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»Ich meine dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!« Bertolt Brecht

21.7. Film & Q&A - "Nestwärme - mein Opa, der Nationalsozialismus und ich"

Ein vererbter Familienschatz an Fotos und Filmaufnahmen zeigen den Großvater in den 1940er-Jahren, in einem der Filmausschnitte am Jackenaufschlag ein Hakenkreuz. Wie verändert sich der Blick auf einen geliebten Menschen durch ein Symbol, das für millionenfaches Morden steht? Wieiviel wissen wir über unsere Großeltern und wie lässt sich ein Puzzle aus Fotos und Filmaufnahmen, Erinnerungen und Familiennarrativen sowie Archivalien zu einem kohärenten Bild zusammensetzen, wo sich das Scharnier aus Geschichte und Familiengeschichte zusammenfindet? Ein Ringen um die Erinnerung.

Produktion: Filmuniversität I Film University Babelsberg KONRAD WOLF, Marlene-Dietrich-Allee 11, D-14482 Potsdam

Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit dem Filmemacher Eric Esser.

Dienstag, 21.07.2026, 19 Uhr
Ort: Raum für Beteiligung im Hubertusbad Hubertusstraße 47 10365 Berlin
Anmeldung: mitmachen@licht-blicke.org

Die Veranstaltung ist kostenfrei. Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe zum Thema Nationalsozialismus und Familiengeschichte, organisiert vom Runden Tisch für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit dem Antisemitismusbeauftragten Lichtenbergs.


Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, verschwörungsideologische, antifeministische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zugang zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


 

Die Arbeiter und die Gräber der Toten aus alter Zeit oder: 3000 Jahre alte Streiks und was es bedeutet, frei zu sein

In meinem Traum letzte Nacht war ich in einem Horror-Western, in dem ich ein Gesetzloser war, der zufällig auf eine verlassene Goldmine stieß. Ein paar Goldsucher kamen vorbei und wir versuchten, miteinander auszukommen, aber es war ein harter Winter und sie hatten vor, uns zu verspeisen – sie hatten ein Feuer in einer Grube entfacht, um uns lebendig hineinzulassen.

Ich habe mir im Schlaf versehentlich fest auf die Zunge gebissen und bin in einer besseren Welt als dieser aufgewacht. In meinem echten Leben gehen die Leute, die mich und meine Freunde umbringen wollen, um Reichtum anzuhäufen, subtiler vor – oder zumindest habe ich mehr Freunde, die an meiner Seite kämpfen. Im echten Leben bin ich ein bisschen freier.

Das Foto von Olaf Tausch zeigt die Ruinen der Arbeitersiedlung von Deir el-Medina („Kloster der Stadt“), altägyptisch Set Maat („Platz der Wahrheit“), in Theben-West bei Luxor, Ägypten
Arbeitersiedlung von Deir el-Medina („Kloster der Stadt“), altägyptisch Set Maat („Platz der Wahrheit“), in Theben-West bei Luxor, Ägypten

Foto: Olaf Tausch

Lizenz: CC BY 3.0 , via Wikimedia Commons

Freiheit existiert auf einem Spektrum. Sie ist keine binäre Angelegenheit.


Letzte Woche habe ich mich mit dem ersten bekannten Streik der Geschichte beschäftigt. Die Grabbauer, die in einer Stadt namens Deir el-Medina in Ägypten lebten, traten am 14. November 1152 v. Chr. in den Streik. Vor dreitausendeinhundertachtundsiebzig Jahren. Und ihr Streik sah unseren heutigen sehr ähnlich. Sie legten ihre Werkzeuge nieder und veranstalteten Sitzstreiks, sie blockierten Straßen, sie marschierten, sie betrieben Sabotage am Arbeitsplatz. Sie schrieben Briefe an die Behörden, in denen sie eine Behebung ihrer Missstände forderten. Sie stahlen von der Arbeit. Sie taten alles, was wir heute tun.

Wir wissen von dem Streik in Deir el-Medina, weil es dort Schreiber gab, die die Anwesenheit der Arbeiter protokollierten. Zu den frühesten Schriftstücken der Geschichte gehörten Arbeitszeitnachweise für Arbeiter; daher wissen wir, dass Arbeiter wegen Skorpionstichen und Gliederschmerzen der Arbeit fernblieben, und wir wissen, dass Arbeiter der Arbeit fernblieben, weil sie keine Lust hatten zu gehen oder an diesem Tag lieber Dinge für ihre Familien bauen wollten statt für die Pharaonen.

Ich bin mit der festen Überzeugung aufgewachsen, dass die Menschen, die die Pyramiden bauten, versklavt waren, aber das stimmt nicht. Selbst über die rund dreitausendjährige Geschichte des „alten“ Ägyptens hinweg haben wir keine Beweise dafür, dass irgendeiner der Arbeiter, die Gräber für die Pharaonen bauten, versklavt war. Wir wissen, dass die späteren Arbeiter, wie die streikenden Arbeiter von Deir el-Medina, Lohnarbeiter waren, und wir wissen, dass die Pyramiden (tausend Jahre zuvor) von einer Mischung aus qualifizierten Lohnarbeitern und wechselnden Fronarbeitern erbaut wurden. Diese Arbeiter wurden mit Respekt behandelt, arbeiteten hart, starben jung und wurden mit mehr Würde und Grabbeigaben bestattet als andere ihrer sozialen Schicht. Fronarbeit ist Arbeit als Steuer, und in weiten Teilen der antiken Welt wurde die Infrastruktur von Bürgern und Einwohnern errichtet, die im Rahmen ihrer Steuern Arbeit für den Staat verrichteten.

Diese Arbeit wird selten als „Zwangsarbeit“ bezeichnet, obwohl sie erzwungen wurde.

Auch Lohnarbeit wird selten als Zwangsarbeit bezeichnet. Obwohl ich beim Lesen immer wieder auf Kolonialherrscher stoße, die „Grundsteuern“ für ihre Untertanen einführten, um Subsistenzbauern in den Arbeitsmarkt zu drängen. Das wurde besonders im Industriezeitalter üblich, als Herrscher (ob demokratisch oder nicht) wollten, dass mehr Menschen in Städten lebten und in Fabriken arbeiteten. Grundsteuern wurden auf winzige Landbesitze erhoben, damit die Menschen nicht außerhalb der Marktwirtschaft existieren konnten.


Im alten Ägypten gab es Sklaverei. Sie war bei weitem nicht so ausgeprägt wie im antiken Griechenland oder vor allem im antiken Rom (das eine Sklavengesellschaft war, die die Welt größtenteils eroberte, um mehr Menschen zu versklaven und so die Wirtschaft im kolonialen Kern anzukurbeln), aber es gab im alten Ägypten Menschen, die andere Menschen besaßen. Wenn es Menschen gibt, die regelrecht als Eigentum betrachtet werden, fällt es leicht, Fronarbeit im Vergleich dazu als „frei“ oder sogar „freiwillig“ anzusehen. Die Bauarbeiter in Deir el-Medina waren natürlich noch freier.

In mancher Hinsicht scheinen sie freier zu sein als wir heute. Ich kenne nicht viele Leute, die sich von der Arbeit freistellen lassen können, weil sie lieber etwas anderes machen würden.

Aber was wir als ihren „Lohn“ bezeichnen, lässt sich vielleicht besser als „Rationen“ verstehen. Das war Hunderte von Jahren vor dem Aufkommen des Geldes, und die Arbeiter wurden mit Getreide, Gemüse und Fisch bezahlt. Sie wurden mit Ton für ihre Töpfe und Öl für ihre Lampen bezahlt. Sie wurden mit dem Nötigsten zum Leben bezahlt. Die meisten von ihnen hatten Nebenjobs und stellten Grabbeigaben her, um sie nebenbei im nahegelegenen Theben (nicht das griechische Theben, sondern das ägyptische) zu verkaufen.

Sie streikten nur als Reaktion auf Lohndiebstahl – ein Verbrechen, das heute nur allzu häufig vorkommt.

Auf seltsame Weise fühlt es sich fast ehrlicher an, mit Rationen bezahlt zu werden. Das waren einige der bestbezahlten und angesehensten Facharbeiter ihrer Zeit – jene, denen man anvertraute, (im Fließbandstil) die Gräber der mächtigsten Herrscher des Landes zu errichten, zu schmücken und auszustatten. Und sie wurden so bezahlt: „Ihr habt das, was ihr zum Überleben braucht.“

Heutzutage kämpfen die Menschen mit allen Mitteln um einen existenzsichernden Lohn, um einen Geldbetrag, der verhindert, dass man untergeht. Die meisten Menschen „kommen nicht voran“. Die meisten Menschen „bauen keinen Reichtum auf“ – außer vielleicht für den Ruhestand, um die Mittel zu haben, weiterzuleben, wenn ihr Körper die Arbeit nicht mehr mitmacht. Die meisten Menschen versuchen, ihre Schulden abzubezahlen. Die Ärmsten leben auf der Straße. Die Glücklicheren wohnen in Häusern, die Vermietern gehören. Noch glücklicher bist du, wenn dein Haus der Bank gehört, bis du kurz vor dem Ruhestand stehst. Ein Haus, das dir vollständig gehört, gilt als Zeichen unglaublichen Reichtums. Der Ort, an dem du lebst, gehört dir. Das sollte keine so hohe Hürde sein.

Ich bin überzeugt, dass die Grenze zwischen Freiheit und Unfreiheit fließender und vager ist, als wir denken. Im alten Ägypten verkauften sich manche Menschen (und, da es sich um ein vererbbares Merkmal handelte, auch ihre Kinder) in die Sklaverei, um erdrückende Armut zu vermeiden. Ich habe gelesen, dass dies auch im antiken Griechenland geschah, und meist wird es als eine fast herzerwärmende Praxis dargestellt. Schließlich konnte die griechische Sklaverei nicht so schlimm sein, wenn sich die Menschen aus freiem Willen dafür entschieden haben – so lautet der Subtext. In den apologetischsten Texten wird es fast wie ein unbezahltes Praktikum dargestellt. Es stimmt, dass es manchmal, an manchen Orten, ein Weg zu einer begrenzten sozialen Mobilität war, sich in die Sklaverei zu verkaufen.

Im extremsten Fall, von dem ich gelesen habe, scheint es, als hätten Menschen im alten Ägypten manchmal eine monatliche Gebühr gezahlt, um als Tempelsklaven aufgenommen zu werden – vermutlich gingen sie einem Zweitjob nach, um sich die Möglichkeit zu erkaufen, unbezahlt und unfrei für diesen oder jenen Tempel zu arbeiten. Wahrscheinlich taten sie dies, um „freiwillige“ Fronarbeit zu vermeiden, die noch gefährlicher und elender war.

In Amerika natürlich arbeiten die Menschen von Job zu Job, um nicht in eine Verzweiflung zu geraten, die zu einem Leben in Kriminalität führen könnte, und wir haben sogar einen ganzen Zusatzartikel in unserer Verfassung, der es ausdrücklich erlaubt, Menschen, die bei einer Straftat erwischt werden, zu unbezahlter Arbeit zu zwingen.

Je mehr ich über Geld und Arbeit in der antiken Vergangenheit lese, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass unser modernes Verständnis von Arbeit als etwas, das „wirtschaftliche Freiheit“ gewährt, nur eine vorübergehende Erscheinung ist, vielleicht sogar eine Verirrung. Es scheint, als hätten die meisten Menschen in der „zivilisierten“ Welt im Laufe der Geschichte einfach nach einer Möglichkeit gesucht, am Leben zu bleiben, und unter der Schirmherrschaft der Mächtigen zu leben, war schon immer eine Option, für die sich viele von ihnen entschieden haben (oder zu der sie gezwungen wurden). Entweder bist du selbst mächtig oder du suchst dir jemanden, der mächtig ist, damit du in Sicherheit bist und zu essen hast.

Wir sehen heute noch Überreste davon. Das Priestertum, das Militär. Sekten. Viele Menschen sind verständlicherweise froh, weniger Verantwortung für sich selbst, ihre Bedürfnisse und ihre Entscheidungen tragen zu müssen. Nicht, weil sie willensschwach sind, nicht, weil sie keine verantwortungsbewussten Menschen sind, sondern weil die zivilisierte Welt offenbar auf Unfreiheit aufgebaut wurde, darauf, Menschen in wirtschaftliche Abhängigkeit zu zwingen.

Für die meisten von uns, die nicht selbstständig oder in genossenschaftlichen Strukturen arbeiten, sind unsere Arbeitsplätze kleine Tyranneien mit strengen Hierarchien. Es ist gut, dass wir diese Jobs verlassen und nach Feierabend zu Hause „frei“ sein können (abgesehen von der Unfreiheit, die Kräfte wie das Patriarchat dem häuslichen Bereich auferlegen), aber es ist seltsam, dass wir unseren eigenen völligen Mangel an Handlungsfähigkeit in der Arbeitswelt akzeptieren.


Im England des 18. Jahrhunderts gab es unter den Reichen einen Trend, Zier-Einsiedler zu halten. Es gab keinen besseren Beweis für Reichtum, als einen Mann mit langem Bart und spitzem Hut zu ernähren, zu kleiden und unterzubringen, der in deinem Garten leben und deine Gäste unterhalten konnte.

Als ich zum ersten Mal davon las, war ich eine mittellose Autorin, die in einem Minivan lebte, und ich dachte mir: „Dafür würde ich mich sofort melden.“


Die frühe Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten entstand im Zuge der Abschaffung der Sklaverei, und viele dieser Arbeiteraktivisten sahen sich in derselben Tradition wie die Abolitionisten. Lucy Parsons, die selbst auf eher traditionelle Weise als Sklavin geboren wurde, schrieb oft darüber, wie die „Lohnsklaverei“ die Leibeigenschaft abgelöst hatte. Einige wohlhabende Abolitionisten aus dem Norden hatten offen zugegeben, dass ihr Problem mit der Sklaverei darin bestand, dass sie für die industrielle Produktion ungeeignet war und dass es billiger war, Menschen Löhne zu zahlen, als sie zu besitzen und für ihr Wohlergehen verantwortlich zu sein.

Ich halte es für uns Antikapitalisten nicht für sinnvoll, die Lohnarbeit wieder als „Lohnsklaverei“ zu bezeichnen, denn die Schrecken der rassistisch geprägten amerikanischen Sklaverei dürfen niemals heruntergespielt werden. In einer Welt mit einer Geschichte voller Sklaverei – und verschiedener Formen der Unfreiheit – war die rassistisch geprägte Leibeigenschaft in den USA ein einzigartiges Übel.

Ich halte es schon für wichtig, dass wir unsere Jobs kündigen können, dass wir uns nach anderen umsehen können. Das ist ein Grund, warum ein Begriff wie „Lohnsklaverei“ für mich hohl klingt. Echte Sklaverei gibt es nach wie vor, überall auf der Welt, und das ist kein Begriff, den ich gerne verwässern möchte.

Aber Lohnarbeit ist immer noch Zwangsarbeit. Wir brauchen unseren Lebensunterhalt, um zu überleben. Ich habe meine Zwanziger damit verbracht, dem Geld den Rücken zu kehren, und fand vorübergehende Freiheit, indem ich in verlassenen Gebäuden lebte und Müll aß. Das war nicht nachhaltig. Mein Gesundheitsplan lautete „Werde nicht krank“, und ich hätte auf keinen Fall eine Familie gründen können. Ich stützte mich stark auf zwei Sicherheitsnetze: Ich wohnte für längere Zeit bei anderen Anarchisten, die tatsächlich Jobs hatten, und mir war auch bewusst, dass ich mich auf meine Familie verlassen konnte, die alle arbeiteten. Ich glaube nicht, dass ich auch nur halb so abenteuerlustig gewesen wäre, hätte ich diese beiden Optionen nicht gehabt.

Freiheit ist ein Spektrum oder ein kompliziertes, mehrdimensionales Diagramm mit allen möglichen Positionen, die weder frei noch völlig unfrei sind. Wir müssen verstehen, dass wir in vielerlei Hinsicht unfrei sind. Dass wir im Grunde immer noch nur Rationen zugeteilt bekommen. Man wird nicht reich – nicht plutokratisch reich –, wenn man für einen Lohn arbeitet. Egal wie hoch der Lohn ist, egal welche Rationen man zugeteilt bekommt. Wir könnten unser ganzes Leben lang für das Hundertfache der Rationen unserer Mitmenschen arbeiten und würden trotzdem keine Milliardäre werden. Milliardär wird man nur, indem man den von anderen Menschen erzeugten Reichtum abschöpft, indem man andere Menschen weniger frei macht.


Ich möchte Freiheit lieber gar nicht als statischen Zustand verstehen. Freiheit ist kein Mangel an Einschränkungen, sondern etwas, das wir einander schenken. Freiheit ist eine Beziehung zwischen Menschen. (Diese Idee habe ich von meinem Freund Ben, der sie wahrscheinlich von Kropotkin oder einem anderen längst verstorbenen Anarchisten hat.) Wir schenken einander Freiheit, indem wir füreinander sorgen. Meine anarchistischen Freunde haben mir Freiheit geschenkt, als sie mir eine Unterkunft gaben, und jetzt tue ich dasselbe für andere.

Wir schenken einander Freiheit, wenn wir lernen, Konflikte untereinander zu entschärfen, wenn wir lernen, Menschen in ihrer ganzen Vielfalt zu akzeptieren, wenn wir lernen, auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen. Wenn ich so gut wie möglich für mich selbst sorge, schenke ich den Menschen um mich herum mehr Freiheit. Wenn andere sich um mich kümmern, geben sie mir diese Freiheit zurück.

In gewisser Weise sind die Plutokraten dieser Welt am wenigsten frei, weil sie nie die Möglichkeit haben, mit den Menschen um sie herum auf Augenhöhe zu interagieren.

Ich versuche nicht, ihnen Mitleid entgegenzubringen. Ihre Lebensweise muss zerstört werden, wenn der Rest von uns überhaupt eine Chance auf eine lebenswerte Welt haben soll, geschweige denn auf so etwas wie echte Freiheit.


Es ist aber schön, sich daran zu erinnern, dass Arbeitskämpfe und Tarifverhandlungen so alt sind wie die Lohnarbeit (und dass Lohndiebstahl so alt ist wie die Löhne selbst).

Als der ägyptische Staat ins Wanken geriet (wie schon so oft in seiner 5000-jährigen Geschichte, da Ägypten das älteste Land der Welt ist), begannen dieselben streikenden Arbeiter in Deir el-Medina, sich mit bewaffneten Außenstehenden zu verbünden, um die Gräber zu plündern. Das ist ein Grund dafür, warum die Grabräuber aus Europa größtenteils leere Grabstätten vorfanden, als sie mit ihrer systematischen Plünderung Ägyptens begannen – das ägyptische Volk, die Arbeiter, hatte sich seinen eigenen vergrabenen Reichtum schon Tausende von Jahren zuvor zurückgeholt.

(Ich würde diesen Teil gerne ganz schön und rosig darstellen, aber soweit ich das beurteilen kann, haben sich die Arbeiter bei diesen Plünderungen mit korrupten Kreisen der Regierung zusammengetan. Ich bin nicht sachkundig genug, um dir zu sagen, ob dieser Reichtum seinen Weg zu den arbeitenden Menschen Ägyptens gefunden hat oder nicht – nur, dass er den toten Monarchen von ihrem eigenen Volk nicht allzu lange nach der Bestattung wieder abgenommen wurde.)

Es macht mir nichts aus, dass Freiheit auf einem Spektrum (oder einem Feld) existiert. Es macht mir nichts aus, dass es ein Kampf ist, den wir schon immer geführt haben und immer führen werden. Wir werden vielleicht nie gewinnen, nicht vollständig, nicht dauerhaft, aber wir werden auch nie verlieren. Denn durch den Kampf bauen wir diese Beziehungen der Freiheit auf. Durch den Kampf gewinnen wir.

Quelle: „The Workers and the Tombs of the Ancient Dead or: 3000 year old labor strikes and what it means to be free“ von Margaret Killjoy, 15. Juli 2026

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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]


 

50 Jahre Seveso-Katastrophe

Das Bild zeigt das Gefahrgutschild für giftige Produkte- einen kahlen Baum im Hintergrund, verunreinigter Boden und einen Toten Fisch auf orangenem Hintergrund. Dazu der Text "50 Jahre Seveso Katastrophe" und der Verweis auf die Webseite mitwelt.org als Quelle"
Bild: Mitwelt.org

Im italienischen Seveso wurde am 10. Juli 1976 in der Chemiefabrik Icmesa durch eine Explosion in einem Reaktor eine Giftgaswolke „freigesetzt“ (Neusprech) und dadurch eine der größten Chemiekatastrophen der europäischen Geschichte ausgelöst. Die Folgen für das norditalienische Städtchen Seveso und die umliegende Region waren verheerend. Neben anderen Stoffen entwichen große Mengen der hochgiftigen Dioxinverbindung TCDD in die Umwelt. Hochgiftiges Dioxin verseuchte ein 18 Quadratkilometer großes Gebiet, etwa 200 Menschen erlitten akute Vergiftungen (Chlorakne), zahllose Tiere verendeten. Erst acht Tage nach dem Unglück wurde die Fabrik geschlossen und das verseuchte Gebiet evakuiert. Icmesa war ein Tochterunternehmen von Givaudan, das wiederum zur Hoffmann-La-Roche-Gruppe gehörte. Die Schweizer Roche war verantwortlich für niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und marode Anlagen, die so in der Schweiz nicht möglich gewesen wären. Die Arbeitsbedingungen in der TCP-Produktion waren extrem schlecht, die Anlage veraltet und unzureichend gewartet. Hohe Gewinne in Niedrigsicherheitsländern eben ... Seveso war damals aus Sicht Schweizer Konzerne eine industrielle „Verschmutzungs-Oase“ in Kerneuropa. Heute sind diese „Verschmutzungs-Oasen“ nach Asien oder Afrika weitergezogen, und mit dem erfolgreichen Kampf der Marktlibertären gegen das Lieferkettengesetz werden solche Zustände auch weiterhin bestehen. (...)


Weiterlesen bei Alex Mayer.




Blogkino: Barfuß durch die Hölle: Die Straße zur Ewigkeit - The Human Condition - Ningen no jōken (1959)

Heute führen wir in unsere Reihe Blogkino die kurze Serie mit Filmen des japanischen Regisseurs Masaki Kobayashi fort. Er schuf ab 1959 mit der Trilogie Barfuß durch die Hölle (Ningen no Jōken) einen Klasssiker des Antikriegsfilms, basierend auf einem Roman von Gomikawa Jumpei. Der neuneinhalbstündige Film erzählt die Geschichte des gutmeinenden, aber naiven Kaji (gespielt vom gutaussehenden japanischen Superstar Tatsuya Nakadai), einem japanischen Pazifisten und Sozialisten, der versucht, im faschistischen und repressiven Kaiserreich Japan in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu überleben und seinen Weg vom Aufseher in einem Arbeitslager über einen Soldaten der Kaiserlichen Armee bis hin zum sowjetischen Kriegsgefangenen beschreitet. Ständig bemüht, sich über ein korruptes System zu erheben, muss Kaji immer wieder feststellen, dass seine moralischen Prinzipien eher ein Hindernis als ein Vorteil sind. Als schonungslose Anklage gegen die Kriegsmentalität seines Landes und zugleich als persönliche existenzielle Tragödie ist Kobayashis fesselndes, wunderschön gefilmtes Epos Roman-Kino vom Feinsten.

Wir zeigen heute Teil 2, der hierzulande als "Barfuß durch die Hölle: Die Straße zur Ewigkeit" lief: Nachdem Kaji seine Befreiung vom Militärdienst eingebüßt hatte, weil er chinesische Gefangene vor ungerechter Strafe bewahrte, wird er im zweiten Teil in die Kwantung-Armee eingezogen. Konträr zu seiner antimilitaristischen Einstellung erweist sich Kaji in seiner Ausbildung als hervorragender Soldat, versucht aber im Umgang mit den anderen Soldaten seine Ideale umzusetzen, entgegen aller vorherrschenden Brutalität. Der Film endet mit der erfolgreichen sowjetischen Invasion in der Mandschurei.

Teil 1 hatten wir am 30. Juni hier gezeigt.




250 Jahre Lügen, 500 Jahre Aufstand

Gedanken.
Die sogenannten „Vereinigten Staaten“ feiern am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Wir, die Ureinwohner dieses Landes, müssen nicht lange suchen, um die Heuchelei zu erkennen, die darin liegt, ein Dokument zu feiern, das unsere Vorfahren als „gnadenlose indianische Wilde“ bezeichnet. Heute erleben wir ein Land, das „Freiheit“ proklamiert, während es unsere Nachbarn mit Migrationshintergrund ohne ordentliches Verfahren entführt, Gesetze verabschiedet, die Belästigung und Diskriminierung unserer LGBTQ- und Two-Spirit-Verwandten fördern, und jede politische, rechtliche und militärische Strategie aus dem Ärmel zieht, um jede Form von Widerstand gegen den Staat zu unterdrücken. Zu Beginn dieser Nation ratifizierte die Regierung über 350 Verträge mit indigenen Nationen – und brach anschließend jeden einzelnen davon. So wie es unseren Vorfahren klar war, ist es auch uns heute klar: Dieses koloniale Experiment ist daran gescheitert, etwas aufzubauen, das auch nur annähernd einer echten Demokratie ähnelt.

Die Haudenosaunee-Konföderation verfügt über die älteste ununterbrochene partizipative Demokratie der Welt, bekannt als Gayanesshagowa, das Große Gesetz des Friedens. Viele der Strukturen, die für die Schaffung von Gewaltenteilung in der US-Regierung gelobt werden, sind direkt vom Gayanesshagowa übernommen – wurden jedoch verdreht, um den Interessen der „Gründerväter“ zu dienen, die für den Völkermord und die Versklavung unserer schwarzen Vorfahren verantwortlich waren. Die ursprünglichen Gesetze dieses Landes führten zu einem System, das darauf ausgelegt war, weiße, wohlhabende Männer zu begünstigen – durch den versuchten Völkermord an den indigenen Völkern und den Bison, den Raub unseres Landes, die Entführung unserer Kinder sowie die Verschleppung und Versklavung schwarzer Menschen. Wir lehnen den Mythos ab, dass die „Erbauer“ Amerikas es verdienen, gefeiert zu werden.

Stattdessen suchen wir nach den Träumen unserer wahren Gründungsmütter – der indigenen Frauen, die unsere Gemeinschaften anführten, noch bevor Siedler hier überhaupt Fuß fassten. Die Matriarchinnen, die unser Volk durch über 500 Jahre Völkermord, Zwangsumsiedlungen und Versuche, unsere Kultur und Sprachen auszulöschen, geführt haben. Wir ehren die Träume derer, die dieses Land lange vor der Ankunft der Kolonisten zu Überfluss geführt haben. Wir streben nach gemeinsamer Heilung und Befreiung mit unseren schwarzen Brüdern und Schwestern, deren Zwangsarbeit damals die Geldbeutel der reichen weißen Männer füllte. Wenn Amerika sich weiterhin weigert, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen – einem Land, das auf Völkermord, Landraub und Sklaverei aufgebaut ist – ist es dazu verdammt, sich selbst zu wiederholen.

Widerstand.
Vor 150 Jahren schlossen sich die Oceti Sakowin in der Schlacht von Greasy Grass (auch bekannt als die Schlacht am Little Bighorn) zusammen. Am 25. und 26. Juni 1876 kämpften Krieger der Lakota, Dakota, Northern Cheyenne und Arapaho gegen die 7. Kavallerie und gewannen, nachdem Oberstleutnant Custer von der US-Armee ihr Dorf angegriffen hatte. Indigene Matriarchinnen kämpften an der Seite der Männer, um ihre Kinder, Gemeinschaften und ihre Lebensweise zu verteidigen. Der Sieg bei Greasy Grass erinnert uns an unsere Kraft, wenn wir uns gemeinsam gegen diese völkermörderische Regierung zusammenschließen.

Als indigene Völker haben wir nie aufgehört zu kämpfen, um unser Land, unsere Ökosysteme und Gewässer zu schützen; um unsere Kultur, unsere Lieder und Sprachen zu pflegen; und um unsere Vertragsrechte und Souveränität auszuüben.

Wiedererstarken.
Beim indigenen Widerstand ging es schon immer um mehr als nur den Kampf gegen die weiße Vorherrschaft; es geht darum, eine Zukunft aufzubauen, in der unsere Kultur, unser Wissen und unsere Lebensweisen gelebt, respektiert und geehrt werden. Die Welt braucht das Wissen der Indigenen, um sicherzustellen, dass unsere Enkelkinder sicheres Wasser, saubere Luft und ein lebenswertes Klima haben.

Wir wissen, dass wir gewinnen können – denn genau das haben wir bereits getan. Wir haben ein Bohrunternehmen aus dem heiligen Pe’ Sla vertrieben, weil wir uns im Gebet vereint haben. Kurz darauf wurden wir Zeugen eines historischen Moments, als alle neun Stämme in South Dakota Beschlüsse fassten, um mit der Ausarbeitung von Gesetzen zu beginnen, die alle Bundesgebiete in den Black Hills wieder in den Besitz der Stämme zurückführen sollen.

Die Zukunft heißt „LANDBACK“ und „Black Reparations“. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden, und je mehr wir gemeinsam über und innerhalb der Bewegungen Stärke aufgebaut haben, desto klarer ist das geworden. Heute tragen wir wichtige Lehren aus dem American Indian Movement und der Black Panther Party in uns. Die notwendige Verwandlung dieses Landes in etwas Lebensspendendes und Regeneratives erfordert den Mut, diese aufgezwungenen Systeme abzulehnen – Netzwerke der Solidarität aufzubauen, damit wir boykottieren und die US-Wirtschaft zum Stillstand zwingen können.

Heute ermutigen wir alle unsere Angehörigen, über die Realität der letzten 250 Jahre nachzudenken und zu erkennen, dass die wahren Terroristen auf diesem Land schon immer die Architekten, Treiber und Nutznießer dieses Kolonialprojekts waren – nicht wir, das Volk. Wir laden euch ein, euch dem Kampf für eine Zukunft zu verpflichten, in der alle Menschen und Mutter Erde respektiert werden. Fragt euch selbst: Welche Rolle spiele ich bei diesem Wiederaufleben? Wie lange werde ich noch zulassen, dass andere Menschen über die Zukunft meiner Kinder entscheiden? Sind wir nicht Krieger?

Indigene Völker gab es schon lange vor der Gründung des US-Imperiums und sie werden auch darüber hinaus weiter gedeihen.



Quelle: NDN Collective
Übersetzung und Bearbeitung: Thomas Trueten


Blogkino: Barfuß durch die Hölle - The Human Condition - Ningen no jōken (1959)

Heute beginnen wir in unserer Reihe Blogkino eine kurze Reihe mit Filmen des japanischen Regisseurs Masaki Kobayashi. Er schuf ab 1959 mit der Trilogie Barfuß durch die Hölle (Ningen no Jōken) einen Klasssiker des Antikriegsfilms, basierend auf einem Roman von Gomikawa Jumpei. Der neuneinhalbstündige Filmerzählt die Geschichte des gutmeinenden, aber naiven Kaji (gespielt vom gutaussehenden japanischen Superstar Tatsuya Nakadai), einem japanischen Pazifisten und Sozialisten, der versucht, im faschistischen und repressiven Kaiserreich Japan in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu überleben und seinen Weg vom Aufseher in einem Arbeitslager über einen Soldaten der Kaiserlichen Armee bis hin zum sowjetischen Kriegsgefangenen beschreitet. Ständig bemüht, sich über ein korruptes System zu erheben, muss Kaji immer wieder feststellen, dass seine moralischen Prinzipien eher ein Hindernis als ein Vorteil sind. Als schonungslose Anklage gegen die Kriegsmentalität seines Landes und zugleich als persönliche existenzielle Tragödie ist Kobayashis fesselndes, wunderschön gefilmtes Epos Roman-Kino vom Feinsten.

Wir zeigen heute Teil 1, der hierzulande als "Barfuß durch die Hölle" lief: Er beginnt damit, dass Kaji trotz all seiner Zukunftsängste seine Angebetete Michiko heiratet. Das Paar zieht daraufhin in die japanisch kolonisierte Mandschurei, wo Kaji einer Gruppe von chinesischen Strafarbeitern als Aufseher zugewiesen ist. Er scheitert dort an seinem Versuch, seine humanistischen Denkansätze mit der brutalen Realität des imperialistischen Arbeitslagers zu vereinbaren...





Lesung anlässlich des 50. Jahrestages des Ausbruchs aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin

Das Cover des Buches zeigt das historische Foto nach dem Ausbruch, als  zwei Polizeibeamte zum Fenster der Zelle hochschauen. Dazu Angaben zum Buch.
Herausgeber ‏ : ‎ Immergrün e.V.
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Mai 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3910281222
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910281226
K9 MITTWOCH 8. JULI 2026 - 19 Uhr

„Als wir es das erste Mal gesehen haben, war das wie eine Offenbarung: ein Fenster ohne Gitter!“

Am 7. Juli 1976 gelang Monika Berberich zusammen mit den drei anderen Gefangenen: Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck und Inge Viett, alle aus der RAF und der Bewegung 2. Juni, die Flucht aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin. Sie überwältigten zwei Schließerinnen und seilten sich an Bettlaken ab.

Wir erinnern uns diesem unbedingten Willen nach Freiheit und laden einen Tag nach dem 50. Jahrestag der Befreiung zur Lesung, Buchvorstellung, Informationen und Diskussion ein. Jemensch aus dem Verlag immergrün liest aus dem Kapitel „Das vierzehnte Treffen: Der Ausbruch“ aus dem Buch: Der Kern ist unzerstörbar, Versuch einer Annäherung. Gespräche mit Monika Berberich.

kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


107 Jahre Befehl Nr. 1824

Das historische Foto zeigt eine Gruppe von Kämpfern der Anarchistischen Schwarzen Armee, angeführt von Fedir Schtschus, während des Ukrainischen Unabhängigkeitskriegs.Die Aufnahme stammt aus der Zeit zwischen 1918 und 1921. Die Gruppe, bekannt als die Dibriv-Abteilung, war Teil der Revolutionären Aufständischen Armee der Ukraine. Der Kontext ist der Ukrainische Unabhängigkeitskrieg und der Russische Bürgerkrieg.
Das historische Foto zeigt eine Gruppe von Kämpfern der Anarchistischen Schwarzen Armee, angeführt von Fedir Schtschus, während des Ukrainischen Unabhängigkeitskriegs.Die Aufnahme stammt aus der Zeit zwischen 1918 und 1921. Die Gruppe, bekannt als die Dibriv-Abteilung, war Teil der Revolutionären Aufständischen Armee der Ukraine.
Heute in der Geschichte der Arbeiterbewegung: Leo Trotzki verbot mit seinem Befehl Nr. 1824 am 4. Juni 1919 den 4. Ukrainischen Kongress der Freien Sowjets:
“Die Sektion des Rates, genannt Exekutivkomitee von Gulyai-Pole und die Mitglieder der Machnobrigade sind hiermit ab dem 15. Juni verboten und dürfen unter keinen Umständen tagen. Teilnahme daran wird als Verrat an der Sowjetrepublik betrachtet und entsprechend behandelt. Dieser Befehl tritt sofort in Kraft, telegraphisch.

Trotzki, Vorsitzender des revolutionären Rates der Sowjetrepublik
Watsetis, Ausführender Befehlshaber
Aralov, Mitglied des revolutionären Rates der Sowjetrepublik
Kosharew, Regionaler militärischer Befehlshaber, Kharkov.”

Quelle: Alexander Berkmann, Nestor Machno: Der Mann, der die Bolschewiki rettete

Außerdem entsandte er Truppen, um die Rosa-Luxemburg-Kommune bei Provkovski zu zerschlagen, und erklärte den ukrainischen anarchistischen Aufständischen Nestor Machno für vogelfrei. Das Freie Territorium innerhalb der Ukraine, auch bekannt als Machnowia (nach Nestor Machno), bestand von 1918 bis 1921. Es war eine staatenlose, anarchistische Gesellschaft, die von Machnos Revolutionärer Aufstandsarmee (auch bekannt als Schwarze Armee) verteidigt wurde. Etwa 7 Millionen Menschen lebten in diesem Gebiet, weigerten sich, Pacht an die Grundbesitzer zu zahlen, und beschlagnahmten die Ländereien und das Vieh der Kirche, des Staates und privater Grundbesitzer. Sie richteten lokale Komitees ein, um diese zu verwalten, und teilten sie unter den verschiedenen Dörfern und Kommunen des Freistaates auf.

Quelle: Posting von Mike Dunn, mit eigenen Ergänzungen

Siehe auch: In Zeiten des Krieges. Nestor Machno und die "Machnowschtschina"- eine fast vergessene Episode aus der russischen Revolution, 15. Februar 2009 von Jens Berger und Frank Benedikt

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 12: Severino Di Giovanni vs. Faschismus

Schwarzweiss Foto von Severino di Giovanni (1920)
Severino di Giovanni (1920)

Der Anarchist Severino Di Giovanni verübte am 23. Mai 1928 einen Bombenanschlag auf das italienische Konsulat in Buenos Aires, um gegen die italienische Diktatur zu protestieren. Er tat dies, weil die Faschisten im Exil lebende italienische Antifaschisten ermordeten. Bei dem Anschlag kamen neun Menschen ums Leben und vierunddreißig wurden verletzt. Zuvor hatte er 1926 einen Anschlag auf die US-Botschaft in Buenos Aires verübt, weil ein US-Gericht Sacco und Vanzetti zum Tode verurteilt hatte. Außerdem sprengte er unter anderem eine Statue von George Washington, die Citibank und die Bank of Boston in die Luft. Einmal plante er sogar, Herbert Hoover zu ermorden.

Viele der führenden Anarchisten jener Zeit kritisierten seine Bombenanschläge, weil sie dachten, die Gegenreaktion würde einen faschistischen Putsch in Argentinien begünstigen.

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“

Der Flyer zum Film zeigt eine Szene aus dem Film, in der ein Darsteller mit der Pistole in die Kamera zielt. Darunter ein Bild eines Polizeieinsatzes. Ergänzt werden die Fotos durch Angaben zum Film und der Vorführung aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film (Vorderseite)
"Wir stürmen und werden Soldaten des revolutionären Krieges oder wir werden wieder Bürger und antikommunistische Schweine."

Dokumentation 2015, Jean-Gabriel Pèriot, 93 Min., dt./frz. OmU
Sonntag 21. Juni 2026, 19 Uhr


In den 1960ern durchlebte die Bundesrepublik Deutschland eine ihrer radikalsten und kritischsten Phasen. Zehntausende gingen auf die Straße, um gegen Kapitalismus und Staat aufzubegehren.

„Une Jeunesse Allemande - Eine deutsche Jugend“ wirft einen Blick von außen auf die BRD und ist sehenswert, weil er die Notwendigkeit der 68er dokumentiert, eine Auseinandersetzung mit der Kriegsgeneration zu forcieren um sozialistische Verhältnisse in der BRD zu erkämpfen:

Ende der 1960er lehnte sich die Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik gegen ihre Eltern auf. Sie war desillusioniert von den antikommunistischen, kapitalistischen Staatsstrukturen, in denen die Elite des tausendjährigen Reichs, umetikettiert zu Demokraten, ihre Verbrechen unter den Teppich gekehrt hatte.

Periot schneidet die Positionen kunstvoll gegeneinander zu einem vielstimmigen Kaleidoskop. Darunter zahlreiche Filmzitate von Fassbinder in „Deutschland im Herbst" über Antonionis „Zabriskie Point” bis hin zu Studentenfilmen von Holger Meins und Reportagen von Ulrike Meinhof, die seitdem nie wieder gezeigt wurden.

Der Filmemacher stellt Staat und bewaffneten Widerstand der 1970er und 1980er Jahre, Gewalt und Geschichte, Radikalisierung und die Reaktionen der Gesellschaft darauf einander kommentarlos gebenüber und erteilt auch Filmemacher jener Jahre das Wort.

„Mit meinem Film hole ich die Bilder der Vergangenheit in unsere Gegenwart und organisiere sie neu zu einer subjektiven Montage. Dabei interessiert mich das, was über die offensichtliche Botschaft der Bilder und Töne hinausgeht. Die Widersprüche und die besondere Präsenz des Materials - wie es mich bewegt und verstört.“ Jean-Gabriel Pèriot

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
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