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»Jeden Tag sorgen die Menschen dafür, dass die Haare ordentlich sitzen; warum tun sie das nicht auch mit ihrem Herzen?« Ernesto "Che" Guevara

Daniela Klette: Es geht um die Abrechnung mit dieser Widerstandsgeschichte

Vor dem Landesgericht Verden verlas die mutmaßliche frühere RAF-Militante Daniela Klette am Dienstag eine Prozesserklärung, die von der Tageszeitung junge Weltam 27. März 2025 dokumentierte:

Das Solidaritätsplakat zeigt Einen fünfzackigen roten Stern, an dem ein Kalaschnikov Sturmgewehr mit der Mündung nach rechts unten hängt. Auf den Stern fliegt ein Vogel zu, der wie eine Meise aussieht. Dazu der Text: "Die RAF ist Geschichte, die staatliche Hetzjagd geht weiter! Freiheit für Daniea Klette! Liebe und Kraft den Illegalen! Dazu noch der Hinweis auf die Webseite www.freiheit-fuer-daniela.de
Aktuelles Soliplakat.
Quelle
Ich schließe mich dem Einstellungsantrag meiner Verteidigung an. Dem möchte ich nur einige Sätze hinzufügen. Nach dem Ende des Projekts Stadtguerilla der RAF im April vor 27 Jahren, waren Burkhard Garweg, Volker Staub und ich mit der weiteren öffentlichen Fahndung nach den angeblich »letzten ehemaligen Militanten aus der RAF« durch das BKA konfrontiert. Burkhard Garweg wurde sogar erst nach der Auflösung der RAF in diese öffentliche Fahndung gezerrt. Das war die staatliche Antwort auf die Selbstauflösung der RAF, so wie schon zuvor Bad Kleinen – die Erschießung von Wolfgang Grams – und weitere lange Jahre Haft und hohe Verurteilungen gegen Gefangene aus der RAF und Widerstand die Antwort auf die Deeskalationserklärung der RAF von 1992 gewesen waren.

Wir haben uns dem Zugriff des Staates jahrzehntelang erfolgreich entzogen, was mir leider nur bis zum 26. Februar 2024 geglückt ist. Eine sehr wertvolle Zeit. Mit vielen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, und noch viel mehr positiven Erfahrungen. Diese haben mich in meiner Überzeugung gestärkt, dass eine bessere Welt, in der Menschen einander zugewandt leben, nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist, und sie tragen mich weiter durch alles das, was noch kommen wird. Heute möchte ich mich bei allen denen bedanken, die mit mir oder uns als Freund*innen oder liebe Bekannte zu unterschiedlichen Zeiten zusammen gewesen sind. Es war nicht einfach, nicht unsere wirkliche Geschichte offen machen zu können, aber das ist eine Regel der Illegalität zum Schutz aller. Dass so viele, mit denen ich befreundet oder nur bekannt war, völlig unvorbereitet die teils gewaltvolle Repression abbekommen haben und auch mit mehrmaligen Verhören drangsaliert wurden, tut mir leid. Ich hätte nicht erwartet, dass das so ausufernd und bedrohlich passieren würde. Ich hoffe, es geht den meisten von euch trotzdem wie mir, denn ich bin froh, euch kennengelernt zu haben. Am 26. Februar 2024 wurde ich aus meinem bisherigen Leben herausgerissen.

Im letzten Jahr habe ich dann durch die Ermittlungsakte Einblick in das ganze Ausmaß der uferlosen Fahndung nach uns bekommen. Hier nur ein paar Beispiele: Es gab Bespitzelung früherer Freund*innen und Genoss*innen, Hausdurchsuchungen und Observationen bei unseren Familien, die Verfolgung alter Bekannter in ihre Urlaube in andere Länder, Befragungen dort auf Campingplätzen und in Hotels und sogar Observationen bei Begräbnissen – viel fischen im Trüben eben.

Es müssen sich ganze berufliche Existenzen daran geknüpft haben, und es sind Unmengen Geld da rein geflossen. Das große Engagement zeigt: Das war und ist eine Jagd nach politischen Feind*innen und nicht einfach nach Räuber*innen. Die ganzen Jahre zuvor hatte die BKA-Fahndung nicht zum Ziel geführt, trotz eines Kopfgeldes von zeitweise einer Million DM. Die Bevölkerung war nicht besonders an der Jagd nach uns interessiert. Warum sollte sie auch? Die Menschen fühlten sich nicht von der RAF bedroht und schon gar nicht nach deren Auflösung von angeblichen ehemaligen Militanten.

2015 übernahmen dann das LKA Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft Verden die Federführung in der Fahndung nach uns im Zusammenhang mit Geldraubaktionen und stellten sie unter die Überschrift: »Mordversuch«. So sollte in der Öffentlichkeit endlich eine Dringlichkeit der Jagd nach uns wegen unserer angeblichen »Gemeingefährlichkeit« vermittelt werden.

Das wurde durch die intervallmäßigen Fahndungsaufrufe in »Aktenzeichen XY« oder auch in verschiedensten Fernsehreportagen – oft an Jahrestagen, die mit der Geschichte der RAF zu tun hatten – immer wieder aufgefrischt. Natürlich ging es dabei immer um die RAF und nicht nur um Geldraubaktionen. Nach meiner Verhaftung geht das von maßloser Hetze begleitet gegen Burkhard und Volker weiter. Das alles ist nur eine Potenzierung dessen, was die ganzen Jahre davor ohne große Öffentlichkeit lief.

Als krasses Beispiel für die Diffamierung und Hetze gegen uns sehe ich, dass meine Nachbar*innen evakuiert wurden mit der Lüge, in meiner Wohnung sei Sprengstoff gelagert gewesen. Sie sollten sich so fühlen, als hätte ich sie jahrelang auf ein Pulverfass gesetzt und ihr Leben gefährdet. Das fällt meiner Meinung nach mindestens unter Psychoterror, wenn Alte, Kranke, Kinder und alle anderen mehr als eine eisig kalte Nacht in dafür bereitgestellten Bussen draußen verbringen müssen, immer in der Sorge, gleich könnte ihre Wohnung in die Luft gehen – alles um Angst und Schrecken zu verbreiten – vor uns! Dabei war schon am Tag der Durchsuchung völlig offensichtlich, dass es eine solche Gefahr nicht gab.

Mit der Lüge dieser großen Gefährdung war dann gleich eine Rechtfertigung da, für den martialischen Einfall auf den Bauwagenplatz, auf dem sie Burkhard vermuteten, sowie für x Durchsuchungen in Berlin mit militärischem Aufgebot, rabiatem Verhalten und Zerstörungswut. Mich haben sie jetzt, und das ganze Getöse um meine fürchterliche Gefährlichkeit soll eine hohe Verurteilung zwingend erscheinen lassen und den nächsten Prozess, in dem ich von der Bundesanwaltschaft angeklagt und von einem Oberlandesgericht verurteilt werden soll wegen verschiedener militanter Aktionen gegen imperialistischen Krieg, Knast und Kapital, in diesem Sinne vorzubereiten. Und es soll die weitere Hetze gegen Burkhard und Volker rechtfertigen.

Schon dieser Prozess hier wird nicht gegen mich geführt, sondern es geht einmal mehr um die Aburteilung der RAF, die seit 27 Jahren Geschichte ist; es geht um die Abrechnung mit dieser Widerstandsgeschichte von fundamentaler Opposition. Es geht aber auch um Abschreckung, die in die Zukunft zielt. Jeder Gedanke an grundsätzlichen Widerstand, der dieses kapitalistische Herrschaftssystem überwinden will, soll mit der Drohung von Lebensvernichtung durch jahrelange Gefangenschaft abgewürgt werden. Das Herausstellen der unbedingten Notwendigkeit, mit der wir verfolgt werden müssten, erklärt sich sowieso nur aus diesem größeren Zusammenhang.

Wir leben in einer weltweit sich zuspitzenden Situation – in der kapitalistischen Krise kämpft der Westen gegen den drohenden Niedergang seiner weltweiten Hegemonie und um die erneute Machtverteilung. Europa soll unter Führung der BRD hochgerüstet und kriegsfähig werden. Aktuell reißen die täglichen Schreckensmeldungen über Milliarden von Geldern, die die neue Kriegstreiberregierung für Rüstung – d. h. für riesige Gewinne der Rüstungsindustrie sowie für Infrastrukturmaßnahmen bereitstellen will. Wer bei letzterem auf die Reparatur maroder Schulgebäude, eingestürzter Brücken, auf Klimaschutzmaßnahmen, sozialen Wohnungsbau, auf Frauenhäuser zum Schutz vor fast täglich stattfindenden Femiziden, auf den Ausbau der Gesundheitsversorgung oder des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs hofft, wird sich irren. Das Militär braucht fette Straßen, Energie, Telekommunikation, KI und keine Brücken, über die auch Straßenbahnen tuckern. Was hierbei herauskommen wird, ist »Verelendung durch Militarisierung«. Die Gesellschaft soll auf Kriegstüchtigkeit und Verzicht eingeschworen werden. Dafür werden täglich Kriegsängste vor »den Russen« geschürt, als stünden diese schon waffenstarrend vor Berlin. Es wird ein Denken propagiert, jeder Konflikt könnte nur durch militärischen Sieg, den Gegner zu Boden ringen beziehungsweise zu »ruinieren«, gelöst werden. »What ever it takes«, und sei es der Tod von Millionen von Menschen. Denn hier geht es um Krieg mit Massenvernichtungswaffen, KI-gestützt bis hin zum atomaren Super-GAU.

Systematisch wird die Menschheit verroht – das Mittelmeer als Massengrab geflüchteter Menschen soll als normal gelten. Und auch der seit anderthalb Jahren in Fernsehen und Internet übertragene, durch Israels rechtsextreme Regierung begangene Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung und ihre zu Schutthalden zerbombten Lebensbedingungen sollen als normal hingenommen werden.

Dieser Genozid wird von verschiedenen internationalen Organisationen als solcher benannt und von Anfang an im Süden der Welt und heute immer mehr auch im Westen von unterschiedlichsten, darunter auch vielen jüdischen Menschen als herausragendes Menschheitsverbrechen verstanden und angeklagt. Unbeirrt davon wird besonders in Deutschland diese Haltung verfolgt und mit übelsten Verleumdungen wie Antisemitismusvorwürfen belegt. Solidarität mit den Palästinenser*innen gegen diesen Krieg soll mundtot gemacht werden. Anstatt zumindest die Lieferung von Rüstungsgütern an Israel einzustellen und ein Ende des Genozids zu fordern.

Wer Kriegsertüchtigung will, der braucht die sich ausbreitende Empathielosigkeit, auch was alle anderen aktuellen Kriege betrifft. So erdreistet sich der Bundesnachrichtendienst, öffentlich festzustellen, dass für Deutschland eine Fortsetzung des Krieges zwischen der Ukraine und Russland bis 2029 wünschenswert wäre!!! Alle Kriege, die weltweit um die Neuaufteilung der Machtbereiche und Rohstoffe für kapitalistisches Wirtschaftswachstum geführt werden, werden durch Waffenlieferungen aus Europa und den USA unterstützt und befeuert.

Solidarität in der Gesellschaft soll durch rechte und rassistische Hetze ausgemerzt werden. Unterstützung für Geflüchtete, Menschen ohne Arbeit oder aus anderen Gründen auf öffentliche Hilfe Angewiesene, die für ein menschenwürdiges Dasein ausreichend gewährt wird, soll nicht mehr als gesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Die Hetze gegen Geflüchtete und angebliche Schmarotzer von vor der letzten Wahl, klingelt immer noch in den Ohren. Selbst wenn alle Sozialleistungen zusammengestrichen werden, bedeutet dies keinerlei Verbesserung für die, die noch Arbeit haben. Queerfeministische Errungenschaften sollen zurückgedrängt werden, so sehr es auf der Hand liegt, dass hier eine breite, vielfältige und entschiedene Widerstandsbewegung gebraucht wird, um diese zerstörerische Entwicklung aufzuhalten und umzudrehen, so sehr wird von Kriegstreiberseite alles darangesetzt, solch eine Bewegung nicht zustande kommen zu lassen. Immer mehr Antifas, antikapitalistische und Klimaaktivist*innen, kurdische und türkische Genoss*innen befinden sich in den Gefängnissen. Es werden massenhaft Verfahren gegen Menschen aus der Palästina-Solidarität geführt, und es gibt wieder Berufsverbote gegen linke Aktivist*innen. Das ist der aktuelle politische Hintergrund, den ich hier nur bruchstückhaft anreiße, auf dem dieser Prozess stattfindet.

Die Behauptung, es wäre eine skrupellose Bande, die für Geld über Menschenleben gehen würde – es seien so ein paar Gemeingefährliche, die vom damaligen Aufbruch übriggeblieben wären – soll der Delegitimierung von Widerstandsgeschichte dienen. Mit der Realität hat das nichts zu tun!

Dazu zitiere ich Burkhard Garweg: »Das Bild, das zu erzeugen versucht wird, beschreibt eine gewalttätig marodierende Räuberbande, die für die Allgemeinheit gefährlich und auch zum Töten bereit sei – und das nur für Geld … Es gibt keinen Grund, dem Polizei- und Justizapparat irgend etwas zu glauben, weil sie davon geleitet sind, Fundamentalopposition zu delegitimieren, und davon, ein Klima zu erzeugen, in dem staatliche Gewalt und Repression gerechtfertigt erscheinen.«

Ich fordere die sofortige Einstellung der hetzerischen Fahndung gegen Burkhard Garweg und Volker Staub in allen Medien und auf allen öffentlichen Plätzen! Immer wieder gibt es aufgeregte Polizeigroßaktionen, weil einer der beiden von kopfgeldgeilen Denunzianten gesehen worden sein sollen. Ein Erfolg von Polizei- und Medienhetze. Das ist absolut bedrohlich und verantwortungslos und muss sofort aufhören.

Zurück zum Prozess: Die Anklagebegründung, die Haftbedingungen, die – auch wenn es sich nicht mehr wie anfangs um Isolationshaft handelt – teils von wirren und hysterischen Sicherheitsmaßnahmen bestimmt sind, die mediale Begleitung – alles vermittelt, hier müsse die RAF niedergehalten werden. Systematisch wird mir die für mich so wichtige politische Diskussion sowie die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Freundschaften ernsthaft erschwert. Offensichtlich ist es die Absicht der Justiz, mich zu schwächen.

Warum sonst werden Besuchsanträge unter absurden Begründungen abgelehnt, Besucher*innen, die ich gerade etwas kennengelernt habe oder mit denen es mir anfing zu gelingen, die drei bis vier Zuhörer*innen von BKA, LKA und JVA auszublenden und ein normales Gespräch zu führen, werden mit Besuchsverboten wieder von mir ferngehalten. Viele, die sich trauen, mich zu besuchen, werden danach entweder von der Staatsanwaltschaft oder dem BKA verhört und mit empfindlichen Geldstrafen bei Aussageverweigerung verfolgt. Die Ermittlungsbehörden haben hier offensichtlich einen Freibrief. Alles, was von ihnen mir gegenüber kommt, soll mich niederdrücken.

Das Vorhaben, das hier als ganz normales Strafverfahren zu behandeln, war von Anfang an verloren. Niemand glaubt daran. Weder die, die mir viele Jahre Knast wünschen, weil ich – wie viele andere auch – immer noch den Kapitalismus und Patriarchat als menschenverachtend, lebensfeindlich und naturzerstörend ablehne, noch die, die sich für mich und uns interessieren oder sich sogar in Solidarität mit uns verbunden fühlen.

Ich danke allen, die heute hierhergekommen sind oder von weiter weg ein solidarisches Auge darauf werfen, was hier geschieht. Ich bin mir meiner Lage durchaus bewusst. Dieser Prozess wird mit politischem Kalkül geführt, trotz gegenteiliger Behauptungen. Was soll ich hier also erwarten?

Quelle: junge Welt, 27.03.2025

Zeitungen, die zum Thema berichten:


Gefangenen-Info (Zeitschrift)
Rote Hilfe Zeitung (Zeitschrift)
Junge Welt (Tageszeitung)
ND (Tageszeitung)
analyse & kritik (Monatszeitung)

Berlin: Tag der politischen Gefangenen - Free all Antifas!

Das Foto von © Björn Obmann zeigt einen Blick auch die Demo vor der JVA Moabit, das Fronttransparent "Freiheit und Glück für Nanuk - Free all Antifas". Dahinter das Hochtransparent der FAntifa sowie der Text  "Feministisch - Antipatriarchal - Antisexistisch" sowie weitere Seitentransparente und zahlreiche Menschen.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Am 18. März 2025 fand die diesjährige Demonstration zum Tag der politischen Gefangenen in Solidarität mit Nanuk an der JVA Moabit statt. Rund 250 Antifaschist*innen solidarisierten sich mit allen Antifas, die in Gefängnissen sitzen, im Untergrund leben oder Repressionen ausgesetzt sind. Sie forderten die Freilassung aller politischer Gefangenen und die Rückkehr von Maja, die illegal nach Ungarn ausgeliefert wurde und dort unter menschenrechtswidrigen Verhältnissen gefangen gehalten wird und keine Chance auf ein faires Verfahren hat.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


18. März: Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Sharepic zum Tag der politischen Gefangenen 2025  in Stuttgart: Der Text: "Am 18. März und darüber hinaus: Freiheit für alle politischen Gefangenen! Dienstag, 18. März, 17:30 vor der JVA in Stammheim
Quelle:Rote Hilfe Stuttgart
Der 18. März als internationaler Kampftag für die Freilassung aller politischen Gefangenen knüpft an eine lange Tradition der revolutionären ArbeiterInnenbewegung an.

Am 18.3.1848 stand das sich gerade entwickelnde Proletariat auf den Barrikaden, 23 Jahre später, am 18.3.1871, kam es zum ersten Mal zu einer breit in der verarmten Bevölkerung verankerten Zerschlagung parlamentarisch-monarchistischer Machtstrukturen durch die proletarische Klasse. An diesem Tag griffen die Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zu den Waffen und schufen für einen kurzen Zeitraum eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, die als Pariser Commune bekannt wurde. Nach nur 71 Tagen wurde der Versuch, sich von den Fesseln der Herrschaft zu befreien, brutal niedergeschlagen.

Die militärisch hochgerüstete Reaktion übte nach ihrem Sieg über die Kommunard_innen blutige Rache. Mehr als 20.000 Männer und Frauen wurden getötet, über 13.000 Menschen zu meist lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Doch im kollektiven Gedächtnis der sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen blieb die Commune nicht in erster Linie als Niederlage haften, sondern als die Geschichte eines gemeinsamen Aufbruchs. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein galt der 18. März als „Tag der Commune“.

1923 erklärte die ein Jahr zuvor gegründete Internationale Rote Hilfe (RHI) den Tag zum „Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. Der Faschismus jedoch sollte dieser Tradition ein Ende setzen.

1996 initiierte der „Förderverein Libertad! für internationale Kommunikation und Solidarität“ zusammen mit der Roten Hilfe e.V. zum ersten Mal wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen. Seitdem werden an diesem Tag vielfältige Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt; die Rote Hilfe versucht mit der jährlichen Sonderausgabe zum 18. März, den politischen Gefangenen eine Stimme zu verleihen sowie den verschiedenen Solidaritäts- und Antirepressionsinitiativen eine Plattform zu bieten, um die Themen „Staatliche Repression“ und „Politische Gefangene“ ins Bewusstsein zu rufen.

Auch 2025 gibt es bundesweit gibt es viele Aktionen, an denen ihr euch beteiligen könnt. Eine Übersicht gibt es beim Bundesvorstand der Roten Hilfe.


Im Halbuntergrund oder: Anmerkungen zur Unbekanntheit im Zeitalter der algorithmischen Überwachung

Eine Person sitzt auf einer mit Stacheldraht bewehrten Mauer und schaut auf eine Stadt, die in der Dämmerung liegt. Dunkel Wolken am HImmel, am Horizont geht die Sonne auf.
Grafik © Thomas Trueten
Als die Nazis 1940 in die Niederlande einmarschierten, um sie zu besetzen, begann Jaap van Leeuwen, sich Namen zu merken. Erst Anfang des Jahres hatte er eine Zeitschrift für Schwule mit dem Titel Levensrecht (Recht auf Leben) gegründet, und er wusste, wie wir heute wissen, dass Schwule zu den ersten Zielen des Faschismus gehören. Also lernte er die Namen und Adressen aller 190 Abonnenten der Zeitschrift auswendig und verbrannte dann die Liste. Gut, dass er das tat – er verbrachte während der Besatzung sieben Monate in Gefangenschaft und sein Haus wurde von den Faschisten durchsucht.

Wie so viele Menschen, die in den 1940er Jahren in Europa lebten, führte er während der Besatzung ein Doppelleben, damit seine Widerstandstätigkeiten nicht aufgespürt werden konnten. Er und seine Freunde hatten jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie waren es gewohnt, ein Doppelleben zu führen – sie waren homosexuell. Sie lebten ein Leben über der Erde und eines im Untergrund.

Als die Besatzung endete, schrieb er diese 190 Namen auf und die Zeitschrift wurde für diejenigen, die überlebt hatten, wieder veröffentlicht.

Unter einem autoritären Regime brauchen wir andere Sicherheitsprotokolle als unter einer kapitalistischen Demokratie. Und in einer Ära der algorithmischen Polizeiarbeit und Überwachung reichen Ober- und Untergrund möglicherweise nicht mehr aus. Wir brauchen vielleicht etwas dazwischen. Wir brauchen vielleicht eine Version von uns selbst, die nicht so sicher ist wie ein Leben im Untergrund, aber für die algorithmische Verfolgung undurchsichtig ist. Zwischen dem Ober- und dem Untergrund brauchen wir einen Halbuntergrund.

Wir alle wissen auf irgendeiner Ebene, wie unsere digitalen Fußabdrücke aussehen. Sie werden uns in Form von Werbung, empfohlenen Liedern und Videos sowie Social-Media-Beiträgen, die auf unsere Interessen zugeschnitten sind, zurückgespiegelt.

In einer Zeit, in der Unternehmen andere Interessen haben als der Staat, scheint es nicht sehr gefährlich zu sein, unsere Daten freiwillig an Unternehmen wie Google, Apple, Meta, Spotify, Amazon und andere weiterzugeben, damit diese sie auswerten können. Zumindest für uns in den Vereinigten Staaten bricht jedoch eine Ära des offenen Faschismus an. Milliardäre, die die Technologiebranche repräsentieren, stellen sich hinter Trump und beugen sich bereitwillig dem Staat, um ihre Unternehmensinteressen zu schützen. Wir treten in eine Ära der automatisierten Polizeiarbeit und der algorithmischen Überwachung ein. Es ist unsere Pflicht, uns entsprechend zu verhalten.

In diesem Essay werden wir zwischen „sicher“ und „obskur“ unterscheiden. Sichere Kommunikation soll für Gegner völlig unlesbar sein. Obskur soll lediglich schwerer zu finden und zu katalogisieren sein. Dies ist kein Leitfaden für ein sicheres Leben im Untergrund, sondern eher erste Überlegungen zu einem obskuren Leben im Halbuntergrund.

Diese Sicherheitsmethode schlägt vor, sich unser Leben (zumindest unser digitales Leben) in drei Kategorien unterteilt vorzustellen. Das A-Leben, das B-Leben und das C-Leben. Dein A-Leben ist dein oberirdisches Leben, das leicht nachverfolgt werden kann und dessen Daten routinemäßig in die algorithmische Verfolgung eingespeist werden. Dieses Leben hinterlässt einen riesigen digitalen Fußabdruck. Dein C-Leben ist dein Untergrundleben. Es soll überhaupt keine Spuren hinterlassen und ist der Bereich, in dem jedes tatsächliche Verbrechen, das du begehen möchtest (z. B. direkter Widerstand gegen einen faschistischen Staat), stattfinden würde. Dein B-Leben ist dein Halbuntergrundleben, in dem unter einem autoritären Regime wahrscheinlich der Großteil deines Sozial- und Online-Lebens stattfinden sollte. Hier wirst du einige Spuren hinterlassen, aber keine, die von Maschinen leicht kategorisiert und sortiert werden können.

A Leben

Dein A Life (dein Algorithmus-Leben) umfasst deinen Mietvertrag, deine Hypothek, deine Autokredite und all deinen Papierkram. Es umfasst alle öffentlich zugänglichen sozialen Medien, sicherlich auch X, Facebook, Instagram und TikTok (und schließt deine privaten Konten ein, da deine Daten für die Unternehmen, die die Plattformen betreiben, nicht privat sind). Dein A Life umfasst Finanztransaktionen über Kreditkarten oder Apps wie Venmo und Cashapp (und nicht nur Transaktionen, die für die Öffentlichkeit sichtbar sind). Dein A-Leben umfasst alle deine Bonuskarten, abgesehen von den Stempelkarten in deinem örtlichen Café. Dein A-Leben umfasst alles, was du per unverschlüsselter E-Mail sendest, insbesondere Gmail. Dein A-Leben umfasst alles, was du in Google eingibst oder was du in anderen Tabs machst, während du bei Google angemeldet bist (es sei denn, du verwendest eine Art Container, um es isoliert zu halten). Dein A-Leben erstellt ein Profil von dir, das normalerweise für Werbetreibende, aber wahrscheinlich auch für die Polizei und den Staat verfügbar ist.

Je heller das Licht, desto tiefer die Schatten. Der Zweck deines A-Lebens ist es, hell genug zu leuchten, um den Rest deiner Aktivitäten zu verschleiern. Der Staat, der auf automatisierte Profile angewiesen ist, bemerkt möglicherweise nicht die Aktivitäten, die schwieriger zu durchleuchten sind.

Es ist nützlich, ein A-Leben zu haben. Wenn jemand über Nacht von allen Plattformen verschwindet, könnte dies bei Überwachungsmechanismen leicht rote Flaggen hissen.

Für die meisten Menschen und für die meisten Zwecke besteht das Ziel deines A-Lebens nicht darin, blitzsauber und patriotisch zu erscheinen. Sicher, Menschen, die sich einem Leben im Widerstand verschrieben haben, möchten ihre oberirdische Persona vielleicht so ansprechend wie möglich gestalten, aber im Allgemeinen ist es von Vorteil, wenn Meinungsverschiedenheiten mit dem Status quo deutlich sichtbar sind. Die Faschisten wollen, dass Schwule und andere marginalisierte Menschen aus dem öffentlichen Leben verschwinden, und ich bin nicht der Typ, der den Faschisten das gibt, was sie wollen.

C-Leben

Die meisten Menschen werden wahrscheinlich kein C-Leben (ihr kriminelles Leben) brauchen. Zu deinem C-Leben gehört alles, von dem du hoffst, dass es völlig unauffindbar ist. Dieser Aufsatz ist kein Leitfaden für ein C-Leben, für das Maß an Sicherheit, das notwendig ist, um in einem modernen autoritären Staat kriminell zu handeln. Zumindest wäre eine Ende zu Ende Verschlüsselung mit verschwindenden Nachrichten und/oder persönliche Treffen ohne Telefone erforderlich, aber es gehört weitaus mehr dazu, dem modernen Staat zu entgehen, wenn er aktiv nach dir sucht. Ich habe das noch nie gemacht und kann hier keinen Rat geben.

B-Leben

Leider ist mir nichts Nettes eingefallen, wofür „B-Leben“ stehen könnte, aber es ist das Hauptthema dieses Aufsatzes. Der Zweck des B-Lebens, dem Halbgrund, besteht darin, ein möglichst erfülltes und normales Leben zu führen und dabei seinen digitalen Fußabdruck zu kontrollieren und zu begrenzen. Um den Halbgrund zu bevölkern, müssen wir ihn so einladend wie möglich gestalten. Es muss klar sein, dass es nicht nur politisch wertvoll ist, für den Staat im Verborgenen zu agieren, sondern dass es auch eine bessere und erfüllendere Lebensweise ist.

Beachte, dass dieser Aufsatz keine vollständige Anleitung ist, wie man im Halbdunkel lebt, sondern lediglich eine Reihe von Grundsätzen und einen Entwurf für erste Schritte, die wir unternehmen könnten.

Einige Ideen, wie man sich am Halbdunkel beteiligen kann:


  • Priorisiere persönliche Kommunikation und Geselligkeit

  • Nachrichten nur per Signal: Keine digitale Kommunikation ist absolut sicher, aber Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation kann nicht in Algorithmen eingespeist werden

  • Vermeide soziale Medien: Jede Online-Diskussion, die nicht speziell verschlüsselt ist, sollte nur auf Plattformen stattfinden, die Anonymität gewährleisten, das Geschriebene nicht nachverfolgen und nicht öffentlich sichtbar sind.

  • Bezahle alles in bar: Alles, was mit einer Karte oder einem Online-Konto gekauft wird, ist eine A-Life-Transaktion.

  • Degoogle dein Leben: Auch wenn es notwendig sein könnte, ein Gmail-Konto für dein A-Leben zu führen (für die Arbeit, für Behördengänge oder andere Zwecke), solltest du deine gesamte andere E-Mail-Korrespondenz auf Nicht-Google-Konten verlagern, insbesondere auf End-to-End-Lösungen wie Protonmail.

  • Verwende einen sicheren Browser: Firefox und Brave sind auf Sicherheit und Datenschutz ausgelegt. Brave ist noch stärker auf den Datenschutz ausgerichtet, basiert aber auf der Google-Architektur. Verwende Container, um Websites zu isolieren, die versuchen, dich zu tracken.

  • Verschlüssele deine Festplatte und verwende nur verschlüsselten Cloud-Speicher

  • Verteile Medien auf alternative Weise: Dieser auf Substack veröffentlichte Aufsatz ist nicht Teil der Demiground-Kultur. Die Demiground-Kultur wird nicht in den sozialen Medien veröffentlicht, sondern über Signal, verschlüsselte E-Mails und vor allem persönlich verbreitet. Zeitschriften könnten über Signalgruppen, die nur Ankündigungen verbreiten, oder bei persönlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen verteilt werden.

  • Wegweiser für den Demiground im Aboveground: Das Ziel des Aufbaus einer Demiground-Kultur ist es, mehr Menschen dabei zu helfen, das Tracking hinter sich zu lassen. Die Teilnahme am Aboveground, um Menschen zu ermutigen, sich dem Demiground anzuschließen, ist es wert, getan zu werden.

Es gibt andere Schritte, die notwendig oder ratsam sein können oder auch nicht, wie z. B. der Wechsel von Windows oder MacOS zu Linux. In der Vergangenheit waren Unternehmen wie Google und Apple aus sicherheitstechnischer Sicht eigentlich recht wertvoll, da es in ihrem Interesse lag, ihre Unternehmenskunden vor staatlicher Übervorteilung zu schützen. Es ist schwer zu sagen, wie sicher sie in der heutigen Zeit sind und bleiben werden, da sich Technologieunternehmen mit dem Staat anfreunden. Und einige der Besonderheiten des Umgangs mit dem Halbuntergrund werden sich im Laufe der Zeit ändern, wenn neue Tools entwickelt werden (z. B. ein System für digitale Zahlungen, das nicht so leicht nachverfolgt werden kann).

Natürlich gibt es Menschen, die bereits in einer Art Halbuntergrund leben. Aktivisten, die direkte Aktionen durchführen, Sexarbeiter und Kriminelle haben im Laufe der Generationen Werkzeuge und bewährte Verfahren entwickelt, um halb im Untergrund zu leben. Diese Idee stammt nicht von mir, aber ich denke, dass sie angesichts des zunehmenden Autoritarismus vielleicht weiter verbreitet werden sollte.

Der Faschismus ist nicht mehr nur am Horizont zu sehen, er ist bereits da. Um uns und unsere Gemeinschaften zu schützen, müssen wir uns für den Staat weniger transparent machen, ohne dabei völlig zu verschwinden. Und um uns und unsere Gemeinschaften zu schützen, müssen wir bereit sein, uns einige Namenslisten zu merken und zu verbrennen.

Und wenn wir dabei in der Lage sind, stärkere persönliche Bindungen aufzubauen, umso besser.

Quelle: Margaret Killjoy, in Birds Before the Storm: "Into the Demiground or: notes on obscurity in the age of algorithmic surveillance ", 12. März 2025

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, sollten Sie ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung [Autorisiert]: Thomas Trueten


Wendepunkt im kurdischen Freiheitskampf?

Öcalan fordert Auflösung der PKK, aber die Türkei könnte sich weigern, ihn freizulassen

Das Bild zeigt eine Demonstration mit vielen Fahnen, auf denen ein Bild Öcalans zu sehen ist sowie der Forderung nach dessen Freilassung
Screenshot: ANF
In einer historischen Erklärung forderte der inhaftierte Gründer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, die Entwaffnung und Auflösung der Organisation. Als Reaktion darauf erklärten die PKK-Führer einen sofortigen Waffenstillstand und bezeichneten ihn als Beginn eines „neuen historischen Prozesses“. Sie knüpften die vollständige Auflösung an die Freilassung Öcalans, damit dieser den Prozess persönlich überwachen kann. Die türkische Regierung fordert seit langem die einseitige Entwaffnung der PKK und lehnt frühere Friedensangebote ab.

Sollte die Türkei Öcalan freilassen, wäre dies die bedeutendste Wende im kurdischen Kampf seit vier Jahrzehnten und ein wichtiger Schritt zur Beendigung eines Konflikts, der über 40.000 Menschenleben gefordert hat.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat signalisiert, dass Öcalans jüngster Aufruf nicht zu neuen Verhandlungen führen wird, sondern Ankaras Forderung nach der bedingungslosen Auflösung der PKK bekräftigt. Gleichzeitig hat die türkische Regierung die Waffenstillstandserklärungen als historische Chance für den Frieden dargestellt und strebt im Rahmen ihres Bestrebens nach größerem regionalen Einfluss nach innerer Stabilität. Insbesondere wurde eine mögliche Verfassungsänderung vorgeschlagen, die eine politische Unterstützung der Kurden erfordert, um Erdoğans Amtszeit über die derzeitige Amtszeit hinaus zu verlängern.

Im Oktober letzten Jahres wurde berichtet, dass Öcalan eine Bewährung gewährt werden könnte, wenn die Gruppe sich zur Auflösung bereit erklärt. Im Dezember wurden die diplomatischen Bemühungen intensiviert, darunter ein Vorschlag zur Freilassung Öcalans zusammen mit einem 14 Milliarden Dollar schweren Entwicklungsplan für kurdische Gebiete.

Multipolare Politik

Die PKK ist nur eine Facette des kurdischen Widerstands, der sich über mehrere Länder erstreckt und verschiedene politische und soziale Kämpfe umfasst. Innerhalb der PKK hat Öcalans Einfluss abgenommen, da die militärischen Anführer mehr Autonomie erlangt haben und einige Fraktionen eine Entwaffnung ohne politische Garantien ablehnen. Andere argumentieren, dass eine Erklärung aus dem Gefängnis die über mehrere Länder verteilten Kämpfer der Organisation nicht binden kann.

In Syrisch-Kurdistan ist die SDF, die sich hauptsächlich aus den Volksverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) zusammensetzt, die ideologische Wurzeln mit der PKK teilen, ein wichtiger Verbündeter der USA bei der Bekämpfung des IS in Syrien. Die von der SDF kontrollierten Gebiete gehören zu den sichersten für Frauen, ethnische Minderheiten und religiöse Gruppen. Die zunehmende Abhängigkeit der SDF von der Unterstützung der USA hat jedoch die sozialrevolutionären Aspekte des Rojava-Projekts gefährdet. Die SDF begrüßte den Aufruf zur Entwaffnung als Schritt in Richtung Frieden, doch türkische Beamte forderten die Auflösung aller mit der PKK verbundenen Gruppen in Syrien und im Irak, einschließlich der YPG/YPJ und der Partei der Demokratischen Union (PYD).

Unterdessen sieht sich die Regierung von Rojava existenziellen Bedrohungen durch von der Türkei unterstützte Milizen und anhaltende Luftangriffe auf kritische Infrastrukturen ausgesetzt, was sie zwingt, sich zu entscheiden, ob sie die Integration in einen neuen syrischen Staat unter islamistischer Herrschaft akzeptiert oder sich der Vernichtung durch türkische Bombardierungen stellt. Die Strategie der Türkei scheint darauf abzuzielen, die kurdische Selbstverwaltung durch die Zerstörung wesentlicher Ressourcen wie Wasserversorgung und Kraftwerke zu untergraben.

Öcalan hatte bereits 2013 während der Friedensgespräche mit der türkischen Regierung zur Entwaffnung aufgerufen, was zu einem Waffenstillstand führte, der bis Juli 2015 andauerte. Der Zusammenbruch des Waffenstillstands führte jedoch zu einigen der tödlichsten Kämpfe des Konflikts mit erneuten Feindseligkeiten in der Türkei, im Nordirak und in Syrien.

Im Gegensatz zu diesem früheren Versuch hat dieser jüngste Aufruf – der am 26. Jahrestag der Gefangennahme Öcalans verkündet wurde – weitreichendere Auswirkungen auf das sich verändernde Kräfteverhältnis im Nahen Osten. Es bleibt jedoch ungewiss, ob die Entwaffnung der PKK den Kurden eine echte politische Selbstbestimmung bringen könnte – oder einfach nur ein weiteres Kapitel in der anhaltenden Kampagne der Türkei gegen die kurdische Existenz darstellt.

Quelle: Analyse von Blade Runner via freedomnews.uk

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]


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