trueten.de

»Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren.« Paul Valéry

Shared Fights - Take back the night 2026

Das Foto von Björn Obmann zeigt die Demo von der Seite gesehen im Bengaloschein.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Am Vorabend des 1. Mai beteiligten sich in der Walpurgisnacht am 30. April 2026 rund 3.000 Menschen an einer queer-feministischen Demonstration gegen Patriarchat, Staat und Kapital durch Berlin-Kreuzberg und Neukölln.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

„Lasst uns zurückschlagen gegen den zunehmenden imperialistischen Autoritarismus und Militarismus in der Gesellschaft: gegen die rassistische und patriarchale Polizeigewalt in unserer Stadt, gegen Pink Lists, die darauf abzielen, trans- und queere Menschen zu überwachen. Gegen Wehrpflicht, KI-Überwachung und Zäune in unseren Kiezen, gegen die Kriminalisierung von Sexarbeit, gegen Nazi-Angriffe auf uns, wenn wir nachts nach Hause gehen, gegen brutale Razzien und gegen die falsche Schuldzuweisung an Migrant*innen-Gemeinschaften. Wir sagen: ABOLISH FRONTEX, ABOLISH ICE, ABOLISH GEAS! (…)

Wir werden niemals schweigen, wenn es um unsere toten und inhaftierten Geschwister geht. Unser gemeinsamer Kampf lässt sich nicht durch Gefängnismauern aufhalten!

In diesem Jahr widmen wir diese Demo Devran, einer Genossin, die ihr ganzes Leben lang Teil unserer gemeinsamen Kämpfe war. Sie war Teil der Antifa Genclik, kämpfte für die Freedom of movement Bewegung rund um den Oranienplatz und nahm jedes Jahr an der „Take Back the Night“-Demo teil. Wir haben sie letzten November im Kampf gegen die Dämonen verloren, die die Systeme der Unterdrückung in unsere Köpfe und Seelen pflanzen – Einsamkeit und Entfremdung. Aber wie Rio Reiser sagte: Die letzte Schlacht gewinnen wir.“

(aus dem Aufruf zur Demo)


Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


Ein Jahr ohne Lorenz

Das Foto von M. Goldschmidt zeigt einen Ausschnitt der vorderen Reihe der Demo mit Fronttransparenten - eines mit einem Bild von Lorenz A. dem Text "No Justice - no Peace - Disarm the Police"
Foto: © M. Goldschmidt via Umbruch Bildarchiv
Am 19. April 2026 demonstrierten in Oldenburg rund 2000 Menschen in Gedenken an den 21-jährigen Lorenz A., der vor einem Jahr in Oldenburg von einem Polizisten erschossen wurde. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ erinnerte auch an weitere Opfer tödlicher Polizeigewalt, Qosay Khalaf, Ibrahima Barry und Mouhamed Lamine Dramé und forderten Aufklärung und Konsequenzen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Obwohl die Anklage bereits am 5. November 2025 erfolgte, gibt es bis heute noch keinen Gerichtsprozeß gegen den Polizisten der Lorenz am 20. April 2025 mit mehreren Schüssen in den Rücken erschossen hatte. (mehr zur Vorgeschichte)

Die Begründung der Justiz: Überlastung. Für die Angehörigen und Freund*innen von Lorenz ist dieser Verzug unerträglich. In den Redebeiträgen wurde betont, dass die Verzögerung rassistische Kontinuitäten widerspiegle, ein schwarzes Leben scheint in der Priorisierung der Behörden weniger Gewicht zu haben. ​Während die Ermittlungen gegen das Opfer unzulässigerweise forciert wurden, bleibt die Hauptverhandlung gegen den Schützen aus.

– M. Goldschmidt –


"Was passiert ist, steht nicht für sich allein. Rassistische Polizeigewalt trifft immer wieder Schwarze, rassifizierte und geflüchtete Menschen und danach folgen Entmenschlichung, Schuldverschiebung und fehlende Konsequenzen."

Pena Ger e.V., Teil der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“


Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Links

Erneuerbare Energien verteidigen!

Das Foto zeigt das Fronttransparent mit dem Text: "Erneuerbare Energien verteidigen!"
Foto ©: heba/Umbruch Bildarchiv
Am 18. April demonstrierten in vier bundesdeutschen Städten an die 80.000 Menschen für die Energiewende und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energie aus Wind und Sonne. In Berlin begann die Demo von über 20.000 Teilnehmerinnen am Invalidenpark. Dort ist auch das Energie- und Wirtschaftsministerium von Frau Reiche. Diese CDU-Ministerin glänzte in den letzten Monaten durch eine offene Lobbypolitik für die fossile Industrie und die großen Gaskonzerne wie EON und RWE.

Katherina Reiche holte sich Ratschläge von den Energiekonzernen, wie ein beschleunigter Ausbau von Großbatteriespeichern zur Verhinderung der Dunkelflaute zugunsten der geplanten Gaskraftwerke verhindert werden kann und Frau Reiche sprach sich auch für die Renaissance der Atomkraft aus. Diese Frau ist eine „grandiose Fehlbesetzung und soll sofort zurücktreten“, so eine Kundgebungsrednerin des breiten Bündnisses von ‚Friday for Future‘ über ‚Greenpeace‘ und ‚Campact‘ bis zu Wirtschaftsvertretern aus der Branche der Erneuerbaren. Gerade jetzt zeige sich wie fundmental wichtig die Erneuerbaren sind für einen stabilen Strompreis, für die Klimaziele und eine Unabhängikeit von Autokraten der Öl- und Gasexportländer.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Links

Ostermarsch 2026

Das Foto zeigt eine Weitwinkelaufnahme eines Teils des Ostermarsches mit verschiedenen Transparenten, unter anderem Freiedensglocke, DKP, IG MEtall, BSW,
Foto: © Soldiner Kiez Kurier via Umbruch Bildarchiv
In rund 100 Städten gab es über die Feiertage antimilitaristische Aktionen und Demonstrationen gegen Kriege, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft. In Berlin beteiligten sich mehrere tausend Menschen am diesjährigen Ostermarsch durch Prenzlauer Berg. Aufgerufen hatte die Berliner Friedenskoordination (FriKo).

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Der Berliner Ostermarsch 2026 versammelte ein breites Bündnis an Organisationen. Das Spektrum reichte von traditionellen Friedensgruppen bis hin zu diversen linken und kommunistischen Gruppierungen. Es fiel deutlich auf, dass der Marsch vor allem von der älteren Generation getragen wurde. Jüngere Menschen waren eher in der Minderheit, setzten aber markante Punkte. Ein Beispiel war eine junge Rednerin aus dem Wedding von der neu gegründeten Initiative „Nein zur Wehrpflicht“, die mit einer scharfen Kritik an der Politik von Friedrich Merz mit dem Ausruf „Friedrich Merz Leck meine Eier!“ und dem Aufruf zum nächsten Schulstreik am 8. Mai den Abschluss bildete.

Die Friedenskoordination Berlin (Friko) zeigte sich in einer ersten Einschätzung sehr zufrieden und sprach von einer stabilen Resonanz, die auf dem Niveau des Vorjahres lag. Während die Polizei die Teilnehmerzahl mit rund 1.600 Personen angab, liegen die Schätzungen der Veranstalter traditionell etwas höher, wobei sie vor allem das „breite und entschlossene Bündnis“ unter dem Motto „Nein zum Irrsinn der Kriegspolitik“ hervorhoben. In ihrem offiziellen Fazit betonten die Organisatoren, dass der Marsch trotz der kontroversen Debatten im Vorfeld ein wichtiges Zeichen gegen Aufrüstung und die neue Wehrpflicht gesetzt habe.

„Die Politik der deutschen Regierung ist nicht „komplex“, sondern komplett unverantwortlich und irre. Sie setzt auf unbegrenzte Aufrüstung. Sie propagiert Kriegswirtschaft als alternativlos. Bis 2029 soll so weit aufgerüstet sein, dass die Bevölkerung bereit und die Bundeswehr fähig ist, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen. Die Regierung hat begeistert zugestimmt, 5% des BIP für das Militär auszugeben! Die Rüstungskonzerne jubeln, die sozialen Bereiche verkümmern. Die Lage für die Beschäftigten und Arbeitslosen, für die Jugend, die Familien und Alten wird immer prekärer.“

(Aufruf zur Demo)


Links


Demo nach Machetenangriff auf antifaschistische Jugendliche

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Fronttransparent mit dem historischen Logo der Antifaschistischen Aktion und dem Text: "Greift Ihr eine an antworten wir alle! - Organisiert gegen faschistische Gewalt". Dahinter sind weitere Transparente zu sehen sowie viele Demoteilnehmer:*Innen
Foto: © Björn Obmann / Umbruch Bildarchiv
Mehrere hundert Menschen demonstrierten am 5. April in Friedrichshain in Solidarität mit zwei Jugendlichen, die Ende März von Neonazis mit einer Machete verletzt worden waren.

In der Nacht vom 24. März auf den 25. März 2026 wurde eine junge Antifaschistin zusammen mit einer Freund:in auf ihrem Heimweg von Faschisten in Friedrichshain angegriffen. Sie schlugen der Antifaschistin mehrmals mit einer Machete auf den Kopf, was diese nur knapp abwehren konnte, indem sie die Arme hochriss. Besucher*innen des linken Ladens Supamolly bemerkten den Angriff und kamen zur Hilfe, woraufhin die Nazis flohen. Dabei riefen sie „Scheiß Punker“ und „Sieg heil“.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Links


Solidarität mit der Habersaathstraße

Das Foto von © heba zeigt das Transparent mit dem Text "Abriss war gestern schon Scheiße" mit dem "Roten Rathaus" im Hintergrund.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
In der Habersaathstraße 40-48 wird seit Jahren versucht, Menschen mit Drohungen und Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Seit vier Monaten leben die Mieter:innen ohne Heizung und Warmwasser. Leerstehende Wohnungen werden im Auftrag des Vermieters demoliert, Türen eingetreten, Sanitäranlagen zerstört. Schlägertrupps im Haus – Angst gehört für die Bewohner:innen zum Alltag.

„Das geht uns alle an!“ Der Berliner Mieterverein, das Bündnis gegen Verdrängung & Mietenwahnsinn, das Bündnis gegen Zwangsräumungen und andere organisierten am Samstag, den 28. März eine Soli-Demonstration für die Habersaathstraße. 400- 500 Menschen kamen zur Unterstützung und um Druck zu machen, das die Bewohner*innen der Habersaathstraße nach dem langen Winter endlich sicher in ihren Wohnungen bleiben können. Kein Abriss! Mieter:innen schützen! Bezahlbare Wohnungen retten! Rekommunalisierung jetzt!

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Nach der Auftaktkundgebung vor dem Roten Rathaus führte die Demo quer durch Berlin-Mitte zur Novalisstraße 13 zur Zwischenkundgebung. An der immer noch von Abriss bedrohten ehemaligen CHARITE Papageienplatte in der Habersaathstrasse 40-48 wurde die Demo mit großem Hallo und Musik von Judith’s Krise, dem Resonanzchor und Kiezchor zur Abschlusskundgebung empfangen. In den Beiträgen zur Geschichte und aktuellen Situation in der Habersaathstraße findet auch ein Thema Gehör, das auf öffentlichen Kundgebungen sonst eher Tabu ist. Annegret Taube von „Leerstand Hab Ich Saath“ spricht über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe bedeuten. Hier ihr Beitrag.

„Ich komme jetzt schon einige Jahre und immer gerne hier ins Haus, um ein bisschen zur Hand zu gehen wo ich kann. Ob bei Reparaturen von Türen, Lampen, Spülkästen oder zerschlagenen Fenstern, ob zur Gartenpflege oder zum aufwischen des letzten Wasserschadens und vor allem auch um emotionalen Beistand zu leisten in diesem psychisch, physisch und emotional so belastenden Kampf um das eigene Zuhause.
Nie, Daniel, vergisst du nach einem langen gemeinsamen Arbeitstag dich für meine Hilfe zu bedanken. Aber wer sollte hier eigentlich wem danken? Wer hilft hier eigentlich wem?
Helfe ich Miriam, Ibrahim oder Daniel darin ihren Wohnraum nicht zu verlieren, weil ich ein bisschen bei der Instandhaltung helfe, ein bisschen Fürsorge leiste?
Ist es nicht viel mehr umgedreht: Dadurch das ihr immer noch diese fünf Häuser vor dem Abriss verteidigt, mit allen Strapazen, die das bedeutet, kämpft ihr auch für meine Chancen auch in Zukunft noch einen irgendwie bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und heute ist eine Wohnung schneller verloren als eine neue gefunden, dieser Erfahrung bin ich Anfang des Jahres selbst knapp entkommen. Das hier geht uns also alle an!
Wenn diese Wohnungen erhalten bleiben, wenn das Recht auf Wohnen über Pichottas Traum vom Abriss siegt, hat das nicht nur einen positiven Einfluss auf den Berliner Mietspiegel insgesamt. Es sendet auch ein Signal an andere Eigentümer*innen mit ihren verbrecherischen Entmietungsmethoden, ist auch ein Mut-machendes Signal an andere Menschen in Mietenkämpfen und bestenfalls hilft es sogar gegen die Arbeitsverweigerung mancher trüben Tasse im Bezirksamt, die mit ihrer Untätigkeit, ihrem schwachen Willen und fehlendem Mut diese kriminellen Eskalationen wie sie in der Habersaathstraße 40-48 seit Jahren geschehen, erst ermöglichen. Ja, dieser Kampf hier geht uns alle etwas an!
Für unser Zuhause müssen wir selber kämpfen, das ist in dieser Stadt längst bekannt. Die Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48 sind ein besonders beeindruckendes Beispiel, denn
hier kämpfen Menschen seit bald 20 Jahren und sie tun es ausgesprochen erfolgreich! In diesem Sinnen möchte ich die Gelegenheit nutzen einmal ausdrücklich Danke zu sagen an alle
Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48. Besonders bedanken möchte ich mich bei den Langzeitmieter*innen der IG Hab für ihre unglaubliche Ausdauer, für ihre Hartnäckigkeit und
Widerstandsfähigkeit, für die längst nicht mehr zu zählenden Stunden an harter Arbeit, die du Daniel seit Jahren investierst diesen Wohnraum nicht nur für dich, sondern für so Viele zu erhalten und das unter Umständen, für die mir früher die Fantasie gefehlt hätte. Danke an euch alle, die ihr euch dem eskalierenden Wohnungsmarkt nicht ergebt! Sondern euch widersetzt und für den Erhalt dieser Häuser einsteht und damit nicht nur das eigenen Zuhause schützt, sondern auch mein Zukünftiges.

Das war der angenehme Teil meines Beitrags.
Jetzt möchte ich über die andere Seite politischer Arbeit sprechen, die viel weniger Beachtung findet, von der öffentlich nur selten gesprochen wird, die nicht kämpferisch und laut auf
Kundgebungen und Soliveranstaltungen von allen gefeiert werden kann. Ich denke, viel zu selten sprechen wir über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe auch bedeuten. Vielleicht tun wir das im kleinen vertrauten Kreis, in dem man sich traut von seiner Verzweiflung und von seiner Angst zu sprechen. Auf öffentlichen Veranstaltungen, in großen Plenas, auf Bühnen einer Kundgebung oder in Texten, die wir schreiben, kommt dieser Teil oft nicht vor.
Nicht anschlussfähig für ein Demopublikum was vor allem motiviert werden möchte?
Psychische und physische Belastungen und ihre Folgen sind in den letzten Jahren auch ein erheblicher Teil des Kampfes um die Habersaathstraße 40-48 geworden. Sie sollten auch Beachtung finden. Wer die Geschichte dieses Haus hören möchte, soll auch von dem Schaden hören, den dieser lange harter Kampf an unseren Seelen angerichtet hat.
Mit der emotionalen Belastung die der existenziellen Kampf um den eigenen Wohnraum auch bedeutet meine ich: Die Angst zu scheitern, das Gefühl vor lauter Überarbeitung den Sinn nicht mehr zu kennen, viel zu viel Arbeit für zu wenige Hände, die doch schon so müde sind von aller Schufterei. Die Last von zu viel Verantwortung, auch seinen Mitstreiterinnen gegenüber. Ich meine damit auch die Wut darin nicht angehört zu werden, über sogenannte innere Konflikte nicht sprechen zu sollen und sich von den eigenen Leuten im Stich gelassen zu fühlen. Ich meine auch die Last, die Angst der Anderen mit aushalten zu müssen und die, am eigenen Anspruch bei allem trotzdem verständnisvoll zu bleiben, letztlich doch zu scheitern.
Solidarität mit erhobener Faust auf der Straße ist leichter als in Solidarität mit denen, die vom Kampf kaputt gegangen sind sich zu verbünden. Wenn wir aber von einer besseren Welt für alle träumen, wie wir sagen, dann geht auch das uns alle an.

Wer glaubt, siegreiche Häuserkämpfe führen nur die mit einer starken Psyche, mit einem stabilen gesunden Umfeld, mit einer guten Work-Life-Balance und der viel gelobten Selbstfürsorge, der täuscht sich. Nein. Diese Häuser erhalten Menschen, von denen Viele massiven Schaden an ihrer Seele erlitten haben, durch das was hier passiert. Diese Häuser erhalten die oft Gebrochenen und wieder Zusammengeflickten, die psychisch Instabilen, die Traumatisierten. Wenn wir nach unserem Befinden gefragt werden, kann es passieren, dass wir viel zu viel reden, zu emotional zu wenig sachorientiert, wir vergreifen uns im Ton, wir haben Schlafstörungen, Haarausfall, dünne Nerven und trinken Tee gegen nervöse Unruhezustände – auch so sind die Kämpfer*innen der Habersaathstraße 40-48 und siehe da die Häuser stehen noch! Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Ich frage mich oft, wie solidarisch diese Welt, auf die wir hoffen ist, wenn wir uns so wenig trauen öffentlich zuzugeben, dass diese Kämpfe zu führen für viel von uns auch bedeutet kaputt zu gehen, auszuscheiden, damit allein zu bleiben und schließlich vergessen zu werden.
Um ehrlich zu sein habe ich schon lange genug von kämpferischen Parolen, die schnell verklingen, nichts wissen wollen von unseren Belastungen, die da aber auch eben sind. Parolen, die mich vor allem daran erinnern, dass ich bloß tapfer weiter machen soll. Ich habe auch genug von guten Ratschlägen zur besseren Abgrenzung und Selbstfürsorge. So ein Projekt wie dieses zu erhalten, bedeutet für die, die das hier vor Ort tun oft, über die eigenen Grenzen zu gehen. Auch weil schon viele gegangen sind, auch wenn das immer niemand hören will.
Ein Mieter sagte mal zu mir: Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Lieber noch als manche Kundgebung es oft war, ist mir jeder Arm, der mir gereicht wird, um zu heulen über die Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die wir hier oft empfinden, ist mir jedes ernst gemeinte ‚Wie geht es euch?‘, was einen Moment hilft sich weniger allein in diesem Kampf zu fühlen.
Ich wünsche mir, dass wir anfangen uns von der Kehrseite unseres Aktivismus genauso selbstbewusst zu berichten, wie von den gewonnenen Kämpfen. Das wir uns trauen öffentlich zu
sagen ‚Ich kann nicht mehr, es ist zu viel‘ und auch das geht uns alle etwas an. Ich wünsche mir die Stärke, gemeinsam auch laut und öffentlich „Schwach“ sein zu können und das als neue Praxis der Selbstfürsorge anzuerkennen.
Ich habe hier nicht nur gelernt wie unbeschreiblich schön es sich anfühlt etwas gemeinsam zu bewegen. Ich habe hier aber auch schmerzlich lernen müssen: Soziale Kämpfe haben für manche Menschen etwas Zerstörerisches. Ich möchte das das nicht vergessen wird. Es gehört genauso zur Geschichte dieser Häuser.
Diese Rede wird deshalb auch keine ermutigende Pointe haben. Denn unsere seelischen Schmerzen, die wir bei allem immer mit uns tragen, all die Tränen die um und in diesen Häusern schon geweint wurden hatten sie auch oft genug nicht.

Ich wünsche mir, dass die schmerzliche Seite beim Widerstand leisten nicht mehr so oft vergessen wird, das Menschen sich in diesen so emotional belastenden Kämpfen weniger allein fühlen und das sie ermutigt werden darüber zu sprechen. Ich bin froh über unseren Zusammenhalt.“
Annegret Taube

Weitere Hintergrundinformationen gibt es auf der Seite EINE PLATTE WILL BLEIBEN und auf der Seite DAS GEHT UNS ALLE AN

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


Jeden Tag was Neues

Das Foto zeigt ein verlassenes Ladengeschäft, über dessen Eingang ein Transparent mit dem Text "Bitte Kneipe" hängt. Darunter der frühere Schriftzug "Heinrich Zille-Apotheke". Einige Graffititags verzieren die Schaufensterscheiben
Foto: © Monika von Wegerer via Umbruch Bildarchiv

Wenn man außergewöhnliches oder skurriles entdecken möchte, ist Berlin absolut der richtige Ort. Immer werde ich bei Spaziergängen durch die Stadt von sehenswertem, schrägem oder einfach originellem überrascht. Auch meine Kamera hat ein Auge dafür.

Diese Bilder entstanden in den Jahren 2015-2025.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Links

Internationaler Tag gegen Polizeigewalt

Teilnehmer der Demo mit Fronttransparent mit grafisch bearbeiteten Bild von Lorenz und dem Text: "No Justice, no Peace - Disarm the Police!"
Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv
Zum internationalen Tag gegen Polizeigewalt versammelten sich am 15. März 2026 mehrere hundert Menschen in Berlin-Kreuzberg zum Gedenken an die Opfer von Polizeigewalt mit anschließender Demonstration für Gerechtigkeit und ein Ende staatlicher tödlicher Gewalt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Das bundesweite Bündnis „Keine Einzelfälle – Polizeigewalt tötet“, ein Zusammenschluss von mehr als 25 Organisationen, Initiativen, Betroffenen und Einzelpersonen, wollte auf das strukturelle Problem tödlicher Polizeigewalt hinweisen und darauf, wen diese besonders trifft: Schwarze Menschen, Migrant*innen, Wohnungslose, Menschen in psychischen Krisen, Queers, behinderte Menschen, Aktivist*innen und Sexarbeiter*innen.
Die Polizei ist ein Instrument der Repression. Aktuell verschärft das Berliner Polizeigesetz diese Zustände weiter: mit KI-Überwachung, Datenspeicherung, geheimen Wohnungsdurchsuchungen und der Legitimierung gezielter Tötungen – auch von Minderjährigen.
„Wir erinnern an Achidi, Oury, Mouhamed, Najib, Ante, Lorenz, Qabel, N’deye Mareame, Christy und viele andere – auch an diejenigen, deren Namen wir nicht kennen. Sie alle hatten Familien, Träume und eine Zukunft. Ihre Morde werden vertuscht, verharmlost und legitimiert. Wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden“. Jennifer Kamau, Pressesprecherin für das Bündnis und Gründerin „International Women* Space“

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links

8. März - Feministischer Kampftag 2026

Das Foto von © Kinkalitzken zeigt das Fronttransparent mit dem Text "feministisch solidarisch gewerkschaftlich - Für eine feministische und antifaschistische Zukunft!" das von einem bunt gewürfelten Haufen Frauen* getragen wird. Dahinter weitere Transparente und Plakate.
Foto: © Kinkalitzken via Umbruch Bildarchiv
Rund 30.000 Menschen zogen unter dem Motto „feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ zum feministischen Kampftag am 8.3.2026 von Berlin-Kreuzberg nach Mitte, um für eine feministische und antifaschistische Zukunft zu protestieren.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Demonstration eines breiten Bündnisses aus feministischen und stadtpolitischen Initiativen, Gewerkschaften und Verbänden richtete sich gegen Antifeminismus, Rechtsruck, Rassismus und Antisemitismus sowie gegen die zunehmende Gewalt an Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans* und agender Menschen (FLINTA*), die sich in gesellschaftlichen Debatten ebenso wie in konkreten Angriffen und Bedrohungen niederschlägt.

Mit Blick auf die wachsende Zustimmung zur AfD warnte das Bündnis vor einer weiteren Normalisierung antifeministischer und queerfeindlicher Positionen im öffentlichen Diskurs und stellte sich klar gegen Spaltung, Ausgrenzung und Hass. International erklärte es sich solidarisch mit feministischen Bewegungen weltweit und fordert Investitionen in soziale Sicherheit und Friedenspolitik statt weiterer Aufrüstung.
„Das gute Leben für alle ist möglich – wenn wir es gemeinsam erkämpfen. Ob für sexuelle Selbstbestimmung oder Löhne, die für ein gutes Leben reichen. Unsere Alternative heißt Solidarität!“

(aus dem Aufruf)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


8. März. Gegen Krieg. Für die Frauenrevolution

Das Foto von © Monika von Wegerer zeigt drei Teilnehmer*innen der Aktion mit selbstgemalten Plakaten: "Gegem Macker und Rassisten - Fight the Power - Fight the Cistem" "Kein Täter darf sich sicher fühlen" sowie Durchgestrichen: "Beziehungstat - Femizid" Durchgestrichen "Minderjährige Frauen - Mädchen" Durchgestrichen: "Hysterie - Wut"
Foto: © Monika von Wegerer via Umbruch Bildarchiv
Am 8. März 2026 versammelten sich mehrere hundert Frauen am Gesundbrunnen zu einer Demonstration durch den Wedding unter dem Motto: „Gegen Krieg, für die Frauenrevolution.“ Der Protest richtete sich gegen patriarchale Gewalt, für Gleichberechtigung, gegen gekürzte Sozialleistungen, explodierende Miet-, Lebensmittel und Energiepreise bei gleichzeitigen Milliardenausgaben für Rüstung und deutscher Beteiligung an völkerrechtlichen Kriegen. So führte die Demo auch vorbei an Rheinmetall aus Protest gegen die dort geplante Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter. Ab Frühsommer will Rheinmetall im Werk in der Scheringstraße 2 statt Autozubehör Geschosshülsen für Artilleriemunition herstellen. Erstmals seit Jahrzehnten sollen in Berlin wieder Rüstungsgüter produziert werden.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
Während Deutschland den Genozid in Gaza und den Krieg gegen Rojava weiter fleißig mit Waffen und Geld unterstützt, kürzt der Staat an allen Ecken und Enden im Sozialen Bereich und in der Gewaltschutzhilfe. Die Fassade eines Landes, das angeblich Frauen- und LGBTI+ Schutz ganz nach vorne stellt bröckelt immer mehr!
Wir wissen: Während fast jeden Tag eine Schwester von uns durch die Hand eines Mannes ermordet wird und unsere Schwestern weltweit mit deutschen Bomben das Leben zur Hölle gemacht wird, sind wir es, die uns gegenseitig schützen und für unsere Befreiung kämpfen werden! Deshalb am 8. März mit uns auf die Straßen!

(Aufruf zur Demo)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema


Links


cronjob