Der NRW Bezirksleiter der IG Metall Oliver Burkhard dazu in einer Presseerklärung:
"Das Werk in Bochum soll nicht geschlossen werden, weil es defizitär ist, sondern weil es der Gewinnsucht des Nokia-Managements nicht genügt: Das ist eine bodenlose Sauerei! Die Ankündigung des Nokia-Konzerns ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die tagtäglich gute Arbeit am Standort Bochum machen. Die IG Metall wird sich diesen Plänen entgegenstellen und die Arbeitsplätze nicht kampflos aufgeben.“
Noch in diesem Quartal soll die Produktion in einem neuen Werk im rumänischen Cluj aufgenommen, ein Teil der bisherigen Massenfertigung in Bochum auf das Werk Komárom in Ungarn verlagert werden. Für Spitzenprodukte mit Bedarf an hoch qualifizierter Arbeitskraft ist die Verlagerung in das finnische Nokia-Werk in Salo geplant.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung will laut Handelsblatt prüfen, ob Nokia zu Rückzahlung von Fördergeld gezwungen werden kann. So habe Nokia 1999 Subventionen in Höhe von 17 Millionen Euro erhalten mit der Auflage, mindestens 2.856 Arbeitsplätze in Bochum sicherzustellen. Die Verpflichtung lief am 15. September 2006 aus. Das Ministerium schließe nicht aus, dass vor Ablauf der Frist die Zahl der Stellen darunter gelegen habe. Dann hätte das Unternehmen gegen die Förderbedingungen verstoßen. Dagegen führt der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete der Linken, Hüseyin Aydin im Artikel "Global Player bricht Zelte ab" aus, daß "Nokias Profitrate vor Steuern bei über 20 Prozent liegt. Nach Ablauf der vereinbarten Rückforderfristen mache die Firma "nun den Laden dicht".Nokia begründet die Werksschließung damit, dass die Kosten in NRW zu hoch seien. Im WDR-Fernsehen nannte das Ministerpräsident Jürgen Rüttgers "Unsinn, nichts als Unsinn" und "unverständlich, unangemessen und nicht in Ordnung", meldet "tagesschau.de". Nokia-Vorstand Veli Sundbäck sagte, dass die Arbeitskosten in Bochum knapp zehnmal höher lägen als in Rumänien, räumte aber gleichzeitig ein, dass Arbeitskosten nicht einmal fünf Prozent vom Handy-Verkaufspreis ausmachen.
"Es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, dass ein Unternehmen, das hier so viel Geld verdient hat, den Standort schließt", so Ulrike Kleinebrahm von der IG Metall Bochum in der "Frankfurter Rundschau". Tja, warum eigentlich nicht? In Rumänien gibt es bestimmt auch Fördergelder...
Kommentare
Die EU-Erweiterung sowie die Globalisierung gehen zu Lasten Deutschlands und seiner schaffenden Kräfte. Und die Prüfung der Subventionierung in Deutschland dürfte satt ins Leere schiessen (mehr als 10 Jahre sind vergangen, das Werk ist längst abgeschrieben) und selbst wenn man die Subvention teilweise zurückbezahlt bekäme, das sind Peanuts für diesen Konzern und relativ leicht zu verkraften.
Was hätte man im Klein - und Mittelstand mit 17 Mio anfangen können? Statt sich den Grossen internationalen Konzernen anzubiedern, muss m. E. eine Subvention ausschließlich für KMU ausgegeben werden.
Leider belastet uns unsere Politik und die EU-Abgeordneten (die ja nun überhaupt gar nicht mehr kontrolliert werden können) zu den beruflichen Unsicherheiten, die durch Schließung von Arbeitsstätten entstehen, noch zusätzlich mit m. E. kurzsichtigen und manchmal auch dummen Gesetzen (z. B. Feinstaub, Emmissionsgesetze, Krankenversicherung u.v.m.).
MFG J.P.
Das ist ein wirksames Mittel der Verbraucher, um das Verhalten von Unternehmen langfristig zu beeinflussen.
Wie war das noch damals mit der Brent Spar von Shell?
Brent Spar war ein schwimmender Öltank in der Nordsee im Besitz des Shell-Konzerns.
Es gab Boykottaufrufe, die ein großes Echo in den Medien und der Bevölkerung fanden. Auch einige deutsche Behörden ließen ihre Autos nicht mehr bei Shell tanken. Daraufhin sanken die Umsätze der deutschen Shell-Tankstellen um bis zu 50 %.
Nach einem langen Medienkrieg beschloss Shell am 20. Juni 1995, die Plattform an Land zu entsorgen. Der Konzern reagierte auf die Krise mit einer Gegen-Kampagne unter dem Motto "Wir werden uns ändern".
Also - geht doch. Verbraucher haben eine große Macht.
Wenn wir alle endlich zusammen etwas tun, haben wir auch die macht.
Das Beispiel mit Shell ist im Grunde auch wieder Top Aktuell, mit dieser Vorgehensweise, könnten wir auch etwas gegen die Sprit abzocke tun.
Wir müssen nur alle an einem Strang ziehen.
Ich bin durchaus ein wirtschaftsfreundlicher Kopf und gedanklich eher konservativ zu Hause, aber solches Verhalten ist absolut daneben - egal, ob dabei irgendwo ein paar Millionen gespart werden können oder nicht.
Ich denke, dass man im Sinne einer sozialen und auch einigermaßen freien Marktwirtschaft, seinen Unmut gegen solche Vorgehensweisen ganz klar deutlich machen muss. Sonst kommen ganz schnell die nächsten gefühlskalten Zahlenknechte aus ihren Löchern und machen das nach.
Hier sollte der gesunde Menschenverstand handeln. Und zwar auf ganz breiter Basis.
Ich meine:
Wenn NOKIA Deutschland nicht mehr braucht, braucht Deutschland auch NOKIA nicht mehr! Und tschüß- ¦
Ich mache mit, beim Markenwechsel!
Der Tom