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»Jeden Tag sorgen die Menschen dafür, dass die Haare ordentlich sitzen; warum tun sie das nicht auch mit ihrem Herzen?« Ernesto "Che" Guevara

Berlin: Demo für Brandmauer gegen AFD

Das Foto von © Kinkalitzken zeigt das Fronttransparent der Demo mit dem Text "Wir sind die Brandmauer - Keine Zusammenarbeit mit der AfD!" auf der Straße des 17. Juni, hinter dem sich Massen von Menschen bis hin zumBrandenbruger Tor versammelt haben
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Über 200.000 Menschen stellten sich am 2. Februar 2025 in Berlin gegen die löchrige Brandmauer der CDU gegenüber der AfD. Die Großdemonstration führte mit zahlreichen selbstgestalteten Schildern gegen die AfD und den Kanzlerkandidaten der CDU Friedrich Merz vom Bundestag zur CDU-Zentrale.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema


Oury Jalloh – 20 Jahre Kampf um Aufklärung und Gerechtigkeit

Das Foto zeigt das Fronttransparent mit dem Text "In Gedenken an Oury Jalloh - von deutschen Polizisten ermordet - vom Staat vertuscht, 7.1.2005 Police murder & racist state cover-up" neben einem Bild von Oury Jalloh
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Am 7. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh, festgekettet an Händen und Füßen auf einer schwer entflammbaren Matratze, im Polizeirevier Dessau. Auch 20 Jahre später bleiben die Umstände seines Todes juristisch ungeklärt und die Täter auf freiem Fuß. 20 Jahre Vertuschung der Todesumstände durch Polizei und Justiz, aber auch unermüglicher Kampf um Aufklärung und Gerechtigkeit. Im Gedenken an Oury Jalloh demonstrierten am 7. Januar rund 800 Menschen in Dessau.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Seit dem 7. Januar 2005 rufen tausende Menschen in den Straßen von Dessau „Oury Jalloh – Das war Mord“. Der Kampf um die Wahrheit setzte sich ab 2007 in den Gerichtssälen von Sachsen – Anhalt und am Bundesgerichtshof in Karlsruhe fort. Zuletzt hatte das Bundesverfassungsgericht im Februar 2023 mit einem abschließenden Urteil einen Mord in der Zelle 5 verleugnet.

Juristisch ist der Fall in Deutschland somit vorerst abgeschlossen. Staatsanwälte, Richter und Sonderberater des Landtages von Sachsen-Anhalt haben dafür gesorgt. Die Fakten, welche die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh mit Hilfe internationaler Experten geschaffen hat, sprechen jedoch eine eindeutige Sprache: Das war Mord! Ein Mord, der kein Mord sein darf.

Im Namen von Saliou Diallo, dem Bruder von Oury Jalloh, und mit Unterstützung der Kommission zur Aufklärung der Wahrheit der Todesumstände von Oury Jalloh formulierte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh eine Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Diese wurde am 3. Juli 2023 von Saliou Diallo persönlich in Straßburg eingereicht. Die Klage wurde aus folgendem Grund abgelehnt: Eine 4-monatige Frist für die Möglichkeit der Beschwerde begann mit der Zustellung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts bei der Anwältin der Familie am 2. März 2023. Demnach endete die Abgabefrist am 2. Juli 2023. Weil dieser Tag auf einen Sonntag fiel, war die Anwältin versehentlich davon ausgegangen, dass sich das Fristende auf den folgenden Werktag verschieben würde, wie es im deutschen Justizsystem üblich ist. Dies ist am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte jedoch nicht der Fall. Somit erfolgte die Ablehnung mit der Begründung der Nichteinhaltung der Frist um 24 Stunden.

Es geht weiter: Auflösung vom Oury Jalloh – Komplex

Doch Mord verjährt nicht! Das bedeutet, auch im Fall von Oury Jalloh müssen die Ermittlungen wieder aufgenommen werden, sobald es neue Beweise gibt. Diese gibt es bereits im Fall von Hans – Jürgen Rose, der im Dezember 1997 nach einem Aufenthalt im Polizeirevier Dessau an den Folgen einer schweren körperlichen Misshandlung starb.

Sein ungeklärter Tod ist Teil des Oury Jalloh – Komplexes, an welchem das Recherche – Zentrum e.V. arbeitet. Dieses präsentierte am 28. März 2024 unter anderem den Beweis für die Manipulation der Ermittlungsakte.

Familie Rose hat Anzeige wegen Mordes gegen vier der damaligen Dessauer Polizeibeamten gestellt, welche momentan von der Staatsanwaltschaft Halle bearbeitet wird.

Das bedeutet, dass der Fall Oury Jalloh zwar juristisch abgeschlossen ist, der Komplex hingegen nicht. Die Arbeit an der Aufklärung der Todesfälle von Jürgen Rose und Mario Bichtemann wird weitere Beweise an die Öffentlichkeit bringen.

Der Kampf um Aufklärung und Gerechtigkeit wird so lange dauern, bis der Oury Jalloh – Komplex aufgelöst ist und die Täter zur Verantwortung gezogen werden!
(Pressemitteilung der Initiative Oury Jalloh vom 7.1.2025)


Happy Birthday Villa Felix!

Das Foto von © RYC zeigt die frisch bemalte Außenwand der #Schreiner47
Foto © RYC via Umbruch Bildarchiv
The 35th anniversary of the squatting of Schreinerstraße 47 in Berlin-Friedrichshain was the occasion for artists to paint the façade together with the residents. The residents decided on the central content and image motifs. The picture of social utopias reflects the various topics they deal with within their housing project: in addition to the practical appropriation of living space, for example, feminism and climate justice. The final design was created after several open meetings over the summer, at which sketches and ideas were compiled.

Go to the photos at Umbruch Bildarchiv.

Schreiner47 was initially occupied on 29 December 1989 by a dozen people who knew each other from the non-conformist opposition movement in the GDR or were active in the Kirche von Unten, among others. One of them was Silvio Meier, who was murdered by neo-Nazis at the nearby underground station in November 1992. Since then, there have been annual anti-fascist demonstrations in his memory. In the ‘Villa Felix’, as the house was later called, there is, among other things, self-managed Clubrooms. Since 2003, the Schreiner has been owned by a co-operative and thus successfully taken off the rental market. It makes sense to squat!

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Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel

Das Foto von © heba zeigt Teilnehmer:innen der Demo mit verschiedenen Protesttafeln: Wir gedenken aller Getöteten in Gaza und Israel",  "Gaza, Westbank, Libanon: Stoppt den Massenmord! Keine Waffen an Israel" und "Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel"
Foto © heba / Umbruch Bildarchiv
Am 18. Oktober 2024 fand in Berlin eine der seltenen öffentlichen Veranstaltungen zum Gazakrieg statt, in denen gleichermaßen die Kriegsverbrechen der Hamas wie die der israelischen Regierung verurteilt wurden. Etwa 2.500 Menschen demonstrierten vor dem Berliner Hauptbahnhof „Für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel.“ Zu der Kundgebung hatte ein Bündnis von mehr als 30 Organisationen aufgerufen, darunter Amnesty International Deutschland, die Humanistische Union, medico international, IPPNW, Reporter ohne Grenzen und Terres des Hommes. Auch Israelis für Frieden und die Deutsch-palästinensische Gesellschaft hatten sich der Kundgebung angeschlossen. Wir dokumentieren untenstehend den Aufruf zur Kundgebung. Der „Freundeskreis Videoclips“ hat im livestream die ganze Veranstaltung aufgezeichnet, das Video seht ihr hier auf der website der Veranstalter.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

„Wir erleben eine erschütternde Eskalation an Gewalt und Leid in Palästina und Israel. Im aktuellen Krieg sind seit dem 7. Oktober 2023 bereits über 42.000 Menschen in Palästina und über 1.200 Menschen in Israel getötet worden. Etwa 100 Geiseln befinden sich noch immer in Gaza. Mindestens 95.000 Palästinenser:innen wurden verwundet und Unzählige werden vermisst. Nahezu die gesamte Bevölkerung Gazas, 1,9 der 2,1 Millionen Bewohner:innen, wurde bereits mehrfach innerhalb ihres Landes vertrieben. Etwa 100.000 Israelis sind seit letztem Oktober evakuiert.

Es gibt keinen sicheren Ort im gesamten Gazastreifen. Das bewusste Vorenthalten von humanitärer Hilfe, von Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung durch Israel bedroht akut das Leben Hunderttausender in Gaza. Und im Westjordanland sind die Menschen mehr denn je schutzlos der Gewalt von Armee und Siedler:innen ausgesetzt.

Zu all dem wollen und können wir nicht schweigen. Wir verurteilen alle Kriegsverbrechen in diesem Krieg, sowohl die der Hamas und anderer bewaffneter palästinensischer Gruppen, als auch die der israelischen Regierung. Wir trauern um alle Opfer der Gewalt in Palästina und Israel. Wir bangen um die Tausenden, die in Israel willkürlich in Haft und oft Folter und Misshandlung ausgesetzt sind. Wir bangen um diejenigen, die als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Wir solidarisieren uns mit allen, die sich für Frieden und gleiche Rechte für alle Menschen in der Region einsetzen.

Während die deutsche Regierung zu Recht die Kriegsverbrechen der Hamas verurteilt, benennt sie die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und der Armee noch nicht einmal als solche. Mehr noch, durch ihr politisches Handeln billigt sie die völkerrechtswidrigen Handlungen Israels in Gaza. Die Bundesregierung schwächt die internationale Gerichtsbarkeit durch einseitige Parteinahme.

In Deutschland erleben wir im Kontext der Palästina-Solidarität massive Eingriffe in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Wir stellen uns klar gegen die Kriminalisierung von legitimen Protesten und tragen unsere Kritik am Krieg in Gaza und der Rolle der deutschen Regierung auch selbst auf die Straße.

Wir gehen auf die Straße, um deutlich zu machen: Eine Staatsräson, die bei den Menschenrechten und dem Völkerrecht doppelte Standards anlegt, nützt niemandem und trägt – den wiederholt vorgetragenen politischen Erklärungen zum Trotz – auch nicht zur Sicherheit Israels bei. Menschenrechte und Völkerrecht sind universell. Menschenleben dürfen nicht mit zweierlei Maß gemessen werden: Palästinensisches Leben ist genauso kostbar wie israelisches Leben.

Wir fordern von der Bundesregierung:

  • Setzen Sie sich mit allen Mitteln für einen sofortigen und umfassenden Waffenstillstand ein. Nur ein Waffenstillstand schafft die Bedingungen für ein Ende des Tötens und für die Freilassung der Geiseln und unrechtmäßig Inhaftierten.

  • Liefern Sie keine Rüstungsgüter an Israel, wenn die Gefahr besteht, dass sie völkerrechtswidrig eingesetzt werden.

  • Unterstützen Sie die internationale Gerichtsbarkeit ohne Einschränkungen, um die jahrzehntelange Straflosigkeit zu beenden.

  • Setzen Sie sich im Sinne des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs vom 19. Juli 2024 mit aller Kraft für ein Ende der illegalen Besatzung, des völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus und der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland ein.

  • Schützen Sie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Deutschland: Der Schutz vor Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus darf nicht gegen das Recht auf friedlichen Protest ausgespielt werden.


Wir wollen mit der Veranstaltung einen Raum für friedlichen Protest schaffen, der frei ist von Diskriminierung und Gewalt. Rassistische, anti-palästinensische und/oder antisemitische Äußerungen oder Handlungen akzeptieren wir nicht.“ (Aufruf zur Kundgebung)

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Berlin vs Amazon – Fight the Tower

Die Demo mit dem Fronttransparent "Who kills Berlin? Make Amazon pay - Stop Gentrification!" einem Hochtransparent  mit dem Text "Bezos vertreiben - Geflüchtete bleiben!" und mehreren Seitentransparenten.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv.
Am 26. Oktober 2023 füllte sich der Schleidenplatz in Berlin-Friedrichshain mit rund 350 Demonstrant*innen, die eine klare Botschaft an den Tech-Giganten Amazon richteten: „Fight the Tower! Amazon ist kein guter Nachbar“. Protest gegen die bevorstehende Eröffnung des Amazon-Towers im Herzen des Stadtteils. Der Technologiekonzern will dort seine Berliner Zentrale mit mehr als 3.000 Mitarbeiter*innen einrichten.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Aufgerufen zu der Demo hatte ein Bündnis aus Klima-, stadt- und mietenpolitischen Initiativen. Als Auswirkung von Amazons Niederlassung in Berlin befürchten sie u.a. eine Verschärfung der ohnehin schon angespannten Wohnungsmarktlage und die Vertreibung langjähriger Anwohner*innen. Die Gentrifizierung, die Friedrichshain bereits seit Jahren umtreibt, würde durch Amazon noch weiter beschleunigt.

Auf der Auftaktkundgebung forderte ein Amazon-Mitarbeiter bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne für die Beschäftigten des Konzerns. Die immensen Gewinne von Amazon dürften nicht auf Kosten der Arbeiter*innen und der Umwelt erwirtschaftet werden.

Statt eines weiteren Bürogebäudes für einen der reichsten Männer der Welt forderten die Demonstrant*innen die Umwidmung des Amazon-Towers zu einem Ort, der der gesamten Bevölkerung zugute kommt. Soziale und kulturelle Einrichtungen, bezahlbarer Wohnraum und gemeinnützige Organisationen sollten in dem Hochhaus Platz finden.

Die Proteste in Berlin sind Teil einer globalen Bewegung, die sich gegen die Machtkonzentration großer Tech-Konzerne und deren negative Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt richtet.

„Der Amazon-Konzern bereitet seinen Einzug als Hauptmieter des neuen Büroturms an der Warschauer Brücke vor. Die als „Mediaspree“ bekannte Kommerzialisierung und Verschandelung des Friedrichshainer Ufers soll so ihren krönenden Abschluss finden. Steigende Mieten und Verdrängung werden die Folgen sein. (…) Es liegt an uns, zu verhindern, dass weitere Unternehmen sich zur Ansiedelung ermutigt fühlen. Nur wir können dafür sorgen, dass Berlin wieder zum Investitionsrisiko wird!Unser Bündnis aus klima-, stadt-, mietenpolitischen und kapitalismuskritischen Initiativen fordert: Bezahlbare Wohnungen statt Luxus-Büros! Gute Arbeit statt Ausbeutung! Amazon zerschlagen statt (Tech-)Monopol! Umwelt- und Klimaschutz statt Überproduktion! Lasst uns dafür gemeinsam auf die Straße gehen und zeigen, dass Amazon und andere Ausbeuter-Konzerne in Berlin nicht willkommen sind!“ (aus dem Aufruf)
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Links

Der Ordnung halber: Linkliste aktualisiert

Seit ewigen Zeiten wollte ich mal die Linkliste mit einer kleine Auswahl Webseiten, die wir zur Beachtung empfehlen, aus"misten" und aktualisieren sowie ein paar neue Links hinzufügen. [X] Erledigt.


43. Todestag - Gedenken an Klaus-Jürgen Rattay

Foto: Manfred Kraft / Umbruch Bildarchiv Berlin
Am 22. September 1981 starb Klaus-Jürgen Rattay anläßlich der Räumung von 8 besetzten Häusern in Berlin. Sein Tod veränderte die Bewegung. Bei einigen löste die Brutalität, mit der die Räumungen durchgezogen wurden, Angst und Ohnmachtsgefühle aus. Bei dem weitaus größeren Teil der Besetzer*innen überwogen jedoch Wut und Zorn - sie radikalisierten sich mit hoher Geschwindigkeit.

Den Jahrestag von Klaus Jürgen Rattays Tod nehmen wir zum Anlaß für diesen Rückblick. Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Autonome in Bewegung" über die Besetzerbewegung der 80er Jahre, die Fotos entstanden am Tag der Räumung und anläßlich einer Gedenkdemonstration für Klaus-Jürgen Rattay im Jahr 1982.

Am 22. September 1981 läßt Heinrich Lummer (CDU), der damalige Innensenator von Berlin, 8 besetzte Häuser räumen. "Die Bewohner der räumungsbedrohten Häuser hatten sich darauf verständigt, lediglich passiven Widerstand gegen die Räumung zu leisten. Sie verbarrikadieren die Eingangstüren, holen viele Menschen ins Haus, Unterstützer wie auch prominente Paten, und harren der Dinge. In der Winterfeldtstraße, in der drei der Häuser stehen, werden aber in der Nacht auf den 22. September auch Barrikaden aus umgestürzten Autos, Bauwagen etc. errichtet, und viele sind dort, um die Häuser von außen militant zu verteidigen. Klaus-Jürgen Rattay gehört auch zu ihnen.

Am frühen Morgen des Räumungstages rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an: mit Panzerwagen, Wasserwerfern und schwerem Räumgerät. Mittags will Lummer es sich nicht nehmen lassen, in einem der geräumten Häuser eine Pressekonferenz abzuhalten. Er präsentiert sich auf dem Balkon der Bülowstraße 89 als ein siegreicher Feldherr. Dadurch heizt er die Stimmung noch zusätzlich auf. Lautstarke Proteste begleiten seinen Auftritt. Die Polizei ist nervös und knüppelt die Straße frei. Einige hundert Menschen flüchten auf die verkehrsreiche Potsdamer Straße. Dort wird Klaus-Jürgen Rattay von einem BVG-Bus erfasst und mitgeschleift. Er stirbt auf der Straße. Den ganzen Tag über bleibt der Schöneberger Kiez unruhig und voller Menschen, die Todesstelle wird umlagert und mit Blumen bedeckt, und es gibt keinen Zweifel darüber, was am Abend passieren wird. Abends kommt es zur größten Spontandemo der Bewegung, rund 10.000 Menschen beteiligen sich an einem Schweigemarsch durch Schöneberg, der in heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei mündet, „Lummer: Mörder, Mörder“ hallt es nachts durch die verwüsteten Straßenschluchten. Gleichzeitig sind im ganzen Stadtgebiet Kleingruppen unterwegs, etwa 50 Anschläge auf Banken, Polizeiwachen, Wohnungsbauunternehmen etc. werden in dieser Nacht registriert. Auch in vielen anderen Städten der BRD gibt es Demonstrationen und Anschläge." (Ausschnitt aus dem Buch "Autonome in Bewegung" - PDF-Datei)

Drei Wochen nach dem Tod Rattays bildete sich eine "unabhängige Untersuchungskommission", der ein Bundesverfassungsrichter a. D. angehörte. Der Hergang des Vorfalles war heftig umstritten. "Die Versionen reichten vom Angriff Rattays auf den Bus und dem Selbstverschulden seines Todes (Polizei-Mitteilung) bis zur Darstellung von Zeugen, der Bus sei ohne Rücksicht in die Menschenmenge gefahren. (...) Die allmählich veröffentlichten weiteren Fotos und ein Super-8-Film konnten einige Aspekte des Vorfalles klären -“ vor allem den, dass der Bus vor dem Zusammenprall nicht angegriffen worden war -“, doch gibt es vom exakten Moment des Anstoßes keine Bild-Dokumente." (siehe Wikipedia)

Nachdem die Ermittlungen noch im Dezember desselben Jahres eingestellt worden waren, bemühten sich die Eltern des Neunzehnjährigen vergebens um Wiederaufnahme des Verfahrens. Im August 1982 wurde dies abgelehnt.
Eine Dokumentation des Ermittlungsausschusses aus dem Jahr 1982 beleuchtet die genaueren Todesumstände.

"Ich hab gleichzeitig Angst und ich hab gleichzeitig auch Mut zum kämpfen." sagt Klaus-Jürgen Rattay noch am Tag vor der Räumung in einer Dokumentation des RBB.

Zahlreiche Links und eine Fotoseite beim Umbruch Bildarchiv Berlin

Weitere Informationen


ELV Gaszähler Integration in Home Assistant

Neulich konnte ich endlich in Zusammenarbeit mit einem Kollegen vom IOT Shop im Photovoltaik Forum meinen KLAX2.0 Optokoppler in Betrieb nehmen. Das Teil misst den Stromverbrauch am Stromzähler und überträgt seine Daten via LoRaWAN, von wo aus man sie mit einem TTN Mapper abgreifen und auswerten kann. Der zweite Energieträger bei uns ist Gas, was liegt also näher, als auch die Daten des Gaszählers abzugreifen und auszuwerten? Nun gibt es ja verschieden Methoden, die mit unterschiedlichem Bastelaufwand ebensolche Ergebnisse präsentieren. Auch beim Gas ist es so, daß eine Auswertung per WLAN wegen der Entfernung zum Zahler nicht in Frage kam. Auch ist wie beim Stromzähler selbst keine Stromversorgung vorhanden, was die Auswahl auch hier ziemlich eindampft. Ich hatte mich dann letztlich für den vergleichsweise günstigen LoRaWAN® Energiezähler-Sensorschnittstelle, C sowie den ES-GAS-2 Sensor entschieden, welche dann auch kurze Zeit später geliefert wurden. Der Zusammenbau wie auch die Montage gestalteten sich einfach, am Gaszähler muß nichts verändert werden, passende Adapter werden mitgeliefert. Für die Stromversorgung habe ich mir bei einen Battery Expansion Shield 18650 V3 besorgt, dafür ein Gehäuse gedruckt und zusammen mit einer 18650 Zelle an den ELV Zähler gesteckt. Das ist nun schon einige Tage her, der Stromverbrauch gestaltet sich recht zivil, man kann natürlich auch größere Akkupacks verwenden, sollte jedoch darauf achten, daß sich diese nicht abschalten, während der Zähler im Tiefschlaf ist, da sonst die Datenübertragung unterbrochen ist.

Für die Anleitung setze ich folgendes voraus:

  • Ein LoRaWAN Gateway ist vorhanden und eingebunden.

  • Es wird The Things Network (TTN) genutzt.

  • Homeassistant ist installiert und das Add-on Mosquitto broker ist hinzugefügt und aktiviert. Dieses Add-on muss wie folgt konfiguriert sein:
Der Screenshot zeigt die notwendigen Ergänzungen in der Konfiguration des mosquitto Plugins: Require Client Certificate auf "ono" und unter "customize" folgendes eingeben:"active:true" , "folder: mosquitto", require_certificate: false
Hier nun die Konfiguration im ttn Stack, als erstes eine Applikation anlegen, dann unter "Integrations" einen API Key sowie Username erstellen, abfragen und kopieren.

Der Screenshot zeigt die entsprechende Einrichtung der Einträge bei den "applications"
Bitte den API Key speichern und ebenfalls die anderen Informationen. Sie werden noch gebraucht. Der ELV-LW-ESI ist zu einer TTN Applikation hinzugefügt. Dazu den "Device Repository Formatter", den ELV zur Verfügung stellt nutzen:

der Screenshot zeigt die Auswahl des "Formatter Type": "Use Device Repository formatters" bei den Payload Formatters / Uplink
Für die nächsten Schritte, in denen unter anderem auf die Dateistruktur von Home Assistant zugegriffen werden muss nehme ich einfach das Add-on "File Editor", das einfach nachinstalliert werden kann. Wichtig für die folgenden Schritte: Änderungen in der Konfiguration vom "File Editor":

Der Screenshot zeigt die notwendigen Einstellungen in der Konfiguration des Editor Plugins.
Nun die Zertifikate von TTN in Homeassistant hinterlegen. Dazu laden wir die Zertifikatsdatei "minimal certificate list hier herunter: Root Certificates. Mit dem "File Editor" navigieren wir jetzt eine Ebene höher als /homeassistant und öffnen dann den Ordner "ssl". In diesem Ordner laden wir die ca.pem hoch.

Nächster Schritt: MQTT Bridge einrichten

Mit dem "File Editor" gehen wir wieder eine Ebene höher und öffnen dann den Ordner "share". Hier erstellen wir nun den Ordner "mosquitto" und darin dann die Datei "mosquitto.conf" mit folgendem Inhalt:

connection elv
    address eu1.cloud.thethings.network:8883
    cleansession true
    remote_username elv-lw-esi-xxxxx@ttn
    remote_password NNSXS.SupersicheresPasswort
    try_private false
    bridge_insecure false
    bridge_cafile /ssl/ca.pem
    topic # in 0 ttn/
Dabei setzt man in hinter remoteusername den oben erstellten Usernamen ein und hinter remotepassword den API Key.

Die /homeassistant/configuration.yaml wird am Ende um folgenden Code erweitert, der die "payload", also die Daten, die der ELV-LW-ESI liefert, für Home Assistant übersetzt:

# Anfang Gaszähler
    - name: "Gasverbrauch"
      state_topic: "ttn/v3/elv-lw-esi-xxx@ttn/devices/eui-xxxxxxxxx/up"
      value_template: "{{ value_json['uplink_message']['decoded_payload']['Energy_Data']['Energy_Counter'][0]}}"
      unit_of_measurement: "m³"
      device_class: "energy"
      state_class: "total_increasing"
      unique_id: elv_lw_esi
      device:
        identifiers: "elvlwesi"
        manufacturer: "ELV"
        name: "ELV Gaszähler"
# Ende Gaszähler
Folgende Anpassungen müssen darin noch vorgenommen werden:

Das state_topic entspricht der Kombination aus dem remote_username der Datei mosquitto.conf und der eui des ELV-LW-ESI in der Übersicht der angelegten Applikation:

Der Screenshot zeigt in der "Application Overview" unter "End Devices" die eui-*** des ELV-LW-ESI
Nach einem Neustart und Datenempfang vom Zähler sollte jetzt beim "Energie" Panel von Home Assistant der Gasverbrauch fertig zur Einrichtung sein: Dazu klickt man oben rechts im Drei Punkte Menü auf "Energiekonfiguration", woraufhin sich die unterschiedlichen Energiearten wie Strom, Gas, Wasser etc. konfigurieren lassen und nach dem Abspeichern in diesem Panel angezeigt werden.

Der Screenshot zeigt in Balkendiagrammen den Energieverbrauch bei Strom und Gas an.
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Recommended purchase: The Light Lens Lab 1.4x viewfinder magnifier

The viewfinder magnifier on the Leica M11M
The viewfinder magnifier on the Leica M11M
As we get older, our eyesight deteriorates, which can be fatal when taking photographs, especially when focusing on manual lenses, as I use on my rangefinder cameras. This applies in particular to focal lengths above 50mm. Now Leica offers correction lenses that can be adjusted to the respective diopter strength. Not bad, but not cheap either, and if your vision changes, you have to buy new ones. So why not a magnifying lens that can be used to magnify the viewfinder image and also adjust the diopters flexibly? Of course, Leica was also smart enough to realize this, but at equally professional prices. Fortunately, there are the Chinese, or more precisely, the people at Light Lens Lab, who have been reproducing lens classics such as the 1966 Noctilux from Leica, whose patents have expired, in excellent quality for a few years now. And a magnifying glass that can be screwed onto the viewfinder of various M Leicas - a thread adapter is included - with 1.4x magnification and +3/-3 diopter compensation. As with the lenses, the material used here is brass, which is painted black to match the cameras, which are also painted black and, like the cameras, will develop a beautiful patina over the years and with wear. It also comes with another rubber protector that can be put over the eyepiece to protect plastic glasses, for example, which are softer than brass and could easily scratch. Fits and tested on my M11M, the M-P (240) and the analog MP. For just €122.95, it's a no-brainer, to which €9 or so in import duties are added. By way of comparison, Leica charges €275.00 for its viewfinder magnifier and €60 for the adapter ring, which has to be purchased separately. However, to my knowledge, the Leica original does not have a diopter adjustment.

Of course, you always have to decide for yourself what suits you. Another aspect of the Light Lens Lab optics that should not be neglected is the price, which in the case of the original mentioned above, if it is still available in acceptable quality, is only a tenth of the Leica price for the Light Lens Lab replica of the Leica price: depending on the version - aluminum body black paint: €1856, brass body chrome/black paint: €2134 or titanium body grey: €2320 (excluding import duties).

This makes you wonder, even though Leica has been manufacturing the Noctilux again for a few years and sells it for €7,390.00, but not with the "classic" invoice from 1966 or the imitated glass types, etc. Various reputable tests, such as those by Ed Schwartzreich or Richard Clompus, confirm that the LLL 1966 also has the mechanical and optical quality mentioned above, which is produced in hand-made individual production.

In my opinion, the main arguments against buying are the fact that copies will of course not have the same resale value as the original classic or the current model. In addition, there is no European distributor, which means that you have to become an importer yourself. Likewise, the claim of any guarantees is of course problematic insofar as you have to send the lens to China yourself. In any case, the customs office is happy to charge up to 19% in import sales tax and other customs fees. If that doesn't bother you, you will receive your ordered treasure in just under 14 days via a trackable DHL shipment. The same logistics company also collects the import costs due plus "expenses", so that you usually don't have to go to the customs office in person.

Personally, I can only speak for the viewfinder, which has been doing its job "to my complete satisfaction" for a few days now: focusing with 90mm or 135mm lenses is much easier, and for wide-angle to normal focal lengths, the pupil distance should be taken into account for people wearing glasses: it is possible that not all viewfinder frames are recognizable.

I have a little goodie for you: If you order something from Light Lens Lab via this link, you will receive a 5% discount.

While in my short report from May 6 this year I still said that I still had to save up a bit to buy the 1966, I can now report that I was lucky enough to get hold of another lens. I imported it myself directly from China, and I was lucky because the customs didn't take much interest in the package. ;-)

Anyway, a report on the 1966 will be online soon. Stay tuned.

Transparency: I purchased the viewfinder magnifier and the 1966 at my own expense. I do not receive any money from Light Lens Lab (LLL) for the review. Some of the links in this post are affiliate links. If you buy one of the linked products, you will be supporting me. The product itself will not cost you any more than usual. Thank you very much for that.


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