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»Facts do not cease to exist because they are ignored.« Aldous Huxley

Ein Brief von U.S. Friedensaktivisten an die Mitglieder des deutschen Bundestages und an die Menschen in den USA und in Deutschland

Start einer CL-289. Das System war eine der ersten deutschen ferngelenkten Drohnen und war von 1990 bis 2009 im Einsatz.
Foto: Karsten Franke - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de
Der Deutsche Bundestag wird in Kürze entscheiden, ob sein Militär bewaffnete Drohnen einsetzen wird. Dies ist keine untergeordnete Frage, da die ganze Welt in den Krieg gestürzt wurde, als die Nazis Europa angriffen, und weil faschistische und rechte Parteien erneut ernsthaft um die Macht in Deutschland kämpfen. Deutschland hat zu seiner Ehre den Aufruf von UN-Generalsekretär Antonio Guterres zu einem weltweiten Waffenstillstand während der Covid-19-Pandemie unterzeichnet und könnte sich weiter gegen den endlosen Krieg stellen, indem es sich weigert, an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit teilzunehmen, die per Drohne begangen werden.

Anti-Drohnen-Aktivisten forderten das Friedensbündnis The World can't wait auf, an den deutschen Bundestag zu schreiben und gegen den Einsatz bewaffneter Drohnen zu argumentieren. Es scheint, dass diejenigen von uns, die in den USA leben, einen besonderen Grund haben, sich dafür einzusetzen. Die US Regierung war immer schon weltweit führend bei der gezielten Tötung durch Drohnen, obwohl sich dieser Praxis gefährlicherweise bereits andere wie Israel angeschlossen haben. Mehr Länder, die Drohnenkrieg einsetzen, werden dieses Verbrechen nur noch verschärfen. Deutschland sollte diesem Verein nicht beitreten.

Members of Bundestag:

We write this open letter not only to you but also to the people of Germany and the United States.

The world has borne witness to the many deaths of innocent civilians caused by weaponized drones. Innocent children have lost their lives and families devastated by weaponized drones. The killing of these innocent civilians has caused resentment and hatred toward countries such as the United States and its allies who commit these war crimes. Those who live in areas where weaponized drones are in use suffer great distress. The sound of drones passing overhead cause horrific psychological consequences and is a use of terrorism to control populations.

Three U.S. presidents - Bush, Obama and now Trump, one after the other - have increased the use of weaponized drones against the populations of many countries, some of which don-™t even have their own air forces. This new strategy follows upon decades of endless hegemonic wars in the Middle East fought by the United States and its allies.

We, people living in the United States, are trying to stop current crimes being carried out by our government in our name. We need your solidarity, with us and with the peoples of the world, to truly bring an end to these endless wars. Please, say no to armed German drones!

The World Can-™t Wait

An die Mitglieder des Bundestages:

Wir schreiben diesen offenen Brief nicht nur an Sie, sondern auch an die Menschen in Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Die Welt weiß von den vielen Todesfällen unschuldiger Zivilisten, die durch bewaffnete Drohnen verursacht wurden. Unschuldige Kinder haben ihr Leben verloren und Familien wurden von Drohnenangriffen zerstört. Die Ermordung dieser unschuldigen Zivilisten hat zu Ressentiments und Hass gegenüber Ländern wie den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten geführt, die diese Kriegsverbrechen begehen. Diejenigen, die in Gebieten leben, in denen bewaffnete Drohnen eingesetzt werden, leiden unter großer Not. Das Geräusch von Drohnen, die über sie hinweg fliegen, verursacht schreckliche psychologische Konsequenzen und setzt so Terrorismus zur Kontrolle der Bevölkerung ein.

Drei US-Präsidenten - Bush, Obama und jetzt Trump nacheinander - haben den Einsatz von Drohnen mit Waffen gegen die Bevölkerung vieler Länder verstärkt, von denen einige nicht einmal ihre eigenen Luftstreitkräfte haben. Diese neue Strategie folgt auf Jahrzehnte endloser Hegemonialkriege im Nahen Osten, die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten geführt wurden.

Wir, die Menschen in den Vereinigten Staaten, versuchen zu verhindern, dass unsere Regierung in unserem Namen aktuelle Verbrechen begeht. Wir brauchen Ihre Solidarität mit uns und den Völkern der Welt, um diesen endlosen Kriegen wirklich ein Ende zu setzen. Bitte sagen Sie nein zu bewaffneten deutschen Drohnen!

The World Can-™t Wait
Anmerkung: Von einem Drohnenangriff alle 58 Tage unter Bush bis zu einem Drohnenangriff alle fünf Tage unter Obama beträgt die Zahl unter Trump derzeit einen Drohnenangriff alle 12 Minuten.


Übersetzung: trueten.de

Buchtipp: Odessa: Die wahre Geschichte - Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher

Der Name "Odessa" steht für eines der irritierendsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte: die massenhafte Flucht namhafter NS-Kriegsverbrecher - unter ihnen Adolf Eichmann, Klaus Barbie und Josef Mengele -, die sich mithilfe eines hoch organisierten Netzwerkes der Gerichtsbarkeit entziehen konnten.

Der argentinische Historiker und Journalist Uki Goñi hat auf der Basis langjähriger Recherchen in US-amerikanischen, argentinischen und europäischen Archiven bisher unbekannte Quellen erschlossen und durch 200 Zeitzeugeninterviews untermauert. Seine umfassende Untersuchung zeichnet nach, auf welchen - "Ratlines" genannten - Fluchtrouten und mithilfe welcher staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen es Tausenden von Nazis, Ustascha-Faschisten und Vertretern anderer europäischer Kollaborationsregime gelang, nach Lateinamerika zu entkommen.

Goñis Standardwerk legt erstmals den Blick auf das gesamte Panorama dieser komplexen Operation frei. Hauptaufnahmeland und zentrale Drehscheibe war das Argentinien unter Juan Domingo Perón. Die Fluchthilfeorganisation verfügte über Basen in Skandinavien, Spanien und Italien, aktive Hilfe leisteten Schweizer Behörden - und im Vatikan liefen alle Fäden zusammen.

Uki Goñi: Odessa: Die wahre Geschichte -“ Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher
Aus dem Englischen von Theo Bruns und Stefanie Graefe
ISBN 978-3-935936-40-8, 400 Seiten, Paperback, 22,00 Euro

Anlässlich der Neuauflage des Buches interviewte Victoria Eglau den Autor für den Deutschlandfunk.

8. Mai - 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg

Am 8. Mai, dem 75. Jahrestag zur Befreiung von Krieg und Faschismus, gedenken wir der Opfer des II. Weltkriegs und des Faschismus und ehren den antifaschistischen Widerstand. Ein Bündnis von über 30 Organisationen, darunter die VVN-BdA Baden-Württemberg, sowie die Kreise Stuttgart und Esslingen, ruft dazu auf, am Freitag, 8. Mai zwischen 17 und 19 Uhr Blumen und Kränze am Mahnmal für die Opfer des Faschismus (Stauffenbergplatz) niederzulegen. Die Aktion wird vom Bündnis mit Friedens- und antifaschistischen Liedern und kurzen Texten begleitet. Sie wird entsprechend den Corona-Schutzmaßnahmen (Abstand, Mundschutz) durchgeführt.

Im Aufruf des Bündnisses heißt es u.a.:

„Tatsächlich gibt es keinen Tag in der Geschichte Europas, der so viel Freude und Erleichterung ausgelöst hat, der gleichzeitig so teuer errungen werden musste, wie dieser 8. Mai 1945. Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Nazi-Terror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. Die Hauptlast des Krieges und der Befreiung trugen dabei die Menschen in der Sowjetunion. Millionen alliierte Soldaten, Frauen und Männer aus dem Widerstand, PartisanInnen und Kriegsverweigerer haben für diesen Tag ihr Leben riskiert und geopfert. Sie alle kämpften als Teil der Anti-Hitler-Koalition für eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung. Ihnen danken wir... Das Vermächtnis und der Auftrag des 8. Mai gebieten es, die Forderung „Nie wieder Faschismus -“ nie wieder Krieg!“ in den Mittelpunkt aller politischen Kämpfe zu rücken. Die vielen Opfer, die für den Tag der Befreiung erbracht werden mussten, geben uns diesen Auftrag: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ So lautete der Schwur der befreiten Häftlinge von Buchenwald. Diesem Schwur fühlen auch wir uns weiterhin verpflichtet: Nie wieder Faschismus und Krieg!“

In diesem Sinne ruft das Bündnis alle friedensliebenden und antifaschistischen Kräfte dazu auf, das Mahnmal am 8. Mai als einen Gedenkort sichtbar zu machen.

Quelle: VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen

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