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»Wenn jemand auf meinem Begräbnis weint, spreche ich nie wieder ein Wort mit ihm.« Stan Laurel

Bejarano & Microphone Mafia: PER LA VITA

Am 7. November, 14 h (Einlass ab 13 h) im Linken Zentrum Lilo Herrmann, Böblinger Str. 105, Stuttgart-Heslach:

Bejarano & Microphone Mafia: PER LA VITA

"Orient trifft Okzident, die Jüdin den Moslem, die Atheistin den Christen, Süd trifft Nord, alt trifft jung, Frau trifft Mann, Folklore trifft Rap, die Familie Bejarano trifft Microphone Mafia - und alle arbeiten gleichberechtigt nebeneinander. Esther Bejarano ging durch die Hölle von Auschwitz und Ravensbrück, ihre Kinder Edna und Joram konnten und können den ungebrochenen Antisemitismus in der bundesdeutschen Mehrheitsgesellschaft am eigenen Leibe spüren. Seit vielen Jahren treten die Bejaranos mit zwei anderen Muskikern als Gruppe "Coincidence" auf. Ihr Programm "Lider farZs Leben" besteht zu einem Teil aus Liedern in jiddischer Sprache, die in den Ghettos und KZs entstanden sind. Darin drückt sich Esther Bejaranos Herkunft, Geschichte und Selbstverständnis als Jüdin aus.

Der zweite Teil des Programms beschäftigt sich mit der Gegenwart: Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und Krieg werden anhand von Stücken von Berhold Brecht, Nazim Hikmet oder Mikis Theodorakis thematisiert. Rosario Pennino und Kutlu Yurtseven sind typische "Jugendliche mit Migrationshintergrund": Aufgewachsen im Kölner Arbeiterviertel wurden und werden sie zeitlebens mit Rassismus konfrontiert. Ihre Erfahrungen verarbeiten sie in ihren Musiksstücken. Seit zwanzig Jahren sind sie als Microphone Mafia unterwegs und rappen auf türkisch, neapolitanisch und Kölsch. In das Projekt "Per La Vita" - Für das Leben - fließen sehr unterschiedliche Erfahrungen ein Diese unterschiedlichen Erfahrungen aus der Vergangenheit brachten die Bejaranos und die Microphone Mafia in der Gegenwart zusammen, um sie mit anderen zu teilen, aus ihnen zu lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft einzutreten. Auch wenn manche Stücke betroffen machen, so strahlen die meisten Optimismus aus, sind so vielschichtig wie das Leben selbst, und trotz aller Höhen und Tiefen ein uneingeschränktes "Ja!" zum Leben."

Infos und Vorverkauf: DKP Stuttgart, Reinsburgstraße 178, 70197 Stuttgart, 0711 6599900, DKP Stuttgart, Mail

Weitere Infos zu den Künstlern:
Bejarano
Microphone Mafia

„Close Up Kurdistan“

In dem Dokumentarfilm „Close Up Kurdistan“ hat der in Deutschland lebende kurdische Regisseur Yüksel Yavus seine persönliche Geschichte der Migration mit der komplexen Gegenwart des türkisch-kurdischen Konflikts verknüpft. Vor dem Hintergrund der eigenen Identitätsproblematik thematisiert Yavus die kollektive Erfahrung ethnischer Verfolgung der Kurden anhand von verschiedenen Einzelschicksalen und stellt die Etablierung einer kurdischen Verwaltung im Nordirak als neue Hoffnung für die Autonomie-Bestrebungen dar.

Freitag, 05. November 2010, 19:00 Uhr

Eintritt: Kostenlos, Essen gegen Spende für antifaschistische kurdische Gefangene

Veranstaltungsort: Altes Feuerwehrhaus Stuttgart-Heslach, Möhringerstr. 56

(U1, U14 Haltestelle Schreiberstrasse/ Erwin-Schöttle-Platz)

Weitere Infos zum Film unter unter: www.closeup-kurdistan.de

Das zähe Ringen um Autonomie - Aktuelles aus Chiapas

Veranstaltungsplakat
Am Donnerstag, 4.11.2010 findet in Münster eine Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die Integrationsunwilligen laden ein" der Gruppe B.A.S.T.A. zur Situation in Chiapas statt.

19 Uhr:
Der Aufstand der Würde. Wie kam es zum Aufstand der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN? "Der Aufstand der Würde" ist ein einführender Film über die zapatistische Bewegung in Chiapas, Mexiko. (D/MEX 2007, 65 Min., Zwischenzeit e.V.)

ab 20:30 Uhr
Das zähe Ringen um Autonomie - Aktuelles aus Chiapas. Zwei Teilnehmerinnen der Europäischen Solidaritätsbrigade 2010 berichten mit zahlreichen Bildern über Probleme und Fortschritte der zapatistischen Bewegung.

Veranstaltungsort:

Interkulturelles Zentrum Don Quijote, Scharnhorststr. 57, 48151 Münster

Zum Austausch, Verlauf und den Ergebnissen der Rundreise bietet die Gruppe B.A.S.T.A. an, den reich bebilderten Vortrag auch an anderen Orten zu halten.

Zentrale Themen des Vortrags sind:

• Wie ist die aktuelle Situation der Zapatistas in Südmexiko?
• Mit welchen Schwierigkeiten ist die indigene Bewegung konfrontiert?
• Welche Fortschritte konnte die Bewegung erreichen?
• Welche Perspektiven zeichnen sich ab?

Anfragen bitte an: gruppeBASTA@gmx.de

SPIEGEL: Schmeichelmund und Schmunzeligel beim zweisamen Lobgesang auf das Schlichterwesen

Zwei verdiente Spiegelautoren entdecken in der neuesten Nummer des Blatts (SPIEGEL-print: 30.10.2010-S.31/32: Runder Tisch statt High Noon von Matthias Bartsch und Andrea Brandt) die todsichere Methode, jeden Volksaufstand rechtzeitig zu ersticken. "Mediation" heißt sie - und besteht darin, rechtzeitig - bevor alle die Lästigkeiten des Programms mitbekommen haben - "runde Tische" zusammenzurufen, um sich friedlich zu einigen. Mappus schrie sich schon mehrfach sehnsuchtsheiser nach den schönen Zeiten um Frankfurt in Mörfelden und Flörsheim, wo sich die Anwohnenden geduldig das Fell über die Ohren ziehen lassen. Genauer: eben diese Ohren füllen lassen vom ungeniertesten Lärm der startenden und vor allem landenden Jets aus allen Ländern.

Was haben die beiden verzückten Engel des Preises der Verschleimung an Beispielen zusammengekratzt?

Das Nichtrauchergesetz in Bayern, die Schulreform in Hamburg, den Flughafenausbau um Frankfurt. Im Hintergrund darf der "Runde Tisch" an sich nicht vergessen werden. Derjenige von 89/90 in Berlin, wo die Überwältigten sich dem Anschluss preisgaben und die Selbst-Plattwalzung begrüßten. Das klappte damals einfach dadurch, dass die wenigsten schnell genug kapierten, wohin die Währungsreform nach einem Jahr führen würde. Zur Gesamtübernahme des Handels- und Produktionswesens in einem vor kurzem noch lebensfähigen Gebiet.

Nicht das Gerede um den geduldigen Tisch herum schuf die Unterwerfungslust, sondern aktiv betriebene Verdummung. Die Landschaften blühten vielleicht, wie versprochen, aber in einem entvölkerten Gelände.

Zum Triumph des Gymnasiums in Hamburg muss nicht viel mehr gesagt werden. Zur gewollten Nichtaufklärung über die Folgen kam hier die Selbstorganisation der gymnasien-bezogenen Minderheit, die das Wahlrecht wahrnahm und ausnutzte. Die Folgen werden sich zeigen - und möglicherweise dann zu den Aufständen führen, die jetzt vermieden wurden.

Die größte Unverschämtheit des Artikels besteht im psalmodierenden Lobpreis auf die wunderbare Mediation im Streit um den Frankfurter Flugplatzausbau. Hier kann von Überraschung der Menge freilich keine Rede sein. Eher von Ermattungsstrategie. Nach so und soviel Demonstrationen, über die Jahre hin, die zum größten Teil brutal niedergeschlagen wurden, kamen die Wohlgesinnten und versuchten - sicher oft selbst getäuscht und guten Willens - Verhandlungen anzubieten. Nach langer Zeit endlich eine fadenscheinige Einigung. Wichtigster Punkt: Um den Leuten in den Einflugsschneisen halbwegs ein ruhiges Überleben zu sichern: Nachtflugverbot. Also für kurze Zeit Ermattungsfrieden.

Was folgte? Systematische Bestreitung der Rechtsverbindlichkeit des "Friedensschlusses". Aitport schluchzte durch alle am Ort vorfindbaren Zeitungen: "Pleite - ohne Nachtflugerlaubnis". Die Regierung Koch sprach sich wie ein Mann gegen die Verbindlichkeit aller Abmachungen aus.

Verwaltungsrichter wussten allesamt, was sie der Industrie des Landes schuldig waren - und neue Lärmschneisen wurden erfunden und genehmigt. Da man in den einzelnen Ortschaften um Frankfurt herum ganz verschieden belästigt war, wurde einheitlicher Widerstand nicht mehr möglich. Die jungen und alten Banker sangen den Begleitchoral.

In einem winzigen Sätzlein geben die Autoren diesen Misserfolg zu, ohne erkennen zu lassen, dass damit die zwei Seiten vorher zu Verklärungslügen im Wind werden.

Soviel zu den Aussichten für Stuttgart. Mappus und die seinigen haben nicht einmal die Rechtsgültigkeit einer Einigung in Aussicht gestellt. Die Volksabstimmung wäre ein Verbrechen an unserer repräsentativen Demokratie. Die Regierung wusste das automatisch. Für Uneinsichtige wurde Richter Kirchhof herangezogen als Gutachter. Der wuste es, wie zu erwarten war, noch viel, viel besser.

Was also kann bei den weiteren Runden in Stuttgart noch herauskommen? Die Hör- und Sehbereitschaft der Interessierten wird für die nächsten Termine an Radio und Fernsehen abnehmen. Die Regierung Mappus hat ihre Verhandlungsunwilligkeit und damit Geschäftsunfähigkeit für den vorliegenden Fall offen ausgesprochen. Gelegenheit genug, mit Dank an den möglicherweise illusionsfrohen und gutherzigen Geissler das unfruchtbar werdende Verfahren abzukürzen.
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