehörde sind Max-Brauer-Allee und Brammerfläche als kritische Flächen gekennzeichnet, die im Sommer zu heiß werden. Bäume kühlen, spenden Schatten und sind für die Menschen vor Ort unverzichtbar,“ sagt Marlies Thätner, Sprecherin der Initiative Sternbrücke.

Seit im Februar 2024 die Baugenehmigung erteilt wurde, läuft die von der Initiative unterstützte Klage von Prellbock Altona e.V. gegen den Planfeststellungsbeschluss vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg. Ein Antrag auf Baustopp war im Mai abgelehnt worden, die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus. „Die Rettung der Bäume ist ein wesentlicher Grund für die Klage,“ erläutert Thätner.

Zum Verfahren gegen Pflug und Jaklic kommentiert Axel Bühler, Sprecher der Initiative Sternbrücke: „Der politische Konflikt um die Sternbrücke erreicht hier einen neuen Tiefpunkt. Die Staatsanwaltschaft hätte das Verfahren längst einstellen können. Es ist offensichtlich unsinnig, eine angebliche Sachbeschädigung von Bäumen anzuklagen, die aufgrund von Planungen von Senat und Bahn gefällt werden sollen. Wir können nur spekulieren: hier will Rot-Grün wirkungsvollen Protest von Bürger:innen mit Mitteln der Strafverfolgung unterbinden.“

Quelle: Pressemitteilung 04.11.2024

Mehr Information

Aktionswochenende gegen Tesla

Das Foto zeigt die Demo im Bullenspalier mit dem Frantttransparent "Disrupt Capitalism - Create Future - Wir sind die Verkehrswende"
Foto; © Tim Wagner via Umbruch Bildarchiv
Web: Homepage von Tim Wagner
Mit Aktionstagen und einer Demonstration protestierten vom 8. bis 12. Mai 2024 mehr als 2500 Menschen in Grünheide bei Berlin gegen die geplante Erweiterung der Tesla „Gigafactory“, für den Schutz des Trinkwasserschutzgebiet und die Umsetzung einer echten Verkehrswende. Aufgerufen zu den Protesten hatte „Disrupt Tesla“, das Bündnis „Tesla den Hahn abdrehen“, und die regionalen Bürgerinitiativen Grünheide und die Waldbesetzung „Tesla Stoppen“.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv
Über 800 Menschen beteiligten sich am 10. Mai 2024 an einer Demonstration vom selbstorganisierten Camp aus in Richtung Waldbesetzung am Bahnhof Fangschleuse. Dort gelang es hunderten Menschen, die Polizeiketten zu durchfließen und weit Richtung Tesla-Werk vorzudringen.

Die Polizei war zunächst überfordert. Sie setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein und verletzte mehrere Demonstrant:innen. Weitere Gruppen besetzten die Landstraße L23 und einen ehemaligen Flughafen, der als Warenlager dient.

Am 11. Mai demonstrierten mehr als 2.000 Menschen unter dem Motto „Wasser. Wald. Gerechtigkeit. Für eine Verkehrswende jenseits von Tesla“ vor die Werkstore von Tesla. Angesicht der Proteste hatte Tesla die Produktion vom 8. bis zum 12. Mai eingestellt. Obwohl 62% der Bürger:innen von Grünheide den Bebauungsplan ablehnten, hat die Mehrheit des Gemeinderates am 16. Mai der umstrittenen Erweiterung von Tesla mit leichten Änderungen zugestimmt. Die Aktivist*innen kündigten verstärkten Widerstand an.

Weitere Ereignisse zu diesem ThemaLinks

Tesla stoppen!

Das Foto von Monika v. Wegerer zeigt ein Waldstück. Rechts ein Baumhaus, unter dem einige Personen sitzen. In der Mitte des Bildes ist ein Transparent mit Pauli, dem Maulwurf und der Aufschrift "Wuhli bleibt!" zu sehen, links im Bild ist ein Transparent mit der Forderung "Mobilitätswende jetzt! Nur mit guten Arbeitsbedingungen im ÖPNV!" zu sehen. Darüber hängt ein Schlafsack zwischen zwei Bäumen.
Foto: © Monika v. Wegerer via Umbruch Bildarchiv
In der Nacht auf den 28.02. wurden im Wald in Grünheide Baumhäuser gebaut. Die Initiative „Tesla stoppen“ kritisiert mit der Besetzung den geplanten Ausbau der Tesla Gigafactory und setzt sich für eine sozial- und klimagerechte Mobilitätswende ein.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Caro Weber aus der Besetzung erklärt: „Wir sind eine Wasserbesetzung. Wir beschützen mit unseren Körpern diese lebenswichtige Ressource, die im Interesse von Tesla verschwendet und verschmutzt wird.“ Mit ihrer Kritik am Wasserverbrauch und an der Erweiterung der Fabrik in einem Trinkwasserschutzgebiet schließen die Aktiven der Wasserbesetzung an die lokalen Proteste der Bürger*inneninitiative Grünheide an, die schon seit Jahren auf die Gefährdung des Trinkwassers durch den Konzern hinweist. Erst vor zwei Wochen stimmten die Einwohner*innen von Grünheide im Rahmen einer nicht bindenden Bürger*innenbefragung gegen eine Werkserweiterung von Tesla.

Die Initiative „Tesla stoppen“ vertraut nicht darauf, dass die Kommunal- und Landespolitik dem Willen der Anwohner*innen folgen wird, da es bereits beim Bau des bestehenden Werks zu zahlreichen Sondergenehmigungen kam.

„Hier in Grünheide wird deutlich, wie im Kapitalismus die Profitinteressen eines Konzerns über die Bedürfnisse von uns allen gestellt werden. Für uns ist klar: Gigafactory bedeutet Giga-Gefährdung. Für unser Trinkwasser, unser Klima und auch für die Arbeiter*innen hier und weltweit“, sagt Robin Sommer aus der Besetzung.

Die Besetzung nahe dem Bahnhof Fangschleuse ist auf unbestimmte Zeit geplant.

Am Sonntag, den 10 März, gibt es eine Demo in Grünheide gegen die Tesla-Erweiterung. „Tesla Nein danke!“ 14 Uhr ab Bahnhof Fangschleuse

Weitere Ereignisse zu diesem Thema
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Verwaltungsgerichtshof verweigert Prüfung des Brandschutzes bei Stuttgart21

Kläger Karlheinz Scherwinski / Photo Ulli Fetzer
Kläger Karlheinz Scherwinski / Photo Ulli Fetzer
Einmal mehr zeigt das heute zugegangene Urteil des VGH, dass es bei Stuttgart21 um mehr geht als um einen fehlgeplanten Bahnhof. Indem sich das Gericht die komplizierte Sache leicht machte und den Klagenden schlichtweg die Klagebefugnis verweigerte, verstellt es den Weg einer rechtsstaatlichen Klärung der schwerwiegenden Vorwürfe wegen lebensgefährdenden Mängeln beim Brandschutz in den S21-Tunneln.

Überraschend hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim unmittelbar nach der gestrigen Verhandlung in Abwesenheit der Verfahrensbeteiligten die Klagen der Schutzgemeinschaft Filder e.V. (SGF) und dreier Privatpersonen gegen die Planfeststellungsbeschlüsse zum mangelhaften Brandschutz- und Rettungskonzept der S21-Tunnel zurückgewiesen und keine Revision zugelassen - trotz Ankündigung, man werde die Entscheidung sorgfältig beraten und am Donnerstag bekanntgeben.

Damit hat das Gericht ausgiebig Gebrauch gemacht von den gesetzlichen Spielräumen, Klägerrechte zu beschneiden, z.B. über extrem kurz bemessene Fristsetzungen. Recht und Rechtsprechung höhlen so den Rechtsschutz und damit den Rechtsstaat immer mehr aus. So wurde die Klagebefugnis sowohl der SGF als auch dreier namens des Aktionsbündnisses klagender Privatpersonen verneint und damit jegliche Erörterung der baulichen Mängel verweigert. Die auf Forderung des Gerichts benannten und zahlreich erschienen Sachverständigen waren umsonst angereist. Offensichtlich hatte sich das Gericht von vornherein die Mühe erspart, sich überhaupt mit deren Argumente befassen. Dazu Bündnissprecher Dieter Reicherter: „Damit verletzen die beteiligten Behörden ihr Pflichten zur sorgfältigen Prüfung der Unterlagen und Abwägung der Grundrechte auf Leben und Gesundheit“.

So geriet schon die Verhandlung zur Farce. Den Privatpersonen wurde das Klagerecht abgesprochen, weil sie nicht mehr betroffen seien als jede andere Bürger*in. Auch dass der an den Rollstuhl gefesselte Kläger Karlheinz Scherwinski hilflos betroffen sei, wenn ein Zug in dem 60km (geplant 110km), großen Tunnelnetz in Brand geriete, beeindruckte das Gericht nicht. Ebenso kalt wurde ignoriert, dass Scherwinski auf diese Weise weitgehend von der Nutzung der Bahn ausgeschlossen würde. Passend dazu ist ausgerechnet das VGH-Gerichtsgebäude nicht behindertengerecht ausgestaltet: Nur mit großen Umwegen konnte der Kläger mit seinem Rollstuhl überhaupt ins Gebäude gelangen. In die Toilettenkabine konnte er mit dem Rollstuhl gar nicht einfahren.

Auf die von Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper engagiert vorgetragene Frage, wo wenn nicht beim obersten Verwaltungsgericht des Landes die betroffenen Bürger gegen ein offensichtlich lebensgefährliches Brandschutz- und Rettungskonzept klagen könnten, gab es keine Antwort. Auch dass bei einem Brandfall im Tunnel die Menschen nicht rechtzeitig vor Ausbreitung der tödlichen Rauchgase evakuiert werden könnten, blieb ohne Reaktion. Immerhin kann es im Fildertunnel, in dem gleichzeitig 3 Züge hintereinander fahren können sollen, bei voller Besetzung um Gesundheit und Leben von bis zu 11 000 Menschen gehen.

Frank Distel, stellvertretender Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder: „Empörend, wie der VGH mit völlig einseitiger Auslegung der Satzung unseres Umweltfachverbands unsere Klageberechtigung gegen ein beim Brandschutz nicht zu verantwortendes Fehlprojekt verneint.". Auch dass die Freiwilligen Feuerwehren des Filderraums infolge mangelhafter Planung bei der Brandbekämpfung im Fildertunnel Lebensgefahren ausgesetzt würden, beeindruckte das Gericht nicht.

Der VGH hat mit der Nichtzulassung der Revision gegen seine Urteile gleich noch weitere juristische Hürden aufgebaut. Da es hier um die rechtliche Effizienz des grundrechtlichen Schutzes von Leib und Leben geht, prüfen die beim VGH unterlegenen Kläger den Gang zum Bundesverfassungsgericht.

Quelle: Pressemitteilung Aktionsbündnis

Sondersitzung des S21-Lenkungskreises zum Gäubahndrama: Schildbürgerstreich als Klimaverbrechen

„Heillos verfangen haben sich die Verantwortlichen im Gestrüpp der chaotischen S21-Planungen“, so Bündnissprecher Dieter Reicherter vor der Sondersitzung des S21-Lenkungskreises zur drohenden Stilllegung des Panoramaabschnitts der Gäubahn. Seit gut 20 Jahren scheitern die Bahn und die „S21-Verbesserungspolitiker*innen“ daran, eine genehmigungsfähige Planung für die Gäubahnanbindung des Flughafens vorzulegen. Nun warten die Verantwortlichen mit zwei neuen Zumutungen auf.

Als neue rettende Idee zaubert die Politik jetzt den „Pfaffensteigtunnel“ aus dem Hut. Zwei Röhren mit jeweils ca. 11,5 km Länge sollen die Gäubahn an Böblingen vorbei unterirdisch zum Flughafen führen.

  • Während die öffentlichen Haushalte aus allen Nähten platzen, sollen dafür weitere gutachterlich bestätigte 2,7 Mrd.€ ausgegeben werden
  • Während die Welt sich immer mehr dem Klimakollaps nähert, soll hier erneut die Emission Hunderttausender Tonnen Treibhausgase in Kauf genommen werden für den CO2-intensiven Tunnelbau und z.B. für errechnete 266 000 zusätzlicher LKW-Fahren für Tunnelaushub
  • Während die Klimapolitik auf die Reduzierung des Flugreisens drängt, soll mit der Bahnanbindung des
     Stuttgarter Flughafens das Fliegen attraktiver gemacht werden
  • Während weltweit immer mehr Menschen verhungern, würden auf den Fildern 30 ha fruchtbarster Ackerböden allein für die Baustelleneinrichtung nördlich des Flughafens geopfert.

„Das ist nicht nur ein Schildbürgerstreich, das ist ein Klimaverbrechen“, so Reicherter.

Die zweite Zumutung folgt aus der ersten. Weil die Flughafenanbindung bis auf Weiteres gescheitert ist, Stuttgart21 aber Ende 2025 teileröffnet werden soll, plant die Bahn die Kappung der Gäubahnzufahrt zum Bahnknoten Stuttgart bis eine S21-kompatible Lösung für die Flughafenanbindung gefunden sei, also eher bis zum St.-Nimmerleinstag. Pendler*innen und Fahrgäste auf der Fernverbindung von Zürich über Stuttgart nach Norden müssten irgendwo im Vorfeld umsteigen, um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Viele Reisende würden auf das Auto umsteigen. Verkehrswende rückwärts! Die wichtigste Ausweichstrecke bei den häufigen Störungen auf der S-Bahn-Stammstrecke wäre blockiert. Nach Ansicht der Verantwortlichen sei die direkte Zufahrt nicht mehr möglich, weil sie den geplanten Städtebau auf dem Gleisvorfeld, der wichtigsten Stuttgarter Frischluftschneise, behindere – ein weiterer klimapolitischer Frevel!

Während die S21-Planerei immer neue Blüten treibt, nehmen Unpünktlichkeit, Fahrlässigkeiten und Beinahe-Katastrophen fast täglich zu. Es ist Zeit, sich mit dem Gedanken des endgültigen Scheiterns des Projekts anzufreunden und das Nachdenken über klimagerechte Alternativen zuzulassen. Dies fordert das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung. Ein sofortiger Planungsstopp für den Pfaffensteigtunnel sowie umgehende Schritte zum Erhalt der oberirdischen Zuführung zum Stuttgarter Hauptbahnhof sind das Mindeste, was der Lenkungskreis am Montag beschließen sollte.

Protestaktion zur Sondersitzung des S21-Lenkungskreises
Montag, 18. Juli, um Fünf nach Zwölf (12.05h)
vor dem Sitz der Region Stuttgart, Friedrichstraße 10 (Ecke Kronenstraße)

Es spricht u.a. ein/e Klimaaktivist*in von Fridays for Future

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