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»Ich vergesse nie ein Gesicht. Aber in Ihrem Fall mache ich gerne eine Ausnahme.« Julius Henry "Groucho" Marx

Iranische Anarchisten: „Wir machen weiter mit dem Organisieren und Widerstand“

Zweites Interview mit der Anarchist Front über Unterdrückung und Widerstandsfähigkeit, regionalen Krieg und Internet-Sperren

Das Foto zeigt den Text in arabischen Schriftzeichen
Graffiti: „Wir wollen weder König noch (obersten) Führer; weder schlecht noch schlechter“.
Als ihr das letzte Mal mit Freedom gesprochen habt, breiteten sich die Proteste im Iran schnell aus und wurden immer heftiger, aber die Unterdrückung wurde auch immer stärker. Könnt ihr uns sagen, was seitdem passiert ist und was eure Gruppe gemacht hat?

Seit unserem letzten Interview hat sich die Lage im Iran auf gewaltsame und beispiellose Weise verändert. Die weit verbreiteten Proteste in vielen Städten wurden mit harter Repression beantwortet. Sicherheitskräfte haben Demonstranten mit scharfer Munition angegriffen; Tausende wurden getötet oder verletzt, Zehntausende wurden verhaftet. Eine Atmosphäre strenger Sicherheitsvorkehrungen hat sich im ganzen Land ausgebreitet. Es gibt auch Berichte und dokumentierte Beweise dafür, dass unter den aktuellen Kriegsbedingungen einige Gefangene an Orten festgehalten werden, die Luftangriffen ausgesetzt sind, und praktisch als menschliche Schutzschilde benutzt werden.

Inmitten dieser Situation, bevor die Bewegung die Chance hatte, sich neu zu organisieren, kam es zu einer weiteren Entwicklung: Am 28. Februar 2026 begannen groß angelegte Militärangriffe der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran, bei denen Hunderte von Zielen im ganzen Land getroffen wurden. Mehrere hochrangige Kommandeure und Politiker der Islamischen Republik wurden bei diesen Angriffen getötet, und das Land befindet sich nun im Kriegszustand. Die Machtstruktur der Islamischen Republik steht vor einer schweren Krise, doch die politische Zukunft des Landes bleibt ungewiss und umstritten.

US-amerikanische und israelische Streitkräfte haben zahlreiche Ziele im Iran angegriffen, wobei neben militärischen Zielen auch Zivilisten getötet wurden. Gleichzeitig hat die Islamische Republik ihre Raketenkapazitäten genutzt, um Ziele in der Region anzugreifen. Diese Auseinandersetzungen bedrohen das Leben von Millionen von Menschen in der gesamten Region, und bisher haben Hunderte von Zivilisten ihr Leben verloren. Die historischen Erfahrungen der Region zeigen auch, dass ausländische Interventionen selten zu echter Freiheit geführt haben und oft neue Formen der Herrschaft, Instabilität und geopolitischen Konkurrenz mit sich gebracht haben.



Unter diesen Bedingungen haben wir unsere Aktivitäten als Anarchisten fortgesetzt. Wir haben versucht, zu verhindern, dass diese Stimmen inmitten von Unterdrückung und Krieg zum Schweigen gebracht werden, indem wir Ereignisse dokumentiert, Erklärungen veröffentlicht, Netzwerke internationaler Solidarität aufrechterhalten und die Stimmen von Arbeiter*innen, Frauen und verschiedenen Bereichen der Gesellschaft nach außen getragen haben. Gleichzeitig haben wir einen wichtigen Schwerpunkt darauf gelegt, Diskussionen über Selbstorganisation und horizontale Organisation in Nachbarschaften, Arbeitsstätten und Universitäten auszuweiten und diese Kerne mit breiteren Netzwerken sozialer Solidarität zu verbinden. Wir glauben, dass ohne solche sozialen Grundlagen jede Protestwelle anfällig für staatliche Repression bleiben wird.

Konnten sich die Menschen gegen die Repression, der sie ausgesetzt waren, verteidigen?

In vielen Fällen haben die Menschen versucht, sich auf unterschiedliche Weise zu verteidigen: von der Schaffung solidarischer Netzwerke zur Versorgung der Verletzten und zur Unterstützung der Familien von Inhaftierten bis hin zu verschiedenen Formen des Straßenwiderstands. Wir müssen jedoch realistisch sein: Der Repressionsapparat der Islamischen Republik ist extrem umfangreich und hochgradig organisiert, was eine kollektive Verteidigung erschwert.

Unter solchen Bedingungen haben die Menschen Methoden wie schnelle Zerstreuung auf den Straßen, anonyme Organisation und gegenseitige Unterstützung innerhalb der Nachbarschaften entwickelt. In einigen Regionen wie Kurdistan und Belutschistan, wo es eine längere Geschichte des sozialen Widerstands gibt, konnten sich die lokalen Gemeinschaften in einigen Fällen besser schützen. In den großen Städten war die Unterdrückung jedoch extrem hart.

Die am stärksten gefährdete Gruppe sind nach wie vor politische Gefangene, insbesondere diejenigen, die während der jüngsten Proteste festgenommen wurden. Sie werden unter extrem gefährlichen Bedingungen festgehalten und sind weiterhin von schweren Strafen oder sogar der Hinrichtung bedroht. Die Erfahrungen dieser Zeit zeigen, dass lokale soziale Solidaritätsnetzwerke eine wichtige Rolle bei der sozialen Verteidigung und der Aufrechterhaltung des Widerstands spielen können.

Als wir Anarchist Front das letzte Mal interviewt haben, hatte die iranische Regierung gerade das Internet komplett abgeschaltet. Gab es seitdem wesentliche Veränderungen in eurer Fähigkeit zu kommunizieren und auf das Internet zuzugreifen? Konnten die Menschen diese Einschränkungen umgehen?

Die iranische Regierung nutzt weiterhin Internetabschaltungen oder -beschränkungen als eines ihrer wichtigsten Mittel der Unterdrückung.

In den letzten Jahren fiel eine weitgehende Abschaltung des Internets meist mit gewaltsamen Razzien und direkten Schüssen auf Demonstranten zusammen. Mit dem Ausbruch des Krieges wurden erneut großflächige Internetabschaltungen durchgeführt, wodurch Millionen von Menschen der Online-Kommunikation beraubt wurden. Schon vor dem Krieg, während der jüngsten Proteste, waren die Internetbeschränkungen strenger und länger als zuvor geworden und hatten die Kommunikation zwischen Aktivisten wochenlang unterbrochen.

Das Diagramm zeigt den Einbruch der Internetaktivitäten im Iran zwischen 24.02.2026 und 01.03.2026
Das Diagramm zeigt den Einbruch der Internetaktivitäten im Iran zwischen 24.02.2026 und 01.03.2026
Trotzdem haben die Menschen viel Erfahrung und Geschick darin gesammelt, diese Einschränkungen zu umgehen. Tools wie V2Ray-Protokolle und Anwendungen wie Psiphon und Lantern sind weit verbreitet, und wann immer eine Verbindung verfügbar ist, bleibt Telegram eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen. Auch Satelliten-Internet ist für einige Aktivisten wichtig geworden, obwohl der Zugang dazu nach wie vor begrenzt ist.

Gleichzeitig hat die Erfahrung dieser Jahre gezeigt, dass sich keine soziale Bewegung allein auf das Internet verlassen kann. Die eigentliche Grundlage jeder sozialen Bewegung wird durch direkte Beziehungen, gegenseitiges Vertrauen und echte Verbindungen zwischen den Menschen geschaffen.

Sie haben vor der Gefahr gewarnt, dass Royalisten (die bei den Protesten eine kleine Minderheit darstellten) versuchen könnten, diese als Ausgangspunkt für ihre eigene politische Bewegung zu nutzen. Inwieweit sind sie Ihrer Meinung nach damit erfolgreich gewesen?

Monarchistische Strömungen haben versucht, sich mithilfe der von ihnen kontrollierten Medienplattformen und mit Unterstützung bestimmter ausländischer Regierungen als einzige politische Alternative zu präsentieren. Reza Pahlavi und seine Anhänger haben aktiv versucht, sich als Übergangsregierung zu positionieren, und wurden dabei von persischsprachigen Medien und einigen westlichen Regierungen unterstützt.

Die tatsächliche soziale Basis dieser Strömung innerhalb des Iran ist jedoch weitaus begrenzter, als ihre Medienpräsenz vermuten lässt. Viele der Menschen, die an den Protesten teilgenommen haben, sind im Wesentlichen gegen alle Formen des Autoritarismus auf die Straße gegangen und sehen die Rückkehr der Monarchie nicht als Lösung an.

Tatsächlich ist sich ein großer Teil der iranischen Gesellschaft sehr wohl bewusst, dass es keine Lösung ist, eine Form des Autoritarismus durch eine andere zu ersetzen. Aus diesem Grund betonen wir weiterhin, dass die Zukunft der Freiheit im Iran weder in der Wiederherstellung der Monarchie noch in der Fortführung anderer autoritärer Strukturen liegt, sondern in der sozialen Selbstverwaltung und demokratischen Formen der Gesellschaftsorganisation.



Aus unserer Sicht kann die Befreiung des iranischen Volkes nicht das Ergebnis von Projekten sein, die von ausländischen Mächten aufgezwungen werden. Freiheit kann nur aus dem Kampf und dem Willen des Volkes selbst entstehen, und die Umwandlung sozialer Bewegungen in Instrumente staatlicher Rivalitäten wird letztendlich der Gesellschaft schaden.

Gibt es noch etwas, das unsere Leser über die Situation im Iran wissen sollten, und gibt es Möglichkeiten, wie sie Unterstützung leisten können?

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Menschen im Iran nicht nur passive Opfer dieses Krieges sind. Innerhalb der iranischen Gesellschaft gibt es viele soziale Bewegungen: Arbeiter, Frauen, Studenten, ethnische Gemeinschaften und anarchistische Aktivisten, die unter extrem schwierigen Bedingungen weiter Widerstand leisten und sich organisieren. Die iranische Gesellschaft ist komplex, multiethnisch und dynamisch, und der Kampf für Freiheit geht in vielen Formen weiter. Am wichtigsten ist die internationale Solidarität zwischen den Volksbewegungen, nicht die Unterstützung von staatlichen Projekten oder Alternativen, die von oben aufgezwungen werden.

Leser außerhalb des Iran können eine wichtige Rolle spielen, indem sie unabhängige Stimmen verstärken und übersetzen, Solidaritätsveranstaltungen organisieren und dazu beitragen, soziale Kämpfe im Iran sichtbarer zu machen. Je mehr diese Stimmen gehört werden, desto schwieriger wird es, sie zum Schweigen zu bringen.

Wir sind hier. Wir organisieren uns weiter und leisten Widerstand.

Weder Mullahs noch Schah!

Frau! – Leben! – Freiheit!

Oberes Foto: „Wir wollen weder König noch (obersten) Führer; weder schlecht noch schlechter“. Radical Graffiti. Andere Medien: Anarchist Front auf Telegram

Quelle: Iranian anarchists: “We continue to organise and resist” von Gabriel Fonten, 10. März 2026

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Anstieg um 42 Prozent: Bundeswehr ist eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit

Das Logo der Kampagne "Unter 18 nie!" zeigt eine grafisch dargestellte junge Person mit Stahlhelm, die mit angezogenen und umarmten Knien auf dem Boden hockt und auf dem Rücken ein Gewehr trägt. Dazu der Text: "Unter 18 nie! Keine minderjährigen in der Bundeswehr" und ein Link auf die Webseite www.unter18nie.de
Mehr Informationen zur Kampagne: Bild anklicken.
In einem offenen Brief fordern 18 Organisationen und 6 Dachverbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Umwelt, Kirche und Gewerkschaft mit zusammen über einer halben Million Mitgliedern Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf, das Rekrutierungsalter für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf 18 Jahre anzuheben und Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu beenden. Der Minister könnte dies sofort durch eine Dienstanweisung umsetzen.

„Im Jahr 2025 hat die Bundeswehr 3.131 Jungen und Mädchen im Alter von 17 Jahren als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert - das ist ein trauriger neuer Höchstwert und ein Anstieg um 42% gegenüber dem Vorjahr, jeder achte neueingestellte Soldat war minderjährig. Damit ist die Bundeswehr eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit“, sagt Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes, Sprecher vom Bündnis Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr. Nur wenige Armeen weltweit rekrutieren überhaupt noch Minderjährige, über 150 Länder halten den sogenannten Straight18-Standard ein und rekrutieren nur Volljährige als Soldatinnen und Soldaten.

„Die von der Bundeswehr rekrutierten Jungen und Mädchen kommen direkt von der Schule, wo strenge Kindesschutzregeln gelten, sie dürfen als Minderjährige nicht selbst Auto fahren und keine Computer-Schießspiele spielen“, so Willinger. „Als Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten durchlaufen sie dann aber zusammen mit Erwachsenen ein hartes militärisches Kampftraining an der Waffe, sie fahren Panzer und müssen in Übungen und Kampfsimulatoren virtuell Menschen töten. Dabei werden weder das Jugendschutzgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Kinderrechtskonvention, die ILO-Konvention 182 noch andere wichtige Schutzregeln eingehalten. Jedes Jahr werden viele von ihnen Opfer sexueller Gewalt, erleiden Unfälle und erkranken psychisch, wie Regierungszahlen belegen. Auch unter den Opfern sexueller Gewalt in einer Bundeswehrkaserne in Zweibrücken, wo aktuell gegen 55 Soldaten ermittelt wird, war mindestens eine minderjährige Soldatin.“

„Wer wie die Bundesregierung Respekt für Soldatinnen und Soldaten einfordert, muss vor allem die Kinderrechte und Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen respektieren“, sagt Martina Schmerr von der GEW, Sprecherin von Unter 18 Nie. „Wir als Bildungsgewerkschaft kritisieren scharf, dass immer mehr Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, sogenannte Jugendoffiziere und Karriereberater, an Schulen geschickt werden und dort Schülerinnen und Schüler beeinflussen. Schulen müssen ein geschützter Raum zum Lernen sein, kein Rekrutierungsfeld für Soldaten. Die Werbeoffensive der Bundeswehr an Schulen besorgt und verärgert auch viele Eltern, Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen.“

Hintergrund: Kinderrechtsverletzungen, internationale Kritik und negatives Vorbild

Daten des Verteidigungsministeriums belegen, dass minderjährige Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr regelmäßig Opfer von sexueller Gewalt (in 2023: 15), Unfällen (in 2023: 35) und psychischer Erkrankungen werden. Deutschland wird für die Rekrutierung Minderjähriger als Soldatinnen und Soldaten vom Kinderrechteausschuss der Vereinten Nationen und vielen Staaten wie dem NATO-Land Schweden im UN-Menschenrechtsrat kritisiert. Die große Mehrheit, über 150 Länder weltweit (darunter 24 NATO-Länder), halten den 18-Jahre-Standard der Vereinten Nationen ein. Die Rekrutierung unter 18-Jähriger als Soldat:innen ist international geächtet und wird nur noch von wenigen Ländern praktiziert. Kindersoldat:innen sind nach der Definition der Vereinten Nationen in den Pariser Prinzipien, die auch Deutschland unterschrieben hat, alle minderjährigen Mitglieder von Armeen oder bewaffneten Gruppen, egal in welcher Funktion oder Rolle. Armeen und bewaffnete Gruppen in anderen Ländern, die noch Kindersoldat:innen rekrutieren, rechtfertigen dies mit Verweis darauf, dass Deutschland dies auch tut – statt die internationale Ächtung der Rekrutierung von Jugendlichen unter 18 Jahren als Soldat:innen zu stärken, untergräbt sie Deutschland und wirkt als negatives Vorbild.

Weitere Informationen


Quelle: Netzwerk Friedenskooperative, 27. Februar 2026


Hanau ist überall 2026

Das Foto von © Protestfotografie.Frankfurt zeigt eine Reihe Teilnehmer* der Gedenkaktionen mit Porträts der Ermeordeten und deren Namen
Foto: © Protestfotografie.Frankfurt via Umbruch Bildarchiv
Am 19. Februar 2020 erschoß ein 43jähriger deutscher Rassist in Hanau Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov, Ferhat Unvar. Ibrahim Akkuş, damals von Kugeln schwer verletzt, starb am 10. Januar 2026 an den Spätfolgen der Tat.

Anläßlich des Jahrestages der rassistischen Morde fanden auch in diesem Jahr in mehr als 60 Städten Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen statt. Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv mit Bildern aus Hanau und Berlin.

Anstelle einer zentralen Gedenkfeier gab es in Hanau dieses Jahr kleinere Veranstaltungen, u.a. am Tatort Heumarkt und bei einem Trauermarsch des Hanauer Jugendbündnisses.

Unsere Botschaft zum sechsten Jahrestag ist klar:
Erinnern heißt verändern.
Erinnern heißt handeln.
Erinnern heißt kämpfen.
Erinnern heißt, zusammenzukommen und aufeinander achtzugeben.

Darum rufen wir dazu auf, am 19. Februar gemeinsam zu erinnern und SAY THEIR NAMES überall sichtbar zu machen.
Laut. Sichtbar. Solidarisch.
SAY THEIR NAMES. Immer. Überall.

(Initiative 19. Februar Hanau)

In Berlin beteiligten sich rund 2.000 Menschen an einer Demonstration in Berlin-Wedding für Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen und Widerstand.

„Sechs Jahre sind vergangen, nach dem rassistischen Attentat in Hanau – 6 Jahre ohne Aufarbeitung, Konsequenzen oder Gerechtigkeit.
Doch die Bedrohung kommt nicht nur von Tätern wie in Hanau, sondern sie trägt Uniform. (…) 2025 wurden mindestens 16 Menschen von der Polizei erschossen. Repression nach innen und Aufrüstung nach außen ist hier das Motto. Während wir gegen Kriege auf die Straße gehen, bauen sie unsere Straßen in Vorbereitung auf Krieg um. Der Staat tötet uns auf den Straßen, in den Knästen und bald auch an der Front. Genau deshalb gehen wir auch sechs Jahre nach Hanau zum antirassistischen Kampftag wieder auf die Straße!“

(Aufruf der Migrantifa Berlin)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links

Vortrag zur Anarcho-syndikalistischen Jugend Stuttgart

Das Foto zeigt die Veranstaltung aus Sicht der hinteren Reihe
Gut besuchte Veranstaltung mit Martin Veith
Am 24. Januar kamen rund 40 Leute ins Stadteilzentrum Gasparitsch, um Martin Veith zu hören – von 17 bis 70 war alles dabei. Veith war selbst bei der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) aktiv und hat mit „Eine Revolution für die Anarchie" ein Buch über die Geschichte der Gruppe geschrieben.

Die ASJ existierte von 1990 bis 1993 im Großraum Stuttgart und stand der FAU nahe. Als syndikalistische Jugendorganisation setzte sie auf Selbstorganisation und direkte Aktion – also darauf, Verbesserungen nicht über Parteien oder große Apparate zu erreichen, sondern durch eigenes Handeln am Arbeitsplatz und im Alltag. Die Gruppe beteiligte sich an 1.-Mai-Demonstrationen, Kampagnen und Aktionen in der Stadt.

Die frühen 90er waren auch eine Zeit, in der Neonazis massiv auf den Straßen präsent waren – Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen sind nur die bekanntesten Beispiele für die rassistische Gewalt dieser Jahre. In Stuttgart und Umgebung stellte sich die ASJ diesem Problem entgegen und engagierte sich antifaschistisch.

Der Abend war ein schönes Wiedersehen für viele Ehemalige aus der syndikalistischen Bewegung – und gleichzeitig ein guter Austausch zwischen den Generationen. Danke an Martin Veith und das Institut für Syndikalismusforschung!

Quelle: FAU Stuttgart

Broschüre "Deine Rechte im Job" wieder erhältlich

Die Titelseite zeigt neben dam Logo der FAU den Text: "Deine Rechte im Job - eine Einführung ins Arbeitsrecht und erste Schritte des Organizing"
Titelseite der Broschüre
Die Broschüre "Deine Rechte im Job" der Freien Arbeiter*Innen Union (FAU) war einige Zeit vergriffen, ist jetzt aber wieder bei den Syndikaten der FAU erhältlich. In Stuttgart gibt es über die dortige FAU die Möglichkeit, sich sein Exemplar zu den Öffnungszeiten des Stadtteilzentrums Gasparitsch dort abzuholen.

Die Broschüre gibt kurzgefasst die wichtigten Informationen zu allgemeinen Rechten bei der Arbeit wieder und hilft bei der Erstorientierung im komlizierten Geflecht von Arbeitsrecht, Betriebsverfassungsgesetz und Tarifverträgen.
Inhaltsverzeichnis der Broschüre
Inhaltsverzeichnis der Broschüre


Aber auch hier gilt: Allein machen sie Dich ein, letzlich ist jedeR Beschäftigte gefordert, organisiert die erkämpften Rechte durchzusetzen und auch zu erweitern bis hin zu einer solidarischen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. An einer Organisierung in einer Gewerkschaft wie der FAU führt letztlich kein Weg vorbei.

Das gute Leben im Punkrock oder: ein ästhetisches Leben führen

Der Beitrag dieser Woche ist ein bisschen länger als sonst, aber ich bin auch stolz darauf. Ich habe ziemlich lange daran gearbeitet. Ich habe beschlossen, dass das Jahresende der richtige Zeitpunkt dafür ist, denn ehrlich gesagt kommt es einer Liste mit Vorsätzen für das neue Jahr am nächsten.

Ich muss euch sagen, dass ihr, wenn ihr eine gedruckte Zine-Version meiner neuesten Danielle-Cain-Geschichte „And the Bones Clean Gone“ haben wollt, bis zum 31. Dezember Zeit habt, euch für das monatliche Zine von Strangers in a Tangled Wilderness auf Patreon anzumelden.

Das gute Leben im Punkrock

Eine Badewanne steht auf der Veranda eines sehr grob gezimmerten Dreieckhauses im Wald.
Grafik: Thomas Trueten
Vielleicht fängt das mit einer alten Freundin von mir an. Nennen wir sie Ember. Ich hab Ember vor zwanzig Jahren in Asheville, North Carolina, kennengelernt, als sie in einer 8 x 8 Fuß großen, unisolierten Hütte lebte, die sie im Hinterhof eines gemieteten Punkhauses gebaut hatte. Im Erdgeschoss der Hütte stand nur ein Schreibtisch mit ihrer Schreibmaschine und ihren Büchern. Darüber befand sich ein Loft mit einer Futonmatratze. Die Bude war sauber, aber vollgestopft, und ich verbrachte viele Nächte mit ihr am Feuer im Hinterhof dieses Hauses und wir quatschten über das Leben.

Sie war ein paar Jahre älter als ich, und ich war total in sie verliebt, oder besser gesagt, in die Vorstellung von ihr, obwohl das überhaupt nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie trug ein selbstgenähtes Carhartt-Overallkleid und hatte bessere Grenzen und eine klarere Kommunikation als jeder andere, den ich je getroffen hatte. Sie war so direkt, dass sie streng und abweisend wirkte. Sie trank zwar, aber nicht das Gesöff, das ich gewohnt war – obwohl sie fast kein Geld hatte, trank sie nur gutes Bier. „Lieber ein gutes Bier als sechs billige“, sagte sie mir, vielleicht die einzige Lebensweisheit, die sie mir direkt mitgegeben hat. Ich sah sie und ich sah einen Hinweis darauf, wie man trotz Armut ein schönes Leben führen kann.

Ich schrieb meine erste Kurzgeschichtensammlung, ein Zine, das ich nicht neu auflegen werde, als Gutenachtgeschichten für Ember. Wir sind nicht wirklich zusammen gekommen – sie hatte diese klaren Grenzen und wusste, was sie wollte –, aber Jahre später lebte sie auf der anderen Seite des Landes, studierte Bibliothekswissenschaft und arbeitete im Infoshop, und sie zeichnete und siebdruckte ein Poster für eine Veranstaltung zu meiner ersten Buchtournee.

Das ist keine Geschichte über sie, nicht wirklich. Es ist eine Geschichte über das romantische Ideal des guten Punkrock-Lebens. Es ist eine Geschichte über Zines und DIY, über einfaches Kochen, über Festessen aus dem Müll mit Freunden und Feinden, über Kuchen und Plattenspieler und Tee und Punk-Post und Brieffreunde. Es ist eine Geschichte darüber, öfter mal das Handy auszuschalten, nackt in Flüssen zu baden, Hütten zu bauen oder zusammenzuziehen, Geschichten zu erzählen und Kellerkonzerte zu geben. Es ist eine Geschichte über Sozialzentren und Infoläden. Es ist eine Geschichte über Punkhäuser und Hütten im Wald und Wohnungen in Städten des Rust Belt. Es ist eine Geschichte über die Liebe zu halbwilden Hunden und halbwilden Freunden, eine Geschichte über Food Not Bombs und Community Organizing. Es ist eine Geschichte darüber, Kunst zu machen, in der man schlecht ist, Musik zu machen, in der man schlecht ist. Es ist eine Geschichte darüber, Kunst zu machen, in der man gut ist, Musik zu machen, in der man gut ist. Es ist eine Geschichte über Zimmerpflanzen und Bücher und das Herausholen von Möbeln aus dem Müll und den Besitz von so vielen Strickmützen, dass man nicht mehr weiß, welche von welchem Freund stammen.

Das heißt: Es ist eine Geschichte über das gute Leben. Ein Leben, das du haben kannst. Ein Leben, das ich haben kann. Oder zumindest ein Ideal, das wir verfolgen können. Ich weiß, dass ich es mein ganzes Leben lang verfolgt habe – wie alle guten Träume liegt es gemütlich am Horizont und gibt uns eine Richtung vor, in die wir gehen können. Wir werden es nie wirklich erreichen, aber die Freude liegt im Gehen.

Ich mache keine moralische Aussage über dieses Leben. Es ist objektiv nicht besser als jedes andere. Stattdessen mache ich eine ästhetische Aussage: Das ist eine schöne Art zu leben.


In den ersten zwei Jahren der Pandemie lebte ich in einer 12 x 12 Meter großen Hütte ohne Stromanschluss, die ich auf dem Grundstück von Freunden gebaut hatte. Ich hatte sie mehr oder weniger als Schlafzimmer gebaut, ohne Strom, Wasser, Küche oder Bad. Es gab nur ein Queensize-Bett, ein paar Bücher und eine Propangasheizung – auf dem Grundstück gab es eine Gemeinschaftsküche und eine Dusche, und ich habe meine Arbeit in Cafés in der Stadt erledigt. Als der Lockdown begann, verbrachte ich meine Tage damit, in aller Eile alles zu bauen, was ich brauchte, um im Winter allein in diesem Haus während der Pandemie zu überleben. Ich hatte nur sehr wenig Geld zur Verfügung. Es war verdammt schwer.

Zu Beginn der Pandemie, im Februar und März, wusch ich meine Kleidung mit einem Eimer und einem Waschbrett im nahe gelegenen Bach und trocknete sie dann langsam auf einer Wäscheleine. Ich duschte mit einer Solardusche, 80 Grad warmes Wasser bei 50 Grad Lufttemperatur. Ich benutzte einen Campingkocher, um Chili aus der Dose zu erhitzen, und mischte es mit Wildkräutern aus dem Wald. Ich las Bücher, spielte Musik, starrte in den Himmel und verlor langsam meinen Verstand. Es war mehr oder weniger schrecklich. Ich hatte monatelang kaum menschlichen Kontakt und arbeitete die meiste Zeit an meiner Hütte. Als ich es nach Monaten endlich schaffte, Wasserfässer an eine 12-Volt-Pumpe (mit Solarpanels betrieben) anzuschließen, die mit einer Propangasdusche auf meiner Veranda verbunden war, stand ich unter echtem heißem Wasser und weinte buchstäblich vor Erleichterung. Ich schluchzte einfach, während mein Körper warm und sauber wurde.

War das das einfache Leben, das die Leute romantisierten? All diese Tiny-House-Videos auf YouTube sagten mir, dass man sich ein solches Leben wünschen sollte.

Aber im zweiten Jahr der Pandemie hatte ich einen Propangasherd und genug Strom und eine seltsame, billige, zusammenklappbare Badewanne und einen kleinen Schuppen voller Mäuse, Spinnen und Holzbearbeitungswerkzeuge, und die Dinge liefen so gut, dass ich mein eigenes Leben wieder romantisieren konnte. Die Romantisierung machte es erträglicher. An manchen Tagen lag ich in meiner Hängematte, las Bücher und lauschte den Vögeln und Insekten. Ich lernte, Holzlöffel zu schnitzen, und hörte mir auf meiner Veranda Hörbücher an, während ich schnitzte. Eine Woche lang tauchte jeden Tag, wenn ich auf meiner selbstgebauten Kantele spielte, eine Eule vor meinem Haus auf. Ich hatte Freunde zu Besuch, und wir hatten die Pandemie so gut im Griff, dass wir wussten, was wir riskierten.

Es ist gut, das eigene Leben zu romantisieren. Es ist gut, die Ästhetik des eigenen Lebens anzunehmen und sich darauf einzulassen. Wir sollten versuchen, so viel Schönheit wie möglich aus unserem Leben herauszuholen. Einige der Ästhetiken, die wir romantisieren, sind aus Leiden entstanden. Aber wenn es dein eigenes Leiden ist, das du romantisierst, dann ist das kein so großes Problem. Gefährlich ist es, das Leiden anderer zu romantisieren. Nervig ist es, wenn andere dein Leiden romantisieren.

Es ist sinnvoll, für sich selbst zu entscheiden, was ein gutes Leben ausmacht, und danach zu streben, so zu leben. Ich persönlich möchte ein gutes Leben im Stil des Punkrock. Ich möchte nicht wieder in diese Hütte zurückziehen – ich habe mich nie mit der Feuchtigkeit und dem Schimmel arrangieren können, und mein Hund ist so wild, dass er einen eingezäunten Garten braucht. Aber ich möchte bewusst Bilanz ziehen, wer ich bin und was mir Spaß macht. Welche Gewohnheiten mir gut tun und welche nicht.

Bäder auf meiner Veranda tun mir gut. Doomscrolling nicht. Vor dem Schlafengehen Bücher zu lesen tut mir gut. Doomscrolling nicht. Herzhafte, proteinreiche, einfache Mahlzeiten zu kochen tut mir gut. Doomscrolling nicht. Neue Sachen zu kaufen tut mir selten gut, während es mir im Allgemeinen gut tut, alte Sachen wiederzuverwenden oder meine eigenen Sachen herzustellen.

Vielleicht ist das durch und durch Nostalgie für die frühen 2000er Jahre. Das ist mir eigentlich egal. Die Punks der frühen 2000er Jahre, deren Leben ich nostalgisch betrachte, waren selbst nostalgisch gegenüber dem Punk der 90er Jahre, der wiederum nostalgisch gegenüber dem Punk der 80er Jahre war, und so weiter, über Jahrzehnte und Subkulturen hinweg. Nostalgie ist gefährlich, wenn sie uns davon abhält, die Gegenwart zu schätzen, aber nützlich, wenn sie uns zeigt, wie wir Schönheit in der Gegenwart finden können.

In meinem Freundeskreis gibt es seit einiger Zeit einen Running Gag darüber, wie eine „anarchistische Tradwife”-Kultur aussehen würde. Vielleicht ist dieses „Punkrock-Gute-Leben” meine übertrieben ernsthafte Antwort auf diesen Witz. Es reimt sich sogar auf Tradwife. Tradwife ist Nostalgie für eine imaginäre, einfachere Vergangenheit, und das ist es auch. Das Punkrock-Gute-Leben ist jedoch nicht geschlechtsspezifisch. Es geht nicht darum, sich einem patriarchalischen Beschützer zu unterwerfen. Aber zum Glück geht es immer noch ums Nähen, Basteln und Kuchen backen.

Ich beschreibe hier nicht wirklich das Leben, das ich führe, sondern eher das Leben, das ich anstrebe. Ich schreibe das als Herausforderung an mich selbst, als Herausforderung, die Gewohnheiten anzunehmen, die ich haben möchte, die Ästhetik, der ich mich hingeben möchte. Es ist eine Herausforderung, mein bestes Leben zu leben, ein schönes Leben. Es ist eine Herausforderung, das gute Punkrock-Leben zu leben.


Das gute Punkrock-Leben sieht wohl für jeden anders aus. Aber das hier ist meins. Die meisten dieser Ideen basieren auf einigen Grundprinzipien: Es ist am besten, Dinge mit Absicht zu tun und kleine Rituale in unser Leben einzubauen. Es ist am besten, ästhetisch zu leben und sich selbst und seinen Raum zu dekorieren. Man kann seinen eigenen Raum schaffen und seine eigene Identität und seinen eigenen Körper entwickeln. Wir sollten die physische Welt feiern und die digitale Welt nur nutzen, wenn sie die physische Welt bereichert. Und wir sollten unsere Freunde und unsere Verbindungen zu anderen so gut wie möglich feiern.

Schaffe aus Freude am Schaffen, teile deine Kreationen aus Freude am Teilen. Die meisten Punkbands kommen eher mit ernsthafter Leidenschaft als mit Talent durch, und wir können diese Einstellung auf alles übertragen, was wir tun ... auch auf das Musizieren in Genres, die wir vielleicht mehr mögen als Punk. Die Freude am Punk besteht darin, Menschen zu feiern, die etwas tun, unabhängig davon, ob sie darin großartig sind oder nicht. Wir feiern unsere Freunde, die Musik machen, Essen zubereiten, Kleidung herstellen oder Geschichten schreiben, unabhängig davon, ob diese Menschen in diesem Bereich professionell erfolgreich sein können oder nicht. Klar, manche Punkbands gehen auf Welttournee, aber wir können mindestens genauso viel Spaß bei einem Kellerkonzert haben, bei dem lokale Bands einfach alles geben. Manche Zines werden überall fotokopiert und beeinflussen Hunderttausende von Menschen, während andere vielleicht von zehn Leuten gelesen werden. Das ist egal. Was zählt, ist, Dinge zu machen und sie zu teilen.

Schreibt Briefe. Die Zeit und Absicht, die in einen Brief gesteckt werden, zeigen, dass man sich kümmert, und es ist immer aufregend, etwas mit der Post zu bekommen. Du kannst deinen Freunden Briefe schreiben, egal ob du eine Antwort erwartest oder nicht. Du kannst Punk-Post verschicken – wenn du einen Freund hast, der irgendwohin reist, wo du Leute kennst, lass diesen Freund Briefe, Zines oder Geschenke an Leute am Zielort mitnehmen. Du kannst Gefangenen schreiben, sowohl politischen Gefangenen als auch denen, die einfach nur in einem schrecklichen Gefängnissystem gefangen sind. Wenn du eingesperrt wärst, würdest du dir nicht wünschen, dass die Leute dir zeigen, dass sie an dich denken?

Koche mehr. Ein Teil eines bewussten Lebens ist das Kochen. Du musst kein guter Koch sein, um Spaß am Kochen zu haben oder das Essen zu genießen, das du zubereitest – Potlucks sind wie Punkkonzerte, jeder bringt mit, was er kann, und die großartigen Köche werden genauso gefeiert wie die Leute, die nur ein einziges Gericht zubereiten können. Einige gute Punk-Grundnahrungsmittel sind: die „Forever Soup”, ein großer Topf Suppe auf dem Herd, in den täglich neue Zutaten hinzugefügt werden; das, was deutsche Punks „Reis mit Scheiß'” nennen, also Reis mit allem Gemüse und allen Proteinen, die du hinzufügen möchtest; Tofu-Rührei; Bratkartoffeln. Alles, was du mit Siracha, Nährhefe und/oder Braggs Liquid Aminos würzen kannst, ist gutes Punk-Essen. Alles, was du als „gutes Punk-Essen“ bezeichnen möchtest, ist gutes Punk-Essen. Iss zu den meisten Mahlzeiten Proteine, dann hast du mehr Energie. Vermeide es, zwischen den Mahlzeiten Kohlenhydrate zu naschen, dann hast du mehr Energie. Iss weniger verarbeitete Lebensmittel, dann hast du möglicherweise mehr Energie. Jeder Körper ist anders und braucht andere Dinge. Veganismus funktioniert für mich – mich weiter unten in der Nahrungskette zu ernähren, hat mir sehr gut getan. Anderen Freunden geht es mit tierischen Produkten viel besser. Mach deine Mahlzeiten zu etwas, das du bewusst isst, wenn möglich zusammen mit Freunden. Lerne zu kochen, nicht nur für deine eigenen Ernährungsbeschränkungen, sondern auch für die deiner Freunde.

Baue Lebensmittel an. Gärtnern ist eine der offline-lastigsten Aktivitäten, die du machen kannst, und der Grundstein vieler DIY-Praktiken. Du musst nicht gut darin sein. Bau einfache Lebensmittel an, vielleicht in Eimern, vielleicht auf Fensterbänken, vielleicht in Hochbeeten, vielleicht auf zurückgewonnenem öffentlichem Land, vielleicht bei Freunden, vielleicht in Gemeinschaftsgärten. Bau einfach Lebensmittel an, iss sie und teil sie mit anderen. Kartoffeln, Tomaten, Grünkohl, all die Grundnahrungsmittel. Spar Geld, ernähre dich besser und mach dir die Hände schmutzig.

Lass dich von Ästhetik begeistern. Dekoriere deinen Raum, egal ob du vorhast, lange dort zu wohnen oder nicht. Selbst wenn du in einer besetzten Wohnung lebst und jeden Moment rausgeworfen werden könntest, dekoriere deinen Raum trotzdem. Häng Flyer für Konzerte, Kunstwerke deiner Freunde oder Kunst und Bilder, die du im Müll gefunden hast, auf. Sammle Zimmerpflanzen – es ist immer gut, kleine Dinge zu finden, für die man verantwortlich ist. Häng getrocknete Blumen auf. Sammle Bücher. Häng Instrumente an die Wand. Sammle kleine Kreuzsticharbeiten von deinen Freunden. Kerzen sind auch schön, aber das ist nur was für erfahrene Punks: Lass Kerzen niemals unbeaufsichtigt brennen, zu viele Punks sind schon durch ihre Kerzen ums Leben gekommen. Stell deine mittelalterlichen Waffen zur Schau – vielleicht bin das nur ich. Schreib vielleicht an die Wände, oder nur an einige Wände. Leg Stifte bereit, damit deine Freunde das Gleiche tun können. Hab keine Angst vor maximalistischer Ästhetik, hab keine Angst, jede Oberfläche mit Kunst zu bedecken. Hab keine Angst, deine Dekorationen dann wieder auf etwas weniger Unordnung zu reduzieren; lass deine Dekorationen kommen und gehen. Streich die Wände. Streich sie mit Wandmalereien oder streich sie mit tiefen Farben, dunklen Farben, hellen Farben, kontrastierenden Farben, was immer du willst.

Verändere, repariere und fertige deine eigene Kleidung an. Du musst nicht gut nähen können, um deine Kleidung zu verändern oder zu flicken. Du kannst mit der Zeit besser werden, aber auch schlechte Reparaturen haben ihre eigene Ästhetik. Schneide die Ärmel deiner T-Shirts ab (befolge die zwei Regeln für T-Shirt-Ärmel: „Sun's out, guns out“ und die logische Folge „Sun's gone, sleeves gone“, um zu entscheiden, ob dein T-Shirt Ärmel haben sollte oder nicht). Bauchfreie Shirts sind für jeden Körper geeignet. Mach deine Kleidung zu deiner eigenen. Lass sie von den Elementen beeinflussen. Flick deine Hosen. Wenn du es old school magst, näh schwarze Flicken mit weißer Zahnseide auf schwarzen Stoff. Aus alten Hosen lassen sich ganz einfach Punk-Miniröcke machen. Overalls eignen sich hervorragend als Kleider. Mit T-Shirts kann man alles Mögliche machen. Lern Siebdruck oder unterstütze deine Freunde, die das können, und bedrucke Shirts, Westen, Kleider und Flicken mit Siebdruck.

Dein Körper ist kein Gefängnis, dein Körper ist kein Tempel – dein Körper ist dein Zuhause. Du kannst und solltest dein Zuhause so dekorieren, wie du möchtest, mit Piercings, Tattoos und Schmuck oder auch ohne all diese Dinge. Du solltest deine Haare so stylen, wie es dir gefällt. Du solltest die Form deines Körpers oder das Geschlecht deines Körpers durch Hormone, Operationen, Sport oder was auch immer du möchtest verändern. Du solltest deinen Körper kennenlernen und mit ihm arbeiten. Akzeptiere deine körperliche Form. Bleib so fit, wie es dir passt. Trainiere jeden Morgen. Heb Gewichte. Mach Yoga. Geh joggen. Mach nach dem Abendessen kleine Spaziergänge. Lass dich massieren. Oder auch nicht.

Unterstütze andere DIY-Künstler. Du musst nicht alles selbst machen. Geh auf Handwerksmessen oder Punkrock-Flohmärkte oder finde Künstler online. Kauf Töpferwaren, kauf Kleidung, kauf Aufnäher, kauf Seife, kauf Kerzen, kauf Kunst. Wenn jede Tasse in deiner Küche anders ist, machst du es richtig.

Schreib Dinge auf. Mach dir Notizen in einem physischen Notizbuch. Schreib in ein echtes Tagebuch. Schreib deine Träume auf, schreib Ideen für Geschichten auf, schreib deine Gartenpläne und deine Holzbaupläne auf. Schreib Rezepte auf. Schreib Dinge auf.

Das Physische ist besser als das Digitale. Triff deine Internetfreunde im echten Leben. Knüpfe persönliche Kontakte. Reise und sieh dir Dinge an.

Das Internet ist nicht der Feind. Online geknüpfte Kontakte sind nicht von Natur aus weniger echt als persönliche Kontakte. Soziale Medien sind nicht grundsätzlich schlecht. Freundschaften, Gemeinschaft und Aktivismus können auch online entstehen. Es ist nur ein Raum, der mit mehr Gefahren und Fallstricken behaftet ist.

Veranstalte und besuche DIY-Events aller Art. Kellerkonzerte sind ein perfektes ästhetisches Erlebnis. Es gibt DIY-Theater, Storytelling, Comedy und Tanz. Es gibt Teach-ins und Scheunenbau-Events, Apfelweinpressen und Saatgut-Tauschbörsen. Potlucks und Buchclubs. Vogelbeobachtungsclubs, Astronomieclubs. Was auch immer du magst, es gibt Leute, die das in kleinem und großem Rahmen machen. Unterstütze deine Freunde. Es lohnt sich.

Erzähl deinen Freunden von deinen Träumen. Wenn du von einem Freund träumst, erzähl es ihm. Mach es dir zur Gewohnheit, anderen von deinen Träumen zu erzählen, und hör dir an, was andere dir von ihren Träumen erzählen. Unsere Träume sind wichtig, aber unser Gehirn arbeitet morgens hart daran, sie aus unserem Gedächtnis zu löschen – weil sie sonst mit der Realität verwechselt werden könnten. Deshalb ist es am besten, sie aufzuschreiben oder einander zu erzählen.

Sag deinen Freunden, dass du sie liebst. Jeder, den du kennst, wird sterben. Du wirst sterben. Lass nichts ungesagt.

Halt das Internet aus deinem Bett raus. Schau nicht als Erstes morgens oder als Letztes vor dem Schlafengehen auf dein Handy. Achte im Bett auf deine Gedanken, lies ein Buch oder kuschel mit der Person, den Personen oder Tieren, die vielleicht mit dir im Bett liegen.

Lies Zines und Bücher. Filme, Fernsehen und soziale Medien sind zwar auch Möglichkeiten, etwas über die Welt zu lernen und Kultur zu erleben, und es ist okay, mit ihnen zu interagieren (oder sie selbst zu gestalten!), aber sie dienen einem anderen Zweck als Zines und Bücher. Zines schaffen eine horizontale Kultur, ähnlich wie soziale Medien, aber physisch und im Allgemeinen ehrlicher und weniger darauf ausgerichtet, Einfluss und Klicks zu generieren. Bücher öffnen uns die Welt mit Geschichte, Theorie und Erzählungen. Das geschriebene Wort ist wichtig. Niemand überwacht, was du in gedruckter Form liest, im Gegensatz zu dem, was du in den sozialen Medien liest. Wenn du gedruckte Texte liest, kannst du deine Gedanken dazu auch nicht in Echtzeit teilen, und der ganze Vorgang wird weniger performativ, sodass du dich ernsthafter mit dem beschäftigen kannst, was du liest. Es ist natürlich in Ordnung, ab und zu eine Fernsehserie zu binge-watchen. Es ist in Ordnung, Videospiele zu spielen. Lies einfach auch Bücher und Zines.

Schreib Zines und Bücher. Du musst nicht gut schreiben können, um ein Zine zu schreiben. Durch Übung wirst du besser, aber wahrscheinlich hast du unabhängig davon, wie gut du deine Fähigkeiten entwickelt hast, einzigartige Dinge zu sagen. Mach Zines. Mach Bücher.

Übernimm Verantwortung für andere, egal ob Zimmerpflanzen, Haustiere oder Freunde. Wenn wir uns umeinander oder um andere nicht-menschliche Lebewesen kümmern, hilft uns das, für uns selbst zu sorgen. Wenn du einen Hund hast, gehst du jeden Tag spazieren, ob du willst oder nicht. Wenn du eine Katze hast, räumst du hinter ihr auf, auch wenn du kaum hinter dir selbst aufräumen kannst. Du gießt deine Pflanzen, egal ob du selbst genug trinkst oder nicht. Uns um Dinge zu kümmern hilft uns, unser bestes Selbst zu sein. Uns um Freunde zu kümmern hilft uns, nicht isoliert zu werden, und versetzt uns in ein Netz der Verbundenheit und gegenseitigen Abhängigkeit.

Mach es dir zur Gewohnheit, Dinge zu tun, die dir nicht liegen. Leute, die nur das machen, was sie gut können, sind Feiglinge. Mach Dinge, die dir nicht liegen – aber versuch, besser darin zu werden. Sing falsch, bis du eines Tages richtig singst. Lern Fähigkeiten, die dir nicht von Natur aus liegen. Hab immer etwas, das dir nicht liegt und an dem du arbeitest, dann bleibt dein Gehirn flexibel und du wirst wahrscheinlich nie sterben. Nun, zumindest bin ich noch nicht gestorben, also funktioniert es bisher.

Trink Tee. Ich weiß nicht warum. Es scheint einfach etwas zu sein, was Menschen tun, die ein gutes Leben führen. Vielleicht weil Teetrinken ein kleines Ritual ist. Tee ist eine kleine Belohnung, die man sich gönnt. Darin bin ich schlecht.

Sei ein Anarchist. Ich war mir nicht sicher, ob ich ein ideologisches Gerüst in das Punkrock-Gute-Leben aufnehmen sollte, aber ich denke, es wäre unaufrichtig, es wegzulassen. Der Anarchismus ist ein Gerüst, das uns lehrt, dass wir unsere eigenen Herren sind, aber dass wir auch tief mit allen um uns herum verbunden sind. Der Anarchismus glaubt an dich und an deine Gemeinschaft. Der Anarchismus glaubt, dass wir die Welt verbessern können und dass wir keine Angst haben sollten, ehrlich zu sagen, was wir wirklich wollen: eine Welt, die auf gegenseitiger Hilfe und Solidarität basiert, eine Welt der Gleichberechtigten, in der Unterschiede gefeiert statt ausgelöscht werden. Das Etikett ist hier nicht wichtig, aber es ist ein Etikett, das mir geholfen hat, fokussiert zu bleiben.

Engagiere dich in lokaler gegenseitiger Hilfe oder Aktivismus. Koch mit Food Not Bombs oder verteile Sachen an Leute, die sie brauchen. Such dir Gruppen von Leuten aus deiner Umgebung (egal, ob sie deine Ideologie in allen Punkten teilen oder nicht), die sich für Dinge einsetzen, die dir wichtig sind, und hilf ihnen dann.

Hör dir Kassetten und Schallplatten oder sogar Bandcamp-Downloads an, statt Musik zu streamen. Musik ist kraftvoll und wunderbar. Sie ist Teil eines ästhetischen Lebens. Mach das Musikhören zu einer bewussten Handlung. Physische Medien sind dafür gut geeignet. Das Auflegen einer Schallplatte sollte ein Ereignis sein, ein kleines Ritual für deinen Tag. Manche Musik ohne Text ist dafür gedacht, im Hintergrund zu laufen, aber lass Musik mit Text niemals halb leise im Hintergrund laufen – entweder hörst du Songs oder du hörst sie nicht. Hör Musik beim Kochen, Autofahren und Putzen. Nicht während du dich unterhältst.

Lass soziale Medien weniger Raum in deinem Leben einnehmen. Das ist kein Aufruf zu Absolutem oder Abstinenz in irgendeiner Form, sondern ein Aufruf, zu verstehen, welche Gewohnheiten uns gut tun und welche nicht. Soziale Medien machen süchtig und können zwar viel zu unserem Leben beitragen (sie halten uns über das Weltgeschehen und unsere Freunde auf dem Laufenden, unterhalten uns, lehren uns), aber es ist sehr leicht, den Punkt zu überschreiten, an dem der Nutzen abnimmt, und länger als gut für uns ist in die Leere unserer Bildschirme zu starren.

Sei emotional verantwortlich gegenüber deinen Partnern. Unser Liebesleben sollte, wie alles andere auch, bewusst und überlegt sein. Wir sollten unsere Partner gut behandeln und sie als gleichwertig respektieren. Wir sollten immer versuchen, unsere Versprechen ihnen gegenüber zu halten und ehrlich zu ihnen zu sein, egal ob wir monogam oder polyamorös sind oder welche Bezeichnungen wir auch immer verwenden mögen. Wir sollten auch unseren Freunden gegenüber emotional verantwortlich sein.

Lass Rauschzustände weniger Raum in deinem Leben einnehmen. Vielleicht besteht der Kern dieses gesamten Lebensstils darin, bewusst zu leben und Dinge bewusst zu tun. Rauschzustände, egal in welcher Form, können Teil eines bewussten und schönen Lebens sein. Aber sie können leicht zur Gewohnheit werden und führen bald zu sinkenden Erträgen. Ich habe das gute Leben des Punkrocks von jemandem gelernt, der an den meisten Abenden ein gutes Bier trank, aber fast nie betrunken war. Ich selbst bin im Laufe der Jahre „hexenmäßig nüchtern” geworden und denke nur noch über Alkohol oder Drogen für rituelle Zwecke nach. Diese Rituale können so aufwendig sein wie ein Samhain-Abendessen mit Essen und Wein, das für die Toten auf dem Tisch gedeckt wird, oder so einfach wie „Ich möchte heute Abend unter dem Sternenhimmel trinken, um über meinen Platz im Universum nachzudenken”. Aber es ist immer bewusst, und für mich kommt es nur sehr selten vor.


Vielleicht ist Trunkenheit ein wichtiger Teil deines guten Lebens, und das ist in Ordnung – lass es nur immer bewusst sein, auch wenn es üblich ist. Das gute Leben im Punkrock kann auf so viele verschiedene Arten gelebt werden. Es kann von einem Gummitramp gelebt werden, der in einem Van oder einem Schulbus lebt und von Stadt zu Stadt zieht.

Es kann von Menschen gelebt werden, die in Punk-Häusern in der Stadt leben, die mit Menschen überfüllt sind, Häuser, in denen jemand in einem Zelt im Garten lebt und jemand einen Platz unter dem Küchentisch mietet, um dort zu schlafen. Es kann von Menschen gelebt werden, die in Hütten im Wald oder im Garten ihrer Freunde leben.

Es kann von Leuten gelebt werden, die alleine in Wohnungen oder Häusern wohnen, oder von Paaren, Dreierbeziehungen, Kernfamilien in Vororten oder Haushalten mit drei oder vier Generationen. Wahrscheinlich kann man das gute Punkrock-Leben aber nicht in einer Villa leben, es sei denn, man hat diese Villa bis zum Rand mit Menschen gefüllt. Ironischerweise ist das gute Punkrock-Leben von Natur aus nicht performativ.

Es ist nicht kompetitiv. Sich damit zu beschäftigen, wer das authentischste Punkrock-Leben führt, oder sich ständig mit anderen zu vergleichen, trennt einen vom authentischen Punkrock-Leben. Jeder Influencer im Bereich des Punkrock-Lebens (wie wir es uns vorstellen können) muss ständig mit dieser Spannung kämpfen, ähnlich wie eine Content-Erstellerin, die als traditionelle Ehefrau lebt, ihr authentisches Leben als traditionelle Ehefrau nicht lebt, während sie an der Erstellung von Inhalten arbeitet.

Beim guten Punkrock-Leben geht es darum, bewusst und ästhetisch zu leben, ganz wie es einem passt. Niemand lebt dieses Leben wirklich perfekt. Wir werden nie alle Gewohnheiten meistern, die wir uns vorgenommen haben. Wir werden immer wieder auf einfachere Routinen zurückfallen. Aber im Leben geht es nicht um das Ziel, sondern um den Weg dorthin. Mein Ziel ist es, den Prozess des Versuchs, ein ästhetisches Leben zu führen, anzunehmen und mich nicht für all die Dinge zu geißeln, bei denen ich regelmäßig scheitere. Denn ich werde scheitern. Aber wie die großen anarchistischen Barden der Band Chumbawamba einst prophezeiten: „Ich werde niedergeschlagen, aber ich stehe wieder auf. Ihr werdet mich niemals unterkriegen.“

Also werde ich vorerst mein Haus mit Blumen füllen, jeden Morgen mit meinem Hund spazieren gehen und versuchen, mehr Zeit mit Klavierspielen zu verbringen und weniger Zeit mit Doomscrolling. Ich werde kochen und Gäste beherbergen, ich werde das Haus putzen, während Godspeed auf dem Plattenspieler läuft, und ich werde versuchen, daran zu denken, den Sonnenuntergang oder die Morgendämmerung zu beobachten oder die Mondphase zu beachten. Und ich werde Erfolg haben, und ich werde scheitern, und ich werde Erfolg haben, und ich werde scheitern, und eines Tages werde ich sterben, und das ist auch in Ordnung. Meine Freunde werden wissen, dass ich sie geliebt habe.

Quelle: Margaret Killjoy, The Punk Rock Good Life or: living an aesthetic life, 26. Dezember 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


Der verdrängte Kapitalismus. Möglichkeiten und Grenzen antifaschistischer Wirtschaftspolitik

Das Bild zeigt das Buchcover
Sabine Nuss, Andrej Holm, Stephan Kaufmann, Antonella Muzzupappa & Ingo Stützle
Der verdrängte Kapitalismus
Möglichkeiten und Grenzen antifaschistischer Wirtschaftspolitik. Ein Gesprächsband von Sabine Nuss
Veröffentlichung: 21. November 2025
Seiten: 168, Broschur
ISBN: 978-3-320-02433-8
14,00€
inkl. 7 % MwSt. kostenloser Versand
"Auf die zunehmende Bedrohung von rechts werden immer drängender Antworten gesucht. Eine davon lautet in jüngster Zeit: »Antifaschistische Wirtschaftspolitik«. (...) Auslöser dieser Forderung ist die Beobachtung, dass Menschen tendenziell eher rechts wählen, wenn aufgrund von wirtschaftlichen Krisen, Inflation und der Kürzung von Sozialausgaben Abstiegsängste und Unsicherheit zunehmen. In diesem Kontext stellen sich einige Fragen: Warum wählen die Menschen dann rechts und nicht links? Welche grundlegenden Fragen werden dabei gar nicht erst angesprochen? Welche Strukturen des Kapitalismus können Aufschluss darüber geben, welche Weltanschauungen im Alltagsbewusstsein anschlussfähiger sind? Vor diesem Hintergrund diskutiert Sabine Nuss die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen einer »antifaschistischen Wirtschaftspolitik« exemplarisch anhand von vier Maßnahmen – mit Andrej Holm (Mietendeckel), Stephan Kaufmann (Inflation), Antonella Muzzupappa (Investitionen) und Ingo Stützle (Vermögenssteuer)."

Aus dem Klappentext zum Gesprächsband von Sabine Nuss im Karl Dietz Verlag Berlin - siehe mehr Informationen und eine Leseprobe bei LabourNet

Deine Einsamkeit war eine bewusste Entscheidung deines Gegners oder: Sie wollen uns isolieren, weil es so einfacher ist, uns irgendwelchen Mist zu verkaufen

Caspar David Friedrich, "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
Synonym für Einsakeit: Caspar David Friedrichs "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
An den besten Tagen meines Lebens merke ich mein Handy kaum. Wenn ich den Tag draußen in der Welt verbringe, vergesse ich, dass ich Social-Media-Konten habe, die ich checken könnte, und Nachrichten, die ich durchscrollen könnte. An den besten Tagen meines Lebens bin ich meistens, aber nicht immer, mit Leuten zusammen (oder meinem Hund, der auch als Mensch zählt), und es kommt mir einfach nicht in den Sinn, auf einen kleinen Bildschirm zu schauen. Einige der besten Tage meines Lebens verbringe ich in meiner Hängematte und lese gedruckte Bücher.

Ich glaube, jeder, den ich kenne, hat die Fantasie, sein Handy oder seinen Computer zu zerstören. Jeder hat eine andere, aber seltsam spezifische Art, wie er das tun würde: mit einem Stein zerschlagen, von einem Wolkenkratzer werfen, auf die Bahngleise legen. Ich selbst – und ich weiß, dass das nicht umweltfreundlich ist – stelle mir vor, ich wäre auf einem kleinen Segelboot irgendwo auf dem Ozean (obwohl ich nicht segele) und würde meine Geräte über Bord werfen. Ich will nicht einfach nur mein Handy oder meinen Computer zerstören, ich will diese Geräte den Göttern des Ozeans opfern.

Wir haben diese Gedanken, aber wir irren uns, warum wir sie haben. Meistens, wenn ich mir vorstelle, wie die Tiefe mein Handy verschluckt, denke ich, dass es daran liegt, dass ich aus der Gesellschaft verschwinden will, dass ich die Welt der Menschen hinter mir lassen will. Ich möchte den Computer auf die Gleise legen und dann für immer in den Wald gehen.

Die Sache ist nur, dass ich diese Fantasie falsch umsetze, sogar in meinem eigenen Kopf. Wir haben irgendwie beschlossen, dass unsere Telefone mit ihrem Versprechen der ständigen Vernetzung Repräsentationen von Menschen, von Gesellschaft und von Gemeinschaft sind. Wir glauben, dass wir mit unseren Telefonen fertig sein wollen, weil wir mit den Menschen fertig sein wollen. Aber das ist einfach nicht der Fall. Was wir hinter uns lassen wollen, sind oberflächliche, unverbindliche Interaktionen. Wir wollen keine Benachrichtigungen und keine Interaktionen mehr. Wenn Geselligkeit Essen wäre, würden wir eine Mahlzeit wollen, aber wir bekommen nur leere Kalorien.

Denn fast das gesamte (aber nicht das gesamte) Online-Ökosystem ist so konzipiert, dass es uns nicht zusammenbringt, sondern uns voneinander trennt.

Das ist kein Zufall. Es wurde so konzipiert. Es wurde von unseren Feinden so konzipiert.

Ich weiß, dass es einfach ist, alle unsere Probleme dem Kapitalismus zuzuschreiben, aber dieses Problem wurde vom Kapitalismus geschaffen.

Opfer, so wie ich es verstehe (ein guter Freund hat mir das erzählt, als er die Arbeit von Georges Bataille beschrieb), hat weniger mit Blut zu tun als vielmehr damit, Dinge (oder Tiere oder Menschen, wenn wir von Opfern alter Schule sprechen) unproduktiv zu machen. Wir machen Dinge heilig (Opfer und heilig haben denselben etymologischen Ursprung), indem wir sie aus dem Bereich der produktiven Wirtschaft herausnehmen. Indem wir Dinge einfach nur existieren lassen und sie niemals „nützlich” sein lassen. Historisch gesehen war der Sabbat gerade deshalb heilig, weil er unproduktiv war.

Die Kelten in Gallien (dem heutigen Frankreich) gruben einfach Löcher, schufen Kunstwerke und warfen diese Kunstwerke in die Löcher. Das klingt zunächst albern, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr reizt mich diese Idee. Ich beobachte meine Freunde, wie sie Schals stricken, nur um sie wieder aufzutrennen. Ich spiele Klavier in einem leeren Raum und schreibe Lieder, die ich nie wieder spielen werde. Ich habe dieses Jahr viel zu viele Tomaten angebaut und hatte mehr Freude daran, sie anzubauen, als sie zu konservieren, und irgendwann habe ich sie einfach an den Pflanzen verrotten lassen.

Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Lebensmittel anzubauen, die niemand isst, aber manchmal serviere ich ein „dummes Abendessen” und stelle einen Teller mit Essen für die Toten bereit, den ich dann in den Wald zu den Feen bringe. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Schals zu stricken, die man nie tragen wird. Aber die meisten der besten Momente unseres Lebens liegen außerhalb der produktiven Wirtschaft.

Partys sind im besten Fall keine wirtschaftlich produktiven Aktivitäten. Geselligkeit ist im besten Fall kein Multitasking wie Networking.

Dennoch schätze ich auch Produktivität. Ich liebe es, Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich liebe es, Geschichte zu schreiben und zu lehren. Ich liebe es, Kleidung zu nähen, die ich trage, ich liebe es, Regale und Schreibtische aus Holz zu bauen, ich liebe es, Songs zu schreiben, die auf Vinyl gepresst werden.

Aber was uns verkauft wird, ist etwas, das sich irgendwie wie Produktivität anfühlt, aber keine ist. Wir entspannen uns nicht und produzieren auch nichts – kein Wunder, dass wir erschöpft und entfremdet sind.

Die Gig-Economy verkauft uns Isolation und sagt uns, dass das Freiheit ist. Man macht den ganzen Tag einen normalen Scheißjob und bekommt dann mehr „wirtschaftliche Freiheit”, indem man die ganze Nacht Gig-Arbeit macht. (Die „Freiheit”, um die es hier geht, ist in der Regel die Freiheit, nicht zu verhungern.) Und wenn man mit seinen vielen Jobs fertig ist, hat niemand Lust, nur für sich selbst zu kochen, und niemand geht gerne allein ins Restaurant, also bestellt man sich etwas online nach Hause liefern. Essen ohne jegliche soziale Interaktion.

Die Arbeiterbewegung kam durch die Organisation am Arbeitsplatz an die Macht. Vor etwa hundert Jahren las ein Arbeiter in den Fabriken allen anderen während der Arbeit die neueste radikale Zeitung (meist anarchistisch, sozialistisch oder kommunistisch) vor, und selbst weitgehend analphabetische Arbeiter lernten, wie das kapitalistische System sie ausbeutete.

Eine Version davon gibt es natürlich immer noch. Wir haben Instagram-Erklärer, wir haben TikTok-Posts und wir haben Bluesky-Threads, und vielleicht sind wir heute genauso gut darin, Klassenbewusstsein zu verbreiten, aber was wir nicht haben, zumindest nicht so leicht, sind einander. Wir haben keine Genossen; wir haben Leute, denen wir folgen, und Leute, die uns folgen. Wir nennen es „Engagement”, wenn wir einen Beitrag kommentieren, aber es ist kein Engagement, nicht wirklich. Es ist eine seltsame Nachahmung.

Der Algorithmus belohnt kontroverse Meinungen und er belohnt Streitigkeiten, weil beides das Engagement fördert. Der Algorithmus belohnt uns dafür, dass wir uns gegenseitig schlecht behandeln, und das war eine bewusste Entscheidung. Die Leute verbringen ihre begrenzte Zeit auf dieser Erde damit, in Sitzungssälen (jetzt in Zoom-Räumen) zu sitzen, sich Diagramme mit Interaktionstypen auf ihren Plattformen anzusehen und zu sagen: „Die Leute aufzuregen fördert das Engagement für unsere App und bedeutet mehr Marktanteil.”

Je isolierter wir sind, desto mehr werden wir dazu getrieben, gemein zueinander zu sein, desto mehr geben wir das Wenige, das wir haben, für das aus, was uns beworben wird.

Als ich anfing, Podcasts für ein werbefinanziertes Netzwerk zu machen, hatte ich Angst, dass alle sauer auf mich sein würden, weil ich Inhalte produziere, die ein Unternehmen nutzt, um Werbung zu verkaufen. Aber ich glaube, die meisten Leute verstehen, dass sie das auch tun, egal ob sie dafür bezahlt werden oder nicht. Alle unsere Posts und Kommentare sorgen dafür, dass wir Apps, die uns Werbung zeigen, im Blick behalten.

Ich bin nicht sauer auf euch deswegen, ich bin auch nicht sauer auf mich selbst deswegen.

Ich bin sauer auf die Leute, die diese Designentscheidungen treffen. Ich bin sauer auf die Milliardäre und die angehenden Milliardäre, die sich buchstäblich von unserer Verzweiflung und Einsamkeit ernähren und die sich die Finger lecken, wenn sie sehen, wie wir uns im Internet gegenseitig fertigmachen.

Die Leute reden über die „Epidemie der männlichen Einsamkeit” und andere sagen, dass es so was nicht gibt, weil jeder mal einsam ist, und warum Männer so besonders im Fokus stehen.

Es stimmt aber, dass Männer einsam sind. Frauen auch. Andere Leute auch. Wir sind alle einsam, und zwar auf einzigartige und sich überschneidende Weise. Wir könnten gemeinsam einsam sein, aber stattdessen streiten wir darüber, wer am einsamsten ist.

Dass wir darüber streiten, ist eine bewusste Entscheidung.

Ich will nicht angeben, aber ich bin nicht einsam, nicht wirklich. Das liegt nicht daran, dass ich introvertiert bin. Ich sehne mich nach Einsamkeit, aber ich verstehe, dass Einsamkeit nicht Isolation ist, nicht Einsamkeit. Einsamkeit funktioniert für mich gut, weil ich weiß, dass es eine Entscheidung ist. Ich möchte einen Großteil meiner Zeit allein oder in sehr begrenzter Gesellschaft verbringen. Ich war schon immer so, und der Rest meiner Familie ist auch so. Es braucht schon einiges, um mich einsam zu machen.

Ich bin aber misstrauisch gegenüber jeder Dichotomie und jeder Persönlichkeitskategorisierung. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften in unterschiedlichem Maße. Ich bin introvertiert, weil Einsamkeit meine Batterien wieder auflädt. Aber ich bin auch extrovertiert, weil ich einen separaten Satz Batterien habe, den ich durch soziale Interaktion aufladen muss. Diese Batterien laden sich viel schneller auf und halten viel länger, aber sie sind da. Ich sehne mich auch nach sozialen Kontakten.

Ich habe diese „Batterie”-Metapher schon immer gehört und verwendet, aber ich halte sie für nur begrenzt brauchbar. Denn wir sind keine Maschinen, wir sind Tiere. Wir haben keine Batterien, wir haben Muskeln. Wir verbessern uns durch Übung. Sozialisieren ist also ein Muskel. Einer, den wir stärken können. Als ich während der Pandemie in Isolation geriet (echte Isolation, nicht nur Einsamkeit), sind diese Muskeln verkümmert. Jetzt stärke ich sie wieder. Deshalb bin ich nicht einsam.

Aber, und das ist entscheidend, ich mache das nicht alleine. Ich mache das mit anderen Menschen. Mit Freunden, mit meiner Gemeinschaft. Das sind Muskeln, die wir gemeinsam entwickeln. Ähnlich wie Solidarität, ein weiterer Muskel, den wir stärken müssen. Die Fähigkeit, Unterschiede zu akzeptieren (und zu feiern) ist die Grundlage für Solidarität.

Wenn du mich kennst, wusstest du, dass ich vorschlagen würde, dass Solidarität die Lösung dafür ist, wie wir alle systematisch voneinander isoliert werden. Wir brauchen echte soziale Interaktion (die auch online stattfinden kann, das ist nur schwieriger). Wir müssen uns treffen und wir müssen reden. Wir müssen über unser Leben reden, über unsere Probleme reden und über Lösungen für unsere Probleme reden. Wir müssen Menschen dort treffen, wo sie sind, und wir müssen Menschen treffen, die anders sind als wir.

Wir müssen zusammenkommen, denn es stellt sich heraus, dass wir dieselben Feinde haben: die Leute, die versuchen, uns einsam zu machen – dieselben Leute, die versuchen, uns arm zu machen, die dieselben Leute, die die Seen trockenlegen, um Rechenzentren zu bauen, die dieselben Leute, die versuchen, Grenzen zu schließen, die dieselben Leute, die diese Grenzen überhaupt erst gezogen haben.

Mein Handy ins Meer zu werfen, ist keine Lösung für meine Probleme, weil es eine individuelle Lösung für ein systemisches Problem ist. Ohne deine Hilfe kann ich die Probleme in meinem Leben nicht lösen, und ohne meine Hilfe kannst du sie auch nicht lösen.

Außerdem werde ich mein Handy nicht ins Meer werfen, weil die Fische nichts so Schlimmes getan haben, dass sie auf Instagram gezeigt werden sollten.

Quelle: Margaret Killjoy, Your Loneliness Was a Design Decision Made by Your Enemy or: they want us isolated because it's easier to sell us shit, 28. November 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


Silvio Meier: Kein Vergeben - kein Vergessen

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transparent mit dem Text "Kein Vergeben - Kein Vergessen" während der Demo
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Hunderte Antifaschist*Innen zogen anlässlich des 33. Todestages von Silvio Meier, der am 21. November 1992 auf dem U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain von Neonazis getötet wurde, mit einer Demo durch Lichtenberg, um allen Opfern rechter Gewalt zu gedenken. Der Protest richtete sich zudem gegen rechte Kiezstrukturen sowie gegen zunehmend aggressiveres Auftreten von Neonazis nicht nur in dem Ostberliner Bezirk Lichtenberg.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Demonstration führte vorbei an mehreren Orten, an denen es in der Vergangenheit rassistische Übergriffe gab, unter anderem an einem Spielplatz in der Wönnichstraße.  Vor einer Woche wurde hier ein zehnjähriges Mädchen rassistisch beleidigt und die Mutter des Kindes geschlagen. Auf der Strecke lagen rechte Treffpunkte, wie die Kneipe Sturgis in der Margaretenstraße 21, in den letzten Jahren immer wieder Anlaufstelle von gewaltbereiten Neonazis. Aus Solidarität mit allen verfolgten Antifaschist*innen führte die Demo auch an der Justizvollzugsanstalt für Frauen in der Alfredstrasse 11 vorbei. Die Demonstration endete an der REWE-Markt-Filiale am Roedernplatz, wo eine junge Mutter aus rassistischen Motiven von einem Angestellten körperlich verletzt wurde.

Am 21. November jährt sich der Todestag von Silvio Meier zum 33. mal. Gleichermaßen jährt sich der rassistische Brandanschlag im Schleswig-Holsteinischen Mölln zum 33. Mal, welcher Ayşe Yilmaz, Bahide Arslan und Yeliz Arslan das Leben kostete.
Ihnen und allen anderen Opfern rechter Gewalt wollen wir gedenken. Gleichzeitig wollen wir rechte Strukturen und Treffpunkte offenlegen, um die potentiellen Täter*innen von Morgen in ihrem Handeln einzuschränken. Kommt mit uns auf die Straße und zu den Veranstaltungen im Vorfeld des Wochenendes. Niemand ist vergessen!

(Aufruf zur Demo)

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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