Der Deutsche Buchhandlungspreis wird jährlich an über einhundert Buchhandlungen verliehen. Welche Buchhandlung mit dem Preis gewürdigt wird, entscheidet eine jährlich wechselnde Jury von Fachleuten aus der Buchbranche nach Durchsicht der Bewerbungsunterlagen. Die Abzeichnung der Nominiertenliste durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) war bisher reine Formsache. Wie die Süddeutsche Zeitung am 03.03.2026 berichtete, hat dieses Jahr der BKM drei der nominierten Buchhandlungen von der Liste gestrichen mit der Begründung, es lägen „verfassungsschutzrechtliche Erkenntnisse“ über sie vor. Der BKM griff mit dem sog. Haber-Verfahren in eine Entscheidung einer unabhängigen Jury ohne belastbare Begründung ein.
Die von diesem Eingriff betroffenen drei linken Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) gehen nun gerichtlich gegen die Streichung von der Preisliste vor. Mit den Rechtsanwält:innen Lea Voigt (Bremen), Sven Adam (Göttingen), Dr. Jasper Prigge und Sophie Hartmann (Düsseldorf) sowie mit Unterstüzung des Gegenrechtsschutzes von FragDenStaat und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) setzen sich die Buchhandlungen auch gegen das rechtsstaatlich fragwürdige sog. Haber-Verfahren und die verdeckte Einflussnahme durch den Verfassungsschutz zur Wehr.
„Die drei Buchläden wurden von einer sachverständigen Jury für den Preis bestimmt weil sie ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Sie haben den Preis verdient und wir bereiten daher Klagen gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Vergabe des Preises wie von der Jury gewollt vor.“ formulieren die Anwält*innen der Buchläden das Ziel der anstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen. „Daneben besteht ein grundrechtlich geschütztes Interesse zu erfahren, wer genau wann und warum auf die Preisvergabe diesen bislang beispiellosen Einfluss genommen hat. Es werden daher auch Verfahren auf vollständige Auskunft über die Abläufe und über die vermeintlich vorliegenden Informationen nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und dem Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG) geführt. Auch das sog. Haber-Verfahren wird gerichtlich überprüft werden.“ so die Bevollmächtigten weiter. Die Klagen werden Anfang der kommenden Woche erhoben.
SharePic zu den ProtestenAm 7. März 2026 mobilisiert „Baden-Württemberg steht auf“ nach Stuttgart. Die Abspaltung der Gruppe „Gemeinsam für Deutschland“ die uns bereits vom Naziaufmarsch am 22. März 2025 bekannt ist, ist ein Sammelbecken für Rechte und Verschwörungstheoretiker aller Art. Deutschlandfahnen, rassistische und antisemitische Parolen inklusive. Bisherige Veranstaltungen in Pforzheim und Reutlingen haben gezeigt, dass sie problemlos auch mit organisierten Nazis auf die Straße gehen. In der Vergangenheit haben sich unter anderem die AfD, die rechte Scheingewerkschaft „Zentrum“ und die faschistische Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) den „Protesten“ angeschlossen.
Besonders hervorzuheben ist, dass der Aufmarsch auf dem Marienplatz stattfinden soll, mit anschließendem Demozug durch die Stadt. Der Marienplatz ist vor allem im Sommer ein bunter, offener Ort, an dem wir alle gerne Zeit verbringen. Ob in den anliegenden Restaurants und Cafés, beim Markt, bei vielfältigen Veranstaltungen oder einfach mit selbst mitgebrachten
Getränken – der Marienplatz und seine schöne Atmosphäre wird von uns allen gestaltet. Er ist unser Platz! Rechte haben dort nichts zu suchen!2021 hat OB Nopper mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit einen Regenbogen auf den Marienplatz gemalt: Ein Zeichen gegen eine Querdenken-Demo, die von der Stadt massiv unterschätzt wurde und dementsprechend völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Und ein Zeichen, dass Stuttgart „weltoffen, tolerant, liberal und verantwortungsbewusst“ 1 sei.
Gelernt wurde daraus offensichtlich weder von Nopper noch vom Ordnungsamt. Denn von diesen Werten ist bei „Baden-Württemberg steht auf“ nichts zu finden. Dass die Gruppe nun dennoch einen Aufmarsch auf dem Marienplatz anmelden kann, lässt vermuten, dass es unserem OB bei der Aktion wohl mehr um Bilder für die Presse, als um tatsächliche Haltung ging.
Deswegen muss diese eben von uns kommen! Lasst uns am 07. März gemeinsam auf die Straße gehen und die rechten Hetzer:innen daran hindern, ihre nach Stuttgart zu tragen. Achtet auf weitere Ankündigungen bezüglich unseres Treffpunkts und der Uhrzeit. Wir sehen uns auf der Straße.
Wann: Sa. 07.03.2026 12:00 Uhr Wo: Marienplatz, Marienplatz, Stuttgart
SharePic zur Veranstaltung19. März 2026, 19.30 Uhr LIVE im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22 UND per Streaming (s.u.!)
3. Februar 2026: Wieder wie vor zwei Jahren vor Pylos fanden Geflüchtete den Tod durch Aktionen der Küstenwache. Damals vor Pylos ertranken mehr als 600 Geflüchtete beim Versuch des Abschleppes durch das Küstenwachenboot. Vor Chios starben die Geflüchteten bei einer Kollison mit einem Küstenwachenboot
Am 9. Juni 2023 startete der Fischkutter „Adriana“ mit mehreren Hundert Menschen an Bord. Am 13. Juni innerhalb der griechischen Such- und Rettungszone wurde das Boot manövrierunfähig. Die griechische Küstenwache rettete sie nicht, sondern beobachtete sie 15 Stunden lang. Auch die Europäische Agentur für Grenzschutz, Frontex, war von Anfang an informiert. Dann, 80 km vor Pylos, versuchte ein Schiff der griechischen Küstenwache, das Boot mit einem Seil in Richtung Italien zu schleppen, anstatt die Menschen von Bord zu holen. Mehrere Handelsschiffe in der Nähe hatten hierzu ihre Hilfe angeboten.
Das Manöver ging schief. Der Fischkutter geriet infolge des Abschleppversuches bei ruhiger See ins Schaukeln und sank. Ca. 100 Menschen konnten gerettet werden, mehr als 600 weitere ertranken.
Die griechische Regierung versuchte von Anfang an, die Verantwortung der Küstenwache für das Unglück zu vertuschen. Mittlerweile wird aber gegen 21 Mitarbeiter der Küstenwache u.a. wegen Aussetzung Hilfsbedürftiger und fahrlässiger Tötung ermittelt. Dazu gehören sowohl der damalige als auch der amtierende Chef der Küstenwache.
Der Fall „Pylos“ zeigt eindrucksvoll, mit welcher kriminellen Energie EU-Behörden bei der für alternativlos erklärten Migrationsabwehr vorzugehen bereit sind. Der Tod von Hunderten von Menschen wurde dabei billigend in Kauf genommen.
Eleni Spathana ist Rechtsanwältin bei der NGO „Refugee Support Aegean“ und vertritt als Nebenklagevertreterin Überlebende des Unglücks von Pylos. Sie wird von dem laufenden Verfahren berichten. Tareq Alaows, der flüchtlingspolitische Sprecher von „Pro Asyl“ wird über die aktuellen Entwicklungen in Europa informieren.
Der Eintritt ist frei – eine kleine Spende wird erbeten
Die Beiträge der Veranstaltungen erfolgen in griechischer Sprache mit Übersetzung ins Deutsche.
Eine Veranstaltung des Bündnisses Griechenlandsolidarität Berlin, attac Berlin, Regenbogenfabrik und SoliOli
Unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung
Dies ist der erste Teil der Veranstaltungsreihe Griechenland – Fassade und Wirklichkeit
Mehr Informationen zur Kampagne: Bild anklicken.In einem offenen Brief fordern 18 Organisationen und 6 Dachverbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Umwelt, Kirche und Gewerkschaft mit zusammen über einer halben Million Mitgliedern Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf, das Rekrutierungsalter für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf 18 Jahre anzuheben und Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu beenden. Der Minister könnte dies sofort durch eine Dienstanweisung umsetzen.
„Im Jahr 2025 hat die Bundeswehr 3.131 Jungen und Mädchen im Alter von 17 Jahren als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert - das ist ein trauriger neuer Höchstwert und ein Anstieg um 42% gegenüber dem Vorjahr, jeder achte neueingestellte Soldat war minderjährig. Damit ist die Bundeswehr eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit“, sagt Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes, Sprecher vom Bündnis Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr. Nur wenige Armeen weltweit rekrutieren überhaupt noch Minderjährige, über 150 Länder halten den sogenannten Straight18-Standard ein und rekrutieren nur Volljährige als Soldatinnen und Soldaten.
„Die von der Bundeswehr rekrutierten Jungen und Mädchen kommen direkt von der Schule, wo strenge Kindesschutzregeln gelten, sie dürfen als Minderjährige nicht selbst Auto fahren und keine Computer-Schießspiele spielen“, so Willinger. „Als Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten durchlaufen sie dann aber zusammen mit Erwachsenen ein hartes militärisches Kampftraining an der Waffe, sie fahren Panzer und müssen in Übungen und Kampfsimulatoren virtuell Menschen töten. Dabei werden weder das Jugendschutzgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Kinderrechtskonvention, die ILO-Konvention 182 noch andere wichtige Schutzregeln eingehalten. Jedes Jahr werden viele von ihnen Opfer sexueller Gewalt, erleiden Unfälle und erkranken psychisch, wie Regierungszahlen belegen. Auch unter den Opfern sexueller Gewalt in einer Bundeswehrkaserne in Zweibrücken, wo aktuell gegen 55 Soldaten ermittelt wird, war mindestens eine minderjährige Soldatin.“
„Wer wie die Bundesregierung Respekt für Soldatinnen und Soldaten einfordert, muss vor allem die Kinderrechte und Regeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen respektieren“, sagt Martina Schmerr von der GEW, Sprecherin von Unter 18 Nie. „Wir als Bildungsgewerkschaft kritisieren scharf, dass immer mehr Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, sogenannte Jugendoffiziere und Karriereberater, an Schulen geschickt werden und dort Schülerinnen und Schüler beeinflussen. Schulen müssen ein geschützter Raum zum Lernen sein, kein Rekrutierungsfeld für Soldaten. Die Werbeoffensive der Bundeswehr an Schulen besorgt und verärgert auch viele Eltern, Lehrkräfte und Schüler und Schülerinnen.“
Hintergrund: Kinderrechtsverletzungen, internationale Kritik und negatives Vorbild
Daten des Verteidigungsministeriums belegen, dass minderjährige Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr regelmäßig Opfer von sexueller Gewalt (in 2023: 15), Unfällen (in 2023: 35) und psychischer Erkrankungen werden. Deutschland wird für die Rekrutierung Minderjähriger als Soldatinnen und Soldaten vom Kinderrechteausschuss der Vereinten Nationen und vielen Staaten wie dem NATO-Land Schweden im UN-Menschenrechtsrat kritisiert. Die große Mehrheit, über 150 Länder weltweit (darunter 24 NATO-Länder), halten den 18-Jahre-Standard der Vereinten Nationen ein. Die Rekrutierung unter 18-Jähriger als Soldat:innen ist international geächtet und wird nur noch von wenigen Ländern praktiziert. Kindersoldat:innen sind nach der Definition der Vereinten Nationen in den Pariser Prinzipien, die auch Deutschland unterschrieben hat, alle minderjährigen Mitglieder von Armeen oder bewaffneten Gruppen, egal in welcher Funktion oder Rolle. Armeen und bewaffnete Gruppen in anderen Ländern, die noch Kindersoldat:innen rekrutieren, rechtfertigen dies mit Verweis darauf, dass Deutschland dies auch tut – statt die internationale Ächtung der Rekrutierung von Jugendlichen unter 18 Jahren als Soldat:innen zu stärken, untergräbt sie Deutschland und wirkt als negatives Vorbild.
Anstelle einer zentralen Gedenkfeier gab es in Hanau dieses Jahr kleinere Veranstaltungen, u.a. am Tatort Heumarkt und bei einem Trauermarsch des Hanauer Jugendbündnisses.
Unsere Botschaft zum sechsten Jahrestag ist klar: Erinnern heißt verändern. Erinnern heißt handeln. Erinnern heißt kämpfen. Erinnern heißt, zusammenzukommen und aufeinander achtzugeben.
Darum rufen wir dazu auf, am 19. Februar gemeinsam zu erinnern und SAY THEIR NAMES überall sichtbar zu machen. Laut. Sichtbar. Solidarisch. SAY THEIR NAMES. Immer. Überall.
In Berlin beteiligten sich rund 2.000 Menschen an einer Demonstration in Berlin-Wedding für Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen und Widerstand.
„Sechs Jahre sind vergangen, nach dem rassistischen Attentat in Hanau – 6 Jahre ohne Aufarbeitung, Konsequenzen oder Gerechtigkeit. Doch die Bedrohung kommt nicht nur von Tätern wie in Hanau, sondern sie trägt Uniform. (…) 2025 wurden mindestens 16 Menschen von der Polizei erschossen. Repression nach innen und Aufrüstung nach außen ist hier das Motto. Während wir gegen Kriege auf die Straße gehen, bauen sie unsere Straßen in Vorbereitung auf Krieg um. Der Staat tötet uns auf den Straßen, in den Knästen und bald auch an der Front. Genau deshalb gehen wir auch sechs Jahre nach Hanau zum antirassistischen Kampftag wieder auf die Straße!“
2024 - (Les femmes dans la Révolution française, 92 Minuten)
Der Dokumentarfilm zeigt das ganze Räderwerk der Französischen Revolution mitsamt der bisherigen Leerstelle: dem politischen Engagement der Frauen. Frauen waren in der Französischen Revolution treibende Kräfte des Wandels. Sie beteiligten sich an allen wichtigen Ereignissen der revolutionären Bewegung und erhoben neuartige Forderungen bezüglich eines egalitären Geschlechterkonzepts.
So führte Reine Audu am 5. Oktober 1789, nur wenige Wochen nach dem Sturm auf die Bastille, nen bewaffneten Zug Pariser Marktfrauen beim Marsch auf das Schloss Versailles an.
Der Dokumentarfilm zeigt einige sehr unterschiedliche Frauenpersönlichkeiten dieser Umbruchszeit: die idealistische Dramatikerin Olympe de Gouges, die 1791 die feministisch-revolutionäre „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ verfasste, die belgische Amazone Thèroigne de Mèricourt, die aristokratische Journalistin Louise de Kèralio, politisch aktive Schokoladenhändlerin Pauline Lèon, Schauspielerin Claire Lacombe, die zornige Marktfrau Reine Audu, die Soldatin a.D. Catherine Pochetat.
Während der französischen Revolution spielten Frauen eine wichtige Rolle und schrieben mit ihrem Marsch nach Versailles Weltgeschichte.
combatiente zeigt geschichtsbewußt: revolucion muß sein! filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
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SharePic zum GegenprotestAm 26.02.2026 findet in Filderstadt-Sielmingen eine Podiumsdiskussion im Dietrich-Bonhoeffer(!)-Gymnasium mit dem AfD Kandidaten Felix Schneider statt. Besonders brisant ist das Ganze, da nach unserem letztmaligen Protest die SMV der Schule bereits eine Podiumsdiskussion außerhalb der Schule geplant hat um die AfD nicht einladen zu müssen. Der Rektor und das Lehrer:innen-Kollegium bestehen aber auf einer Veranstaltung in der Schule und so "muss aus Neutralitätsgründen" die AfD mit aufs Podium.
Wir finden das eine ziemliche Schweinerei, trotz klugem Verhalten der SMV eine auswärtige Podiumsdiskussion zu veranstalten, die Schüler:innen zu zwingen Rechtsradikale und Rassisten in die Schule zu lassen!
Also unterstützt unseren Gegenprotest vor Ort an der Schule!
26.02.2026 18:00 Uhr am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Sielmingen.
Auf die schwedische Melodic Death Metal Combo "At the Gates" bin ich genauer aufmerksam geworden, als ich gespannt hatte, daß diese sich mit ihrem Album „To Drink From The Night Itself“ vom Buch „Die Ästhetik des Widerstands“ des deutsch-schwedischen Schriftstellers Peter Weiss inspirieren ließen. Das ist ein immerhin tausendseitiger Mammutroman über den Widerstand der europäischen Arbeiterbewegung gegen den Faschismus. Wie der Titel des Anfang April 2026 erscheinenden Albums "The Ghost Of A Future Dead" schon andeutet, waren die Albumaufnahmen, an dem bereits seit zwei Jahren gearbeitet wurde, bereits von der Krebserkrankung des Sängers Tompa Lindberg überschattet, der im September 2025 daran starb. Die Band verkündet dazu: "Dieses Album ist Tomas' Vermächtnis." Die erste Auskoppelung "The Fever Mask" ging nun online.
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Jedes Jahr zum 13. Februar kommen Neonazis und Neurechte aus ganz Deutschland und Europa nach Dresden, um den Opfern der Bombardierung von Dresden 1945 zu gedenken. Sie verdrehen historische Fakten und verbreiten den Mythos, Deutsche seien im Zweiten Weltkrieg die eigentlichen Opfer gewesen. Antifaschistische Proteste und Blockaden konnten in den letzten Jahren schon mehrmals dem Nazigedenken Grenzen setzen, in diesem Jahr gelang es aufgrund des massiven Polizeiaufgebotes und der weiträumig abgesperrten Route nur wenigen Gegendemonstrant*innen auf der Route des rechten Aufmarsches Platz zu nehmen.
2026 beteiligten sich deutlich weniger Personen am „Trauermarsch“ als im Vorjahr. Parallel fand in Budapest der sog. „Tag der Ehre“ mit Beteiligung deutscher Neonazis statt.
„Täter-Opfer-Umkehr, Relativierung der NS-Verbrechen und rechte Propaganda können wir nicht widerspruchslos den Raum auf Dresdens Straßen einräumen. Wir setzen uns mit unseren Liebsten auf die Straße statt ins Restaurant! Für Blockaden statt Pralinen! Gedenken stören! Nazis blockieren!“
Meine Freunde und ich haben in letzter Zeit alle Albträume.
Wir träumen von Faschismus und Hungersnot, so wie wir früher vielleicht davon geträumt haben, nackt in die Highschool zurückzukehren. Wir träumen von Sturmtruppen, die nicht aus Star Wars stammen, und wir träumen von Tränengas und Waffen.
Um ehrlich zu sein, träume ich schon seit Jahrzehnten von der Apokalypse, und manchmal sind diese Träume sogar halbwegs angenehm.
Aber im Moment? Sind meine Träume düsterer.
Ich habe ein paar Freunde, die mir ihre Träume anvertrauen, und ich fühle mich dadurch geehrt. Das Teilen von Träumen hat etwas Intimes und Verletzliches, und das nicht nur, weil sie das Werk unseres Unterbewusstseins sind. Träume sind das, was unser wacher Verstand zu verdrängen, zu zerstören versucht. Träume sind eine Bedrohung für die Realität, deshalb arbeitet unser Gehirn hart daran, sie in Schach zu halten. Wenn wir einander unsere Träume anvertrauen, bitten wir andere, etwas Wertvolles zu bewahren, etwas, das wir selbst wahrscheinlich bald vergessen werden.
Ein paar Freunde erzählen mir also ihre Träume, und ich kann euch sagen, dass diese Träume immer schlimmer werden.
Ich bin aus Minneapolis zurückgekommen und war nervöser als sonst. Ich fühle mich aktiviert, nicht im Sinne von „jetzt bin ich noch mehr Aktivist”, sondern im Sinne von „Therapiesprache”, womit ich meine, dass mein Nervensystem total durcheinander ist. Um ehrlich zu sein, bin ich beides, aber ich werde mich auf Letzteres konzentrieren.
Ich hab viel Erfahrung mit diesem Aktivismus und bin es nicht gewohnt, mich so roh, so verletzlich zu fühlen. Ich bin es nicht gewohnt zu weinen, wenn Leute beschreiben, was sie gerade durchgemacht haben – zum Guten oder zum Schlechten, ich war immer gut darin, meine Gefühle beiseite zu schieben, um sie später zu sortieren.
Seit ich nach Hause gekommen bin, schlafe ich weniger und ich schlafe mehr, ich bin müde und gereizt, und erst vor ein oder zwei Tagen habe ich es geschafft, meinen überquellenden Posteingang zu durchforsten, um den Leuten zu sagen: „Tut mir leid, dass ihr seit Wochen nichts von mir gehört habt.“
Ich habe schon lange keinen persönlichen Beitrag mehr geschrieben, weil es vielleicht Teil meiner „Aktivierung“ ist, dass ich lieber in sozialen Zentren über Minneapolis berichte oder mit Freunden darüber rede, wie sie mit ihren Nachbarn sprechen werden, als mich mit meinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Ich mache lieber meinen seltsamen Podcast-Job, für den ich manchmal über Partisanen lese und rede, die im Krieg, in dem mein Großvater gekämpft hat, gegen die Nazis gekämpft haben, als mich mit diesem allgegenwärtigen Gefühl des Untergangs auseinanderzusetzen, das mich an den meisten Morgen beim Aufwachen überkommt.
Denn ich hatte kürzlich einen Traum, der mich wirklich erschüttert hat.
Und da ich ein Arschloch bin, setze ich hier die Paywall ein.
Neulich Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich den Leuten sagte, dass ich nicht glaube, dass wir gewinnen werden. Ich hatte einen Traum, in dem ich den Leuten sagte, dass wir dem Untergang geweiht sind.
Wenn du mich kennst, auch nur durch meine Texte, weißt du, wie sehr mich das erschüttert hat. Ich sehe meine Rolle in der Bewegung bewusst als eine Art fatalistische Cheerleaderin: „Es wird hart werden, es wird wehtun, und einige von uns werden vielleicht sterben, aber wir werden wahrscheinlich Erfolg haben, und so zu kämpfen, als ob wir Erfolg haben könnten, ist so oder so das Richtige.“
Ich lüge nicht, wenn ich das den Leuten sage. Das ist der Kern von fast allem, was ich in den letzten Jahren geschrieben habe, weil es der Kern meiner Überzeugung ist.
Wenn ich Gewichte hebe, weiß ich manchmal, wann ich mich noch mehr anstrengen und einen zusätzlichen Energieschub bekommen kann, und manchmal weiß ich, wann ich einfach nicht mehr kann. Wenn meine Muskeln einfach erschöpft sind.
Aber es gibt ein Meme, das mir im Kopf herumspukt:
Übersetzung: "Ich kann nicht ins Fitnessstudio gehen, weil alle meine anarchistischen Freunde rüberkommen, während ich Gewichte stemme, und mir beim Heben helfen. Bald sind wir zu 20, die 500-Pfund-Wiederholungen mit derselben Langhantel machen, und sie hören nicht auf, John Henry zu singen."
Und ja, so wird man im Fitnessstudio nicht wirklich stark, aber zu wissen, dass ich Freunde habe, die mir mit den Gewichten helfen können, ist eine der beiden Lektionen, auf die ich zurückgreife, wenn mein Hoffnungsmuskel versagt.
Die andere Lektion kommt aus einem anderen Teil der anarchistischen Welt. Ich bin kein Nihilist, nicht wirklich, aber es liegt eine Schönheit und eine Stärke in dem, was uns der anarchistische Nihilismus lehrt: Es lohnt sich zu kämpfen, unabhängig davon, ob wir daran glauben, dass wir gewinnen können oder nicht.
Nun, ehrlich gesagt, ist das sowieso Teil meiner eigenen Philosophie. Als Rohan Gondor zu Hilfe eilte, als die Rohirrim den versammelten Armeen Mordors auf den Pelennor-Feldern gegenüberstanden, kamen sie nicht, weil sie dachten, sie würden gewinnen. Sie ritten in das, was sie leicht als ihr Verderben ansehen konnten, weil sie an Solidarität glaubten. Sie zogen in den Kampf für Menschen, die nicht einmal für sie gekämpft hatten.
Ich bin ehrlich, mir gefällt die Filmversion der Rede, die König Théoden kurz vor dem Angriff hält, besser. Diese Version der Rede endet mit: „Reitet jetzt! Reitet jetzt! Reitet! Reitet in den Untergang und das Ende der Welt! Tod! Tod! Tod!“
Aber das kommt davon, wenn man seine Hoffnung von einem Anarchisten bezieht, der von „Der Herr der Ringe“ besessen ist.
Als die Ents nach Isengart marschieren, eine kleine Gruppe lebender Bäume gegen die nicht gerade subtile Metapher für Industrialisierung und Abholzung, singen sie ein Lied, das in den Büchern besser ist. Sie singen:
Auch wenn Isengart von Mauern umgeben und mit Steintoren verschlossen ist Auch wenn Isengart stark und hart ist, kalt wie Stein und kahl wie Knochen Wir ziehen, wir ziehen, wir ziehen in den Krieg, um den Stein zu spalten und die Tür zu brechen Denn Stamm und Äste brennen jetzt, der Ofen brüllt – wir ziehen in den Krieg! In das Land der Finsternis mit dem Stampfen des Untergangs, mit Trommelwirbeln kommen wir, wir kommen Nach Isengart mit dem Untergang kommen wir! Mit dem Untergang kommen wir, mit dem Untergang kommen wir!
Denn Stämme und Äste brennen jetzt.
Das ist es, woran ich mich festhalte, wenn meine eigene Hoffnung mich im Stich lässt. Ich halte mich an anderen fest, und ich halte mich an der düsteren und schönen Erkenntnis fest, dass schlechte Zeiten unvermeidlich sind und wir ihnen nur mit Mut und Überzeugung begegnen können. In das Land der Finsternis mit dem Stampfen des Untergangs, mit dem Rollern der Trommeln kommen wir, wir kommen. Mit dem Untergang kommen wir.
Und wir werden Träume haben, und vielleicht werden mehr davon Albträume sein. Neulich Abend jedoch, während ich einen Podcast aufnahm, hatte mein Hund Rintrah einen schönen Traum. Er lag auf der Seite auf dem Teppich und wedelte so fröhlich mit dem Schwanz, dass das Schlagen des Schwanzes vom Mikrofon aufgenommen wurde und ich die Aufnahme unterbrechen musste.
Es gibt keinen Sturm mehr am Horizont, denn der Sturm ist da. Der Regen peitscht jeden Tag stärker nieder, und wir wissen nicht, wie schlimm es noch werden wird. Die Wirtschaft bricht zusammen. Der Umweltschutz verschwindet. Das öffentliche Gesundheitswesen wird demontiert. Unsere Nachbarn, unsere Familien und wir selbst werden vom Staat entführt.
Und wir bauen Unterkünfte und bringen Menschen aus dem Regen. Hier bricht die Metapher zusammen, denn man kann einen Sturm nicht bekämpfen, aber man kann den Faschismus bekämpfen. Faschisten bestehen aus dem gleichen weichen Fleisch wie wir alle.
Und mein Hund hatte auch einen schönen Traum, auch wenn ich normalerweise keinen habe.
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