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»Au point de vue barbare, liberté est synonyme d’isolement: [...]« Pierre Joseph Proudhon

Report Mainz: Dummheit Arm in Arm mit dem bekannten Gespenst

Manuskriptseite des Manifestes der kommunistischen Partei mit dem geflügelten Wort: „Ein Gespenst geht um in Europa -“ das Gespenst des Kommunismus“
Man hat sich leidvoll daran gewöhnt. Wenn am Montag Report Mainz dran ist, kommen immer drei Beiträge, die durchaus was aufhellen und klarstellen. Zum Beispiel die verdienstvolle Aufdeckung deutscher Lieferungen für sämtliche reaktionären Polizisten im Maghreb. Dann muss aber sofort Abbitte geleistet werden für die geleistete Kritik.

Dann aber der Hammer: Pflichtmäßig vor den Wahlen in Hamburg. Eine Entdeckung, die jeden ARD-Abonnenten augenblicklich auf den Rücken werfen muss. Zusammengefasst: die LINKEN in Hamburg sind überhaupt nicht pazifistisch. Wir erinnern uns noch gut an die Zeiten, als Pazifismus bundesweit für verbrecherisch gehalten wurde. LINKE, die nicht mindestens Gandhi nachahmen wollen, sind für REPORT Mainz aber  heute noch Verbrecher.

Himmelschreiend auch die Berichterstattung über Hamburger und Berliner Ereignisse in der von einer LINKEN redigierten Szenezeitschrift.

Beispiel: Es wird in dieser Zeitschrift zu einer Demo aufgerufen. Nachträglich stellt sich heraus, dass die Polizei bei dieser auf "GEWALT" gestoßen ist, worin immer die bestanden haben mag.

Schlussfolgerung: Also hat die LINKE zu Gewalt aufgerufen. Dieses Delikt haben sämtliche linke Blogs zwangsweise immer wieder begangen. Nämlich alle, die die Gabe der Prophezeiung nicht im polizeilich erwünschten Umfang besitzen. Und deshalb nicht alles vorauswissen, was passieren wird. Und so weiter...

Peinlich bei allem: man erfährt absolut nichts über das, was die LINKE in Hamburg und sonstwo wirklich will. Die einzige fassbare Auskunft: Die sind nicht so "pragmatisch", wie sie tun. Pragmatisch - wahrscheinlich ein Hüllwort für "angepasst". Anpassung - Vorleistung jeder Gruppierung, die von Polizei und Report-Mainz gelobt werden wollen.

Nachdenkseiten haben in ihrem Mittwochsbeitrag den betreffenden Teil der Sendung "einen Tiefpunkt" genannt und damit der melancholischen Phantasie vorzeitig Grenzen gesetzt. Wer weiß, ob nicht auch das noch überboten wird?

Mir tun die Reporterinnen und Reporter von Report-Mainz ja auch leid, die sich als so viel dümmer hinstellen müssen, als sie  wirklich sind. In den Sendungen über Ägypten sind im Lauf der Woche immer wieder Reporterinnen gezeigt worden, die - ziemlich ungerührt - bekannten, dass sie tagaus tagein den größten Blödsinn verzapfen mussten, um ihre Stellung zu behalten. Sollte es in unserem seit jeher befreiten Reich der offenen Rede- und Meinungsfreiheit nicht schon vor einer Revolution ein einziges Mal möglich werden, ein entsprechendes Bekenntnis abzulegen?

Wendt: FESTUNG EUROPA! Perversion aller Gewerkschaftsziele!

Ganz alte Leute erinnern sich noch an die Ziele sämtlicher Bewegungen, die sich je "Gewerkschaft" genannt haben. Damals war allen Lohnabhängigen klar: sie können sich nur durch energischen Zusammenhalt gegen die kapitalistische Übermacht behaupten. Kein Streik, wenn nicht die Mehrzahl mitmacht.

Die Wendung gegen das Kapital enthielt immer auch potentiell eine Wendung gegen den Staat. Den Staat, insofern er regelmäßig über Gerichte, Polizei und schließlich Armee den in die Enge getriebenen Kapitalisten zu Hilfe kam.

Ein Problem trat dabei von vornherein auf, als  Staatsbedienstete  sich selbst zu Gewerkschaften zusammenschlossen. Vor allem in Deutschland, wo die Gewerkschaften die längste Zeit das Streikverbot für Beamte nicht brechen konnten. Bald - wegen der mit dem Beamtentum verbundenen Privilegien - auch nicht mehr wollten. Immerhin wurde durch den Eintritt in den DGB formell Solidarität mit den Arbeitskämpfen der freieren Arbeiterinnen und Arbeiter anerkannt.

Verschärft das Problem, als in den siebziger Jahren die deutsche Polizeivereinigung sich als Gewerkschaft konstituierte und selbst in den DGB eintrat. In der GEW wurden wir von den entsprechenden gewerkschaftlichen Tributleistenden vor Oberschulämtern immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Angriffe gegen Polizisten sich jetzt gegen Gewerkschaftskollegen richteten - und darum unerwünscht seien.

Immerhin galt selbst in Polizeikreisen noch das Prinzip, dass eine Gewerkschaft vor allem dazu da sei, die Interessen der Mitglieder zu vertreten. Dafür gäbe es an sich auch in der Polizei Grund genug. Man denke nur an die Überstunden, die durch die bundesweiten Einsätze mehr oder weniger unabgegolten bis in die Ewigkeit weitergeschoben werden.

Seit man zum Sprecher der Polizeigewerkschaft ein Wesen namens Wendt gewählt hat, ist davon keine Rede mehr. Wendt sieht seine Hauptaufgabe darin, den Staat in sämtlichen geplanten Gewaltmaßnahmen zu überbieten. So schon in Rostock. Peinlicher in Strasbourg: Wendt proklamierte aus allen Nachrichten noch schärferes Vorgehen. Und wusste als einziger vor jedem Gericht, welche Brandstifter sich da mit den Protestierenden zusammengetan hätten. Von den Lasten der einfachen Polizistinnen und Polizisten durch das Propaganda-Tam-Tam: kein Wort.

In Berlin ist es Wendt endlich gelungen, den Gedanken der Interessenvertretung der Lohn-oder Gehaltsabhängigen endgültig in die Tonne zu treten. Seine neuen staatszuträglichen Forderungen: Rundumeinsatz der europäischen Abwehrflotten um ganz Europa herum. Keinen Flüchtling auch nur nach Lampedusa lassen. Mitgedacht bedauerte er den Fall der Diktatur in Tunesien und in Ägypten. Unter denen sei wenigstens noch aufgepasst worden an den Grenzen. Und schließlich sein Clou: Aufbau einer "FESTUNG EUROPA".

Mitleidig ließe sich annehmen, der Bildungsgrad in Polizeikreisen sei inzwischen so herabgemindert, dass Wendt nicht wüsste, woher seine Parole stammt. Erfunden wurde sie von einer Fraktion der deutschen Faschisten, die nach 1942 erkannten, dass das Deutsche Reich seine Hegemonie nur beibehalten könne,wenn es den unterworfenen Ländern ein bescheidenes  Mitinteresse an dieser Herrschaft suggerierte. Vordergründig gegen eine englisch-amerikanische Invasion. Im Hintergrund aber Abwehr aller Kapitalisten gegen die Bedrohung durch die "Bolschewiken", wie man damals mit Vorliebe sagte. Bedrohung des Privateigentums an Produktionsmitteln selbst. Dahinter müssten nationale Differenzen zurückstehen.

Wahrscheinlich weiß aber Wendt, wen er da zitiert. Wie bei den Kriegsverbrechen Schröders und Fischers gegen Jugoslawien sollte das Tabu der Kriegsführung überhaupt getilgt werden. Was die beiden gegen Jugoslawien unternahmen, sollte zumindest die deutsche Außenpolitik des Nationalsozialismus rehabilitieren. Bei gleichzeitig ritualisierter Wiederholung des Abscheus vor den damaligen Verbrechen im Innern.

Im dritten oder vierten Satz ihrer Grundsatzerklärungen erwähnten die Gewerkschaften bis jetzt noch die Verpflichtung gegenüber dem Internationalismus. Unterstützung der Freiheitsbewegungen!

Wendt dagegen stellt sich in den Dienst des neuen Imperialismus, dieses Mal auf gesamteuropäischer Basis. Offene Ausbeutung fremder Nationen - Abwehr des Eindringens der geschröpften und erniedrigten Bewohner dieser Länder.

Wenn es in den übrigen deutschen Gewerkschaften noch Leute geben sollte, die sich an Ziel und Zweck aller gewerkschaftlichen Organisierung erinnern, kann ihre Forderung nur lauten: RAUS MIT WENDT!

Hotel Silber: 3. Politischer Spaziergang am 17.2. - Gestapo und NS-Strafjustiz

Flyer zum Spaziergang
Fritz Endemann hat in zahlreichen Publikationen und Vorträgen die Rolle der NS-Strafjustiz durchleuchtet. Im Buch „Stuttgarter NS-Täter“ portraitiert er die Richter am Stuttgarter Sondergericht, die über 500 Menschen unters Schafott im Hof des Gerichtsgebäudes in der Urbanstraße brachten. Im kürzlich wieder  aufgelegten Buch „Stuttgarter Stolpersteine -“ Spuren vergessener Nachbarn“ wird am Schicksal Adolf Gersts, der die mörderische Zusammenarbeit von Gestapo und NS-Strafjustiz konkret anhand der Prozessakten deutlich gemacht. Er war wegen regimekritischer Äußerungen denunziert, von der Gestapo im Hotel Silber verhört und vom Sondergericht wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und am 22.8.1944 enthauptet worden. 

Donnerstag, 17. Februar 2011 um 18:00 Uhr, Auftakt in der Dorotheenstraße 10, Spaziergang zum Landgericht in der Urbanstraße


Fritz Endemann, Richter i.R. spricht zum Thema:

"Gestapo und NS-Strafjustiz - der Weg von Verhör und Folter zum Justiz-Schafott in der Urbanstraße."

Hierzu lädt die Initiative Hotel Silber ein.

Tunesien / Ägypten: Redefreiheit - ein großer Sieg! Was mit ihr anfangen?

Berechtigter Jubel überall! Man kann endlich alles sagen! Alles, was man seit Jahren auf dem Herzen hatte! Ganz wie bei uns! Ein wirklicher unbestreitbarer Sieg!

Gefahr dabei: Wieviel auch gesagt wird- die bestehenden Kräfte des alten und neuen Regimes schließen sich zusammen und hören intensiv weg. Und machen ungerührt weiter. Ganz wie bei uns. Weitgehend nach 1945 und ausnahmslos nach 1989.

Chance: Die Redefreiheit kann dazu führen, die gemeinsame Not auszusprechen. Nicht als Klage vor der altneuen Obrigkeit. Sondern für empfänglichere Ohren. Solche die hören wollen - nein müssen, dass bisher nichts geändert ist. Absolut nichts an der materiellen Lage. Und dass es dabei nicht bleiben darf.

Im Säuselgewoge der staatstragenden Kommentare in unserem TV wurde mit Westerwelle allgemein unterstrichen, es gehe in Tunesien und Ägypten um einen Aufstand der Mittelklasse. Die - Gottseidank! - gar nichts Politisches im Sinn hätte! Allenfalls ihre Aufstiegschancen.

Die freilich durch die Umstände nicht besser geworden sind. Und mit vollem Recht eingeklagt werden.
Die Vergessenen aber- die ohne Notebook-sind als die Flüchtlinge in Lampedusa plötzlich wieder aufgetaucht.Mehrere Tausend in kürzester Zeit. Die, denen es so dreckig geht, dass sie die gefährliche Fahrt über See auf sich nehmen. Unter Gefahr sofortiger Festnahme und Rückschickung.

Zugleich wird aus Ägypten von der Fortsetzung der Streiks berichtet, die es offenbar schon die ganze Zeit gab. Die aber von jeder Wahrnehmung weggedrückt worden waren. An denen kann das Militär sich die Zähne ausbeißen. Das Militär, das genau so die Staatsgewalt innehat, wie vorher auch. Man kann über Ukas der Zentralgewalt zwar einen öffentlichen Platz für geraume Zeit räumen, kaum aber einen Streik beenden - ohne Verhandlung und Zugeständnisse.

Redefreiheit also als Raum möglicher Zusammenschlüsse. Zusammenarbeit im Sinne echter Basis-Gewerkschaften, um die Kräfte zu sammeln. Abschüttlung der Aufsicht solcher bisherigen Gewerkschaftsspitzen, die kollaboriert haben.

Redefreiheit aber auch, um sich den aufdringlichsten Helfern laut und öffentlich zu widersetzen. Unser Westerwelle hat zu Beginn der Woche Tunesien beglückt. Womit hat er wohl vor allem helfen wollen? Genau mit dem, was Italien gestern angeboten hat. Invasion italienischer Zollbeamten in Tunesien - zur Rückweisung jeder Menschenüberschwemmung. Enttäuschte Erbitterung des staatstragenden Kommentators in den Abendnachrichten: Hilfe abgelehnt. Unsere Kanzlerin hat auch schon durchblicken lassen, dass alles für Tunesien und Ägypten zur Verfügung steht: strammste Unterstützung beim berechenbaren Staatsaufbau. Nur: keinen einzigen Tunesier will sie bei uns im Lande zu Gesicht bekommen. Soviel Hilfe! Kaum zu fassen...

Und ganz im Sinne der versammelten deutschen Chauvis!

Redefreiheit! Um sich auf die eigene Kraft zu verlassen. Von einem Europa, das eben Griechenland das Fell über die Ohren zieht und weitere Privatisierungen verlangt, ist kein Zuschuss zu erwarten. Jedenfalls keiner, der nicht sofort den Ordnungskräften in Tunesien und Ägypten zuströmen wird.

Redefreiheit! Um die nicht für immer gewährten Chancen zu nutzen! Um zu gemeinsamem Handeln zu kommen!

Revolution an der Tanzbar: Ektomorf - Outcast

Ektomorf ist eine Metal-Band aus Ungarn. Der Musikstil lässt sich grob dem Thrash Metal mit Hardcore-Einflüssen zuordnen, dazu kommen Elemente der traditionellen Romamusik, die sich aus dem kulturellen Erbe der Bandgründer speisen. Der Band wird häufig eine sehr große Ähnlichkeit zu Soulfly nachgesagt.

Als Angehörige der Roma (Zoltán Farkas, Csaba Farkas) hatten und haben die Mitglieder von Ektomorf gerade in ihrer Heimat mit Vorurteilen und rassistisch motivierten Übergriffen zu kämpfen. Viele der Diskriminierungen beschreiben sie in ihren Liedern wie in Outcast...

Petr Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs

Peter Kropotkin ca. 1900
Thomas Trueten verwies letzte Woche auf einen wichtigen Gedenktag. Gestorben am 8. Februar 1921, wurde fünf Tage später in Moskau Fürst Peter Kropotkin -“ neben Proudhon und Bakunin einer der bedeutendsten Klassiker des Anarchismus -“ unter Anteilnahme einer vieltausendfachen Menschenmenge zu Grabe getragen. Es war das letzte Mal, dass Anarchisten und Marxisten sich auf den Straßen Moskaus frei bewegen konnten. Seitdem nie wieder!

Fürst Kropotkin hat auf seine alten Tage sein vielleicht schönstes Buch geschrieben: die "Memoiren eines Revolutionärs".1969 ist es im Insel-Verlag herausgekommen und wirkte trostreich auf alle, die selbst zwar empört waren - und wie! - aber zugleich ein schlechtes Gewissen hatten, weil sie im gewöhnlichen Leben immer das Gegenteil dessen taten,was ihnen eigentlich als richtig vorkam. Kam man aus der Gemengelage je heraus?

Da wirkte der Weg des Fürsten im zaristischen Russland vertrauenerweckend und beispielgebend. Er - unter dem Schlächterzaren Nikolaus geboren - selbst Abkömmling der Rurik-Familien, die vor den Romanows den Thron innegehabt hatten, schildert zunächst ganz ohne Groll die behütete Kindheit. Eine - ohne Vater und Mutter. Mutter tot, Vater lebte noch und trainierte müde, um noch einmal den Familienvorstand und General zu markieren. Vor allen Ferien gab er seitenlange Ukase heraus, wie und von wo bis wo die Wagen mit Möbeln und Proviant ins Ferienhaus gefahren werden sollten. Die riesige Dienerschaft samt den Kindern hörte geduldig zu, nickte anständig und gab sich gleich an der nächsten Straßenecke dem freudigsten Gejohle hin. Chef weg! Drei Monate lang!!!

Wie die Adligen im achtzehnten Jahrhundert in Frankreich wurden die Kinder dieser Grufties von allen anderen erzogen als von den eigenen Eltern. Ammen, Kindermädchen, Hauslehrer hatten sich zu kümmern - und taten das hingebungsvoll. Alles Leibeigene- die sich mit den Kindern identifizierten und gegen die Machthaber mit ihren Listen eisern zusammenhielten.

Die ewig langen Sommerferien! Die inhaltsleeren anstrengungslosen Auswendiglernstunden! Die behütete Zeit ohne Ende! Wie ein Turgenjew schildert der spätere Revolutionär so friedvoll die vergangene Welt. Wahrscheinlich findet nur der die Kraft zum härtesten Widerspruch, der das immer noch in sich findet -“ aufgehoben - was zu zerstören er doch auf sich nimmt.

Und schaffte es wirklich, aus den Windeln der Privilegien sich herauszuwickeln. Er wird nicht nur Page beim neuen Zaren Alexander II, sondern gleich Sergeant der übrigen Pagen - Leibdiener sozusagen beim gesalbten Oberhaupt der Christenheit. Dennoch entschließt er sich am Ende der Kadettenzeit nicht für einen der herrlichen Regimentsposten, die ihm offengestanden hätten, sondern für das verachtete Sibirien - und dort für Teile am Amurfluss, die erst vor kurzem annektiert worden waren.

Vom Bewunderer des Zaren, der -“ angeblich - die Bauern befreit hatte, wird Kropotkin allmählich zum Kritiker, als er entdeckte, dass alles auf ein riesiges Bauernlegen hinauslief. Wie in den USA gegenüber den Sklaven,ungefähr zur gleichen Zeit, fordert das Kapital eine Mobilisierung der riesigen Werte, die in den Leibeigenen und in deren Winzgütern sozusagen begraben lagen. Wie in Preußen wird den ehemaligen Gutsbesitzern als Entschädigung für den Verlust der Leibeigenen im Voraus Entschädigung gezahlt. Diese soll durch alljährliche Steuern -“ Abgaben - der Befreiten wieder hereinkommen. Das Unglück dabei nur, selbst aus kapitalistischer Sicht: es gab keine - oder kaum - produktiv gesonnenen Gutsbesitzer, die das gewonnene Geld produktiv z.B für mechanische Pflüge oder Sämaschinen angelegt hätten. Das Geld wurde verplempert.

Kropotkin, noch als Offizier, benutzt die Zeit, um Vermessungen des unbekannten Amurgebiets zu machen. Was könnte man damit alles anfangen? Macht auch Reisen ins damals noch russische Finnland. Und immer deutlicher stellt sich die Frage: Wozu das? Abstrakt gesagt: Der wissenschaftliche Fortschritt, die Entwicklung der Produktivkraft wird zur Destruktivpotenz, wenn niemand etwas mit dem Erworbenen anfangen kann.

Der Geologe und Agronom stellt sich die Frage:
Seite 280: "Was nützt es aber, zu diesem Bauern von amerikanischen Maschinen zu reden,wenn er kaum Brot genug hat,sein Leben von einer Ernte zur andern zu fristen, wenn die Rente, die er für die harten Lehmschollen zu zahlen hat,im selben Maße, wie der Boden durch seine Bemühungen besser wird,steigt?"
Seite 281: Einschätzung der Lage im Kindheitsgut Nikolskoje nach der Bauernbefreiung:
"Sie sind jetzt frei. Sie schätzen ihre Freiheit sehr hoch.Aber sie haben keine Wiesen. Auf die eine oder andere Weise haben es die Grundherren einzurichten verstanden, dass sie fast alle Wiesen besitzen...
Familien, die früher drei Pferde besaßen, halten jetzt eins oder keins. Wozu ist aber ein einziges erbärmliches Pferd nütze? Keine Wiesen, keine Pferde, kein Dünger."


Was folgt daraus? Es müssen erst alle Verhältnisse umgestürzt werden,damit auch nur die kleinste Verbesserung verfängt.

Im Anblick des Zaren-vor dem Abschied nach Sibirien - erscheint dem noch Unschlüssigen die Leere. Das unvermeidliche Verlorengehen. Die Verdunklung.

Nach der Ernennung aus dem Pagencorps zum Offizier. Der Zar versammelt die neuernannten Offiziere um sich.

Seite 196. "In ruhigem Tone begann er:"Ich wünsche ihnen Glück.Sie sind Offiziere."Er sprach dann von Soldatenpflicht und loyaler Gesinnung, wie es bei solchen Anlässen zu geschehen pflegt." Sollte aber einer von ihnen "fuhr er fort, wobei er jede Silbe scharf betonte und sein Gesicht sich plötzlich vor Zorn verzerrte,"sollte einer von ihnen - was Gott verhüten möge -sich illolyal gegen Gott, Vaterland und den Zaren verhalten, merken sie wohl, was ich sage, so wird ihn die volle Strenge des Gesetzes treffen ohne das geringste Erbarmen." Die Stimme versagte ihm,sein Gesicht trug einen feindlichen Ausdruck blinder Wut,wie ich ihn als Kind in den Gesichtern der Grundherren bemerkt habe, wenn sie ihren Leibeigenen drohten, sie bis aufs Blut peitschen zu lassen.Heftig stieß er seinem Pferde die Sporen in die Weichen und sprengte davon. Am nächsten Morgen wurden auf seinen Befehl in Modlin drei Offiziere erschossen,während ein Soldat, namens Szur, unter den Spießruten seinen Geist aufgab.(Im Rahmen der brutalen Niederschlagung des Polenaufstandes 1863) "Reaktion, mit Volldampf rückwärts"sagte ich zu mir, als wir zum Korps zurückgingen".
(Noch eine letzte Unterredung)
"Alexander fand mich heraus und fragte:..Fürchtest Du Dich nicht, so weit zu gehen? (In gerade frischerschlossene Teile Sibiriens). Ich erwiderte mit Wärme:"Nein, ich will arbeiten. Es muss in Sibirien so viel zu tun geben, um die großen Reformen,die gemacht werden sollen, dort einzuführen". Er schaute mir gerade ins Gesicht und wurde nachdenklich;schließlich sagte er: "Nun so geh! Man kann überall nützlich sein."Und dabei nahm sein Gesicht einen so müden Ausdruck an,und verriet so völlige Willenlosigkeit, dass ich sofort dachte: Er ist ein gebrochener Mann und wird alles aufgeben".


Zuspitzung: Zwei Männer, Produkte der gleichen Klasse, am Kreuzweg. Einer im Versinken. Im Absprung der andre.

Im Rückblick kommt Kropotkin noch einmal auf diesen Augenblick zurück.1881. Nachdem "Narodnaja Wolna" mit der allerletzten verbliebenen Bombe am Zaren gerechtes Gericht geübt hatte.
Es hatte unter den gegebenen Umständen so kommen müssen.

Es kann hier nicht der ganze Weg Kropotkins nacherzählt werden. Nur eines noch: der Anblick Petersburgs, als Alexander II den Weg des Wüterichs eingeschlagen hatte und weiterstolperte. Kropotkin war lang weg.

Was ist aus den Zukunftsplanern und Quasi-Liberalen geworden, denen 1861 die Backen schwollen vor lauter Reform und Perspektive? - Keiner traut sich mehr das leiseste Wort. Jeder schwört ab, jemals an etwas anderes gedacht zu haben, als an Selbstherrschaft und Majestätsbrummertum. Kropotkin schildert die Verbissenheit des Geheimdienstes, der alles niedertrampelt. Der jeden Anflug eines Gedankens mit Knast bedroht. ES DARF NICHTS NEUES MEHR GEBEN! Mit vollem Recht - von den Herrschenden aus gesehen. Denn jeder Gedanke brächte nur eines heraus: DER ZAR MUSS WEG! ZUSAMMEN MIT UNS ALLEN!
Auch das nahm die Stimmung der mittleren siebziger Jahre für uns Leser vorweg. Mit vollem Mund das Fortschrittsbrot in der Mundhöhle wälzen - damit nur ja keine einzige Erkenntnis herauskommt.

Bibliographische Angaben:
Neue Übersetzung aus dem Englischen, herausgegeben von Heiner Becker und Niclas Walter Und mit Einleitung, Anmerkungen und ausgewähltem Personenregister versehen:
Memoiren eines Revolutionärs, Band 1 / 2
ISBN: 3-89771-901-0
Ausstattung: br., 248 Seiten
Preis: 14.00 Euro
Memoiren eines Revolutionärs, Band 2 / 2
ISBN: 3-89771-902-9
Ausstattung: br., 304 Seiten
Preis: 14.00 Euro

(Die Besprechung basiert auf der Ausgabe des Insel Verlages von 1969)

Unerhört und ungehörig - ein Streifzug durch die Geschichte des internationalen Frauentages

Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag 8. März 1914
Im März demonstrieren Frauen in aller Welt für den Frieden, die Freiheit und das Recht. Nach dem historischen Beschluss von 1910 zum Internationalen Frauentag kamen vor 100 Jahren mehr als eine Million Frauen in Europa und den USA zu solidarischen Versammlungen und Demonstrationen zum Internationalen Frauentag zusammen.

Zeitweilig vergessen, behindert, verboten - lebendig blieb die Tradition eines Tages für die Rechte der Frau,  lebendig blieb die Utopie einer menschenwürdigen Gesellschaft ohne Kriege, in der Frauen selbstbestimmt leben können.

Dr. Florence Hervé, Autorin, u. a. Herausgeberin einer Clara-Zetkin-Biographie, erzählt aus der bewegten Geschichte des 8. März.

am Mittwoch, 16. Februar 2011, 19.30 Uhr

im Clara-Zetkin-Haus Waldheim Stuttgart e. V.

Gorch-Fock-Straße 26, 70619 Stuttgart-Sillenbuch


Antifa Mobiclip: Dresden 13./19. Februar 2011

Zur Einstimmung in die Proteste heute und kommenden Samstag:



Antifaschistische Proteste:

¡NO PASARÁN!
Dresden Nazifrei!
Bring 2!

Mahngang “Täterspuren-  [Karte] | Comeniusplatz | 11.00 Uhr -“ 13.30 Uhr

Kundgebung [Karte] |  Friedrich-List-Platz | 14.00 Uhr

WAP-Handy-Ticker: www.wap.dresden-nazifrei.com

Twitter: twitter.com/dd_nazifrei

Aktionsradio: 98,4 & 99,3

Infotelefon: 0351 -“ 41 88 99 70

Ermittlungsausschuss (EA): 0351 -“ 89 960 456

Stuttgart: Verhandlung zur Nordflügelbesetzung am 17.2.

Flyer zum Prozess
Nach einer Demonstration mit ca. 3000 Teilnehmern, entschlossen sich am 26.07.2010 ca. 50 AktivistInnen in mehrere Räume des bereits von den Mietern geräumten Nordflügels am Hauptbahnhof zu gehen. Etliche TeilnehmerInnen kletterten zusätzlich von außen über eine Leiter in die im ersten Obergeschoss gelegenen Räume. Die AktivistInnen skandierten Parolen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 und hängten mehrere Transparente aus den geöffneten Fenstern. (IndyMedia / resistante)
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