trueten.de

»Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!« Erich Kästner

Internationaler Frauen*tag: "Das Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht."

Wir wünschen allen Freundinnen, Kolleginnen, Müttern, Töchtern, Schwestern, Großmüttern, Liebhaberinnen, Nachbarinnen, Gegnerinnen, Revolutionärinnen, Mädchen, ... einen kämpferischen internationalen Frauentag!

In Europa beschloß die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen (übrigens im Ungdomshuset) die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages für die Interessen der Frauen gegen mehrfache Ausbeutung und Unterdrückung. Themen waren vor allem die Gleichberechtigung der Frauen, ihr Wahl- und Stimmrecht, sowie der Kampf gegen den imperialistischen Krieg.

Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz sowie den USA begangen. Allein in Berlin kamen etwa 45.000 Frauen zusammen, um sich für ihre Rechte stark zu machen. In den folgenden Jahren versammelten sich Millionen von Frauen zu den jeweils im Frühjahr organisierten Demonstrationen, Veranstaltungen und Aktionen. Schon 1912 kamen Schweden, Frankreich und Holland, 1913 Russland und die Tschechoslowakei dazu. Neben dem Wahlrecht forderten die Frauen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, Mutter- und Kinderschutz und protestierten gegen den imperialistischen Krieg. Das aktive und passive Wahlrecht wurde den Frauen in Deutschland im Zuge der Novemberrevolution 1918 durch den Rat der Volksbeauftragten zuerkannt.

1921 wurde auf der zweiten kommunistischen Frauenkonferenz, wiederum auf Initiative von Clara Zetkin, der internationale Frauentag auf den 8. März festgelegt. Dieses Datum war eng mit den proletarischen Frauenkämpfen verbunden:

• Am 8. März 1857 streikten in New York Textilarbeiterinnen, gefolgt von einer Streikwelle in der Textil- und Tabakindustrie.
• Am 8. März 1908 kamen 129 streikende Arbeiterinnen der Textilfabrik "Cotton" in New York bei einem Brand ums Leben. Vom Fabrikbesitzer und den Aufsehern wurden die Frauen in der Fabrik eingesperrt, um zu verhindern, daß sie Kontakt zu ihrer Gewerkschaft aufnehmen. Sie hatten für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen gekämpft.
• Am 8. März 1917 (russ. Kalender: 23. Februar) fand St. Petersburg ein massiver Streik der Textilarbeiterinnen gegen Krieg, Hunger und Zar statt. Nachdem weitere Sektoren ergriffen waren, kam es zum Generalstreik, der als Auslöser der Februarrevolution gilt.



Bildquelle: Bildercache.de

"Das Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht." Clara Zetkin (1857 - 1933), Initiatorin des ersten Internationalen Frauentages stellte klar, dass eine wirkliche Befreiung der Frau untrennbar verbunden ist mit der Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung. Sie wendete sich aber auch gegen diejenigen, die meinten, diesen Kampf auf den St. Nimmerleins Tag verschieben zu können.

In diesem Sinne fordern wir dazu auf, an den Aktionen an diesem Tag teilzunehmen. Möglichkeiten dazu finden sich zum Beispiel bei LabourNet.


Landarbeits-Gewerkschaft: Kein Spargel für die CDU!

Mitglieder der IGG bei einer Demo
Mitglieder der IGG bei einer Demo
CDU plant Angriff auf ALLE Landarbeiter:innen, IGG sagt „Nicht mit uns!“

Am 26. Februar 2026 stimmte der CDU-Parteitag in Stuttgart laut Medienberichten ¹ einstimmig für einen Antrag, der ausländischen Saisonkräften den Mindestlohn versagen soll. Das ist ein Angriff auf das Lohnniveau aller Beschäftigten in der Branche. Die Gewerkschaftsinitiative IGG-FAU verurteilt diesen neuerlichen Vorstoß und droht mit bundesweiten Aktionen. Sie fordert schon seit 2025 15€ Mindestlohn für alle Beschäftigten der Branche.²

Jasmin Hofer, eine Sprecherin der IGG: „Die CDU profiliert sich mit den Angriffen auf Renteneintrittsalter, 8-Stunden-Tag, Teilzeit-Regelungen, Krankschreibungen, Erwerbslosen-Rechte uvm. zunehmend als eine Partei gegen die Rechte aller abhängig Beschäftigten. Nun sollen deutsche gegen ausländische Arbeiter:innen ausgespielt werden. Doch sinkt der Lohn für die einen, sinkt das Lohnniveau erfahrungsgemäß für alle. Übrigens in der Branche, die uns ernährt und in der permanent über Fachkräftemangel geklagt wird.“

„Letztlich sollte niemand, der für diesen Antrag gestimmt hat, noch Spargel oder Erdbeeren zu kaufen bekommen“, so Hofer, „vorerst planen wir aber zunächst andere gewerkschaftliche Kampagnen gegen die Partei. Auch die SPD als Koalitionspartner behalten wir natürlich im Auge.“

Vor allem migrantische Saisonarbeitskräfte machen etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Beschäftigten in Deutschland aus. Sie arbeiten vor allem in arbeitsintensiven Sonderkulturen und kleinen bis mittelgroßen Landwirtschaftsbetrieben. Sie gehören schon jetzt zu der Berufsgruppe mit der schlechtesten Bezahlung, den längsten Arbeitstagen, sowie den meisten (oft auch tödlichen) Unfällen.³
Die IGG fordert eine komplette Angleichung der Arbeitsverhältnisse für migrantische Saisonkräfte u.a. hinsichtlich Sozialversicherung, Löhnen und Arbeitsrechten. In ihrem betrieblichen Grundsatzpapier hat die Gewerkschaft im Mai 2025 per Urabstimmung den Kampf für 15€ als Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten in den Bereichen Gartenbau, Forst, Landwirtschaft und Umweltberufe beschlossen.



² Hier sind die betriebspolitischen Forderungen der IGG zu finden: https://gruene-gewerke.fau.org/?page_id=426


Quelle: FAU Stuttgart


Buchhandlungen kündigen juristische Schritte gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Verfassungsschutz an

Der Deutsche Buchhandlungspreis wird jährlich an über einhundert Buchhandlungen verliehen. Welche Buchhandlung mit dem Preis gewürdigt wird, entscheidet eine jährlich wechselnde Jury von Fachleuten aus der Buchbranche nach Durchsicht der Bewerbungsunterlagen. Die Abzeichnung der Nominiertenliste durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) war bisher reine Formsache. Wie die Süddeutsche Zeitung am 03.03.2026 berichtete, hat dieses Jahr der BKM drei der nominierten Buchhandlungen von der Liste gestrichen mit der Begründung, es lägen „verfassungsschutzrechtliche Erkenntnisse“ über sie vor. Der BKM griff mit dem sog. Haber-Verfahren in eine Entscheidung einer unabhängigen Jury ohne belastbare Begründung ein.

Die von diesem Eingriff betroffenen drei linken Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) gehen nun gerichtlich gegen die Streichung von der Preisliste vor. Mit den Rechtsanwält:innen Lea Voigt (Bremen), Sven Adam (Göttingen), Dr. Jasper Prigge und Sophie Hartmann (Düsseldorf) sowie mit Unterstüzung des Gegenrechtsschutzes von FragDenStaat und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) setzen sich die Buchhandlungen auch gegen das rechtsstaatlich fragwürdige sog. Haber-Verfahren und die verdeckte Einflussnahme durch den Verfassungsschutz zur Wehr.

„Die drei Buchläden wurden von einer sachverständigen Jury für den Preis bestimmt weil sie ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Sie haben den Preis verdient und wir bereiten daher Klagen gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Vergabe des Preises wie von der Jury gewollt vor.“ formulieren die Anwält*innen der Buchläden das Ziel der anstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen. „Daneben besteht ein grundrechtlich geschütztes Interesse zu erfahren, wer genau wann und warum auf die Preisvergabe diesen bislang beispiellosen Einfluss genommen hat. Es werden daher auch Verfahren auf vollständige Auskunft über die Abläufe und über die vermeintlich vorliegenden Informationen nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und dem Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG) geführt. Auch das sog. Haber-Verfahren wird gerichtlich überprüft werden.“ so die Bevollmächtigten weiter. Die Klagen werden Anfang der kommenden Woche erhoben.

Quelle und weitere Informationen: Anwaltskanzlei Adam, 05.03.2026, für die Buchhandlungen: Buchladen Rote Straße (Göttingen), The Golden Shop (Bremen), Zur schwankenden Weltkugel (Berlin)


Chios und Pylos - tödliche Gewalt gegen Geflüchtete: Werden die Chefs der Küstenwache wegen fahrlässiger Tötung verurteilt?

Das SharePic zeigt ein Foto eines Küstenwachbootes, das ein Schlauchboot abdrängt. Dazu Angaben zur Veranstaltung aus dem Textbeitrag sowie die Logos der unterstützenden Organisationen
SharePic zur Veranstaltung
19. März 2026, 19.30 Uhr
LIVE im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22 UND per Streaming (s.u.!)

3. Februar 2026: Wieder wie vor zwei Jahren vor Pylos fanden Geflüchtete den Tod durch Aktionen der Küstenwache. Damals vor Pylos ertranken mehr als 600 Geflüchtete beim Versuch des Abschleppes durch das Küstenwachenboot. Vor Chios starben die Geflüchteten bei einer Kollison mit einem Küstenwachenboot

Am 9. Juni 2023 startete der Fischkutter „Adriana“ mit mehreren Hundert Menschen an Bord. Am 13. Juni innerhalb der griechischen Such- und Rettungszone wurde das Boot manövrierunfähig. Die griechische Küstenwache rettete sie nicht, sondern beobachtete sie 15 Stunden lang. Auch die Europäische Agentur für Grenzschutz, Frontex, war von Anfang an informiert. Dann, 80 km vor Pylos, versuchte ein Schiff der griechischen Küstenwache, das Boot mit einem Seil in Richtung Italien zu schleppen, anstatt die Menschen von Bord zu holen. Mehrere Handelsschiffe in der Nähe hatten hierzu ihre Hilfe angeboten.

Das Manöver ging schief. Der Fischkutter geriet infolge des Abschleppversuches bei ruhiger See ins Schaukeln und sank. Ca. 100 Menschen konnten gerettet werden, mehr als 600 weitere ertranken.
Die griechische Regierung versuchte von Anfang an, die Verantwortung der Küstenwache für das Unglück zu vertuschen. Mittlerweile wird aber gegen 21 Mitarbeiter der Küstenwache u.a. wegen Aussetzung Hilfsbedürftiger und fahrlässiger Tötung ermittelt. Dazu gehören sowohl der damalige als auch der amtierende Chef der Küstenwache.

Der Fall „Pylos“ zeigt eindrucksvoll, mit welcher kriminellen Energie EU-Behörden bei der für alternativlos erklärten Migrationsabwehr vorzugehen bereit sind. Der Tod von Hunderten von Menschen wurde dabei billigend in Kauf genommen.

Eleni Spathana ist Rechtsanwältin bei der NGO „Refugee Support Aegean“ und vertritt als Nebenklagevertreterin Überlebende des Unglücks von Pylos. Sie wird von dem laufenden Verfahren berichten. Tareq Alaows, der flüchtlingspolitische Sprecher von „Pro Asyl“ wird über die aktuellen Entwicklungen in Europa informieren.

Die Veranstaltung wird unter dem Link https://youtube.com/live/xwv7pFwX7tc gestreamt.

Der Eintritt ist frei – eine kleine Spende wird erbeten
Die Beiträge der Veranstaltungen erfolgen in griechischer Sprache mit Übersetzung ins Deutsche.

Eine Veranstaltung des Bündnisses Griechenlandsolidarität Berlin, attac Berlin, Regenbogenfabrik und SoliOli
Unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung

Dies ist der erste Teil der Veranstaltungsreihe Griechenland – Fassade und Wirklichkeit

Hanau ist überall 2026

Das Foto von © Protestfotografie.Frankfurt zeigt eine Reihe Teilnehmer* der Gedenkaktionen mit Porträts der Ermeordeten und deren Namen
Foto: © Protestfotografie.Frankfurt via Umbruch Bildarchiv
Am 19. Februar 2020 erschoß ein 43jähriger deutscher Rassist in Hanau Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov, Ferhat Unvar. Ibrahim Akkuş, damals von Kugeln schwer verletzt, starb am 10. Januar 2026 an den Spätfolgen der Tat.

Anläßlich des Jahrestages der rassistischen Morde fanden auch in diesem Jahr in mehr als 60 Städten Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen statt. Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv mit Bildern aus Hanau und Berlin.

Anstelle einer zentralen Gedenkfeier gab es in Hanau dieses Jahr kleinere Veranstaltungen, u.a. am Tatort Heumarkt und bei einem Trauermarsch des Hanauer Jugendbündnisses.

Unsere Botschaft zum sechsten Jahrestag ist klar:
Erinnern heißt verändern.
Erinnern heißt handeln.
Erinnern heißt kämpfen.
Erinnern heißt, zusammenzukommen und aufeinander achtzugeben.

Darum rufen wir dazu auf, am 19. Februar gemeinsam zu erinnern und SAY THEIR NAMES überall sichtbar zu machen.
Laut. Sichtbar. Solidarisch.
SAY THEIR NAMES. Immer. Überall.

(Initiative 19. Februar Hanau)

In Berlin beteiligten sich rund 2.000 Menschen an einer Demonstration in Berlin-Wedding für Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen und Widerstand.

„Sechs Jahre sind vergangen, nach dem rassistischen Attentat in Hanau – 6 Jahre ohne Aufarbeitung, Konsequenzen oder Gerechtigkeit.
Doch die Bedrohung kommt nicht nur von Tätern wie in Hanau, sondern sie trägt Uniform. (…) 2025 wurden mindestens 16 Menschen von der Polizei erschossen. Repression nach innen und Aufrüstung nach außen ist hier das Motto. Während wir gegen Kriege auf die Straße gehen, bauen sie unsere Straßen in Vorbereitung auf Krieg um. Der Staat tötet uns auf den Straßen, in den Knästen und bald auch an der Front. Genau deshalb gehen wir auch sechs Jahre nach Hanau zum antirassistischen Kampftag wieder auf die Straße!“

(Aufruf der Migrantifa Berlin)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links

Ausgeliefert! Das Geschäft mit den Kurierfahrern

Nicht nur in Berlin und Hamburg gehören sie längst dazu: Fahrradkuriere, die Burger, Pizza und Co nach Hause liefern. Tausende der Rider kommen aus Indien, angelockt vom Versprechen auf ein Studium in Deutschland – und haben sich dafür hochverschuldet. Die rbb Story deckt ein System mehrfacher Ausbeutung junger Menschen auf, an dem viele mitverdienen: Sprachschulen, Vermittler, Subunternehmer und Liefer-Apps. Eine Recherche auf der dunklen Seite der Lieferdienste.

Film von Fabian Grieger und Jan Wiese | Erstausstrahlung: 02.12.2025/rbb


Baumstamm und Astwerk brennen gerade oder: über Hoffnung und Albträume, weil ich anscheinend nur darüber schreiben kann

Meine Freunde und ich haben in letzter Zeit alle Albträume.

Wir träumen von Faschismus und Hungersnot, so wie wir früher vielleicht davon geträumt haben, nackt in die Highschool zurückzukehren. Wir träumen von Sturmtruppen, die nicht aus Star Wars stammen, und wir träumen von Tränengas und Waffen.

Um ehrlich zu sein, träume ich schon seit Jahrzehnten von der Apokalypse, und manchmal sind diese Träume sogar halbwegs angenehm.

Aber im Moment? Sind meine Träume düsterer.

Ich habe ein paar Freunde, die mir ihre Träume anvertrauen, und ich fühle mich dadurch geehrt. Das Teilen von Träumen hat etwas Intimes und Verletzliches, und das nicht nur, weil sie das Werk unseres Unterbewusstseins sind. Träume sind das, was unser wacher Verstand zu verdrängen, zu zerstören versucht. Träume sind eine Bedrohung für die Realität, deshalb arbeitet unser Gehirn hart daran, sie in Schach zu halten. Wenn wir einander unsere Träume anvertrauen, bitten wir andere, etwas Wertvolles zu bewahren, etwas, das wir selbst wahrscheinlich bald vergessen werden.

Ein paar Freunde erzählen mir also ihre Träume, und ich kann euch sagen, dass diese Träume immer schlimmer werden.

Ich bin aus Minneapolis zurückgekommen und war nervöser als sonst. Ich fühle mich aktiviert, nicht im Sinne von „jetzt bin ich noch mehr Aktivist”, sondern im Sinne von „Therapiesprache”, womit ich meine, dass mein Nervensystem total durcheinander ist. Um ehrlich zu sein, bin ich beides, aber ich werde mich auf Letzteres konzentrieren.

Ich hab viel Erfahrung mit diesem Aktivismus und bin es nicht gewohnt, mich so roh, so verletzlich zu fühlen. Ich bin es nicht gewohnt zu weinen, wenn Leute beschreiben, was sie gerade durchgemacht haben – zum Guten oder zum Schlechten, ich war immer gut darin, meine Gefühle beiseite zu schieben, um sie später zu sortieren.

Seit ich nach Hause gekommen bin, schlafe ich weniger und ich schlafe mehr, ich bin müde und gereizt, und erst vor ein oder zwei Tagen habe ich es geschafft, meinen überquellenden Posteingang zu durchforsten, um den Leuten zu sagen: „Tut mir leid, dass ihr seit Wochen nichts von mir gehört habt.“

Ich habe schon lange keinen persönlichen Beitrag mehr geschrieben, weil es vielleicht Teil meiner „Aktivierung“ ist, dass ich lieber in sozialen Zentren über Minneapolis berichte oder mit Freunden darüber rede, wie sie mit ihren Nachbarn sprechen werden, als mich mit meinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Ich mache lieber meinen seltsamen Podcast-Job, für den ich manchmal über Partisanen lese und rede, die im Krieg, in dem mein Großvater gekämpft hat, gegen die Nazis gekämpft haben, als mich mit diesem allgegenwärtigen Gefühl des Untergangs auseinanderzusetzen, das mich an den meisten Morgen beim Aufwachen überkommt.

Denn ich hatte kürzlich einen Traum, der mich wirklich erschüttert hat.

Und da ich ein Arschloch bin, setze ich hier die Paywall ein.

Neulich Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich den Leuten sagte, dass ich nicht glaube, dass wir gewinnen werden. Ich hatte einen Traum, in dem ich den Leuten sagte, dass wir dem Untergang geweiht sind.

Wenn du mich kennst, auch nur durch meine Texte, weißt du, wie sehr mich das erschüttert hat. Ich sehe meine Rolle in der Bewegung bewusst als eine Art fatalistische Cheerleaderin: „Es wird hart werden, es wird wehtun, und einige von uns werden vielleicht sterben, aber wir werden wahrscheinlich Erfolg haben, und so zu kämpfen, als ob wir Erfolg haben könnten, ist so oder so das Richtige.“

Ich lüge nicht, wenn ich das den Leuten sage. Das ist der Kern von fast allem, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe, weil es der Kern meiner Überzeugung ist.

Aber ich spreche über Hoffnung wie über eine Disziplin, eine Idee, die ich von Mariame Kaba habe, die sie wiederum von einer Nonne hat. Hoffnung ist ein Muskel, den man trainieren muss, den man dehnen und stärken muss.

Es ist auch ein Muskel, der ermüdet.

Wenn ich Gewichte hebe, weiß ich manchmal, wann ich mich noch mehr anstrengen und einen zusätzlichen Energieschub bekommen kann, und manchmal weiß ich, wann ich einfach nicht mehr kann. Wenn meine Muskeln einfach erschöpft sind.

Aber es gibt ein Meme, das mir im Kopf herumspukt:

Screenshot mit dem Text: "i cant go to the gym because all my anarchist friends walk over while i’m pumping iron and start helping me lift the weights. pretty soon it’s  like 20 of us doing 500 pound reps on the same barbell and they won’t stop singing john henry"
Übersetzung: "Ich kann nicht ins Fitnessstudio gehen, weil alle meine anarchistischen Freunde rüberkommen, während ich Gewichte stemme, und mir beim Heben helfen. Bald sind wir zu 20, die 500-Pfund-Wiederholungen mit derselben Langhantel machen, und sie hören nicht auf, John Henry zu singen."

Und ja, so wird man im Fitnessstudio nicht wirklich stark, aber zu wissen, dass ich Freunde habe, die mir mit den Gewichten helfen können, ist eine der beiden Lektionen, auf die ich zurückgreife, wenn mein Hoffnungsmuskel versagt.

Die andere Lektion kommt aus einem anderen Teil der anarchistischen Welt. Ich bin kein Nihilist, nicht wirklich, aber es liegt eine Schönheit und eine Stärke in dem, was uns der anarchistische Nihilismus lehrt: Es lohnt sich zu kämpfen, unabhängig davon, ob wir daran glauben, dass wir gewinnen können oder nicht.

Nun, ehrlich gesagt, ist das sowieso Teil meiner eigenen Philosophie. Als Rohan Gondor zu Hilfe eilte, als die Rohirrim den versammelten Armeen Mordors auf den Pelennor-Feldern gegenüberstanden, kamen sie nicht, weil sie dachten, sie würden gewinnen. Sie ritten in das, was sie leicht als ihr Verderben ansehen konnten, weil sie an Solidarität glaubten. Sie zogen in den Kampf für Menschen, die nicht einmal für sie gekämpft hatten.

Ich bin ehrlich, mir gefällt die Filmversion der Rede, die König Théoden kurz vor dem Angriff hält, besser. Diese Version der Rede endet mit: „Reitet jetzt! Reitet jetzt! Reitet! Reitet in den Untergang und das Ende der Welt! Tod! Tod! Tod!“

Aber das kommt davon, wenn man seine Hoffnung von einem Anarchisten bezieht, der von „Der Herr der Ringe“ besessen ist.

Als die Ents nach Isengart marschieren, eine kleine Gruppe lebender Bäume gegen die nicht gerade subtile Metapher für Industrialisierung und Abholzung, singen sie ein Lied, das in den Büchern besser ist. Sie singen:

Auch wenn Isengart von Mauern umgeben und mit Steintoren verschlossen ist
Auch wenn Isengart stark und hart ist, kalt wie Stein und kahl wie Knochen
Wir ziehen, wir ziehen, wir ziehen in den Krieg, um den Stein zu spalten und die Tür zu brechen
Denn Stamm und Äste brennen jetzt, der Ofen brüllt – wir ziehen in den Krieg!
In das Land der Finsternis mit dem Stampfen des Untergangs, mit Trommelwirbeln kommen wir, wir kommen
Nach Isengart mit dem Untergang kommen wir!
Mit dem Untergang kommen wir, mit dem Untergang kommen wir!
Denn Stämme und Äste brennen jetzt.

Das ist es, woran ich mich festhalte, wenn meine eigene Hoffnung mich im Stich lässt. Ich halte mich an anderen fest, und ich halte mich an der düsteren und schönen Erkenntnis fest, dass schlechte Zeiten unvermeidlich sind und wir ihnen nur mit Mut und Überzeugung begegnen können. In das Land der Finsternis mit dem Stampfen des Untergangs, mit dem Rollern der Trommeln kommen wir, wir kommen. Mit dem Untergang kommen wir.

Und wir werden Träume haben, und vielleicht werden mehr davon Albträume sein. Neulich Abend jedoch, während ich einen Podcast aufnahm, hatte mein Hund Rintrah einen schönen Traum. Er lag auf der Seite auf dem Teppich und wedelte so fröhlich mit dem Schwanz, dass das Schlagen des Schwanzes vom Mikrofon aufgenommen wurde und ich die Aufnahme unterbrechen musste.

Es gibt keinen Sturm mehr am Horizont, denn der Sturm ist da. Der Regen peitscht jeden Tag stärker nieder, und wir wissen nicht, wie schlimm es noch werden wird. Die Wirtschaft bricht zusammen. Der Umweltschutz verschwindet. Das öffentliche Gesundheitswesen wird demontiert. Unsere Nachbarn, unsere Familien und wir selbst werden vom Staat entführt.

Und wir bauen Unterkünfte und bringen Menschen aus dem Regen. Hier bricht die Metapher zusammen, denn man kann einen Sturm nicht bekämpfen, aber man kann den Faschismus bekämpfen. Faschisten bestehen aus dem gleichen weichen Fleisch wie wir alle.

Und mein Hund hatte auch einen schönen Traum, auch wenn ich normalerweise keinen habe.

Quelle: "Bole and Bough are Burning Now or: on hope and nightmare because apparently that's all I know how to write about" von Margaret Killjoy, 11.02.2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Ein Jahr nach dem Anschlag: ver.di und Stadt München laden zum gemeinsamen Gedenken ein

Die Grafik zeigt das ver.di LogoAm Freitag, 13. Februar 2026, gedenken die Landeshauptstadt München und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam der Opfer des Anschlags auf die ver.di-Streikdemonstration vom 13. Februar 2025.

Die öffentliche Gedenkveranstaltung findet von 13:00 bis 14:00 Uhr an der Seidlstraße / Ecke Karlstraße statt.


Eröffnet wird das Gedenken von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Zudem sprechen Claudia Weber, Geschäftsführerin von ver.di München & Region, und Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern.

Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Wir trauern gemeinsam“ und wird in Stille und Würde abgehalten. Eingeladen sind alle Betroffenen, Helfenden, Gewerkschafter*innen sowie alle Münchner*innen, die gemeinsam erinnern, trauern und Solidarität zeigen möchten. Das Gedenken wird musikalisch umrahmt. Die Ablage von Kränzen und Bouquets ist nicht erwünscht.

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Anschlags sowie bei ihren Familien und Freund*innen. Auch ein Jahr danach ist klar: Solidarität und Zusammenhalt sind die richtige Antwort auf Gewalt, Hass und Hetze“, erklärt Claudia Weber, Geschäftsführerin von ver.di München & Region.

„Das Leid und die Folgen des Anschlags begleiten unsere Stadt bis heute – am Jahrestag werden Schmerz und Erinnerung besonders spürbar. Wir gedenken der Opfer und stehen weiterhin fest an der Seite aller Betroffenen“, sagt Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München.

Die Sicherheit der Teilnehmenden hat höchste Priorität. Die Gedenkveranstaltung wird in enger Abstimmung mit den zuständigen Sicherheitsbehörden durchgeführt. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung und barrierefrei möglich, Sitzplätze stehen nur begrenzt zur Verfügung. Es wird darum gebeten, besonders auf die Bedarfe von Betroffenen und Angehörigen Rücksicht zu nehmen.

ver.di und die Landeshauptstadt München bitten darum, von parteipolitischen Symbolen und Fahnen abzusehen. Gewerkschaftliche Erkennungszeichen sind willkommen. Bei der Veranstaltung handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Kundgebung, sondern um ein gemeinsames stilles Gedenken.

Quelle: ver.di

Postbank kündigt Konten von vier Berliner Vereinen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA)

Logo der VVN-BdA: Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Logo der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisti:*Innen (VVN-BdA): Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Dem Bund der Antifaschist*innen Treptow, der Kreisvereinigung Weißensee-Hohenschönhausen der VVN-VdA (ehemals Westberlin), allesamt gemeinnützige Vereine des Landesverbands Berliner VVN-BdA e.V., und eben diesem selbst flatterten vor kurzem die Kündigung ihrer Postbank –Konten zum 31. März 2026 ins Haus.

In den vergangenen 2 Jahren hat die Postbank bereits etlichen unserer Kreisvereinigungen in Deutschland sowie der antifaschistischen Begegnungsstätte Heideruh e. V. die Konten gekündigt.

Was die Motive der aktuellen Kündigungen sind, können wir nur mutmaßen. Ob wir als Kund*innen nicht zahlungskräftig genug sind – die Postbank wird ja zu einer reinen Geschäftsbank umstrukturiert – oder der VS uns noch immer misstrauisch beäugt oder die die Postbank willfährige Erfüllungsgehilfin des „Antifa Verbots“ der Trump Administration ist: die Postbank, bzw. die Deutsche Bank, schweigt sich aus.

Dass sich Banken eher ihrem Geschäftsumsatz verpflichtet fühlen als Demokratie, Gesetzen oder gar dem Grundgesetz ist eine Binse. Aber eins steht ja fest: vom Grundgesetz geschützte demokratische Rechte – wie die Meinungs-, Presse- und Vereinigungsfreiheit, und auch das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe – werden auf diese Weise stark behindert, was zu einer Aushebelung eben dieser führen kann.. Unsere Gemeinnützigkeit als Vereine und damit auch unsere gesellschaftliche und gesetzliche Aufgabe wird erheblich erschwert.

Nebenbei: Es hat schon ein starkes Stück, dass die Postbank, Tochter der Deutschen Bank, antifaschistischen Vereinen die Konten kündigt und damit deren Arbeit erheblich erschwert. Die Deutsche Bank, „arisierte“ nach 1933 ihren Vorstand und nahm danach Teil an der Ausplünderung von Jüdinnen und Juden und der von Deutschland überfallenen und besetzten Länder.
Wir protestieren gegen diese skandalösen Kündigungen und solidarisieren uns mit den anderen fortschrittlichen Organisationen, die von Kontokündigungen betroffen sind.

P.S.: Unseren Mitglieder sei gesagt, wir kriegen das hin.

Quelle: VVN-BdA Berlin

NH Hotels: Wiedereinstellung entlassener Gewerkschafter!

Für bessere Arbeitsbedingungen bei NH Hotels!

Einige Personen stehen mit Warnwesten vor einem Hoteleingang, in dem mehrere Security Leute stehen. Eine der CNT Kolleg*Innen hat eine CNT Fahne, ein weiterer spricht in ein Megafon.
CNT Aktion vor NH (Minor) Hotel in Barcelona
NH Hotels und die MINOR Gruppe melden Rekordumsätze und konnten 2024 ihren Gewinn um 46,3% steigern*. Das Bild von der erfolgreichen Hotelkette hat jedoch Kratzer, denn die spanische Gewerkschaft CNT prangert schlechte Arbeitsbedingungen und ausbeuterische Verhältnisse an:
  • Personalmangel
  • Unbezahlte Überstunden
  • Niedrige Löhne
  • Hohe Fluktuation
  • Stark wechselnde Schichtbesetzungen
  • Die Fluktuation und Schichtbesetzung verhindern eine familiäre Planung und gewerkschaftliche Organisierung.

Deswegen haben sich Angestellte der NH Hotels in Barcelona (Spanien) in einer Betriebsgruppe der CNT organisiert. Das Unternehmen reagierte von Anfang an mit einer feindseligen Haltung und entließ kurz vor Weihnachten 2024 zwei Mitglieder der Betriebsgruppe, darunter ihren Gewerkschaftsvertreter. Diese gewerkschaftsfeindlichen Angriffe werden nicht toleriert. Trotz dieses Gegenwinds konnten die Beschäftigten seither wichtige Verbesserungen durchsetzen. Sie fordern weiterhin:
  • Lohnerhöhungen, um die Inflation auszugleichen und
  • wegen hohen Lebenshaltungskosten und
  • um dem Unternehmensgewinn zu entsprechen
  • Schluss mit der Verwendung von Trinkgeldern, um Kassenfehlbestände auszugleichen
  • Kostenlose Parkplätze für Mitarbeiter

Wir als Gewerkschaft FAU in Deutschland unterstützen unsere Schwestergewerkschaft CNT in Spanien und fordern hiermit die NH Hotels auf:
  • die entlassenen Gewerkschafter wieder einzustellen
  • Gewerkschaftsfreiheit und -arbeit zu respektieren
  • Gewerkschaftliche Organisierung nicht zu behindern, sondern als Grundrecht zu betrachten.

Arbeitest du bei NH Hotels? Hast du Probleme am Arbeitsplatz? Möchtest du etwas verändern? Schreib uns an: geko@fau.org

Bist du an dem Konflikt der Betriebsgruppe interessiert? Instagram: @seccion_cnt_nh Email seccio.nh.hoteles@barcelona.cnt.es

* „El Economista“ vom 11.11.2024

Quelle: FAU Stuttgart
cronjob