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»Die politische Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer andern.« Karl Marx, Friedrich Engels. Manifest der kommunistischen Partei, 1848

Blogkino: Barfuß durch die Hölle: … und dann kam das Ende - The Human Condition - Ningen no jōken (1961)

Heute führen wir in unsere Reihe Blogkino die kurze Serie mit Filmen des japanischen Regisseurs Masaki Kobayashi fort. Er schuf ab 1959 mit der Trilogie Barfuß durch die Hölle (Ningen no Jōken) einen Klasssiker des Antikriegsfilms, basierend auf einem Roman von Gomikawa Jumpei. Der neuneinhalbstündige Film erzählt die Geschichte des gutmeinenden, aber naiven Kaji (gespielt vom gutaussehenden japanischen Superstar Tatsuya Nakadai), einem japanischen Pazifisten und Sozialisten, der versucht, im faschistischen und repressiven Kaiserreich Japan in den Jahren des Zweiten Weltkriegs zu überleben und seinen Weg vom Aufseher in einem Arbeitslager über einen Soldaten der Kaiserlichen Armee bis hin zum sowjetischen Kriegsgefangenen beschreitet. Ständig bemüht, sich über ein korruptes System zu erheben, muss Kaji immer wieder feststellen, dass seine moralischen Prinzipien eher ein Hindernis als ein Vorteil sind. Als schonungslose Anklage gegen die Kriegsmentalität seines Landes und zugleich als persönliche existenzielle Tragödie ist Kobayashis fesselndes, wunderschön gefilmtes Epos Roman-Kino vom Feinsten.

Wir zeigen heute Teil 3, der hierzulande als "Barfuß durch die Hölle: ... und dann kam das Ende" lief: Im letzten Film sind die japanischen Streitkräfte vernichtend geschlagen. Mit einigen seiner Kameraden macht sich Kaji auf einen gewaltigen Fußmarsch nach Süden, wo er Michiko wiederzufinden hofft. Nachdem er viele Gefahren überlebt hat, wird er von der Roten Armee gefasst und muss daraufhin eine ähnliche Behandlung erdulden, wie sie die Chinesen zuvor erfahren hatten. Nach einiger Zeit gelingt ihm die Flucht. Enttäuscht vom Kommunismus, von dem er sich eine Befreiung der Menschheit erhofft hatte, erkennt er, dass dieses neue System keinen Deut besser ist als alles, wogegen er sich bisher aufgelehnt hatte. Er träumt weiterhin davon, seine Frau wiederzufinden, und muss schließlich seine letzte große Prüfung gegen die weite Ödnis des eurasischen Winters bestehen.

Teil 1 hatten wir am 30. Juni hier gezeigt, Teil 2 am 7. Juli dort.




Afd widersetzen in Erfurt

Das Foto von: © Kinkalitzken zeigt einen Block der Demo mit Seiten und Fronttransparenten. Der Text "Antifaschsimus selber machen - rechte Strukturen bekämpfen" dahinter mehrere Dutzend Demnstrant*innen, die zum Teil mit roten Fahnen dahinter laufen.
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv

Über 30.000 Menschen protestieren am 4. Juli 2026 gegen einen AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Laut dem Aktionsbündnis „widersetzen“ beteiligten sich 17.000 Menschen mit rund 250 Bussen an über 12 Blockadepunkten. Damit handelte es sich um eine der größten antifaschistischen Mobilisierungen der Bundesrepublik.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Polizei fuhr ein Großaufgebot auf und ging an einigen Stellen mit Gewalt gegen den Protest vor. Am Rand versuchten rechte Medienaktivisten zu provozieren. Trotz Blockaden konnte der Parteitag ohne große Verzögerung starten, da viele Teilnehmende frühzeitig anreisten.

„Wir sind gekommen, um den Parteitag zu verhindern. Das ist uns nicht gelungen. Der Grund dafür ist, dass der SPD Innenminister Georg Maier und seine Polizei es ihnen möglich gemacht hat. […] Bei all der Berichterstattung, wer früher an der Messe war: Das. Ist. Kein. Spiel. Wir meinen es ernst. Dieser Parteitag durfte nicht stattfinden“, resümierte Suraj Mailitafi von „widersetzen“.

„Der Kampf gegen Faschismus ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir mobilisieren jetzt nach Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Am 25.07. laden wir zur Konferenz in Magdeburg ein. Dort planen wir unsere Aktionen für den Herbst. Für den 1.8. ruft widersetzen zu Aktionen gegen den Aufmarsch der AfD-Jugend in Schwerin auf“, ergänzte Noa Sander auf der abschließenden Pressekonferenz.

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Stop Geas - Bleiberecht für alle!

Das Foto zeigt eine Frau, die eine Papptafel mit dem Text "(Gemeinsames) Grausames Europäisches (Asylsystem) Asylverweigerungs System" hält. Einige Meter dahinter ist das Transparent mit dem Text "From Tegel to all Camps united we fight" zu sehen.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Seit dem 12. Juni gelten die menschenrechtsfeindlichen Regelungen des „Gemeinsamen Europäischen Asylsystems“ (GEAS). Gegen die massive Verschärfung des Asylrechts demonstrierten an diesem Tag mehrere hundert Menschen vor dem Roten Rathaus in Berlin.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Mit dem nationalen GEAS-Anpassungsgesetz hat die Bundesregierung sogar noch schlimmere Verschärfungen im Asylrecht beschlossen als von der EU vorgesehen. Der Zugang für geflüchtete Menschen zu Schutz ist damit massiv eingeschränkt. Ist die Anerkennungsquote aus einem Herkunftsstaat beispielsweise europaweit unter 20%, werden individuelle Asylgründe in einem beschleunigten Verfahren geprüft. Hinzu kommen Grenzverfahren, mehr gewollte Abschiebungen, ein massiv ausgerüsteter Polizei- und Grenzschutzapparat, mehr Überwachung, drastische Sozialleistungskürzungen, weitere Entrechtungen und Kriminalisierung von Schutzsuchenden.

Besonders deutlich werden die Verschärfungen durch die Ausweitung der Inhaftierungen von Schutzsuchenden: Menschen sollen daran gehindert werden Camps zu verlassen, es kann eine sogenannte „Asylverfahrenshaft“ eingeführt werden, die auch für Kinder gilt. Menschen im Dublinverfahren werden in gesonderen Zentren noch mehr isoliert. Gerade erst hat sich die EU zudem auf sogenannte „Return Hubs“ geeinigt, Abschiebezentren in Drittstaaten – eines der Prestigeprojekte des deutschen Innenministeriums.

Die Ausweitung von Inhaftierungen und Lagerinfrastrukturen bedeutet immer mehr Isolation und Verdrängung der Menschen aus der Gesellschaft. Damit ist GEAS und die deutsche Interpretation davon ein großer weiterer Eskalationsschritt einer menschenfeindlichen, rassistischen Politik.

Es gibt jedoch Spielräume für die Bundesländer, was die Anordnung von Haft und Bewegungsbeschränkungen und die Lagerisierung angeht. Wir wollen deshalb das Land Berlin hier nicht aus der Verantwortung entlassen und fordern daher:

– kein Lager für Menschen mit angeblicher schlechter Bleibeperspektive auf dem ehemaligen Flughafen Tegel und andernorts
– das eindeutige Recht auf Besuch, Präsenz von NGOs und Beratungsstrukturen in jeder Unterkunft und Einrichtung in Berlin
– die konsequente Umsetzung der Schutzansprüche von besonders schutzbedürftigen geflüchteten Menschen

Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Berlin ist eine Solidarity City und hat sich deshalb damit zur solidarischen Aufnahme geflüchteter Menschen verpflichtet – dieses Versprechen kann nicht auf Grund „der politischen WetterLage“ gebrochen werden.

Gemeinsam stehen wir auf für eine offene Gesellschaft für alle Menschen!
Deswegen wollen wir am 12.6. unseren Protest auf die Straße tragen.
Gerade jetzt bleiben wir laut: gegen alle Lager, gegen Inhaftierungen, gegen Abschiebungen und Frontex. Bleiberecht für alle! Stop GEAS!

(aus: Aufruf zur Kundgebung)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema


GEAS - Reform: "Ab dann werden viele Rechte für Schutzsuchende und Migrant*innen nicht mehr gelten."

Start der Demonstration vom Europaplatz Weil am Rhein. Es sind jede Menge verpixelte Menschen zu sehen, mehrere davon hinter dem Frottransparent mit dem Text "Solidarité sans frontière"
Dreiländerdemonstration 18. APRIL 2026 in Basel, weil am Rhein und Huningue
Heute am 12. Juni 2026 tritt die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Damit wird ein politischer Transformationsprozess fortgeführt, im Zuge dessen eine autoritäre, rassistische und undemokratische Politik in Europa implementiert wird. Ab dann werden viele Rechte für Schutzsuchende und Migrant*innen nicht mehr gelten. Konservative in Europa übernehmen nun Positionen von Rechtsextremisten.

Mit dem GEAS werden vor allem die Asyl- und Gerichtsverfahrensrechte von Geflüchteten und damit die Rechtsprechung, die Gerichte und letztlich die Rechtsstaatlichkeit selbst intensiv angegriffen. So wird der Zugang zu Gerichtsverfahren unmöglich gemacht, erschwert und Fristen werden verkürzt. Geflüchtete Menschen können nach dem GEAS schneller und länger inhaftiert werden.

Auf sozialer und rechtlicher Ebene wird eine feindliche Umgebung für Geflüchtete geschaffen. Dabei handelt es sich um eine Politik des „Aushungerns“, d. h. von Leistungskürzungen und Leistungsausschlüssen. Mit der Umsetzung von GEAS wird die Politik der feindlichen Umgebung für geflüchtete Menschen u. a. in Form von geschlossenen Lagern an den Außengrenzen sowie mit sogenannten Sekundärmigrationszentren weiterverfolgt.

Grenzen stellen stets einen Bruch mit der Verwirklichung der universellen Menschenrechte dar. Sie sind ein überholtes politisches Konstrukt des Nationalstaates. Zwar hat sich der Staat auf vielen Ebenen internationalisiert, jedoch kaum in der sozialen Frage. Der Nationalstaat ist heute selbst das größte Hindernis bei der Lösung umfassender weltweiter Probleme.

Dagegen positionieren wir uns als Aktion Bleiberecht im Dreiländernetzwerks „Solidarité sans frontière“ gemeinsam mit all den solidarischen Projekten und Initiativen. Wir rufen alle demokratischen Kräfte in der Dreiländerregion dazu auf, sich einzumischen, wo immer es möglich ist und sich unserem Protest anzuschließen.

Seit 2015 kommt es zu einer verstärkten Militarisierung der EU-Außengrenzen und zu einer Aufrüstung der Polizei. Mit einer Non-Arrival-Politik soll verhindert werden, dass Geflüchtete den europäischen Kontinent erreichen und ein Asylverfahren durchlaufen. Dazu dient auch die Kriminalisierung von Geflüchteten und der solidarischen Flüchtlingsarbeit. Seit 2018 beobachten wir eine Zunahme von Gewalt, Rechtsverstößen und rechtswidrigen Zurückweisungen an den Grenzen, sogar an den EU-Binnengrenzen. Allein an der französisch-italienischen und der französisch-spanischen Grenze sind seit 2015 mindestens 73 Geflüchtete gestorben. Mittlerweile befinden sich an 15,5 Prozent (2008 Kilometer) der europäischen Landesgrenzen Stacheldrahtzäune und Grenztechnologien. Bei der Jahrhundertwende waren es noch 1,7 %.

Im Jahr 2025 stellten, gemessen an der Gesamtbevölkerung in Europa 0,148 Prozent Menschen einen Asylerstantrag. Die sogenannten irregulären Einreisen („Fake Illegals“) lagen 2025 bei 0,02 Prozent der Gesamteinreisen nach Europa. Die Gesamtkosten für „Migrations- und Grenzmangement“ beliefen im Jahr 2025 rund 2,5 % des Gesamt EU-Haushalts. Für andere Zwecke wurden 97,5 Prozent ausgegeben. Trotz dieses Verhältnisses steht das Thema Migration immer wieder im Zentrum einer einseitig geführten autoritären politischen Debatte. Diese Debatten dienen nachweislich einem Ziel: dem Abbau der Demokratie in Europa. Dieser Prozess wird nicht bei Geflüchteten haltmachen.

Diese Politik hat die Diskussion im Bereich der Migration längst verlassen und erreicht nun auch andere sozial ausgegrenzte und diskriminierte Gruppen. Im Hinblick auf die zunehmende Obdachlosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und den europaweiten Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist außerdem zu beobachten, dass die Wohnsubstandards in Lagern für Geflüchtete Eingang in eine städtische Billigbauweise (Flüchtlingsbaurecht) finden. Selbst Kontrollmechanismen der Lager werden übernommen.

Obwohl in Europa noch nie so viel Reichtum angehäuft wurde, ist die Mehrheit der politischen Akteur*innen in den Parlamenten nicht willens, soziale Verantwortung für die Auswirkungen ihres politischen und wirtschaftlichen Handelns zu übernehmen. Ihre Politik verschärft Krisen, spaltet Gesellschaften und greift elementare soziale Rechte nicht nur von Geflüchteten an.

Anlässlich einer Veranstaltungsreihe zum Thema Grenzen in Freiburg hat sich im Januar 2026 erstmals das Dreiländer-Netzwerk „Solidarité sans frontière“ gebildet. Am 18. April mobilisierte das Netzwerk rund 600 Personen für eine trinationale Demonstration im Dreiländereck gegen die Reform des GEAS. Das Netzwerk ruft Gruppen und Organisationen in der Nordwestschweiz, dem Elsass und Baden dazu auf, sich für kommende gemeinsame Treffen, Aktionen und Demonstrationen anzuschließen.

Quelle: Aktion Bleiberecht Freiburg, aktiv im Dreiländernetzwerk „Solidarité sans frontière“ 12. Juni 2026


Mein Notfallrucksack im Jahr 2026 oder: Ausrüstung, so viel Ausrüstung

Ich muss euch ein Geständnis machen. Fast das ganze letzte Jahr über lag mein Notfallrucksack vergessen und verlassen in einer Ecke meines Schranks. Dinge, die ich mir daraus ausgeliehen hatte, wurden selten zurückgelegt.

Dafür hatte ich eine gute Ausrede: Ich habe meinen EDC-Rucksack (Everyday Carry, für diejenigen unter euch, die nicht ihre ganze Zeit damit verbringen, Prepper-Foren zu lesen) in eine Art Notfallrucksack verwandelt. Mein EDC-Rucksack enthält Hygieneartikel, Überlebensausrüstung und Erste-Hilfe-Zubehör, und ich nehme ihn sowieso meistens überallhin mit – es ist also die Tasche, die ich zu jedem Zeitpunkt am ehesten bei mir habe. Vielleicht stelle ich ihn und seinen Inhalt bald mal vor.

Also wusste ich die meiste Zeit des letzten Jahres nicht wirklich, was ich von einem Notfallrucksack erwartete. Es waren nicht „meine gesamte Campingausrüstung“ (die befindet sich in meinem Van) und es war auch nicht „das absolute Minimum, das ich bei mir haben will“ (das war in meinem EDC-Rucksack).

Aber der Sinn einer Notfalltasche ist nicht „die Tasche, die du immer dabei hast“, sondern „die Tasche, die du schnappst, wenn dein Haus brennt oder der Wald brennt oder die Faschisten auf dem Weg sind“. Es ist die erste Tasche, die du ins Auto wirfst, wenn du es wirklich eilig hast, egal ob du zu Freunden, zu einem Grenzübergang irgendwo, in ein Flüchtlingszentrum oder in den Wald fährst.

Also habe ich meine Notfalltasche als 72-Stunden-Überlebenstasche für städtische, ländliche oder vorstädtische Umgebungen neu gestaltet. Es ist keine Wander-, Camping- oder Kampftasche. Es ist einfach eine Notfalltasche.

Und ich bin wirklich zufrieden damit.

Also werde ich darüber sprechen.

Zunächst einmal geht es in diesem Beitrag nicht um Markenempfehlungen oder darum, dir zu sagen, dass du das tun musst, was ich tue.

Meine Tasche ist wahrscheinlich übertrieben. Ich habe schon immer maximal gepackt, sogar (oder gerade?) damals, als ich aus einem Rucksack lebte, was ich den größten Teil meiner 20er Jahre tat. (Ich war so ein squattender, reisender Aktivist.)

Bevor ich endlich in der Welt aufstieg und mir einen Minivan kaufte, in dem ich lebte, reiste ich mit einem großen Rucksack (wahrscheinlich so um die 65 Liter), einem hölzernen Akkordeonkoffer mit einem großen Akkordeon darin und einer Laptoptasche. Ich mochte es, meine Sachen dabei zu haben, denn das war alles, was ich besaß.

Die meisten Menschen haben nicht dieselbe Einstellung zu ihren Sachen. Mit zunehmendem Alter (und nachdem ich einen Ort gefunden habe, an dem ich meine Sachen unterbringen kann) habe ich angefangen, das Gewicht, das ich gerne mit mir herumtrage, etwas zu reduzieren, aber dies ist immer noch eine ziemlich maximalistische Ausrüstungsliste.

Wenn du noch keine Notfalltasche hast, empfehle ich dir, dir eine zusammenzustellen. In den meisten Krisen solltest du lieber „zu Hause bleiben“ als „flüchten“ und dich in deinem Zuhause in Sicherheit bringen. Bei den meisten Evakuierungen hast du ein Fahrzeug dabei. Dennoch ist die Notfalltasche ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung, denn es gibt Situationen, in denen sie nützlich sein wird, aber auch, weil sie wahrscheinlich der einfachste Weg ist, um anzufangen. Das Zusammenstellen einer Notfalltasche bringt dich dazu, über Gefahren nachzudenken und darüber, wie du dich auf diese Gefahren vorbereiten kannst. Es macht auch Spaß.

Fang mit den Grundlagen an: ein Rucksack, etwas Wasser, etwas Essen, warme Kleidung, Unterwäsche. Füge nach und nach weitere Dinge hinzu: Grundausstattung für Überleben, Hygiene, Erste Hilfe, digitale Kopien von Dokumenten. Eine Taschenlampe. Ein Messer. Pfefferspray. Eine Powerbank und ein Ladekabel für dein Handy. Und mach einfach so weiter.

Es macht keinen Sinn, meine Liste einfach abzuschreiben. Wenn du meine allgemeineren Gedanken zum Zusammenstellen eines Notfallrucksacks lesen möchtest, findest du sie hier. Ich habe aber die vollständige Packliste am Ende, falls du neugierig bist.

Der Rucksack

Der Rucksack selbst ist ein Mystery Ranch Blitz 35. Ich mag ihn. Ich weiß nicht, ob ich sie so sehr mag, dass ich den Aufpreis für Mystery Ranch gezahlt hätte, und ich denke, die meisten günstigen Rucksäcke bei Amazon oder wo auch immer sind von völlig guter Qualität. Aber die wasserabweisenden Reißverschlüsse sind toll, und der große Reißverschluss an der Seite ist toll, und es ist wirklich eine gut gestaltete und bequeme Tasche, also bereue ich den Kauf nicht.
Das Foto zeigt einen liegenden, mit Molle System ausgerüsteten schwarzen Rucksack mit einer Edelstahltrinkflasche in der rechten Seitentasche


Der Inhalt

Hier ist fast alles, was ich in der Tasche habe (ein paar Dinge habe ich irgendwie nicht mit auf das Bild bekommen).
(Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Die obere Tasche

KN95-Masken:Ich habe ein paar davon in ihrer Verpackung dabei, die sowohl für Pandemien als auch für staubige Umgebungen gut geeignet sind.

CAT7-Blutstillungsband: Das einzige Teil aus meinem Erste-Hilfe-Set, das ich griffbereit habe, ist ein CAT7-Blutstillungsband. Diese gelten allgemein als der aktuelle Goldstandard für Blutstillungsbänder in fast jeder Situation (mit Ausnahme von sehr kleinen Gliedmaßen, wie denen eines Kindes oder Tieres). Hüte dich vor gefälschten Blutstillungsbändern und kaufe nicht nur nach dem Preis.

Die obere Vordertasche

Aufsteckbare Taschenlampe: Diese kleine Taschenlampe lässt sich an den Schirm einer Mütze klemmen. Ehrlich gesagt bevorzuge ich eine Stirnlampe, aber meine gute Stirnlampe befindet sich in meiner EDC-Tasche und meine miese hängt an einem Haken neben der Tür, und ich bringe es gerade nicht über mich, eine dritte Stirnlampe zu kaufen.

Ohrstöpsel: Es gibt einen kleinen Metallbehälter mit Ohrstöpseln darin. Das sind die etwas hochwertigeren (immer noch nicht elektrischen), die die Klangfrequenz besser bewahren als Schaumstoff-Ohrstöpsel. Ich habe sie für Konzerte gekauft, aber da sie wiederverwendbarer sind als Schaumstoff-Ohrstöpsel, liegen sie in meiner Notfalltasche. Ohrstöpsel sind nützlich, um in lauten Umgebungen zu schlafen und wenn man sich in der Nähe von lauten Geräten oder Schüssen aufhält. Genauso wie beim Konzertbesuch.

Brillenschraubendreher: Ein winziger Mehrzweck-Brillenschraubendreher zum Öffnen von Elektronikgeräten oder zum Reparieren von Brillen.

Kleines Mehrzweck-Schraubendreher-Set: Ein winziger Mehrzweck-Schraubendreher im Taschenformat mit vier Bits.

Pfeife: Eine robuste kleine Metallpfeife, die man in Notfällen zum Signalisieren und zum Verscheuchen von Staatsbeamten nutzen kann.

Taschen-Brechstange: Es ist schlecht, mit einem Messer zu brechen, besonders mit einem Klappmesser, also habe ich eine winzige EDC-Brechstange. Ehrlich gesagt ist das wahrscheinlich nicht besonders notwendig, aber ich habe sie schon, also scheiß drauf.

Multitool: Ich liebe Multitools mit Zange. Ich benutze sie ständig. Normalerweise habe ich eines am Gürtel, aber ich bewahre ein zweites Multitool in meiner Notfalltasche auf, falls ich gerade keines dabei habe. Als ich draußen lebte, habe ich es jeden Tag viele Male benutzt. Ich persönlich finde, dass Gerber eine absolut vernünftige Qualität hat, und ich habe mir nie die Mühe gemacht, ein Leatherman zu besitzen, aber billige Nachahmermarken sind mir schon oft auseinandergefallen. Als Alternative ist das Gerber Dime eine winzige Version, die sich für viele Zwecke sehr gut eignet.

Fernglas: Es macht Spaß, weit entfernte Dinge aus der Nähe zu sehen. Es gibt taktische und Überlebensgründe, warum man ein Fernglas mitnehmen möchte, aber meistens macht es einfach Spaß. Man kann Vögel beobachten.

Feuerzeug: Ein Bic-Feuerzeug funktioniert in fast jeder Umgebung sehr zuverlässig (manchmal erschweren Nässe und Kälte die Benutzung). In meinem Überlebensset in der Haupttasche ist noch ein weiteres, aber es ist praktisch, schneller auf ein Feuerzeug zugreifen zu können.

Silcock-Schlüssel: Diese Dinger, die wie metallene Pluszeichen aussehen, sind Schraubenschlüssel, die zum Öffnen und Schließen spezieller Dinge wie Wasserhähne an Raststätten oder Gasleitungen an Häusern gedacht sind. Ich habe widersprüchliche Berichte über die Qualität der billigen Modelle gehört und habe diese selbst nie getestet.

Allwetter-Notizbuch: Es gibt einige Marken dieser Notizbücher, am bekanntesten ist Rite-in-the-Rain, und mit ihnen kannst du, nun ja, im Regen schreiben.

Schreibutensilien: Ich habe einen normalen Kugelschreiber, einen Rite-in-the-Rain-Stift, einen Druckbleistift und einen Sharpie-Marker dabei. Zum Beschriften von Gegenständen.

Pfefferspray: (nicht abgebildet). Ich habe hier ein Pfefferspray mit Klappverschluss dabei, das in den meisten Selbstverteidigungssituationen nützlicher ist als eine Schusswaffe oder ein Messer, da die meisten Selbstverteidigungssituationen nicht zu tödlicher Gewalt eskalieren sollten.

Klappmesser: (nicht abgebildet). Ich habe hier ein kleines Klappmesser dabei, das zwar eine Doppelung zum Multitool darstellt, aber im Allgemeinen einfacher zu bedienen ist.

Blinklicht: (nicht abgebildet). Ein winziges rot-weißes Licht, das entweder leuchten oder blinken kann und das ich an der Rückseite des Rucksacks befestigen kann, wenn ich auf der Straße gehe und für Fahrzeuge sichtbar sein muss.

Die untere Vordertasche

Das Bild zeigt eine Tasche für Ausweise sowie Pass, Bargeld  und Hundeimpfpass

Dokumente: In einer Passhülle, die in einem Zip-Beutel steckt, bewahre ich meinen Reisepass, etwas Bargeld in verschiedenen Scheinen und den Tollwutimpfpass meines Hundes auf.

Stromversorgung:
Das Foto zeigt eine mobile Solarladestation (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

In einem weiteren Zip-Beutel habe ich eine Solar-Powerbank (erwarte dir nicht zu viel Leistung von einem Solarpanel, vor allem nicht von einem tragbaren, aber es ist besser als nichts. Meistens lade ich diese Powerbank einfach an der Steckdose auf). Außerdem habe ich ein leistungsstarkes Netzteil dabei, das man an eine Steckdose anschließen kann und das sowohl USB-A- als auch USB-C-Anschlüsse hat. Und ich habe ein Octopus-Kabel dabei, das von USB-A zu USB-C, USB-Mini und Lightning passt. Außerdem habe ich einen Adapter zum Aufladen meiner Uhr dabei (ruhe in Frieden, meine verlorene Uhr. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben). Ich habe vor, noch ein 12-V-DC-USB-Ladegerät hinzuzufügen.

Außerhalb des Rucksacks

Elektrolyte: In der Hüftgurttasche bewahre ich eine Mischung aus Emergen-C-Päckchen und „Zipfizz“ auf, das koffeinhaltig ist und das ich noch nie probiert habe. Ich trinke kein Koffein, außer wenn ich lange Strecken fahre oder in Notfällen. Ich bewahre diese so auf, dass sie schnell griffbereit sind, um sie in eine Wasserflasche zu geben.

Wasserflaschen: In den Wasserflaschentaschen habe ich eine einwandige Titan-Wasserflasche, die nützlich ist, weil man darin bei Bedarf Wasser kochen kann, und eine vakuumisolierte Wasserflasche, die ich dazu nutze, Flüssigkeiten warm oder kalt zu halten. Ich habe Gorilla-Klebeband um den Boden der isolierten Wasserflasche gewickelt. Vielleicht ersetze ich die isolierte Wasserflasche durch eine Smart-Water-Flasche, die ich mit Leitungswasser füllen würde. Der Zweck wäre, eine Flasche mit einem normalen Schraubverschluss zu haben, was nützlich ist, um Dinge wie ein Rucksack-Bidet oder einen Wasserfilter anzubringen.

Hero Clip: Ich denke, ein normaler Karabiner würde völlig ausreichen, aber mir wurde der schicke „Hero Clip“-Karabiner angepriesen, der dafür gedacht ist, dass man seinen Rucksack leichter aufhängen kann, und so habe ich mir einen zugelegt. Daran hängt mein Rucksack gerade in meinem Schrank.

Lose im Hauptfach

Eine Baustellen-Tüte: Eine große, strapazierfähige Plastiktüte kann als Notfall-Poncho oder Unterstand dienen, aber ich habe sie hauptsächlich dabei, damit ich meinen ganzen Rucksack hineinwerfen kann, wenn ich ihn vor starkem Regen schützen muss.

Eine Baseballkappe: Nützlich, um die Sonne aus meinem Gesicht zu halten und so auszusehen, als wäre ich ein ganz normaler Mensch.

Ein Spork mit langem Stiel: Als ich draußen lebte, schwor ich auf Metall-Sporken. Ich hatte immer einen an meinem Gürtel befestigt. Diese Modelle mit längerem Stiel werden von Rucksacktouristen bevorzugt, damit sie in tiefe Dosen und Beutel (wie Rucksacktouristen-Mahlzeitenbeutel) greifen können. Ich habe zwar eigentlich keine Lebensmittel in dieser Tasche, die zubereitet werden müssen, aber der Spork ist sein Gewicht trotzdem wert.

P-Cord: Ich käme wahrscheinlich auch mit weniger P-Cord aus, aber ich denke, ich brauche es nicht nur zum Bauen von Notunterkünften, sondern auch als Leine für meinen Hund, also habe ich eine ganze Menge davon.

Eine mittelschwere Mylar-Rettungsdecke: Diese hier ist so etwas wie eine Mischung aus einer Plane und einer normalen Mylar-Rettungsdecke. Eine billige, dünne Mylar-Rettungsdecke hat mir an meinem 13. Geburtstag das Leben gerettet, als mein Zeltpartner das Zelt bei 2 °C und Regen offen gelassen hat, also schwöre ich auf sie. Diese hier ist etwas größer und dient gleichzeitig als Plane.

Ein Notbiwak: Das ist eine Rettungsdecke in Röhrenform, in die du dich hineinkuscheln kannst, um dich aufzuwärmen.

Eine Papierkarte der USA: Die bewahre ich in einem Ziplock-Beutel auf. Ich finde, das ist unverzichtbar für jeden, der in den meisten Krisen irgendwohin will. Wir sind heutzutage alle viel zu sehr auf unsere Handys angewiesen, ich selbst eingeschlossen.

Lifestraw: (nicht abgebildet). Die sind leicht und günstig und ermöglichen es dir, im Notfall Wasser direkt aus einem Bach zu trinken. Eigentlich bevorzuge und vertraue ich der Marke Sawyer viel mehr und werde dieses hier bald ersetzen, aber mein Sawyer ist bereits in meiner Campingausrüstung und ich hatte diesen Lifestraw gerade zur Hand.

Kleidung

Das Foto zeigt Kleidungsstücke (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Meine gesamte Kleidung befindet sich in großen Ziplock-Beuteln. Erkennst du, was meine Lieblingsfarbe ist?

Warme Kleidung: Wenn du draußen schläfst, wird dir kälter, als du denkst. Das habe ich in meiner allerersten Sommernacht draußen ohne Schlafsack gelernt. In einem Beutel bewahre ich eine synthetische Mütze, ein Woll-„Buff“ (so eine Art Wollschlauch, den man als Schal, Stirnband oder Mütze verwenden kann … es ist ein Thneed) und lange Unterwäsche aus Wolle für oben und unten auf.

Daunenjacke: Ich bewahre eine „packbare“ Daunenjacke aus Synthetik in einem separaten Ziplock-Beutel auf. Echte Daunenjacken sind wärmer und lassen sich kompakter verstauen als Synthetikdaunen, aber Synthetik bleibt auch im nassen Zustand warm und leidet nicht so sehr darunter, ständig verstaut zu sein, daher halte ich sie für den klaren Sieger im Notfall.

Regenjacke: Ich bewahre eine dünne Regenjacke mit Kapuze in einem weiteren Ziplock-Beutel auf. Sie hält den Wind gut ab und verbessert die Isolierung der darunter getragenen Schichten, außerdem hält sie natürlich den Regen ab. Ich persönlich packe keine Regenhose in diesen Rucksack, aber wenn ich an einem feuchteren Ort leben würde oder vorhätte, im Wald zu übernachten, würde ich das in Betracht ziehen.

Unterwäsche: Ich habe zwei Paar Wollsocken und zwei Paar Wollunterhosen in meinem Rucksack. Bei den Socken bin ich fest davon überzeugt, dass sie aus Wolle oder zumindest aus Synthetik sein sollten, während das Material bei der Unterwäsche etwas weniger wichtig ist. Aber die Möglichkeit, sich umzuziehen, ist sehr wichtig. Im schlimmsten Fall kannst du deine Kleidung im Waschbecken oder in einem Bach waschen und sie zum Lüften außen an deinem Rucksack hängen lassen. Luft und UV-Strahlung der Sonne leisten beide recht gute Arbeit beim Auffrischen von Socken. (Als ich in einem Van lebte, habe ich manchmal schmutzige Socken buchstäblich an mein Fenster gehängt, damit der Luftzug sie schneller trocknen ließ.)
Das Foto zeigt zusammengelegte Socken (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Bandana: (nicht abgebildet) Ein Baumwollbandana kann man nass machen, um sich abzukühlen, um den Hals tragen, um cool auszusehen, oder zum Vorfiltern von Wasser verwenden. Ich habe jahrelang jeden Tag ein Bandana um den Hals getragen, als ich auf Güterzügen mitfuhr – sowohl als Maske, um meine Identität zu verbergen, als auch, um den schlimmsten Rauch und andere Schadstoffe herauszufiltern.

Essen

Mein Ziel beim Essen ist es, Kalorien für etwa drei Tage dabei zu haben, die ich weder erhitzen noch in irgendeiner Weise zubereiten muss. Es ist furchtbares Essen und ich würde mich elend fühlen, aber nicht so elend, wie ich mich fühlen würde, wenn mein Körper sich selbst auffressen würde. (Allerdings gehört es auch zur Vorsorge, ein bisschen Übergewicht zu halten. Schau dir Alone an, wenn du mir nicht glaubst. )
Das Foto zeigt diverse verpackte Notrationen. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Notvorräte: Die weiße Packung mit der Aufschrift „SOS“ auf diesem Foto enthält 3600 Kalorien an „Notvorräten“, bestehend aus Kohlenhydraten und Fetten. Ich habe mich noch nicht getraut, sie zu essen. Ich habe gehört, sie seien „okay“ und fade, aber nicht eklig.

Proteinriegel: Ich esse im Alltag eine peinlich hohe Anzahl an Proteinriegeln, daher sind sie eine naheliegende Wahl für einen Snack. Das sind etwa 2100 Kalorien an Proteinriegeln, insgesamt also 4700 Kalorien, was etwas weniger als 1600 Kalorien pro Tag für drei Tage ergibt – nicht viel, aber überlebbar. Ich habe keine besondere Markentreue zu diesen Marken, es ist einfach das, was ich gerade zur Hand hatte. (Ich esse allerdings zugeben, dass ich viele Protein-Kekse von Larry & Larry’s esse). Es ist wichtig, diese regelmäßig zu verbrauchen, da sie ein Verfallsdatum haben. Zum Glück bekomme ich oft Heißhunger und plündere regelmäßig meine Notfalltasche.

Elektrolyte: Mehr Elektrolyte und Koffeinpulver in der Verpflegungstasche. Die Nuun-Tabletten sind derzeit mein Favorit.

Für meinen Hund

Das Foto zeigt unter anderem einen faltbaren Wasser und Futternapf. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Futter: (nicht abgebildet, außer auf dem Hauptbild oben): Ich bewahre etwa 9 Tassen Hundefutter in einem Drybag auf, den ich dann in einen weiteren Ziplock-Beutel stecke, damit mein Rucksack nicht nach Futter riecht. Darin befindet sich ein Plastik-To-Go-Behälter, der gleichzeitig als Hundenapf dienen kann.

Zusammenklappbarer Napf: Das schwarze Objekt unten rechts ist ein zusammenklappbarer Becher, den ich für Hundewasser benutze. Er ist nicht gerade der robusteste, aber für kurze Zeit reicht er aus, bis ich etwas anderes auftreibe.

Karabiner: Anstatt eine ganze Hundeleine mitzuschleppen, habe ich ein P-Kord und einen Karabiner dabei, den ich am Geschirr meines Hundes befestigen kann.

Hundekotbeutel: In vielen Krisensituationen sind eher viele Menschen auf engstem Raum zusammen als dass man sich im Wald durchschlagen muss, deshalb habe ich eine Rolle Hundekotbeutel dabei. Zusätzliche Plastiktüten sind sowieso überall nützlich.

Medikamente: Mein Hund braucht monatlich ein Mittel gegen Parasiten, deshalb habe ich eine Tablette davon dabei. Er nimmt außerdem täglich Prozac, weil er ein arbeitsloser Arbeitshund ist und ohne das Mittel sehr ängstlich wäre, und er hat auch ein Rezept für Trazodon für Notfälle, das sehr hilft, wenn er sehr gereizt reagiert (wie zum Beispiel bei einer größeren Krise). Normalerweise finde ich, dass alle Medikamente in ihren Originalflaschen aufbewahrt werden sollten, damit es bei einer Begegnung mit der Polizei nicht unangenehm wird, aber bis ich von jedem Mittel eine zusätzliche Flasche habe, die ich in der Tasche aufbewahren kann, gehe ich einfach dieses Risiko ein.

Erdnussbutter-Päckchen: (Die werde ich hinzufügen) Um ihm die Einnahme der Medikamente zu erleichtern.

Leckerlis: (Die werde ich hinzufügen) Weil er ein sehr braver Junge ist.

GPS-Hundehalsband: (Das werde ich hinzufügen). Erfordert ein Abonnement, das ich jetzt verlängern werde, da ich es mir leisten kann.

Überlebensausrüstung

In der Tasche ist ein kleines Täschchen mit Überlebensausrüstung. Es ist ziemlich minimalistisch: Es ist keine Tasche, um im Wald zu leben, sondern nur eine Tasche, die mich am Sterben hindert, falls ich dort lande.
Das Foto zeigt ein Survival Kit. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Kabelbinder: Diese kleinen Dinger sind super, um im Notfall Dinge zu reparieren. Mein Vater ist überzeugt, dass sie in der Apokalypse mindestens genauso viel Wert haben werden wie Munition oder Schnaps.

Nähset: Ich habe ein kleines Fläschchen mit Nähnadeln (normale und für Leder) und Sicherheitsnadeln dabei. Ich bin es gewohnt, alles mit Zahnseide als Faden zu nähen, weil das damals so der Stil war, als ich als Crust-Punk anfing, also benutze ich dafür die Zahnseide aus meinem Hygiene-Set.

Chemlight: Auch bekannt als Leuchtstab. Tactical-Prepper-Männer sind davon besessen, weil man sie in coolen taktischen Situationen benutzt, um seinem Team Signale zu geben, aber sie machen auch irgendwie Spaß und lassen das Campen in einer schwierigen Situation besonders und magisch anmuten, und sie sind eine kleine Notbeleuchtung und Signalmethode, also was soll’s.

Kleiner Überlebensratgeber: Ein kleiner Ausdruck mit Überlebensinfos ist nicht schlecht, um ihn dabei zu haben.

Feuermachen: Ich habe hier noch ein Bic-Feuerzeug sowie Sturmstreichhölzer, Zunder und eine kleine Brennstofftablette dabei. Ich mache mir keine Gedanken um einen Feuerstahl, weil ich damit aus der Übung bin und weil das hier kein Campingrucksack ist.

Hand- und Zehenwärmer: Ich liebe diese Dinger. Ich habe sie benutzt, als ich jünger war und öfter im Schnee gezeltet habe, und dann diesen Winter, als ich nach Minneapolis fuhr, um über die Anti-ICE-Proteste zu berichten, haben sie mir wahrscheinlich die Zehen gerettet, als es etwa -15 Grad oder so waren.

Kompass: Hör mal, ich bin nicht der weltbeste Landnavigator, aber lass dich davon nicht davon abhalten, einen Kompass dabei zu haben. Manchmal kommt es einfach darauf an, zu wissen, dass man in eine konstante Richtung geht, anstatt raffinierte Tricks mit topografischen Karten oder so zu machen. Wenn du dich verlaufen hast, such dir eine Richtung aus und bleib dabei (und folge dann Bächen).

Signalspiegel: Um Licht zu reflektieren und jemandem ein Signal zu geben, oder einfach, um morgens deine Hygiene-Sachen zu erledigen.

Fresnel-Linse: Ich benutze sie eher, um den winzigen Text im Überlebensratgeber zu lesen oder nach Splittern zu suchen, als um damit ein Feuer zu entfachen, aber sie kann all das und wiegt so gut wie nichts.

P38-Dosenöffner: Dieses winzige Stück Stahl kann Dosen öffnen. Es ist unglaublich. Ich habe mich auf diese und meinen Spork verlassen, um mich satt zu halten, als ich per Anhalter unterwegs war. Diese Dinger haben mir so viele Dosen Chili beschert.

Kreditkarten-Multitool: Ich neige dazu, All-in-One-Überlebensgadgets zu hassen, aber diese hier finde ich ganz okay. Sie können vieles nur schlecht, aber sie können trotzdem vieles. Meistens habe ich es als Notfallmesser oder Schraubenzieher benutzt. Einmal habe ich zum Beispiel mein Nummernschild damit ausgetauscht.

Notfall-Angelausrüstung: Ich mag den Geschmack von Fisch nicht und wurde nie gut im Angeln, egal wie oft ich es als Kind versucht habe, und ich esse eigentlich keine Tiere, also werde ich das hier wahrscheinlich nie benutzen, aber vielleicht tut es jemand anderes, oder vielleicht bin ich mal hungrig genug, um es zu versuchen.

Wasseraufbereitungstabletten: Damit lässt sich Wasser chemisch aufbereiten, damit es trinkbar wird. Ärgerlicherweise stehen die Anweisungen und Mengenverhältnisse nicht auf den Päckchen selbst, also bewahre ich einen Teil der Verpackung dazu auf.

Hygiene-Set

Dein Hygiene-Set wirst du wahrscheinlich öfter benutzen als dein Überlebens-Set. Es ist nicht so aufregend, aber wahrscheinlich wichtiger. Es ist auch ziemlich wichtig für deine Gesundheit. Das ist immer noch ein sehr reduziertes Set. Ich würde in Erwägung ziehen, bessere Feuchttücher, eine bessere Haarbürste und vielleicht ein kleines Handtuch hinzuzufügen, aber meine Tasche ist schon ziemlich voll.
Das Foto zeigt ein Hygieneset. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

Dentalfloss: Zum Zähneputzen und zum Nähen. Früher hatte ich kleine Zahnseidenstäbchen in meinen Taschen, aber die landeten irgendwie überall und waren nervig, also habe ich sie nicht wirklich benutzt.

Zahnbürste und Zahnpasta: Du solltest dir die Zähne putzen, um deinetwillen und um der Menschen in deiner Umgebung willen.

Deodorant: Ich bin ehrlich, im Alltag benutze ich nicht immer Deodorant. Aber ich benutze immer Deodorant in Situationen, in denen ich mit anderen Menschen auf engstem Raum zusammen bin, wie im Bus oder im Flugzeug. Oder, na ja, in den meisten Notsituationen. Ich bevorzuge ein Hippie-Deo, aber das hier ist die Reisegröße, die ich noch herumliegen hatte.

Seifenstreifen: Der kleine gelbe Behälter enthält winzige Papierstreifen mit Seife, mit denen du dir die Hände waschen kannst – das ist unverzichtbar. (Handdesinfektionsmittel ist eigentlich bei weitem nicht so gut und beugt der Übertragung von Krankheiten, die auf fäkal-oralem Weg übertragen werden, überhaupt nicht vor. Es hat seinen Zweck und ist vielleicht eine Überlegung wert, es in ein Set aufzunehmen, ich hatte nur gerade keines zur Hand).

Schlafmaske: Je älter ich werde, desto schlechter schlafe ich in überfüllten Situationen. Eine Schlafmaske und Ohrstöpsel helfen da sehr. Wenn ich Platz hätte, würde ich noch ein ganzes Reisekissen für den Nacken hier reinpacken.

Einwegrasierer und Rasierschaum: Vielleicht musst du dich im Notfall nicht rasieren, aber einige von uns sind trans und wollen keinen Bart haben und sind mit der Laserbehandlung noch nicht fertig.

Klappbare Haarbürste und Haargummis: Ich trage meine Haare meistens in Zöpfen, aber ich muss sie trotzdem bürsten und zusammenbinden.

Famotidin: Nimm alle Medikamente mit, auf die du angewiesen bist. Ich nehme Famotidin gegen Sodbrennen.

Komprimiertes Handtuch: Die winzige weiße Scheibe ist ein Feuchttuch ohne Feuchtigkeit. Einfach Wasser hinzufügen.

Gleitgel und Kondome: Ich habe keinen supercoolen geheimen Überlebensgrund dafür. Sie dienen dazu, Sex bequemer und sicherer zu machen.

Tampons: Auch hier wieder kein supercooler geheimer Überlebensgrund. Sie sind eigentlich nicht gut geeignet, um starke Blutungen zu stoppen. Diese sind für Menschen in meinem Umfeld, die sie für ihre Menstruation brauchen.

Lippenbalsam: Ich benutze selten Lippenbalsam, aber Menschen in meinem Umfeld tun das oft, und ein Lippenbalsam mit Lichtschutzfaktor ist wichtig, wenn man durch Schnee wandern muss. Ich bin kürzlich von der zylindrischen Festform auf die Tube-Variante umgestiegen, weil die bei Hitze wahrscheinlich besser hält.

Feuchttücher: Nur ein paar kleine Feuchttücher. Es könnte sich lohnen, welche zu besorgen, die für den Outdoor-Einsatz gedacht sind, obwohl ich mich nicht wirklich dazu durchringen kann, etwas mitzunehmen, das „Dude Wipes“ heißt. Nicht, weil ich ein Mädchen bin, sondern weil die Zerbrechlichkeit von Männlichkeit urkomisch ist.

Toiletten-Set: In einem separaten Ziplock-Beutel bewahre ich Toilettenpapier, eine Wanderschaufel, ein Wanderbidet und „Travel Johns“ auf. Wenn du draußen kackst und es nicht selbst wegpackst (z. B. in einem Hundekotbeutel), dann musst du um Himmels willen zuerst ein Loch graben und deine Scheiße vergraben. Das ist für die grundlegende Hygiene unerlässlich. Dafür ist die Schaufel da. Das Wanderbidet lässt sich an einer Wasserflasche befestigen und ermöglicht es dir, dich besser zu reinigen und weniger Toilettenpapier zu verbrauchen. Die „Reise-Toilettenbeutel“ sind mit Trockenmittel gefüllte Beutel, in die du pinkeln kannst – so etwas wie Einweg-Pinkelbecher, die einigermaßen hygienisch sind und für verschiedene Genitalien geeignet sind. Man kann nicht immer draußen pinkeln und man findet nicht immer eine Toilette.

Verbandskasten

Mein Verbandskasten ist eine Kombination aus einem „Pflaster-Set“ (also alltägliche Medikamente und Hilfsmittel für kleinere Verletzungen) und einem IFAK (ein Set zur Stillung schwerer Blutungen). Ich bewahre ihn in einer eigenen Tasche oben im Rucksack auf und würde ihn außen am Rucksack befestigen, wenn ich denke, dass ich ihn wahrscheinlich brauchen werde.

Es lohnt sich für jeden (selbst für zimperliche Leute wie mich), einen „Stop the Bleed“-Kurs zu besuchen, um zu lernen, wie man vor Ort mit traumatischen Wunden umgeht, und wenn du dich wirklich dafür interessierst, einen „Care Under Fire“-Kurs, um zu lernen, wie man während eines aktiven Feuergefechts reagiert.
Das Foto zeigt Medikamente und eine erste Hilfe Ausrüstung. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Gaze: Hier sind verschiedene Arten von Verbandmull zur Blutstillung enthalten. Normale Verbandmullrollen, komprimierter Verbandmull sowie „Chito-Verbandmull“, der mit einer blutstillenden Chemikalie imprägniert ist.

Nasale Atemwege: Der grüne Schlauch in der obersten Reihe. Diese sollten nur von Personen mit entsprechender Ausbildung verabreicht werden, und ehrlich gesagt ist es schon zu viele Jahre her, seit ich zuletzt einen Kurs zu ihrer Anwendung besucht habe. Diese werden in die Nase des Patienten eingeführt, um Luft an Hindernissen vorbei zu leiten. Verwende sie nicht, wenn du keinen Kurs absolviert hast, es sei denn, du gehst davon aus, dass ausgebildete Sanitäter in der Nähe sind.

Antiseptische Tücher: Zum Desinfizieren von Gegenständen und wohl auch zum Desinfizieren von Wunden (ich schreibe hier keinen medizinischen Blogbeitrag. Es gibt viele umstrittene Verwendungszwecke für verschiedene Dinge.)

Vaseline: Nützlich zum Feuermachen, und manche Leute mögen sie zur Wundversorgung (andere sagen, man sollte sie nicht zur Wundversorgung verwenden. Siehe oben.)

Brustversiegelungen: Wenn jemand in die Brust geschossen wird, entleeren sich seine Lungen wahrscheinlich und er kann nicht mehr atmen, es sei denn, du verschließt seine Brusthöhle.

Zahn-Erste-Hilfe-Set: Ich habe mich einmal auf so ein Set verlassen, als mir ein Stück Zahn fehlte und ich nicht genug Geld für eine zahnärztliche Notfallbehandlung hatte.

Rezeptfreie Medikamente: Diesmal war ich faul und habe eine kleine Packung gekauft, die eine Reihe verschiedener Medikamente enthält, anstatt mein eigenes Set zusammenzustellen. Ich empfehle Blisterpackungen oder einzeln beschriftete Dosen aller Medikamente, einschließlich der rezeptfreien. Denk an: Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol (alles Schmerzmittel), Loperamid (gegen Durchfall), Diphenhydramin (gegen Entzündungen und Juckreiz) und was auch immer du sonst noch brauchst.

Spülspritze: Die dient dazu, Wasser tief in Wunden zu spritzen, um sie zu reinigen. Sie ist super und jeder sollte eine haben.

Medizinisches Klebeband: Zum Fixieren von Mullbinden.

Nitrilhandschuhe: Ich mag diese Paare, die in ihren eigenen kleinen Päckchen kommen.

Leukotape: Wanderer scheinen auf dieses Zeug als Kombination aus medizinischem Klebeband und Blasenvorbeugung zu schwören. Ich selbst habe es noch nicht oft benutzt. Diese Rolle ist wahrscheinlich zu groß.

Dreifach-Antibiotikum: Damit aus kleinen Wunden keine großen Probleme werden.

Jodtabletten: Die sind für Atomkatastrophen gedacht, um deine Schilddrüse mit Jod zu fluten, damit du weniger wahrscheinlich Krebs bekommst. Eigentlich sind sie für Leute über 40 kontraindiziert, aber ich habe trotzdem noch Freunde.

Medizinische Schere: Weil man Kleidung entfernen muss, um Wunden zu versorgen.

Ace-Bandage: Zum Einwickeln von Verstauchungen.

Pflaster: Für kleinere Wunden.

Schmetterlingspflaster: Um größere Wunden zu verschließen.

Pinzette: Zum Entfernen von Zecken und Splittern und wahrscheinlich noch anderen Dingen.

Sekundenkleber: (nicht abgebildet). Ein weiteres umstrittenes Mittel, das zum Verschließen von Wunden verwendet wird.

Digitales Zeug

Das Foto zeigt ein Handy und eine RFID sichere Tasche dafür. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)


Faraday-Tasche: Diese blockiert WLAN- und Handysignale und all so etwas. Ich nehme an, sie hilft deinen elektronischen Geräten, einen EMP zu überstehen, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich glaube, dass EMPs eine besonders realistische Bedrohung darstellen. Aber eine Faraday-Tasche verhindert, dass Leute wittern, dass Elektronik in der Nähe ist – was ein Weg ist, wie man gefunden werden könnte, wenn man sich versteckt. Diese Tasche ist groß genug, um nicht nur mein Ersatztelefon, sondern auch mein Haupttelefon aufzunehmen, und auch meine Uhr, falls ich das verdammte Ding jemals finde.

Ersatzhandy: Mein Ersatzhandy läuft mit einem Minuten-Tarif bei einem anderen Anbieter als mein Haupttelefon, sodass ich eher noch ein Handy habe, falls ein Anbieter ausfällt. Ich zahle 3 $/Monat für die Aufrechterhaltung der Telefonverbindung. Man kann auch einen Prepaid-Tarif nur für Daten bekommen, für den man keine Grundgebühr zahlen muss, aber ich wollte telefonieren und SMS schreiben können. Das Handy selbst enthält keinerlei persönliche Daten, aber ich habe seinen Speicher vollgestopft mit Offline-Apps. Am wichtigsten ist Kiwix, das kostenlos ist und mit dem man Datenbestände herunterladen kann (wie die gesamte Wikipedia sowie jede Menge Notfallanleitungen), und es gibt
CoMaps, das ebenfalls kostenlos ist und mit dem man Karten von überall herunterladen und dann die GPS-Funktion deines Handys nutzen kann.
Das Foto zeigt USB Sticks, eine Nintendo Switch und eine Tasche, um alles darin zu verstauen. (Beschreibung des Inhalts siehe Text weiter unten)

USB-Sticks: Ich habe zwei USB-Sticks. Einer ist verschlüsselt und enthält persönliche Dokumente wie Kopien meiner Ausweise, Kreditkarten, Versicherungskarten, Fahrzeugscheine und ähnliches. Der andere ist eine Bibliothek mit Büchern, Hörbüchern und Filmen. Alles gemeinfrei, natürlich. Beide USB-Sticks haben sowohl USB-C- als auch USB-A-Anschlüsse.

Nintendo Switch: Zu guter Letzt eines der wichtigsten und am häufigsten übersehenen Dinge, die in jeden Bugout-Bag gehören … eine Videospielkonsole. Ich habe 2020 netzunabhängig gelebt und hatte nur sehr begrenzt Strom, und der Kauf dieses Geräts hat nach einem langen Arbeitstag in meiner Hütte Wunder für meine psychische Gesundheit bewirkt. Ich habe einige Spiele installiert und physische Kassetten von anderen. Ein Steam Deck ist robuster und auch cooler, weil es nicht so stark an Nintendos Ökosystem gebunden ist, aber es ist schwerer und verbraucht mehr Strom, also kommt es nicht in meinen Rucksack. Was auch immer sonst in der Welt vor sich geht, zumindest kann ich in Skyrim verschwinden, weißt du?

Überlebensradio: (Das werde ich vielleicht noch hinzufügen). Es gibt winzige Überlebensfunkgeräte, aber ich habe noch keines gefunden, das mir wirklich gefällt.

GMRS-Funkgeräte oder Amateurfunk: (Das füge ich vielleicht noch hinzu). GMRS-Funkgeräte sind wie Walkie-Talkies, nur etwas besser. Man muss keine Prüfung ablegen, um eine Lizenz zu bekommen, und man muss keine Lizenz vorzeigen, um sie zu kaufen. Ich bewahre meins (mit meiner Lizenz) derzeit in meinem Auto auf, aber vielleicht besorge ich mir noch ein Paar für meinen Rucksack. Amateurfunkgeräte sind viel leistungsstärker und viel komplizierter in der Bedienung, und wenn ich mich darin jemals verbessere oder meine Lizenz erhalte, werde ich vielleicht eines hier aufbewahren.

Auffällig abwesend

Schusswaffen: Ich bewahre keine Schusswaffen in meiner Tasche auf, und das solltest du auch nicht, es sei denn, du bewahrst deine Tasche in einer Art Tresor auf. Alle Schusswaffen sollten weggeschlossen werden, wenn du sie nicht bei dir trägst. Das ist eine grundlegende moralische Verpflichtung. Wenn du Schusswaffen hast, um die Menschen zu schützen, die du liebst, dann ist es deine Pflicht, sicherzustellen, dass sie tatsächlich für Sicherheit sorgen, indem du sie weggeschlossen aufbewahrst. Wenn ich diesen Rucksack in einer Situation schnappen würde, in der ich auch eine Schusswaffe mitnehme, würde ich ein paar zusätzliche Magazine in den Rucksack werfen.

Kocher: Manche Leute möchten vielleicht eine Möglichkeit zum Kochen in ihrer Notfalltasche haben, aber ich mache mir da keine Gedanken. Ich habe fast nie etwas aus meiner Tasche gekocht, als ich aus einem Rucksack lebte. Ich habe meistens kalte Dosen mit Chili und Brot mit Erdnussbutter und solche Sachen gegessen. Wäre dies eine Campingtasche, würde ich vielleicht einen winzigen Raketenkocher oder einen Backpacker-Kocher dabei haben, und ich habe einen Campingkocher in meinem Auto.

Mitreißendes Fazit

Und das war’s. Das ist meine Tasche. Ich werde wahrscheinlich noch mehr laminierte Dokumente hinzufügen, wie Notfallkontakte und so weiter, aber das ist es, was ich habe. Sie ist nicht leicht, aber das muss sie auch nicht sein. Sie ist nicht für den täglichen Gebrauch gedacht.

Jetzt muss ich meine EDC-Tasche systematisieren. Und meinen Wanderrucksack. Und was in meinem Auto ist. Und was in meinem Keller ist.

Die Packliste


Kleidung


  • 2 Paar Wollsocken
  • 2 Paar Wollunterwäsche
  • Thermoblock
  • Thermohose
  • Mütze
  • Daunenjacke
  • Regenjacke
  • Woll-Buff
  • Bandana
  • Baseballkappe

Licht


  • Taschenlampe
  • Blinklicht zum Wandern
  • Stirnlampe

Unterkunft


  • Notbiwak
  • Mittelschwere Rettungsdecke
  • Seil

Essen


  • Überlebensrationen (3600 Kalorien)
  • Proteinriegel (2000 Kalorien)
  • Koffein
  • Elektrolyte

Wasser


  • Titanflasche
  • Isolierte Stahlflasche mit Gorilla-Klebeband
  • Wasserfilter
  • Wasserreinigungstabletten
  • Tragbare Trinkblase

Hundepflege


  • Trazadone
  • Prozac
  • Simparico Trio
  • 3 Tage Hundefutter mit Tupperware-Napf
  • Zusammenklappbarer Napf
  • Kotbeutel
  • Erdnussbutter-Päckchen
  • Hundeleckerlis
  • Hunde-GPS und Kabel

Hygiene


  • Schlafmaske
  • Ohrstöpsel
  • Zahnbürste
  • Zahnpasta
  • Deo
  • Zahnseide
  • Einwegrasierer
  • Nagelknipser
  • Pinzette
  • Seifenstreifen
  • Tampons
  • Gleitgel
  • Kondome
  • Haargummis
  • Feuchttücher
  • Reise-Toilette
  • komprimiertes Handtuch
  • Lippenbalsam
  • Haarbürste
  • Backpacking-Bidet
  • Toilettenpapier
  • Rasiercreme-Päckchen

Werkzeuge


  • Nähset (Nadeln und Sicherheitsnadeln, Zahnseide als Faden verwenden)
  • Multitool
  • Brillenschraubendreher
  • Kleiner Schraubendreher
  • Langgreifender Spork
  • 8-Wege-Silcock
  • Karabiner / Ausrüstungshaken
  • Ultraleichte Schaufel
  • Brechstange
  • Klappmesser

Überleben


  • Pfeife
  • Baustellensack
  • Fernglas
  • Rite-in-Rain-Notizbuch
  • Stifte
  • Marker
  • Bleistift
  • Kompass
  • Handwärmer
  • Zehenwärmer
  • Signalspiegel
  • P38-Dosenöffner
  • 2x Butangasfeuerzeuge
  • Überlebens-Multitool in Kreditkartengröße
  • Chemlight
  • Sturmstreichhölzer
  • Feueranzünder-Block
  • Zunder
  • Kleiner Überlebensratgeber
  • Fresnel-Linse
  • Kabelbinder
  • Angelausrüstung

Medizin


  • Handschuhe
  • Schere
  • Leukotape
  • ACE-Bandage
  • 2x Mullbinden
  • Zahnpflegeset
  • Spülspritze
  • Sekundenkleber
  • Pflaster
  • Schmetterlingspflaster
  • Vaseline
  • Sterile Vorbereitungstücher
  • Medizinisches Klebeband
  • IOSAT
  • Trauma-Verband
  • Chito-Mull
  • Kompressionsmull
  • Nasale Atemwege
  • Brustversiegelungen
  • Dreifach-Antibiotikum
  • Paracetamol
  • Aspirin
  • Ibuprofen
  • Loperamid
  • Famotidin
  • Cat9-Blutstillungsband
  • Diphenhydramin

Elektronik


  • Solar-Akku-Bank
  • Octopus-Kabel
  • Überlebensradio / Scanner
  • GMRS oder Amateurfunk
  • Minutenabrechnung-Handy
  • Faraday-Tasche
  • Nintendo Switch

Sonstiges


  • N95-Masken
  • 500 $ oder 1000 $ oder was auch immer

Dokumente


  • Reisepass
  • Tollwut-Infos
  • Papierkarte der USA
  • Laminierte Notfallkontaktkarte
  • Laminierte Wegbeschreibung (über Nebenstraßen) und zu Fuß von zu Hause zu deinen Lieben und zurück
  • Verschlüsselter USB-Stick (A und C) mit persönlichen Dokumenten
    • Reisepass
    • Sozialversicherungskarte
    • Geburtsurkunde
    • Fahrzeugbrief
    • Hypotheken- oder Mietinformationen
    • Hausratversicherung
    • Kfz-Versicherung
    • Führerschein
    • Kreditkarten
    • Krankenversicherungskarte
    • Gewerkschaftsausweis
  • unverschlüsseltes USB-A- und USB-C-Laufwerk mit Büchern etc.
    • Überlebensratgeber
    • medizinische Ratgeber
    • Filme
    • Fernsehen
    • Hörbücher
    • E-Books


Quelle: „My Go Bag as of 2026 or: gear, so much gear“ von Margaret Killjoy, 10.Juni 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Dokumentiert: Das Plädoyer von Daniela Klette vom 12. Mai 2026

Nun geht dieses erste lange Verfahren gegen mich zu Ende. Im Verlauf des Prozesses hat sich die Einschätzung, die es von Beginn an gab, bestätigt und es ist überdeutlich geworden: Fahndung und Verfahren sind politisch bestimmt. Es geht hier darum,unbedingt Herrschaft und Unterwerfung durchzusetzen. Das hat die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer nochmal unterstrichen. Es geht nicht um einzelne Taten und auch nicht so sehr um mich, sondern darum, eine Geschichte radikalen linken Widerstands delegitimieren und abschreckend zu bestrafen.

Das Foto zeigt ein von mehreren nicht oder nur teilweise sichtbaren Personen getragenes Transparent mit dem Text: "Die Solidarität lässt für sie so sagt Daniela die Sonne aufgehen". Links vom Text ein roter Stern, rechts davon eine Sonne.
Foto: solidarisch-mit-daniela.de
Ich danke allen, die mich solidarisch begleitet haben, hier im Saal, von außen, vor den Knastmauern, mit Briefen, Karten u. Gedanken u. auch meinem Anwalt Ulrich von Klinggräff, der leider sehr krank geworden ist u. deshalb nicht mehr hier sein kann. An sie alle sowie an den Teil der Öffentlichkeit, die sich dafür interessiert, richtet sich das, was ich heute sagen werde.

Ich möchte kurz etwas zu meiner Geschichte sagen, die auch die Geschichte vieler anderer Genoss*innen ist. Viele, die mir geschrieben haben sind so jung, dass sie die Zeit in den frühen 70gern bis in die 90gern in Westdeutschland nicht miterlebt haben. Oder sie sind in Ostdeutschland aufgewachsen oder in anderen Orten der Welt. Ich habe das ohne den Anspruch auf Vollständigkeit geschrieben und hoffe aber, dass aus dem Gesagtem klar wird, warum ich die Suche nach einer besseren Welt in der Kapitalismus, Rassismus u. Patriarchat überwunden sind und den Kampf darum verteidige.

Und warum ich hier auch das Recht, sich ein Leben in der Illegalität aufzubauen u. zu erhalten, auch wenn es „nur“ darum geht, sich der Repression des Staates zu entziehen, verteidige. Das ist völlig unabhängig davon, dass Letzteres für mich seit mehr als 2 Jahren vorbei ist. Deshalb ist es meine Sache, dies alles soweit möglich von hier aus zu tun.

Als Jugendliche spürte ich, dass ein Leben nach kapitalistischen Regeln zerstörerisch ist. Menschen sind soziale Wesen u. auf Kooperation ausgerichtet. Aber die Unterwerfung unter die im Kapitalismus produzierten Zwänge der Vereinzelung durch Konkurrenz greift dies an u. schafft Fremdheit und Distanz untereinander. Das funktionieren müssen, ohne zu fragen wofür, u. das Nachjagen um irgendwelchen von diesem System produzierten Bildern und Normen zu entsprechen schafft Distanz zu sich selbst.

Natürlich hatte ich dafür noch keinen Begriff und keine genaue Erklärung. Aber ich fühlte mich zerrieben durch den Druck und die Niedergeschlagenheit, die dies alles erzeugte und meine Abwehr dagegen wuchs, Deshalb bewegten mich schon früh Fragen nach einem anderen Leben, das doch möglich sein musste.

Das war so, obwohl ich zu Hause großes Glück hatte. Meine Eltern waren offene Menschen. Meine Mutter war wohl schon immer so, Mein Vater, der als Junge in die HJ (Anmerkung: Hitlerjugend) kam und als Jugendlicher im Krieg auf der Seite der Nazis stand, hat sich nach 1945 intensiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und für sich daraus Konsequenzen gezogen. Beide wollten ihren Kindern menschliche Werte vermitteln. So durfte ich Freund*innen von überall her haben, sowohl was die Länder, die Hautfarbe als auch die gesellschaftliche Stellung betraf. In der Anfangszeit der Arbeitsmigration waren einige von ihnen aus Spanien, Italien, Portugal. Durch den Kontakt mit diesen Freund*innen hatte ich die Möglichkeit, etwas von ganz unterschiedlichen Lebensweisen mitzubekommen. Das war schon etwas Besonderes. Nur eine meiner Schulfreund*innen durfte mit uns raus auf die Straße. Wie überall waren auch in unserer Nachbarschaft rassistische Haltungen gegenüber Migrant*innen verbreitet. So mussten meine Eltern gegen die Kritik von Lehrer*innen standhalten, die besorgt meinen „Umgang“ beobachteten. Ich bekam auch sonst mit, wie ablehnend und ausgrenzend das Verhalten gegenüber Arbeitsmigrant*innen war. Ich habe Container gesehen, in denen türkische Bauarbeiter zu mehreren eingepfercht hausen mussten um dann wieder ihre Knochen bei der harten Arbeit kaputt zu malochen. Sie sollten sich zwar bei der Arbeit maximal auspressen lassen, aber bloß kein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft werden. Auch diese Ungerechtigkeiten brachten mich auf. In der Schule ging es nicht ums Miteinander, nein, es sollte uns eingetrichtert werden, dass es immer ums „Besser sein“, besser selbst als die beste Freundin, ginge. Und darum mitzuhalten, um eine Karriere erreichen zu können, die es ermöglicht, am als erstrebenswert behaupteten Konsum teilnehmen zu können. Einem Konsum, der nicht an den wirklichen Bedürfnissen ausgerichtet ist, sondern für den die Bedürfnisse zur Steigerung des Gewinns der Konzerne künstlich erzeugt werden. Es ist heute noch genauso, dass einem vorgemacht wird, dass nicht zählt, wie du bist, sondern was du hast, wie du aussiehst und was du leistest. Für den wachsenden Profit des Kapitals, das bestimmt hier deinen Wert. Damals habe ich mich oft gefragt‚ was an mir falsch ist, weil ich keinerlei Anziehungskraft verspürte, mitzuhalten. Im Gegenteil entzogen mir alle Versuche, mich dem zu unterwerfen‚ jede Energie aus allen Fasern. Davon niedergedrückt zu sein, löste sich erst auf, als ich mit Freundinnen aus der Sponti- beziehungsweise undogmatischen Linken zusammenkam. Wir setzten uns mit Texten des sozialistischen Patientenkollektivs, wie zum Beispiel mit dem Buch „Aus der Krankheit eine Waffe machen“ auseinander, was mich sehr beeindruckt hat.

Durch diese Auseinandersetzungen lernte ich, dass meinem Verlorensein kein individuelles Problem zugrunde lag, sondern in den gesellschaftlichen Verhältnissen begründet war. Dies zu begreifen, öffnete die Augen noch weiter für die Ungerechtigkeit um uns herum. Die brutale imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung in vielen Teilen der Welt und die Kriege, die von den reichen kapitalistischen Ländern ausgingen. Auf keinen Fall wollte ich dabei zur Komplizin werden. Es wurde zu meiner Überzeugung, dass in der Überwindung dieser Verhältnisse die Hoffnung auf ein freies und menschenwürdiges Leben für alle liegt, das es zu erobern gilt.

Diese Überzeugung hat mich seitdem nie wieder verlassen. Denn jedes Jahrzehnt, jedes einzelne Jahr und jeder Tag bringt neue Belege dafür, dass innerhalb des Kapitalismus die Menschheitsprobleme nicht lösbar sind. Im Gegenteil: Sie spitzen sich immer weiter zu.

Zusammen mit vielen anderen wollte ich mich diesem System, das die Menschen sich selbst entfremdet, nicht unterwerfen. Wir wollten als die gesehen werden, die wir sind, ohne Lügen und Bildern zu entsprechen, die von der Konsum- und Leistungsgesellschaft vorgesetzt wurden. Darin wollten wir nicht gefangen bleiben und uns selbst und die vom Kapitalismus bestimmte Gesellschaft verändern.

Das war circa Mitte der 70er Jahre. Es wehte noch ein Hauch der 68 er Bewegung des Aufbegehrens gegen die noch immer beziehungsweise neu von Nazis durchsetzten Institutionen und Politikerposten und die vom Faschismus geprägten Denkweisen in der Gesellschaft.

Es hatte den Aufbruch einer internationalistischen, revolutionären Linken gegeben, mit riesigen Demonstrationen in Solidarität mit dem vietnamesischen Befreiungskampf gegen die US-Aggression und mit dem damals stark von der revolutionären iranischen Linken getragenen Kampf gegen das faschistische Schah-Regime im Iran.

Aber es hatte auch den ersten in diesem Aufbruch von der Polizei ermordeten Demonstranten gegeben. Am 2 Juni 1967 war der Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen die Komplizenschaft der BRD mit dem faschistischen Schah-Regime von einem Polizisten erschossen worden.

Es hatten schon die Angriffe der RAF gegen die US-Hauptquartiere in Frankfurt und Heidelberg, von wo aus die Luftangriffe der US-Armee in Vietnam koordiniert wurden, stattgefunden. Auch die Bewegung zweiter Juni und die revolutionären Zellen hatten sich damals gegründet. Und später kam noch die von Frauen organisierte Rote Zora dazu.

In der Schule waren noch Reste des 68er Aufbruchs zu spüren. Trotz der Berufsverbote gab es einige Lehrer*innen, die mit uns andere Formen des Unterrichts praktizierten, die auf zusammen lernen und nicht auf Konkurrenz ausgerichtet waren. Wir lasen Bücher wie z.B. von B. Traven über Widerstandsgeschichten aus Lateinamerika oder Katharina Blum von Heinrich Böll. In Religion erfuhren wir von der Befreiungstheologie in Lateinamerika und von Priestern, die sich dort dem Kampf um Befreiung angeschlossen hatten. Wie Don Helder Camara in Brasilien Und Camilo Torres in Kolumbien.

Das alles, aber auch die Tatsache, dass diese Lehrerinnen vor unseren Augen diszipliniert und versetzt wurden, hat mich mehr über die weltweiten Verhältnisse und die Rolle und Realität der BRD lernen lassen. Uns empörte auch, dass es zu dieser Zeit kein Teil des Lehrplans war, sich umfassend mit
dem Nazifaschismus auseinanderzu setzen. Geschweige denn über Konsequenzen, die daraus gezogen werden mussten.

Im Nachhinein gesehen kein Wunder, denn es waren keine grundlegenden vorgesehen.

Unser Wissen darüber eigneten wir uns außerhalb der Schule an. Ich erinnere mich an ein Ringbuch von linken Studentinnen zusammengestellt. „Lernen von unten“ hieß es glaube ich. Daraus erfuhren wir von der Verantwortung des Kapitals für die Machtübernahme des Faschismus und von der ganzen Dimension der menschlichen Katastrophe, der brutalen Verfolgung der linken Arbeiter*innenbewegung, und der linken Intellektuellen, der grausamen Vernichtungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung, gegen Roma und Sinti, von KZ‘s und Euthanasie, der Ausmerzung jeglicher Opposition, vom zurückgeschlagenen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, der mehr als 25 Millionen Sowjetbürger*innen das Leben gekostet hat, von Überfällen und Besatzung in Ost- und Westeuropa, aber auch vom europaweiten antifaschistischen und kommunistischen Widerstand dagegen.

In dieser Zeit luden ältere Schüler*innen auch zu Filmvorführungen u. Diskussionen zum vietnamesischen Befreiungskampf ein. Wir bildeten ein Schulkollektiv, um im Schulalltag Forderungen durchsetzen zu können. Bis zum Alter von 15 Jahren hatte ich mich gegen den Gedanken gewehrt, dass Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen wollen, diese mit Gewalt durchsetzen und verteidigen müssten. Mein Traum war eine gewaltfreie Veränderung. Der Blick in die Geschichte und in die Welt rückte immer klarer die Tatsache ins Bewusstsein, dass die mächtigen Nutznießer, die am meisten im kapitalistischen System verstrickt waren, jede grundlegende Veränderung mit brutalster Gewalt bekämpfen würden. Das Beispiel des von den USA aus gestütztem faschistischem Militärputsch und die Ermordung Salvador Allendes in Chile 1973 hatte gezeigt, dass die Möglichkeiten und die Existenz jeder gewählten sozialistischen Regierung zermalmt werden würden, wenn sie sich nicht bewaffnet verteidigen konnte.

„Dass du dich wehren musst, wenn du nicht untergehen willst, das wirst du doch einsehen,“ war damals eine Parole auf vielen Flugblättern und an vielen Wänden. In den Jahren meiner Politisierung in Karlsruhe habe ich immer wieder durch Parolen oder Plakate an den Wänden etwas von der RAF mitbekommen. Auch vom Kampf der politischen Gefangenen gegen die Isolationsfolter und die Solidarität mit ihnen.

Bald habe ich das alles, auch ihre Hungerstreiks bewusst mitverfolgt. Es hatte auf mich eine große Anziehungskraft, dass es da welche gab, die so entschieden gegen dieses System kämpften, von dem auch ich mich genau wie viele andere sich unterdrückt sah.

Ich war 16, als ich mitbekam, dass man einen Menschen in Haft ermordete, der im Hungerstreik gegen die Folter der Isolationshaft kämpfte. Es war Holger Meins, der gegen die Verhältnisse aufgestanden war und im Gefängnis durch gezielte Unterernährung während der staatlichen Zwangsernährung und durch die Verweigerung von medizinischer Hilfe getötet wurde.

Ich war 17, als der vietnamesische Befreiungskampf den US angeführten Imperialismus besiegte. Der unglaubliche Sieg wurde auch mit weltweiter Solidarität erkämpft.

Trotz Napalm, trotz der enormen Militärmaschinerie, die der Befreiungsbewegung entgegenstand, und trotz der Massaker an der vietnamesischen Bevölkerung, die die US Militärs mit Hilfe und Komplizenschaft des Westens, allen voran Deutschlands, verübt hatten.

Es war in vielen Ländern eine Zeit der Versuche der Befreiung und antikolonialer Kämpfe: Zum Beispiel die Black Panthers gegen die rassistische Unterdrückung und für die Revolution in den USA, der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika oder der FSLN in Nicaragua gegen die Diktatur. Ich begann zu verstehen, was die Menschheit von Kapitalismus und Imperialismus zu erwarten hat. Ja, ich sah mich als Teil der weltweiten Bewegungen, die für die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung gegen Kapitalismus und Patriarchat und gegen Krieg und Militarismus kämpften.

1976/77 habe ich angefangen, politische Gefangene zu besuchen. Der erste von ihnen war Johannes Thimme, der wegen angeblicher Unterstützung der RAF im Knast war und dort auch sofort in Isolationshaft kam. Dagegen wollte ich meine Solidarität ausdrücken u. der Isolation etwas entgegensetzen. Als Antwort darauf begannen sie mich mit Observationen zu terrorisieren. 1977 standen zivile Polizeibeamte im Auto schon früh morgens vor meiner Haustür und folgten mir im Schritttempo bis zur Schule.

Nach 1977, als der Befreiungsversuch von 11 Gefangenen aus der RAF gescheitert war, und von den Stammheimer Gefangenen nur Irmgard Möller die Nacht des 18. Oktober 1977 schwerverletzt überlebt hatte, entschied ich mich, nach Wiesbaden umzuziehen Dort hatte ich Genoss*innen kennengelernt, mit denen zusammen ich die Solidarität mit den politischen Gefangenen weiterführen wollte. Wir sahen das als einen wichtigen und dringend notwendigen Teil des antiimperialistischen und antifaschistischen Kampfes an.

Es wurde ein Leben voller Widerstandsaktivitäten gegen Isolation und für die Zusammenlegung der Gefangenen, der Solidarität mit den Befreiungskämpfen in Palästina, Südafrika, Nicaragua und El Salvador, mit türkischen Genossinnen gegen den Nato-Putsch in der Türkei.

Durch den Kampf in Solidarität mit den politischen Gefangenen entwickelten sich darüberhinausgehende Diskussionen und Freund*innenschaften mit weiteren Genoss*innen aus Irland, dem Baskenland, Italien, Spanien und Frankreich. Und es gab Kontakte mit dem linken iranischen Widerstand.

Die internationalen Befreiungsbewegungen standen für uns auch für den weltweiten Frauenbefreiungskampf. Leyla Khaled von der PFLP in Palästina, Assata Shakur und Angela Davis aus der schwarzen Befreiungsbewegung in den USA und auch die Genossinnen aus den bewaffnet kämpfenden Gruppen in Westeuropa waren für uns Beispiele. Sie standen für Millionen Frauen weltweit.

In den letzten Jahrzehnten zeigte das Beispiel der kurdischen Befreiungsbewegung, besonders in Rojava, wie viel Kraft für alle entsteht, wenn die Befreiung der Frauen ein bestimmender Teil des Kampfes ist.

Wir lebten und organisierten unseren Alltag zusammen. Es gab Hausbesetzungen und den Kampf gegen die Startbahn West, gegen die Abholzung des Waldes und gegen die Kapazitätserweiterung des Frankfurter Flughafens und somit der US Air Base.

Wir fuhren dorthin zu den teils friedlichen, teils militanten Sonntagsspaziergängen zur Startbahnmauer, machten politisches Theater, viele Treffen des Widerstands und Veranstaltungen, die sich gegen die imperialistische US und Nato-Politik richteten.

Zusammen waren wir auf Demos in Solidarität mit den Befreiungsbewegungen in Nicaragua und El Salvador, gegen die Staatsbesuche von Reagan, dem damaligen US-Präsidenten und Haig, dem damaligen US Nato-Oberbefehlshaber, und in Solidarität mit den politischen Gefangenen. Die damals stattfindenden Angriffe der RAF gegen Haig und Kroesen sowie auf den US-Militärflughafen in Ramstein als Basis für deren Kriege in aller Welt und den Versuch in Oberammergau sahen wir in der Zeit der großen Mobilisierungen gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen und die US-Counterkriege gegen die Befreiungsbewegungen als Stärkung unseres Widerstands und umgekehrt.

In dieser Zeit kam auch der Vorschlag von RAF und action directe zur Bildung einer gemeinsamen Widerstandsfront im Kampf gegen die Formierung Westeuropas zum imperialistischen Block und in Solidarität mit den Befreiungsbewegungen.

Der Staatsschutz schlug hart mit verstärkter Repression zu. Mehrere dem Staatsschutz bekannte anti-imperialistische Genoss*innen wurden festgenommen. Die Bundesanwaltschaft schaffte sich mit der Konstruktion einer angeblich „legalen RAF“ das Instrument, das es möglich machte, Genoss*innen für viele Jahre in den Knast zu bringen durch Verurteilungen ohne Beweise für ihre angebliche Beteiligung an militanten Aktionen.

Schon seit den Besuchen bei politischen Gefangenen wurden wir - und das wir beziehe ich auf viele Genoss*innen - damals nahezu auf Schritt und Tritt überwacht.

Sie terrorisierten uns mit offensichtlichen Observationen, mit Kontrollen auch mehrmals am Tag, bei denen wir mit Namen angesprochen wurden und uns ausweisen sollten. In der Straße, in der wir wohnten, bauten sie oft Kontrollstellen auf, so dass keine Besucher*innen ohne Registrierung zu uns gelangen konnten. Die andere Variante war die verdeckten Observationen, die wir nicht bemerken sollten.

Diese Observationen waren wie ansteckende Krankheiten, die sich von Person zu Person übertrugen. Wir mussten jedenfalls immer davon ausgehen, dass die „Herren des Morgengrauens“ irgendwo lauerten. Es bedurfte großen Aufwands, sich wenigstens für einige Stunden sicher dieser Überwachung entziehen zu können, sei es um sich mal ohne die Angst abgehört zu werden, unterhalten zu können, sei es um ein paar Parolen zu sprühen oder Plakate zu kleben. Es liegt ja auf der Hand, dass Widerstand sich niemals in solche Ketten legen lassen konnte, die bedeuten, jede Aktivität vom Staatsschutz kontrollieren zu lassen. Und selbstverständlich wollten wir auch nicht unser Gefühlsleben vor Bewachern ausbreiten.

Schon in den 70er und 80er Jahren gab es immer wieder Genoss*innen, die bemerkten, wie das Netz um sie immer enger gezogen wurde, und die aus Angst und Verhaftung abtauchten, von der Bildfläche verschwanden und - einige, teilweise jahrelang - im Ausland lebten.

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war es offensichtlich, dass es eine Neubestimmung und grundlegende Reflektion revolutionärer Politik geben musste. Denn einerseits hatten sich die internationalen Rahmenbedingungen tiefgreifend verändert, anderseits ging es darum, vergangene Erfahrungen aufzuarbeiten. Ich war damals eine von vielen, denen es nicht in den Sinn kam, sich angesichts des Epochenbruchs zurückzuziehen. Wir wollten den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht als einen endgültigen Sieg des Kapitalismus akzeptieren. Es war klar, dass diese Schwächung der weltweiten sozialistischen Bewegung katastrophale haben würde. In der BRD führte sie zur Rückkehr der Bundeswehr als offen kriegsführende Armee u. gleich in den völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien. Sie führte zur Einverleibung der DDR durch die BRD, die auch über die Köpfe derer durchgesetzt wurde, die ihren Aufbruch in der DDR mit dem Ziel einer positiven Veränderung dort und jenseits des kapitalistischen Systems und der westdeutschen Realität begonnen hatten, u. brachte den neoliberalen Angriff gegen erkämpfte soziale Errungenschaften mit sich. Und eine von der CDU angefachte rassistische Mobilisierung als Umlenkung eventuell ausgelöster Wut und entstehenden Widerstands. Gleichzeitig wurde nationalistischer Freudentaumel zelebriert. Dies wurde von den Rechten eifrig aufgegriffen und führte im geeinten Deutschland in West und Ost zu tödlichen Brandanschlägen wie in Solingen und Mölln und Überfällen auf Migrant*innen, Geflüchtete und linke Menschen und deren Strukturen. Ich erinnere nur an Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda und an Berichte von zurzeit als Antifas vor Gericht Stehenden, die in ihrer Jugend dieser Atmosphäre im Osten Deutschlands ausgesetzt waren.

Natürlich realisierten wir diese herbe Schwäche der Linken weltweit und auch deshalb waren wir mit dem Gefühl unterwegs, alle Anstrengungen aufbringen zu wollen, um Antworten auf die vor uns liegenden Fragen zu finden und als radikale linke Kraft weiterhin existent zu sein. Die Auseinandersetzungen darum fanden zusammen mit Illegalen statt. Auf Dauer war es zu gefährlich, sich wieder und wieder aus der Situation der Observation abzusetzen und dann wieder zurückzukehren.

Ich entschied mich dazu, mich diesen Bedingungen nicht weiter anzusehen und blieb also weg. Das war die Entscheidung dafür, Widerstand ganz zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen und die Kontakte und Diskussionen mit anderen Genoss*innen, die sich die gleichen Gedanken über das wie weiter und die Neubestimmung revolutionärer Politik machten, waren für mich zur Priorität geworden.

Die RAF existiert seit 28 Jahren nicht mehr. Dass die RAF in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat, ergibt sich aus dem was ich hier aufgeschrieben habe.

Diese Genoss*innen standen für mich für die Möglichkeit, mit diesem System zu brechen und im fundamentalen Widerstand um Befreiung zu kämpfen.

Durch die Auseinandersetzung über die ersten Aktionen der RAF während des Vietnamkrieges verstanden wir mehr über die Rolle der BRD und die weltweiten Machtverhältnisse und wie sich die Kämpfe international unterstützen können.

Selbst aus den Gefängnissen heraus vermittelte der Kampf der Gefangenen gegen Isolationsfolter und um Kollektivität - zusammen sein und handeln zu können, mit denen die das für sich wollten - eine Spur dessen worum es überhaupt im Kampf um Befreiung geht. Nämlich um eine Gesellschaft, in der das „für alle“ im Mittelpunkt steht und nicht Profit, Geld, Macht - nicht das Haben, sondern das sein und zwar zusammen.

Das blieb lange so für mich unabhängig von Kritik, die ich schon damals an einigen Aktionen und diesen zugrundeliegenden Bestimmungen hatte. Auch unabhängig von der Erkenntnis der Notwendigkeit, sich mit Fehlern der Geschichte der radikalen und militanten Linken, also auch in der RAF, auseinanderzusetzen.

Es kam die Vorstellung auf, dass der bewaffnete Kampf politisch verbindlich in eine Gegenmacht von unten eingebunden werden müsste.

Die gesamte politische Situation lies das aber nicht zu. Die Auflösung der RAF und ihre Begründung fand ich völlig richtig.

Wir haben als radikale oder militante Linke sicher auch viele Fehler gemacht, sicher aber nicht den, das Elend unserer Zeit schulterzuckend hinzunehmen.

Natürlich würde ich gerne an einer Diskussion und am liebsten Gesprächen über diese Epoche des Widerstands teilnehmen. Da hatte Burkhard Garweg völlig recht, als er das am Ende seines Briefes an Caroline Braunmühl schrieb.

Eine Diskussion mit denen, die an irgendeinem Punkt Teil dieser Widerstandsgeschichte waren und all denen, die sich die Erfahrungen daraus für die Zukunft des Widerstands aneignen wollen.

Den Gerichtssaal finde ich nicht als den richtigen Ort für einen tiefgehenden Diskussionsbeitrag dazu.

So wird eine Diskussion für mich schon im Ansatz erschwert. Besuche von ehemaligen gefangenen aus der RAF und der Bewegung 2. Juni wurden mit dem irrsten Begründungen abgelehnt. Außerdem wird bei den Besuchen jeder Satz für den Staatsschutz festgehalten, noch bevor ich einen Gedanken mit Besucher*innen zusammen hin und her denken konnte.

Die BAW lässt jede meiner auch allgemeinsten Äußerungen zur Widerstandsgeschichte als „Beweise“ einer Beteiligung an der RAF beschlagnahmen und die wiederum werten sie als Beweis für meine Beteiligung an dem mir von ihnen zugeschriebenen Aktionen.

Ich sehe darin, sowie in den ausufernden Vorladungen, mit denen immer mehr Genoss*innen aus den 70er und 80er Jahren drangsaliert werden, eine Bedrohung nicht nur für mich. Natürlich haben sich die bewaffnet kämpfenden Gruppen der Linken damals nicht im luftleeren Raum bewegt. Wie mich haben sie viele Genoss*innen, die ihre eigene Widerstandspraxis hatten berührt, beeinflusst u. ihre politische und/oder praktische Unterstützung, Solidarität und Kritik herausgefordert. Jetzt aber noch nach 40/50 Jahren Leute mit hohen Geldbußen zu belegen und mit Beugehaft zu bedrohen, wenn sie nicht gewillt sind, Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft aus ihrem Leben zu erzählen u. weitere Namen zu nennen, die dann auch vorgeladen werden sollen und bei den Vorladungen den Gesundheitszustand einzelner Genoss*innen vollkommen zu übergehen, zeigt die Absicht, die Genoss*innen zur Abschreckung noch heute stellvertretend für die Geschichte des Widerstands zu strafen.

Anfang der 90er, am 10. April 1992 erklärte die RAF, dass sie die tödlichen Angriffe auf Repräsentanten aus Staat und Wirtschaft für den notwendigen Diskussionsprozess einstellen wird und die Eskalation von ihrer Seite aus zurücknimmt.

Zum gleichen Zeitpunkt wuchs die Solidarität mit dem Kampf der politischen Gefangenen und das Bedürfnis, sie in den Diskussionen der radikalen Linken dabei haben zu wollen. Es sah so aus, als würde der Staat sich bezogen auf die Forderungen zur Verbesserung der Haftbedingungen und zur Freilassung kranker Gefangener in eine positive Richtung bewegen. Sobald aber dem Staatsschutz auf höchster Ebene bekannt wurde, dass der Verfassungsschutz mit Klaus Steinmetz einen Spitzel mit Kontakt zu Illegalen an der Hand hatte, setzte er sofort wieder auf Eskalation. Gegenüber den orderungen der Gefangenen wurde wieder dicht gemacht. Im März 1993 sprengte die RAF den sich kurz vor der Fertigstellung befindlichen Knastneubau in Weiterstadt. Der Staat bereitete gleichzeitig eine große Verhaftungswelle vor. Dann schlugen sie in Bad Kleinen zu. Wolfgang Grams wurde ermordet und Birgit Hogefeld festgenommen. Die Gefangenen aus RAF und Widerstand wurden mit neuen Prozessen und langen Haftstrafen überzogen.

1998 löste sich die RAF aus eigenem Entschluss auf. Sowohl der Staatsschutz als auch seine viel zitierten Experten wie Butz Peters oder Alexander Strassner sprachen von bis zu 30 Personen, die die RAF in den letzten Jahren ihrer Existenz ausgemacht haben könnten. Sie sagten des Öfteren ganz offen, dass sie im Grunde keine Ahnung haben. Das soll auch so bleiben. Bei einer ernsthaften gesellschaftlichen Aufarbeitung und Auseinandersetzung um die Geschichte geht es nicht um einzelne Personen, sondern um den politischen Inhalt der Auseinandersetzung.

Gefahndet wurde nach 1998 öffentlich nur nach Burkhard Garweg, Volker Staub und mir. Für niemanden, ob mit Fahndungslisten gejagt oder nicht, kam es in Frage, sich zu stellen. Von Seiten des Staates waren klare Fakten gesetzt worden, was uns erwarten würde, wenn sie jemanden von uns in die Finger bekämen. An uns hätten sie gerne ihren Siegeszug gegen die RAF u. mit ihr einem wichtigen Teil des fundamentalen Widerstands der BRD Geschichte zelebriert. Das zeigte sich selbst noch fast 30 Jahre später nach meiner Verhaftung sowohl an meiner Behandlung, Vorführung als auch der medialen Begleitung des Ganzen.

So etwas wollten wir uns nicht aussetzen. Also drängte es sich geradezu auf, sich auf keinen Fall erwischen zu lassen. Weder wollten wir uns schon jahrelang praktizierten Verurteilungsritualen aussetzen. Noch für alle möglichen noch nicht verurteilten Aktionen von RAF und Widerstand lange Haftstrafen kassieren noch Gefahr laufen, bei einer Verhaftung erschossen zu werden.

In der Illegalität hatten wir die Möglichkeit, als radikale Linke, wenn auch in Grenzen und zurückgezogen in Freiheit weiterzuleben. Hier konnten wir in selbstbestimmten, solidarischen Beziehungen mit Genoss*innen und Freund*innen leben und über unseren weiteren Weg entscheiden.

Dieser Staat ist kein Freund von politischen Lösungen, sondern ein Freund des Kapitals. Alle müssen sich dem unterwerfen.

Ein so langes Leben in der Illegalität ist aus dieser Geschichte entstanden. Nicht aus Abenteuerlust und schon gar nicht aus Bereicherung. Es war in den letzten Jahrzehnten und ist heute eine Defensivposition des Widerstands. Auch wenn mir das Leben, dem ich da entrissen wurde, sehr viel bedeutete, es gab keinen Plan zu versuchen, sich mit Gewalt und schießend aus der Situation zu befreien. Deswegen ist nichts dergleichen passiert.

Als ich das Plädoyer der Staatsanwaltschaft hörte, dachte ich mir, wie viele Pirouetten musste sie drehen, um das alles weg zu lügen. Im Prozess wird nämlich trotzdem an einer angeblichen Tötungsbereitschaft festgehalten, um mit dem Hammer gegen mich aufzutreten. Hier werden alle, teils rachsüchtige, vor allem aber herrschaftstechnische Absichten ausgeführt. Dieser Widerspruch zeigt: Es geht um eine Dämonisierung, die die Fahndung nach angeblich gemeingefährlichen Verbrechern weiter legitimieren und ein Exempel statuieren soll.

Dem stelle ich die Forderung entgegen: Schluss mit der Fahndung nach Burkhard Garweg und Volker Straub!

Bezogen auf die hier im Prozess thematisierten psychischen Folgen für einige der Betroffenen der Überfälle, schließe ich mich der Aussage von Burkhard Garweg in seinen Grüßen aus der Illegalität im Oktober 2024 vollkommen an „Traumatisierungen von Kassiererinnen und Geldboten sind zu bedauern.“

Nachdem ich im Prozess mitbekommen habe, wie schlecht es einzelnen Betroffenen noch heute geht, wie beispielsweise dem Fahrer Mirko Kramer aus Wolfsburg oder Frau Ulmer aus Bochum, einer Kassenangestellten, muss ich sagen, dass sie mir wegen solcher im Prozess aufgeführten schwerwiegenden psychischen Verletzungen sehr leid tun.

Bevor ich die Prozessakten gelesen hatte, hätte ich mir Traumatisierungen durch Überfälle eher bei Kassenpersonal vorstellen können, als bei einem bewaffneten Geldboten. Es ist verwunderlich, dass Geldbot*innen keine Ausbildung erhalten, die sie dazu befähigt, berechnend und kühl in so einer Situation zu handeln, anstatt total schockiert zurückzubleiben. Gerade wo der Job nur wegen der realen Gefahr von Raubüberfällen existiert. Und es ist bemerkenswert, dass sie im Fall eines Überfalls erstmal stundenlang alleine oder zu zweit im Auto ausharren müssen. Immer noch zum Schutz des Geldes, obwohl schon alles voll mit Polizei ist, anstatt dass sie eine psychologische Erstversorgung erhalten hätten. Ich bin erstmals in Zusammenhang mit diesem Prozess damit konfrontiert worden, dass Werttransportfahrer*innen und Geldbot*innen von Traumatisierungen sprechen.

Als ich zusammen mit meinen Anwält*innen entschied, die psychischen Folgen bei den Zeug*innen im Prozess nicht zu hinterfragen, gab es dafür zwei Gründe. Der Hauptgrund dafür war, dass nichts getan werden sollte, was zu einer Retraumatisierung oder Verschlechterung beitragen könnte. Es geht hierbei auch um sehr Persönliches, gerade was Vorbelastungen aus der Lebensgeschichte der einzelnen Betroffenen angeht. Wir fanden es nicht korrekt, öffentlich daran herumzubohren.

Der zweite Grund war dass ich es für möglich und generell gerechtfertigt halte, falls Betroffene sich nach so einem Raub beziehungsweise Raubversuch auf diesem Weg das Recht auf einen längeren bezahlten Urlaub genommen hätten. Dass so etwas vorkommt, belegte die Aussage des Fahrers Whitley, dessen Chef direkt nach dem Überfall in Duisburg eingriff, um so etwas einen Riegel vorzuschieben. Ich erwähne das hier nicht, weil ich das irgendeiner Person, die hier betroffen war unterstellen würde. Es geht mir nur darum ein Verhältnis klarzumachen: Sowohl Kassenpersonal als auch Geldwerttransport Bedienstete sind Proletarier*innen u. keine Feind*innen. Es ist bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in der Geldwerttransport Branche schlecht sind und die Arbeit nicht gut bezahlt wird. Dazu passt die Aussage des Fahrers Immes, dass die Geschäftsführung sich nach dem Überfall in Stuhr als erstes sofort nach dem Zustand des Autos, aber nicht nach dem Befinden der Menschen erkundigte. Es ist erstaunlich, dass manche Geldwerttransport Besatzungen trotzdem so viel für „ihre“ Firma riskieren. Zumal es die Direktive gibt, ihr Leben nicht für das Geld riskieren zu müssen.

Der Exsoldat und Fahrer Whitley sagte aus, er hätte womöglich sogar eine Schießerei angefangen, hätte er seine Waffe bei sich gehabt. Dass es die Dienstanweisung gibt, den Läufer mit Räuber*innen zurückzulassen, falls der Fahrer wegfahren kann, hatte ich schon in einem Artikel nach der Sache in Wolfsburg gelesen. Allerdings habe ich das nicht für voll genommen, sondern nur als Behauptung des Firmenchefs, um seinen Fahrer, der für die Firma immerhin einen Haufen Geld gerettet hatte, in der Öffentlichkeit in Schutz zu nehmen. Denn, dass er seinen Kollegen im Stich gelassen hatte, wurde anfangs in der regionalen Presse moralisch angezweifelt. Erst, nachdem der Verdacht geäußert wurde, der versuchte Raub sei von der herauf beschworenen ehemaligen RAF durchgeführt worden, wurde in der Presse aufgedreht und von skrupellosen und brutalen Räuber*innen geschrieben.

Als ich in den Akten von der posttraumatischen Belastungsstörung des Fahrers Immes aus Stuhr las, kam mir das von Anfang an schlüssig vor. Obwohl meine Anwält*innen etliche Male verdeutlicht haben, dass nicht auf ihn gezielt worden war und es sogar Teil seiner Therapie war, zu realisieren, dass ihn niemand töten wollte, bleibt stehen, dass er es so empfunden hat und schwer schockiert war, zumal er sich in einer Situation befand, die für jemanden, der Probleme in kleinen geschlossenen Räumen hatte, schon alleine durch das eingeschlossen sein ein Horror sein musste.

Mirko Kramer, dem Fahrer in Wolfsburg habe ich anfangs beim Lesen der Akten kein Wort abgenommen.

Er hatte nur Sekunden mit der Überfallsituation direkt zu tun. Er hatte sogar den Räuber*innen ein Schnippchen geschlagen und war schnell aus der konkreten Gefahrenzone heraus gewesen. Ich habe erst kurz vor seiner Aussage im Prozess begriffen, dass ihn tatsächlich etwas völlig aus der Bahn geworfen hatte. Der Auslöser war der Überfall, weil er dadurch erst in diese Situation kam, sich entscheiden zu müssen. Um das Geld der Chefs zu sichern, hat er sich für die Dienstanweisung entschieden, seinen Kollegen mit den Räuber*innen stehen zu lassen. Dieser sagte dazu, Herr Kramer hätte korrekt nach Dienstanweisung gehandelt, aber sagte auch sinngemäß, dass diese Dienstanweisung menschlich nicht korrekt ist. Genau das denke ich auch. Es ist Kapitalismus pur. Er selbst sagte dazu: „Ich musste mir anhören, das Geld ist wichtiger als die Person“. Das bringt es auf den Punkt.

Den Aussagen des Fahrers in Cremlingen, Michael Sohn, habe ich entnommen, dass im Kolleg*innenkreis nach dem Überfall nicht auf Kramer zugegangen wurde. Selbst in der Presse wurde sein Handeln angezweifelt. Ich denke, er hatte selbst Zweifel daran. Nachdem er das Auto der Räuber*innen hat wegfahren sehen, ist er zurückgefahren, um nach seinem Kollegen zu schauen. Es ist lebhaft vorstellbar, wie sehr ihm der Schrecken eingefahren sein muss, als er ihn zuerst nirgends entdecken konnte.

Wie ich vorher schon gesagt habe, hat er mir sehr leid getan, als ich gesehen und gehört habe, wie schlecht es ihm seither ging. Ich hoffe, dass es ihm bald wieder besser gehen wird. Auch der Fahrer Immes aus Stuhr tat mir sehr leid. Weil er sein Leben als bedroht empfunden und unter diesem Schock sehr lange Zeit gelitten hat.

Im Kapitalismus werden das Eigentum und das Geld der Reichen mit massivem Aufwand vor der Bevölkerung geschützt. Umgekehrt werden in den Fällen von „weißer Kragen Kriminalität“ wie beispielsweise bei der Cum-Ex Affäre, bei der eine Beute von 30 Milliarden Euro gemacht wurde um Reiche noch reicher zu machen, vom Staat und der Justizstruktur mit Behinderung effektiver Ermittlungen, die Kriminellen geschützt.

Sicher wird es immer wieder Situationen geben, in denen Menschen auf Grund von Verfolgung oder mangels anderer Möglichkeiten zu überleben, dazu gezwungen sein werden, als nicht Besitzende Geld rauben zu müssen. In der Geschichte der Linken gab es oft diese Notwendigkeit. Mit Leichtigkeit oder Abenteuer hat das nichts zu tun. Auf jeden Fall sind alle Möglichkeiten an Geld zu kommen vorzuziehen, bei denen die Gefährdung von Menschen so gering wie möglich gehalten werden kann.

Letztlich geht es aber darum, Verhältnisse zu schaffen, in denen für Menschen keine Notwendigkeit mehr besteht, irgendwie an Geld kommen zu müssen, um zu überleben. Sei es durch sich bei der Lohnarbeit ausbeuten zu lassen, durch illegale Arbeit, Selbstausbeutung oder durch Raub und Diebstahl. Viel lieber als sich mit der Überlebenssicherung als Besitzlose zu befassen, hätten wir unsere Energie jederzeit in so viel Sinnvolles gesteckt, in Aufbauendes, in politische Auseinandersetzungen, in das Lernen von Nützlichem zusammen in Freund*innenschaften. Wir alle haben viele Interessen und Fähigkeiten, die unter anderem damit zu tun haben können, Antworten auf die Fragen der Zeit zu suchen, wie die Raserei der Zerstörung und Kriege zu stoppen und dagegen eine andere Realität aufzubauen ist.

Einige Zeit, nachdem sich dieser Überfall in Stuhr ereignet hatte, wurden Volker, Burkhard und ich öffentlich wegen Mordversuch verfolgt.

Mehrere Jahre stießen die Staatsanwaltschaft und das LKA Niedersachsen offensichtlich auf keine brauchbaren Spuren, weshalb sie verbissen nach 2023 wieder mächtig aufdrehten. Mit Vernehmungen von x wie vielen alten Freund*innen und Bekannten, Durchsuchungen bei Eltern und sonstigen Verwandten, Aufrufen in Aktenzeichen XY und weiteren Reportagen und schickten ihre Trupps jedem Hinweis hinterher. Sie sind dabei leider auf mich gestoßen. Seitdem brachte die Staatsanwaltshaft Schrecken in das Leben von Freund*innen und wieder Geschwistern, Eltern in Nachbarschaften, dem Bauwagenplatz mit regelrechten Aufmärschen, ohne jede Rücksichtnahme auf die Verursachung von Traumata. Aber das sind legale Überfälle, die von der Klassenjustiz gewollt sind und selbstverständlich nicht verfolgt werden. Damit haben die Ankläger*innen keine moralischen Probleme. Die Staatsanwaltschaft hat im Laufe
des Prozesses deutlich gezeigt, dass es ihr keineswegs um das Wohlergehen der Zeug*innen bzw. von überfallen Betroffenen geht. Warum sonst bohrte sie bei Vernehmungen immer wieder nach, wenn Zeug*innen aussagten, dass es ihnen nach den jeweiligen Überfällen nicht so schlecht ging. Dass sie relativ schnell darüber hinwegkamen, da wurde auch durchaus mal pampig nachgesetzt, wenn jemand sagte, „es war ja klar, es ging nicht gegen mich“. Die Staatsanwaltschaft hätte gerne in jedem Fall etwas anderes gehört. Wie groß muss die Enttäuschung gewesen sein, dass der extra für viele Nebenkläger*innen reservierte Platz nicht voll besetzt war? Denn die Betroffenen sind für sie nur Mittel zum Zweck, um ein möglichst hohes Urteil gegen mich erreichen zu können sowie die Fahndung nach Burkhard und Volker weiterzutreiben.

Dafür wären ihr offensichtlich mehrere retraumatisierte, schwergeschädigte Betroffene deutlich lieber gewesen.

Dazu passt es auch, dass in diesem Prozess seitens der Anklage so getan wird, als sei es vollkommen egal, wie sich Räuber*innen verhalten, Es scheint sie sogar eher aufzubringen, wenn davon die Rede ist, dass deren Verhalten gegenüber den Betroffenen höflich und beruhigend war. Ich finde das abgründig, denn selbstverständlich ist es weder für Überfallene noch für Räuber*innen, egal wie sich verhalten wird, Ganz im Tenor der Anklage hat sich das Gericht nun vor ein paar Wochen bei der Ablehnung eines Antrags meiner Verteidigung eingeschaltet, da wurde behauptet, wer Überfälle macht, kalkuliert schwere Retraumatisierung mit ein, denn es sei ja bekannt, überall traumatisierte Menschen anzutreffen seien, von Geldbot*innen, Werttransporter*innen Kassierr*innen bis zum Spezialkommando und allen zufälligen Anwesenden sowieso. Auch bei Soldat*innen und Polizist*innen sei es bekanntermaßen schon zu Traumatisierungen gekommen. Letzteres war mir tatsächlich schon bekannt u. zwar, wenn sie in Situationen gekommen waren, in denen Menschen, auch Kolleg*innen, bei Einsätzen umgekommen waren, wenn sie selbst an Massakern beteiligt waren oder Zeug*innen davon wurden.

Solche Traumatisierten würde ich weder beim Polizeidienst noch als bewaffnete als Geldbotin erwarten, sondern in psychologischer Behandlung oder in Positionen, die zur Genesung geeignet sind. Aber was soll damit eigentlich ausgesagt werden? Es schwingt auch hier diese fatale Behauptung mit, es sei egal, ob Menschen bei solchen Überfällen brutal gewalttätig und aggressiv auftreten oder nicht, denn wenn sie auf Traumatisierte treffen, sei es sowieso das gleiche? Wie verantwortungslos und falsch sind solche Aussagen! Aber darüber hinaus: Was sagt das über den Zustand dieser Gesellschaft aus, wenn wir heute auf Schritt und Tritt auf traumatisierte u. psychisch verletzte Menschen treffen, also nicht als seltene Ausnahme, sondern als zunehmende Regel? Es stimmt mit der permanent propagierten Kriegsertüchtigung u.Militarisierung dem Hochhalten des Rechts des militärisch stärkeren in den internationalen Auseinandersetzungen um Macht und den Zugriff auf Rohstoffe und Land geht das Erstarken der Rechten und die Ausbreitung faschistoiden Denkens einher.

Gewaltverherrlichende und patriarchale Vorstellungen werden gestärkt. Seit der Zeitenwände sind Femizide, Vergewaltigungen, sexualisierte Gewalt - auch bei Polizeieinsätzen - allgegenwärtig.

In der Isolation während der Coronazeit nahmen die patriarchalen Gewaltausbrüche in den Familien zu.

Dies sind ganz offensichtliche Quellen für Traumatisierungen. Ansonsten passiert so Vieles, das immer mehr Menschen mit einer großen Unsicherheit und wachsender Angst vor der Zukunft erfüllt. Jeden Tag wird über die bürgerlichen Medien und mit Sicherheit auch massiv im Internet verbreitet, dass das Geld, das eigentlich für Soziales und Ökologisches, für Gesundheit, Bildung und Kultur gebraucht würde, jetzt in die Aufrüstung gesteckt wird. Das kalte Aussortieren wird immer bestimmender in den Diskussionen der Main-Stream-Medien — Berechtigung auf Hilfe u. Versorgung soll für immer größere Teile der Gesellschaft nicht mehr existieren. Diejenigen, die kein Geld für Privatversicherungen haben bedroht, immer reduzierter medizinisch versorgt zu werden — und - eine teure Therapie für Opa, das lohnt sich doch nicht mehr!

Geflüchtete sollen sonst wohin abgeschoben werden bzw. gleich - auch gewalttätig - draußen gehalten werden. Außer sie werden gerade irgendwo in der Wirtschaft gebraucht.

In der Krise setzen die kapitalistischen westlichen Staaten nach außen auf Aggression und nach innen auf die Zurichtung der Gesellschaften aufzunehmende soziale Verrohung. Dafür wird Geringschätzung eines wachsenden Teils der Bevölkerung, der als unnütz diffamiert wird, propagiert.

Soziale Forderungen, ein soziales Umgehen, Inklusion und Fürsorge werden als wirtschaftsgefährdend - und das meint in Wirklichkeit Profitwachstum gefährdende - angegriffen. Das Wort „Reform“ steht heute für staatliche Schritte in Richtung Abschaffung des Sozialstaates.

Der Staat unterdrückt heute durch Spaltung, Repression, Angst. Das funktioniert in einer Zeit, in der Tausende mit dem Verlust ihres relativen Wohlstands bedroht sind, also befürchten müssen, sich bald selbst auf der Seite der als „Schmarotzer“ Beschimpften wiederzufinden und auf Unterstützung angewiesen zu sein, die gerade schon zusammengestrichen wird.

Es ist die Frage, ob das bei Vielen dazu führt, sich dazu erpressen oder ködern zu lassen, jeden Dreck für die Kriegsmaschinerie zu produzieren oder ob in den Auseinandersetzungen darum endlich diejenigen wahrgenommen werden, die Vorschläge für eine andere zivile und ökologische Produktion schon lange ausgearbeitet haben und ob sich daran gemeinsam organisiert und durchgesetzt werden kann.

Jugendliche sollen sich mit einer Zukunftsperspektive als Kanonenfutter abfinden.

Obwohl Friedensforscher*innen schon x-mal die Kriegsabsicht beziehungsweise Fähigkeit Russlands gegenüber der NATO widerlegt haben, werden diese weiterhin als Begründung für die Konzentration auf Militarisierung und die enorm erhöhten Ausgaben für das Militär und die Rüstungsindustrie und die fortgesetzte Befeuerung des Ukraine-Krieges durch die immensen Waffenlieferungen der Nato benutzt.

Das Gefühl keine Entscheidungsmöglichkeiten zu haben bereitet sich aus. Wenn als einzige Perspektive das Ja! zum Krieg und zur Verarmung, einem Weiter-So! mit Naturzerstörung und Klimakatastrophe dasteht, erzeugt das Verzweiflung. Seit zweieinhalb Jahren wird in aller Brutalität weltweit sichtbar demonstriert, wie durch Vertreter der bis vor kurzem noch sich „Wertegesellschaft“ nennenden westlichen Regierungen mit Menschen umgegangen wird, die imperialistischen u. kapitalistischen Interessen im Weg sind — nämlich am permanent weiter geführten Genozid an der palästinensischen Bevölkerung in Gaza sowie der ethnischen Säuberung durch blanken Terror im Westjordanland und nun auch im Libanon u. Iran mit brutalster Zerstörung durch den Krieg Israels und den USA. Es ist die deutsche Regierung, die das bekanntermaßen durch Waffenlieferungen‚ Geschäftsbeziehungen und politische Verbeugungen unterstützt und diejenigen, die sich dem entgegensetzen verfolgt. Mit einem Bundeskanzler, der zur aggressiven Kriegsführung Israels schon vor der nun neuen völkerrechtswidrigen Kriegsausweitung bemerkte, es sei „Drecksarbeit, die Israel für uns macht.“

Es stimmt also, wenn das Gericht feststellt, dass die Straßen voll von Traumatisierten sind, das sind sie durch Armut, Rassismus, Patriarchat, Polizeigewalt u. imperialistische Kriege. Das mir vorzuwerfen instrumentalisiert das Elend und soll eine lange Haftstrafe begründen.

Die Überwindung der massenhaften Traumata erfordert sofortige, aber auch tiefgreifende Veränderungen und zwar international. Denn es liegt auf der Hand, dass das Ausmaß der Traumata in den Ländern, die schon seit Jahren mit Krieg überzogen werden, wie Sudan, Palästina, Syrien, Libanon, Iran, Ukraine oder die der Erdrosselung durch Sanktionen ausgesetzt sind wie Kuba, unvorstellbar drastischer sein muss.

Das können doch wirklich alle sehen und verstehen! Im Grunde wissen es die meisten.

Doch leider haben viele mehr Angst vor Schritten in eine andere soziale Gesellschaft, die unbekannt wäre, als vor der deutlich am Horizont drohenden umfassenden Zerstörung der Lebensbedingungen bei einem „Weiter so!“ Es braucht dringend einen „System-change“, denn dem Kapitalismus wohnt über Konkurrenz, Ausbeutung und Unterdrückung hinaus auch Faschismus, Rassismus, Krieg, gewalttätiges Machtgebaren im politischen System und zwischen den Menschen, patriarchale Gewalt gegen Frauen und Queers, gegen Menschen mit Behinderung sowie die Zerstörung der Natur inne.

All das tritt je nach Zustand der kapitalistischen Krise mehr in den Hintergrund oder mehr in den Vordergrund. Deshalb werden wir diese Leidensgeschichte erst hinter uns lassen, wenn wir dieses System überwunden haben. Im Moment befinden wir uns an einem extrem zerstörerischen Punkt dieser Krise. Die alte, falsche Weltordnung verliert ihre Hegemonie - endlich - denn sie ist absolut ungerecht gegen über der großen Mehrheit der Menschheit. Aber deshalb schlägt sie wild um sich. Für uns ganz unmittelbar muss es um die Umkehr weg von Kriegsertüchtigung und Militarisierung, weg von Aggression nach außen und der Repression und der Erniedrigungen nach innen, der sozialen Kälte, der Komplizenschaft bei den weltweiten kapitalistischen und imperialistischen Verbrechen gehen.

Stopp der völkerrechtswidrigen Kriege und imperialen Gewalt! Stopp der unterdrückenden Sanktionen, die Hunger Verwüstung und Millionen von Toten zum Ergebnis haben!

Stattdessen muss es um die Konzentration auf ökologisch sinnvolle Produktion gehen, die nicht auf den Profit für die wenigen ausgerichtet ist, sondern auf das Wohlbefinden aller und den Umbau der Gesellschaft in einer Weise, durch die Menschen international sozial abgesichert und in Geborgenheit leben können.

„Die Alternative ist weltweit unsere Aufgabe und ist ein Sozialismus, der reich sein könnte an historischen Erfahrungen (und) auch durch die Überwindung der großen und kleinen Fehler der Geschichte, der großen und kleinen Revolutionsversuche, der Stadt-Guerilla, der Anarchist*innen der Kommunist*innen, der Sozialrevolutionäre und der antipatriarchalen und antikolonialen Kämpfe und Bewegungen. Dies zu erreichen, entscheidet letztlich drüber, ob Leben auf diesem Planeten weiter möglich sein wird und unter welchen Bedingungen. …Die Frage an uns alle weltweit nach der Alternative zum Kapitalismus und dem systemischen wie auch unseren Prozessen dahin ist existenziell und nicht aufschiebbar.“ Burkhard Garweg im Grußwort an die Rosa Luxemburg-Konferenz im Januar 2026.

Die Spur davon lebt in all den verschiedenen Widerstandsaktivitäten derer.

• die wissen, dass die Jugend, die Nicht-Reichen und Mächtigen in der Bevölkerung diejenigen sind, die im Krieg für Macht und Rohstoffe als Kanonenfutter herhalten sollen und sich deshalb gegen Mililitarlsierung, Wehrpflicht und Aufrüstung, also gegen den Krieg stellen,
• die es ablehnen, für die Interessen des Kapitals ihr Leben zu geben oder das Anderer zu nehmen u. die nicht akzeptieren, dass die Ressourcen statt für die Bevölkerung für Waffen, Militär, Polizei u. den Profit der Konzerne da sein sollen,
• die Militarisierung nicht hinnehmen, weil ihnen bewusst ist, dass in einer militarisierten Gesellschaft Gewalt gegen Frauen, Queers, Transmenschen und Menschen mit Behinderung zwangsläufig weiter zunehmen wird,
• die sich als Schüler*innen direkt mit Schulstreiks gegen eine Zukunft als Kanonenfutter zur Wehr setzen,
• die ihre Solidarität und ihren Internationalismus imperialer Politik und Verbrechen entgegensetzen und die staatliche Gewalt, die der Kampf um Macht und Rohstoffe im Kapitalismus braucht und von den Mächtigen immer offener vertreten und rücksichtsioser eingesetzt wird, nicht hinnehmen,
• die sich nicht beugen, obwohl sie als Jüd*innen allen voran vom deutschen Staat und Medien massiv als angeblich antisemitisch angegriffen werden, weil ihnen in Zeiten des internationalen Widerstands gegen die extreme Gewalt gegen Palästinenser*innen das Recht genommen werden soll, den israelischen Siedlerkolonialismus u. die Apartheitspolitik gegen die palästinensische Bevölkerung den Zionismus abzulehnen oder auch nur in Frage zu stellen, sowie die Komplizenschaft Deutschlands bei Kriegsverbrechen u. Genozid zu benennen,
• die als Aktivist*innen, Demonstrant*innen, Journalist*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf ihren Widerspruch dazu bestehen, obwohl als deutsche Staatsräson die unverbrüchliche Unterstützung jeder noch so terroristischen Politik Israels festgelegt wurde und alle, die sich dem
entgegenstellen, Ausgrenzung und Kriminalisierung droht,
• die Antisemitismus bekämpfen und selbstverständlich davon ausgehen, dass dies mit der Bekämpfung von Rassismus überhaupt zusammengehört,
• die angesichts sich verschärfender Ungleichheit, Armut, Ausbeutung, nicht mehr bezahlbarer Mieten, Massenobdach- und Arbeitslosigkeit das kapitalistische System in Frage stellen und unmittelbar jetzt die Abschaffung des Systems der Profitwirtschaft mit Wohneigentum fordern
• die der Politik des andauernden gepuschten Rassismus, Nationalismus und der Ausgrenzung der von sozialer Sicherung schon abgehängter Menschen eine Politik der Solidarität und den Kampf gegen Sozialabbau entgegensetzen; denn die einzige Möglichkeit zu verhindern‚ dass sich immer größere Teile der Bevölkerung nach rechts bewegen u. die Faschisierung der sich im Niedergang befindlichen alten Kolonialstaaten u. den USA zu stoppen, ist es, der rassistischen Hetze u. einer Politik, die generell auf Spaltung und der Einladung beruht, sich selbst zu retten, indem man jeweils die weiter unten in der Gesellschaft wegtritt, anstatt sich nach oben gegen die Macht zu wehren, eine radikale linke Perspektive, die fassbare positive Veränderungen im Leben für die Vielen bringt, entgegen zu stellen,
• die sich organisieren, um die schrittweise Zerstörung und Militarisierung der Gesundheitsversorgung aufzuhalten,
• die sich direkt gegen Nazis stellen und Schutz organisieren und die zugleich sagen, dass es damit nicht getan ist, weil der Faschismus im Kapitalismus begründet ist,
• die der im Kapitalismus zwangsläufigen ökologischen Zerstörung der Welt entgegentreten und sich für eine Organisierung der Menschheit einsetzen, die eine nachhaltige ökologische Produktion und damit das Überleben der Menschheit und der Natur ermöglichen wollen,
• die angesichts von Systemen der Repression und Gefängnissen an unserer Seite, an der Seite der Gefangenen stehen und mit uns eine Perspektive der Freiheit fordern und schließlich die Abschaffung der Gefängnisse,
• die nach Jahrzenten des Kampfes zum Schutz des Lebens von Mumia Abu Jamal, der schon seit 48 Jahren politischer Gefangener in den USA ist - nicht aufgeben und voller Solidarität alles daran setzen, seine Freiheit zu erkämpfen.

Das sind längst nicht alle der vielfältigen Widerstandsaktivitäten, die sich heute und in den letzten Jahren an so vielen Widersprüchen entwickelt haben oder teilweise schon lange bestehen — wie die feministische und heute queerfeministische Organisierung gegen patriarchale Gewalt, die vielen Initiativen gegen das immer perfektere repressive Abschottungssystem an den Grenzen zur Abwehr von Geflüchteten, die dringend Hilfe benötigen, die Flottillas nach Gaza und Kuba, um das Aushungern und die Abschottung zu durchbrechen, die Hafenblockaden gegen Waffenlieferungen nach Gaza und gegen Militarisierung und Solidaritätsstreiks italienischer und griechischer Arbeiter*innen mit der palästinensischen Bevölkerung und ihrem Kampf gegen Besatzung und Vertreibung, die Proteste gegen die steigende Zahl von polizeilichen Todesschüssen gegen schwarze Menschen, nichtdeutsch oder unangepasst wirkender Menschen.

Auch wenn ich - zum Glück - gar nicht alles aufzählen kann, was getan wird, wollte ich wenigstens einen Teil davon nennen, weil es so wichtig ist daran zu denken, an den Zielen und Gedanken zur Befreiung dranzubleiben und sich nicht durch die offen zur Schau getragene Brutalität der Herrschenden in Sprachlosigkeit herunterdrücken zu lassen. So wie es bei allen unterschiedlichen Initiativen um die konkrete Wirkung gegen die jeweiligen Verbrechen und um die Verteidigung von „Oasen menschlicher Kooperation“ und gleichzeitig deren Ausweitung und Weiterentwicklung auch innerhalb der eigenen Initiativen geht, so sehr kommt es darauf an, wie alle zusammen zu einer gemeinsamen Kraft kommen werden, die die Entwicklung zum 3. Weltkrieg und was er schon im Vorlauf mit sich bringt, stoppen kann. Denn durch diesen Krieg sind alle positiven Ansätze und Ideen international essentiell bedroht.
Auch wenn diese Kraft noch nicht existiert, sind es doch alle diese Kämpfe, die ihre Entwicklung zumindest ermöglichen und die mir Hoffnung geben.

Das ist auch diese-Hoffnung auf meine und unsere Freiheit und schließlich auch die Freiheit aller und auf eine Welt, die jede Form von Unterdrückung hinter sich lässt.

Eine Welt, in der keine Gefängnisse fortexistieren, weder in der Form vielfältiger und miteinander verschränkter Gewaltverhältnisse, noch in der Form aus Beton, Stein und Stahl, in denen Menschen hinter Mauern und Stacheldraht einfach weggesperrt werden.

Eine Welt, in der die Menschen einander zugewandt sowie im Einklang mit allen anderen Lebewesen der-Natur leben können.

Wirklich frei sein können wir erst, wenn alle frei sind.



Am vorletztem Prozesstag gegen Daniela Klette haben ihre Verteidiger Undine Weyers und Lukas Theune in ihren Plädoyers auf Freispruch in den acht Anklagepunkten wegen der Geldbeschaffungsaktionen plädiert.

Nur in dem Verstoß gegen das Waffengesetz (vier Waffen waren in ihrer Berliner Wohnung gefunden worden, wobei die Munition separat gelagert war) sei ein Schuldspruch angemessen, die aber mit der Untersuchungshaft seit über 2 Jahren abgegolten ist und fordern daher die sofortige Haftentlassung.

Berlin: Feministischer 1. Mai 2026

Das Foto von © kinkalitzken zeigt das Fronttransparent mit dem Text: "Täter, Krieg, Kapital - Widerstand unsere Wahl",, rechts vom Text eine Weiße Taube
Foto: © kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Rund 1.500 Menschen nahmen sich am 1. Mai 2026 die Straßen von Berlin-Charlottenburg, um gegen Patriarchat, Kapitalismus, Faschismus und Imperialismus zu protestieren.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

In den Vorjahren stellten die Veranstalter*innen einen feministischen Block bei der „revolutionären“ 1. Mai-Demonstration Berlin. Die eigenständige feministische Demonstration um 13:12 Uhr wollte keine Konkurrenz zum Abendprogramm darstellen, sondern insbesondere mit Blick Awareness-Strukturen und Umgang mit Täterschutz-Vorwürfen einen Raum für klassenbewussten Feminismus schaffen.

Heraus, Geschwister, zum feministischen ersten Mai! Steigende Preise im Super- und Wohnungsmarkt, ein zerspartes Gesundheitssystem, Krieg in Europa, Nahost und Ostafrika, Wiedereinführung der Wehrpflicht. Eine Krise scheint auf die nächste zu folgen, und wir sind mittendrin. Was ist das für ein Leben, wo wir nie sicher sind, uns auf jeglichen Ebenen Gewalt wiederfährt oder droht? Gewalt, die sich in Kriegen manifestiert, die uns in schlecht bezahlten Berufen ausbeutet, die uns von der Straße prügeln und einsperren will. Vor der wir nicht einmal Zuhause sicher sind. Auch in unseren eigenen Strukturen sind wir oft patriarchalen Mechanismen ausgesetzt.

Scheiß auf Eure Blumen, leere Versprechungen und Girl-Boss-Feminismus. Wir verlangen Veränderung. Wir werden weiterhin patriarchale Strukturen aufbrechen und bekämpfen.
Kein Klassenkampf ohne Feminismus, kein Feminismus ohne Klassenkampf!“

(Aufruf zur Demo)

Links

Berlin: Revolutionäre 1. Mai- Demonstration 2026

Fronttransparent der Demo mit dem Text "gegen die Gesamtscheiße - Die Zukunft gehört uns!" und einem Roten Stern mit Antifaflaggen auf der linken Seite getragen von verschiedenen Personen, dahinter eine Masse von Menschen am späten Abend.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Gegen die Gesamtscheiße“ startete die diesjährige revolutionäre 1. Mai-Demonstration unter der Beteiligung mehrerer 10.000er Teilnehmer*innen vom Oranienplatz in Kreuzberg. Marxistische Jugendgruppen, Pali-Solidaritäts-Bewegung und ein großer Antifablock bildeten den Anfang. Ein sich schon am Mittag bildener „Menschenteppich“, durch verschiedenste angemeldete und auch nicht angemeldete Party- und Feierangebote in großen Teilen von Kreuzberg erschwerte den Start und einen geschlossenen Demozug. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge. Ein Teil der Demo schaffte es die Route einzuhalten, der andere Teil blieb erstmal stecken. Ab dem Görlitzer Park wurde der Antifa-Block von einem dichtem Bullenspalier begleitet. Am Rande der Demo wurden Nazi-Influencer vertrieben, es gab zahlreiche Solidaritätsgrüße von Balkonen und der Bordsteinkante. Gegen 23.00 Uhr erreichte die Demonstration den Abschlußkundgebungsplatz am Südstern. Dort ließen es sich die Bullen nicht nehmen, Teile des Antifablocks anzugreifen, durch Geschlossenheit konnte dieses abgewiesen werden. Was bleibt von diesem Tag? 10.000de waren auf der Straße, organisiert und auch weniger organisiert, und ein Gefühl, das Mensch nicht allein ist mit der Gesamtscheiße um uns herum.

„Wir feiern das Leben, die Rebellion und die Befreiung. Weg damit: Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsregime. Feminizide, Männlichkeit und Patriarchat. Nationalismus, Faschismus und AfD. Wasserprivatisierung, Autobahnausbau und Klimakatastrophe. Regierende Bürgermeister, Zäune und nächtens geschlossene Parks. Autoritarismus, Dogmatismus und scheinbar einfache Wahrheiten. Angriffe auf Rojava, Krieg in der Ukraine und Genozid in Gaza. Racial Profiling, »kriminalitätsbelastete Orte« und neue Polizeigesetze. Finanzielle Kürzungen, Demontage des Sozialstaats und der restliche Monat am Ende des Geldes. Gefangennahme von Cilia Flores mit Ehemann, von Antifaschist*innen und unserer langjährigen Nachbarin Daniela Klette. Private Wohnungsunternehmen, steigende Energiekosten und hohe Mieten. Merz, Pistorius und alle anderen da oben. Alles Würg!

Wir finden das Leben viel zu interessant, um es für all das herzugeben. Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen, wie es einst Karl Marx formulierte, und dazu werden wir beitragen. Wir spielen nicht mit, wir rebellieren, wir widersetzen uns. Wir verweigern uns den auferlegten Pflichten. Wir desertieren aus diesen Verhältnissen. Wir brechen aus und nehmen uns am Ersten Mai die Straße. Denn wenn schon die Gegenwart verloren ist, so wollen wir doch die Zukunft erobern.Mit Zehntausenden werden wir am Abend des 1. Mai in Berlin zur jährlich größten Manifestation der radikalen Linken zusammenkommen. Uns eint unsere Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und der Widerspruch zum Herrschenden, das kein Versprechen mehr für uns hat. Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1.Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit.“

(aus: Aufruf des Antiautoritären Blocks)


Eine gute Übersicht mit Infos zur Demo und allen anderen Aufrufen findet ihr auf der Seite von erstermai.nostate.net/

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Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)Links

Ein Jahr ohne Lorenz

Das Foto von M. Goldschmidt zeigt einen Ausschnitt der vorderen Reihe der Demo mit Fronttransparenten - eines mit einem Bild von Lorenz A. dem Text "No Justice - no Peace - Disarm the Police"
Foto: © M. Goldschmidt via Umbruch Bildarchiv
Am 19. April 2026 demonstrierten in Oldenburg rund 2000 Menschen in Gedenken an den 21-jährigen Lorenz A., der vor einem Jahr in Oldenburg von einem Polizisten erschossen wurde. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ erinnerte auch an weitere Opfer tödlicher Polizeigewalt, Qosay Khalaf, Ibrahima Barry und Mouhamed Lamine Dramé und forderten Aufklärung und Konsequenzen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Obwohl die Anklage bereits am 5. November 2025 erfolgte, gibt es bis heute noch keinen Gerichtsprozeß gegen den Polizisten der Lorenz am 20. April 2025 mit mehreren Schüssen in den Rücken erschossen hatte. (mehr zur Vorgeschichte)

Die Begründung der Justiz: Überlastung. Für die Angehörigen und Freund*innen von Lorenz ist dieser Verzug unerträglich. In den Redebeiträgen wurde betont, dass die Verzögerung rassistische Kontinuitäten widerspiegle, ein schwarzes Leben scheint in der Priorisierung der Behörden weniger Gewicht zu haben. ​Während die Ermittlungen gegen das Opfer unzulässigerweise forciert wurden, bleibt die Hauptverhandlung gegen den Schützen aus.

– M. Goldschmidt –


"Was passiert ist, steht nicht für sich allein. Rassistische Polizeigewalt trifft immer wieder Schwarze, rassifizierte und geflüchtete Menschen und danach folgen Entmenschlichung, Schuldverschiebung und fehlende Konsequenzen."

Pena Ger e.V., Teil der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“


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Rund 600 Menschen demonstrieren gegen Asylreform GEAS und für grenzenlose Solidarität

Das Foto zeigt den Demozug mit vielen Menschen und einer Reihe von Transparenten zum Thema
Foto: Aktion Bleiberecht
Weil am Rhein/Basel. Anlässlich der Einführung der Reform des Europäischen Pakts zu Asyl und Migration (GEAS) am 12. Juni 2026 demonstrieren heute rund 600 Menschen in einer grenzüberschreitenden Kundgebung. Über 30 Organisationen aus dem Dreiländereck riefen zur Kundgebung für grenzenlose Solidarität und gegen die massive Verschärfung des Asylrechts auf.

In zwei Demonstrationszügen von Weil am Rhein und Basel aus gestartet, bewegt sich die Kundgebung am Ausschaffungsgefängnis Bässlergut vorbei, wo sich seit über einer Woche mehrere Gefangene im Hungerstreik befinden um ihre Freiheit und ausreichende medizinische Versorgung zu fordern. Um 16:00 findet eine gemeinsame Schlusskundgebung im Rheinpark statt.

Mit GEAS wird das Recht auf Asyl in der EU faktisch abgeschafft. Geflüchtete Menschen werden systematisch nach Herkunft sortiert und in Lagern an den Aussengrenzen festgesetzt. Die beschleunigten Grenzverfahren finden ohne Rechtsvertretung statt. Menschen, die über sogenannte sichere Drittstaaten einreisen, werden vom Asylverfahren ausgeschlossen.

«GEAS steht für Abschottung statt Schutz. Europa inklusive Schweiz schottet sich ab und verschärft gleichzeitig globale Ungleichheiten und damit die Ursachen von Flucht. Gegen diese Entwicklung wehren wir uns entschieden. Angesichts multipler Krisen und zunehmendem Autoritarismus werden wir unsere Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter verstärken.» lässt sich eine der Organisator*innen der Kundgebung zitieren.

Quelle: Pressemitteilung Aktion Bleiberecht, 18. April 2026
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