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»Das sind meine Prinzipien, und wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.« Julius Henry "Groucho" Marx

"Die Weihnachtsgans Auguste" von Friedrich Wolf - Lesung mit Live-Musik

Der Opernsänger Luitpold Löwenhaupt hat bereits im November vorsorglich eine fünf Kilo schwere Gans gekauft - eine Weihnachtsgans. Dieser respektable Vogel soll den Festtisch verschönen, mit Rotkraut und Äpfeln gefüllt und mit guter brauner Bratensosse übergossen.

Aber - die Zeit bis Weihnachten ist lang und die Winternächte sind kalt. So freunden sich die Kinder der Familie und vor allem der kleine Peter mehr und mehr mit der Gans an, bis sie sogar heimlich in seinem Bett übernachten darf. Als Vater Löwenhaupt die Gans tatsächlich schlachten will, passieren einige unerwartete Dinge.

Dauer : 30 Minuten
Sprecherin: Suzan Smadi
Musikerin: Anja Füsti / oder Birgit Maier- Dermann

Kurz Infos zur HÖR-und SCHAUbühne
Seit zehn Jahren macht die HÖR-und SCHAUbühne erfolgreich Kleinkunst und Theater für Erwachsene und für Kinder- regional, überregional, auf Festivals im In- und Ausland- an der Schnittstelle zwischen Figuren- und Erzähltheater und Schauspiel.

Förderungen unter anderem durch das Kulturamt der Stadt Stuttgart, das Kulturreferat der Stadt Esslingen, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und den Fonds Darstellende Künste.

Weitere Infos auf der Homepage unter: www.hoerundschaubuehne.de

22.12.2012 19.00 Uhr im Linken Zentrum Lilo Herrmann

Tina Modotti: Fotografien einer Revolutionärin

„Die Biografie einer Fotografin zu verlegen, ohne eines ihrer Bilder abzudrucken, geht das?“ Dies fragte der Autor dieser Zeilen in einer Rezension zu Christiane Barckhausens biographischer Skizze "Tina Modotti. Den Mond in drei Teile teilen".

Nun legte der Wiljo-Heinen-Verlag nach, veröffentliche einen Bildband mit Fotografien von Tina Modotti und gibt einen Einblick in ihre Arbeit.

Modotti war nicht nur Fotografin, sie war auch Kommunistin, Antifaschistin und Revolutionärin. Geboren 1896 in Italien, wanderte sie im Alter von 17 Jahren in die USA aus. Erst lebte sie in San Fransisco und siedelte später nach Los Angeles, wo sie als Schauspielerin arbeitete. Dort lernte sie den Fotografen Edward Weston kennen und lieben, der sie in die Welt der Fotografie einführt.

Anfang der zwanziger Jahre zieht sie in das nachrevolutionäre Mexiko, wo sie selber mit dem Fotografieren anfing. Hier erhält sie Kontakt zu politisch engagierten Künstlerinnen und Künstlern und beginnt politisch aktiv zu werden. Ihre Fotografien werden auch politischer, Modotti veröffentlicht erste Arbeiten in politischen Zeitschriften. Veröffentlicht wurden sie zum Beispiel auch in der Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ), der von Willi Münzenberg in Berlin verlegten Arbeiterzeitung.
Zunehmend verlegte Modotti den Schwerpunkt ihres Schaffens auf die Arbeit für die Internationalen Roten Hilfe. Anfang 1930 wird sie in Folge eines Mordanschlag auf den mexikanischen Präsidenten Pasqual Ortiz Rubio gemeinsam mit ihren Lebensgefährten Vittorio Vidali aus Mexiko ausgewiesen, obwohl weder sie noch er etwas mit dem Anschlag zu tun hatten. Über Rotterdam und Berlin gelangt Modotti nach Moskau, wo sie sich voll auf ihre antifaschistische Arbeit konzentriert und mit dem Fotografieren aufhört.
Ihre Arbeit für die Rote Hilfe führt sie nach Wien, Warschau, Paris und mit dem beginnenden Spanischen Bürgerkrieg nach Spanien, um dort am internationalistischen Kampf gegen den Faschismus teilzunehmen.

Nach dem Sieg Francos kehrt sie nach Mexiko zurück, wo sie in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1942 einem Herzanfall erliegt.

Dem Bildband vorangestellt ist ihr „Manifest über Fotografie“, das sie für ihre erste und einzige Einzelausstellung 1929 veröffentliche. Modotti versteht die Fotografie nicht als bloße Produktion von Kunst, sondern misst ihr gesellschaftliche Bedeutung zu. Die Bilder sind thematisch geordnet und reichen unter anderem von Blumen und Pflanzen, über Frauenportäts, Campesinos, Arbeit, Elend, revolutionärer Bewegung bis hin zu Symbolen der Revolution.


"Tina Modotti. Fotografien einer Revolutionärin"
Bildband, mit Texten von Christiane Barckhausen-Canale und Reinhard Schultz
ISBN 978-3-939828-86-0, Wiljo-Heinen-Verlag, Berlin, 2012, Hardcover mit Schutzumschlag, 21cm x 25cm, 96 Seiten, 19,90 €
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Zuletzt bearbeitet am 18.12.2012 20:38

Blogkino: How to Be Well Groomed (1949)

In unser Reihe Blogkino zeigen wir Szenen aus dem richtigen Leben. Zombies, Ganoven und weitere hier geezeigte monströse Erscheinungen sind allerdings meist nicht gerade Paradebeispiele für ein gepflegtes Erscheinungsbild. Das wollen wir ändern und zeigen deshalb den U.S. amerikanischen Lookism Berater "How to Be Well Groomed". Dass er bereits 1949 gedreht wurde macht nichts sondern beweist lediglich, dass es auch schon zu früheren Zeiten angesagt war, sich Freitags nicht in Lumpen gewickelt zusammenzurotten.

Blogkino: The Ghoul (1933)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino den Horrorstreifen "The Ghoul" aus dem Jahre 1933, u.a. mit Boris Karloff. Selbiger stellt einen Professor dar, der sich mit einem geheimnisvollen ägyptischen Schmuckstück begraben lässt, um das ewige Leben zu erlangen. Als das Schmuckstück durch seinen Knecht gestohlen wird, steigt der Professor von den Toten, um es zurückzuholen...

kritisch-lesen.de Nr. 24: Kriegerischer Frieden

Am 10. Dezember ist es wieder soweit: der Friedensnobelpreis wird verliehen. In diesem Jahr darf sich niemand Geringeres als die Europäische Union über den Preis freuen. Während sich gefreut und darüber geredet wird, wie die EU den Frieden nach Europa brachte, ist kaum Kritik zu vernehmen. Dabei sind EU-Länder an kriegerischen Einsätzen auf dem gesamten Globus beteiligt und spielen bei der Rüstungsproduktion eine erhebliche Rolle. So ist Deutschland im Rüstungs-produktionsranking auf Platz drei weltweit und unter anderem seit elf Jahren in Afghanistan im Einsatz. Frieden sähe anders aus. Auch innerhalb der Linken gibt es irritierende Haltungen bei der Frage, wie man es eigentlich halten sollte mit dem Krieg. Befürwortungen werden auch bei sich als links bezeichnenden Menschen immer wieder laut. In den Hintergrund gedrängt wird die sich zwar in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten verändernde, aber noch immer existente imperialistische Dominanz einiger Staaten und Verbündeter, die den Frieden als Legitimation für militärische Einsätze immer wieder in Stellung bringen.

Gründe genug, um einen Blick auf aktuelle linke Antimilitarismus- und Antiimperialismusdebatten zu richten, um Diskussionen und Interventionen nachzuzeichnen. Und so appellieren die ersten drei Rezensionen, Antiimperialismus wieder verstärkt in linke Politik einzubinden: Zu Beginn bespricht Jens Zimmermann in Antiimperialismus revisited einen Sammelband der Linksjugend Solid und stellt heraus, dass in der Broschüre die Reaktualisierung theoretischer Positionen und empirischer Befunde des Antiimperialismus gelungen sind. Christin Bernhold empfiehlt in ihrer Rezension Imperialismus: Alter Wein in neuen Schläuchen den Begriff Imperialismus aus dem Theorie-Museum zu holen, denn dieser sei für die heutige Linke substantiell. In ebenjenes Museum begibt sich Christian Stache mit seiner Rezension Von der bestimmten Negation der klassischen zur neuen Imperialismustheorie. In dem bereits 1978 erschienenen Buch „Marx, Engels und die Imperialismustheorie der II. Internationale“ vertritt Hans-Holger Paul die These, dass durch die direkte Lektüre des Marxschen „Kapital“ (unter anderem durch Engels) die Befürwortung von Imperialismus seitens der RevisionistInnen und ReformistInnen zu erklären ist. Einer auch aktuell immer wieder aufscheinenden Debatte beim Thema Antimilitarismus, die mitunter auch große zivilgesellschaftliche Aufmerksamkeit erregt, widmet sich Sebastian Friedrich mit Forschung und (Anti-)Militarismus: der Zivilklausel an deutschen Hochschulen. Ein weiterer Strang, der linke Antimilitarist_innen seit jeher beschäftigt, ist der Pazifismus. Einen allgemeinen Blick auf „Pazifismus und Antimilitarismus“ wirft Sebastian Kalicha in Den „pazifistischen Hammer“ schwingen und bescheinigt dem Einführungswerk durch seine Facettenvielfalt eine Bereicherung für den linken Diskurs zum Thema. Zu Deserteuren im Zweiten Weltkrieg erschien jüngst das Buch „... und wenn sie mich an die Wand stellen”, welches Zülfukar Cetin bespricht und besonders aufgrund seiner Perspektive aus der Geschlechterforschung sehr lobt. Schließlich wirft Thomas Möller in Vier Jahre Kampf gegen den Kriegsgeist einen Blick in die politische Biographie des Pazifisten und engagierten Kriegsgegners Bertrand Russel.

In den weiteren Rezensionen befasst sich Dr. Daniele Daude in Performativität in der Akademie zunächst mit den Theorien zur Performativität von Erika Fischer-Lichte. Den biographischen Roman „Wie ich im jüdischen Manhattan zu meinem Berlin fand“ von Irene Runge hat Heinz-Jürgen Voß gelesen und ist begeistert von der Gelassenheit, die die Autorin trotz nicht immer schöner Erlebnisse behält. In einer weiteren Roman-Rezension widmet sich Paul Gensler dem neuen Philosophen-Roman von Irvin D. Yalom „Das Spinoza-Problem“, welches beim Rezensenten jedoch nicht so gut weg kommt. Zum Schluss geht Ismail Küpeli auf das Buch „Ordnung und Gewalt“ von Stefan Plaggenborg ein, sieht die angestrebten Intentionen jedoch nicht verwirklicht.

Noch ein kleiner Hinweis für die nächste Ausgabe: Im Januar werden wir nicht wie gewohnt am ersten, sondern ausnahmsweise am zweiten Dienstag erscheinen, also dem 8. Januar.

Weiter zur Ausgabe 24.

Auf der Suche

Der EindringlingDaniel, ein 25-jähriger Student, ist von beschaulichen Göttingen nach Berlin gezogen. Hier hofft er, der Kontrollfreak, nicht nur sein Lehramtsstudium abzuschließen, sondern auch seinen Vater Fil näher kennenzulernen. Der Kontakt zu seinem Vater beschränkte sich auf einige wenige Besuche, bis der Kontakt abbrach. Zu unterschiedlich schienen die Lebenskonzepte zwischen dem politisch aktiven Vater und dem in der kleinbürgerlichen Familienidylle aufwachsendem Daniel.
Angekommen in Berlin, dem hippen Touristenmagneten, wird Daniel mit der tödlichen Krankheit Fils konfrontiert.
Jetzt, wo der Vater im Krankenhaus liegt und nicht ansprechbar ist, gerät das Leben von Daniel zunehmend aus seinen geregelten Bahnen. Es interessiert ihn nicht mehr der „Wer hat mehr Facebook-Freunde“-Wettbewerb mit seinem Mitbewohner, die Seminare und Prüfungen. Wer will wissen, wer sein Vater ist und zieht nach Kreuzberg in dessen Wohnung.
Seine Suche führt ihn zurück in die Jahre der Hausbesetzer und der IWF-Proteste 1988, zu Ela, der Ex-Freundin von Fil und zu Beule, dem besten Freund seines Erzeugers.

Raul Zelik konfrontiert seinen politisch naiven, aber aufgeschlossenen Protagonisten, mit der Geschichte und nachdem Sinn nach linksradikalem Aktivismus fragen und erzählt damit eine spannende Epoche Westberliner Geschichte.

Daniel wächst, je näher er dem Vater und seiner Geschichte kommt, aber auch je mehr er die Kontrolle über sein eigenes Leben verliert.

Zelik gelingt es in seinem Roman einen Bogen zu spannen zwischen der linksradikalen Hausbesetzerzeit der achtziger Jahre und dem Berlin der Gegenwart.

Raul Zelik: Der Eindringling
ISBN : 978-3-518-12658-5 | 292 Seiten | Oktober 2012 | 14 € | Edition Suhrkamp Nr. 2658
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