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»Die Flut sagte zum Fischer: Für das Toben meiner Wellen gibt es viele Gründe. Der wichtigste davon ist, dass ich für die Freiheit der Fische und gegen das Netz bin.« Sherko Bekas

8 Jahre Haft – Free Maja Demos in Berlin und anderswo

Das Foto zeigt die unter einer U-Bahn Brücke durchquerende Demo  mit dem Fronttransparent mit dem Text "Free Maja - gegen Faschismus & Repression" darüber eine Fahne mit dem Text "Free all Antifas" und zwei aneinandergeketten Handen, die die Kette zerreißen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Am 4. Februar 2026 wurde die Antifaschist*in Maja in Ungarn zu acht Jahren Haft verurteilt. Aus Protest demonstrierten am Abend in Berlin bis zu 1.000 Menschen. Auch in Hamburg, Dresden, Erfurt, Freiburg, Nürnberg, Kiel und Potsdam gab es spontane Solidemos auf den Straßen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Maja wurde vorgeworfen in Budapest zum Tag der Ehre Neonazis angegriffen und verletzt zu haben. Statt Beweisen konnte die Staatsanwaltschaft nur Indizien vortragen. Maja wurde 2024 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion illegal von Deutschland nach Ungarn ausgeliefert und sitzt seitdem dort als non-binäre Person unter menschenunwürdigen Zuständen in einem Männerknast in Isolationshaft. Nach dem Urteil gehen sowohl Majas Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft in Berufung.
Antifaschismus ist die notwendige Selbstverteidigung demokratischer Gesellschaften gegen das Totalitäre, das Autoritäre, gegen Vernichtung und Verachtung. Nicht nur in der Anklage, immer wieder wurde jedoch auch über den Prozess hinaus die emanzipatorische, antifaschistische Lehre, wie sie uns nach Krieg, Faschismus und Kolonialismus blieb, als Terror dargestellt. In mir sehnt sich nichts nach Gewalt. Da ist kein Wunsch, zu verletzen oder zu töten, ja mein Verstand sträubt sich dagegen. Ich will weder Tyrann*in noch Held*in sein.

(Kein letztes Wort – Majas Rede zum Prozessende)



Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links

Vortrag zur Anarcho-syndikalistischen Jugend Stuttgart

Das Foto zeigt die Veranstaltung aus Sicht der hinteren Reihe
Gut besuchte Veranstaltung mit Martin Veith
Am 24. Januar kamen rund 40 Leute ins Stadteilzentrum Gasparitsch, um Martin Veith zu hören – von 17 bis 70 war alles dabei. Veith war selbst bei der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) aktiv und hat mit „Eine Revolution für die Anarchie" ein Buch über die Geschichte der Gruppe geschrieben.

Die ASJ existierte von 1990 bis 1993 im Großraum Stuttgart und stand der FAU nahe. Als syndikalistische Jugendorganisation setzte sie auf Selbstorganisation und direkte Aktion – also darauf, Verbesserungen nicht über Parteien oder große Apparate zu erreichen, sondern durch eigenes Handeln am Arbeitsplatz und im Alltag. Die Gruppe beteiligte sich an 1.-Mai-Demonstrationen, Kampagnen und Aktionen in der Stadt.

Die frühen 90er waren auch eine Zeit, in der Neonazis massiv auf den Straßen präsent waren – Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen sind nur die bekanntesten Beispiele für die rassistische Gewalt dieser Jahre. In Stuttgart und Umgebung stellte sich die ASJ diesem Problem entgegen und engagierte sich antifaschistisch.

Der Abend war ein schönes Wiedersehen für viele Ehemalige aus der syndikalistischen Bewegung – und gleichzeitig ein guter Austausch zwischen den Generationen. Danke an Martin Veith und das Institut für Syndikalismusforschung!

Quelle: FAU Stuttgart

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Malcolm“ - Leben, Kampf, Ideen eines Revolutionärs

Der Flyer zum Film zeigt neben einem Foto von MalcolmX die Angaben zum Filmabend aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film
Leben und Tod des Black-Muslim Kämpfers, vom Gangster, Knast, Erweckung bis zur Ermordung.

"Die schwarze Revolution ist Teil eines weltweiten Kampfes" - Malcolm X, 1964

Filmbiografie von Spike Lee, 1992 unter anderem mit Denzel Washington und Angela Bassett
195 Minuten Laufzeit

Sonntag, 22. Februar 2026, 19 Uhr

combatiente zeigt geschichtsbewußt:
revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + Us samariterstraße + S frankfurter allee

Eine Kritik der Strategie der Massenmobilisierung

Das Foto zeigt Menschenmassen auf einer Straße, im mittleren Hintergrund eine brennende Barrikade
Szene während der Proteste
Quelle: Ersha Iran
In der Literatur zu sozialen Bewegungen geht es bei der Strategie der Massenmobilisierung um eine Reihe von Strategien, die auf riesigen Versammlungen, massiver physischer Präsenz und symbolisch-materiellem Druck der Bevölkerung basieren, um die politische Ordnung zu knacken. Bei dieser Strategie wird die Ansammlung von Menschen mit der Ansammlung von Macht gleichgesetzt, und man geht davon aus, dass die Unterdrückungskräfte angesichts einer sehr großen Menschenmenge machtlos oder zögerlich werden.

Diese Annahmen werden aber mittlerweile stark kritisiert. Es ist klar, dass eine große Menschenmenge eine symbolische Funktion haben kann, um die Moral der Demonstranten zu stärken, aber eine große Menschenmenge bedeutet nicht automatisch mehr Macht. Politische Macht braucht eine effektive und flexible Organisation und Struktur, Taktiken und Strategien; eine große Menschenmenge lässt sich nicht so einfach lenken, und die Umstände können unerwartete und unkontrollierbare Auswirkungen auf sie haben.

Da diese Taktik mit minimaler Ordnung funktioniert und sich auf die Anzahl der Menschen sowie kollektive Emotionen und Gedanken stützt, können selbst kleine Störungen (informativ, kommunikativ, physisch-psychologisch usw.) einen Dominoeffekt auslösen, den Zusammenhalt zerstören und letztendlich zum Scheitern der gesamten Taktik führen. Andererseits teilen viele Menschen kein klares gemeinsames Ziel, keine einheitliche Vorstellung vom nächsten Schritt und keine gleiche Risikobereitschaft.

In Krisenzeiten führt diese Heterogenität zu Verwirrung und Uneinigkeit. Aus strategischer Sicht muss eine effektive Kraft in der Lage sein, rechtzeitig die Richtung zu ändern, anzuhalten, voranzukommen und sich zurückzuziehen. Eine Massenbewegung ist jedoch in unterschiedlichem Maße zustimmungsabhängig, die Entscheidungsfindung verläuft langsam, emotionale Reaktionen werden verstärkt, sodass diese Strategie nur eine geringe Flexibilität aufweist und nur einmal angewendet werden kann.

Im Wesentlichen setzt diese Strategie auf einen Höhepunkt und geht davon aus, dass sich alles ändern wird, wenn die Straßen einmal voll sind. Da diese Strategie jedoch an einen bestimmten Zeitrahmen gebunden ist, kann sie nicht unbegrenzt wiederholt werden (ihr Schockeffekt nimmt mit jeder Wiederholung ab) und sie verträgt keinen Stress, da die Mobilisierung der Menschen jedes Mal schwieriger wird als zuvor und sie schnell nachlässt, wenn sie verschoben oder gestoppt wird. In der Praxis kommt es, wenn dieser Höhepunkt nicht eintritt, zu einer starken psychologischen Erosion und zu physischen menschlichen Kosten, denn die Kosten für die Niederschlagung einer Massenmobilisierungstaktik sind viel höher als die Kosten für das Scheitern kleinerer Proteste und können zur Erschöpfung der Fähigkeit zum kollektiven Handeln führen. All dies, während die derzeitigen Regierungen bereit sind, diesen bestimmten Moment zu kontrollieren, basierend auf den Erfahrungen mit Revolutionen und klassischen Bewegungen.

Eine weitere falsche Annahme in Bezug auf den Höhepunkt ist, dass die Kräfte der Unterdrückung angesichts einer großen Menschenmenge den Willen der Mehrheit verstehen und sich den Reihen des Volkes anschließen werden. Aber die Kräfte der Unterdrückung, insbesondere in unserem Land Iran, wo jetzt alles klar und transparent ist, sind sich des Willens der Mehrheit des Volkes voll bewusst und müssen ihn nicht offen auf den Straßen sehen, um daran zu glauben. Unser Volk kann diesen gierigen und inkompetenten Militärs, denen es an den grundlegenden menschlichen Werten des Denkens und Fühlens mangelt, nichts versprechen, was über ihre aktuellen Interessen hinausgeht. Deshalb werden sie auf keinen Fall zu dem Schluss kommen, dass es in ihrem besten Interesse ist, sich mit dem Volk zusammenzuschließen. Die meisten von ihnen haben auch das Blut der Menschen an ihren Händen und sehen für sich selbst keinen Weg zurück. Tatsächlich sind die Militärs selbst der Hauptfeind unseres Volkes, und wir müssen planen, organisieren und daran arbeiten, sie zu besiegen. Wir können das Militär nicht bitten, dabei zu helfen, Politiker zu stürzen, weil die Militärklasse selbst, wie eine Mafia-Sicherheitsbande, die gesamte politische und wirtschaftliche Macht innehat.

Es sollte auch beachtet werden, dass die Konzentration der Bevölkerung das Risiko von menschlichen Opfern erhöht, besonders wenn wir es mit einer Regierung zu tun haben, die keine Skrupel hat, Massenmord zu begehen. Unter solchen Umständen bedeutet die Einladung von einer Million Menschen zu einer Massenprotestaktion, Entscheidungen über das Leben und die Sicherheit einer großen Anzahl von Menschen zu treffen, ohne die Folgen vollständig kontrollieren zu können. Bei dieser Strategie werden Individuen auf eine Masse von Menschen und eine Zahl reduziert. Aus dieser Perspektive kann die Strategie der Massenmobilisierung als gleichwertig mit der veralteten und unmoralischen Kriegsstrategie der „menschlichen Welle” angesehen werden, bei der Menschenleben als Werkzeug benutzt werden, indem sie entwertet werden. Es ist erwähnenswert, dass die freiwillige und enthusiastische Beteiligung von Einzelpersonen an der Umsetzung dieser Strategie ihre moralische Belastung nicht verringert, da im Iran-Irak-Krieg das iranische Volk offenbar bereitwillig in den Krieg gezogen ist, aber heute werden die Handlungen der Befehlshaber dieses Krieges verurteilt.

Quelle: A Critique of the Mass Mobilization Strategy, 23. Januar 2026

Anmerkungen: Dieser Beitrag ist ein Repost einer Übersetzung eines persischsprachigen Tweets von Daikatuo. Diese Kritik wird von post-linken Anarchisten auf der Grundlage ihrer Erfahrungen in anderen sozialen Bewegungen geäußert.

Übersetzung: Thomas Trueten, mit Dank an G.R.K. für die Information.


Persisches Original:


از دایرکت، از ایران. «نقد استراتژی میدان میلیونی در ادبیات جنبش‌های اجتماعی، استراتژی میدان میلیونی اصطلاحا به خانواده‌ای از راهبردها اطلاق می‌شود که بر تجمع عظیم، حضور فیزیکی انبوه و فشار نمادین-مادی جمعیت برای فروپاشی نظم سیاسی متکی‌اند. در این استراتژی انباشت جمعیت معادل انباشت قدرت دانسته می‌شود و گمان بر این است که نیروی سرکوب در برابر توده‌ی بسیار بزرگ مردم ناتوان یا مردد می‌شود. اما امروزه این پیش‌فرض‌ها محل نقدهای جدی هستند. قابل انکار نیست که انبوه جمعیت می‌تواند کارکردی نمادین در افزایش روحیه‌ی معترضان داشته باشد، اما جمعیت زیاد لزوما به قدرت بیشتر منجر نمی‌شود. قدرت سیاسی نیازمند سازمان و ساختار، تاکتیک و استراتژی‌پردازی مؤثر و منعطف است؛ در حالی که با جمعیتِ زیاد نمی‌توان مانور داد و شرایط محیطی می‌توانند تأثيرات غیرمنتظره و غیرقابل کنترلی روی جمعیت داشته باشد. از آنجا که این تاکتیک با نظم حداقلی و با تکیه بر عدد افراد و احساسات و افکار جمعی کار می‌کند، حتی اختلال‌های کوچک (اطلاعاتی، ارتباطی، جسمی-روانی،...) می‌توانند اثر آبشاری ایجاد کنند، انسجام را بشکنند و در نهایت کل تاکتیک را از کار بیاندازند. و از طرف دیگر، تعدادِ زیادِ افراد غالبا هدف مشترک دقیق، تصور یکسان از حرکت بعدی و سطح ریسک‌پذیری یکسان ندارند و در لحظه‌ی بحران، این ناهمگنی به سردرگمی و واگرایی منجر می‌شود. از منظر استراتژیک، یک نیروی مؤثر باید بتواند جهت عوض کند، متوقف شود و به موقع پیشروی و عقب‌نشینی کند. اما جمعیت میلیونی فرمان‌پذیری ناهمگن دارد، انتقال تصمیم در آن کند است، واکنش‌های احساسی در آن تقویت می‌شود و در نتیجه، این راهبرد انعطاف‌پذیری پایینی دارد و بیشتر یک‌بارمصرف است. اساسا این راهبرد روی یک لحظه‌ی اوج حساب می‌کند و گمان می‌کند اگر یک‌بار خیابان پر شود، همه‌چیز تغییر می‌کند، اما از آنجا که این استراتژی به یک بازه‌ی زمانی خاص وابسته است، قابل تکرار نامحدود نیست (اثر شوک آن با تکرار کاهش می‌یابد) و تحمل کش‌دار شدن را ندارد چرا که هربار بسیج مردم سخت‌تر از قبل می‌شود، در صورت تعویق یا توقف، به سرعت افول می‌کند. در عمل اگر آن لحظه‌ی اوج به نتیجه نرسد، فرسایش روانی و آسیب جانی شدیدی ایجاد می‌شود چرا که هزینه‌ی شکست یک میدان میلیونی، از شکست اعتراضات کوچک‌تر بسیار بیشتر است و می‌تواند به تخلیه‌ی توان کنش جمعی منجر شود. و تمام این‌ها در حالی است که حکومت‌های امروزی بنابر تجربه‌ی انقلاب‌ها و جنبش‌های کلاسیک برای کنترل آن لحظه‌ی خاص آماده شده‌اند. پیش‌فرض نادرست دیگر در رابطه با لحظه‌ی اوج این است که گمان می‌شود نیروهای سرکوب در مواجهه با انبوه جمعیت متوجه خواست اکثریت شده و به صفوف مردم می‌پیوندند. اما نیروهای سرکوب، خصوصا در کشور ما که دیگر همه‌چیز در آن واضح و شفاف است، کاملا بر خواست اکثریت مردم واقف هستند و لازم نیست آن را علنا در خیابان ببینند تا باور کنند. مردم ما نمی‌توانند به این نظامیان مفت‌خور و بی‌کفایت که از حداقل‌های انسانی اندیشه و احساس بی‌بهره‌اند، وعده‌ای بدهند که از منافع فعلیشان پیشی بگیرد. بنابراین تحت هیچ شرایطی به این نتیجه‌گیری نخواهند رسید که همراهی با مردم، به نفع آن‌ها خواهد بود. اغلب آن‌ها نیز دستشان به خون مردم آلوده است و راه برگشتی برای خود نمی‌بینند. در واقع دشمن اصلی مردم ما، خود نظامی‌ها هستند و باید برای شکست خود آن‌ها برنامه‌ریزی، سازمان‌یابی و تلاش کرد. ما نمی‌توانیم از نظامی‌ها برای پایین کشیدن سیاست‌مداران کمک بخواهیم، چرا که اساسا خود طبقه‌ی نظامیان شبیه به یک گنگ مافیایی-امنیتی کل قدرت سیاسی و اقتصادی را در دست دارد. همچنین باید توجه داشت تمرکز جمعیت ریسک تلفات انسانی را بالا می‌برد، خصوصا زمانی که با حکومتی مواجه هستیم که هیچ ابایی از کشتار جمعی ندارد. در چنین شرایطی دعوت به میدان میلیونی یعنی تصمیم‌گیری درباره‌ی جان و امنیت انبوهی از افراد، بدون امکان کنترل کامل پیامدها. در این استراتژی افراد به جِرم جمعیت و عدد فروکاسته می‌شوند، از این منظر می‌توان استراتژی جمعیت میلیونی را معادل استراتژی جنگی منسوخ و غیراخلاقی «موج انسانی» دانست که با بی‌ارزش دانستن جان انسان‌ها، از آن‌ها استفاده‌ی ابزاری می‌کند. شایان ذکر است حضور داوطلبانه و مشتاقانه‌ی افراد در پیشبرد این استراتژی، بار اخلاقی آن را کاهش نمی‌دهد، همانطور که در جنگ ایران و عراق، مردم ایران ظاهرا با میل و رغبت به میدان می‌رفتند اما امروزه عملکرد فرماندهان آن جنگ، محکوم می‌شود. (ادامه دارد)



Abschiebungen in Konfliktregionen stoppen!

Das Bild zeigt eine Silhouette einer Gruppe Menschend mit Fluchtgepäck hinter einem Stacheldrahtzaun. Im Hintergrund eine Weltkugel.
(Bild von Rosy, Pixabay)
In einem gemeinsamen Statement werfen PRO ASYL, medico international und das Migrationsforschungsnetzwerk kritnet der Bundesregierung vor, ihre Abschiebepolitik über den Schutz von Menschenleben zu stellen und dabei auch noch eigene Aufnahmezusagen zu missachten – trotz Krieg, Terror und massiver Menschenrechtsverletzungen in zahlreichen Herkunftsländern.

„Wer Menschen in Länder abschiebt, in denen Krieg, Terror und massive Unterdrückung herrschen, nimmt schwere Menschenrechtsverletzungen billigend in Kauf. Diese Abschiebung-um-jeden-Preis-Politik wird immer radikaler und gefährdet immer mehr Menschenleben“, erklärt Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL.

In dem heute veröffentlichten Statement kritisieren PRO ASYL, medico international und kritnet die Abschiebungen in Kriegs- und Krisengebiete wie Syrien, Afghanistan und den Iran sowie die Tatsache, dass auch Jesid*innen in den Irak abgeschoben werden – trotz Massaker, prekärer Sicherheitslage und schwersten Menschenrechtsverletzungen.

In Syrien greifen Truppen der sogenannten Übergangsregierung mit islamistischen Milizen (HTS) die kurdische Selbstverwaltung an, begleitet von Morden, Leichenschändungen und grausamen Hinrichtungen. Nach dem erzwungenen Rückzug der kurdischen SDF wurden Gefängnisse geöffnet, in denen Mitglieder der Terrormiliz „Islamischer Staat“ saßen: Radikalisierte Kämpfer kamen frei. Diese Gewalt erinnert an frühere HTS-Massaker an Drus*innen und Alawit*innen im vergangenen Jahr.

Zugleich verhandelt der deutsche Bundeskanzler mit dem ehemaligen HTS-Führer und heutigen Übergangspräsidenten al-Scharaa über Abschiebedeals – statt die Menschenrechte zu verteidigen. Das ist ein menschenrechtlicher Bankrott.

Im Iran wurden vermutlich allein an zwei Protesttagen bis zu 30.000 Menschen ermordet, Tausende weitere kommen hinzu. Zwar haben einige Bundesländer angesichts dieser Nachrichten bereits einen Abschiebestopp erlassen (wie Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Saarland und Nordrhein-Westfalen), jedoch längst nicht alle. Was es braucht, ist ein umfassender bundesweiter Abschiebestopp in den Iran.

Der Genozid an Jesid*innen im Irak wurde vom Deutschen Bundestag vor drei Jahren parteiübergreifend anerkannt, doch diese Solidarität bleibt folgenlos, solange sie sich nicht im tatsächlichen Schutz von Jesid*innen in Deutschland widerspiegelt – denn allein im ersten Halbjahr 2025 wurden 328 Menschen, darunter auch Jesid:innen, in den Irak abgeschoben.

Die Bundesregierung schiebt aber nicht nur in gefährliche Länder ab, sie bricht auch eigene Aufnahmezusagen, die sie besonders gefährdeten Schutzsuchenden aus Afghanistan gegeben hat – und bringt damit diese Schutzsuchenden, darunter Ortskräfte und besonders gefährdete Menschenrechtsverteidiger*innen, in konkrete Lebensgefahr.

PRO ASYL fordert gemeinsam mit medico international und dem Migrationsforschungsnetzwerk kritnet:

• Keine Abschiebungen nach Syrien, Afghanistan und in den Iran sowie keine Abschiebungen von Jesid*innen in den Irak
• Keine Deals mit gewalttätigen Milizen und autoritären Regimen
• Die Bundesregierung muss ihre Aufnahmezusagen einhalten und die gefährdeten Menschen aus Afghanistan unverzüglich nach Deutschland einreisen lassen

Das vollständige Statement ist online abrufbar.
Quelle: Pressemitteilung 29.1.2026

Reise in die USA? NoWay!

Das Foto zeigt die Schuhe einer Person, die vor einem auf dem Boden gesprayten "Willkommen" Graffiti steht.
Foto: Jon Tyson auf Unsplash
Wir wussten, dass dies kommen würde, aber jetzt läuft die Uhr. Von Privacy International:

„Gestern hat die Trump-Regierung eine vorgeschlagene Änderung der Politik für Reisende in die USA angekündigt. Sie betrifft die Befugnisse der Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) zur Datenerhebung.“

„Wenn die vorgeschlagenen Änderungen nach der 60-tägigen Konsultationsphase angenommen werden, werden Millionen von Reisenden in die USA gezwungen sein, eine mobile App der US-Regierung zu nutzen und ihre Social-Media-Aktivitäten der letzten fünf Jahre sowie ihre E-Mail-Adressen der letzten zehn Jahre, einschließlich derjenigen von Familienmitgliedern, offenzulegen. Außerdem wird die Erfassung von DNA vorgeschlagen.“

Privacy International verlinkte auf einen Eintrag im Federal Register, in dem die vorgeschlagenen Anforderungen beschrieben werden, und fasste diesen zusammen:

• Alle Besucher müssen „ihre Social-Media-Aktivitäten der letzten 5 Jahre“ einreichen.
• ESTA-Anträge (Electronic System for Travel Authorization) werden „hochwertige Datenfelder“ enthalten, „sofern dies möglich ist“.
• „Telefonnummern, die in den letzten fünf Jahren verwendet wurden“
• „E-Mail-Adressen, die in den letzten zehn Jahren verwendet wurden“
• „In den letzten fünf Jahren verwendete Telefonnummern von Familienangehörigen (sic)“.
• Biometrische Daten – Gesicht, Fingerabdruck, DNA und Iris.
• In den letzten fünf Jahren verwendete geschäftliche Telefonnummern.
• In den letzten zehn Jahren verwendete geschäftliche E-Mail-Adressen.

Der Eintrag im Bundesregister besagt, dass Kommentare erwünscht sind und (spätestens bis zum 9. Februar 2026) eingereicht werden müssen, um berücksichtigt zu werden.

Danke an Quaewpos für das Teilen des Beitrages von Brian Krebs.

Übersetzung / Bearbeitung: Thomas Trueten

Unsere Nachbarn in Minneapolis oder: Was ich gesehen habe, als ich dort war

Beamte der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und der Grenzpolizei auf der Nicollet Avenue am 24. Januar 2026. Das war nach dem Tod von Alex Pretti, einem Einwohner von Minneapolis, durch Schüsse. Pretti ist der zweite Tote und dritte Mensch, auf den in diesem Monat in Minneapolis von Bundesbeamten geschossen wurde.
Beamte der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und der Grenzpolizei auf der Nicollet Avenue am 24. Januar 2026. Das war nach dem Tod von Alex Pretti, einem Einwohner von Minneapolis, durch Schüsse. Pretti ist der zweite Tote und dritte Mensch, auf den in diesem Monat in Minneapolis von Bundesbeamten geschossen wurde.

Foto: Chad Davis
Lizenz: CC BY 4.0
Vieles, was du über Minneapolis wissen musst, findest du auf dem George Floyd Square. Schöne Statuen von riesigen Stahlfäusten ragen aus dem Pflaster und werden von den roten, schwarzen und grünen Flaggen des Panafrikanismus gekrönt. Gedenk-Graffitis bedecken jede sichtbare Fläche. Die Bushaltestelle wurde zu einem kostenlosen Laden umfunktioniert, in dem Kleidung für jedermann zum Mitnehmen hängt. Die Stadt plant, den Bereich in eine offizielle Gedenkstätte umzuwandeln, aber das ist er bereits seit Jahren.

Die Menschen erreichen etwas, und die Regierungen bemühen sich, aufzuholen. So ist es überall.

Aber gerade Minneapolis weiß, was es bedeutet, der Toten zu gedenken. Die Stadt weiß, dass man im Gedenken an Menschen und für die Erinnerung an Menschen kämpft.

Ich habe letzte Woche vier Nächte und drei Tage in Minneapolis verbracht, um über die Netzwerke für schnelle Hilfe und gegenseitige Unterstützung zu berichten, an denen anscheinend die ganze Stadt beteiligt ist. Ich habe mich mit meinem Kollegen James Stout (vom Podcast It Could Happen Here) getroffen und war froh, mit einem erfahrenen Konfliktjournalisten zusammenzuarbeiten.

Wir verbrachten unsere wachen Stunden damit, mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen und herauszufinden, wie wir mit der Kälte umgehen sollten. Es war so kalt, dass der Schlüssel meines Trucks in der Tür nicht mehr funktionierte und ich ihn unverschlossen lassen musste. Es war so kalt, dass die brandneue Autobatterie meinen Motor nicht mehr anspringen ließ und wir die Batterie einmal über Nacht hereinholen mussten. Es war so kalt, dass meine Scheibenwischerflüssigkeit bei -20 Grad gefror. Es war so kalt, dass die Hälfte unserer Elektronik nicht funktionierte: James' Audiorecorder und sogar sein Telefon schalteten sich einfach aus.

Aber es war nicht kalt genug, um die Einwohner von Minnesota in ihren Häusern zu halten. Es war nicht so kalt, dass die Menschen nicht zu Zehntausenden oder Hunderttausenden auf die Straße gingen, um an dem Generalstreik teilzunehmen. Es war nicht so kalt, dass die Leute nicht in ihren Pyjamas und Crocs aus ihren Häusern strömten, als sie draußen Unruhe sahen, um zu sehen, ob sie etwas tun konnten, um ihre Gemeinden vor der ICE zu schützen. Es war nicht so kalt, dass die Leute sich nicht gegen etwas gewehrt haben, das einer ausländischen Besetzung durch professionelle Entführer gleichkommt. Ich übertreibe nicht, weder was die Kälte, noch was die Pyjamas oder die Entführer angeht.

Der Kommandant der Grenzpolizei, Greg Bovino, geht am 22. Januar 2026 mit BORTAC-Beamten an einer Speedway-Tankstelle in Minneapolis spazieren.
Der Kommandant der Grenzpolizei, Greg Bovino, geht am 22. Januar 2026 mit BORTAC-Beamten an einer Speedway-Tankstelle in Minneapolis spazieren.

Foto: Chad Davis
Lizenz: CC BY 4.0
Die kürzeste Version dessen, was ich gesehen habe, lautet: Ein paar Tausend Bundesbeamte besetzen gerade Minnesota. Sie sind in Minneapolis, St. Paul, den Vororten und sogar in einigen kleineren Städten. Niemand will sie dort haben – ich habe noch nie eine Gemeinde gesehen, die so vereint ist wie die Menschen in den Twin Cities.

Die ICE ist dort, um schwarze und braune Menschen zu entführen. Sie machen keinen Hehl aus ihrem Rassismus – sogar die örtliche Polizei hat sich beschwert, dass alle ihre nicht-weißen Beamten außerhalb ihres Dienstes von Bundesbeamten schikaniert werden. Maskierte, ungekennzeichnete Männer zerren Menschen einfach aus ihren Autos, werfen sie in unungekennzeichnete SUVs und fahren sie weg, oft um ihre Angehörigen nie wiederzusehen. Die Autos der Menschen bleiben auf der Straße zurück, manchmal noch mit laufendem Motor, manchmal noch im Fahrmodus.

Als Reaktion darauf haben sich viele gefährdete Menschen praktisch selbst unter Verschluss genommen. Es gibt Familien, die ihre Häuser nicht verlassen können. Andere Menschen – Freunde, Familienangehörige und Nachbarn – passen auf sie auf. Die Netzwerke, die sich um sie kümmern, sind mit Abstand die größten, am besten organisierten und erfolgreichsten Netzwerke dieser Art, die ich je gesehen habe, und sie sind völlig dezentralisiert. Es gibt keine zentrale Gruppe oder Organisation, die das organisiert. Es sind einfach nur Menschen. Menschen, die sich organisiert haben.

Dieser Kampf hat zwei Seiten: schnelle Reaktion und gegenseitige Hilfe. Netzwerke für schnelle Reaktionen organisieren sich, um Fahrzeuge und Beamte der Einwanderungsbehörde ICE zu identifizieren und zu verfolgen und Entführungen zu verhindern. Netzwerke für gegenseitige Hilfe organisieren sich, um betroffenen Menschen Essen, medizinische Versorgung, Fahrdienste, Tierarztbesuche, Gesellschaft ... alles, was sie brauchen, zu verschaffen. Das sind zwei getrennte Netzwerke. Die gegenseitige Hilfe ist natürlich geheimnisvoller organisiert, weil sie sich um Leute kümmert, die ihre Häuser nicht verlassen können, ohne entführt zu werden.

Es ist seltsam zu erkennen, dass die Arbeit, die Leute offen machen können, darin besteht, Bundesbeamte zu belästigen, aber die Arbeit, die Leute heimlich machen müssen, darin besteht, Leute zu versorgen.

Teilweise weil es keine zentrale Organisation gibt, ist es schwer, sich ein Bild vom Umfang dieser Netzwerke zu machen, vor allem von den Netzwerken für gegenseitige Hilfe. Mindestens Zehntausende Menschen werden von diesen Netzwerken betreut.

Das Netzwerk für schnelle Hilfe ist etwas sichtbarer. Wenn ein ICE-Fahrzeug gesichtet wird, folgen ihm Leute in Autos, hupen und pfeifen.

Aus der Ferne muss ich zugeben, dass ich skeptisch war, was die Wirksamkeit von Trillerpfeifen und Autohupen angeht. Nach ein paar Tagen vor Ort habe ich keine Zweifel mehr. Ich habe eine Person nach der anderen gefragt: „Funktioniert das?“ Und alle hatten einen traurigen Ausdruck im Gesicht, als sie an jedes Mal dachten, als es ihnen nicht gelungen war, eine Entführung zu verhindern. Aber alle hatten mehrere Entführungen erfolgreich verhindert.

Im Grunde scheinen die ICE-Beamten sich zurückzuziehen, sobald sie in der Unterzahl sind. Sie wissen, dass sie in der Stadt nicht als legitime Strafverfolgungsbehörde wahrgenommen werden, deshalb arbeiten sie schnell und heimlich. Da Entführungen schnell gehen – oft werden Menschen innerhalb von zwei oder drei Minuten verschleppt –, muss die Reaktion genauso schnell sein. Und es funktioniert, denn wenn die Leute Pfeifen und Autohupen hören, schauen sie sich um. Sie kommen aus ihren Häusern.

Es funktioniert, weil jeder weiß, dass das, was passiert, falsch ist, und jeder bereit ist, sein Leben zu riskieren, um Menschen zu schützen.

Immer wieder hat die ICE versucht, jemanden zu entführen, wurde aber von Minnesotanern in Pyjamas und Crocs abgeschreckt. Die ICE wirft Tränengas, sprüht Pfefferspray – und ermordet gelegentlich jemanden – und rennt dann weg.

Es gibt so viele Klischees, um die ich beim Schreiben über all das herumtanzen muss, aber einige sind einfach unvermeidlich. Anti-ICE ist die Seite der Liebe und des Mutes, und ICE ist die Seite des Hasses und der Angst.

Ich blieb in meiner letzten Nacht in der Stadt lange auf und unterhielt mich mit einem Haus voller Queers – die meisten von ihnen Juden – über ihre Erfahrungen in den letzten zwei Monaten. Zwei Leute erzählten mir eine Geschichte, die mir im Gedächtnis bleiben wird. Es ist eine schockierend normale Geschichte.

Der Mord an Renée Good hielt die Leute nicht davon ab, ICE zu beobachten. Am selben Tag, ein paar Stunden später, beobachteten zwei queere Leute an einem anderen Ort in der Stadt ICE von einem Auto auf einem Parkplatz aus. ICE hätte um sie herumgehen können, aber ICE wollte, dass sie sich bewegten. Die beiden Leute im Auto bewegten sich nicht.

Also zerschlug die ICE ihre Fenster und besprühte sie mit Pfefferspray (später prahlten sie damit, dass sie das gute Zeug bei den beiden benutzt hatten). Die ICE fing an, sie zu schlagen.

Sie hielten sich an den Händen.

Die beiden erzählten diese Geschichte auf ihre eigene Weise und hörten einander zu, während sie einen der schlimmsten Tage ihres Lebens noch einmal durchlebten, aber beide erinnerten sich daran, dass sie sich an den Händen gehalten hatten, und verweilten nur kurz bei dieser Erinnerung. Blind von dem Bärenspray, umgeben von Glasscherben, während sie mit Handschuhen bekleidete Fäuste auf sie einschlugen, hielten sie sich fest.

Beide sind Staatsbürger, daher wurden sie nach Stunden ohne medizinische Versorgung, aber voller homophober Beleidigungen, ohne Anklage freigelassen.

Als sie nach Hause kamen, stand ihr Auto dort. Ein anderer Beobachter hatte sich in das mit Pfefferspray und Glasscherben übersäte Auto gesetzt und es nach Hause gefahren. Sie wissen nicht einmal, welcher der Beobachter das für sie getan hat, denn wer auch immer es war, blieb nicht da, um sich bedanken zu lassen. Wahrscheinlich ist derjenige, der ihr Auto gerettet hat, wieder hinausgegangen, um weiter zu helfen.

Ich habe Leute in Minneapolis gefragt, was andere Menschen über ihren Kampf wissen sollten, und eine Person antwortete: Erzählt den Leuten auch von der Schönheit hier. Die schrecklichsten Taten des Staates machen Schlagzeilen – und das aus gutem Grund –, aber das, was hier passiert, hat auch eine ganz besondere Schönheit.

Als ich die Leute fragte, woher all das kommt, war die Antwort nie eine bestimmte Organisation, ein Netzwerk oder eine Koalition. Organisationen, Netzwerke und Koalitionen sind natürlich ein Teil davon. Aber der Kern des Widerstands ist einfach Nachbarschaftshilfe.

Am Freitag des Generalstreiks, dem kältesten Tag in Minnesota seit 2019, sprang mein Truck nicht an. Wir hatten all unsere Sachen gepackt, um zur direkten Aktion zur Schließung der ICE zu fahren, aber mein Motor sprang nicht an. Meine brandneue Batterie hatte nicht genug Kraft, um das kalte Öl in Bewegung zu bringen, nicht einmal mit einer Starthilfe.

Ein Nachbar kam heraus, fast passend für das Wetter gekleidet, um seine Hilfe anzubieten. Er war kein Mechaniker, er sah nur, dass Leute feststeckten und dachte, er sollte nach uns sehen. Er bot uns an, dass wir zumindest in sein Haus gehen könnten, um uns aufzuwärmen.

Drei verschiedene Leute kamen, um uns zu helfen, in zwei verschiedenen Autos. Jemand, den wir am Tag zuvor getroffen hatten, bot uns an, uns ein Auto zu leihen. Ein Mechaniker, den ich noch nie gesehen hatte, kam vorbei, um mit uns die Optionen zu besprechen. Am Ende haben wir mit Handwärmern, einem Föhn und Starthilfekabeln den Truck zum Laufen gebracht.

Wenn es Probleme gibt, die mit Handwärmern gelöst werden können, werden die Leute in Minneapolis sie lösen. Überall, wo wir hinkamen, gab es Leute, die Hand- und Fußwärmer verteilten.

Aber dieser Geist von „Wenn dein Auto wegen der Kälte kaputt ist, werden Fremde dir helfen“ wurde mir von mehreren Leuten als der Geist präsentiert, der den Widerstand gegen ICE belebt. Manche Leute sind in ihren Häusern gefangen, also versuchen andere, ihnen so gut es geht zu helfen, egal ob sie genug Erfahrung haben oder nicht, egal ob sie bereit sind oder nicht.

Ich kann die Dezentralisierung dieser Netzwerke gar nicht genug betonen, und alle, mit denen ich gesprochen habe, sind sich der Grenzen dieser Dezentralisierung voll bewusst und wissen auch, dass nichts davon funktioniert hätte, wenn alles von dieser oder jener Organisation, dieser oder jener gemeinnützigen Einrichtung, dieser oder jener ideologischen Position geleitet worden wäre. (Obwohl die Geschichte der anarchistischen Organisation sicherlich zu den Zutaten gehört, die diesen besonderen Eintopf möglich gemacht haben. Was für eine gute Metapher mir gerade eingefallen ist. Ich bin so gut in meinem Job.)

Sowohl die schnellen Reaktionen als auch die gegenseitige Hilfe sind hyperlokal. Es gibt kein stadtweites Netzwerk, es gibt kaum Netzwerke auf Nachbarschaftsebene. Die Leute organisieren sich mit Leuten aus ihrem eigenen Block oder einer kleinen Handvoll Blöcken. Das wird nicht als Einschränkung gesehen, sondern als Vorteil. Das war einer der wichtigsten Punkte, die ich betonen sollte, wenn ich mit Leuten aus anderen Städten darüber rede, wie man sich organisiert: Dezentralisierung ist eine Stärke und sollte genutzt werden.

Dezentrale Netzwerke sind schwerer zu infiltrieren und schwerer zu zerstören. Diese Bewegung hat keinen Anführer, sondern viele, und es gibt nicht wenige bestimmte Leute, die verhaftet werden könnten, um die Bewegung zu stoppen. Weil sie aus so vielen miteinander verbundenen Netzwerken besteht, wäre die Störung minimal, selbst wenn es einem böswilligen Akteur gelänge, einen einzelnen Teil des Netzwerks zu stören (indem er beispielsweise eine bestimmte Organisationsgruppe mit Kleinigkeiten überhäuft und sie daran hindert, ihre Arbeit zu erledigen). Da das Netzwerk demokratisch ist (nicht in dem Sinne, dass die Beteiligten über Entscheidungen abstimmen, sondern in dem Sinne, dass es von den Menschen, die Teil davon sind, und nicht von einer Avantgarde von Führern geleitet wird), werden die Menschen nur dann angehört, wenn ihre Ideen tatsächlich Anklang finden.

Darüber hinaus sind demokratische Bewegungen von Natur aus für ein breiteres Spektrum von Menschen attraktiver, da die Einzelnen, die sich ihnen anschließen, die Kultur und Taktik dieser Bewegung mitgestalten können. Jemand, der einer Signal-Gruppe beitritt, um über die Aktivitäten der ICE in seiner Nachbarschaft auf dem Laufenden zu bleiben, schließt sich nicht unbedingt dieser oder jener Kultur oder politischen Ideologie an.

Die hyperlokale Natur der "Schnellreaktionsnetzwerke" ist eigentlich eine Anpassung, die sie entwickelt haben. Als die ICE zum ersten Mal auftauchte, führten sie riesige Razzien mit Hunderten von Agenten durch, die Stunden dauerten. Die Leute hatten Zeit, sich zu versammeln, und die Helfer konnten aus einem vergleichsweise großen Gebiet kommen. Die ICE hat schnell gemerkt, dass sie nicht offen agieren kann, und ist zu schnellen Entführungen übergegangen. Jetzt machen sie einfach rassistische Profiling von Leuten auf der Straße (oder scannen Nummernschilder nach Namen) und schnappen sie sich, was manchmal nur 2-3 Minuten dauert. Man muss nur ein paar Blocks entfernt sein, um das zu beobachten oder zu verhindern, also wird die Organisation Block für Block gemacht.

Diese Art der Organisation funktioniert, weil die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Stadt sehr aktiv dagegen ist, dass ihre Nachbarn entführt werden. Es gibt keinen Mangel an Menschen, die bereit sind, ICE anzuschreien.

Da es innerhalb der Organisation gegen ICE keine starre Autorität gibt, bleibt sie für ihre Feinde unberechenbar. Einige Beobachter sind eher bereit, ICE aktiv zu stören als andere. Einige Leute, die ICE verfolgen, tun dies ruhig, andere tun es aggressiv. Die Leute können ihre eigenen Risiken eingehen und ihre eigenen Entscheidungen treffen, was bedeutet, dass die ICE keine einheitlichen Protokolle für den Umgang mit den Beobachtern entwickeln kann.

Ich muss hier wirklich den Aspekt der „Führungskraft” betonen. Es handelt sich nicht um unorganisiertes Chaos und Zufälligkeit. Es handelt sich vielmehr um organisiertes Chaos und Zufälligkeit. Die Leute passen sich ständig den Umständen an und ändern ihre Protokolle und Taktiken von Tag zu Tag, manchmal sogar von Stunde zu Stunde. Ich habe noch nie eine so agile Organisation dieser Größe gesehen.

Mehr als eine Person sagte mir: Was man über den Aufbau von "Schnellreaktionsnetzwerken" wissen muss, ist, dass sie dezentralisiert sein müssen. Sie müssen die Autonomie ihrer Teilnehmer maximieren. Sie müssen „leaderful” sein. Nichts davon funktioniert von oben nach unten.

Als ich fragte, woher diese Bewegung kam, warum Minneapolis so gut in der Lage zu sein schien, seine Bevölkerung zu schützen, wiesen alle, mit denen ich sprach, auf unterschiedliche Ursachen hin, obwohl keiner behauptete, die einzige Ursache zu kennen.

Ein Organisator der American Indian Movement (AIM), der in dieser Bewegung aufgewachsen ist, erzählte von den Gemeindepatrouillen, die indigene Menschen Ende der 60er Jahre organisiert hatten, und davor von der Solidarität zwischen den schwarzen Gemeinden im Norden von Minneapolis und den indigenen Gemeinden im Süden von Minneapolis.

Ein anderer Organisator aus dem Stadtteil Powderhorn erzählte mir von der Kunstszene in dieser Gegend, insbesondere von den Mayday-Paraden, die seit Mitte der 70er Jahre jedes Jahr stattfinden. „Die Leute kommen einfach zum Powderhorn Park und basteln Puppen“, wurde mir gesagt. Die Parade ist selbst organisiert, selbst geleitet und legendär.

Andere erzählten mir von Potlucks und Barbecues. Letztes Jahr, mit der zunehmenden Krise des Faschismus, begannen mehr Menschen, Veranstaltungen für ihre Nachbarn zu organisieren, einfach um sich kennenzulernen.

Eine Person nach der anderen sprach auch über den George-Floyd-Aufstand von 2020 und über die Community-Netzwerke, die die Menschen damals aufgebaut hatten. Es ist nicht so, dass die Menschen Netzwerke aufgebaut und diese super aktiv gehalten haben, aber Verbindungen können jahrelang ruhen und dann wieder aufleben. (Wie Samen? Sprechen wir hier von Wurzeln oder Samen? Ich bin so gut in Metaphern.)

Im Gegensatz zu dem, was alle Apokalypse-Filme erzählen, kommen Menschen in Krisenzeiten zusammen. Denk mal daran, wie es ist, auf den Bus zu warten. In manchen Kulturen reden Fremde nicht miteinander, sodass man vielleicht in gedrängter Stille auf den Bus wartet. Aber sobald der Bus fünf Minuten zu spät kommt, sind alle Freunde oder tauschen zumindest Informationen und/oder Snacks aus.

Heutzutage halten die Leute, die auf den Bus warten, natürlich auch Ausschau nach den Besatzungstruppen.

Während einige Verbindungen zwischen Nachbarn und Gemeinden tief verwurzelt sind, sind die meisten Verbindungen in den letzten Monaten (und insbesondere in den letzten Wochen) entstanden, als sich die Krise verschärfte. Menschen, die früher ein Dutzend Nachbarn kannten, kennen jetzt Hunderte von ihnen.

Der andere Ursprung dieser Bewegung sind natürlich die Bewegungen, die die Menschen bereits an anderen Orten ins Leben gerufen haben, um sich gegen die ICE zu wehren. Wir lernen alle voneinander. Vielleicht hat alles mit Leuten aus Chicago angefangen, die nach Norden gereist sind, um den Leuten den Umgang mit Trillerpfeifen beizubringen.

Manchmal lehne ich mich einfach zurück und denke nach, wirklich nach, über die Tatsache, dass es Trillerpfeifen, Autohupen und Menschenmengen gegen die moderne Gestapo sind, und bevor ich Minneapolis besucht habe, konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass das funktionieren könnte.

Aber es funktioniert. Es funktioniert, weil Leute in Pyjamas und Crocs um sieben Uhr morgens Faschisten anschreien und dafür Pfefferspray ins Gesicht bekommen und es einfach Tag für Tag weitermachen.

Es funktioniert, und ich glaube, wir werden gewinnen, und es wird chaotisch und unangenehm werden. Aber während die ICE in Minneapolis beschäftigt ist, kann sie anderswo nicht so viel Druck ausüben.

Letzten Freitag war der Generalstreik.

Das Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt der Protestdemo
Zehntausende demonstrieren beim Generalstreik in der Innenstadt von Minneapolis gegen die Einwanderungsbehörde ICE

Trotz einer gefühlten Temperatur von etwa -30 °F haben laut den Organisatoren 50.000 Leute an einer der größten, wenn nicht sogar der größten Demo in der Geschichte Minnesotas in Minneapolis teilgenommen.
Die Demonstranten fordern Gerechtigkeit für den Tod von Renée Good und wollen, dass die Bundesbeamten, die das tägliche Leben in Minnesota durcheinandergebracht haben, abgezogen werden.

Foto: Chad Davis
Lizenz: CC BY 4.0
Normalerweise lautet das Motto eines Generalstreiks „kein Business as usual”. Aber Business as usual ist in Minneapolis schon seit Monaten fast unmöglich. Die Familien, die sich verstecken, die Familien, die versorgt werden, sind nicht und waren nie nur „Lasten für die Gesellschaft”, wie die Rechte sie gerne darstellt. Sie sind für das Funktionieren der Stadt unverzichtbar, und die Wirtschaft von Minneapolis wurde durch die Präsenz der ICE völlig ruiniert. Vor allem die Gastronomie und der Lebensmittelvertrieb sind stark betroffen. Ich habe mit jemandem gesprochen, der für ein völlig unpolitisches Lebensmittelvertriebsunternehmen arbeitet, das sich dem Generalstreik angeschlossen hat, weil es genauso verzweifelt wie alle anderen ist, die Menschen wieder an die Arbeit zu bringen und Lebensmittel in die Stadt und um sie herum zu transportieren.

Es ist ein Beweis für die dezentrale Organisation in der Stadt, dass die Leute, mit denen ich gesprochen habe, zwar in der gegenseitigen Hilfe und schnellen Hilfe aktiv sind, aber nicht die Organisatoren des Generalstreiks waren. Aber ein Streik ist von Natur aus führungslos, weil er von Menschen getragen wird, die ihre Arbeit verweigern. Selbst in den wenigen Tagen, die wir dort waren, schlossen sich immer mehr Unternehmen dem Streikaufruf an, auch weil ihre Mitarbeiter sowieso nicht zur Arbeit kommen würden.

In einigen Social-Media-Beiträgen heißt es, dies sei der erste Generalstreik in den USA seit 80 Jahren (ich nehme an, damit ist der Generalstreik von Oakland im Jahr 1946 gemeint), aber ich bin nicht so alt, wie du vielleicht denkst, und dies ist mein zweiter Generalstreik – in Oakland gab es am 2. November 2011 während der Occupy-Proteste einen weiteren, der ungefähr diesen Umfang hatte.

Aber letzten Freitag strömten Zehntausende oder sogar Hunderttausende von Menschen an dem kältesten Tag des Jahres (ich bin noch immer nicht fertig damit, mich darüber zu beschweren, wie kalt es war. Daran erkennt man, dass ich kein Minnesotaner bin) in die Innenstadt, um gegen die ICE zu demonstrieren.

Am frühen Morgen versuchten einige Hundert Menschen, das Hauptquartier der ICE in der Nähe des Flughafens zu belagern. Seit ICE in die Stadt gekommen ist, waren fast jeden Tag Demonstranten da, und wieder mal sind die Leute, die diese speziellen Proteste organisieren, andere Leute mit anderen Unterstützernetzwerken als die anderen Gruppen, die andere Sachen machen.

Um neun Uhr morgens tauchten also Hunderte von Leuten mit Transparenten, Schildern, Schilden, Barrikaden und Soundsystemen auf. James und ich kamen wegen der schon erwähnten Autopanne zu spät. Aber keine Sorge, wir kamen rechtzeitig, um von der Bezirkspolizei umzingelt zu werden und die uns mitteilte, dass wir verhaftet würden, wenn wir uns nicht zerstreuten, ohne uns klar zu sagen, wie wir das tun sollten. Die Polizisten sagten uns, wir sollten nach Osten zu einer bestimmten Straße gehen, die so unbedeutend war, dass niemand in unserer Umgebung jemals von ihr gehört hatte.

Stattdessen fuhren wir mit der Stadtbahn weg. Ein weiteres Argument für ein robustes öffentliches Verkehrssystem.

Bevor wir losfuhren, sahen wir, wie die Polizei drei Leute festnahm, die sich ihnen mit erhobenen Armen genähert hatten, vermutlich nur, um zu fragen, was sie tun sollten.

In der Zwischenzeit waren Hunderte von Geistlichen aus dem ganzen Land in Minneapolis angekommen, um zu protestieren und zivilen Ungehorsam zu leisten, um gegen die ICE und die Abschiebung zu protestieren. Wir waren damit beschäftigt, von Polizisten an anderer Stelle eingekesselt zu werden, sodass wir ihre Aktion nicht mitbekamen.

Einige der bekanntesten Verhaftungen in den Twin Cities betrafen Leute, die von der Trump-Regierung beschuldigt wurden, antireligiös und antichristlich zu sein, weil sie vor einer Kirche protestiert hatten. Aber auf den Schildern an allen Kirchen, die ich in der Stadt gesehen habe, stand „Anti-ICE“ und „Pro-Inklusion“. Die überwiegende Mehrheit der Verhaftungen während des Generalstreiks betraf Geistliche. Viele der Leute, mit denen ich die meiste Zeit verbracht habe, waren praktizierende Juden. Fromme Muslime versorgten uns mit Sambusas, während wir mit den Leuten sprachen, die eine somalische Kindertagesstätte beschützten. Der AIM-Organisator sprach vom Schöpfer.

Die Faschisten, die sich hinter Kreuzen verstecken, sprechen nicht einmal für das Christentum, geschweige denn für Religion, Spiritualität oder das Göttliche.

An unserem letzten Abend in der Stadt waren wir zu Gast in einem Haus voller queerer Juden, die uns eine Geschichte nach der anderen erzählten. Zwei Dinge, die sie sagten, sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Jeder vergleicht Trump und die modernen Faschisten mit den berühmtesten Faschisten, den Nazis. Das ist eigentlich kein leichtfertiger Vergleich, sondern ein nüchterner Blick auf die Geschichte und auf unsere mögliche Zukunft als Land. Viele der Menschen, mit denen wir gesprochen haben, hatten Familienmitglieder, die das Nazi-Regime überlebt haben – und Familienmitglieder, die es nicht überlebt haben –, und sie werden diese Vergleiche nicht leichtfertig anstellen.

Einer unserer Freunde beschrieb, wie es sich anfühlte, auf ein verlassenes Auto mitten auf der Straße zu stoßen und herauszufinden, wem es gehörte. Das war eine Aufgabe, die sie fast täglich erledigten. Sie mussten das Handschuhfach und die Mittelkonsole durchsuchen, nach Papieren oder Notizen suchen, um herauszufinden, wessen Leben gerade ruiniert oder beendet worden war. Sie hatten das Gefühl, Geistern auf der Spur zu sein. Sie fühlten sich wie im Deutschland der 1930er Jahre.

Ein anderer Freund erzählte uns die Geschichten, mit denen er aufgewachsen war. Seine Familie hatte sich jahrelang in Deutschland versteckt, bevor sie 1937 floh. Er war mit der wiederholten Aussage aufgewachsen, dass seine Nachbarn ihnen nicht geholfen hatten. Dass die Familie bis zu ihrer Flucht allein gewesen war.

Die Person, die mir das erzählte, bekam während des Gesprächs einen Kloß im Hals, und ich fing an zu weinen, während ich zuhörte. Sie sagte mir, dass diesmal, wenn sie irgendetwas daran ändern könnten, die untergetauchten Familien wissen würden, dass sie nicht allein waren. Dass ihre Nachbarn zu ihnen standen.

Unausgesprochen, aber in den Gesichtern der Menschen im Raum geschrieben, stand die Tatsache, dass Nachbarn, Fremde, füreinander sterben würden. Renée Good hatte es bereits getan.


Nicollet Avenue, 24. Januar 2026, wo Alex Pretti morgens von ICE-Beamten erschossen wurde. Das ist die zweite Person, die diesen Monat in Minneapolis von Bundesbeamten getötet wurde, und die dritte Person, auf die sie geschossen haben.
Nicollet Avenue, 24. Januar 2026, wo Alex Pretti morgens von ICE-Beamten erschossen wurde. Das ist die zweite Person, die diesen Monat in Minneapolis von Bundesbeamten getötet wurde, und die dritte Person, auf die sie geschossen haben.
Foto: Chad Davis
Lizenz: CC BY 4.0
Am nächsten Morgen um 9:05 Uhr wurde Alex Pretti von maskierten Bundesbeamten entwaffnet und dann auf offener Straße hingerichtet. Seine letzte Tat war der Versuch, jemandem zu helfen.

In meiner letzten Nacht in der Stadt habe ich nicht viel geschlafen. James und ich nahmen Podcasts auf, weil das unser Job ist, der Job, für den wir hierher geschickt worden waren, und dann schlief ich ein wenig und wachte auf und fuhr ihn zum Flughafen, nachdem wir die Autobatterie wieder in meinen Truck eingebaut hatten – denn es war wieder so verdammt kalt, dass wir sie über Nacht ins Haus holen mussten, um dann vor Sonnenaufgang aufzuwachen und an winzigen Schrauben in meinem Motorraum herumzufummeln.

Ein Wintersturm zog auf. Rekordschneefall. Wenn du irgendwo in der östlichen Hälfte der USA bist, hast du ihn vielleicht mitbekommen oder zumindest den eisigen Rand davon. Von meinem Wohnort aus sind es eigentlich zwei Tage Fahrt nach Minneapolis und zurück, aber wieder einmal musste ich es in einem Tag schaffen, weil ich dem Sturm zuvorkommen musste. Ich würde irgendwo eingeschneit werden, und ich wollte, dass es bei denen war, die ich liebe.

Ich war zwei Stunden unterwegs, als ich hörte, dass die ICE an diesem Morgen jemanden getötet hatte. Ich fuhr von der Autobahn ab und weinte auf dem Parkplatz einer verlassenen Tankstelle.

Nach etwa fünfundvierzig Minuten der Selbstreflexion und des Nachfragens bei Freunden beschloss ich, weiterzufahren. So sehr ich Minneapolis auch liebe, es ist nicht meine Stadt, und ich kenne sie nicht gut genug, um mich in einer Notsituation ohne Hilfe zurechtzufinden. Die Leute hatten sich Zeit genommen, weg von ihrer anderen Arbeit, ihrer lebensrettenden Arbeit, um mir in der Krise, die die Stadt erfasst hatte, beizustehen, damit ich nach Hause fahren und den Leuten erzählen konnte, was ich gesehen hatte. Es kam mir egoistisch vor, umzukehren. Es kam mir egoistisch vor, nach Hause zu fahren. Es kommt mir sogar selbstsüchtig vor, dir zu erzählen, wie hin- und hergerissen ich war.

Ich verbrachte die nächsten zwölf Stunden damit, so schnell wie möglich zu fahren, während der Sturm mir auf den Fersen war. Ich fuhr dem Schnee voraus und hielt dann an, um zu tanken oder auf die Toilette zu gehen, nur um mich wieder im Sturm wiederzufinden. Das passierte dreimal, und ich möchte nicht, dass dies symbolisch oder metaphorisch ist. Ich möchte, dass es Zufall ist.

Aber die Sache ist die: Was in Minneapolis passiert, passiert auch anderswo, und das schon seit einiger Zeit. Menschen werden entführt und verschwinden. Menschen sterben in Haft und Menschen sterben auf der Straße. Die Polizei tötet Menschen, die Einwanderungsbehörde tötet Menschen.

Und mindestens genauso wichtig ist, dass Menschen versuchen, das zu stoppen. Und das sind nicht nur ein paar hartnäckige Aktivisten oder nur die Familien der am stärksten betroffenen Menschen.

Was funktioniert, um den Faschismus zu stoppen, zeigen uns die Twin Cities: Wenn alle sich engagieren. Wenn sich alle gestärkt fühlen, auch wenn es nur darum geht, eine Pfeife zu blasen, zu hupen oder in Pantoffeln im Schnee zu schreien. Wenn alle verstehen, dass die Arbeit, die Welt besser zu machen, darin besteht, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Wenn alle verstehen, dass wir alle Nachbarn sind.

Ich habe Leute vor Ort gebeten, mir Infos darüber zu geben, wo man spenden kann, um zu helfen. Ich teile nur Spendenaktionen, für die ich mich persönlich verbürgen kann und die von Leuten organisiert werden, die ich kenne und denen ich vertraue.

Mietunterstützung für Nachbarn in Phillips

Mietunterstützung für Nachbarn in Central

Mietunterstützung für Nachbarn in Powderhorn

Materialien für politische Kunst

Schutzausrüstung für Rechtsbeobachter

Windeln und Menstruationsartikel

Abolish Ice Shirts (das Shirt, das ich gerade trage, während ich dies tippe)

Northstar Front Line Street Medics

Twin Cities Swoletariat Bail Fund (Venmo und CashApp)

Quelle: Margaret Killjoy, Our Neighbors in Minneapolis or: What I Saw While I Was There, 26. Januar 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Kölner CDU-Parteizentrale zum Tag der Befreiung von Kobane besetzt

15 Aktivist*innen des Bündnisses RiseUp4Rojava haben heute um 14.30 die CDU-Parteizentrale in Köln
besetzt, um auf ein Handeln im Bezug auf die Angriffe in Nord-Ost-Syrien und Rojava zu drängen! Heute vor 11 Jahren wurde die Stadt Kobane im Norden Syriens durch die Selbstverteidigungseinheiten vom sogenannten Islamischen Staat befreit -jetzt wird Kobane wieder massiv angegriffen.

Die Errungenschaften der Frauenrevolution sowie das Leben in einer basisdemokratischen Selbstverwaltung stehen auf dem Spiel. Seit Anfang des Jahres werden durch dschihadistische Milizen, geeint unter dem Kriegsverbrecher und aktuellem selbsternannten Präsident Al-Scharaa, Menschen ermordet, vertrieben und insbesondere die Rechte von Frauen abgeschafft. In den neu besetzten Gebieten werden IS-Kämpfer aus Gefängnissen befreit, Menschen verschleppt und die Schariah ist das neue herrschende Gesetz.

In Rojava werden den Kämpferinnen der Selbstverwaltung die Zöpfe von Dhihadisten abgeschnitten. Wir sagen: Friedrich Merz schneidet mit! Denn die CDU und ihr Kanzler schweigen zu den aktuellen Geschehnissen und wollen sogar den Kriegsverbrecher al-Sharaa in Deutschland hofieren.

Seit Wochen demonstrieren weltweit, auch in ganz Deutschland, zigtausende Menschen. Dies findet jedoch von Medien und Regierung kaum Gehör! Denn das voranginge Ziel von Parteien wie der CDU ist es, Menschen nach Syrien abzuschieben – völlig egal ob dort Tod, Unterdrückung und Vertreibung herrschen.

Die Aktivist*innen fordern:
1. Militärische Angriffe sofort stoppen – Schutz der Bevölkerung garantieren: Solange Massaker passieren, muss das Recht auf Selbstverteidigung gelten.

2. Keine Deals mit islamistischen Übergangsstrukturen. Die islamistische „Übergangsregierung“ darf weder finanziell noch politisch legitimiert werden.

3. Die demokratische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien (DAANES) muss politisch anerkannt werden.

4. Frauenrevolution sichtbar machen & schützen: Die Erfolge der Frauenbewegung in Rojava -Gleichberechtigung, Selbstverwaltung, Schutz vor Gewalt – brauchen internationale Aufmerksamkeit und Schutz.

Biji rojava – Biji Berxwedana Kobanê!

Quelle: Pressemitteilung


153. Netzpolitischer Abend: Re:Banking: Rote Hilfe

Das Sharepic zum 153. netzpolitischen AbendIm Dezember wurde der Roten Hilfe e.V. (RH) und Anderen die Konten gekündigt. Gegen die Sparkasse konnte die RH im Eilverfahren erstinstanzlich erfolgreich klagen und die GLS steht unter Druck und sollte sich als soziale Bank hinter eine antifaschistischen Zivilgesellschaft stellen. Das Debanking hat über Weihnachten Hunderte aktiviert ein Netzwerk zu bauen und auch den 39c3 geprägt.  Der Bundesvorstand der Roten Hilfe wirft einen Blick zurück und schaut mit uns in eine Zukunft, in der Resilienz gegen Repression und Faschismus entscheidend wird.

Quelle und weitere Themen: 153. Netzpolitischer Abend – Digitale Gesellschaft


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