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»Das Problem mit dieser Welt ist, dass kluge Menschen voller Zweifel sind, während dumme Menschen voller Zuversicht sind.« Charles Bukowski

Was mir heute wichtig erscheint #406

Uninteressant: Heute jährt sich zum 30. Mal der Hamburger Kessel, mit dem die Polizei 850 AKW GegnerInnen stundenlang einkesselte und der vom Bundesverfassungsgericht für illegal erklärt wurde, siehe die Berichte der taz, des Spiegel siehe auch hier, des NDR und auf Nadir. Wie das so mit der Polizei ist, interessiert die das einen feuchten Dreck, diese kesselt weiterhin fröhlich vor sich hin. Vor allem natürlich, wenn es gegen Linke geht. Oder für das, was die Bullen dafür halten.

Update: The Amnesic Incognito Live System (Tails), eine auf Debian basierende Linux-Distribution, welche darauf abzielt, die Privatsphäre und Anonymität des Nutzers zu schützen ist in seiner Version 2.4 erschienen.

Endlosschleife: Rechtsanwältin Beate Böhler will Bewegung in den Fall Oury Jalloh bringen. Der Flüchtling aus Sierra Leone verbrannte im Januar 2005 im Polizeirevier Dessau (Sachsen-Anhalt). Er war, auf einer feuerfest umhüllten Matratze liegend, an Händen und Füßen angekettet. Böhlers Vorwurf an die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau: Sie ignoriere Beweise dafür, dass ein Dritter das Feuer gelegt haben muss. "Der Kreis der Tatverdächtigen ist überschaubar, gegen sie muss endlich ermittelt werden", sagte die Rechtsanwältin im Gespräch mit jW.

Umkämpft: Ganze 13 % (doch so viele!) befürworten laut Umfrage das geplante „Arbeitsgesetz“ in Frankreich in der vorliegenden Fassung. Ein ausführlicher Beitrag von Bernard Schmid zu den Ereignissen in Frankreich im Vorfeld der Großdemonstration am 14. Juni. Warum diese Proteste hierzulande praktisch unter den Tisch fallen?

Reformiert: "Der BND soll künftig auch im Inland Daten aus ganzen "internationalen Telekommunikationsnetzen" abschnorcheln und Passwörter abfragen dürfen, geht aus einem Gesetzentwurf hervor. Umstrittene Praktiken würden so legalisiert." Mehr dazu bei heise. Neztpolitik hat den Gesetzentwurf bereits veröffentlicht.

Treffpunkt: Die antifaschistische Erholungs- und Bildungsstätte Heideruh bei Buchholz in Niedersachsen wird 90 Jahre alt. Der Trägerverein lädt deshalb zu einem Sommerfest am 30. Juli in Heideruh ein.

Folgenlos: Wie nicht anders zu erwarten war, wurden im Fall Clausnitz die Verfahren gegen zwei Polizeibeamte wegen Körperverletzung im Amt inzwischen eingestellt. Mehr bei den alternativen Dresden News.

Unabhängig: Die Basken stimmen über Unabhängigkeit von Spanien ab - In 34 Gemeinden wurde am Sonntag über die Unabhängigkeit entschieden und 95% stimmten dafür. Beitrag von Ralf Streck.

Mall of Shame: Zwei Jahre Kampf und immer noch kein Lohn

Foto mit freundlicher Genehmigung: FAU Berlin

Die letzte Gerichtsverhandlung gegen die Subunternehmen steht an. Nach mehreren Insolvenzanmeldungen in der undurchsichtigen
Verantwortungskette der sub- und sub-sub-sub-Unternehmen auf der Baustelle der Mall of Berlin, haftet für die ausstehenden Löhne der Investor, Harald Huths HGHI GmbH.

Die Basisgewerkschaft FAU Berlin befindet sich seit November 2014 in einer Auseinandersetzung mit zwei Subunternehmen um ausstehende Löhne für Bauarbeiter aus Rumänien, die im Frühjahr und Sommer 2014 auf der Baustelle der Mall of Berlin - seitdem auch als „Mall of Shame“ bekannt - gearbeitet hatten. Am kommenden Freitag, den 10. Juni, wird vor dem Arbeitsgericht die voraussichtlich letzte Verhandlung gegen die Subunternehmen stattfinden.

Es geht um eine von insgesamt zehn Klagen, von sieben ehemaligen Bauarbeitern, gegen die dubiosen Subunternehmen openmallmaster GmbH und Metatec Fundus Gmbh & Co. KG. Fast allen Klagen wurde bereits vor Gericht Recht gegeben, aber bis heute hat keiner der Arbeiter den Lohn gesehen, der ihm zusteht. Metatec hat Insolvenz angemeldet, kurz nachdem sie vor Gericht zum Zahlen verurteilt wurde. Auch openmallmaster GmbH hat sich bisher ihrer Verantwortung entzogen - vor Monaten wurde gegen den Geschäftsführer ein Haftbefehl gestellt, weil dieser die Vermögensauskunft nicht abgegeben hat.

Die Arbeiter wurden ohne schriftliche Verträge zu rechtswidrigen Niedriglöhnen beim Bau der Mall of Berlin beschäftigt, welche durch die inzwischen auch insolvente Fettchenhauer Controlling & Logistic GmbH als Generalübernehmerin unter Investor Harald Huth betreut wurde. Dabei erhielten sie nicht einmal die ihnen zustehende Summe der Niedrigstlöhne, und wurden sogar körperlich bedroht als sie ihren Lohn forderten. Sie organisierten sich im November 2014 in der FAU Berlin.

Bis heute musste der Investor Harald Huth keinerlei Konsequenzen aus den Skandalen um die „Mall of Shame“ sehen. Er ist weiterhin mit in der Öffentlichkeit teilweise umstrittenen Bauvorhaben in Berlin aktiv und wurde auch durch den Politikbetrieb unbehelligt gelassen. Huth gab sich bis zuletzt unwissend und gleichzeitig unwillig, für die ausstehenden Löhne einzustehen. Allerdings haftet der Investor laut Gesetz für ausstehende Löhne, wenn die Subunternehmen und die Generalübernehmerin nicht zahlungsfähig sind.

Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Berlin, Magdeburger Platz 1, 10.6.2016 ab 11 Uhr, Raum 227.

Mehr Informationen.
Quelle: Pressemitteilung

Das gestohlene Leben

Über mehrere Monate haben Schülerinnen und Schüler der 7.-10. Klasse der Corrie-ten-Boom-Schule mit ihren Lehrerinnen Frau Bliese und Frau Pirschel ein Stück über die Geschichte einer jungen Frau eingeprobt, die von den Nazis als "Halbjüdin" diskriminiert wurde. Ihre Mutter war Jüdin, ihr Vater war kein Jude. Es ist die Geschichte von Vera Friedländer und ihrer Familie. Viele ihrer Angehörigen wurden deportiert und in Auschwitz, Theresienstadt und anderen Orten ermordet. Vera Friedländer begleitet die Proben bis zu ihrer Aufführung und macht mit den Schülern Ausflüge zu Orten ihrer Geschichte. 1945 hat sie als 16-jährige bei Salamander in der Köpenicker Straße 6a in Kreuzberg gearbeitet, als unbezahlte Zwangsarbeiterin in einem Schuh-Reparaturbetrieb.

"Ich war 14 Jahre alt, als ich begriff, in welcher Gefahr die große Berliner jüdische Familie war, zu der ich gehörte. Das war 1942. Da rollten die Deportationszüge. Im Januar war auf der Wannsee-Konferenz bestimmt worden, wie die „Endlösung der europäischen Judenfrage“ zu organisieren sei und um wie viele Juden es sich handelt. Im Jahr darauf waren alle Sternträger der Familie verschwunden. Im Herbst 1944 versuchten die Nazis, die „Mischehen“ zu trennen, um die letzten Juden und die Nachkommen dieser Ehen in Vernichtungslager zu schaffen. Die „Mischehe“ war nach Nazi-Recht auf ungewisse Zeit geschützt. Mein Vater, der kein Jude war, wurde vor die Wahl gestellt, sich scheiden zu lassen oder in ein Lager zu kommen. Er wählte das Lager. Und ab Januar 1945 musste ich Zwangsarbeit im Reparaturbetrieb von Salamander leisten. Wir drei, meine Eltern und ich, überstanden diese Zeit und wurden im Mai befreit.
Darüber habe ich mit Schülerinnen und Schülern der Corrie-ten-Boom-Schule gesprochen, als sie mein Stück „Späte Notizen“ für eine szenische Lesung probten. Es gab viele Gespräche und viele Fragen, denn es fiel den Jugendlichen schwer, die eigentlich unbegreifliche Vergangenheit zu verstehen. Besonders das Problem der Zwangsarbeit beschäftigte sie. Wir gingen gemeinsam zur Köpenicker Straße und ich zeigte ihnen, wo ich täglich zur Zwangsarbeit erscheinen musste. Hier war ich mit Polen, Serbinnen, Franzosen, deutschen Jüdinnen tagsüber eingesperrt. Wir wurden von SS bewacht, zur Arbeit angetrieben und manchmal auch misshandelt. Ich konnte den Jugendlichen etwas vermitteln, was sie nicht in Geschichtsbüchern finden." (Vera Friedländer im Mai 2016)

Zum Film und weiteren Informationen: "Das gestohlene Leben" (49 Min., Mai 2016, Umbruch Bildarchiv)
Die Dokumentation enstand im Rahmen eines Projektes von David Friedländer e.V. in Zusammenarbeit mit der Corrie-ten-Boom-Schule über Zwangsarbeit und jüdisches Leben 1945 in Berlin. Gefördert durch Aktion Mensch.

Streifzüge durch das jüdische Esslingen - Ein antifaschistischer Stadtrundgang

Beim Stolperstein für Elsbeth Süsskind
Die Esslinger VVN-BdA führte mit ihrem Kameraden Gerhard Voss durch das jüdische Esslingen.

Gerhard Voss ist Pfarrer im Ruhestand und profunder Kenner der jüdischen Geschichte und Kultur der Stadt.
Nachfolgend einige Stationen unseres antifaschistischen Rundgangs, der Einblicke in die jüdische Geschichte nicht nur der Stadt Esslingen gibt.

In Esslingen gab es bereits im Mittelalter eine große jüdische Tradition. So erschien im Jahre 1290 die erste datierte Handschrift deutscher Juden in Esslingen. Es handelt sich hierbei um einen Machsor, eine Sammlung von jüdischen Gebetbüchern.
Den Kaisern unterstanden die Juden einer Schuldknechtschaft. Da ihnen selbst das Tragen von Waffen erboten war, mussten sie sich christlichem „Schutz“ ergeben und dafür hohe „Judensteuern“ zahlen.

Wie in anderen Reichsstädten auch, beglichen die Kaiser auch in Esslingen ihre städtischen Schulden oft dadurch, dass sie die „Judensteuern“ der Stadt überließen, Rückzahlungen an jüdische Gläubiger unterbunden oder Vermögen pfändeten. Im Unterschied zu anderen Reichsstädten durften sich die jüdischen Einwohner aber gegen Zahlung von Sonderabgaben immerhin bei den Zünften organisieren oder im Rat der Stadt bei innerjüdischen Streitigkeiten als Schiedsrichter auftreten.

Beim alten jüdischen Friedhof in der Beutau
Von der Bedeutung des jüdischen Lebens in Esslingen zeugen Glasmalereien mit biblischen Szenen aus dem Hochmittelalter, entstanden zwischen 1290 und 1350. Zu sehen sind einige heute noch in der Stadtkirche, der ehemaligen Franziskanerkirche und besonders gut in der Frauenkirche.
Für eine lange Zeit mehr oder minder friedliche Koexistenz zwischen Christen und Juden spricht, dass die Maler die Juden zwar mit „Judenhüten“ kennzeichneten, hierbei aber nur die religiöse Zugehörigkeit verdeutlichten. Von bösartige Entstellungen und Karikaturen, die zu jener Zeit in den berüchtigten und u.a. am Magdeburger Dom heute noch sichtbaren „Judensau“-Darstellungen gipfelten, ist hingegen nichts zu sehen.
Auch wurde in den Glasgemälden in den Esslinger Kirchen auf klassische Elemente christlichen Judenhasses, so die Kenntlichmachung der Juden als „Christusmörder“ verzichtet. In der Szene der Geißelung Christi tragen die Folterknechte keine dieser „Judenhüte“.
Lediglich in einem Fenster in der Stadtkirche wird in den allegorischen Figuren der glanzvollen Ekklesia (Die Kirche) und der (gegenüber dem Erlöser) blinden Synagoge, ähnlich wie im Straßburger Münster, ein deutlicher Gegensatz zwischen Christen- und Judentum hergestellt.

Die Synagoge im Heppächer
Der Esslinger Hafenmarkt ist ein prägender Ort für die jüdische Geschichte Esslingens. Dass hier, im patrizischen, also einst wohlhabendsten Viertel Esslingens im Mittelalter die erste Synagoge stand, markiert die einstige Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Stadt.

Zugleich ist der Hafenmarkt Schauplatz des ersten antijüdischen Pogroms in Esslingen am 27. Dezember 1348.
Dies ist im Kontext der großen Pestepidemie der Jahre 1347-1352 zu sehen. Dass die Beulenpest durch Ratten und Mäuse über Flöhe auf den Menschen übertragen wird, wurde nicht erkannt. Ebenso fehlte das Verständnis dafür, dass mangelnde Hygiene die Verbreitung der Krankheit begünstigt.

Vielmehr wurden völlig irrationale Erklärungen herangezogen:

So behauptete ein italienischer Geistlicher im April 1348, dass die Pest in Indien ausgebrochen sei, nachdem es dort „Frösche, Schlangen, Eidechsen, Skorpione und viel giftige Tiere“ geregnet habe.
Vielfach wurde die Pest als Gottesgericht gedeutet, was zu einem Zulauf für Geißler- und Flagellantenzüge führte, welche in ganz Süddeutschland, der Schweiz und in Österreich zu antijüdischen Pogromen hetzten oder diese selbst durchführten.

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Hartmann beschreibt in seinem Roman „Die Seuche“ eindrucksvoll die abergläubischen und widersprüchlichen Deutungsversuche wie auch die antijüdischen Gewaltexzesse der Geißlerzüge in der Schweiz: „Dauernd sagst du etwas anderes. Einmal fliegt die Krankheit durch die Luft, dann kommt sie über die Straße. Einmal sind die Juden schuld an ihr, dann wieder will Gott uns strafen.“

Gebetsraum
Hatten in früheren Zeiten Ritualmordlegenden wie 1267 in Pforzheim oder 1288 in Bacharach am Rhein Pogrome gegen ganze jüdische Gemeinden zur Folge, war es im Zuge der Pestepidemie nun der Vorwurf der Brunnenvergiftung.

Erhoben wurde dieser zunächst in Chambéry in Savoyen. Juden hätten mit Zaubermitteln Brunnen und Quellen der Christen vergiftet. Behördliche Boten der französischen Stadt trugen dieses Gerücht nun nach Zürich, Basel, Bern, Freiburg im Breisgau und Straßburg. Von dort gelangte es in fast alle Städte des Heiligen Römischen Reichs.

Pogromwellen in ganz Süddeutschland waren die Folge. In den Oberrheinstädten aber auch in kleineren Reichsstädten wie Buchhorn, dem heutigen Friedrichshafen, wurden 1348 und in den Folgejahren sämtliche jüdischen Einwohner auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Zu Esslingen bemerkt eine in Latein verfasste Chronik, dass am 27. Dezember 1348 „die Juden in ihrer Synagoge (am Hafenmarkt) und in ihren Häusern“ verbrannten. Die Chronik lässt zu den tatsächlichen Geschehnissen zwei Deutungen zu. Entweder wurden die Juden von einem fanatisierten Mob verbrannt oder die Juden begingen unter dem Druck der Zwangstaufen, ähnlich wie aus Mainz in 1349 berichtet, Selbstverbrennungen.

Die christlichen Bürger der Stadt bereicherten sich danach an den Gütern und dem Vermögen der Juden. Der irrationale Vorwurf oder Vorwand der Brunnenvergiftung hatte also einen materiellen Kern. Konnten sich durch die Ermordung der jüdischen Bürger viele doch auch der Zinszahlungen an ihre Gläubiger entledigen.

Im Faschismus war der Hafenmarkt erneut Ort der Gewalt gegen die jüdischen Einwohner Esslingens. Bei allen Deportationen nach Riga, Theresienstadt und in die Vernichtungslager hier der Sammelpunkt. Der Esslinger Verein Denk-Zeichen veranstaltet jährlich am 9. November am Hafenmarkt eine Gedenkfeier. Die Namen aller jüdischen Esslinger Opfer des Faschismus werden dabei verlesen.

Erst 1365 durften sich Juden wieder in Esslingen niederlassen, v.a. deshalb weil die Stadt auf die „Judensteuern“ nicht verzichten wollte. In der Folgezeit waren sie zahlreichen Schikanen ausgesetzt.

Im Jahre 1530 wurden die Esslinger Juden erstmals ghettoisiert. Diese „Judengasse“ wurde 1937 von den Faschisten, um jegliche Erinnerung an die jüdische Geschichte auszulöschen, in Schmale Gasse umbenannt, wie sie bis heute heißt.

Da von den Faschisten als Lagerplatz missbraucht, sind auf dem alten jüdischen Friedhof in der Beutau nur noch wenige Grabsteine zu sehen. Die meisten wurden zerstört. Der Friedhof wurde im Jahre 1807 geweiht und 1874 wegen Platzmangels und wegen der bezüglich der jüdischen Bestattungsvorschriften ungünstigen Bedingungen aufgegeben.

Stolperstein für Elsbeth Süsskind
Die Esslinger Synagoge im Heppächer bestand seit 1819. Neben dem Gottesdienstraum bot er seit 1847 auch Platz für Jugendliche des Israelitischen Waisenhauses.

Äußerlich unbeschadet, die örtlichen faschistischen Funktionäre fürchteten bei Brandlegung wohl ein Übergreifen auf andere Altstadthäuser, wurden die Innenräume der Synagoge am Morgen nach der Pogromnacht, am 10. November 1938, völlig zerstört. Die gesamte Inneneinrichtung, der Thoraschrein mit seinen wertvollen Schriftrollen wurden zerstört; Kultgegenstände vernichtet oder geraubt. Das Haus wurde zu einem HJ-Heim umgebaut. Nach der Befreiung diente es kurze Zeit für Angehörigen der US-Armee wieder als Synagoge, in späteren Jahren wurde es als Jugendhaus und Kunstgalerie genutzt. Seit 2012 ist das Gebäude nach 73 Jahren wieder Synagoge und wird von der neugegründeten jüdischen Gemeinde für Gottesdienste, Veranstaltungen und Treffen genutzt.

Einige andere Orte sind für Geschichte des jüdischen Esslingen von Bedeutung. Zu nennen ist besonders das ehemalige Israelitische Waisenhaus, geleitet von dem weithin beachteten Pädagogen Theodor Rothschild, der 1944 im KZ Theresienstadt umkam.

Auch lohnt ein Rundgang zu den mittlerweile 40 Stolpersteinen in Esslingen, die dem Gedächtnis der jüdischen, kommunistischen und „Euthanasie“-Opfern des Faschismus gewidmet ist.

Die Esslinger VVN-BdA führt mit ihrem Kameraden Gerhard Voss gerne weitere Stadtführungen durch das jüdische Esslingen an. Bei Interesse bitte melden.

Dem antifaschistischen Rundgang durch das jüdische Esslingen soll bald eine Führung durch das rote / gewerkschaftliche Esslingen folgen.

Jens David

Fotos: Johannes Beck

Literatur:

Bergdolt, Klaus (2006): Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes, Verlag C.H. Beck, München.

Hartmann, Lukas (1992): Die Seuche, Diogenes Verlag, Zürich.

Hirsch, Rudolf / Schuder Rosemarie (1999): Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte, PapyRossa Verlag, Köln.

Schild, Thomas R. (2003): Jüdisches Esslingen. Einladung zu einem Rundgang, 3. Aufl. 2015, Verlag Medien und Dialog Klaus Schubert, Haigerloch.

Was kommt nach Idomeni?

Foto: Nicholas Ganz
Am 24. Mai 2016 begannen griechische Polizei und Armee damit, die mehr als 10 000 verbleibenden Flüchtlinge in dem größten europäischen Flüchtlingscamp Idomeni im Norden Griechenlands in andere Siedlungen zu transportieren. Die Lage dort war katastrophal und den Menschen steht eine ungewisse Zukunft bevor. Unter den Flüchtlingen herrscht Ratlosigkeit, Frustration und Depression. Doch auch die Wut steigt.

Erst in der Nacht vom 18. Mai kam es zu heftigen Ausschreitungen, als Flüchtlinge versuchten, mit einem Bahnwaggon als Rammbock die Grenze zu durchbrechen. Bald darauf wurden Stimmen laut, Idomeni zu schließen - doch eine Umsiedlung des Flüchtlingscamps war schon lange geplant.

Fotos und ein Bericht von Nicholas Ganz beim Umbruch Bildarchiv

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

ARGENTINIEN
In Argentinien hat ein Gericht 15 hochrangige frühere Militärs und Geheimdienstmitarbeiter zu Haftstrafen verurteilt. Ihnen wurden Beiteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Der durch die Panama-Papers in Bedrängnis geratene argentinische Präsident Mauricio Macri will sein auf den Bahamas geparktes Geld nun in Staatsanleihen in der Heimat investieren.

BRASILIEN
Der brasilianische Interimspräsident Michel Temer hat starke Einsparungen für das staatliche Wohnungsbauprogramm „Minha Casa, Minha Vida“ (Mein Haus, Mein Leben) angekündigt.

Der für Transparenz und interne Kontrolle zuständige Fabiano Silveira muss zurücktreten. Ihm selbst wird die Verstrickung in Korruption vorgeworfen.

KOLUMBIEN
Seit Montag befinden sich tausende Bäuerinnen und Bauern, Indigene und Angehörige afrokolumbianischer Gemeinden in einem unbefristeten Streik gegen die Politik der kolumbianischen Regierung.

PERU
In mehreren Städten Perus haben am Dienstag abend (Ortszeit) Tausende Menschen gegen die rechte Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori protestiert. Allein in der Hauptstadt Lima versammelten sich rund 30.000 Demonstranten, unter ihnen auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der linken "Frente Amplio" (Breite Front), Verónica Mendoza, die dazu aufrief, am Sonntag nicht für Fujimori zu stimmen.

PUERTO RICO
Tausende Puerto Ricaner haben für die Freilassung von Oscar López Rivera aus U.S. Gefangenschaft demonstriert. Organisiert wurde der Marsch anlässlich des 35. Jahrestages der Verhaftung Riveras vom Komitee für Menschenrechte Puerto Ricos.

VENEZUELA
Der von Venezuelas Regierung initiierte Dialog mit Vertretern der Privatwirtschaft stößt bei einer Mehrheit der Venezolanerinnen und Venezolaner auf Zustimmung. Laut dem Meinungsforschungsinstitut Hinterlaces befürworten 75 Prozent der Befragten, dass die Regierung und führende Produktionsfirmen des Landes gemeinsam über Lösungen für die angespannte wirtschaftliche Situation in dem südamerikanischen Land beraten.

In der Debatte um Spannungen zwischen Regierung und Opposition in Venezuela haben sich die Mitgliedsländer der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am Mittwoch für eine politische Lösung ausgesprochen.

Ein neuer Mordfall, in dem eine prominente Persönlichkeit des bolivarischen Lagers das Opfer ist, beschäftigt die Ermittlungsbehörden Venezuelas. Die Häufung von Morden, denen Persönlichkeiten der Linken dieses Jahr zum Opfer gefallen sind, ist auffällig.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 03. Juni 2016

2. Juni 1967: Polizeistaatsbesuch - Mord an Benno Ohnesorg

Heute vor 49 Jahren wurde in Berlin während der Proteste gegen den Besuch des Schahs von Persien der Student Benno Ohnesorg vom damaligen Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras erschossen. Aus dem Anlass ein Auschnitt aus dem Film Polizeistaatsbesuch und ein Verweis auf das Buch Der 2. Juni 1967. In diesem ist der Film auf DVD enthalten. Der Film zeichnet eine Chronologie einer minutiös geplanten Notstandsübung, die im Tod Benno Ohnesorgs gipfelte.

Solidaritätsaufruf aus Frankreich

Helft uns!
Die Bewegung der Arbeiter_innen und der Jugendlichen kann ihre Verletzten nicht mehr zählen. Es sind Hunderte und es ist ein Wunder, das es noch keine Toten gab.

Die Gewalt der französischen Regierung um den Widerstand zu brechen wird immer mehr. Diese Regierung wird immer drohender gegen unsere gewerkschaftlichen und politischen Organisationen, vor allem gegen die größte französische Gewerkschaft, die CGT. Was in Frankreich passiert, ist ein neues Kapitel in der Aggression, die sich in Europa und in der Welt gegen die Jugend und die Arbeiter_innen entfaltet, um die Interessen der Reichsten und der Bourgeoisie auf diesem Planeten zu bewahren.

Dies ist ein wichtiger Augenblick in der sozialen Schlacht und wir brauchen die Hilfe der Arbeiter_innen und Jugendlichen in Italien, Spanien, Algerien, China, Südkorea, Schweiz, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Schottland, Polen, Portugal, Marokko, USA, Türchei, Slovakei, Tschechien, Rumänien, Griechenland, Kanada, -“ überall dort, wo französische Unternehmen, die diese Regierung in dieser Agression gegen uns finanziert haben, wichtige Interessen haben.

Helft uns!
Die Profite des französischen Kapitalismus blockieren!
Kein Schiff darf Waren und Rohstoffe nach Frankreich verladen!
Kein Zug darf nach Frankreich fahren!
Kein LKW darf die Industrie- und Handelsmaschine des französischen Kapitalismus versorgen;
Kein Tropfen Öl, kein Kubikmeter Gas, kein Energieaustausch, bis die französische Regierung aufgehört hat, die Rechte der Arbeiter_innen anzugreifen. Bis dahin kein LKW, kein Zug, kein Schiff.

Protestiert vor den französischen Botschaften! Protestiert vor den französischen Unternehmen in Italien, vor den Einkaufszentren, den Fabriken! Vor allem gegen die französischen Banken (die Griechenland stranguliert haben)! Protestiert überall wo es französische Interessen gibt. Eure Herren sind unsere Herren und sie zählen auf unsere Spaltungen. Ein Sieg der Areiter in Frankreich wäre ein Sieg der Arbeiter_innen in Europa.

Es ist möglich.
Helft uns!!!

Pascal Pascal
Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich
SI Cobas Torino
Aus Frankreich

(Video Update über die Situation in Frankreich hier.)

Quelle: Labournet.tv via Syndikalismus, siehe auch Machtkampf in Frankreich spitzt sich zu

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