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»Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.« Kurt Tucholsky

GEAS - Reform: "Ab dann werden viele Rechte für Schutzsuchende und Migrant*innen nicht mehr gelten."

Start der Demonstration vom Europaplatz Weil am Rhein. Es sind jede Menge verpixelte Menschen zu sehen, mehrere davon hinter dem Frottransparent mit dem Text "Solidarité sans frontière"
Dreiländerdemonstration 18. APRIL 2026 in Basel, weil am Rhein und Huningue
Heute am 12. Juni 2026 tritt die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Damit wird ein politischer Transformationsprozess fortgeführt, im Zuge dessen eine autoritäre, rassistische und undemokratische Politik in Europa implementiert wird. Ab dann werden viele Rechte für Schutzsuchende und Migrant*innen nicht mehr gelten. Konservative in Europa übernehmen nun Positionen von Rechtsextremisten.

Mit dem GEAS werden vor allem die Asyl- und Gerichtsverfahrensrechte von Geflüchteten und damit die Rechtsprechung, die Gerichte und letztlich die Rechtsstaatlichkeit selbst intensiv angegriffen. So wird der Zugang zu Gerichtsverfahren unmöglich gemacht, erschwert und Fristen werden verkürzt. Geflüchtete Menschen können nach dem GEAS schneller und länger inhaftiert werden.

Auf sozialer und rechtlicher Ebene wird eine feindliche Umgebung für Geflüchtete geschaffen. Dabei handelt es sich um eine Politik des „Aushungerns“, d. h. von Leistungskürzungen und Leistungsausschlüssen. Mit der Umsetzung von GEAS wird die Politik der feindlichen Umgebung für geflüchtete Menschen u. a. in Form von geschlossenen Lagern an den Außengrenzen sowie mit sogenannten Sekundärmigrationszentren weiterverfolgt.

Grenzen stellen stets einen Bruch mit der Verwirklichung der universellen Menschenrechte dar. Sie sind ein überholtes politisches Konstrukt des Nationalstaates. Zwar hat sich der Staat auf vielen Ebenen internationalisiert, jedoch kaum in der sozialen Frage. Der Nationalstaat ist heute selbst das größte Hindernis bei der Lösung umfassender weltweiter Probleme.

Dagegen positionieren wir uns als Aktion Bleiberecht im Dreiländernetzwerks „Solidarité sans frontière“ gemeinsam mit all den solidarischen Projekten und Initiativen. Wir rufen alle demokratischen Kräfte in der Dreiländerregion dazu auf, sich einzumischen, wo immer es möglich ist und sich unserem Protest anzuschließen.

Seit 2015 kommt es zu einer verstärkten Militarisierung der EU-Außengrenzen und zu einer Aufrüstung der Polizei. Mit einer Non-Arrival-Politik soll verhindert werden, dass Geflüchtete den europäischen Kontinent erreichen und ein Asylverfahren durchlaufen. Dazu dient auch die Kriminalisierung von Geflüchteten und der solidarischen Flüchtlingsarbeit. Seit 2018 beobachten wir eine Zunahme von Gewalt, Rechtsverstößen und rechtswidrigen Zurückweisungen an den Grenzen, sogar an den EU-Binnengrenzen. Allein an der französisch-italienischen und der französisch-spanischen Grenze sind seit 2015 mindestens 73 Geflüchtete gestorben. Mittlerweile befinden sich an 15,5 Prozent (2008 Kilometer) der europäischen Landesgrenzen Stacheldrahtzäune und Grenztechnologien. Bei der Jahrhundertwende waren es noch 1,7 %.

Im Jahr 2025 stellten, gemessen an der Gesamtbevölkerung in Europa 0,148 Prozent Menschen einen Asylerstantrag. Die sogenannten irregulären Einreisen („Fake Illegals“) lagen 2025 bei 0,02 Prozent der Gesamteinreisen nach Europa. Die Gesamtkosten für „Migrations- und Grenzmangement“ beliefen im Jahr 2025 rund 2,5 % des Gesamt EU-Haushalts. Für andere Zwecke wurden 97,5 Prozent ausgegeben. Trotz dieses Verhältnisses steht das Thema Migration immer wieder im Zentrum einer einseitig geführten autoritären politischen Debatte. Diese Debatten dienen nachweislich einem Ziel: dem Abbau der Demokratie in Europa. Dieser Prozess wird nicht bei Geflüchteten haltmachen.

Diese Politik hat die Diskussion im Bereich der Migration längst verlassen und erreicht nun auch andere sozial ausgegrenzte und diskriminierte Gruppen. Im Hinblick auf die zunehmende Obdachlosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und den europaweiten Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist außerdem zu beobachten, dass die Wohnsubstandards in Lagern für Geflüchtete Eingang in eine städtische Billigbauweise (Flüchtlingsbaurecht) finden. Selbst Kontrollmechanismen der Lager werden übernommen.

Obwohl in Europa noch nie so viel Reichtum angehäuft wurde, ist die Mehrheit der politischen Akteur*innen in den Parlamenten nicht willens, soziale Verantwortung für die Auswirkungen ihres politischen und wirtschaftlichen Handelns zu übernehmen. Ihre Politik verschärft Krisen, spaltet Gesellschaften und greift elementare soziale Rechte nicht nur von Geflüchteten an.

Anlässlich einer Veranstaltungsreihe zum Thema Grenzen in Freiburg hat sich im Januar 2026 erstmals das Dreiländer-Netzwerk „Solidarité sans frontière“ gebildet. Am 18. April mobilisierte das Netzwerk rund 600 Personen für eine trinationale Demonstration im Dreiländereck gegen die Reform des GEAS. Das Netzwerk ruft Gruppen und Organisationen in der Nordwestschweiz, dem Elsass und Baden dazu auf, sich für kommende gemeinsame Treffen, Aktionen und Demonstrationen anzuschließen.

Quelle: Aktion Bleiberecht Freiburg, aktiv im Dreiländernetzwerk „Solidarité sans frontière“ 12. Juni 2026


Wer kennt schon MKULTRA?

Das Foto zeigt einen Menschen in einem ABC Schutzanzug, der einen Kaninchenkäfig trägt. Darin sitzt ein Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Es hört sich an wie die schönste Verschwörungstheorie, ist aber weit davon entfernt, sondern im Gegenteil von verschiedenstens Seiten wissenschaftlich dokumentiert, vom US-Kongress und verschiedenen Untersuchungsausschüssen von allen Seiten beleuchtet, verurteilt und verdammt:

Wissenschaftler füllten heute vor sechzig Jahren Glühbirnen mit Bacillus-globigii-Bakterien aka "BG" und heute als Bacillus atrophaeus geläufig und zerschlugen sie anschließend auf den Gleisen der New Yorker U-Bahn. Die Bakterien verbreiteten sich kilometerweit im gesamten U-Bahn-Netz, wurden von Tausenden von Zivilisten eingeatmet und setzten sich auf deren Kleidung ab. Bis zum 10. Juni waren 1 Million New Yorker dem Bakterium ausgesetzt. Dies war nur eines von vielen Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung, die an US-Zivilisten durchgeführt wurden. Natürlich gab es Tausende von US-Soldaten, Gefangenen, Zivilisten und Indigenen, die während Atomwaffentests absichtlich und/oder versehentlich Strahlung ausgesetzt waren und im Rahmen des MKULTRA-Programms unwissentlich starken psychedelischen Drogen ausgesetzt wurden.

Das US-amerikanische Programm für biologische Versuche begann offiziell 1943 mit der Gründung der U.S. Army Biological Warfare Laboratories in Camp Detrick (heute Fort Detrick) in Frederick, Maryland. Die Regierung begann mit der Bevorratung von Bacillus anthracis (Anthrax), Francisella tularensis (Tularämie), Brucella spp. (Brucellose), Coxiella burnetii (Q-Fieber), das venezolanische Pferdeenzephalitis-Virus, Botulinumtoxin (Botulismus) und Staphylokokken-Enterotoxin B. Allerdings hatte die Regierung bereits während des Ersten Weltkriegs Ricin getestet.

1950 führte die US-Marine vor der Küste von San Francisco die Operation Sea-Spray durch, bei der zwei Bakterienarten, Bacillus globigii und Serratia marcescens, in die Luft versprüht wurden. Elf Menschen wurden nach dem Test in San Francisco mit schweren bakteriellen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert. Fast jeder Einwohner der Stadt war dem Erreger ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen starb. 1951 wurden im Norfolk Naval Supply Center in Virginia Tests durchgeführt, bei denen Pilzsporen unter der überwiegend afroamerikanischen Belegschaft verteilt wurden, um die rassistische Theorie zu überprüfen, dass Schwarze anfälliger für Pilzerkrankungen seien als Weiße. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde Zinkcadmiumsulfid per Flugzeug über eine Reihe von Städten, darunter St. Louis und Minneapolis, versprüht. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden mehrere Journalisten wegen Aufruhrs vor Gericht gestellt, weil sie berichtet hatten, dass die USA während des Koreakriegs biologische Waffen eingesetzt hatten. Im Rahmen der Operation Whitecoat (1954–1973) wurden freiwillige Siebenten-Tags-Adventisten der Tularämie ausgesetzt.

Die Freilandversuche wurden bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. 1965 verbreiteten sie Bakterien im gesamten Washingtoner National Airport, und 1966 führten sie einen Test in der New Yorker U-Bahn durch. Präsident Nixon soll 1969 dem offensiven Biowaffenprogramm der Vereinigten Staaten ein Ende gesetzt haben. Biowaffen sind gemäß den Genfer Protokollen von 1925 verboten, die die USA jedoch erst 1975 ratifizierten – im selben Jahr, in dem sie auch die Biowaffenkonvention ratifizierten.

Die Existenz solcher Programme ist hierzulande eher politisch und geschichtlich interessierten Menschen bekannt und erreichte das Bewußtsein eher im kulturellen Bereich: Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem 1962 erschienenen Buch Einer flog über das Kuckucksnest, das 1975 unter demselben Namen verfilmt wurde. Der 2003 veröffentlichte Roman Shutter Island von Dennis Lehane thematisiert ebenfalls Menschenversuche in den Vereinigten Staaten dieser Zeit und wurde 2010 verfilmt. Die 2017 erschienene Serie Wormwood beschäftigt sich mit den Todesumständen von Frank Olson. Stephen Kings Roman Feuerkind von 1980 thematisiert ebenfalls als harmlose Medikamentenstudien getarnte Menschenversuche mit starken Halluzinogenen durch einen Geheimdienst ähnlich der CIA, wodurch zwei Probanden übersinnliche Fähigkeiten entwickeln und diese auch (in Form von Pyrokinese) an ihre Tochter vererben.

Über MKULTRA entstanden die Dokumentationen von Stefan Albrecht und Johannes Schäfer Die Dressierten Killer (4. August 2002/ZDF) sowie Deckname Artischocke von Egmont R. Koch und Michael Wech (12. August 2002/ARD) und eine Reihe von Spielfilmen, darunter Fletcher’s Visionen (1997), Experiment Killing Room (2009) und American Ultra (2015). Auch die TV-Serie Stranger Things nimmt auf das MKULTRA-Programm Bezug.


MKULTRA ist allerdings nicht das einzige derartig menschenverachtende Programm. So existierte bekanntlich mit COINTELPRO und dem ähnelnde Programme wie Operation CHAOS aber auch die anderen (selbstredend "rechtswidrigen") CIA Programme HTLINGUAL (HGLINGUAL), Project 2, Project MERRIMAC, Project RESISTANCE, Domestic Contact Service etc. bis hin zum inflationären Einsatz von Heroin und anderen Drogen zur Heroin gezielt gegen die die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Zerstörung des afroamerikanischen Widerstandes beispielsweise der Black Panther Party (BPP).

Aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: Mike Dunn, WikiPedia, eigene Ergänzungen


This Saturday: All Out for No Kings Day 3!

Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Masked secret police are terrorizing our communities. An illegal, catastrophic war is putting us in danger and driving up our costs of living. Attacks on our freedom of speech, our civil rights, and our freedom to vote are happening on a daily basis. Costs are pushing families to the brink. #Trump is acting like a tyrant. But this is America, and power belongs to the people - not to wannabe kings or their billionaire cronies.

This Saturday, March 28th, we will show up together to demand, No Kings!


Please plan to join what promises to be the largest democracy, human rights, and peace demonstration in U.S. history. More than 3,000 events are planned.

FIND A NO KINGS EVENT NEAR YOU!

As President Trump escalates his attempts to control us, it is on us, the people, to show that we will fight to protect one another and our country. If he believes we will roll over and allow him to take our freedoms, he is mistaken. We are coming together on March 28 across issues, ages, races, and religions, because we know we can overcome this repression when we unite.



(In #Germany also in #Munich / #München #Nuremberg / #Nürnberg #Frankfurt #Wiesbaden #Düsseldorf #Bremen & #Hamburg)

#NoKings! #NoWars! #NoNukes! #NoICE


Keine rechte Demo in Stuttgart! „Baden-Württemberg steht auf“ stoppen.

Das SharePic zu den Protesten zeigt ein Bild einer rechten Demo, dazu die Angaben aus dem Textbeitrag und die Info, daß weitere Informationen folgen sowie das Logo von Stuttgart gegen Rechts - der Fernsehturm
SharePic zu den Protesten
Am 7. März 2026 mobilisiert „Baden-Württemberg steht auf“ nach Stuttgart. Die Abspaltung der Gruppe „Gemeinsam für Deutschland“ die uns bereits vom Naziaufmarsch am 22. März 2025 bekannt ist, ist ein Sammelbecken für Rechte und Verschwörungstheoretiker aller Art. Deutschlandfahnen, rassistische und antisemitische Parolen inklusive. Bisherige Veranstaltungen in Pforzheim und Reutlingen haben gezeigt, dass sie problemlos auch mit organisierten Nazis auf die Straße gehen. In der Vergangenheit haben sich unter anderem die AfD, die rechte Scheingewerkschaft „Zentrum“ und die faschistische Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) den „Protesten“ angeschlossen.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Aufmarsch auf dem Marienplatz stattfinden soll, mit anschließendem Demozug durch die Stadt. Der Marienplatz ist vor allem im Sommer ein bunter, offener Ort, an dem wir alle gerne Zeit verbringen. Ob in den anliegenden Restaurants und Cafés, beim Markt, bei vielfältigen Veranstaltungen oder einfach mit selbst mitgebrachten
Getränken – der Marienplatz und seine schöne Atmosphäre wird von uns allen gestaltet. Er ist unser Platz! Rechte haben dort nichts zu suchen!2021 hat OB Nopper mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit einen Regenbogen auf den Marienplatz gemalt: Ein Zeichen gegen eine Querdenken-Demo, die von der Stadt massiv unterschätzt wurde und dementsprechend völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Und ein Zeichen, dass Stuttgart „weltoffen, tolerant, liberal und verantwortungsbewusst“ 1 sei.

Gelernt wurde daraus offensichtlich weder von Nopper noch vom Ordnungsamt. Denn von diesen Werten ist bei „Baden-Württemberg steht auf“ nichts zu finden. Dass die Gruppe nun dennoch einen Aufmarsch auf dem Marienplatz anmelden kann, lässt vermuten, dass es unserem OB bei der Aktion wohl mehr um Bilder für die Presse, als um tatsächliche Haltung ging.

Deswegen muss diese eben von uns kommen! Lasst uns am 07. März gemeinsam auf die Straße gehen und die rechten Hetzer:innen daran hindern, ihre nach Stuttgart zu tragen. Achtet auf weitere Ankündigungen bezüglich unseres Treffpunkts und der Uhrzeit. Wir sehen uns auf der Straße.

Wann: Sa. 07.03.2026 12:00 Uhr
Wo: Marienplatz, Marienplatz, Stuttgart

Via Stuttgart gegen Rechts

Stuttgart 21 in freiem Fall: Jetzt innehalten und konstruktive Auswege diskutieren

Der Anti-Stuttgart-21-Aufkleber mit dem durchgestrichenen Ortsschild "Stuttgart 21"
Anti-Stuttgart-21-Aufkleber
„Auch wenn wir jetzt viele Wetten gewonnen haben, Häme über die neuesten Hiobsmeldungen zu Stuttgart21 sind in dieser fatalen Lage nicht unser Ding“, so Bündnissprecher Martin Poguntke.
Allerdings könne das sture „Weiter so“ von Verkehrsminister Hermann, der das von ihm mitbetriebene Projekt in einem völlig chaotischen Zustand hinterlässt, keine Lösung sein. Hermann hatte nach Bekanntwerden der Hiobsmeldungen die altbekannte Losung ausgegeben „Das Land wird die Bahn konstruktiv begleiten und alles dafür tun, dass der Bahnhof fertiggestellt wird.“

„Stuttgart21 war von vornherein eine Fehlkonstruktion, deren Widersprüche jetzt einer nach dem anderen aufpoppen“, so Poguntke weiter. Hektisch sollen nun der völlig unzureichende Brandschutz irgendwie gerettet sowie fehlerhaft und falsch verbaute technische Anlagen ausgebaut werden. Als grandiose Fehlentscheidung erweist sich jetzt, ausgerechnet S21 zum Modell für die Einführung von ETCS zu machen. Auch hier wird der Schienenverkehr bundesweit zum Opfer von Stuttgart21.

Mit der Unterstellung, die Gegner*innen forderten „einen Weg zurück“ blockiert Hermann die Suche nach Auswegen aus der fatalen Lage. Nachdem jetzt klar ist, dass der Kopfbahnhof auf unabsehbare Zeit, mindestens bis 2030, noch gebraucht wird, müssen unverzüglich alle Maßnahmen ergriffen werden, die Bahnreisende und Bürger*innen vor weiteren Zumutungen wie Schienenersatzverkehren, Fernwanderwegen, endlose Baustellen, schützen können.

Kopfbahnhof und Gäubahnanschluss müssen für einen dauerhaften stabilen Betrieb stabilisiert und minimalinvasiv saniert werden. Auf keinen Fall dürfen die Fernwanderwege zu den Gleisen noch jahrelang aufoktroyiert bleiben. Stattdessen sollen direkte barrierefreie Zugänge über die S21-Querstege direkt zu den Kopfgleisen eingerichtet werden. Das Aktionsbündnis wird technische Lösungen dazu vorschlagen. Es fordert die sofortige Einstellung der Arbeiten an der Strecke Bad Cannstatt – Fellbach. Die Streckensperrungen müssen aufgehoben und der Schienenersatzverkehr beendet werden.

In der jetzt völlig unübersichtlichen Lage dürfen keine weiteren Planungs- und Bauaufträge erteilt werden, vor allem nicht für den Pfaffensteigtunnel und die Bebauung des Gleisvorfelds – und das zumindest, bis Frau Palla wie angekündigt im Sommer ihre Bestandsaufnahme abgeschlossen hat und absehbar ist, ob und wie es weiter geht. Alles andere wäre weitere Geldverschwendung, zumal mit den letzten Kostensteigerungen immer noch hinterm Berg gehalten wird.

In einem heute an die Spitzenkandidat*innen der Parteien gerichteten Mail fordert das Aktionsbündnis, im Wahlkampf nicht länger zu Stuttgart21, dem Elefanten im Wohnzimmer, zu schweigen, sondern Antworten zur Frage „Was jetzt“ zu geben.

Hinweise:
Die 786. Montagsdemo (2. März, 18h, Schlossplatz) wird den Protest gegen das fatalistische Weiter so der S21-Parteien zum Ausdruck bringen, vorgetragen insbesondere von dem Bahnexperten und Filmemacher Klaus Gietinger.
Bündnissprecher Dieter Reicherter spricht am Dienstag 3. März in Kernen-Stetten zu der neuen Aktualität: 19 Uhr, Glockenkelter, Hindenburgstr. 43, „Bahn-Chaos + Chaos-Bahn – macht Stuttgart21 die S-Bahn kaputt?

Quelle: Pressemitteilung 27. Februar 2027
Mehr dazu: SWR: Inbetriebnahme verzögert sich um mehrere Jahre. Stuttgart 21: Eröffnung des Tiefbahnhofs wohl erst 2030

Diese Woche in der Apokalypse oder: Es war keine langweilige Woche

Diese Woche bin ich durch einen Stromausfall gefahren, durch eine Meile mit kaputten Straßenlaternen. Etwa die Hälfte der Autos schien die Regel zu befolgen, dass eine kaputte Ampel wie eine Kreuzung mit Stoppschildern an allen Seiten gilt. Die anderen Autos sind einfach mit voller Geschwindigkeit über die Kreuzungen gefahren. Ich weiß nicht, ob das eine größere Metapher ist, aber es fühlt sich so an.

Ein paar Stunden später fuhr ich denselben Weg zurück, und nichts hatte sich geändert, während die Temperatur auf den nassen Straßen fast auf den Gefrierpunkt sank.

Diese Woche haben wir über das Buch „Parable of the Sower” gesprochen, über langsamen Zusammenbruch versus schnellen Zusammenbruch, über den Hügel, von dem wir das Gefühl hatten, dass wir ihn hinunterstürzen könnten.

Vermummte ICE-Kräfte in Los Angeles
Vermummte ICE-Kräfte in Los Angeles

Quelle: U.S. Immigration and Customs Enforcement (Department of Homeland Security)
Diese Woche erzählte mir eine Freundin, dass ihr Partner, ein US-Bürger, in Minneapolis von der Einwanderungsbehörde ICE aus seinem Auto entführt wurde. Sie scannten sein Gesicht und ließen ihn Stunden später wieder frei, nachdem ein Anwalt eingeschritten war und es vor dem Ort seiner Inhaftierung zu massiven Protesten gekommen war.

Diese Woche berichten meine anderen Freunde in Minneapolis von den herzzerreißendsten und herzerwärmendsten Geschichten über Unterdrückung und Widerstand.

Diese Woche habe ich mit Freunden und Angehörigen Pläne geschmiedet, was wir tun werden, wenn die Mobilfunknetze ausfallen. In wessen Haus werden wir uns versammeln? Wer kennt sich ohne GPS am besten mit den Straßen aus? Wer hat einen Allradantrieb?

Ein paar Stunden zuvor hatte ich von einem Freund gehört, der sich seine Telefonrechnung nicht leisten konnte und auf das Internet angewiesen war, dass das Internet in seinem Haus ausgefallen war. Er war 20 Minuten zu Walmart gefahren, um sich dort ins WLAN einzuloggen und den Leuten mitzuteilen, dass er derzeit keinen Internetzugang hatte. Es scheint, als hätte der Wind die Glasfaserverbindung direkt vom Strommast gerissen.

Die meisten Nächte dieser Woche blieb ich lange wach und scrollte durch düstere Nachrichten, schaute mir Videos von ICE-Razzien und ICE-Belagerungen an.

Es war keine Woche mit guten Nachrichten. Die Dinge scheinen sich immer schneller zu drehen.

Ich werde mit dem Dunklen anfangen, aber dann über das Licht sprechen. Die Sache ist die: Ich glaube wirklich, dass wir gewinnen werden. Aber es wird schwer und beängstigend werden. Wie immer ist der einzige Ausweg, durchzuhalten.

Ich nehme an, dass du, der du das hier liest, weißt, dass Renee Nicole Good in Minneapolis von der ICE ermordet wurde. Ich bin mir sicher, dass du weißt, dass sie nicht die erste Person war, die die ICE getötet hat, und dass sie nicht die letzte sein wird. (Ich schreibe und überarbeite diesen Text seit Tagen, und die Nachrichten ändern sich ständig. Die ICE hat seit Renee Good mindestens drei weitere Menschen erschossen.)

Vielleicht hast du die Videos gesehen, in denen ein ICE-Agent nach dem anderen damit droht, Menschen zu töten, und sagt: „Hast du nichts aus dem gelernt, was wir letzte Woche gemacht haben?“, um jeden einzuschüchtern, der sich ihrer Macht widersetzt.

Es gibt immer mehr Berichte darüber, dass die ICE Menschen aufgrund ihres Aussehens profiliert und entführt und, wenn sie nicht abgeschoben werden können, sie zusammenschlägt und blutend kilometerweit entfernt zurücklässt.

Die ICE hat zahlreiche indigene Menschen festgenommen, darunter mehrere Mitglieder der Oglala Sioux. Die ICE will dem Stamm nicht einmal die Namen der festgenommenen Personen nennen und weigert sich, dies zu tun, solange der Stamm die ICE nicht offiziell anerkennt und ein Einwanderungsabkommen mit ihr abschließt. Der Stamm hat dies verständlicherweise abgelehnt.

Die Frage, um die offenbar alle, einschließlich der Politiker, herumeiern, lautet: „Kann die Welt Trump bis zu den Wahlen an der Macht überstehen, oder muss früher etwas unternommen werden?“ Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota, hat die Nationalgarde mobilisiert, um jede potenzielle Rebellion im Bundesstaat niederzuschlagen, und versucht konsequent, die Menschen davon abzuhalten, sich gegen den Faschismus zu erheben. Aber er scheint sich auch bewusst zu sein, dass es eine Art moralische Verpflichtung gibt, die Nationalgarde einzusetzen, um die ICE zu stoppen, und versucht zu erklären, warum er das trotzdem nicht macht. Er sagte gegenüber der Presse: „Wir waren noch nie im Krieg mit unserer Bundesregierung.“

Jeder weiß, dass der Einsatz von Polizei oder Nationalgarde gegen Bundesbeamte einen Bürgerkrieg auslösen könnte. Die Politiker schleichen um dieses Thema herum und versuchen, das Pulverfass nicht zu zünden. Das bedeutet, dass die Gräueltaten weitergehen dürfen.

Selbst eingefleischte Gemäßigte wie Walz beginnen zu knicken.

Das letzte Mal, dass sich das Land in einer solchen Pattsituation befand – wobei sich die Hälfte der Bevölkerung der moralischen Verpflichtung bewusst war, eine große Gräueltat zu stoppen, aber Angst vor dem Ausmaß der Gewalt hatte, die damit verbunden wäre –, war in den 1850er Jahren. Dieser Stillstand wurde durch einen mutigen Überfall schwarzer und weißer Abolitionisten auf Harper's Ferry durchbrochen, der einen Bürgerkrieg auslöste, der mit enormem Blutvergießen eine der schlimmsten Institutionen beendete, die die Welt je gesehen hat. 2 % der Amerikaner starben in diesem Krieg.

Wenn wir einen weiteren Bürgerkrieg hätten und zwei Prozent von uns sterben würden, wären das fast 7 Millionen Menschen.

Natürlich gibt es keinen Grund zu glauben, dass ein zweiter Bürgerkrieg in Bezug auf die Opferzahlen, aber auch in Bezug auf das Ergebnis, dem ersten ähneln würde. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass so viele oder so wenige Menschen sterben würden. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die bessere Seite gewinnen würde oder dass es überhaupt klare Gewinner geben würde.

Vielleicht hast du mitbekommen, dass Trump aktiv darüber nachdenkt, in Grönland einzumarschieren.

Der vollständige Screenshot des Beitrags von Katie Miller, der Ehefrau von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef von Trump zeigt ihr Post zu Grönland mit dessen Landkarte, mit der darübergelegten Flagge der USA
Screenshot des Beitrags von Katie Miller, der Ehefrau von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef von Trump (4.1.2026, 13:51 MEZ)
Grönland sollte von seinen Ureinwohnern kontrolliert werden, aber es gehört zum Königreich Dänemark. Das ist Teil der NATO. Zu der auch die USA gehören. Die Invasion Grönlands würde zumindest die USA von ihren eigenen umfangreichen Stützpunkten in anderen NATO-Ländern abschneiden. Das könnte zu Sanktionen und vermutlich zu einer Hyperinflation führen. Es könnte auch zu einem Krieg gegen die NATO führen, die bereits Truppen auf der größten Insel der Welt stationiert hat.

Apropos Hyperinflation: Trump versucht, die Federal Reserve zu zwingen, die Zinsen zu senken. Die Federal Reserve legt die Zinsen fest, zu denen Banken sich gegenseitig Geld leihen (was sie jeden Tag machen, weil sie verpflichtet sind, einen bestimmten Betrag an Bargeld vorrätig zu haben, aber lieber so viel Geld wie möglich investieren möchten, sodass sie alle ständig ein heikles Spiel spielen). Diese Zinsen wirken sich auf die gesamte Wirtschaft aus. Wenn die Zinsen niedrig sind, sind die Leute eher bereit, Kredite aufzunehmen, sodass die Wirtschaft wächst und mehr Jobs entstehen, aber das führt zu Inflation. Wenn die Zinsen hoch sind, leihen sich die Leute weniger Geld, und die Inflation wird kontrolliert, aber die Wirtschaft kühlt sich ab. Das ist alles ein bisschen kompliziert, aber hier gibt's eine gute Erklärung.

Trump will, dass die Zinsen noch weiter gesenkt werden, weil er kurzfristige Gewinne für die Wirtschaft will. Die Federal Reserve ist genau aus diesem Grund relativ unabhängig – es ist im besten langfristigen Interesse der US-Wirtschaft, nicht von politischen Manövern abhängig zu sein.

Also hat Trump ein paar Ausreden gefunden, um zu versuchen, den Chef der Federal Reserve zu entlassen, was einen großen Teil seiner Basis – die Finanzleute – ziemlich sauer gemacht hat. Wenn Trump es schafft, die Federal Reserve zu kontrollieren, könnte das leicht zu Hyperinflation und einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führen. Selbst seine Drohungen gegen die Federal Reserve haben die Aktienkurse fallen und den Goldpreis steigen lassen. Und da ein großer Teil der Weltwirtschaft vom US-Dollar abhängt, würde eine Hyperinflation in den USA Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Das ist noch milde ausgedrückt.

Ich traue Leuten nicht, die im Internet Angst und Unsicherheit verbreiten, und das solltest du auch nicht. Ich bin für Vorsorge, aber ich finde 90 % der Prepper-Inhalte nervig, weil man am besten Aufmerksamkeit für ein Video oder einen Substack-Beitrag bekommt, wenn man den Leuten erzählt, wie schlimm alles bald sein wird.

Das will ich nicht. Ich versuche wirklich, das nicht zu tun.

Ein Grund dafür ist, dass ich selbst nicht daran glauben will. Ich will keinen Zusammenbruch. Ich will keinen globalen Krieg oder Bürgerkrieg. Ich will mit meinen Freunden Rollenspiele spielen, Fantasy-Romane schreiben und Spendenaktionen für die Gemeinde organisieren.

Letztes Jahr habe ich meinen Freunden gesagt: „Hört mal, ich glaube nicht, dass wir im nächsten Jahr einen Bürgerkrieg haben werden. Ich schätze, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 5 %. Aber die Sache ist die: In den meisten Jahren liegt sie bei 0,01 %, also ist das ein Thema, das man ernst nehmen sollte.“ Jeder, der schon mal „Dungeons and Dragons“ gespielt hat, weiß, dass eine Wahrscheinlichkeit von 5 % ständig vorkommt. Das ist, wenn man eine 1 mit einem zwanzigseitigen Würfel würfelt.

Natürlich hatte ich diese Zahl komplett aus der Luft gegriffen. Aber „hey, es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 5 %, dass etwas wirklich Großes passiert“ ist Grund genug, sich darauf vorzubereiten.

Und ehrlich gesagt schätze ich die Wahrscheinlichkeit eines globalen oder Bürgerkriegs heute viel höher ein als noch vor einem Jahr.

Eine letzte Unsicherheit: Ein befreundeter Arzthelfer erzählte mir, dass etwa die Hälfte der Ärzte einen Berufswechsel anstrebt, und schickte mir dann diesen Artikel aus Forbes, in dem es darum geht, warum. Es gibt eine Reihe von Gründen, darunter: Patienten nutzen KI, um sich selbst falsch zu diagnostizieren, und Ärzte müssen immer mehr Zeit damit verbringen, Fehlinformationen zu widerlegen; Versicherungsgesellschaften machen es unmöglich, Patienten die Behandlung zukommen zu lassen, die sie brauchen; das Ende von Roe v. Wade hat grundlegende reproduktive Gesundheitsversorgung illegal gemacht.

Es droht ein Mangel an medizinischem Personal. 40 % der Ärzte werden in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, und der „Big Beautiful Bill” hat die Darlehen für das Medizinstudium auf 50.000 Dollar pro Jahr oder insgesamt 200.000 Dollar begrenzt. Daher kann es sich niemand leisten, Medizin zu studieren.

Und die EPA berücksichtigt bei der Festlegung ihrer Politik zur Umweltverschmutzung nicht mehr die menschliche Gesundheit.

Das Jahr 2026 hat einen schwierigen Start hingelegt.

Aber wie ich immer wieder betone, können wir aus der Wintersonnenwende lernen, dass die Kälte erst einsetzt, wenn die Sonne wieder zurückkehrt. Es gibt eine Verzögerung zwischen der Rückkehr der Hoffnung und der Verbesserung der Lage. Der Frühling kommt.

Daran glaube ich fest.

Auf seltsame Weise bin ich hoffnungsvoller für die Zukunft als je zuvor. Zum ersten Mal in der Geschichte sind mehr Amerikaner für die Abschaffung der ICE als gegen die Abschaffung der ICE (46 % zu 43 %). Die ICE war schon immer ein Problem. Sie sollte nicht reformiert werden, und jeder Politiker, der ihre Reform fordert, hat leider den Bezug zur Realität verloren. Autoritarismus und Kapitalismus waren schon immer ein Problem. Immer mehr Leute sind sich dessen bewusst und immer mehr Leute tun etwas dagegen.

Ich habe gesagt, dass ich mir Videos von ICE-Razzien und ICE-Belagerungen angesehen habe. Seltsamerweise geben mir die Belagerungen Hoffnung. Immer mehr und immer mehr und immer mehr Leute stehen auf und sagen mit zitternden Knien und bebender Stimme: „Fuck you, ihr könnt meine Nachbarn nicht stehlen.“

Die ICE war sich sicher, dass die Videos, in denen sie Renee Good ermordet, die Öffentlichkeit einschüchtern würden. Sie dachten, dass Terrorismus (in diesem Fall eine Politik, die Angst verbreitet) ihre Gegner zum Schweigen bringen würde. Sie haben sich geirrt. Es hat die Leute ermutigt.

Letzte Nacht haben Demonstranten die ICE aus North Minneapolis verjagt und sie gezwungen, ihre Fahrzeuge zurückzulassen. Die Demonstranten fanden in diesen Fahrzeugen alle möglichen Unterlagen.

Anfang dieser Woche hat ein Whistleblower aus dem DHS die persönlichen Daten von 4500 ICE- und Grenzschutzbeamten veröffentlicht.

Sie sind so verzweifelt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, dass sie versehentlich einen antifaschistischen Journalisten eingestellt haben.

Ich glaube, der Widerstand zeigt Wirkung.

Die Politiker tun nichts, um Menschen zu retten. Sie wissen, dass sie es tun sollten, aber sie tun es nicht. Die Menschen handeln, um sich gegenseitig und sich selbst zu schützen, und es funktioniert.

Aber es wird erst mal schlimmer werden, bevor es besser wird.

Ich bin diese Woche durch diesen Stromausfall gefahren, weil die öffentliche Infrastruktur in Amerika – zumindest in den Appalachen und im Rust Belt, wo ich meine Zeit verbringe – bröckelt. Die Infrastruktur ist alt und wird nicht modernisiert. Der Klimawandel hat in einigen Gebieten zu mehr Niederschlägen geführt, wodurch Bäume anfälliger für Stürme sind. Die Energieversorger in Ohio bitten um die Erlaubnis, schlechtere Arbeit zu leisten und länger für die Wiederherstellung der Stromversorgung zu brauchen.

Das Land wird derzeit nicht von Politikern regiert, sondern von Dieben, die das Kupfer aus den Mauern unserer Gesellschaft entfernen. Sie treiben uns in den Bankrott und lassen uns im Regen stehen.

Die einzige Frage (und das ist wirklich eine Frage, die Sie sich selbst, Ihrer Familie und Ihrer Gemeinde stellen sollten, anstatt auf Antworten von Anarchisten im Internet mit Newslettern zu hören) lautet: „Was muss geschehen, um diese Situation zu ändern?“

Auf lokaler Ebene würde ich vermuten, dass es dazu nötig ist, dass die Leute mit Megaphonen und Trillerpfeifen und zitternden Stimmen und dem Mut, den wir von unseren mutigsten Vorfahren geerbt haben, zusammenkommen, um der Gestapo direkt ins Gesicht zu sagen: „Verpisst euch aus unserer Stadt!“ Wir haben gesehen, dass das funktionieren kann. Mut funktioniert. (Die genauen Taktiken, mit denen wir unseren Mut zeigen, werden sich wahrscheinlich im Laufe der Zeit in alle möglichen Richtungen verändern.)

Es funktioniert, wenn wir uns nicht von ihnen spalten lassen, weder nach Klassen, Religionen, Ethnien noch nach taktischen Gesichtspunkten. Solidarität funktioniert.

Keiner von uns kennt die Zukunft. Denn die Zukunft ist etwas, das wir gemeinsam bestimmen.

Indem wir mit Mut und Überzeugung handeln, ermutigen wir uns selbst und einander. Faschismus ist eine Ideologie der Angst, und Mut ist sein Gegenteil.

Danke, dass ihr zu meiner Motivationsrede gekommen seid. Ich brauchte sie, um aus dem Bett zu kommen.

Quelle: Margaret Killjoy, This Week in the Apocalypse or: it hasn't been a boring week, 15. Januar 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


Ich glaube nicht, dass mein Handy mein Freund ist oder: Ich nehme mir vor, noch schlechter darin zu werden, oder: Ich nehme mir vor, noch schlechter darin zu werden, Leuten zu antworten

Die Nachrichten dieser Woche sind echt schlimm, und es fühlt sich komisch an, über irgendwas anderes zu schreiben als über das, was gerade in der Welt passiert. Aber ich weiß nicht, ob ich zu diesem neuen Krieg schon viel zu sagen habe, noch nicht. Ich habe meine ersten Erfahrungen bei den Antikriegsprotesten 2002 und 2003 gemacht, aber ehrlich gesagt hatte keiner von uns – weder die großen Demonstrationen mit Plakaten noch die Kids in Schwarz, die die Fenster der Rekrutierungszentren eingeschlagen haben – viel Erfolg oder schien viel zu bewirken. Es war wahrscheinlich trotzdem sinnvoll, aber selbst die wenigen Lektionen, die ich aus dieser Zeit gelernt habe, scheinen in der heutigen Zeit irrelevant zu sein. 2003 haben wir versucht, eine neokonservative Regierung zu stoppen. 2026 versuchen wir, eine faschistische Regierung zu stoppen.

Wenn ich mir unsicher bin, empfehle ich meistens die Arbeit von CrimethInc, und ihre Analyse hier scheint solide zu sein (der ganze Artikel ist lesenswert).
Unbeliebte Kriege ohne klares Mandat – vor allem Kriege, die zu Opfern unter US-Soldaten oder anderen Opfern im eigenen Land führen – können den Untergang eines Regimes bedeuten. Es ist unsere Aufgabe, diesen Krieg – zusammen mit Trumps anderen Fehlern und den kommenden Kriegen – zu einem Mühlstein um den Hals der gesamten herrschenden Klasse zu machen. Es wird so viel Kraft der Bevölkerung erfordern, Trump zu stürzen, dass wir ähnlich ehrgeizige Vorschläge populär machen sollten – und nicht einfach eine Rückkehr zu einem unpopulären zentristischen Status quo fordern.

Wie auch immer, ich fühle mich etwas angespannt, wenn ich über etwas anderes schreibe, und ich bin mir sicher, dass ich zu diesen Themen noch mehr zu sagen haben werde. Aber darüber habe ich diese Woche nicht geschrieben. Stattdessen habe ich über Aufmerksamkeit geschrieben.

Ich glaube nicht, dass mein Handy mein Freund ist


Die KI Grafik zeigt eine androgyne Person in der Rückansicht, die von lauter klingelnden Handys umgeben ist, versucht sich auf ihr Buch zu konzentrieren. Das Bild ist schwarz-weiß mit harten Kontrasten gestaltet
Grafik: Thomas Trueten
Ich glaube nicht, dass mein Handy mein Freund ist. In meiner Tasche steckt ein Ablenkungsgerät, das vibriert und piept und mir Informationen liefert, ob ich diese Informationen nun will oder nicht, und ich glaube nicht, dass es mein Bestes im Sinn hat.

Ich liebe es, Nachrichten von meinen Lieben zu sehen. Ich liebe es, Produktbewertungen nachschlagen zu können, während ich im Laden bin. Ich liebe Podcasts und Hörbücher. Ich liebe Wikipedia; Gott segne Wikipedia. Aber wenn ich mein Handy aus Versehen in den Sofakissen liegen lasse, schaffe ich auf jeden Fall mehr beim Schreiben.

Das bedeutet indirekt, dass eines meiner Ziele für 2026 darin besteht, schwerer erreichbar zu sein.

Als SMS das Telefonieren als Standardform der Fernkommunikation abgelöst haben, fühlte sich das wie Freiheit an. Asynchrone Kommunikation. Ich musste nicht mehr jedes Mal alles unterbrechen, was ich gerade tat, wenn jemand eine Frage hatte, weil niemand eine sofortige Antwort erwartete. Ich konnte mich später darum kümmern. Die Kommunikation musste meine Aufmerksamkeit nicht mehr unterbrechen.

Ich fange an zu glauben, dass Textnachrichten das „Jetzt kaufen, später bezahlen“ der Aufmerksamkeitswelt sind. Auf Kredit zu kaufen ist bequem und gefährlich, und man kann leicht tief in Schulden versinken, in einen Teufelskreis, aus dem man nie wieder herauskommt.

Nachdem ich heute Morgen fleißig eine Stunde im Bett verbracht habe, um Nachrichten zu lesen, habe ich immer noch 103 ungelesene E-Mails in vier Konten, 54 ungelesene Signal-Nachrichten (viele davon von Menschen, die ich sehr liebe), ein paar Nachrichten in Bluesky, die ich einfach nie lesen werde, etwa ein Dutzend Nachrichten hier auf Substack, die ich wahrscheinlich lesen werde, auf die ich aber vielleicht nicht zurückkommen werde, und von meinen Instagram-Nachrichten will ich gar nicht erst anfangen. Wenn mir jemand eine normale SMS schickt, nun, dann möge Gott ihm beistehen, denn ich werde es nicht tun.

Ich glaube nicht, dass ich in irgendeiner Weise einzigartig bin. Da ich in der Öffentlichkeit arbeite, bekomme ich wahrscheinlich mehr Nachrichten von Fremden als der Durchschnittsmensch, aber die Sache ist die: Auch Nachrichten von meinen Freunden und meiner Familie liegen in meinem Posteingang und werden nicht beantwortet.

Ich versuche seit Jahren, meinen Posteingang leer zu halten. Ich werde wahrscheinlich weiter versuchen, den Berg an E-Mails abzuarbeiten. Aber es ist einfach zu viel, und ich glaube nicht, dass das gut für mich ist. Ich dachte, asynchrone Kommunikation würde mir mehr Freiraum verschaffen, aber stattdessen zehren alle ungelesenen (oder unbeantworteten) Nachrichten an meinem Gehirn und meiner Konzentrationsfähigkeit. Das Klischee „Tod durch tausend Schnitte“ trifft hier zu. Ich ziehe es vor, mich am Telefon zu unterhalten – eine Stunde Gespräch alle paar Monate fühlt sich viel verbindlicher an als das endlose, langsame Spiel des SMS-Schreibens „Wie geht es dir?“

Aus irgendeinem unerklärlichen Grund habe ich Probleme in lauten Umgebungen, in denen viele Geräusche gleichzeitig zu hören sind. Wenn ich mit anderen Leuten Filme schaue, muss ich den Film pausieren, wenn jemand anfängt zu reden. Ich mag es nicht, wenn im Auto laut Musik läuft, während ich mich mit jemandem unterhalte, und ehrlich gesagt ist leise Musik vielleicht sogar noch schlimmer. Wenn ich alleine fahre, höre ich Musik oder Hörbücher, bis ich zu sehr in Gedanken versinke – dann muss ich die Musik pausieren.

Meine persönliche Hölle ist eine überfüllte Bar mit mehreren Fernsehern, auf denen verschiedene Sendungen laufen, während alle lauter als die anderen schreien, um sich gegen die Musik und den Lärm durchzusetzen.

Ich schreibe meistens in Stille. Während ich das hier schreibe, ist es so still, dass ich meinen Hund atmen hören kann. Es ist aber auch so still, dass ich meine Dusche tropfen hören kann – nur eine weitere Erinnerung an die unendliche To-do-Liste des Lebens.

Wenn ich an einem Ort mit vielen Ablenkungen schreibe, vielleicht an einem öffentlichen Ort, höre ich laute Musik, um alles andere zu übertönen. Normalerweise etwas Repetitives und Schweres wie Doom Metal.

Ich bin skeptisch gegenüber allen Menschen oder Bewegungen, die die Vergangenheit romantisieren. Wer von „einfacheren Zeiten” träumt, nimmt wahrscheinlich die Existenz von Antibiotika als selbstverständlich hin oder hat nicht so viel Zeit wie ich damit verbracht, über Menschen zu lesen, die jung an Tuberkulose gestorben sind.

Ich bin skeptisch gegenüber Menschen, die die Vergangenheit romantisieren, aber ich mache es auch. Ich glaube, dass es wirklich etwas Besseres gab, als „das Internet” noch über eine Box lief, die an die Steckdose in unserem Wohnzimmer angeschlossen war, und man mit Handys nur telefonieren konnte. Denn ich glaube nicht, dass es gut für uns ist, ständig mit Tausenden von Menschen in Kontakt zu stehen. Ich glaube nicht, dass es gut für unser Selbstwertgefühl ist, und ich glaube nicht, dass es gut für unsere Aufmerksamkeitsspanne ist.

Ich denke, Aufmerksamkeit ist wie ein Muskel, der durch Training gestärkt wird und ohne Training verkümmert.

Ich hab in meinem Kopf eine kleine Rangliste, welche Art von Unterhaltung ich mir ansehen kann, je nachdem, wie stark meine Aufmerksamkeit gerade ist. Lange Bücher, Gedichte, kurze Bücher, Kurzgeschichten, lange Essays, alte Filme, neue Filme, Fernsehsendungen, Videospiele, Doomscrolling, in absteigender Reihenfolge. (Komischerweise sind Podcasts nicht dabei, weil ich die höre, während ich putze, Auto fahre oder was anderes mache). Ich beschäftige mich mit all dem, und das ist kein Aufruf an alle, nicht mehr auf ihre Handys zu schauen, um „Krieg und Frieden“ zu lesen, aber verdammt noch mal, ich würde mir gerne vorstellen, dass ich eines Tages tatsächlich „Krieg und Frieden“ lese. Ich beschäftige mich in meinem Job so viel mit Tolstoi (er ist eine Nebenfigur in fast jeder Geschichte über europäische Radikale an der Wende zum 20. Jahrhundert), dass ich wirklich gerne mehr über seine Ansichten erfahren würde, als seine Kurzgeschichten zu bieten haben.

Aber um sich zum Lesen hinzusetzen, darf man nicht von einer Million Dingen abgelenkt werden.

Und leider gehört es zu diesen Ablenkungen, ständig erreichbar zu sein. Nicht nur wegen des Summens in meiner Hosentasche, sondern auch wegen der Lawine von Nachrichten, die sich schnell ansammeln, wenn wir uns von unseren Laptops und Handys entfernen.

Ich habe mich sogar nach einem Festnetzanschluss für mein Haus umgesehen, damit ich mein Handy und WLAN für ein paar Tage ausschalten kann, aber in Notfällen trotzdem erreichbar bin. Aber ein Festnetzanschluss ist ziemlich teuer. Also werde ich mich stattdessen auf Disziplin verlassen.

Die Disziplin, mein Handy zwölf Stunden lang in meinen Sofakissen liegen zu lassen. Die Disziplin, Nachrichten ungelesen zu lassen. Die Disziplin, schlechter darin zu werden, mit Leuten zu kommunizieren.

Um es klar zu sagen: Ich will nicht, dass mich alle in Ruhe lassen. Ich liebe es, von Lesern und Zuhörern zu hören. Das motiviert mich manchmal, weil ich dann denke, dass ich vielleicht doch kein totaler Versager bin, weil etwas, das ich vor zehn Jahren gemacht habe, heute noch Menschen hilft. Ich liebe meine Freunde, und ich liebe es, dass ich durch mein lebenslanges Engagement und meine Reisen so viele Menschen kennengelernt habe, die mir am Herzen liegen und von deren Tagen, Träumen, Kämpfen und Erfolgen ich hören möchte.

In meinem Posteingang verstecken sich echte Verbindungen zu Menschen, die ich liebe. In meinem Posteingang verstecken sich einmalige Gelegenheiten, großartige Arbeit zu leisten. In meinem Posteingang verstecken sich unglaubliche Essays von brillanten Autoren, deren Arbeit ich liebe.

Ich weiß nicht, wo die Balance liegt, zwischen dem Ein- und Ausschalten des Zugangs zu Informationen und Verbindungen.

Ich hoffe, dass ich dieses Jahr der Antwort näher komme.

Und ja, ich weiß, wie ironisch es ist, diesen Beitrag mit einem Abonnement-Button zu beenden. Aber wenn du mehr von mir lesen möchtest, ist das eine gute Möglichkeit, dies zu tun.

Quelle: Margaret Killjoy, I Don't Think My Phone is My Friend or: I resolve to get worse at getting back to people, 07. Januar 2026
Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


Neues Jahr, neues Blatt, neues Amerika... Aber für wen?

Die Grafik zeigt die Fahne der USA. Auf den Kopf gestellt.Das neue Jahr kommt mit einem bekannten Drehbuch. Uns wird gesagt, dass es ein Moment der Erneuerung, des Neuanfangs, des Umblätterns ist; nicht nur persönlich, sondern auch national.

Ein „neues Amerika” wird mit Zuversicht beschworen, als ob die Zeit selbst eine korrigierende Kraft wäre. Der Kalender ändert sich, und wir sollen glauben, dass sich das Land mit ihm verändert hat.

Aber Erneuerung ist nicht neutral und nicht gleichmäßig verteilt.

Die Idee eines neuen Amerikas wirft eine unvermeidliche Frage auf: Neu für wen und auf wessen Kosten?

Für Menschen, die von strukturellen Schäden abgeschirmt sind, erscheint das Konzept eines nationalen Neustarts plausibel. Die Institutionen funktionieren weiterhin zu ihren Gunsten. Das Gesetz ist nach wie vor großzügig. Wirtschaftliche Instabilität wird eher als Unannehmlichkeit denn als Katastrophe empfunden. Für andere bedeutet das neue Jahr keineswegs einen Neuanfang. Es bedeutet Ausdauer. Die gleichen Systeme bleiben intakt. Die gleichen Bedrohungen bestehen fort. Die gleichen Leute behalten die Macht.

Diese Kluft zwischen Erzählung und Realität ist kein Zufall. Sie wird durch politische Mythenbildung aufrechterhalten, insbesondere durch Bewegungen, die Amerika als etwas darstellen, das „wiederhergestellt” statt repariert werden muss. Der christliche Nationalismus spielt dabei eine zentrale Rolle. Er bietet eine Version der Erneuerung, die zurückblickt statt nach vorne zu schauen, eine, die „neu” als Rückkehr zu einer imaginären Vergangenheit definiert, in der die Hierarchie klarer war, die Macht weniger umstritten war und bestimmte Gruppen ihren Platz kannten.

In diesem Rahmen ist Amerika keine pluralistische Gesellschaft, die Gerechtigkeit braucht, sondern ein von Gott sanktioniertes Projekt, das durch Außenstehende, Säkularismus, Feminismus, Queerness, Einwanderung und Dissens korrumpiert wurde. Erneuerung bedeutet nicht Umverteilung oder Rechenschaftspflicht. Sie bedeutet Wiederbehauptung. Kontrolle. Bestrafung. Moralische Selektion.

Persönlichkeiten wie Donald Trump haben diese Ideologie nicht geschaffen, aber sie haben sie in den Mainstream gebracht. Der Trumpismus verband christlichen Nationalismus mit Politik der Benachteiligung und verwandelte den Verlust der Dominanz in spirituelle Verfolgung. Das Versprechen war nicht eine Verbesserung für alle, sondern der Schutz der „richtigen“ Menschen. Die Nation würde wieder neu gemacht werden, indem man den Kreis derer einschränkte, die als vollwertige Amerikaner galten.

Das ist wichtig, wenn wir über das neue Jahr sprechen, weil christlich-nationalistische Politik kollektive Fürsorge ausdrücklich ablehnt. Sie ersetzt materielle Analyse durch moralische Urteile. Armut wird zu persönlichem Versagen. Krankheit wird zu einer Prüfung des Glaubens. Gewalt wird gerechtfertigt, wenn sie die „Ordnung” aufrechterhält. In dieser Weltanschauung ist Leiden kein politisches Problem, sondern ein Beweis dafür, dass die Hierarchie funktioniert.

Wenn also der Januar unter diesen Bedingungen kommt, wird Optimismus zu einer Art Druck. Man wird aufgefordert, in einem System, das einen bereits als entbehrlich eingestuft hat, hoffnungsvoll zu sein. Man wird aufgefordert, Dankbarkeit für ein Land zu zeigen, das einen überwacht, kontrolliert, ausbeutet oder im Stich lässt. Man wird aufgefordert, einfach abzuwarten, richtig zu wählen, intensiver zu beten, mehr zu arbeiten, dann würde sich alles zum Guten wenden.

Aber das Warten ist seit Jahrzehnten die vorherrschende politische Forderung an marginalisierte Menschen.

Die Sprache des neuen Jahres spiegelt oft auf subtilere Weise die Sprache der christlich-nationalistischen Politik wider. Beide betonen die individuelle Verantwortung gegenüber der kollektiven Verpflichtung. Beide priorisieren Gehorsam gegenüber Kritik. Beide stellen Unbehagen als notwendige Wachstumsschmerzen dar und nicht als Beweis für strukturellen Schaden. Und beide entmutigen anhaltende Wut, selbst wenn Wut die angemessene Reaktion auf Ungerechtigkeit ist.

Was als „Negativität” bezeichnet wird, ist oft die Weigerung, sich an der Verleugnung zu beteiligen.

Ein wirklich neues Amerika würde erfordern, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen: dass wirtschaftliche Unsicherheit politisch bedingt ist, dass staatliche Gewalt absichtlich eingesetzt wird, dass der Klimakollaps auf eine Weise bewältigt wird, die die Armen opfert, dass religiöse Rhetorik dazu benutzt wird, autoritäre Kontrolle zu rechtfertigen. Es würde erfordern, anzuerkennen, dass Appelle an die Tradition oft Appelle an die Hierarchie sind und dass „Werte“ oft ein Schutzschild für Macht sind.

Stattdessen werden uns symbolische Neuanfänge angeboten. Neue Slogans. Neue Regierungen. Neue Ablenkungen im Kulturkampf. Die gleichen Leute bleiben geschützt. Die gleichen Leute bleiben entbehrlich.

Sich dafür zu entscheiden, diese Art von Erneuerung nicht zu feiern, ist kein Nihilismus. Es ist Unterscheidungsvermögen. Es ist die Erkenntnis, dass Hoffnung ohne strukturelle Veränderungen keine Hoffnung ist, sondern Unterwerfung.

Ein neues Blatt bedeutet nicht, so zu tun, als sei der Baum gesund. Es bedeutet, zu untersuchen, was vergiftet wurde, was weggenommen wurde und wer gezwungen wurde, in ausgelaugtem Boden zu überleben. Es bedeutet zu verstehen, dass man sich nicht aus Systemen herausbeten, herauswählen oder herausmanifestieren kann, die darauf ausgelegt sind, auszubeuten und zu kontrollieren.

Wenn dieses Jahr anders sein soll, dann nicht, weil die Nation sich selbst für wiedergeboren erklärt hat. Sondern weil die Menschen die Mythen abgelehnt haben, die die Macht schützen. Weil sie den christlichen Nationalismus als das bezeichnet haben, was er ist: nicht Glaube, sondern politische Herrschaft. Weil sie Führer abgelehnt haben, die Erlösung durch Ausgrenzung versprechen. Weil sie darauf bestanden haben, dass „neu” fairer, sicherer und lebenswerter bedeuten muss, nicht nur gehorsamer.

Also ja: neues Jahr, neues Kapitel, neues Amerika.

Aber nur, wenn wir ehrlich sind darüber, für wen das alte Amerika gebaut wurde, wem es weiterhin dient und wer immer noch aufgefordert wird, sich für eine Zukunft zu opfern, die er vielleicht nie erreichen darf.

Quelle: "New Year, New Leaf, New America… But for Who" von Rebekah, Wild Anarchist Vessel, 3. Januar 2026

Übersetzung:  Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

50. Todestag von Hannah Arendt

Zum heutigen 50. Todestag von Hannah Arendt ist es an der Zeit, einmal wieder das berühmte und oft zitierte Gespräch in der Fernseh-Sendereihe "Zur Person", in dem Hanna Arendt unter anderem ihre These von der "Banalität des Bösen" erläutert zu zeigen. Das Interview bezeichnete Günter Gaus selbst als "das beste Gespräch", das er je geführt hat.

Neben der vollständigen Aufzeichnung des Gesprächs existiert auch eine komplette Transkripton.




Deine Einsamkeit war eine bewusste Entscheidung deines Gegners oder: Sie wollen uns isolieren, weil es so einfacher ist, uns irgendwelchen Mist zu verkaufen

Caspar David Friedrich, "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
Synonym für Einsakeit: Caspar David Friedrichs "Der Wanderer im Nebel" ca. 1817
An den besten Tagen meines Lebens merke ich mein Handy kaum. Wenn ich den Tag draußen in der Welt verbringe, vergesse ich, dass ich Social-Media-Konten habe, die ich checken könnte, und Nachrichten, die ich durchscrollen könnte. An den besten Tagen meines Lebens bin ich meistens, aber nicht immer, mit Leuten zusammen (oder meinem Hund, der auch als Mensch zählt), und es kommt mir einfach nicht in den Sinn, auf einen kleinen Bildschirm zu schauen. Einige der besten Tage meines Lebens verbringe ich in meiner Hängematte und lese gedruckte Bücher.

Ich glaube, jeder, den ich kenne, hat die Fantasie, sein Handy oder seinen Computer zu zerstören. Jeder hat eine andere, aber seltsam spezifische Art, wie er das tun würde: mit einem Stein zerschlagen, von einem Wolkenkratzer werfen, auf die Bahngleise legen. Ich selbst – und ich weiß, dass das nicht umweltfreundlich ist – stelle mir vor, ich wäre auf einem kleinen Segelboot irgendwo auf dem Ozean (obwohl ich nicht segele) und würde meine Geräte über Bord werfen. Ich will nicht einfach nur mein Handy oder meinen Computer zerstören, ich will diese Geräte den Göttern des Ozeans opfern.

Wir haben diese Gedanken, aber wir irren uns, warum wir sie haben. Meistens, wenn ich mir vorstelle, wie die Tiefe mein Handy verschluckt, denke ich, dass es daran liegt, dass ich aus der Gesellschaft verschwinden will, dass ich die Welt der Menschen hinter mir lassen will. Ich möchte den Computer auf die Gleise legen und dann für immer in den Wald gehen.

Die Sache ist nur, dass ich diese Fantasie falsch umsetze, sogar in meinem eigenen Kopf. Wir haben irgendwie beschlossen, dass unsere Telefone mit ihrem Versprechen der ständigen Vernetzung Repräsentationen von Menschen, von Gesellschaft und von Gemeinschaft sind. Wir glauben, dass wir mit unseren Telefonen fertig sein wollen, weil wir mit den Menschen fertig sein wollen. Aber das ist einfach nicht der Fall. Was wir hinter uns lassen wollen, sind oberflächliche, unverbindliche Interaktionen. Wir wollen keine Benachrichtigungen und keine Interaktionen mehr. Wenn Geselligkeit Essen wäre, würden wir eine Mahlzeit wollen, aber wir bekommen nur leere Kalorien.

Denn fast das gesamte (aber nicht das gesamte) Online-Ökosystem ist so konzipiert, dass es uns nicht zusammenbringt, sondern uns voneinander trennt.

Das ist kein Zufall. Es wurde so konzipiert. Es wurde von unseren Feinden so konzipiert.

Ich weiß, dass es einfach ist, alle unsere Probleme dem Kapitalismus zuzuschreiben, aber dieses Problem wurde vom Kapitalismus geschaffen.

Opfer, so wie ich es verstehe (ein guter Freund hat mir das erzählt, als er die Arbeit von Georges Bataille beschrieb), hat weniger mit Blut zu tun als vielmehr damit, Dinge (oder Tiere oder Menschen, wenn wir von Opfern alter Schule sprechen) unproduktiv zu machen. Wir machen Dinge heilig (Opfer und heilig haben denselben etymologischen Ursprung), indem wir sie aus dem Bereich der produktiven Wirtschaft herausnehmen. Indem wir Dinge einfach nur existieren lassen und sie niemals „nützlich” sein lassen. Historisch gesehen war der Sabbat gerade deshalb heilig, weil er unproduktiv war.

Die Kelten in Gallien (dem heutigen Frankreich) gruben einfach Löcher, schufen Kunstwerke und warfen diese Kunstwerke in die Löcher. Das klingt zunächst albern, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr reizt mich diese Idee. Ich beobachte meine Freunde, wie sie Schals stricken, nur um sie wieder aufzutrennen. Ich spiele Klavier in einem leeren Raum und schreibe Lieder, die ich nie wieder spielen werde. Ich habe dieses Jahr viel zu viele Tomaten angebaut und hatte mehr Freude daran, sie anzubauen, als sie zu konservieren, und irgendwann habe ich sie einfach an den Pflanzen verrotten lassen.

Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Lebensmittel anzubauen, die niemand isst, aber manchmal serviere ich ein „dummes Abendessen” und stelle einen Teller mit Essen für die Toten bereit, den ich dann in den Wald zu den Feen bringe. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, Schals zu stricken, die man nie tragen wird. Aber die meisten der besten Momente unseres Lebens liegen außerhalb der produktiven Wirtschaft.

Partys sind im besten Fall keine wirtschaftlich produktiven Aktivitäten. Geselligkeit ist im besten Fall kein Multitasking wie Networking.

Dennoch schätze ich auch Produktivität. Ich liebe es, Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich liebe es, Geschichte zu schreiben und zu lehren. Ich liebe es, Kleidung zu nähen, die ich trage, ich liebe es, Regale und Schreibtische aus Holz zu bauen, ich liebe es, Songs zu schreiben, die auf Vinyl gepresst werden.

Aber was uns verkauft wird, ist etwas, das sich irgendwie wie Produktivität anfühlt, aber keine ist. Wir entspannen uns nicht und produzieren auch nichts – kein Wunder, dass wir erschöpft und entfremdet sind.

Die Gig-Economy verkauft uns Isolation und sagt uns, dass das Freiheit ist. Man macht den ganzen Tag einen normalen Scheißjob und bekommt dann mehr „wirtschaftliche Freiheit”, indem man die ganze Nacht Gig-Arbeit macht. (Die „Freiheit”, um die es hier geht, ist in der Regel die Freiheit, nicht zu verhungern.) Und wenn man mit seinen vielen Jobs fertig ist, hat niemand Lust, nur für sich selbst zu kochen, und niemand geht gerne allein ins Restaurant, also bestellt man sich etwas online nach Hause liefern. Essen ohne jegliche soziale Interaktion.

Die Arbeiterbewegung kam durch die Organisation am Arbeitsplatz an die Macht. Vor etwa hundert Jahren las ein Arbeiter in den Fabriken allen anderen während der Arbeit die neueste radikale Zeitung (meist anarchistisch, sozialistisch oder kommunistisch) vor, und selbst weitgehend analphabetische Arbeiter lernten, wie das kapitalistische System sie ausbeutete.

Eine Version davon gibt es natürlich immer noch. Wir haben Instagram-Erklärer, wir haben TikTok-Posts und wir haben Bluesky-Threads, und vielleicht sind wir heute genauso gut darin, Klassenbewusstsein zu verbreiten, aber was wir nicht haben, zumindest nicht so leicht, sind einander. Wir haben keine Genossen; wir haben Leute, denen wir folgen, und Leute, die uns folgen. Wir nennen es „Engagement”, wenn wir einen Beitrag kommentieren, aber es ist kein Engagement, nicht wirklich. Es ist eine seltsame Nachahmung.

Der Algorithmus belohnt kontroverse Meinungen und er belohnt Streitigkeiten, weil beides das Engagement fördert. Der Algorithmus belohnt uns dafür, dass wir uns gegenseitig schlecht behandeln, und das war eine bewusste Entscheidung. Die Leute verbringen ihre begrenzte Zeit auf dieser Erde damit, in Sitzungssälen (jetzt in Zoom-Räumen) zu sitzen, sich Diagramme mit Interaktionstypen auf ihren Plattformen anzusehen und zu sagen: „Die Leute aufzuregen fördert das Engagement für unsere App und bedeutet mehr Marktanteil.”

Je isolierter wir sind, desto mehr werden wir dazu getrieben, gemein zueinander zu sein, desto mehr geben wir das Wenige, das wir haben, für das aus, was uns beworben wird.

Als ich anfing, Podcasts für ein werbefinanziertes Netzwerk zu machen, hatte ich Angst, dass alle sauer auf mich sein würden, weil ich Inhalte produziere, die ein Unternehmen nutzt, um Werbung zu verkaufen. Aber ich glaube, die meisten Leute verstehen, dass sie das auch tun, egal ob sie dafür bezahlt werden oder nicht. Alle unsere Posts und Kommentare sorgen dafür, dass wir Apps, die uns Werbung zeigen, im Blick behalten.

Ich bin nicht sauer auf euch deswegen, ich bin auch nicht sauer auf mich selbst deswegen.

Ich bin sauer auf die Leute, die diese Designentscheidungen treffen. Ich bin sauer auf die Milliardäre und die angehenden Milliardäre, die sich buchstäblich von unserer Verzweiflung und Einsamkeit ernähren und die sich die Finger lecken, wenn sie sehen, wie wir uns im Internet gegenseitig fertigmachen.

Die Leute reden über die „Epidemie der männlichen Einsamkeit” und andere sagen, dass es so was nicht gibt, weil jeder mal einsam ist, und warum Männer so besonders im Fokus stehen.

Es stimmt aber, dass Männer einsam sind. Frauen auch. Andere Leute auch. Wir sind alle einsam, und zwar auf einzigartige und sich überschneidende Weise. Wir könnten gemeinsam einsam sein, aber stattdessen streiten wir darüber, wer am einsamsten ist.

Dass wir darüber streiten, ist eine bewusste Entscheidung.

Ich will nicht angeben, aber ich bin nicht einsam, nicht wirklich. Das liegt nicht daran, dass ich introvertiert bin. Ich sehne mich nach Einsamkeit, aber ich verstehe, dass Einsamkeit nicht Isolation ist, nicht Einsamkeit. Einsamkeit funktioniert für mich gut, weil ich weiß, dass es eine Entscheidung ist. Ich möchte einen Großteil meiner Zeit allein oder in sehr begrenzter Gesellschaft verbringen. Ich war schon immer so, und der Rest meiner Familie ist auch so. Es braucht schon einiges, um mich einsam zu machen.

Ich bin aber misstrauisch gegenüber jeder Dichotomie und jeder Persönlichkeitskategorisierung. Wir alle haben unterschiedliche Eigenschaften in unterschiedlichem Maße. Ich bin introvertiert, weil Einsamkeit meine Batterien wieder auflädt. Aber ich bin auch extrovertiert, weil ich einen separaten Satz Batterien habe, den ich durch soziale Interaktion aufladen muss. Diese Batterien laden sich viel schneller auf und halten viel länger, aber sie sind da. Ich sehne mich auch nach sozialen Kontakten.

Ich habe diese „Batterie”-Metapher schon immer gehört und verwendet, aber ich halte sie für nur begrenzt brauchbar. Denn wir sind keine Maschinen, wir sind Tiere. Wir haben keine Batterien, wir haben Muskeln. Wir verbessern uns durch Übung. Sozialisieren ist also ein Muskel. Einer, den wir stärken können. Als ich während der Pandemie in Isolation geriet (echte Isolation, nicht nur Einsamkeit), sind diese Muskeln verkümmert. Jetzt stärke ich sie wieder. Deshalb bin ich nicht einsam.

Aber, und das ist entscheidend, ich mache das nicht alleine. Ich mache das mit anderen Menschen. Mit Freunden, mit meiner Gemeinschaft. Das sind Muskeln, die wir gemeinsam entwickeln. Ähnlich wie Solidarität, ein weiterer Muskel, den wir stärken müssen. Die Fähigkeit, Unterschiede zu akzeptieren (und zu feiern) ist die Grundlage für Solidarität.

Wenn du mich kennst, wusstest du, dass ich vorschlagen würde, dass Solidarität die Lösung dafür ist, wie wir alle systematisch voneinander isoliert werden. Wir brauchen echte soziale Interaktion (die auch online stattfinden kann, das ist nur schwieriger). Wir müssen uns treffen und wir müssen reden. Wir müssen über unser Leben reden, über unsere Probleme reden und über Lösungen für unsere Probleme reden. Wir müssen Menschen dort treffen, wo sie sind, und wir müssen Menschen treffen, die anders sind als wir.

Wir müssen zusammenkommen, denn es stellt sich heraus, dass wir dieselben Feinde haben: die Leute, die versuchen, uns einsam zu machen – dieselben Leute, die versuchen, uns arm zu machen, die dieselben Leute, die die Seen trockenlegen, um Rechenzentren zu bauen, die dieselben Leute, die versuchen, Grenzen zu schließen, die dieselben Leute, die diese Grenzen überhaupt erst gezogen haben.

Mein Handy ins Meer zu werfen, ist keine Lösung für meine Probleme, weil es eine individuelle Lösung für ein systemisches Problem ist. Ohne deine Hilfe kann ich die Probleme in meinem Leben nicht lösen, und ohne meine Hilfe kannst du sie auch nicht lösen.

Außerdem werde ich mein Handy nicht ins Meer werfen, weil die Fische nichts so Schlimmes getan haben, dass sie auf Instagram gezeigt werden sollten.

Quelle: Margaret Killjoy, Your Loneliness Was a Design Decision Made by Your Enemy or: they want us isolated because it's easier to sell us shit, 28. November 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


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