trueten.de

»Das sind meine Prinzipien, und wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.« Julius Henry "Groucho" Marx

Achte Anarchistische Buchmesse Mannheim vom 14. bis 17. Mai 2026

Das SharePic zur 8. anarchistischen Buchmesse in Mannheim zeigt das Jugendzentrum Forum auf der rechten Seite und links 3 Wellen, deren Schaumkronen aus lauter Anarchie Ⓐ besteht sowie Angaben zur Messe und den Veranstalter:*Innen

Tübingen: Gewerkschaftlicher Protest gegen Lohnraub!

Die Freie Arbeiter:innen Union (FAU) Stuttgart informiert über einen frechen Fall von Lohnraub:

Das SharePic zeigt ein Werbeschild des Hofladens mit dessen Öffnungszeiten. Dazu der Text: "Seit Monaten ausstehende Forderungen nach Lohn und Arbeitszeugnis: Berghof Tübingen: So geht's nicht! Am 28.4. 17 Uhr Protest am Hof, wenn nicht alle Forderungen erfüllt sind!" sowie die url: stuttgart.fau.org/tuebingen

Seit Monaten bittet unser Mitglied wiederholt um verschiedene Dokumente wie Lohnabrechnungen und Arbeitszeugnisse und um den Lohn für Februar. Doch der Chef ist unerreichbar und antwortet nicht. Das ist nicht hinnehmbar. Auch Arbeiterinnen und Arbeiter haben Rechte! Kommt zahlreich um den Chef zu zwingen, seinen Pflichten nachzukommen!

28. April 2026 17:00

Am Berghof in Tübingen Lustnau!

Ob dem Himmelreich 5
72074 Tübingen


Erneuerbare Energien verteidigen!

Das Foto zeigt das Fronttransparent mit dem Text: "Erneuerbare Energien verteidigen!"
Foto ©: heba/Umbruch Bildarchiv
Am 18. April demonstrierten in vier bundesdeutschen Städten an die 80.000 Menschen für die Energiewende und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energie aus Wind und Sonne. In Berlin begann die Demo von über 20.000 Teilnehmerinnen am Invalidenpark. Dort ist auch das Energie- und Wirtschaftsministerium von Frau Reiche. Diese CDU-Ministerin glänzte in den letzten Monaten durch eine offene Lobbypolitik für die fossile Industrie und die großen Gaskonzerne wie EON und RWE.

Katherina Reiche holte sich Ratschläge von den Energiekonzernen, wie ein beschleunigter Ausbau von Großbatteriespeichern zur Verhinderung der Dunkelflaute zugunsten der geplanten Gaskraftwerke verhindert werden kann und Frau Reiche sprach sich auch für die Renaissance der Atomkraft aus. Diese Frau ist eine „grandiose Fehlbesetzung und soll sofort zurücktreten“, so eine Kundgebungsrednerin des breiten Bündnisses von ‚Friday for Future‘ über ‚Greenpeace‘ und ‚Campact‘ bis zu Wirtschaftsvertretern aus der Branche der Erneuerbaren. Gerade jetzt zeige sich wie fundmental wichtig die Erneuerbaren sind für einen stabilen Strompreis, für die Klimaziele und eine Unabhängikeit von Autokraten der Öl- und Gasexportländer.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Links

Blogkino: Zatoichi and the Fugitives - Zatōichi hatashijō (1968)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino die Fortsetzung der Zatōichi Serie mit dem achtzehnten Teil der Reihe: Zatoichi and the Fugitives - Zatōichi hatashijō. Der Plot: Zatoichi gerät mit einigen bösen Flüchtigen in Konflikt und arbeitet für einen korrupten Justizbeamten.



Nach Debanking jetzt "Nobanking"? Die Berliner Sparkasse verweigert dem Bund der Antifaschist*innen Treptow (VVN-BdA) Kontoeröffnung

Logo der VVN-BdA: Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung. Darunter die Abkürzung VVN-BdA
Logo der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisti:*Innen (VVN-BdA): Der rote, politische Winkel vor den weiß blauen Streifen der KZ Häftlingskleidung
Dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) Treptow ist an Freitag, 5 Wochen nach Beantragung eines neuen Vereinskontos,  die Eröffnung von der Berliner Sparkasse verweigert worden. Eine Begründung dafür nannte das Vereinscenter der Berliner Sparkasse  "entsprechend den Gepflogenheiten des deutschen Kreditgewerbes" in einer dreizeiligen Mail nicht. Der Vorstand des BdA Treptow legte beim Vorstand der Berliner Sparkasse Einspruch ein und wird juristisch gegen diese vorgehen, sollte dies nötig sein.

Zuvor hatte die Postbank, Tochter der Deutschen Bank und von 1933-1945 in NS-Verbrechen verstrickt,  der Vereinigung, der auch etliche Nachfahr*innen von Opfern des Holocaust und weitere Verbrechen des NS-Regimes angehören, Anfang des Jahres ohne Angabe von Gründen das Vereinskonto gekündigt. Ab 1.Mai steht unsere Bezirksorganisation BdA Treptow, wenn die Berliner Sparkasse nicht einlenkt,  jetzt ohne Vereinskonto da.

Der Bürgermeister des Bezirks Treptow Oliver Igel (SPD) nannte die Verweigerung der Berliner Sparkasse "sehr unerfreulich" und will sich persönlich an die Sparkasse wenden. Auch Dr Gregor Gysi, seine Eltern wurden als Verfolgte des NS-Regimes lange vom BdA Treptow betreut, wird sich bei der Sparkasse und in der Berliner Politik für den BdA Treptow einsetzen.

Das bedeutet, dass die Vereinsarbeit erheblich behindert  behindert wird. Jede*r kann sich ausmalen, was es bedeutet kein Konto zu besitzen. Die Berliner Sparkasse schädigt damit nicht nur die Betreuung der Nachkommen der Opfer des NS-Regimes, sondern auch die äußerst aktive Zivilgesellschaft im Bezirk Treptow in erheblichen Maße.   Dr. Ellen Händler, Vorsitzende des BdA Treptow, sie hat 80 Verwandte  durch die Shoa verloren, ihr Vater konnte den Nazis nur knapp durch einen Kindertransport nach England entkommen, schildert einen Aspekt der Verweigerung der Berliner Sparkasse  -  »Wir sind die Koordinierungsstelle für Stolpersteine im Bezirk, dafür benötigen wir ein Konto, weil wir sonst keine Spenden von Überlebenden oder Hinterbliebenen z.B. aus dem Ausland annehmen können"- der für vieles weitere steht. Der BdA Treptow ist seit Jahrzehnten einer der aktivsten Akteure für antifaschistische Erinnerungspolitik und Demokratiebildung, im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus im Bezirk, mit einen stets wachen Blick auf die Rechtsentwicklung im Bezirk und hat stetig darauf hingewirkt, diesen zurück zu drängen, immer in einem engen Bündnis mit der demokratischen Zivilgesellschaft im Bezirk. Überdies ist die Arbeit des BdA Treptow stattlich als gemeinnützig anerkannt.

Nicht zuletzt sind viele,  gerade betagte Mitglieder des BdA Treptow, entsetzt und bedrückt über die Zurückweisung und Missachtung ihres Lebenswerkes durch die Sparkasse, gerade in Zeiten, in denen die rasante Rechtsentwicklung und die steigenden Wahlergebnisse der AfD an die Verhältnisse gegen Ende der Weimarer Republik erinnern.

Wir wissen nicht warum die Berliner Sparkasse die Kontoeröffnung verweigert, stellen das "Nobanking" aber in Zusammenhang mit den zahlreichen "Debanking"- Fällen gegen fortschrittliche Vereine der letzten Zeit. Allein In Berlin sind in den letzten Monaten dem Berliner Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie dem Kreisverband Weißensee-Hohenschönhausen und VVN-VdA (ehemals Westberlin) die Konten gekündigt worden.

Wir fordern die Berliner Sparkasse auf,  ihre Entscheidung zu überdenken, diesen Skandal zu beenden und sich nicht in das konservative Rollback gegen engagiertes antifaschistisches, demokratisches Engagement und eine lebendige  Erinnerungspolitik einzureihen. Die Berliner Sparkasse ist auch ein Instrument der Grundversorgung der Berliner Bevölkerung - diesem Auftrag hat sie nachzukommen.

Quelle: VVN-BdA Berlin, 20. April 2026

Rund 600 Menschen demonstrieren gegen Asylreform GEAS und für grenzenlose Solidarität

Das Foto zeigt den Demozug mit vielen Menschen und einer Reihe von Transparenten zum Thema
Foto: Aktion Bleiberecht
Weil am Rhein/Basel. Anlässlich der Einführung der Reform des Europäischen Pakts zu Asyl und Migration (GEAS) am 12. Juni 2026 demonstrieren heute rund 600 Menschen in einer grenzüberschreitenden Kundgebung. Über 30 Organisationen aus dem Dreiländereck riefen zur Kundgebung für grenzenlose Solidarität und gegen die massive Verschärfung des Asylrechts auf.

In zwei Demonstrationszügen von Weil am Rhein und Basel aus gestartet, bewegt sich die Kundgebung am Ausschaffungsgefängnis Bässlergut vorbei, wo sich seit über einer Woche mehrere Gefangene im Hungerstreik befinden um ihre Freiheit und ausreichende medizinische Versorgung zu fordern. Um 16:00 findet eine gemeinsame Schlusskundgebung im Rheinpark statt.

Mit GEAS wird das Recht auf Asyl in der EU faktisch abgeschafft. Geflüchtete Menschen werden systematisch nach Herkunft sortiert und in Lagern an den Aussengrenzen festgesetzt. Die beschleunigten Grenzverfahren finden ohne Rechtsvertretung statt. Menschen, die über sogenannte sichere Drittstaaten einreisen, werden vom Asylverfahren ausgeschlossen.

«GEAS steht für Abschottung statt Schutz. Europa inklusive Schweiz schottet sich ab und verschärft gleichzeitig globale Ungleichheiten und damit die Ursachen von Flucht. Gegen diese Entwicklung wehren wir uns entschieden. Angesichts multipler Krisen und zunehmendem Autoritarismus werden wir unsere Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter verstärken.» lässt sich eine der Organisator*innen der Kundgebung zitieren.

Quelle: Pressemitteilung Aktion Bleiberecht, 18. April 2026

Ostermarsch 2026

Das Foto zeigt eine Weitwinkelaufnahme eines Teils des Ostermarsches mit verschiedenen Transparenten, unter anderem Freiedensglocke, DKP, IG MEtall, BSW,
Foto: © Soldiner Kiez Kurier via Umbruch Bildarchiv
In rund 100 Städten gab es über die Feiertage antimilitaristische Aktionen und Demonstrationen gegen Kriege, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft. In Berlin beteiligten sich mehrere tausend Menschen am diesjährigen Ostermarsch durch Prenzlauer Berg. Aufgerufen hatte die Berliner Friedenskoordination (FriKo).

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Der Berliner Ostermarsch 2026 versammelte ein breites Bündnis an Organisationen. Das Spektrum reichte von traditionellen Friedensgruppen bis hin zu diversen linken und kommunistischen Gruppierungen. Es fiel deutlich auf, dass der Marsch vor allem von der älteren Generation getragen wurde. Jüngere Menschen waren eher in der Minderheit, setzten aber markante Punkte. Ein Beispiel war eine junge Rednerin aus dem Wedding von der neu gegründeten Initiative „Nein zur Wehrpflicht“, die mit einer scharfen Kritik an der Politik von Friedrich Merz mit dem Ausruf „Friedrich Merz Leck meine Eier!“ und dem Aufruf zum nächsten Schulstreik am 8. Mai den Abschluss bildete.

Die Friedenskoordination Berlin (Friko) zeigte sich in einer ersten Einschätzung sehr zufrieden und sprach von einer stabilen Resonanz, die auf dem Niveau des Vorjahres lag. Während die Polizei die Teilnehmerzahl mit rund 1.600 Personen angab, liegen die Schätzungen der Veranstalter traditionell etwas höher, wobei sie vor allem das „breite und entschlossene Bündnis“ unter dem Motto „Nein zum Irrsinn der Kriegspolitik“ hervorhoben. In ihrem offiziellen Fazit betonten die Organisatoren, dass der Marsch trotz der kontroversen Debatten im Vorfeld ein wichtiges Zeichen gegen Aufrüstung und die neue Wehrpflicht gesetzt habe.

„Die Politik der deutschen Regierung ist nicht „komplex“, sondern komplett unverantwortlich und irre. Sie setzt auf unbegrenzte Aufrüstung. Sie propagiert Kriegswirtschaft als alternativlos. Bis 2029 soll so weit aufgerüstet sein, dass die Bevölkerung bereit und die Bundeswehr fähig ist, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen. Die Regierung hat begeistert zugestimmt, 5% des BIP für das Militär auszugeben! Die Rüstungskonzerne jubeln, die sozialen Bereiche verkümmern. Die Lage für die Beschäftigten und Arbeitslosen, für die Jugend, die Familien und Alten wird immer prekärer.“

(Aufruf zur Demo)


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„Staatsräsonfunk“ – Techniken der Einseitigkeit

Das Buchcover zeigt eine Collage mit Schlagzeilen verschiedener Zeitungen zum Thema sowie Buchtitel, Autor und Vorwortautor sowie Verlagsangaben
»Staatsräsonfunk – Deutsche Medien und der Genozid in Gaza« von Fabian Goldmann erschien im Februar 2026 beim Manifest Verlag
Mit „Staatsräsonfunk“ hat Fabian Goldmann eine empirisch fundierte Studie vorgelegt, eine schonungslose Abrechnung mit der deutschen „Nahost“-Berichterstattung. Goldmann legt die systematischen Verzerrungen, Auslassungen und Rechtfertigungen in tausenden Beiträgen seit dem 7. Oktober offen. Die Diskrepanz zwischen dokumentierten Fakten und medialer Darstellung erscheint dabei nicht als Ausrutscher, sondern als strukturelles Prinzip – mit tiefen politischen und historischen Wurzeln. etos.media-Autor Sebastian Schröder arbeitet heraus, weshalb diese Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Medienlandschaft und ihre eingebetteten Rassismen und Befangenheiten leisten kann.

Wer das Buch „Staatsräsonfunk – Deutsche Medien und der Genozid in Gaza“ von Fabian Goldmann in die Hand nimmt, sieht sie schon auf dem Umschlag, die Überschriften der deutschen Presse seit dem 7. Oktober 2023: „Die Barbaren sind unter uns“; „Die Terror-Klinik ist enttarnt“; „Free Palestine ist das neue Heil Hitler“; „Löst endlich das Palästinenserhilfswerk auf“; „Hamas versteckte Waffen in Baby-Brutkästen“; „Die begrenzte Operation Rafah“; „Können Journalisten Terroristen sein?“; „Tote nach Streit um Hilfsgüter“; „Manchmal ist es notwendig zu töten, um das Morden zu verhindern“. Diese Collage zeigt einen Bruchteil der deutschen Schlagzeilen seit dem 7. Oktober 2023 und so sind auf dem Buchumschlag zentrale Techniken der Einseitigkeit sichtbar: Verschleierung, Verharmlosung, Verdrehung, Rechtfertigung, Auslassung und Leugnung. Und unsichtbar daneben natürlich das Schweigen – das sprichwörtliche Totschweigen.

Viele haben sich nach wenigen Wochen entsetzt von den deutschen Medien abgewendet, denn der Widerspruch zwischen der Berichterstattung und den Bildern aus Gaza war zu groß. „Aber vielleicht kann dieses Buch zumindest jenen, die (…) in den letzten zwei Jahren regelmäßig fassungslos vor den Zeitungsseiten, Fernsehbildschirmen und Timelines saßen, vermitteln, dass nicht sie die Verrücktgewordenen sind.“

Goldmann hat deshalb gezählt, was wirklich veröffentlicht worden ist. Seine Studie arbeitet empirisch und kann dadurch die erschreckende Realität in Deutschland sichtbar machen.

Dazu hat er einflussreiche und politisch breit gestreute Medienerzeugnisse (BILD, Spiegel, taz, tagesschau, Zeit) im Zeitraum vom 7. Oktober 2023 bis zum 19. Januar 2025 und zum Teil darüber hinaus analysiert. Es handelt sich um insgesamt 11.125 Beiträge zum Thema „Nahost“. Zusätzlich werden die meinungsbildenden Polit-Talkshows „Anne Will“, „Maischberger“, „Markus Lanz“, „Maybritt Illner“ und „Hart aber fair“ betrachtet.

Goldmann legt die maßgebliche „Analyse des Medien-Bias“ vor, so Ilan Pappe im Vorwort. Eigentlich müsste das Erscheinen von „Staatsräsonfunk“ die deutsche Medienlandschaft durch die Fülle des Sichtbargewordenen erschüttern, und mit jedem Kapitel nimmt das Entsetzen des Lesenden zu. Das zufällig Beobachtete wird nun als Selbstverständnis der überwältigenden Mehrzahl aller Veröffentlichungen nachgewiesen.

Den deutschen Diskurs haben zu Anfang die Lüge von den „40 geköpften Babys“, den in jedem angegriffenen Krankenhaus versteckten 138 (!) „Hamas-Kommandozentralen“ und andere als falsch nachgewiesene Pressemeldungen bestimmt. So wurde der Generalverdacht gegenüber palästinensischen Menschen, arabischen Menschen, Muslimen und Pro-Palästina-Aktivist*innen in Deutschland gesetzt (und verstärkt), und zugleich wurde „jüdisch“ mit Israel amalgamiert. Beide Prozesse weist der Autor empirisch nach.

Ausführlich untersucht er das „Mehl-Massaker“ Ende Februar 2024, den Angriff, die Besetzung und die Zerstörung des Al-Shifa-Krankenhauses, den weltweit einzigartigen Vorgang der systematischen Ermordung mehrerer Hundert Journalisten sowie weitere Marksteine des israelischen Genozids. Der Widerspruch zwischen den Fakten und der Berichterstattung könnte nicht größer sein.

Ein weiterer Bereich ist die Sprache: „In der deutschen Nahost-Berichterstattung haben sich völlig unterschiedliche Begrifflichkeiten etabliert. Entscheidend ist nicht die Tat, sondern wer der Täter und wer das Opfer ist.“ Konkret wird dieses Wording beschrieben im „Glossar des Genozids“ mit den Stichworten von „Anti-Terror-Einsatz“ bis „Ziel“. Goldmann präsentiert das von den Medien tatsächlich Gemeinte, das nichts mehr mit der eigentlichen Bedeutung der Wörter gemein hat.

Eine weitere Bestätigung seiner Hypothese findet der Autor auch bei der Untersuchung der Titelseiten der einflussreichsten Nachrichtenmagazine Spiegel, Stern und Focus: Hier herrscht nahezu Schweigen zum zentralen weltpolitischen Konflikt unserer Zeit.

Im abschließenden Kapitel werden die Gründe für das Verhalten der deutschen Medien durchleuchtet. Der herrschende Rassismus, die Macht der wenigen Medienkonzerne, die fast monopolartige Rolle der dpa, der gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk, das Feigenblatt Presserat, all das produziert den extremen deutschen Medien-Bias.

Und so war es schon immer in der BRD, möchte ich an dieser Stelle ergänzen. Vor 1989 galt die – meist unausgesprochene – Übereinkunft, die die Grenzen des Sagbaren streng innerhalb der Staatsräson festgelegt hat, in Konfrontation zur DDR und zur UdSSR. Vor 1989 waren die westdeutschen Medien entweder rechts oder liberal, aber immer staatstragend.

Im westlichen Siegestaumel der 1990er Jahre haben Genscher und Kohl als wichtigstes außenpolitisches Projekt den Frontalangriff gegen Jugoslawien geführt, und die Medien waren, so wie heute, ausnahmslos parteiisch, einzig Peter Handke hat den breiten anti-serbischen Konsens durchbrochen. Direkt an die mediale Hetze des Kosovokrieges hat sich die Formierung des „Krieges gegen den Terror“ angeschlossen, auch hier galt unangemessene Parteilichkeit mehr als journalistisches Handwerk.

Die herrschende Politik wird immer medial gestützt, nur das Ausmaß variiert und im Fall Gaza-Palästina-Israel legt Goldmann die besonders verfälschende Berichterstattung über ein besonderes Verbrechen dar. Auf 18 Seiten reiht der Autor die Beweise und Indizien auf, dass es sich in Gaza um einen Genozid handelt. Dokumentierte Worte und Taten lassen keinen anderen Schluss zu, doch die deutschen Medien schweigen, verdrehen und diffamieren.
„Wie lange hätten die deutschen Bundesregierungen ihre bedingungslose Unterstützung Israels aufrechterhalten können, wenn Medien der deutschen Öffentlichkeit das wahre Ausmaß von Israels Gewalt in Gaza, Libanon und anderen Orten der Region vermittelt hätten? Wie viele Menschen hätten noch leben können, wenn Redaktionen ihre Berichterstattung an den Erkenntnissen von Menschenrechtlerinnen und Genozid-Forschern statt an Behauptungen von Israels Armee ausgerichtet hätten? Wenn die tagesschau am 28. November 2023 nicht nur Antisemitismus-, sondern auch Genozid-Experten zur Gewalt in Gaza befragt hätte. Wenn die tagesthemen am 10. Mai 2024 mit den Studenten gesprochen hätten, die in Berlin gegen Israels Genozid protestierten, anstatt sie mit der ‚Hitler-Jugend‚ zu vergleichen. Wenn die FAZ am 18. November 2024 die Forderung des Papstes, die Völkermord-Vorwürfe gegen Israel zu prüfen, begrüßt hätte, anstatt ‚seine Barmherzigkeit gilt vor allem der Hamas‘ zu kommentieren. Wenn die Süddeutsche Zeitung am 29. Dezember 2024 in ihrem Beitrag ‚Völkermord? Im Ernst?‘ die Fragezeichen gegen Ausrufezeichen ausgetauscht hätte? Wenn bei der taz jemand interveniert hätte, als selbst noch am 9. März 2025 ein Redakteur mit einem Mix aus Auslassungen, Irreführungen und IDF-Angaben behauptet: ‚Die Völkermord-Anklage gegen Israel erlebt eine Renaissance. Dieser Vorwurf ist haltlos.‘“

Angesichts von Fabian Goldmanns ausführlicher Darlegung des Genozidverbrechens ist es seltsam, wenn Sascha Stanicic im Vorwort des Verlages schreibt: „Man kann (…) in Frage stellen, ob eine Beweisführung in Bezug auf das bisherige Vorgehen Israels unzweideutig möglich ist (…)“. Nein, der Beweis für Völkermord ist erbracht und wird täglich neu erbracht! Was soll das? Zum Nachschlagen und zu Studienzwecken wäre es gut, wenn die Empirie etwas deutlicher vom Text getrennt wäre; dies würde zugleich eine straffere Sortierung der Inhalte ermöglichen.

Der Komplex Gaza, Israel und Deutschland kann nur mithilfe der Studie „Staatsräsonfunk“ verstanden werden. Und die Arbeit weist vielfach über das Thema hinaus, sie ist zwingend für das Verständnis der bürgerlichen Medien in Deutschland.

Fabian Goldmann
Staatsräsonfunk
Deutsche Medien und der Genozid in Gaza. Mit einem Geleitwort von Ilan Pappé.
Manifest Verlag
407 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-96156-145-2

Erstveröffentlichung am 16. April 2026 auf etos.media

Liebesgrüße nach Toulouse oder: Nostalgie ist, was sie ist

Gestern rollte ich meinen Koffer zur Rezeption des Universitätshotels in Philly, bekleidet mit einem T-Shirt für die „Black Death“ (die Veranstaltung, keine Band) und einer Punkweste mit dem Abbild eines queeren antifaschistischen Märtyrers. Ich hatte mich seit ein paar Tagen nicht rasiert, da werde ich manchmal etwas faul. „Die Reservierung läuft auf Margaret Killjoy“, sagte ich. Ich habe keinen Ausweis, auf dem „Margaret Killjoy“ steht, und ich hatte mich schon darauf eingestellt, erklären zu müssen, dass er mich bei Google nach einem Foto suchen könne, falls nötig. Der Mann zuckte nicht mit der Wimper, er überprüfte meinen Ausweis nicht, und schon hatte ich meine Schlüssel und war auf dem Weg in mein Zimmer.

Klasse ist eine seltsame Sache. Ich habe viel Zeit in Philly verbracht, nicht viel anders gekleidet und viel schlechter behandelt, aber jetzt war ich Gast der Universität. Jetzt bin ich eine Schriftstellerin.

Ich bin nur für einen Tag in der Stadt, nur um vor einigen Schreibstudenten an der Universität zu präsentieren und vorzulesen, und eines der seltsamsten Dinge am Dasein als Performerin ist, dass ich vier Tage auf Reisen verbringen werde, um fünfzehn Minuten vorzulesen und vielleicht weitere sechzig Minuten zu reden. Gestern Abend habe ich die ARC (die Vorabausgabe) von Avalon, Rise von Madeline Ffitch zu Ende gelesen, einen Roman über Antifaschisten in einer Kleinstadt in den Appalachen, die versuchen, sich gegen eine wachsende Bedrohung durch weiße Supremacisten in ihrem Landkreis zu organisieren. Es ist fantastisch. Ich kann es gar nicht genug empfehlen. Ich weiß nicht, ob Madeline jemals eine Figur geschrieben hat, die nicht zutiefst fehlerhaft und damit zutiefst menschlich ist, und dieses Buch ist ein Ensemble aus Versagern, das deutlich macht, dass der Antifaschismus voller schrecklicher Menschen ist (genau wie überall sonst), aber dennoch eindeutig die richtige Seite ist.

(Merkt man, dass ich gerade daran arbeite, ihr einen Klappentext zu schreiben?)

Das Buch ist vor allem eine Geschichte über Menschen, über mehrere Generationen von Menschen, über den Kampf, der seit Jahrhunderten andauert. Aber es ist auch eine Insider-Kritik an allem, was uns unerträglich macht, wie zum Beispiel die Weißen, die so besessen von akademischen Interpretationen des Antirassismus sind, dass sie ihre Freundschaften mit Schwarzen versauen. Wo die Antifaschisten versagen, ist dort, wo sie Nuancen aus der Diskussion herausglätten (oder sich so sehr um Nuancen bemühen, dass sie es den Faschisten einfach ermöglichen, sich zu organisieren).

Und es gibt darin eine Einstellung, auf die eine Figur immer wieder zurückkommt: Nostalgie ist faschistisch.

Wenn du ein Buch willst, in dem die Figuren nur das tun, was richtig und wahr und moralisch überlegen ist, dann ist das nicht das richtige Buch für dich. Das Buch selbst sagt nicht, dass Nostalgie faschistisch ist, sondern eine Figur darin sagt das. Das ist die Art von Überzeugung, die junge Antifaschisten haben – dass alles, was einem Faschisten gefällt, für immer befleckt ist.

Aber ich habe es gerade in meinem schicken Hotelzimmer zu Ende gelesen, das von der Universität bezahlt wurde. Und ich habe es in einer Stadt zu Ende gelesen, in die ich nicht mehr oft komme, der Stadt, in der ich zum ersten Mal versucht habe, auf einen Güterzug aufzuspringen. Nostalgie, dieser autoritäre Mistkerl, starrt mich von der anderen Seite des Zimmers an.

Und wie der Diktator, der sie ist, lässt sie mich nicht nostalgisch auf Philly zurückblicken, die Stadt, in der eine längst verlorene Liebe mir über das Auge leckte und wir schworen, niemals jemand anderem als einander über das Auge zu lecken, dass wir, egal was in unserem Leben passieren würde, das immer zwischen uns haben würden (ich habe sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen, aber ich habe meinen Teil des Pakts eingehalten). Philly ist die Stadt, in der ich meine ersten Tage im Freien verbrachte, wo ich endlose Meilen entlang von Bahngleisen lief und Gespräche führte, die ich nie vergessen werde.

Aber die Nostalgie lässt mich stattdessen an Toulouse denken, an Frankreich, an den Sommer mit den Gelbwesten-Protesten und dem Tränengas und der Sprache, die ich nicht spreche. Ich hatte früher diese Angewohnheit, die ich nicht empfehlen kann: Ich reiste in Städte mitten in historischen Umbrüchen, aber nicht wegen der Unruhen oder der Organisation, sondern weil ich eine eingefleischte Romantikerin war, die darauf brannte, dass mir das Herz gebrochen wird.

Ich glaube nicht, dass ich die Erlaubnis meines Freundes habe, über ihn zu schreiben, also wird das hier keine Geschichte über die Person sein, die ich besucht habe, oder darüber, wie das alles abgelaufen ist.

Und wenn ich ehrlich bin, ist es nicht die Gesellschaft, nach der ich mich sehne, sondern die winzige Wohnung, die ich für einen Monat mitten im Stadtzentrum gemietet hatte. Vor ein paar Tagen bin ich ein bisschen in den Kaninchenbau gefallen, was diese winzigen Wohnungen angeht, die gerade überall in den USA gebaut werden. Wohnungen mit 28, 32 Quadratmetern. Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer – alles zusammengepfercht auf der kleinsten Fläche, die die Bauvorschriften zulassen.

Ich gebe es nur ungern zu, aber ohne Regulierung würden uns die Chefs in Särgen schlafen lassen, die mit Urinalen und Mikrowellen ausgestattet sind.

Ich bin in dieses Kaninchenloch gefallen, habe von Wohnungen in der Größe von Hotelzimmern erfahren, und hier sitze ich nun in einem gut ausgestatteten Hotelzimmer und denke an Toulouse. Ich habe an dem winzigen Küchentisch ein Cover von „Wild is the Wind“ geschrieben, nachdem ich einen winzigen Midi-Controller und ein SM58 mit über den Ozean geschleppt hatte. Es war größer als ein Hotelzimmer, aber nicht viel. Riesige Wohnräume sind ohnehin eine amerikanische Verirrung.

Meine Freundin kam oft mit dem Fahrrad vorbei und rief mir „mahr-gah-rettt!“ zu, und ich streckte meinen Kopf heraus, um sie auf dieser mittelalterlichen Straße stehen zu sehen. Gelegentlich hatte ich Besuch. Der Black Bloc organisierte sich von meiner Wohnung aus, weil sie günstig zu den Unruhen lag, und wenn Tränengas die Straßen hinunterzog, ging ich zum Eisentor, um nachzuschauen, ob jemand einen Ort zum Flüchten brauchte.

Winzige Wohnräume machen nur im Kontext einer Gemeinschaft Sinn, im Kontext von dritten Orten und Freunden.

Manchmal hatte ich Besuch in meiner Wohnung, aber die meiste Zeit verbrachte ich allein. Das passte damals zu mir, und es passt auch heute noch. Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, meine eigene Einsamkeit zu romantisieren, und sie hat mich durch die schlimmsten und besten Momente meines Lebens begleitet.

Morgens ging ich zur Bäckerei und führte immer dasselbe Gespräch: deux baguettes, s’il vous plaît. Zwei Baguettes, bitte. Dann stellte mir der Mann eine Frage, und ich schüttelte den Kopf und sagte ihm: je ne parle pas français, désolé. Ich spreche kein Französisch, tut mir leid.

Es waren die besten Baguettes, die ich je gegessen habe, und ich glaube, ich würde wieder einen Monat dort verbringen, nur um in Frankreich französisches Brot zu essen.

Ich weiß nicht, ob es dort nette vegane Restaurants gab. Das Flugticket und meine Miete waren alles, was ich mir leisten konnte, und ich kochte jeden Abend Pasta mit Soße und Gemüse oder Reis mit Tofu und Gemüse. Den ganzen Tag aß ich Brot und machte das obligatorische Nickerchen, das man braucht, nachdem man zwei Baguettes gegessen hat. Mein Job damals war einfach mein altes Patreon. Ich musste nur jeden Monat ein Zine schreiben und von fast nichts leben.

Ich war wahrscheinlich traurig, aber ich erinnere mich nicht daran, traurig gewesen zu sein.

Ich erinnere mich, dass ich zu den Gelbwesten-Protesten gegangen bin. Frankreich liebt einen guten Aufstand, und meine Freunde in Frankreich lieben einen guten Aufstand, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich mir nicht sicher, ob ich das auch tue. Ich weiß, dass mich das zu einem schlechten Anarchisten macht, aber ich gehe eher aus Pflichtgefühl als aus Freude zu Demos. Meine Freunde begaben sich in Gefahr, also tat ich das auch.

Ich habe mich nicht dem Black Bloc angeschlossen, daran erinnere ich mich noch. Ich hatte als Kind eine Nacht in ausländischer Haft in den Niederlanden verbracht und hatte bereits Berichte von einem Amerikaner gelesen, der monatelang in Haft saß, nachdem er bei einer Gelbwesten-Demo festgenommen worden war. Also ging ich in Khakis und einem Hemd hin und tat so, als sähe ich aus wie ein ganz normaler Mensch. Ich sagte zu meinen Freunden: „Ich werde immer wissen, wo der Ausgang ist. Ich behalte die Polizeiketten im Auge, und wenn ihr einen Weg raus braucht, sucht mich, ich werde daneben stehen.“

Ich rede mir gerne ein, dass das geholfen hat.

Bekanntlich waren die Gelbwesten-Proteste politisch gesehen eine bunte Mischung. Populistische Aufstände sind das immer. Eines Tages, als wir durch die Stadt marschierten, hörte ich einen Tumult. Ein Mann rannte durch die Menge, blutete am Kopf. Sanitäter eilten ihm zu Hilfe. Antifaschisten hielten die Sanitäter auf.

Der Verletzte war ein prominenter rechter YouTuber, ein Mann, der Teil der Bemühungen der Rechten war, die Unruhen für nationalistische und faschistische Zwecke zu instrumentalisieren. Er war erkannt worden und bekam das ab, was die Leute ihm zuschrieben. In Frankreich hatten die meisten Menschen, denen man begegnet, ihre Eltern, Großeltern und/oder Urgroßeltern entweder im französischen Widerstand gekämpft oder sich dem Faschismus unterworfen. Neutralität stand bei diesen Leuten nicht hoch im Kurs.

Als die Sanitäter erfuhren, wer er war, ließen die meisten ihn im Stich. Ein paar wenige, hartnäckig und prinzipientreu, versorgten seine Wunden ungeachtet seiner politischen Ansichten.

Ich habe dort zwei Shows gespielt, beide in besetzten Häusern. Die erste Show lief furchtbar. Es gab keine PA, und ich schloss meinen Laptop und diesen MIDI-Controller an eine Boombox an, von der nur ein Kanal funktionierte, und wurde von einer Party voller französischer Hausbesetzer ignoriert. Später beleidigte ich einen Franzosen, indem ich ihm sagte, das moderne Konzept von „Weißsein“ sei in Amerika entstanden. Es sei typischer amerikanischer Exzeptionalismus, so sagte er, zu behaupten, die Franzosen seien schon lange vor Kolumbus’ Reise nach Westen nicht rassistisch gewesen.

Ich schlief in dieser Nacht auf dem Boden eines der Schlafzimmer, zu betrunken oder zu müde, um die fünf oder sechs Meilen zurück zu meiner Wohnung zu radeln. Ich hatte einen Schlafparalyse-Traum nach dem anderen, in denen Leute auf mich traten und ich nicht aus dem Weg kommen konnte.

Die zweite Show lief besser, in einem besetzten Sozialzentrum statt in jemandes Haus. Es gab eine PA. Ich glaube, ich konnte mein Begleitvideo abspielen. Die Leute tanzten. Ich half beim Abwasch – na ja, ich hoffe, ich habe beim Abwasch geholfen. Vielleicht ist das eine falsche Erinnerung. Ich versuche, mich nützlich zu machen, glaube ich.

Das Foto von Arnaud 25 zeigt eine Tarte aux légumes
Tarte aux légumes
Foto: Arnaud 25
Lizenz: Public Domain
Eines Tages versprach ich, das Mittagessen für ein Aktivistentreffen zu kochen. Queere Leute aus dem gesamten Mittelmeerraum und Nordafrika trafen sich in einer besetzten Wohnung, um eine Art Konferenz oder Festival zu planen, und so sagte ich ihnen, ich würde das Mittagessen für ihr Treffen kochen, und ich dachte mir, ich mache ihnen einfach Burritos. Ich bin Amerikaner. Wenn ich für eine Gruppe Leute kochen muss und nicht mit „einfach Reis und etwas Gemüse kochen“ davonkomme, dann versuche ich immer, mit „das Gleiche machen, aber Bohnen dazugeben und in eine Tortilla wickeln“ davonzukommen.

Aber leider, als ich ankam, reichten sie mir le menu. Sie hatten sich bereits überlegt, was sie zum Mittagessen wollten, und baten mich, es zu kochen. „Tartes des legumes“ (vielleicht schreibe ich das falsch, aber wie gesagt, je ne parle pas francais, désolé.) Ich konnte genug Französisch, um zu wissen, dass „tartes des legumes“ „Gemüsekuchen“ bedeutet, aber, ich wiederhole, ich bin Amerikaner. Gemüse gehört nicht in einen Kuchen, außer vielleicht in einen Shepherd’s Pie. Das Ganze war buchstäblich ein fremdes Konzept.

Aber es stellte sich heraus, dass jede Kultur herausgefunden hat: „Man muss einfach Gemüse in Brot geben, das schmeckt gut“, und dass es verschiedene Arten gibt, das zu machen. Einer der Organisatoren musste eine Pause einlegen, um mir beizubringen, wie man Tortenkruste von Grund auf selbst macht, und mit etwas weiterer Hilfe haben wir die Torten zusammengebastelt. Falls sie schlecht waren, waren alle zu höflich, um es mir zu sagen. Und die Franzosen scheinen durchaus bereit zu sein, mir zu sagen, was sie denken.

Ich glaube, ich hatte mehr Angst, als sie mir le menu überreichten, als ich sie hatte, als die französische Polizei ein paar Tage zuvor Tränengas in unsere Mitte geschossen hatte. An Tränengas bin ich gewöhnt. Wenn man nicht da ist, um zu kämpfen (und das war ich nicht), kann man sich einfach irgendwie vom Tränengas wegschlurfen. Vor le menu konnte ich nicht fliehen.

Der Monat verging, mein Freund brachte mich zum Bahnhof, und ich machte mich auf den Weg nach Paris, in die Staaten, zurück in meine winzige Hütte in North Carolina, und was ich davon mitnehme, ist besseres Französisch, schöne Erinnerungen und ein Cover von „Wild Is the Wind“.

Und etwas Nostalgie, was nicht faschistisch ist. Es ist nur ein Geist, der manchmal mir gegenüber am Tisch sitzt, ein Wesen, das niemand außer mir sehen kann, von dem ich aber meinen Blick nicht abwenden kann.


Quelle: "To Toulouse, With Love or: nostalgia is what it is", 15. April 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]
Zuletzt bearbeitet am 16.04.2026 11:12
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