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»Das Problem mit dieser Welt ist, dass kluge Menschen voller Zweifel sind, während dumme Menschen voller Zuversicht sind.« Charles Bukowski

Stuttgart: Rechte Kundgebung verkürzt - schon wieder Polizeigewalt

Vom 2. bis zum 5. Juni plant die rechtspopulistische Vereinigung „Bürgerbewegung Pax Europa e.V“ zusammen mit „pi-news Stuttgart“ ein bundesweites „islamkritisches Wochenende“ und mehrere öffentliche Aktionen in Stuttgart durchzuführen.

Gestern protestierten verschiedene antifaschistische Gruppen letztlich erfolgreich gegen die Auftaktkundgebung der Rechten - deren Teilnehmer beschränkten sich auf einige wenige Anwesende, die gehaltenen Hetzreden waren wegen der lautstarken Proteste kaum zu verstehen. Einmal mehr konnte eine rechtsgerichtete Veranstaltung nur unter massivem Polizeieinsatz und gegen antifaschistischen Protest durchgesetzt werden. Wenn auch nur für wenige Minuten.

Eine - unvollständige Übersicht über die Berichtertstattung zu den Protesten gestern in Stuttgart:

• Der Freitag: Polizei in Stuttgart schon wieder übergriffig -“ mehrere Verletzte

• linksunten: BPE Kundgebung in Stuttgart trotz massiver Polizeigewalt verhindert

• 7h3linguist: Stuttgarter Polizei schlägt wieder zu

• bodenfrost: Zweiter Schwarzer Donnerstag: Polizeigewalt in Stuttgart

• Stuttgarter Zeitung: Kundgebung auf dem Schlossplatz eskaliert

Die Seite "No Racism in Stuttgart" bietet weitere Informationen unter anderem zu den Hintergründen zu den rechten Gruppierungen sowie zur für morgen, 10 Uhr vor dem Bürgerzentrum Feuerbach angekündigten Kundgebung gegen die „Bürgerbewegung Pax Europa e.V.“ und „PI-News“.

Gurkentruppe schlägt voll ein - und erbarmungslos zu

Also die spanischen Gurken waren es auch wieder nicht. Rückhaltlos gewarnt wird aber trotzdem weiter. Gurken: absolut verboten! Tomaten: weg! Salat: um Himmelswillen! Ohne jede Einschränkung. Auf dem Wochenmarkt stehen die Marktfrauen herum und können noch so oft auf den eigenen Acker zeigen, von dem sie am Morgen ihr Grünes abgeerntet haben: was hilfts. Gärtnerinnen und Gärtner und das ganze Kleinbauerngewerbe können einstecken.

Und alles nur, weil eine Art Warnung ausgegeben wird - ohne jede Einschränkung. Obwohl alles dafür spricht, dass die entsprechenden Gemüse vor allem für Großküchen bestimmt sind. Und aus riesigen Verpackungscontainern kommen. Solche Einschränkungen werden niemals gemacht.

Zwei Umstände wirken zusammen: der Wissenschaftsglaube der Fernsehkonsumierenden zuerst. Wer traut sich noch mit Glatze ohne Hut ins Freie, nach der Bombardierung durch Warnungen vor Hautverbrennung und Sonnenstich. Vor sechs Wochen waren es die Eier voller Dioxin. Wer brachte da die Überlegung auf, dass man ab sechzig größte Chancen hat, dem bösen Dioxin vorwegzusterben, bevor es zuschlagen kann.
Das andere natürlich: die Verantwortung. Keiner und keine von der Wissenschaft riskierte es, irgendeinen Ungewarnten blaurot im Hinterzimmer verschmoren zu lassen, weil ungewarnt.

Nur dass im Zusammenspiel von Unterwürfigkeit des Informierten und Totalüberwachung durch die Informierenden die letzten Kleinbauern und Gartenbetriebe dran glauben müssen. Weil nie präzise Informationen gegeben werden, sondern wolkig allgemeine. Für alle. Und wenn sie im eigenen Garten nach der eigenen Tomate greifen. Pfoten weg!

Wüste Verdächtigung: Die großen Institute zur Gesundheitsverwaltung kriegen ja wohl außer vom Bund von den entsprechenden Chemo-Giganten ihre Zuschüsse. Der Sorte, die im Lauf der "grünen Wende" auf Groß-Agrar-Technologie setzt. Für Kleinbetriebe uninteressant. Deshalb: Bauernlegen. Beabsichtigt oder nur billigend in Kauf genommen. Gleichviel.

Wieviel Gartenbetriebe werden den Angriff überleben? Und wenn den, dann den nächsten - vielleicht wegen Schweinepest. Und alles, um im ausweglosen Zugriff der Apparate niemals locker zu lassen.

Erstickungsumarmung über Ödflächen. Chemisch umsorgt.

Alles was uns fehlt ist die Solidarität

Bündnis für die Einstellung der §129(a)-Verfahren
Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen

Ein Buch zu den Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg).
Am 31. Juli 2007 wurden in einer spektakulären Aktion Axel, Florian und Oliver bei Brandenburg an der Havel und Andrej Holm in Berlin wegen angeblicher Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg) verhaftet.

Bereits im Jahr zuvor begann das Bundeskriminalamt (BKA) mit Ermittlungen und der Beschattung gegen die vier und weitere in den Augen des BKA Verdächtige. Seit 2001 liefen verschiedene Ermittlungsverfahren gegen mehr als ein Dutzend Verdächtige, die jedoch mangels Tatverdacht in den Jahren ab 2008 eingestellt wurden.

Zu Verurteilungen kam es lediglich gegen Axel, Florian und Oliver, wobei der ursprüngliche Vorwurf wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nach §129a nicht aufrecht erhalten werden konnte. Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes Ende 2007 ist die mg lediglich eine kriminelle Vereinigung, da sie nicht geeignet sei, den „Bestand der Bundesrepublik Deutschland“ zu gefährden.

Das schmale Bändchen Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen: Zu den Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg), das vom Einstellungsbündnis jetzt vorgelegt wird, versteht sich nicht als umfassende Auswertung der Solidaritätsarbeit, wohl aber als „Handreichung für alle, die sich mit Antirepression auseinandersetzen, die von Repression betroffen sind oder sein könnten.“

Verbundenheit

Kann es eigentlich distanzierende Solidarität geben? Unweigerlich stellt sich diese Frage. Auch in der Arbeit des Bündnisses gestaltete sich die Antwort darauf sehr kompliziert, je nach politischem Hintergrund der Akteure. Die -“ defensive aber grundlegende -“ Forderung nach Einstellung der Verfahren und Abschaffung des §129a bot zwar eine „erste gemeinsame inhaltliche Basis“, darüber hinausgehende Fragen wie die nach der Legitimität der Zerstörung von Kriegsmaterial blieb einige Zeit umstritten. Die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen Aggression nach außen und Repression nach innen musste sich erst erstritten werden.

Solidaritätsarbeit findet naturgemäß mit erheblichem Gegenwind statt, vor allem auch mit medialem. Während es im Fall von Andrej Holm relativ schnell gelang, eine auch internationale Solidarität zu entwickeln -“ schließlich stand er für kritische Wissenschaft -“ versuchten Medien entlang der Linie „Stellung zu praktischem Antimilitarismus“ diese von den Verfahren gegen Axel, Florian und Oliver zu spalten, um diese zu isolieren.

Damit wurde das Konstrukt der Bundesanwaltschaft von Andrej Holm als intellektuellem Kopf der mg und Axel, Florian und Oliver als den ausführenden Brandsatzlegern bedient. Während das Medienecho hinsichtlich Andrej half, den ganzen Fall bekannt zu machen, verschob sich der Schwerpunkt der Wahrnehmung bis zum Prozessbeginn auf Axel, Florian und Oliver.

Entscheidend ist die eigene Öffentlichkeits- und Pressearbeit, aber auch die Bedienung des öffentlichen Interesses der Medien, so die Bilanz der Autoren. Denn mit der zunehmenden Dauer des Prozesses nahm nicht nur das Interesse der Medien ab. Insbesondere die bürgerlichen Medien blendeten auch gerne den politischen Kontext aus oder reduzierten die Skandalisierung wie bei Andrej Holm auf dessen Überwachung durch das BKA.

Grabenkämpfe


Auch für eine Reihe Linker war es offenbar nur schwer zu verdauen, dass sich der §129a ff. gegen alle richtet, die sich nicht mit dem Kapitalismus, mit Ausbeutung und Unterdrückung abfinden wollen und nach Wegen suchen, das herrschende System zu überwinden.

Der Vorwurf der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ist allerdings schnell zusammengezimmert. Der Logik der Ermittlungsbehörden sind kaum Grenzen gesetzt. Als mg verdächtig gilt bereits, wer einen gut sortierten Bücherschrank hat mit Werken von Marx, Lenin, Luxemburg, Liebknecht, Karl-Heinz Roth, Joachim Hirsch, Wolf Wetzel, Sebastian Haunss oder Gerhard Hanloser und Zeitschriften wie wildcat oder iz3w liest. Auch diejenigen, die keine derartige Literatur besitzen machen sich verdächtig: Die gelten dann eben als besonders konspirativ.

Die Solidaritätsgruppe arbeitet heraus, dass alles darauf hinauslief, einen politischen Prozess zu führen, statt einer „Unschuldskampagne“, die darauf abzielt, nur die Verhaftung, einige Ermittlungsmethoden und -hintergründe zu skandalisieren. Auch wenn der Preis für die zunehmende antimilitaristische Schwerpunktsetzung und die auf Axel, Florian und Oliver das Wegbleiben vieler Befürworter einer bürgerlichen breiten Öffentlichkeit war. Problematisch stellte sich an der Frage der Mitarbeit der Beschuldigten im Einstellungsbündnis heraus, dass die §129/a/b schnell auch diejenigen, die sich solidarisch zeigen, Kontakt zu ihnen haben oder politisch Position beziehen, zur kriminalisierten Vereinigung hinzugerechnet oder auch als Zeugen geladen werden können.

Praktische Solidarität -“ Knastarbeit


Sehr konkret beschäftigt sich die Solidaritätsgruppe mit dem Thema Knastarbeit und den Konsequenzen der Haft für die Betroffenen und öffnet damit auch den Blick für die Situation vieler -“ nicht nur politischer -“ Gefangener. Sobald Axel, Florian und Oliver ihre Haft antreten müssen haben sie als nicht Vorbestrafte gute Chancen auf offenen Strafvollzug oder als Freigänger tagsüber den Knast zu verlassen. Dazu müssten sie sich jedoch den Entscheidungen der Strafvollzugskommission unterwerfen, was unter anderem bedeutet, sich auf die Erforschung der Persönlichkeit und Lebensverhältnisse, insbesondere das „Verhältnis des Gefangenen zu seiner Tat bezüglich einer Schuldeinsicht“, einzulassen. Eine Kooperation ist Voraussetzung für den offenen Vollzug, eine vorzeitige Entlassung, mit politischen Folgen: „Es ist kein kämpferisches Verhältnis mehr.“

Keine Plädoyers, aber ein Urteil

Die Anwälte der Beschuldigten legten in einem Beweisantrag dar, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass das „BKA und BAW gegen mutmaßliche -šradikal-˜- Redakteure bewusst unter einem falschen Label ein §129a Verfahren eingeleitet hatten, um so den ganzen Verfolgungsapparat einsetzen zu können.“ Das Urteil in dem politischen Prozess stand schon vor den Plädoyers und trotz einer teilweise schwachen Indizienlage fest. Die Vorwürfe, die drei wären Mitglieder der mg wurden zum Teil mit durchsichtigen Spitzelinformationen -“ die nicht bewiesen werden konnten und mussten -“ und anderen fadenscheinigen Beweisen belegt. Besonders bekannt wurde in dem Zusammenhang, dass sich das BKA an der Militanzdebatte in der Interim mit zwei Textbeiträgen beteiligte, um die mg zu einer Stellungnahme zu provozieren. Der dazu vernommene BKA Zeuge stritt dies erst ab und log damit. Was das Gericht nicht daran hinderte, seine sonstigen Angaben für glaubwürdig zu halten.

Gerichtsfeste Belege gab es lediglich für die versuchte Brandstiftung. Deshalb agierten die Anwälte politisch und verzichteten auf Plädoyers. In den politischen Beweisanträgen kamen sie zuvor zu dem Schluss: „Widerstand gegen völkerrechtswidrige Kriege ist legitim; frei nach dem Motto: -šWas in Deutschland brennt, kann in Afghanistan keinen Schaden mehr anrichten.-˜“

Das Einstellungsbündnis arbeitet als Motiv heraus, dass die Ermittlungsbehörden bewusst den Versuch unternahmen, über den mg Prozess an mutmaßliche radikal- Autoren heranzukommen. Der ursprünglich als Grundlage des Ermittlungsverfahrens angegebene Kontakt zwischen Andrej Holm und Florian reichte im Urteil gerade noch als Beleg für konspiratives Verhalten.

Eine Erfolgsstory


Die Solidaritätsgruppe unterstreicht in ihrem Resümee, dass ihre Arbeit trotz teilweise gravierender Schwächen erfolgreich war und macht das daran fest, dass sich das Bündnis trotz seiner Heterogenität nicht hat spalten lassen. Die Repression hat vielmehr auch Leute zusammengebracht, die sonst nie zusammengekommen wären und so die Organisiertheit vorangetrieben. Das ist nicht immer so, denn es gibt zahlreiche andere politische Prozesse, die nicht derartig prominent sind wie das mg Verfahren.

Jedem daran Beteiligten sei das Buch zu empfehlen.

Veranstaltungen zum Buch



Veranstaltung in Berlin: Linke Buchtage
Samstag 4.6., 12h, Blauer Salon, Mehringhof, Gneisenaustraße 2a

Veranstaltung in Münster
Freitag 17.6., abends, Ladenlokal ohne Namen, Nieberdingstraße 8

Anlässlich der Buchveröffentlichung “Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen- lädt das Einstellungsbündnis zu Veranstaltungen ein. Mitglieder des Soli-Bündnisses unterhalten sich über Solidarität, Antirepressionsarbeit, Streitkultur, Antimilitarismus, Knast u.a.m.

Bündnis für die Einstellung der §129(a)-Verfahren 2011: "Das zarte Pflänzchen der Solidarität gegossen: Zu den Verfahren und dem Prozess wegen Mitgliedschaft in der militanten gruppe (mg)" Edition Assemblage, Münster.
ISBN: 978-3-942885-00-3.
86 Seiten. 4.80 Euro.

Zuerst veröffentlicht in "kritisch-lesen Nr. 4"

Geleakt: Die aktuellen Wikio Trends

Uns wurden die aktuellen Blogtrends von Wikio zugespielt. Laut denen befinden wir uns auf dem aufsteigenden Ast, was uns ganz besonders freut! Das wär aber ohne unsere Co-Blogger und Autoren kaum denkbar. Auf diesem Wege deshalb nochmals vielen Dank an Euch!

Hier das Ranking, das eine oder andere Blog ist sehr zu empfehlen:

1Fefe's Blog
2Spreeblick
3Karriere-Bibel
4Internet Law
5Maedchenmannschaft
6Der Postillon
7Der Schockwellenreiter
8Metronaut.de
9Who said that I wasn´t right
10beck-blog DIE EXPERTEN
11Wirres
12SCHWENKE & DRAMBURG Rechtsanwälte
13pantoffelpunk
14trueten.de - Willkommen in unserem Blog!
15Gegen Hartz
16Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf
17Rechtsanwalt Markus Kompa
18ad sinistram
19Herdentrieb
20Irgendwas ist ja immer - Reloaded

Neuerscheinung: Mumia Abu-Jamal - Todesstrafe - Politische Gefangene

Wir freuen uns über die Neuerscheinung in der Bibliothek des Widerstands:

Band 14 - Mumia Abu-Jamal - Todesstrafe - Politische Gefangene 272 Seiten inklusive einer DVD mit drei Filmen:
  •  Hinter diesen Mauern (1996) von Jule Buerjes und Heike Kleffner - mit letzten Fotos und Aufnahmen von Mumia
  •  In Prison My Whole Life (2007) von Marc Evans und Livia Firth
  •  Justice on Trial - Exklusivschnitt  von Kouross Esmaeli und Johanna Fernandez

Das Buch enthält
  •  ein Interview des Buchkollektivs mit Mumia vom Januar 2011,
  •  das erste Mal eine vollständige mögliche Tatversion,
  •  viele kurze Statements von UnterstützerInnen, die anschaulich die große Breite der Bewegung zeigen,
  •  und viel mehr.....


Mumia Abu-Jamal Der Kampf gegen die Todesstrafe und für die Freiheit der politischen Gefangenen


ISBN: 978-3-942281-84-3   Preis 24,90 € - www.laika-verlag.de


30 Jahre unschuldig im Todestrakt - genug ist genug Johanna Fernandez, Baruch University New York, spricht über Mumia Abu-Jamal, Rassendiskrimnierung im Gefängnissystem und die Todesstrafe in den USA und zeigt ihren neuen Film "Justice on Trial - Justiz auf dem Prüfstand" über Mumia (25 Min. OmU)  Alle Veranstaltungen außer 4. Juni mit DolmetscherIn

FRANKFURT:
Mittwoch, 1. Juni, 19.oo Uhr
Exzesshalle Frankfurt-Bockenheim 
Leipziger Straße 91
U-Bahn Leipziger Straße oder Kirchplatz

MÜNCHEN:
Donnerstag, 2. Juni, 20.oo Uhr
Eine-Welt-Haus München
Schwanthalerstr. 80
U-Bahn Theresienwiese

HEIDELBERG:
Freitag, 3. Juni, 20.oo Uhr
Deutsch-Amerikanisches Institut
Sofienstraße 2
Haltestellen Bismarckplatz

Samstag, 4. Juni, 14.oo Uhr
Anglistisches Seminar der Uni Heidelberg
Kettengasse 12 - Altstadt Nähe Uniplatz
Haltestellen Uniplatz oder Bergbahn
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