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»Schwindler machen immer viel Aufhebens und Lärm, und gewisse einfältige Leute halten das für Energie.« Wladimir Iljitsch Uljanow aka Lenin

Lesung anlässlich des 50. Jahrestages des Ausbruchs aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin

Das Cover des Buches zeigt das historische Foto nach dem Ausbruch, als  zwei Polizeibeamte zum Fenster der Zelle hochschauen. Dazu Angaben zum Buch.
Herausgeber ‏ : ‎ Immergrün e.V.
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Mai 2026
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3910281222
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910281226
K9 MITTWOCH 8. JULI 2026 - 19 Uhr

„Als wir es das erste Mal gesehen haben, war das wie eine Offenbarung: ein Fenster ohne Gitter!“

Am 7. Juli 1976 gelang Monika Berberich zusammen mit den drei anderen Gefangenen: Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck und Inge Viett, alle aus der RAF und der Bewegung 2. Juni, die Flucht aus dem Frauenknast Lehrter Straße 61 in Westberlin. Sie überwältigten zwei Schließerinnen und seilten sich an Bettlaken ab.

Wir erinnern uns diesem unbedingten Willen nach Freiheit und laden einen Tag nach dem 50. Jahrestag der Befreiung zur Lesung, Buchvorstellung, Informationen und Diskussion ein. Jemensch aus dem Verlag immergrün liest aus dem Kapitel „Das vierzehnte Treffen: Der Ausbruch“ aus dem Buch: Der Kern ist unzerstörbar, Versuch einer Annäherung. Gespräche mit Monika Berberich.

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Berlin: Revolutionäre 1. Mai- Demonstration 2026

Fronttransparent der Demo mit dem Text "gegen die Gesamtscheiße - Die Zukunft gehört uns!" und einem Roten Stern mit Antifaflaggen auf der linken Seite getragen von verschiedenen Personen, dahinter eine Masse von Menschen am späten Abend.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Gegen die Gesamtscheiße“ startete die diesjährige revolutionäre 1. Mai-Demonstration unter der Beteiligung mehrerer 10.000er Teilnehmer*innen vom Oranienplatz in Kreuzberg. Marxistische Jugendgruppen, Pali-Solidaritäts-Bewegung und ein großer Antifablock bildeten den Anfang. Ein sich schon am Mittag bildener „Menschenteppich“, durch verschiedenste angemeldete und auch nicht angemeldete Party- und Feierangebote in großen Teilen von Kreuzberg erschwerte den Start und einen geschlossenen Demozug. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge. Ein Teil der Demo schaffte es die Route einzuhalten, der andere Teil blieb erstmal stecken. Ab dem Görlitzer Park wurde der Antifa-Block von einem dichtem Bullenspalier begleitet. Am Rande der Demo wurden Nazi-Influencer vertrieben, es gab zahlreiche Solidaritätsgrüße von Balkonen und der Bordsteinkante. Gegen 23.00 Uhr erreichte die Demonstration den Abschlußkundgebungsplatz am Südstern. Dort ließen es sich die Bullen nicht nehmen, Teile des Antifablocks anzugreifen, durch Geschlossenheit konnte dieses abgewiesen werden. Was bleibt von diesem Tag? 10.000de waren auf der Straße, organisiert und auch weniger organisiert, und ein Gefühl, das Mensch nicht allein ist mit der Gesamtscheiße um uns herum.

„Wir feiern das Leben, die Rebellion und die Befreiung. Weg damit: Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsregime. Feminizide, Männlichkeit und Patriarchat. Nationalismus, Faschismus und AfD. Wasserprivatisierung, Autobahnausbau und Klimakatastrophe. Regierende Bürgermeister, Zäune und nächtens geschlossene Parks. Autoritarismus, Dogmatismus und scheinbar einfache Wahrheiten. Angriffe auf Rojava, Krieg in der Ukraine und Genozid in Gaza. Racial Profiling, »kriminalitätsbelastete Orte« und neue Polizeigesetze. Finanzielle Kürzungen, Demontage des Sozialstaats und der restliche Monat am Ende des Geldes. Gefangennahme von Cilia Flores mit Ehemann, von Antifaschist*innen und unserer langjährigen Nachbarin Daniela Klette. Private Wohnungsunternehmen, steigende Energiekosten und hohe Mieten. Merz, Pistorius und alle anderen da oben. Alles Würg!

Wir finden das Leben viel zu interessant, um es für all das herzugeben. Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen, wie es einst Karl Marx formulierte, und dazu werden wir beitragen. Wir spielen nicht mit, wir rebellieren, wir widersetzen uns. Wir verweigern uns den auferlegten Pflichten. Wir desertieren aus diesen Verhältnissen. Wir brechen aus und nehmen uns am Ersten Mai die Straße. Denn wenn schon die Gegenwart verloren ist, so wollen wir doch die Zukunft erobern.Mit Zehntausenden werden wir am Abend des 1. Mai in Berlin zur jährlich größten Manifestation der radikalen Linken zusammenkommen. Uns eint unsere Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und der Widerspruch zum Herrschenden, das kein Versprechen mehr für uns hat. Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1.Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit.“

(aus: Aufruf des Antiautoritären Blocks)


Eine gute Übersicht mit Infos zur Demo und allen anderen Aufrufen findet ihr auf der Seite von erstermai.nostate.net/

Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)Links

Ulrike Meinhofs Selbstmord

Das Foto zeigt Ulrike Meinhof, vor 1964, auf einem Sofa sitzend und in die Kamera blickend
Ulrike Meinhof 1964
Quelle: Privates Foto, aus der Sammlung Bettina Röhls, der Tochter Ulrike Meinhofs
Seltsamer
Selbstmord
dessen Spuren
auf anderes deuten

Wundmale
Würgespur
nicht wie beim Tod
durch Erhängen

Und das Gesicht nicht blau
die Augen nicht blutunterlaufen
auch nicht herausgetreten
wie beim Ersticken

Aber es darf nicht
das Andere sein
Es muß
Selbstmord gewesen sein

trotz aller Spuren
Nämlich
sonst müßte es
Mord sein

Nicht Mord durch Zutodehetzen
Mord durch Gehässigkeit
Mord durch Unrecht
den keiner mehr Mord nennt

sondern
gemeiner Mord
wie durch Eindringen
eines Erwürgers

Wohin
kämen wir dann?
Wohin
sind wir gekommen?

Erich Fried, 1977


USA - Zwangssterilisation hinter Gittern

In Kaliforniens größtem Frauengefängnis werden Frauen jahrelang ohne ihre Zustimmung sterilisiert. Besonders oft betroffen: Women of Color. Eine Betroffene und eine Anwältin brechen das Schweigen, sammeln Beweise und konfrontieren die Verantwortlichen. Der Film zeigt, wie hartnäckig sich eugenische Denkmuster bis heute halten, und begleitet die Frauen bei ihrem mühsamen Kampf für Gerechtigkeit.

This Saturday: All Out for No Kings Day 3!

Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Masked secret police are terrorizing our communities. An illegal, catastrophic war is putting us in danger and driving up our costs of living. Attacks on our freedom of speech, our civil rights, and our freedom to vote are happening on a daily basis. Costs are pushing families to the brink. #Trump is acting like a tyrant. But this is America, and power belongs to the people - not to wannabe kings or their billionaire cronies.

This Saturday, March 28th, we will show up together to demand, No Kings!


Please plan to join what promises to be the largest democracy, human rights, and peace demonstration in U.S. history. More than 3,000 events are planned.

FIND A NO KINGS EVENT NEAR YOU!

As President Trump escalates his attempts to control us, it is on us, the people, to show that we will fight to protect one another and our country. If he believes we will roll over and allow him to take our freedoms, he is mistaken. We are coming together on March 28 across issues, ages, races, and religions, because we know we can overcome this repression when we unite.



(In #Germany also in #Munich / #München #Nuremberg / #Nürnberg #Frankfurt #Wiesbaden #Düsseldorf #Bremen & #Hamburg)

#NoKings! #NoWars! #NoNukes! #NoICE


k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Autour du Feu“- der Feuerkreis

Der Flyer zeigt Jacques Fasel 1985 beim Prozess in Fribourg in einer Illustration von Luigi Olivadoti sowie Angaben zum Film aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film (Vorderseite)
In einem Wald treffen zwei ehemalige Mitglieder der bewaffneten antikapitalistischen Westschweizer Gruppierung La Bande à Fasel an nem Lagerfeuer auf drei junge Aktivistinnen der ZAD Le Mormont von XR Rebellion u. in der Schweiz aktiven antirassistischen Kollektiven. Eine Nacht lang diskutieren sie Fragen über den zivilen Ungehorsam u. radikalere Formen des Widerstands. Wie weit darf man gehen, um seine Ideale zu verteidigen?

Dokumentarfilm: „AUTOUR DU FEU“ - der Feuerkreis

Laura Cazador & Amanda Cortös 2024 OmU

Jacques Fasel und Daniel Bloch sitzen eine Nacht lang mit drei jungen Aktivistinnen aus der Klimabewegung und antirassistischen Kollektiven um ein Lagerfeuer im Wald und sprechen über Formen des Widerstands und der Repression im Lauf der Zeit. Mit seiner Bande überfiel der Anarchist Jacques Fasel in den Siebzigern Poststellen und Geldtransporter in der Romandie, mit der Beute finanzierten sie autonome Projekte. „Wir hatten Freude daran, in den sozialen Krieg zu ziehen. Der Begriff «revolutionär» war angemessen, weil wir glaubten, die Revolution würde zu unseren Lebzeiten stattfinden. Ich unterstützte die ‚Anti-AKW-Bewegung, die Antigefängnisbewegung und kleinere Projekte wie unabhängige Radios und eine Theatergruppe“ Er wurde oft gefasst, saß lange im Knast ist mehrfach ausgebrochen. "Das Gefängnis hat mich gestärkt" Der Film stellt nun sein Handeln jenem junger Aktivistinnen gegenüber.

Ein Gespräch über die Revolution als Prozess, den Wald als Rückzugsort - und Technologie als Waffe.

«Es muss nicht immer Forelle in Champagnersauce sein»

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
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Fenian Bastards oder: Das enttäuschende Erbe der irischstämmigen Amerikaner

Ich bin nicht besonders stolz darauf, irischstämmiger Amerikaner zu sein. Wenn du mich kennst, mag dich das überraschen – ich rede ständig über meine irischen Wurzeln und darüber, dass die Iren seit 800 Jahren dafür kämpfen, sich vom kolonialen Joch zu befreien.

Ich habe das ganz klar – und ein bisschen peinlicherweise – zu einem ziemlich großen Teil meiner Persönlichkeit gemacht. Es ist nicht der irische Teil des Irisch-Amerikanischseins, auf den ich nicht stolz bin, sondern der amerikanische Teil, und wo diese beiden Wörter aufeinandertreffen.

Um es ganz offen zu sagen: Wir irisch-amerikanischen Leute haben es echt vermasselt. In Irland waren wir Revolutionäre. In Amerika waren wir Polizisten, Kolonisatoren und Rassenunruhestifter. Wir haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen, sobald wir konnten, und unser Erbe und unsere Sprache gegen Weißsein und verwässerte Kulturreste eingetauscht, die wie grünes Bier und Kleeblätter aussehen.

Ich sage „wir“, als wäre ich nicht erst mehrere Generationen später in diese Situation hineingeboren worden, als hätte meine Großmutter die Muttersprache ihrer Eltern kaum gesprochen. Sie wurde (natürlich) in Boston als Tochter von Einwanderern aus Galway geboren, die verzweifelt wollten, dass ihre Kinder sich assimilieren. Ihr Vater floh kurz vor dem Aufstand aus Irland, aber jeder seiner Brüder kämpfte darin und wurde dafür verhaftet.

Der vielleicht stolzeste Moment meines Lebens war es, einem dieser Brüder an seinem hundertsten Geburtstag die Hand zu schütteln. Dieser Mann lebte in drei verschiedenen Jahrhunderten, und soweit ich das beurteilen kann, kämpfte er in einem gescheiterten Aufstand, einer größtenteils erfolgreichen Revolution und einem Bürgerkrieg gegen die Revolutionäre, die das Land verkauften – und das alles, bevor er fünfundzwanzig wurde. Als ich ihn traf, war er schon seit Jahrzehnten blind, aber er grinste über beide Ohren, als er die Nachkommen seines Bruders traf. Er lebte länger als die berühmt-berüchtigte langlebige Königin, die später das Reich regierte, gegen das er zu den Waffen griff, und das, obwohl er in einer Steinhütte lebte.

Ihn getroffen zu haben, ist etwas, worauf ich stolz bin. Das ist ein Vermächtnis, das mir wichtig ist.

Den Familiennamen meiner Großmutter kann ich bis zur Schlacht von Clontarf im Jahr 1014 zurückverfolgen, als die Iren die Wikinger von ihren Küsten vertrieben.

St. Patrick’s Day? Der St. Patrick’s Day ist mir scheißegal. Ich habe heute Morgen in einem Café einen grünen St. Patrick’s Day-Milchshake getrunken und er hat nach Zahnpasta geschmeckt.

Ich habe ihn trotzdem getrunken, weil er aus Zucker bestand und ich im Grunde ein Kobold bin. Ich hoffe, dass das, dass ich ihn trotzdem getrunken habe, nicht irgendwie Teil der Metapher wird, die ich hier aufbaue.

Weder irischstämmige noch nicht-irischstämmige Amerikaner können uns ertragen, wenn wir mit unserem Erbe angeben, egal ob wir grünen Plastikmüll tragen und nach Whiskey schreien oder IRA-Lieder singen und ein Erbe der Rebellion für uns beanspruchen, dem wir sicher nicht gerecht zu werden scheinen. Niemand kann uns ausstehen, und ich nehme es ihnen nicht übel. Es ist vernünftig, jeder weißen Person zu misstrauen (oder sie nicht zu mögen), die Unterdrückungspunkte für sich beansprucht, indem sie davon redet, dass sie früher nicht weiß war (was wir mit unseren italienisch-amerikanischen Brüdern gemeinsam haben, ist, dass wir uns darüber beschweren, nicht immer weiß zu sein, katholisch zu sein und unsere Geschichte des radikalen Linksextremismus aufzugeben).

Es stimmt, dass die Iren während des größten Teils der amerikanischen Geschichte nicht ganz weiß waren, aber wir hatten es hier nie auch nur halb so schlimm wie Schwarze oder indigene Völker, und wir sind nun schon seit hundert Jahren weiß, weil wir am Scheideweg dem Teufel begegnet sind und ihm unsere Seele verkauft haben. Um ehrlich zu sein – und um eine Büchse Würmer zu öffnen, die niemand essen möchte: Irisch-Amerikaner haben im protestantischen Amerika mindestens genauso viel Unterdrückung erfahren, weil sie katholisch waren, wie weil sie Iren waren (schau dir die Geschichte der zweiten Inkarnation des KKK an, um mehr darüber zu erfahren). Aber noch einmal: Der Katholizismus ist derzeit kein Faktor der Unterdrückung in diesem Land, und während Geschichte wichtig ist, sind die gegenwärtigen Verhältnisse wichtiger.

Es gibt ein Erbe der irischstämmigen Amerikaner, das es wert ist, beachtet zu werden, aber es ist begraben unter Polizisten, weißen Supremacisten (aber ich wiederhole mich) und Leprechaun-Hüten.

Der historische Stich zeigt eine geheime Versammlung von Bergarbeitern
'The Strike in the Coal Mines - Meeting of Molly M'Guire Men".'
Aus Harper's Weekly, 31. Januar 1874.
Was ein Erbe angeht, das es wert ist, beachtet zu werden, kann ich in ein paar Richtungen weisen. Erstens, und das kenne ich am besten, sind die Molly Maguires aus den Kohlefeldern von Pennsylvania. Als Großbritannien in den 1840er Jahren seinen zweiten Völkermord an Irland verübte, indem es die Insel aushungerte, flohen die Menschen nach Nordamerika und brachten einige altehrwürdige Traditionen der Arbeiterklasse mit. (Der erste Völkermord an den Iren geschah durch Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert im Zuge des Englischen Bürgerkriegs. Frag mich, warum mir die frühe antimonarchistische Bewegung in England völlig egal ist.)

Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, aber ich kann auf zwei konkurrierende Theorien des Arbeiterkampfes verweisen, die im 19. Jahrhundert um Relevanz wetteiferten. Die eine, hauptsächlich aus England importiert, war der Gewerkschaftswesen. Streiks, Arbeitsniederlegungen, Tarifverhandlungen. Sozialismus als etwas, das man anstreben und aufbauen muss. Die andere, aus Irland, lautete im Grunde: „Gründe mit deinen Freunden eine Geheimgesellschaft, betrink dich, zieh Frauenkleider an und töte die Reichen, während sie in ihren Betten schlafen.“ Das ist eine ziemlich coole Tradition. Sie stammt von den Leuten, die Engels (von Marx und Engels) für zu barbarisch-sozialistisch hielt, um jemals gute und ordentliche marxistische Sozialisten zu werden.

(Im Ernst, es ist faszinierend, wie besessen von Irland Engels war, und zwar auf die ganz falsche Art und Weise.)

Aber die Molly Maguires. Es gab also diese losen Geheimgesellschaften während der gesamten irischen Geschichte (oder zumindest seitdem es englische Grundbesitzer gab, die man erwürgen konnte), aber die heute berühmteste ist die, die es bis in die Kohlebergwerke Amerikas geschafft hat: die Molly Maguires. Ihr Crossdressing war nicht wirklich eine Gender-Sache, und es war auch nicht wirklich eine Verkleidung. Es war eher ein magischer Akt der Verwandlung. Sie wurden zu etwas anderem, wenn sie sich verkleideten, um Sabotage und Gewalt zu verüben. Das ist eine Drag-Tradition, hinter der ich stehen kann.

Die meisten irischen Bergleute waren froh genug, den Gewerkschaften nach britischem Vorbild beizutreten, und ehrlich gesagt ist Gewerkschaftswesen insgesamt wahrscheinlich der bessere Weg, um die Macht der Arbeiterklasse aufzubauen. Aber wann immer die Bosse anfingen, gegen die Gewerkschaften vorzugehen und die Organisierung unter Strafe zu stellen, standen die Fenian-Bastarde schon bereit. Aufstand und Revolution sind keine Gegensätze; sie sind sich ergänzende Strategien. Akzeptiert die Gewerkschaften, oder ihr bekommt es mit den Mollies zu tun.

Obwohl der Staat eine mächtige Sache ist und die Molly Maguires größtenteils verschwanden, nachdem eine Menge von ihnen gehängt worden waren. So ist das eben. Irland erlangte 1922 den größten Teil seiner Unabhängigkeit, obwohl Michael Collins und einige der anderen revolutionären Führer einen Kompromiss akzeptierten und bald darauf gegen ihr eigenes Land in den Krieg zogen, was zu der Teilung führte, die das Land heute hat. (Meine irische Familie redet nicht gern über Politik, aber meiner Tante wurde erzählt, dass mein revolutionärer Onkel bis zu seinem Lebensende jedes Mal spuckte, wenn er den Namen Michael Collins hörte.)

Aber Revolutionäre auf der ganzen Welt sind darauf angewiesen, einen Ort zu haben, an den sie gehen können, wenn es zu Hause zu heiß wird. Für die Russen war es die Schweiz. Für die Iren war es Amerika. Das ist eine Geschichte, in die ich hier und da in den Drehbüchern verschiedener Episoden hineingeschaut habe, die ich mir aber noch nicht vollständig angesehen habe. Eine Geschichte der irisch-amerikanischen Revolutionäre, die Spenden sammelten, Waffen kauften, bereit zum Krieg nach Irland zurückkehrten und sogar in Kanada einmarschierten. (Im Ernst. Sie dachten, wenn sie Kanada erobern könnten, könnten sie es den Briten als Lösegeld für Irlands Freiheit anbieten. Das ist nicht gerade der antikolonialistischste Schachzug, aber es ist seltsam und es ist passiert, und ich werde irgendwann darauf eingehen.)

Das Foto zeigt den anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbten Chicago River an dessen Promenade Menschen spazieren und der von Wolkenkratzern umgeben ist.
Der anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbte Chicago River
Foto: Knowledge Seeker
Lizenz: Public Domain
Das ging jahrzehntelang so weiter. Die Fenian Brotherhood wurde 1858 gegründet, ein amerikanisches Pendant zur Irish Republican Brotherhood, aus der später die Irish Republican Army hervorging. Aber es gab auch Leute wie den irischen (nicht-amerikanischen) Syndikalisten Jim Larkin, der 1917 in Chicago den Dil Pickle Club mitbegründete, zusammen mit einem amerikanischen IWW-Bombenbauer namens Jack Jones (ich glaube nicht, dass er in einer Gewerkschaft für Bombenbauer war, er war einfach ein Gewerkschafter, der Bomben baute, um Chefs in die Luft zu jagen. Das war damals so üblich). Dieser Club war ein Ausgehort und einer der wenigen Orte in Chicago, an denen Menschen verschiedener Hautfarben zusammenkamen. Und dort verbrachte Jim Larkin seine Zeit im Exil, bevor er in ein weitgehend freies Irland zurückkehrte. Vor der Revolution gab es in Irland nicht viel anarchistische Geschichte (obwohl Syndikalisten und Anarchisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine größere Rolle im revolutionären Kampf spielten), aber ich habe eine Theorie, warum es dort keine Anarchistenbewegung mit großem A gab. Ich habe sogar irgendwo Notizen zu dieser Theorie, aber sie liegen mir gerade nicht vor, denn das hier ist kein gut durchdachter Essay, sondern ein Rant, den ich geschrieben habe, weil ich sauer war, dass mein St. Patrick’s Day-Milchshake nach Zahnpasta schmeckte und ich ihn trotzdem getrunken habe. Scheiße, ich glaube, dieser Milchshake ist doch Teil der Metapher.

Im Laufe der gesamten anarchistischen Geschichte finde ich, dass europäische Anarchisten weniger damit beschäftigt waren, den Anarchismus in die Kolonien zu exportieren, als vielmehr damit, antikoloniale Kämpfe zu unterstützen und indigene Methoden des Aufstands zu importieren, die dann in Europa verarbeitet und wieder exportiert wurden. Da ist der griechische anarchistische Arzt Plotino Rhodakanaty, der nach Mexiko ging, um von den Menschen etwas über traditionelle Landnutzung zu lernen, und am Ende eine Generation indigener mexikanischer Anarchisten inspirierte. Da ist die Veteranin der Pariser Kommune, Louis Michel, die sich im Exil mit den indigenen Völkern Neukaledoniens solidarisierte und dort ihr anarchistisches Denken weiterentwickelte. Da ist der Naturforscher Peter Kropotkin, der den Großteil seiner Theorien zum anarchistischen Kommunismus durch das Studium der Natur und der Anthropologie entwickelte, unter anderem in sibirischen Gemeinschaften. Und dann gibt es noch… britische Anarchisten, die (soweit ich weiß) die einzigen Menschen in Großbritannien waren, die die irische Unabhängigkeit und die Gewalt der Unterdrückten unterstützten. Die Herausgeber britischer anarchistischer Zeitungen in den 1880er- und 1890er-Jahren versuchten nicht, den Anarchismus nach Irland zu exportieren, sondern sammelten Spenden für irische Revolutionäre und machten sich Notizen über irische Methoden des Sozialismus und des Widerstands. Wie die irischen Geheimgesellschaften. Möglicherweise (das habe ich auf meinem Red-String-Board noch nicht ganz nachverfolgt) der Vorläufer von Affinitätsgruppen.

Direkte Aktion, Aufstand und gemeinschaftliche Landnutzung waren bereits Kernprinzipien der irischen Kultur. Irgendwo in mir habe ich einen guten und ordentlichen Aufsatz über die Abschaffung der Weißheit, darüber, wie wir, um die weiße Vorherrschaft zu zerstören, die Weißheit als soziales Konstrukt zerstören müssen. Ich werde ihn irgendwann schreiben (andere haben ihn bereits geschrieben, aber wer lernt nicht gerne, einen guten Coversong zu spielen? Es ist wie bei der Volksmusik; die Abschaffung der Weißheit ist für alle da).

In der Zwischenzeit denk daran: Wenn wir Irland richtig feiern wollten, würden wir heute palästinensische Flaggen hissen und kein Grün tragen. Einige Episoden, die ich gemacht habe und in denen es um solche Themen ging:

Quelle: "Fenian Bastards or: the disappointing legacy of Irish-Americans", 18. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

18. März: Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Das SharePic zur Kundgebung in Stammheim zeigt die Gefängnismauer sowie die Eckdaten zur Kundgebung: 18.03. // 18 Uhr // Justizvollzugsanstalt Stammheim
SharePic zur Kundgebung in Stammheim
Der 18. März als internationaler Kampftag für die Freilassung aller politischen Gefangenen knüpft an eine lange Tradition der revolutionären ArbeiterInnenbewegung an.

Am 18.3.1848 stand das sich gerade entwickelnde Proletariat auf den Barrikaden, 23 Jahre später, am 18.3.1871, kam es zum ersten Mal zu einer breit in der verarmten Bevölkerung verankerten Zerschlagung parlamentarisch-monarchistischer Machtstrukturen durch die proletarische Klasse. An diesem Tag griffen die Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zu den Waffen und schufen für einen kurzen Zeitraum eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, die als Pariser Commune bekannt wurde. Nach nur 71 Tagen wurde der Versuch, sich von den Fesseln der Herrschaft zu befreien, brutal niedergeschlagen.

Die militärisch hochgerüstete Reaktion übte nach ihrem Sieg über die Kommunard_innen blutige Rache. Mehr als 20.000 Männer und Frauen wurden getötet, über 13.000 Menschen zu meist lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Doch im kollektiven Gedächtnis der sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen blieb die Commune nicht in erster Linie als Niederlage haften, sondern als die Geschichte eines gemeinsamen Aufbruchs. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein galt der 18. März als „Tag der Commune“.

1923 erklärte die ein Jahr zuvor gegründete Internationale Rote Hilfe (RHI) den Tag zum „Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. Der Faschismus jedoch sollte dieser Tradition ein Ende setzen.

1996 initiierte der „Förderverein Libertad! für internationale Kommunikation und Solidarität“ zusammen mit der Roten Hilfe e.V. zum ersten Mal wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen. Seitdem werden an diesem Tag vielfältige Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt; die Rote Hilfe versucht mit der jährlichen Sonderausgabe zum 18. März, den politischen Gefangenen eine Stimme zu verleihen sowie den verschiedenen Solidaritäts- und Antirepressionsinitiativen eine Plattform zu bieten, um die Themen „Staatliche Repression“ und „Politische Gefangene“ ins Bewusstsein zu rufen.

Auch 2026 gibt es bundesweit gibt es viele Aktionen, an denen ihr euch beteiligen könnt. Eine Übersicht gibt es beim Bundesvorstand der Roten Hilfe.


Iranische Anarchisten: „Wir machen weiter mit dem Organisieren und Widerstand“

Zweites Interview mit der Anarchist Front über Unterdrückung und Widerstandsfähigkeit, regionalen Krieg und Internet-Sperren

Das Foto zeigt den Text in arabischen Schriftzeichen
Graffiti: „Wir wollen weder König noch (obersten) Führer; weder schlecht noch schlechter“.
Als ihr das letzte Mal mit Freedom gesprochen habt, breiteten sich die Proteste im Iran schnell aus und wurden immer heftiger, aber die Unterdrückung wurde auch immer stärker. Könnt ihr uns sagen, was seitdem passiert ist und was eure Gruppe gemacht hat?

Seit unserem letzten Interview hat sich die Lage im Iran auf gewaltsame und beispiellose Weise verändert. Die weit verbreiteten Proteste in vielen Städten wurden mit harter Repression beantwortet. Sicherheitskräfte haben Demonstranten mit scharfer Munition angegriffen; Tausende wurden getötet oder verletzt, Zehntausende wurden verhaftet. Eine Atmosphäre strenger Sicherheitsvorkehrungen hat sich im ganzen Land ausgebreitet. Es gibt auch Berichte und dokumentierte Beweise dafür, dass unter den aktuellen Kriegsbedingungen einige Gefangene an Orten festgehalten werden, die Luftangriffen ausgesetzt sind, und praktisch als menschliche Schutzschilde benutzt werden.

Inmitten dieser Situation, bevor die Bewegung die Chance hatte, sich neu zu organisieren, kam es zu einer weiteren Entwicklung: Am 28. Februar 2026 begannen groß angelegte Militärangriffe der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran, bei denen Hunderte von Zielen im ganzen Land getroffen wurden. Mehrere hochrangige Kommandeure und Politiker der Islamischen Republik wurden bei diesen Angriffen getötet, und das Land befindet sich nun im Kriegszustand. Die Machtstruktur der Islamischen Republik steht vor einer schweren Krise, doch die politische Zukunft des Landes bleibt ungewiss und umstritten.

US-amerikanische und israelische Streitkräfte haben zahlreiche Ziele im Iran angegriffen, wobei neben militärischen Zielen auch Zivilisten getötet wurden. Gleichzeitig hat die Islamische Republik ihre Raketenkapazitäten genutzt, um Ziele in der Region anzugreifen. Diese Auseinandersetzungen bedrohen das Leben von Millionen von Menschen in der gesamten Region, und bisher haben Hunderte von Zivilisten ihr Leben verloren. Die historischen Erfahrungen der Region zeigen auch, dass ausländische Interventionen selten zu echter Freiheit geführt haben und oft neue Formen der Herrschaft, Instabilität und geopolitischen Konkurrenz mit sich gebracht haben.



Unter diesen Bedingungen haben wir unsere Aktivitäten als Anarchisten fortgesetzt. Wir haben versucht, zu verhindern, dass diese Stimmen inmitten von Unterdrückung und Krieg zum Schweigen gebracht werden, indem wir Ereignisse dokumentiert, Erklärungen veröffentlicht, Netzwerke internationaler Solidarität aufrechterhalten und die Stimmen von Arbeiter*innen, Frauen und verschiedenen Bereichen der Gesellschaft nach außen getragen haben. Gleichzeitig haben wir einen wichtigen Schwerpunkt darauf gelegt, Diskussionen über Selbstorganisation und horizontale Organisation in Nachbarschaften, Arbeitsstätten und Universitäten auszuweiten und diese Kerne mit breiteren Netzwerken sozialer Solidarität zu verbinden. Wir glauben, dass ohne solche sozialen Grundlagen jede Protestwelle anfällig für staatliche Repression bleiben wird.

Konnten sich die Menschen gegen die Repression, der sie ausgesetzt waren, verteidigen?

In vielen Fällen haben die Menschen versucht, sich auf unterschiedliche Weise zu verteidigen: von der Schaffung solidarischer Netzwerke zur Versorgung der Verletzten und zur Unterstützung der Familien von Inhaftierten bis hin zu verschiedenen Formen des Straßenwiderstands. Wir müssen jedoch realistisch sein: Der Repressionsapparat der Islamischen Republik ist extrem umfangreich und hochgradig organisiert, was eine kollektive Verteidigung erschwert.

Unter solchen Bedingungen haben die Menschen Methoden wie schnelle Zerstreuung auf den Straßen, anonyme Organisation und gegenseitige Unterstützung innerhalb der Nachbarschaften entwickelt. In einigen Regionen wie Kurdistan und Belutschistan, wo es eine längere Geschichte des sozialen Widerstands gibt, konnten sich die lokalen Gemeinschaften in einigen Fällen besser schützen. In den großen Städten war die Unterdrückung jedoch extrem hart.

Die am stärksten gefährdete Gruppe sind nach wie vor politische Gefangene, insbesondere diejenigen, die während der jüngsten Proteste festgenommen wurden. Sie werden unter extrem gefährlichen Bedingungen festgehalten und sind weiterhin von schweren Strafen oder sogar der Hinrichtung bedroht. Die Erfahrungen dieser Zeit zeigen, dass lokale soziale Solidaritätsnetzwerke eine wichtige Rolle bei der sozialen Verteidigung und der Aufrechterhaltung des Widerstands spielen können.

Als wir Anarchist Front das letzte Mal interviewt haben, hatte die iranische Regierung gerade das Internet komplett abgeschaltet. Gab es seitdem wesentliche Veränderungen in eurer Fähigkeit zu kommunizieren und auf das Internet zuzugreifen? Konnten die Menschen diese Einschränkungen umgehen?

Die iranische Regierung nutzt weiterhin Internetabschaltungen oder -beschränkungen als eines ihrer wichtigsten Mittel der Unterdrückung.

In den letzten Jahren fiel eine weitgehende Abschaltung des Internets meist mit gewaltsamen Razzien und direkten Schüssen auf Demonstranten zusammen. Mit dem Ausbruch des Krieges wurden erneut großflächige Internetabschaltungen durchgeführt, wodurch Millionen von Menschen der Online-Kommunikation beraubt wurden. Schon vor dem Krieg, während der jüngsten Proteste, waren die Internetbeschränkungen strenger und länger als zuvor geworden und hatten die Kommunikation zwischen Aktivisten wochenlang unterbrochen.

Das Diagramm zeigt den Einbruch der Internetaktivitäten im Iran zwischen 24.02.2026 und 01.03.2026
Das Diagramm zeigt den Einbruch der Internetaktivitäten im Iran zwischen 24.02.2026 und 01.03.2026
Trotzdem haben die Menschen viel Erfahrung und Geschick darin gesammelt, diese Einschränkungen zu umgehen. Tools wie V2Ray-Protokolle und Anwendungen wie Psiphon und Lantern sind weit verbreitet, und wann immer eine Verbindung verfügbar ist, bleibt Telegram eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen. Auch Satelliten-Internet ist für einige Aktivisten wichtig geworden, obwohl der Zugang dazu nach wie vor begrenzt ist.

Gleichzeitig hat die Erfahrung dieser Jahre gezeigt, dass sich keine soziale Bewegung allein auf das Internet verlassen kann. Die eigentliche Grundlage jeder sozialen Bewegung wird durch direkte Beziehungen, gegenseitiges Vertrauen und echte Verbindungen zwischen den Menschen geschaffen.

Sie haben vor der Gefahr gewarnt, dass Royalisten (die bei den Protesten eine kleine Minderheit darstellten) versuchen könnten, diese als Ausgangspunkt für ihre eigene politische Bewegung zu nutzen. Inwieweit sind sie Ihrer Meinung nach damit erfolgreich gewesen?

Monarchistische Strömungen haben versucht, sich mithilfe der von ihnen kontrollierten Medienplattformen und mit Unterstützung bestimmter ausländischer Regierungen als einzige politische Alternative zu präsentieren. Reza Pahlavi und seine Anhänger haben aktiv versucht, sich als Übergangsregierung zu positionieren, und wurden dabei von persischsprachigen Medien und einigen westlichen Regierungen unterstützt.

Die tatsächliche soziale Basis dieser Strömung innerhalb des Iran ist jedoch weitaus begrenzter, als ihre Medienpräsenz vermuten lässt. Viele der Menschen, die an den Protesten teilgenommen haben, sind im Wesentlichen gegen alle Formen des Autoritarismus auf die Straße gegangen und sehen die Rückkehr der Monarchie nicht als Lösung an.

Tatsächlich ist sich ein großer Teil der iranischen Gesellschaft sehr wohl bewusst, dass es keine Lösung ist, eine Form des Autoritarismus durch eine andere zu ersetzen. Aus diesem Grund betonen wir weiterhin, dass die Zukunft der Freiheit im Iran weder in der Wiederherstellung der Monarchie noch in der Fortführung anderer autoritärer Strukturen liegt, sondern in der sozialen Selbstverwaltung und demokratischen Formen der Gesellschaftsorganisation.



Aus unserer Sicht kann die Befreiung des iranischen Volkes nicht das Ergebnis von Projekten sein, die von ausländischen Mächten aufgezwungen werden. Freiheit kann nur aus dem Kampf und dem Willen des Volkes selbst entstehen, und die Umwandlung sozialer Bewegungen in Instrumente staatlicher Rivalitäten wird letztendlich der Gesellschaft schaden.

Gibt es noch etwas, das unsere Leser über die Situation im Iran wissen sollten, und gibt es Möglichkeiten, wie sie Unterstützung leisten können?

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Menschen im Iran nicht nur passive Opfer dieses Krieges sind. Innerhalb der iranischen Gesellschaft gibt es viele soziale Bewegungen: Arbeiter, Frauen, Studenten, ethnische Gemeinschaften und anarchistische Aktivisten, die unter extrem schwierigen Bedingungen weiter Widerstand leisten und sich organisieren. Die iranische Gesellschaft ist komplex, multiethnisch und dynamisch, und der Kampf für Freiheit geht in vielen Formen weiter. Am wichtigsten ist die internationale Solidarität zwischen den Volksbewegungen, nicht die Unterstützung von staatlichen Projekten oder Alternativen, die von oben aufgezwungen werden.

Leser außerhalb des Iran können eine wichtige Rolle spielen, indem sie unabhängige Stimmen verstärken und übersetzen, Solidaritätsveranstaltungen organisieren und dazu beitragen, soziale Kämpfe im Iran sichtbarer zu machen. Je mehr diese Stimmen gehört werden, desto schwieriger wird es, sie zum Schweigen zu bringen.

Wir sind hier. Wir organisieren uns weiter und leisten Widerstand.

Weder Mullahs noch Schah!

Frau! – Leben! – Freiheit!

Oberes Foto: „Wir wollen weder König noch (obersten) Führer; weder schlecht noch schlechter“. Radical Graffiti. Andere Medien: Anarchist Front auf Telegram

Quelle: Iranian anarchists: “We continue to organise and resist” von Gabriel Fonten, 10. März 2026

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Iranische Anarchisten: Der Aufstand ist „echte Selbstorganisation durch einfache Menschen“

Interview mit Mitgliedern der Anarchist Front, einem Kollektiv, das Informationen über Ereignisse im Iran, in Afghanistan und Tadschikistan verbreitet

Vermummte bei den Riots
Screenshot: freedomnews
Der Aufstand im Iran dauert nun schon über eine Woche an. Es ist nicht nur ein wirtschaftlicher Protest, sondern auch eine praktische Revolte gegen die gesamte Logik der Staatsmacht. Die Menschen haben die Kontrolle über die Straßen gestört, die Symbole der Unterdrückung zerstört und sich den Kugeln entgegen gestellt. Das ist genau Anarchie in Aktion: Lähmung der Regierungsmaschinerie von unten, ohne dass eine sofortige Ablösung durch eine neue Macht nötig ist.

Das Regime reagierte mit direkten Schüssen, Razzien in Krankenhäusern und Massenverhaftungen, doch die Niederschlagung ist bisher gescheitert. Sporadische und flexible Taktiken (Autos anzünden, Kameras zerstören und Einsatzwege blockieren) haben die Macht vom Zentrum an den Rand verlagert und Raum für echte Selbstverwaltung geschaffen: Massenspenden, Verteidigung von Krankenhäusern und direkte Informationsverbreitung ohne Zwischenhändler.

Um mehr zu erfahren, haben wir einige Fragen an die Anarchist Front geschickt, ein Kollektiv, das Informationen über Ereignisse im Iran, in Afghanistan und Tadschikistan verbreitet.

Wie groß ist die Unterstützung für die Streiks in der Bevölkerung?

Die Unterstützung für radikale Streiks und Proteste im Iran ist extrem weit verbreitet. Von den zweiunddreißig Provinzen des Iran haben nur zwei oder drei nicht an diesen Streiks und Protesten teilgenommen.

Wie würdest du den aktuellen Generalstreik im Iran charakterisieren? Was hat den Streik ausgelöst?

Das Foto zeigt eine abendliche Situation mit Menschen, die auf der Straße sitzen oder knien, ihnen gegenüber Sicherheitskräfte auf Motorrädern
Sitzblockade vs. Motorradbullen
Derzeit finden Streiks und Proteste gleichzeitig statt, und die Situation eskaliert rasch. Was als friedliche Schließung des Großen Basars von Teheran durch Ladenbesitzer begann, wurde gewalttätig, nachdem Sicherheitskräfte eingriffen. Von dort aus breiteten sich die Proteste schnell auf Städte im ganzen Land aus.

Im Zentrum dieser Unruhen stehen unerträglicher wirtschaftlicher Druck und eine galoppierende Inflation, die das tägliche Leben für große Teile der Gesellschaft unmöglich gemacht haben. Die ersten Streiks entstanden unter Handyverkäufern, ausgelöst durch das Chaos schwankender Wechselkurse und die explodierenden Kosten für importierte Waren.

Diese Proteste sind vollkommen spontan und selbstorganisiert. Es gibt keine Führung, keine politische Fraktion, die sie lenkt, und kein zentrales Kommando, das Befehle erteilt. Das ist Wut, die direkt von der Basis kommt.

Gleichzeitig versucht der Sohn des ehemaligen iranischen Königs erneut, aus der Situation Kapital zu schlagen. Wann immer im Iran Proteste ausbrechen, beeilt er sich, sie als seine eigenen zu beanspruchen. Zwar hat er einige Anhänger im Land, doch der Großteil seiner Anhängerschaft lebt im Ausland. Abgesehen von den Royalisten haben Jahrzehnte der Unterdrückung durch die Islamische Republik die Möglichkeit, dass andere organisierte Oppositionskräfte im Land entstehen, praktisch zunichte gemacht.

Wie werden die Proteste organisiert und welche Gruppen versuchen, davon zu profitieren?

Diese Welle begann mit der Schließung von Märkten als Reaktion auf den katastrophalen Zusammenbruch des Rial, extreme Inflation, steigende Steuern und die völlige Unfähigkeit des Regimes, die Wirtschaftskrise zu bewältigen. Sie verwandelte sich rasch in aufgestaute Wut gegen die gesamte Machtstruktur. Slogans wie „Tod für Khamenei“ und „Basij, Sepah, ISIS – ihr seid alle gleich“ spiegeln die Tiefe dieser Wut wider.

Die eigentlichen Ursachen sind der totale wirtschaftliche Zusammenbruch des Regimes, der auf systemische Korruption, massive Militärausgaben und ausländische Sanktionen zurückzuführen ist. Sanktionen sind jedoch lediglich ein Vorwand, den das Regime nutzt, um Unterdrückung zu rechtfertigen.



Naziabad

Die Organisation ist weitgehend horizontal und dezentral: über soziale Netzwerke, lokale Aufrufe von Basarhändlern und die organische Ausbreitung der Wut auf der Straße – ohne zentralen Anführer oder leitende Partei. Genau darin liegt ihre Stärke: echte Selbstorganisation von einfachen Menschen gegen die Herrschaft.

Doch genau hier liegt die Gefahr. Exilierte Oppositionsgruppen – insbesondere Royalisten, die mit Reza Pahlavi verbündet sind – sind auf den Plan getreten und versuchen, diesen Volksaufstand zu kapern. Durch Aufrufe aus dem Ausland streuen sie Slogans wie „Lang lebe der Schah“ ein, um die Proteste in Richtung der Wiederherstellung einer weiteren Erbmonarchie zu lenken – einer, die früher das Volk durch die SAVAK und blutige Unterdrückung zermalmte und nun versucht, die Macht durch diplomatisches Lächeln und leere Versprechungen zurückzugewinnen.

Neben diesen Gruppen unterstützen auch Anarchisten, Teile der Kommunisten, Teile der Liberalen und Republikaner diese Bewegung und hoffen, vom Sturz der Islamischen Republik zu profitieren.

Unterdessen versuchen Teile der Islamischen Republik selbst, diesen Aufstand als interne reformistische Bewegung darzustellen, um das Regime in abgewandelter Form zu erhalten.

Könntet ihr euch als Kollektiv vorstellen: Woher kommt ihr, was ist euer Ziel, wie seid ihr organisiert?

Menschen an einer Straße reißen einen Fahnenmast mit der iranischen Fahne um.
Die iranische Fahne wird herunter geholt.
Die Anarchistische Front ist die neueste Form eines Weges, der 2009 begann – ein Weg, der von vielen Höhen und Tiefen geprägt war, von The Voice of Anarchism bis zur Federation of the Era of Anarchism. Heute, mit einer erneuerten Struktur, die erfahrene Genoss*innen und neue Kräfte zusammenbringt, legen wir erneut den Schwerpunkt auf Selbstorganisation und radikalen Kampf – sowohl bei der Schärfung des politischen Bewusstseins als auch bei der aktiven Förderung und Unterstützung von Kämpfen vor Ort.

Die Anarchist Front gründet auf den Prinzipien der Solidarität, des Antiautoritarismus und des unerbittlichen Widerstands gegen alle Formen der Herrschaft. Wir wollen die bestehende Ordnung nicht reformieren; wir wollen sie zerstören – damit keine Macht, keine Klasse und keine Grenzen mehr bestehen. Unser Kampf wurzelt in den historischen Protesten und dem Widerstand der Menschen im Iran und in Afghanistan, bleibt aber gleichzeitig tief mit der globalen anarchistischen Bewegung verbunden.

Während unser Hauptaugenmerk auf dem Iran und Afghanistan liegt, reicht unser Horizont weit über Grenzen hinaus. Wir streben nach einer Welt, in der Freiheit, Gleichheit, Solidarität und echte gegenseitige Hilfe verwirklicht werden – ohne jegliche Form von Herrschaft oder Ausbeutung. Für uns ist Anarchismus nicht nur eine Theorie; er ist eine Lebensweise, eine Handlungsweise und der Prozess des Aufbaus einer Welt, die frei von Macht, Unterdrückung und Lügen ist.

Ein Großteil eurer Berichterstattung konzentriert sich auf Gewalt gegen Frauen. Seht ihr das als Teil des aktuellen Streiks?

Heute sind Frauen, Studierende und Jugendliche aktiv auf den Straßen präsent. Sie bildeten den sozialen Kern der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“. Daher ja – die aktuellen Streiks stehen im Einklang mit den Forderungen der Mahsa-Bewegung und mit den Kämpfen für Frauenrechte.

Wir glauben, dass diese Bewegung, während sie den Geist von „Frau, Leben, Freiheit“ bewahrt, auch eine Gelegenheit für passivere und konservativere Teile der Gesellschaft geschaffen hat, sich dem kollektiven Kampf gegen die Islamische Republik anzuschließen und sich mit anderen zu vereinen.



Trauerzug für den Demonstranten Ismail Qureshindi

Unser Hauptanliegen – abgesehen von der Konfrontation mit der kriminellen Islamischen Republik, die erst letzte Nacht mehr als sieben Menschen in unserer Region getötet hat – ist die Konfrontation mit royalistischen Strömungen, die die Bewegung unterwandert haben und die Situation ausnutzen. Ihre frauenfeindlichen Tendenzen sind sowohl in ihrem Diskurs als auch in ihrer politischen Praxis deutlich sichtbar.

Wie ist die Lage des Anarchismus im Iran und in Afghanistan, und vor welchen Herausforderungen stehen Aktivist*innen?

Drohungen, Vorladungen, Schläge, Morddrohungen, Inhaftierungen und sexuelle Gewalt sind Realitäten, mit denen Anarchist*innen in den letzten zwei Jahren und schon davor konfrontiert waren.

Allein in den letzten fünf Monaten wurden zwei unserer Genoss*innen verhaftet und vier weitere vorgeladen. Die Bedingungen im Iran sind für uns extrem gefährlich. Derzeit sitzt einer unserer direkten Genoss*innen von der Anarchistischen Front, Afshin Heyratian, im Evin-Gefängnis ein. Andere anarchistische Genoss*innen sind in Gefängnissen in der Provinz Yazd inhaftiert.

Wir hoffen, dass wir durch den Kampf unsere Genoss*innen befreien und sichere Bedingungen für uns schaffen können.

Siehst du die Gefahr einer ausländischen Intervention im Iran? Was wäre das Ergebnis?

Zwei Personen knien sich auf der Straße gegenüber und zeigen das Victory Zeichen
Wir werden siegen!
Wie bereits erwähnt, sind Royalisten und Anhänger von Reza Pahlavi stark von westlichen Mächten abhängig. Zusammen mit anderen Teilen der Opposition haben sie Bedingungen geschaffen, unter denen westliche Regierungen – unter dem Deckmantel, dem iranischen Volk zu helfen – offen über Militärschläge oder eine mediale Intervention im Iran diskutieren.

Trump und Netanjahu haben dem Iran wiederholt mit militärischen Maßnahmen gedroht, besonders in Zeiten aktiver Proteste.

Wir nutzen diese Gelegenheit, um unsere absolute und bedingungslose Ablehnung jeglicher militärischer Besetzung oder ausländischer Intervention westlicher Staaten im Iran zu bekräftigen – auf jeder Ebene und in jeder Form.

Genauso wie wir während des zwölftägigen Iran-Israel-Konflikts in den Bereichen Berichterstattung, gegenseitige Hilfe und Widerstand im Iran präsent waren, betonen wir: Sollte es zu einer ausländischen Intervention kommen, haben wir sowohl den Willen als auch die Bereitschaft, uns ihr entgegenzustellen.

Wir sind eine lokale Kraft, bestehend aus horizontalen und vielfältigen Netzwerken anarchistischer Aktivist*innen, die sich zuvor im Rahmen der „Federation of the Era of Anarchism“ organisiert haben. Wir sind in erster Linie keine militaristische Gruppe. Je nach den zukünftigen Entwicklungen können wir jedoch neue Positionen einnehmen und uns entsprechend vorbereiten.

Wir sehen die iranische Gesellschaft insgesamt nicht als begierig auf eine ausländische Intervention an.

Und schließlich: Wie können Menschen im Ausland über die Ereignisse im Iran und in Afghanistan auf dem Laufenden bleiben?

Zwei Vermummte halten das Logo der Anarchist Front, dadrüber der Text "Anarchist News"
SharePic der Anarchist Front
Wir bieten Echtzeit-Berichterstattung und Organisation auf Persisch. Unsere Reporter stehen in direktem Kontakt und sind physisch in den großen iranischen Städten präsent. Am Ende jedes Tages veröffentlicht die Nachrichten- und Journalismusplattform der Anarchistischen Front einen umfassenden Tagesbericht auf Persisch.

Außerdem veröffentlichen wir tägliche Nachrichten auf Italienisch, Spanisch (Argentinien), Arabisch, Englisch und gelegentlich auf Deutsch und Schwedisch. Es gibt auch eine Plattform für Genoss*innen aus nicht-persischsprachigen Ländern, einschließlich einer internationalen Koordinierungsgruppe. Wir erhalten Berichte aus aller Welt und agieren als anarchistische politische Kraft, die während andauernder Krisen Solidarität und Unterstützung bietet.

Was Afghanistan und Tadschikistan betrifft: Unsere Genoss*innen sind in Afghanistan vor Ort, und wir haben auch Genoss*innen in Tadschikistan. Ähnlich wie im Iran betreiben wir in diesen Regionen sowohl Nachrichtenarbeit als auch praktische Aktionen.

Unsere letzte Forderung ist das anhaltende Bewusstsein freier Menschen aller Richtungen auf der ganzen Welt. Wir bitten sie, den Blick nicht von den konkreten Bedingungen im Nahen Osten und in Nordafrika – insbesondere im Iran und in Afghanistan – abzuwenden und sich gegen Falschinformationen, irreführende Darstellungen und große Erzählungen zu wehren, die die Gesellschaft, ihre Dynamik und ihre Forderungen aus der politischen Analyse ausblenden.

Wir rufen außerdem zu Solidarität und gegenseitiger Zusammenarbeit auf.

Quelle: "Iranian anarchists: Uprising is “genuine self-organisation by ordinary people”Iranian anarchists: Uprising is “genuine self-organisation by ordinary people”" von Gabriel Fonten, 05. Januar 2026

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]
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