trueten.de

»Das sind meine Prinzipien, und wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.« Julius Henry "Groucho" Marx

Blogkino: Escape from Sobibór (1987)

Heute vor 82 Jahren fand der Massenausbruch von 400 Gefangenen aus dem Vernichtungslager Sobibór statt. Sie haben ein paar Wachen umgebracht, bevor sie entdeckt wurden und unter Beschuss in die Freiheit rennen mussten. 150 sind entkommen, viele haben sich Partisanengruppen oder der Roten Armee angeschlossen. Aus diesem Anlaß zeigen wir in unserer Reihe Blogkino den 1987 unter der Regie von Jack Gold nach dem Buch Escape von Sobibor von Richard Rashke und einem Drehbuch von Thomas BlattReginald Rose und Stanisław Szmajzner gedrehten Fernsehfilm "Escape from Sobibór" mit Alan Arkin als Leon FeldhendlerJoanna Pacuła als Luka (Gertrude Poppert) und Rutger Hauer mit seiner Golden Globe Award als Best Actor in a Supporting Role (Television) Rolle als Alexander „Sascha“ Petscherski.

Der Film behandelt das Leben der so genannten Arbeitshäftlinge im Vernichtungslager und dort vor allem den historischen Aufstand von Sobibór, in dem jüdische Gefangene aus einem Vernichtungslager der SS erfolgreich fliehen konnten.


Buchvorstellung & Gespräch: ELLA - nichts haben, alles ändern

Die Protagonistin ELLA, einst Mitglied der
Das Buchcover zeigt neben Titel und Autor:Innenangaben Ella mit einem Regenschirm vor einem Foto einer Reihe von Student:Innen aus '68, die untergehakt eine Menschenkette bilden.
Buchcover
Bewegung 2. Juni, einer bewaffneten Gruppe aus den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der BRD, blickt von 2022 aus auf ihre eigene Geschichte zurück. Während heute staatlich eine »Zeitenwende« verkündet wird, in der Krieg und Gewalt wieder normal werden, erinnert sie sich an eine andere Zeitenwende: An jene Zeit ab Mitte der sechziger Jahre, als international die alte Weltordnung aus Kolonialismus und Imperialismus ins Wanken geriet und auch in der BRD die Verkarstung der Nachkriegsjahre mit ihrer von Faschismus und Krieg sozialisierten Mehrheitsgesellschaft von einem großen Teil der Jugend aufgebrochen wurden; eine Zeit, in der sich ein Fenster der Geschichte zu öffnen schien, durch dessen Spalt man einen Blick in eine andere Zukunft richten konnte.

Was passiert heute, wo dieses Fenster der Geschichte, zumindest in den alten Metropolen, wieder verschlossen scheint?

Geschrieben von Michael Weber und illustriert von ZAZA Uta Röttgers erzählt diese Graphic Novel die Geschichte einer Zeit des kollektiven Aufbruchs, des Mutes, der Leichtigkeit, des Glücks wie auch ihrer Niederlage, verliert jedoch nie die Hoffnung, dass alles endlich wieder anders werden kann.

Michael Weber wird auf der Basis einer PowerPoint-Präsentation aus dem Buch vorlesen.

ELLA wird für das Gespräch anwesend sein.

16.10.2025 // 20:00 Uhr
Buchladen Schwarze Risse
Gneisenaustr. 2a
2. Hinterhof
Metro-Station Mehringdamm
Eintritt: frei!

Herausgegeben von
Galerie der abseitigen Künste
Illustriert von ZAZA Uta Röttgers, geschrieben von Michael Weber anhand der Erzählungen Ella Rollniks, einst Mitgleid der Bewegung 2. Juni

212 Seiten
Ausgabe: Hartcover
ISBN 978-3-948478-21-6
Preis € 28.00

Weitere Links:

77 Jahre und zwei Jahre oder: Über Palästina

Das Foto zeigt eine Frau von hinten, die aus einem zwerbombten Wohnhaus in Richtung der Grenzmauer blickt.
Foto: Global Sumud Flotilla
Ich bin um 3 Uhr morgens aufgewacht und hab mein Handy gecheckt, weil ich nicht immer die Person bin, die ich sein will, und nicht immer die Gewohnheiten hab, die ich haben will. Ich bin aufgewacht, hab mein Handy gecheckt und gesehen, dass ein weiteres Schiff der Hilfsflotte für Palästina in internationalen Gewässern vom israelischen Militär abgefangen wurde. Ich sah, dass Menschen, die ich kenne und die ich kennen könnte, entführt worden waren und dass sie allem Anschein nach derzeit von israelischer Seite gefoltert werden.

Ich konnte nicht mehr einschlafen.

Ich gehe davon aus, dass ihr alle bereits auf die Hilfsflotten aufmerksam geworden seid, Schiffe voller mutiger Menschen aus aller Welt, aber falls nicht, dann tut dies bitte. Jedes Mal, wenn ein Aktivist entführt wird, gibt es konkrete Aufrufe zum Handeln.

Ich schreibe nicht viel über Palästina, obwohl ich in den letzten zwei Jahren fast jeden Tag darüber nachgedacht habe. Ich schreibe nicht darüber, weil ich nicht die Stimme bin, auf die die Leute in dieser Frage hören sollten. Ich mache mir Sorgen, vielleicht mehr als ich sollte, dass ich in der Diskussion zu viel Raum einnehme.

Aber ich weiß ein paar Dinge.

Ich weiß, dass es seit 77 Jahren (und länger) Völkermord und Widerstand in Palästina gibt und dass es jetzt seit zwei Jahren eine dramatische Eskalation in Gaza gibt. Es lohnt sich, diese ganze Geschichte und die Gegenwart zu verstehen, vor allem, wenn du Sympathie für den Zionismus hast oder in deinem Kopf Zionismus mit Judentum verwechselst.

Ich habe einen Teil dieser Geschichte bereits in meinem Podcast behandelt, darunter Diskussionen über die israelische und internationale Solidarität mit den Palästinensern und die lange Geschichte der Hungerstreiks. Der Zionismus war bewusst ein Siedlerkolonialprojekt (denn das waren keine Schimpfwörter für die Europäer zu der Zeit, als der Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts seinen Anfang nahm), und die ersten zionistischen Siedlungen in Palästina schufen eine Gesellschaft (und vor allem eine Wirtschaft), die völlig losgelöst von den bestehenden Menschen und der Kultur der Region war. Ich schreibe „die ersten zionistischen Siedlungen” und nicht „die ersten jüdischen Siedlungen”, weil Juden schon immer in Palästina gelebt haben, auch ziemlich aktiv im 19. Jahrhundert vor dem Zionismus.

Das Osmanische Reich hat religiösen Minderheiten zwar keine vollen und gleichen Rechte gewährt, aber es war wesentlich freundlicher zu Juden als Europa. Als die Juden 1492 von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, waren es die Osmanen, die sie aufnahmen. Auch schwule Männer flohen aus Europa ins Osmanische Reich, weil die muslimische Gesellschaft Homosexualität wesentlich toleranter gegenüberstand als das christliche Europa. (Das Osmanische Reich verdient eine eigene Kritik, auf die ich in meinen Episoden über den Widerstand gegen den Völkermord an den Armeniern ausführlich eingegangen bin.

Ich glaube nicht, dass ich es so gut ausdrücken kann wie die jüdischen Antizionisten, und wahrscheinlich hast du in den letzten Jahren schon oft darüber gelesen, aber wir dürfen niemals, niemals zulassen, dass Judentum oder Jüdischsein mit Zionismus gleichgesetzt werden. Das ist genau das, was sowohl Zionisten als auch Antisemiten (und die gar nicht so seltenen antisemitischen rechten christlichen Zionisten) wollen.

Das beste Buch, das ich persönlich über die Geschichte des zionistischen Projekts gelesen habe, ist „The Hundred Years’ War on Palestine“ von Rashid Khalidi.

Ich nehme an diesem Memoirenkurs von Raechel Anne Jolie teil, weil ich abstrakt gesehen versuche, eine Art Memoiren zu schreiben, und Raechel weiß, was sie tut. Für das Schreiben dieser Memoiren habe ich alte Tagebücher und alte Texte durchgesehen und viel über das halbe Jahr gelesen, das ich in Amsterdam verbracht habe.

Als ich in Amsterdam lebte (2005 und 2006), war ich mit vielen Israelis befreundet, weil viele israelische Anarchisten in Amsterdam lebten, weil sie sich weigerten, in der IDF/IOF zu dienen. Denn die Unterdrückung der Palästinenser hat nicht erst vor zwei Jahren begonnen.

Ich mache mir Gedanken darüber, mich auf die Erfahrungen dieser Israelis zu konzentrieren, weil sie in der Diskussion nicht mehr im Mittelpunkt stehen sollten als weiße Amerikaner in Diskussionen über die Dekolonisierung, die hier in Nordamerika genauso wichtig ist. Aber man kann sich nicht aussuchen, wo man geboren wird, und für mich war es durch die Bekanntschaft mit diesen Israelis in Amsterdam ziemlich einfach zu verstehen, dass Judentum und Zionismus zwei völlig verschiedene Dinge sind.

Ich kann dir von zwei jungen Männern erzählen, die beide Yoni hießen. Der eine Yoni war ein leidenschaftlicher anarchistischer Aktivist, prinzipientreu und organisiert. Als er zum Dienst in der IDF einberufen wurde, marschierte er in das Büro und sagte ihnen, dass er auf keinen Fall ein Gewehr in die Hand nehmen würde, um die Palästinenser zu unterdrücken. Er verbrachte einige Zeit im Gefängnis wegen seiner Dienstverweigerung und verließ dann das Land.

Der andere Yoni war der Typ, der mich auf Blind Guardian gebracht hat. Er liebte Chaos und Magie und erzählte mir, er sei der Schlagzeuger jeder Anarcho-Punk-Band in Israel, obwohl er Metal viel lieber mochte. Als er zum Militärdienst einberufen wurde, ging er zur IDF und sagte: „Klar, gebt mir eine Waffe. Ich will Menschen töten. Ich weiß nicht, wen ich töten werde. Vielleicht mich, vielleicht dich, aber gib mir eine Waffe.“ Die IDF entschied, dass sie den Chaosmagier Yoni nicht haben wollten.

Es wird dich nicht überraschen, dass ich mich mit Chaos Yoni besser angefreundet habe, obwohl die wichtigste Geschichte, die ich über ihn zu erzählen habe, die ist, dass ich ihm versehentlich mit einem Schlagstock auf das Ohr geschlagen habe, als wir mit der Schutzausrüstung herumspielten, die unsere Freunde von der Polizei geklaut hatten. Sein ganzes Ohr war etwa eine Woche lang lila und blau.

Ich kann dir auch von Tal erzählen. Ruhe in Frieden, Tal. Tal war eine israelische Anarchistin, die in Amsterdam lebte und jung an Krebs starb. Sie war ziemlich klein. Sie war mit einem Niederländer namens Sjoerd (ausgesprochen ungefähr „short“) zusammen, der sehr groß war. Ich fand das super witzig. Niemand sonst fand das lustig. Tal lebte in Amsterdam, weil sie nichts mit der israelischen Besetzung Palästinas zu tun haben wollte, aber sie fuhr fast jeden Monat mit Sjoerd zurück, um an den Protesten im Westjordanland teilzunehmen. Dort arbeiteten die beiden solidarisch – und als freiwillige menschliche Schutzschilde – für die Palästinenser im Westjordanland, die an einer der größten zivilen Ungehorsamskampagnen teilnahmen, die die Welt je gesehen hat, und bei jeder Gelegenheit mit Schüssen konfrontiert wurden.

Denn was man auch wissen und nicht vergessen sollte, wenn wir nun zwei Jahre dieses „Krieges“ hinter uns haben, ist, dass die Palästinenser verdammt noch mal alles versucht haben. Sie haben internationale Appelle versucht, sie haben massive gewaltfreie Kampagnen versucht, sie haben Hungerstreiks versucht, sie haben versucht, innerhalb des Systems zu arbeiten. In den 1990er Jahren, nach einem halben Jahrhundert des Kampfes, waren sie bereit, sehr, sehr erhebliche Kompromisse einzugehen, um eine Zwei-Staaten-Lösung zu akzeptieren. Aber das Angebot, das sie erhielten (ausgehandelt von Bill Clinton), war keine Zwei-Staaten-Lösung, sondern reine und unverhüllte Unterdrückung und Unterwerfung, und ihr Kampf ging weiter.

Wie auch immer, freies Palästina.

Quelle: Margaret Killjoy, 77 years and two years or: On Palestine, 08. Oktober 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]


All eyes on Gaza

Das Foto von © Björn Obmann zeigt einen Ausschnitt aus der Demo. Sichtbar sind eine Fahne der "Antikolonialen Aktion" eine Papptafel mit dem Text "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht" sowie eine Tafel mit "Jüdische Mitbüger:innen wegen Israelkritik unter Extremismusverdacht?!? Wann hört die Freak-Show endlich auf?". Halb verdeckt ist ein Transparent mit dem Text: "Die Würde des Menschen ist antastbar" zu sehen.
Foto © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Unter dem Titel „All Eyes on Gaza – Stoppt den Genozid!“ demonstrierten am 27. September 100.000 Menschen in Berlin für ein Ende des Krieges in Gaza, für den Stopp deutscher Waffenlieferungen nach Israel und für einen ungehinderten Zugang humanitärer Hilfe für die Menschen im Gazastreifen. Ein Bündnis aus mehr als 50 Organisationen, Verbänden und Einzelpersonen hatten die Versammlung organisiert, darunter propalästinensische Gruppen, jüdische Aktivist*innen, Medico International, Amnesty International und die Partei Die Linke.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

„In Gaza werden nach wie vor ganze Familien durch Bomben ausgelöscht und tagtäglich wahllos Zivilist:innen umgebracht, unter ihnen viele Kinder. Hungernde Menschen suchen an den wenigen israelisch kontrollierten Ausgabestellen nach Hilfe und finden dort stattdessen den Tod. Unabhängige humanitäre Hilfe und Versorgung wird durch Israel blockiert und verhindert. Fast die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens befindet sich auf der Flucht.

Das Vorgehen der israelischen Regierung wird von Expert:innen und internationalen Organisationen seit Langem als Genozid beschrieben und vom Internationalen Gerichtshof als solcher untersucht. Während jede:r sehen kann, wie die israelische Armee Massengräuel in Gaza verübt, leugnet die Bundesregierung die systematische Gewalt.

Wir wollen die deutsche Komplizenschaft beenden und gegen die sogenannte Staatsräson auf die Straße gehen! Wir fordern von der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag:
  • Beenden Sie jegliche militärische Kooperation mit Israel. Dazu gehören Import, Export und Transit von Waffen, Munition und anderen Rüstungsgütern.
  • Nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Mittel, um den ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe nach den anerkannten humanitären Prinzipien sowie einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand für Gaza zu erreichen.
  • Setzen Sie sich für ein Ende der seit Jahrzehnten andauernden Vertreibung und der illegalen Besatzung des palästinensischen Gebiets ein.
  • Unterstützen Sie die internationale Gerichtsbarkeit ohne Einschränkungen und setzen Sie ihre Entscheidungen vollständig um.
  • Setzen Sie sich für die Freilassung aller Opfer von Kriegsverbrechen ein, die sich als illegal Inhaftierte zu Tausenden in israelischen Gefängnissen und zu Dutzenden in Geiselhaft in Gaza befinden.
  • Setzen sie sich für die Verwirklichung des Rechts auf individuelle und kollektive Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Palästinenser:innen ein.
  • Schützen Sie die Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Beenden Sie die Unterdrückung legitimer Proteste und freier Meinungsäußerung der Palästina-solidarischen Bewegung.

Wir verurteilen alle Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, unabhängig davon, ob sie von israelischen oder palästinensischen Akteur:innen begangen werden. Für uns gelten das Völkerrecht und die Menschenrechte immer und für alle. Angesichts der Massentötungen in Gaza und der systematischen Zerstörung richten wir unsere Hauptkritik aber an die israelische Regierung und ihre Unterstützer:innen.“
(Aufruf zur Veranstaltung)

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Links



Wie lange noch?!

Rede von Sebastian Schröder auf der Mahnwache und Kundgebung „Freiheit für Palästina“ am 4. Oktober 2025 in Wuppertal

Hallo

Mein Name ist Sebastian Schröder.

Ich bin in der Palästina-Solidarität aktiv und möchte heute über unsere Wuppertaler Partnerstadt Beʾer Scheva sprechen.

Über einen rassistischen Vorfall wird in der israelischen Zeitung Haaretz vom 25. September 2024 berichtet. Ich zitiere den Originaltext in einer Übersetzung aus dem Englischen:

„Israel flößt seinen Kindern die Werte des Mobs ein
Zilberman High School in Be’er Sheva.

Stellen Sie sich Dutzende von Schülern in einer Schule vor, die ein 12-jähriges arabisches Mädchen aus der 7. Klasse umringen und laut „Dein Dorf soll brennen“ singen. So geschah es letzte Woche in der Zilberman-Schule in Be’er Sheva, nachdem das Mädchen es gewagt hatte, während einer Klassendiskussion Mitgefühl für die Kinder von Gaza auszudrücken (Haaretz, 24. September).
Und was tat die Schule daraufhin? Sie suspendierte das Mädchen. Und das Bildungsministerium? Es stützte die Suspendierung. Und die Eltern der anderen Schüler an der Schule? Sie forderten in einer WhatsApp-Gruppe, dass sie vom Unterricht ferngehalten wird. Und die Gemeinde? Nun, die stellvertretende Bürgermeisterin schlug vor, ihrer gesamten Familie die Staatsbürgerschaft zu entziehen.“

Das Foto zeigt eine Frau die einem Jungen anlächelt, beide spielen während des Protestes auf Trommeln.
Protest von Frauen gegen die Vertreibung der Beduinen, Beʾer Scheva, Israel, 21.3.2012
Fotograf: Keren Manor / Activestills
Der Text lautet im folgenden:
„Das Mädchen erzählte Haaretz, dass sie in der Diskussion im Klassenzimmer sagte, dass Kinder in Gaza an Hunger leiden und sterben. Als der Unterricht zu Ende war, begannen die anderen Schüler in der Klasse, sie anzugreifen, beschuldigten sie, die Hamas zu unterstützen, beschimpften sie und sangen „Dein Dorf sollte brennen“. Diese Mob-Kultur ist gut etabliert: Videos von der Schule wurden in den sozialen Medien gepostet, und die Reaktionen, die zur Gewalt aufriefen, haben ihren Zweck erfüllt.“

Weiter heisst es:
„Der Vater des Mädchens erzählte, dass „sehr schnell die Schüler anfingen, sich um sie zu scharen“ und dass „der Lehrer einfach wegging und das Mädchen sich gegen die Schüler wehren ließ, bis ein anderer Lehrer kam, die Situation sah und sie zur Direktorin brachte.“ Die Direktorin ihrerseits alarmierte den Vater und teilte ihm mit, dass seine Tochter für mehrere Tage suspendiert werde, „um zu verstehen, woher die Winde wehen“ und um seine Tochter vor Angriffen und Belästigungen zu schützen. Der Vater beschloss, auch seine zweite Tochter zu Hause zu behalten, aus Angst, dass sie belästigt werden würde, und er sagte, dass andere arabische Schüler an der Schule das Gleiche taten. Das Bildungsministerium berichtete, dass beschlossen wurde, das Mädchen aufgrund ihres Verhaltens von der Schule fernzuhalten, bis die Angelegenheit vollständig geklärt ist, und um Reibereien zwischen ihr und den anderen Schülern zu vermeiden.“

Die Übersetzung lautet weiter:
„Der Vorfall an der Zilberman-Schule ist ein weiterer Beweis dafür, dass sich in der Gesellschaft und im Land beunruhigende Entwicklungen vollziehen und dass der Krieg nur dazu beigetragen hat, sie zu beschleunigen. Jedes Glied in der Kette der Ereignisse und alle Beteiligten – Erwachsene und Kinder, auch auf privater, institutioneller, bildungsbezogener, kommunaler und nationaler Ebene – sind davon betroffen. Ein 12-jähriges Mädchen äußerte ihre Meinung während einer Diskussion in der Klasse. Sie ist dem Mobbing in der Gruppe überlassen und wenn Erwachsene so freundlich sind, einzugreifen, finden sie es angemessen, sie zu suspendieren.“

Weiter heisst es:
„Die Schule hat kläglich versäumt, das Mädchen zu verteidigen, und mit ihrer Entscheidung, sie zu suspendieren, unterstützt sie tatsächlich das Mobbing-Verhalten der anderen Schüler und vermittelt Werte, die die politische Verfolgung, die jüdische Vorherrschaft (dass jüdische Kinder angeblich alles über Araber sagen dürfen, während Araber sich nicht politisch äußern dürfen), Gruppenmobbing und Mob-Attacken unterstützen.

In einem ordentlich geführten Land wäre die richtige Adresse, um dieses Unrecht zu korrigieren, der Bildungsminister gewesen. In Israel ist das Yoav Kisch, ein erwiesener politischer Gesetzesbrecher und Teil einer rassistischen, nationalistischen Regierung. Man würde hoffen, dass jemand im Bildungsministerium, in der Gemeinde oder in der Schule zur Vernunft kommt und diese Schülerin schützt.“
Zitat Ende

Eine Wuppertalerin hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Wuppertal über diesen schlimmen Vorfall informiert und gebeten, sich dazu zu äußern. Aber die Lehrer*innen-Gewerkschaft GEW schweigt gegenüber diesem Verbrechen, das sich in jeder Schule in Beʾer Scheva wiederholen kann.

In Wuppertal ist dieser pogromartige Angriff auf ein zwölfjähriges palästinensisches Mädchen kein Thema – nein, es ist sogar noch schlimmer: im Lokalteil der Westdeutschen Zeitung vom 9. August 2025 kommen israelische Einwohner*innen von Beʾer Scheva mit Wurzeln in Elberfeld zu Wort. Sie sagen zur beduinischen Minderheit : „in einem Kindergarten werden (.) auch beduinische Kinder betreut (.) und alle gleich behandelt“.

Aber die Wirklichkeit ist eine andere.

Beduinen und Unterstützer protestieren gegen den Prawer-Plan, eine Regierungsmaßnahme, die darauf abzielt, Beduinen aus ihren nicht anerkannten Dörfern weiter zu vertreiben und sie in städtischen Gemeinden zu konzentrieren. Beʾer Scheva, Israel, 6. Oktober 2011.
Protest gegen den Prawer-Plan, Beʾer Scheva, Israel, 6.10.2011
Fotograf: Keren Manor
Die indigene beduinische Bevölkerung wird von der israelischen Mehrheitsbevölkerung separiert, sie haben nicht die gleichen Rechte, und immer wieder wird versucht, sie aus den Dörfern zu vertreiben. Bei Wikipedia heisst es:“Während des Palästinakrieges von 1948 ist ein Großteil der (…) Beduinen geflohen oder wurde vertrieben. Eine weitere Vertreibung von etwa 10.000 Beduinen aus der Region von Beʾer Scheva und Al-Auja (Jericho) in Richtung des Sinai folgte 1950. Ein großer Teil des Negev wurde staatliches bzw. militärisches Gebiet, und die Beduinen wurden auf ein reservat-ähnliches Gebiet im Nordosten des Negev umgesiedelt, das 10 Prozent der der Fläche (..) ausmacht.“

Am 18. September haben tausende Beduin*innen in Beʾer Scheva gegen die Zwangsvertreibungen demonstriert. Unter der aktuellen faschistischen Regierung wurden bereits 4.450 Zwangsräumungen durchgeführt. Ein Tag vor der länger geplanten Demonstration haben die israelischen Polizeikräfte die Bewohner*innen des Dorfes Al Sir gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die Hausbeitzer*innen mussten ihre eigenen Häuser abreissen -wenn sie dies nicht getan haben, haben sie eine Strafzahlung vom israelischen Staat bekommen. Die brutalen und rassistischen Vorgänge sind auf Instagram bei standing.together.english und negevrcuv dolumentiert.

In Wuppertal wird zu den Vertreibungen der Beduin*innen geschwiegen.

In Wuppertal wird zur strukturellen rassistischen Gewalt an den Schulen in Beʾer Scheva geschwiegen.

In Wuppertal wird zu den Kriegsverbrechen des Shimon Tobol, des ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisters von Beʾer Scheva, geschwiegen.

Wie lange noch?!

„Die Negev ist für alle!“.

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Keren Manor / activestills.org

Erstveröffentlichung bei njuuz - News für Wuppertal

Der Himmel und die fallenden Blätter oder: Wie wir uns alle uneinig sind, was gerade passiert, und warum das irgendwie okay ist

Das Foto zeigt nasse Herbstblätter in der Stadt auf dem Boden.
Herbstblätter in der Stadt
Quelle: Polyflux, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Am ersten Herbstmorgen, an dem es sich wirklich wie Herbst fühlte, mit der tief stehenden Sonne in der klaren Luft und den Blättern, die über den Boden verstreut waren, wachte ich auf und fand einen sterbenden Vogel in meinem Wohnzimmer.

Es gibt viele Gründe, warum in meinem Wohnzimmer kein sterbender Vogel liegen sollte, und einer dieser Gründe ist, dass ich mich mit der Identifizierung von Vögeln nicht auskenne, sodass ich nicht einmal in der Lage bin, auf zufriedenstellende Weise über das verdammte Ding zu schreiben. Ich glaube, es war ein Rotkehlchen.

Ein weiterer Grund, warum in meinem Wohnzimmer kein sterbender Vogel liegen sollte, ist, dass die Tür zur Veranda geschlossen war, sodass er eigentlich gar nicht hineinkommen konnte.

Ein weiterer Grund, warum kein sterbender Vogel in meinem Wohnzimmer sein sollte, ist, dass wir unsere Welt jetzt mit der Vogelgrippe teilen und wir uns heutzutage nicht zu sehr in die Nähe von toten (oder vermutlich sterbenden) Vögeln begeben sollten.

Ich warf ein Geschirrtuch über ihn, wo er auf dem Boden lag, setzte eine Atemschutzmaske auf und trug ihn vorsichtig nach draußen. Ich legte ihn auf einen Haufen Gerümpel in meinem Garten und beobachtete, wie der kleine Kerl atmete und blinzelte. Ich könnte schwören, dass ich eine Träne über sein Gesicht laufen sah, aber selbst als ich das sah, sagte mir mein Verstand, dass ich so etwas nicht gesehen haben konnte – obwohl ich später bei Google herausfand, dass Vögel tatsächlich Tränen produzieren können. Nur wahrscheinlich nicht als Reaktion auf Emotionen.

Ich ging ins Haus, wusch mir die Hände und beschloss, dass es meinem Leben nicht gut tun würde, wenn ich jetzt wegen einer Krankheit in Panik geriete. Zehn Minuten später, als ich wieder nach draußen ging, um mit meinem Hund spazieren zu gehen, hatte das Rotkehlchen aufgehört zu atmen.

Willkommen, Herbst. Gut, dass ich nicht voll und ganz an Omen glaube.

Wir haben noch keinen Konsens darüber gefunden, wie schlimm die Lage in Amerika gerade ist. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hat eine andere Meinung zur aktuellen Krise. Einige Leute sind total wachsam und beobachten den Himmel auf Anzeichen dafür, dass er herunterfällt. Andere halten den Kopf gesenkt und starren fest auf den Weg vor sich. Wieder andere schreiben verworrene Metaphern über all das in ihre Newsletter.

Wir können uns nicht darauf einigen, was gerade passiert, daher waren alle Gespräche, die ich in den letzten Wochen geführt habe, für alle Beteiligten in gewisser Weise verwirrend. Fällt der Himmel oder fällt er nicht?

Die Antwort ist natürlich, dass die Faschisten versuchen, den Himmel auf uns fallen zu lassen, aber sie sind derzeit nicht in der Lage, dies so vollständig zu tun, wie sie es gerne hätten. Sie lassen so viele Brocken des Himmels wie möglich auf uns alle fallen und drohen, den Rest des Himmels auf den Rest von uns fallen zu lassen, in der Hoffnung, dass wir aufhören, uns zu wehren. Zum Glück funktionieren ihre Drohungen nicht ganz, noch nicht vollständig, noch nicht.

Dieser nicht ganz so apokalyptische Moment verwirrt unser Nervensystem und führt dazu, dass wir alle zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Einige Leute geraten in Panik. Andere vermeiden Panik, indem sie der Situation aus dem Weg gehen. Wieder andere versuchen (meiner Meinung nach klugerweise), die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, nüchtern zu betrachten und sich auf Eventualitäten vorzubereiten.

Vergleichen wir zwei gegensätzliche, vernünftige Standpunkte. Salon hat diese Woche einen Artikel mit dem Titel „MAGA kann seine Basis nicht erweitern – und christliche Musik sagt uns warum” veröffentlicht. Darin wird klar und rational dargelegt, wie unbeliebt Trump und seine Politik sind, und natürlich braucht eine autoritäre Gesellschaft tatsächlich die Zustimmung der Bevölkerung. Dieser Artikel ist optimistisch, ohne naiv zu sein.

Auf der anderen Seite hat Truthout einen Artikel mit dem Titel „National Security Directive Declares War on Those Who Don't Support Trump Agenda” (Nationale Sicherheitsrichtlinie erklärt denen den Krieg, die Trumps Agenda nicht unterstützen) veröffentlicht, der NSPM-7, das National Security Presidential Memorandum 7, beschreibt. Die wenigen Berichte, die ich dazu gesehen habe, bezeichnen es fälschlicherweise meist als Executive Order. Das ist es aber nicht. Es ist eine Richtlinie für die Bundespolizei, die ihnen sagt, gegen wen sie vorgehen sollen. Sie behauptet nicht einmal, dass ihr Feind „Antifa” ist, sondern bezeichnet ganz allgemein und ausdrücklich „Antifaschismus” als Feind.

Nach der Exekutivverordnung der vergangenen Woche, die „Antifa” als inländische terroristische Vereinigung einstufte, waren einige Leute besorgt. Andere versuchten verständlicherweise, Ruhe zu verbreiten. In den USA gibt es keine rechtliche Einstufung als „inländische terroristische Vereinigung“. Antifa ist keine echte Organisation. Durchführungsverordnungen sind keine Gesetze. All das ist wahr. Aber das ist nur ein schwacher Trost, denn Trump hat gezeigt, dass er bereit ist, gegen das Gesetz, die Verfassung und die Gerichte zu verstoßen, und es gibt keinen Grund zu glauben, dass irgendetwas davon ihn davon abhalten wird, seine Macht auszuüben. Und die Anweisung an die Bundespolizei liegt sicherlich in seiner rechtlichen Befugnis.

Wir wissen nicht, wie schlimm es noch werden wird. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass wir das Ausmaß an Bösem erreichen werden, das wir in faschistischen Regimes der Vergangenheit gesehen haben, aber wir sollten auch nicht davon ausgehen, dass dies nicht der Fall sein wird.

Wir haben ein Problem mit der Normalitätsverzerrung. Ironischerweise leiden einige der radikalsten Menschen, die ich kenne, am meisten darunter – wenn man bereits davon überzeugt ist, dass die US-Regierung böse ist (was leicht zu glauben ist, da dies während der gesamten Geschichte des Landes der Fall war), ist es schwer, über „böse“ hinauszugehen. Wir sind so daran gewöhnt, Demokraten und Republikaner als funktional gleichwertig zu betrachten, als zwei Seiten derselben imperialistischen Medaille, dass es uns schwerfällt, uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass die derzeitige Regierung so viel schlimmer ist. Der Faschismus ist in der Tat schlimmer als der Neoliberalismus oder Neokonservatismus.

Das bedeutet ironischerweise, dass Radikale derzeit von Progressiven und Liberalen überholt werden, wenn es darum geht, gegen den Aufstieg des Faschismus in Amerika zu kämpfen, weil Progressive und Liberale daran gewöhnt sind, die Regierung als „gut“ zu sehen, und sich Sorgen machen, dass sie „schlecht“ werden könnte.

Es stimmt, dass Bidens Regierung die Rücknahme aller versprochenen Reformen überwacht hat, die wir angeblich während des Aufstands von 2020 erreicht haben. Es stimmt, dass Bidens Regierung während der Unterdrückung der Stop Cop City-Bewegung an der Macht war. Es stimmt, dass Bidens Regierung für ein Übel nach dem anderen verantwortlich ist (wie jede Regierung vor ihr).

Es stimmt aber nicht, dass Biden mehr Leute abgeschoben hat als Trump. Obama ist immer noch der Rekordhalter, der während seiner ersten Amtszeit mehr als tausend Leute pro Tag abgeschoben hat, aber Trumps tägliche Abschiebungen in seiner ersten Amtszeit waren mehr als doppelt so hoch wie die von Biden. Wichtig ist, dass zusätzlich zu den Abschiebungszahlen auch die Verhaftungen von Migranten zugenommen haben und Trump eine Kultur der Angst aufbaut und den Menschen in diesem Land offen den Krieg erklärt.

Wir müssen uns daran erinnern, dass die Demokraten (und der Staat selbst) sich unaussprechlicher Verbrechen schuldig gemacht haben, aber wir müssen auch bedenken, dass das, was jetzt passiert, noch schlimmer ist.

Ich weiß nicht, ob wir uns alle darüber einig werden können, wie schlimm die Lage gerade ist, und noch weniger, wie schlimm sie wahrscheinlich noch werden wird – denn das weiß keiner von uns. Unsere Handlungen, sowohl individuell als auch kollektiv, werden bestimmen, wie schlimm es noch werden wird.

Ich weiß, dass diese Meinungsverschiedenheiten zwischen uns stressig sind. Es fühlt sich an, als würden wir uns gegenseitig manipulieren und darüber streiten, wie hell oder dunkel das Licht ist. Aber keiner von uns lügt den anderen an. Einige von uns belügen sich selbst, aber im Großen und Ganzen nehmen wir das Licht einfach unterschiedlich wahr. Also werde ich weiterhin Gespräche mit Leuten führen, die es seltsam finden, dass ich zu GrapheneOS gewechselt habe, dass ich bei Signal verschwundene Nachrichten als Standard eingestellt habe und dass ich denke, wir sollten alle Pläne machen, falls wir wegen Gedankenverbrechen verhaftet werden.

Und ich werde weiterhin denken, dass es komisch ist, dass Leute glauben, wir wären nicht in unmittelbarer und dramatischer Gefahr. Ich werde aber auch versuchen, ihnen zuzuhören. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass sie Recht haben.

Ich werde es aber nicht bereuen, vorbereitet zu sein, denn es beruhigt mich zu wissen, dass ich Schritte unternimm, um mich und meine Freunde zu schützen. Handeln, nicht nur Hoffen, ist das Gegenmittel gegen Verzweiflung.

Ein Teil meiner Vorbereitungen besteht darin, die Schönheit des Lebens und der Welt zu genießen. Das Knirschen von Blättern unter meinen Füßen, das Tragen von kuscheligen Hoodies und handgestrickten Schals und meinen Freunden zu sagen, dass ich sie liebe, gehören genauso zu meinen Vorbereitungen wie das Verschlüsseln meiner Nachrichten. Denn die Bäume färben sich in den leuchtenden Farben des Todes, und ich hoffe, dass ich noch weitere sechzig Jahre lebe, aber ich sollte immer so leben, als würde ich vielleicht nur noch sechs Monate leben.

Das sage ich mir jedenfalls, wenn der Herbst kommt. Mögen wir alle in Zukunft wieder Winter, Frühling, Sommer und Herbst erleben.

Quelle: Margaret Killjoy, "The Sky and Leaves as They Fall or: how we all disagree about what's happening and how that's sort of okay", 03. Oktober 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]

Das laute Schweigen

Der Dokumentarfilm untersucht die deutsche Politik gegenüber Israel und Palästina und zeigt, wie palästinasolidarische Stimmen in Öffentlichkeit und Kultur zunehmend unter Druck geraten. Durch Interviews, Fallbeispiele und Analysen macht der Film sichtbar, wie Debatten eingeschränkt, Kritik delegitimiert und Meinungsäußerungen sanktioniert werden. DAS LAUTE SCHWEIGEN eröffnet damit eine Auseinandersetzung mit einem Thema, das in Deutschland von Spannungen, Tabuisierungen und Machtasymmetrien geprägt ist.

Thematik
Deutschland unterstützt Israel und dessen Interessen seit Jahrzehnten, nicht erst seit dem tödlichen Angriff der Hamas auf Israel am 7.Oktober 2023, aber seitdem ungebrochen - diplomatisch, materiell und moralisch*. Diese Unterstützung wurde auch fortgesetzt, als der Internationale Gerichtshof (IGH) die Plausibilität eines Völkermords durch die israelischen Militäroperationen im Gazastreifen feststellte. Staatliche Behörden und große Teile der deutschen Medienlandschaft haben versucht, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen, die die Verwicklung Deutschlands an einem möglichen Völkermord** in Gaza infrage stellen.

Zu dieser repressiven Dynamik zählen die Kriminalisierung von pro-palästinensischem Aktivismus, Verleumdungskampagnen gegen Einzelpersonen und Gruppen, gesetzliche Einschränkungen, Polizeigewalt und Bürgerrechtsverletzungen – wie u.A. von Amnesty International dokumentiert.

*Die Deutsche Regierung hat im August 2025 offiziell angekündigt, keine weiteren Waffenexporte an Israel zu genehmigen, die potentiell gegen zivile Ziele in Gaza verwendet werden können.

**Israels Krieg auf Gaza wird u. A. von Amnesty Interational, HRW, MSF, UN-Sonderkomitee, Genocide Watch und B’Tselem als Völkermord eingestuft.

Mehr Informationen sowie zum Crowdfunding für den Film.



k9 » größenwahn » politischer filmabend: „Mi país imaginario - Das Land meiner Träume“

SONNTAG 19. OKTOBER 2025 - 19h
Am 18. Oktober 2019 kommt es in Chile zu Massenprotesten. Die Erhöhung der Metro-Preise treibt über eine Million Menschen auf die Straßen der Hauptstadt Santiago. Vor allem Jugendliche, besonders aktiv dabei die jungen Frauen, wollen das aus der Pinochet-Diktatur stammende System zu Fall bringen.

Eventuell ist eine Aktivistin vom 18. Oktober anwesend.

„Mi país imaginario - Das Land meiner Träume“

Der Flyer zum Filmabend zeigt eine Person mit Gasmaske und grüner Schutzbrille sowie schwarzem Beanie, das links und rechts mit roten und gelben Blüten geschmückt ist. Dazu die Angaben zum Film aus dem Beitrag.
Flyer zum Film (Vorderseite)
Am 18. Oktober 2019 setzt eine kollektive Revolte Chile in Brand, es ist ein Volksaufstand, Aufbruch und Hoffnung.

Der chilenische Filmemacher Patricio Guzmán, seit dem Putsch von 1973 in Frankreich im Exil, dokumentiert den Volksaufstand, der das Land im Herbst 2019 erschüttert. An vorderster Stelle: Die Frauen.

Die Rechte indigener Gemeinschaften sollen festgeschrieben werden und LGBT+- Rechte wie etwa das Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe. Und auch die Rechte von Flüchtlingen und Migranten. Und dabei soll es nicht bleiben.

Die Proteste zeigen die Mobilisierungskraft der Frauen, es kommt zur Uraufführung des Protestsongs gegen Gewalt an Frauen, der darauf um die ganze Welt gehen sollte: "El violador eres tú! - der Vergewaltiger bist du!" Ob in Madrid, Melbourne, Lausanne, Istanbul oder Caracas, der Song fand weltweit Nachahmerinnen.

Während der Proteste verbreitete eine Performance des Theaterkollektivs LasTesis sich im ganzen Land. Mit verbundenen Augen richteten Frauen in einer Protestaktion den Zeigefinger kollektiv auf die strukturellen Probleme, die häuslicher u. institutioneller Gewalt gegen Frauen zugrunde liegen.

Es war das Ereignis, auf das der Dokumentarfilmer Patricio Guzmán sein ganzes Leben lang gewartet hatte: anderthalb Millionen Menschen auf den Straßen von Santiago de Chile, die Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsversorgung u. eine neue Verfassung forderten, welche die strengen Regeln ersetzen sollte, die dem Land während der Militärdiktatur Pinochets auferlegt worden waren.

MI PAÌS IMAGINARIO zeigt aufwühlende Aufnahmen von Protesten an vorderster Stelle u. Interviews mit engagierten Aktivistenführer*innen u. stellt auf eindrucksvolle Weise eine Verbindung zwischen der komplizierten und blutigen Geschichte Chiles, den aktuellen revolutionären sozialen Bewegungen und der Wahl eines neuen Präsidenten her.

Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte der junge Regisseur Patricio Guzmán zunächst in „Das erste Jahr“ die Anfänge der sozialistischen Regierung Salvador Allendes und in dem Dreiteiler „Der Kampf um Chile“ das Abdriften seines Landes in die Diktatur dokumentiert. Als Achtzigjähriger kehrte der Filmemacher aus dem französischen Exil zurück in seine Heimat und filmte begeistert, aber auch mit Sorge den Aufstand „ohne Anführer und ohne Ideologie".

Was hat nach Jahrzehnten des ungezügelten Neoliberalismus ein ganzes Land wachgerüttelt? Guzmán, der miterlebte, wie der Militärputsch 1973 die Hoffnungen seiner Generation zerstörte, gewährt hautnah Einblick in den chilenischen Volksaufstand: vom brutalen Vorgehen des Staatspräsidenten Sebastián Piñera gegen die Protestierenden über die Arbeit der Versammlung, die eine neue – inzwischen per Referendum abgelehnte – Verfassung ausarbeiten sollte, bis hin zur Wahl seines jungen, linksgerichteten Nachfolgers Gabriel Boric. Beeindruckende Aufnahmen, vor allem aus der Luft, zeugen von der Gewalt, aber auch vom kreativen Elan der Demonstrationen.

Sie werden ergänzt von den Berichten eines Dutzends Frauen, die bei der Revolte an vorderster Stelle standen.

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Stimmen aus dem Aufstand in Indonesien: Affan Kurniawan lebt weiter auf den Straßen

Ende August 2025 gab es in ganz Indonesien eine Welle von Protesten. In diesem Bericht zeigen wir ein Interview mit einem inhaftierten indonesischen anarchistischen Autor und verschiedene Statements von anarchistischen Gruppen, die seit Beginn des Aufstands an englischsprachige Medien gegangen sind.

Nach wochenlangen Protesten in ganz Indonesien gegen Sparmaßnahmen versammelten sich in der Woche vom 25. August massenhaft Demonstranten, um der politischen Elite Indonesiens Herzlosigkeit und Korruption vorzuwerfen.

Die indonesische Regierung zahlt den Abgeordneten ein monatliches Gehalt von 100 Millionen Rupiah (etwa 6.081 US-Dollar) – das ist ungefähr das 30-Fache des Mindestlohns in Jakarta, wo die höchsten Löhne des Landes gezahlt werden.1 Die Wut brach aus, als Berichte kursierten, dass die Abgeordneten zusätzlich 50 Millionen Rupiah pro Monat als Wohngeld erhielten.

Diese Nachricht kam mitten in einer Zeit hoher Inflation, neuer Sparmaßnahmen und zunehmender Armut. Gewerkschaften, Anarchisten, Studenten, Linke, Jugendliche und andere Demonstranten füllten in der Woche vom 25. August die Straßen. Sie wurden von der Polizei, die dem aktuellen Präsidenten Prabowo Subianto dient, der früher Verteidigungsminister war, hart angegangen.

Ein Demonstrant in Indonesien hält ein Schild mit der Aufschrift „Affan Kurniawan – von der Polizei getötet”.
Ein Demonstrant in Indonesien hält ein Schild mit der Aufschrift „Affan Kurniawan – von der Polizei getötet”.
Am 28. August wurde Affan Kurniawan, ein 21-jähriger Lieferant, der gerade unterwegs war, um Essen auszuliefern, von einem gepanzerten Fahrzeug der Mobilen Brigade der Nationalpolizei angefahren und getötet.

Als Reaktion auf den Mord an Affan brachen Lieferanten, Anarchisten und Jugendliche aus verschiedenen anderen Bevölkerungsgruppen in Aufruhr aus. Demonstranten plünderten mehrere Polizeistationen, brannten die Häuser von Politikern nieder und plünderten sie und setzten Regierungsgebäude in Brand.

Diese Situation zwang den Premierminister, den Gipfel der Shanghai Cooperation Organization (SCO) in China ausfallen zu lassen. Die Regierung hat angedeutet, dass sie möglicherweise einige der Vergünstigungen für Politiker und einige der Sparmaßnahmen, die den Aufstand ausgelöst haben, kürzen könnte. Präsident Prabowo Subianto hat jedoch die Repressionen verstärkt und das Militär hinzugezogen, was zu mindestens sechs Todesfällen geführt hat – darunter ein Student, der in Yogyakarta, Java, von der Polizei zu Tode geprügelt wurde, und ein Fahrradrikscha-Fahrer, der in Solo, Java, an den Folgen des Einsatzes von Tränengas starb. Die genaue Zahl der Todesopfer ist weiterhin unbekannt.

Demonstranten versammeln sich vor dem Hauptquartier der Regionalpolizei von Jakarta.
Demonstranten versammeln sich vor dem Hauptquartier der Regionalpolizei von Jakarta.
Indonesien, das bis 1949 unter niederländischer Kolonialherrschaft stand, ist nach wie vor stark polarisiert, mit enormen Unterschieden in Bezug auf Ressourcen und Macht. In den 1960er Jahren forderte die Gewalt gegen Mitglieder und mutmaßliche Sympathisanten der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) mindestens Hunderttausende Menschenleben. Die heutige anarchistische Bewegung entstand Ende der 1980er Jahre, auch dank der Bemühungen von Punkbands. Die Polizei hat 2011 eine „Anti-Anarchie”-Abteilung eingerichtet, und in mehreren Fällen wurden Personen, die als Anarcho-Punks angesehen wurden, entführt und in staatlich sanktionierten Umerziehungslagern eingesperrt. Trotzdem ist die anarchistische Bewegung trotz aller Widrigkeiten weiter gewachsen.

Angesichts der beispiellosen staatlichen Repressionen auf der ganzen Welt sind die mutigen Aktionen der Rebellen in Indonesien eine große Inspiration für alle, die die kapitalistische Weltordnung ablehnen. Demonstranten in Indonesien haben über verschiedene Formen der Unterdrückung der digitalen Kommunikation berichtet, die sich wahrscheinlich noch verschärfen werden, wenn der Konflikt weiter eskaliert. Wir hoffen, dass dieser vorläufige Bericht die Aufmerksamkeit auf die Situation lenkt und Menschen in anderen Teilen der Welt dazu ermutigt, sich zu informieren und solidarisch zu handeln.

Affan Kurniawan wird nicht vergessen werden, und seinen Mördern wird nicht vergeben werden. Solidarität mit den Mutigen, die dafür auf den Straßen sorgen.

– Anarchisten in Solidarität mit dem Aufstand in Indonesien

Ein Gespräch mit dem anarchistischen Gefangenen und Autor Bima


Bima ist ein anarchistischer Schriftsteller, Übersetzer und unabhängiger Forscher aus Indonesien, der seit 2021 inhaftiert ist. Hinter Gittern bleibt er als Mitglied einer anarchistischen Föderation aktiv. Er ist außerdem Gründer des DIY-Verlags Pustaka Catut und Autor des Buches Anarchy in Alifuru: The History of Stateless Societies in the Maluku Islands, das bei Minor Compositions erschienen ist. Ihr könnt Bima über Patreon unterstützen und mehr über eine zuvor aktive FireFund-Kampagne für ihn erfahren.

Wir haben dieses Interview mit Bima in den ersten Septembertagen 2025 geführt.

Wie möchtest du dich vorstellen?

Ich bin Schriftsteller, Gefangener und Mitglied einer anarchistischen Vereinigung, die aus Sicherheitsgründen in dieser beängstigenden Zeit anonym bleiben möchte.

Kannst du uns etwas über den Hintergrund der aktuellen Unruhen erzählen?

Diese Rebellionswelle, die Ende August 2025 begann, wurde durch die Anhäufung von Wut über verschiedene politische und wirtschaftliche Probleme ausgelöst. Es gab kein einzelnes Problem. Aber alles eskalierte aufgrund massiver Erhöhungen der Haussteuern in der gesamten Region aufgrund des Haushaltsdefizits der Regierung.

Gleichzeitig wurden die Gehälter der Parlamentsmitglieder verzehnfacht. Verschärft wurde die Situation durch oft willkürliche Äußerungen von Beamten. So sagte beispielsweise der Regent von Pati (der Politiker, der für die Aufsicht über die Kommunalverwaltung, die Politik und die öffentlichen Dienste in der Regentschaft Pati in Zentraljava, Indonesien, zuständig ist): „Die Steuern würden auch dann nicht gesenkt, wenn eine Massendemonstration mit 50.000 Teilnehmern stattfinden würde.“

Studenten konfrontieren die Polizei während einer Protestaktion vor dem regionalen Polizeipräsidium in Jakarta, Indonesien, am 29. August 2025.
Studenten konfrontieren die Polizei während einer Protestaktion vor dem regionalen Polizeipräsidium in Jakarta, Indonesien, am 29. August 2025.
Pati war die erste Stadt, in der es am 10. August 2025 mit rund 100.000 Teilnehmern zu Ausschreitungen kam. Die Proteste gegen die Steuererhöhung breiteten sich auf Bone (in der Provinz Süd-Sulawesi) und dann auf andere Städte aus. Bei einer Demonstration am 28. August in Jakarta wurde ein Lieferant einer Online-Essensliefer-App getötet, nachdem er während der Proteste von einem Polizeifahrzeug überfahren worden war. Am nächsten Tag breiteten sich die Demos auf viele Städte aus und dauern bis heute an, während ich dir schreibe.

Mindestens sechs Zivilisten wurden bisher direkt durch Polizeigewalt getötet, mehrere Häuser von Beamten wurden geplündert und ein halbes Dutzend Büros des Repräsentantenhauses wurden teilweise oder komplett niedergebrannt. Wir waren zuversichtlich, dass diese Rebellion nachlassen würde, aber die Wut der Öffentlichkeit tat das nicht.


Welche Gruppen sind an dem Aufstand beteiligt? Und inwieweit sind sie vereint?

Es gibt viele Organisationen, Netzwerke und Gruppen, die Forderungen formulieren. Man könnte sagen, dass jede Stadt sogar ihre eigenen spezifischen Forderungen hat.

Im Allgemeinen gibt es zwei „revolutionäre” Forderungen: die erste stammt von der sozialistischen Partei Indonesiens, Perserikatan Sosialis (PS), und die andere von einem losen, informellen und dezentralen Netzwerk, das die Erklärung der indonesischen föderalistischen Revolution 2025 herausgegeben hat, in der die Auflösung des Einheitsstaates und des DPR-Systems (indonesisches Repräsentantenhaus) und dessen Ersatz durch einen demokratischen Konföderalismus aus Tausenden von Volksräten zur Umsetzung der direkten Demokratie gefordert wird. Ahmad Sahroni, ein Mitglied des Repräsentantenhauses (DPR) von der Nationaldemokratischen Partei (NasDem), nannte diese Forderungen „dumm“. Das führte dazu, dass sein Haus in Nord-Jakarta am 30. August angegriffen und geplündert wurde.

Aufständische Anarchisten, Individualisten und Post-Linke konzentrieren sich auf Angriffe und Straßenkämpfe und fordern die Zerstörung des Staates und des Kapitalismus, ohne sich um eine Plattform oder ein Programm mit Forderungen zu kümmern, die einfach nur eine Reform des Bestehenden fordern.

Im Allgemeinen gibt es keine Einheitsfront, aber wir vermeiden übertriebenen ideologischen Sektierertum.

Leider gibt es auch progressive Liberale mit eher reformistischen Forderungen, wie zum Beispiel die 17+8-Forderung (ein „pro-demokratischer“ Aktivisten-Slogan, der fordert, dass reformistische Forderungen bis zum 5. September 2025 erfüllt werden). Diese Gruppe wird stark von liberalen Online-Influencern beeinflusst, die dazu aufrufen, die Proteste zu beenden. Diese Influencer gehen sogar so weit zu behaupten, dass die Demonstranten verantwortlich sein werden, wenn das Militär aufgrund des Widerstands auf den Straßen das Kriegsrecht verhängt (typische Gaslighting-Taktik der Mitte und Dämonisierung des revolutionären Widerstands und der revolutionären Organisationen). Zum Glück sind sich alle linken und anarchistischen Elemente einig, dass die Proteste eskalieren sollten. Wir wissen noch nicht, was passieren wird, da dieser Diskurs-Krieg noch immer andauert.

Ein Polizeiposten brennt
Ein brennender Polizeiposten, 29. August 2025.
Ehrlich gesagt sind zu viele Gruppen an dem Aufstand beteiligt, um eine einfache Antwort zu geben. Die gesamte linke und anarchistische Bewegung aus verschiedenen Organisationen ging auf die Straße, aber es gab keine einheitliche Front. In jeder Stadt schlossen sich progressive Elemente der Gesellschaft, ob Studenten, Gewerkschaften oder sogar Schulkinder, zu gemeinsamen Aktionen zusammen. Einige Aktionen waren spontan und entstanden als unkoordinierte Initiativen der Gemeinschaft, wie zum Beispiel die Angriffe auf Polizeiposten und -stationen, von denen einige in Flammen aufgegangen sind.

Wie tragen Anarchisten zum Aufstand bei?

Ich bin ein revolutionärer Pessimist, beeinflusst vom Diskurs des Anarcho-Nihilismus. Aber ich bin trotzdem für eine soziale Revolution, weil es keinen leeren sozialen Raum gibt. Indonesien ist der multikulturellste Archipel der Welt mit Tausenden von Ethnien und Sprachen. In einigen Regionen taucht ein Diskurs des Separatismus auf. Einige Adlige aus alten Monarchien drängen auf eine Wiederbelebung. Es gibt auch autoritäre islamische Fundamentalisten und Dschihadisten, die ein Kalifat im Land wollen. Deshalb denke ich, dass es für Revolutionäre unmöglich ist, ihr Programm nicht als Alternative zu all diesen schlechten Möglichkeiten anzubieten. Die Welle der Rebellion ist ein Zeichen für die bevorstehende große Spaltung, und Anarchisten müssen eine Rolle übernehmen. Sonst sind die Optionen schlecht. Sehr, sehr schlecht.

Was glaubst du, wird aus diesem Aufstand werden? Und wie siehst du die Zukunft der anarchistischen Bewegung in Indonesien?

Ich bin da pessimistisch. Wir haben uns in mehreren Städten etabliert, aber insgesamt sind wir relativ schwach, obwohl wir im Grunde ziemlich militant sind.

Wir sind beeinflusst vom uruguayischen Ansatz des Espesifismo, der eine zweistufige Organisation vorsieht. Das heißt, dass wir nicht nur politischen Organisationen beitreten, sondern auch Basisorganisationen wie Gewerkschaften, Studentenorganisationen, indigene Organisationen und so weiter.

Wir verwenden immer noch die klassische Definition von Revolution, aber dafür braucht es eine starke organisatorische Basis im Volk, um sie zu verwirklichen. Trotzdem wiederholen sich die jüngsten Aufstände seit 2019 wie ein routinemäßiger Zyklus. Das begeistert uns, weil es bedeutet, dass wir uns anstrengen müssen, um mit den Volksaufständen und dem Willen der Massen Schritt zu halten. Aber wir müssen wachsen und unsere Militanz verstärken, um mit der Wut der Menschen Schritt zu halten.

Ich glaube nicht, dass es Reformen geben wird, wenn es nicht zu einem gewaltsamen Sturz der Macht kommt und die Amtsinhaber Reformen versprechen. Die derzeitige herrschende Klasse hat eine aufgeblähte Koalition gebildet, die alle ihre ehemaligen Gegner umfasst und ihnen „ein Stück vom Kuchen gibt”. Bisher sind wir die einzigen Mitglieder des informellen, dezentralisierten antiautoritären Netzwerks, die die Absetzung des Präsidenten und des Vizepräsidenten fordern. Das Problem ist, dass es bisher keine Forderungen nach ihrer Absetzung gegeben hat. Daher wird eine Reform noch Zeit brauchen, und eine anarchistische Revolution ist aufgrund organisatorischer Schwächen und des Fehlens progressiver Gewerkschaften, die in der Lage wären, einen nationalen Streik zu führen, unmöglich.

Anarchist mit roter-schwarzer anarchistische Flagge unter der die One Piece Jolly Roger hängt
Anarchisten blockierten Straßen und verbrannten Gegenstände während nächtlicher Unruhen in Bandung City, Westjava, während sie rote und schwarze anarchistische Flaggen und die One Piece Jolly Roger trugen.
Die organische Forderung der Bevölkerung nach einer Auflösung des Parlaments durch den Hashtag #bubarkanDPR („Löst die DPR auf“), die Beteiligung einer vielfältigeren Masse von Menschen an den Protesten (Indonesien ist bekannt dafür, dass es den studentischen Avantgardismus von 1965 und 1998 romantisiert) und die Anwendung von Gewalt stellen jedoch einen Fortschritt dar, der vor einem Jahrzehnt noch unvorstellbar gewesen wäre. Anarchisten haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Trotzdem glaube ich persönlich nicht, dass die anarchistische Bewegung zu einer anarchistischen Revolution führen wird, selbst wenn sich die Gelegenheit dazu bieten würde. Aber sie könnte durch eine Einheitsfront, die innerhalb etablierter Gruppen arbeitet, einen großen libertären Einfluss ausüben. Zum Beispiel würde der Vorschlag für einen revolutionären demokratischen Konföderalismus, der eigentlich mit klassischen anarchistischen Vorschlägen übereinstimmt, wahrscheinlich vom gesamten Spektrum der bestehenden linken und separatistischen nationalen Befreiungsbewegungen in einigen Regionen akzeptiert werden. Vielleicht.

Die Proteste gegen das Omnibusgesetz im Jahr 2020 waren auch wichtig, aber der Aufstand in diesem Jahr ist der blutigste, der verheerendste und der mitreißendste (wir haben eine erhebliche Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft beobachtet). Er hat die Eskalation während des Sturzes des militaristischen Regimes von Suharto im Jahr 1998 noch nicht übertroffen. Ich bin aber zuversichtlich, dass dies bald passieren könnte.

Leider warne ich seit gestern davor, dass wir, wenn der lang erwartete Moment kommt, nicht bereit für eine Revolution sein werden, auch wenn wir hauptsächlich mit Straßenkämpfen reagieren werden.

Weitere Stimmen aus Indonesien


Zusätzlich zum Interview mit Bima haben wir am 2. September den folgenden Bericht von Reza Rizkia aus Jakarta bekommen:
Die Welle von Demonstrationen, die am 25. August 2025 in ganz Indonesien begann, hält weiter an und hinterlässt eine Spur von Tragödien und Unruhen. Was als Protest gegen die geplante monatliche Wohnbeihilfe von 50 Millionen Rupien für Parlamentsmitglieder begann, hat sich zu einer landesweiten Bewegung mit weiterreichenden Forderungen entwickelt: die Bewertung der parlamentarischen Leistung, eine Polizeireform und ein Ende der exzessiven Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte.

Am 28. August eskalierten die Spannungen, nachdem ein Motorradtaxifahrer, Affan Kurniawan, in Bendungan Hilir, Jakarta, von einem taktischen Fahrzeug der Mobilen Brigade (Brimob) angefahren und getötet wurde. Das Video des Vorfalls verbreitete sich schnell in den sozialen Medien und löste Solidaritätsproteste von Studenten und Online-Fahrergemeinschaften aus. Die Tragödie wurde zu einem Wendepunkt und führte zu einer Ausweitung der Demonstrationen sowohl in der Hauptstadt als auch im ganzen Land.

Die Gewalt griff bald auf andere Großstädte über. In Makassar setzten Demonstranten das Gebäude des Regionalparlaments (DPRD) in Brand und töteten drei darin eingeschlossene Mitarbeiter. In Solo starb ein Rikschafahrer namens Sumari bei Zusammenstößen, während in Yogyakarta der Student Rheza Sendy Pratama bei einer Demonstration vor dem regionalen Polizeipräsidium getötet wurde. Ein weiteres Opfer, Rusmadiansyah, ein Online-Fahrer, wurde von einem Mob zu Tode geprügelt, nachdem er beschuldigt worden war, ein Geheimdienstagent zu sein. Einige Berichte weisen auch auf weitere Todesopfer hin, darunter einen Berufsschüler in Pati. Insgesamt haben bis Ende August mindestens sieben bis acht Menschen bei den Unruhen ihr Leben verloren.

Die Regierung hat ihr Beileid ausgesprochen. Präsident Prabowo Subianto ordnete eine offene Untersuchung an, während der nationale Polizeichef und der Polizeichef von Jakarta sich öffentlich für die Todesopfer entschuldigten. Sieben Brimob-Beamte, die mit dem Tod von Affan Kurniawan in Verbindung stehen, wurden festgenommen und müssen sich nun vor Gericht verantworten. Dennoch scheint die Wut der Bevölkerung kaum nachzulassen.
Seit dem 2. September dauern die Demonstrationen in mehreren Regionen mit unverminderter Intensität an. In der vergangenen Woche wurden Tausende von Demonstranten festgenommen, wobei am 29. August mit mehr als 1.300 Festnahmen an einem einzigen Tag ein Höhepunkt erreicht wurde. Gleichzeitig berichtete die Allianz unabhängiger Journalisten (AJI) über Fälle von Gewalt und Einmischung gegen Journalisten, die über die Proteste berichteten.

Die Demonstrationen Ende August sind eine der größten Protestwellen der letzten Jahre in Indonesien. Angesichts der steigenden Zahl von Todesopfern, Massenverhaftungen und weitreichenden Sachschäden wartet die Öffentlichkeit nun darauf, ob die Regierung und das Parlament auf die Forderungen der Bürger mit echten Reformen reagieren werden – oder ob sie riskieren, die Krise weiter zu verschärfen.


Die rot-weiße Nationalflagge wurde eingeholt und durch die anarchistische rot-schwarze Flagge und die One Piece Jolly Roger-Flagge (mittlerweile ein beliebtes Symbol des Widerstands in Indonesien) ersetzt. Das Gebäude, das brannte, war das Repräsentantenhaus der Stadt Pekalongan in Zentraljava.

Als der Aufstand in die internationalen Schlagzeilen kam, schrieben anonyme Anarchisten mehrere Statements, in denen sie die Situation aus ihrer Sicht unter dem Pseudonym Archipelago of Fire beschrieben. Wir wollten ihre Stimmen auch hier einbringen.

25. August 2025
„Jakarta gehört nicht mehr den verdorbenen Eliten. Tausende aus allen Teilen des Landes stürmten die Hauptstadt. Dies ist nicht nur ein Protest, sondern ein kollektiver Ausbruch der Wut gegen steigende Wohnsteuern, endlose Korruption und die Militär- und Polizeihunde des Staates.

Von morgens bis abends verwandeln sich die Straßen in ein Schlachtfeld des Widerstands. Schreie, Feuer und Steine werden zur Sprache der Wut des Volkes.

„Dies ist kein Puppenspiel der Eliten, sondern rohe Wut, ungezähmt, ohne Anführer und unmöglich zu kontrollieren.“

29. August 2025
„Wütende Jugendliche erheben sich, ausgelöst durch steigende Steuern und ein repressives Militär. Es gibt keine Organisation; der Aufstand wird von jungen Anarchisten, Nihilisten und Unkontrollierbaren angeführt. Viele junge Anarchisten aus Schülerverbänden werden verhaftet. Die Schüler sind die treibende Kraft. Berichten zufolge wurden am 25. August etwa 400 von ihnen verhaftet. Die meisten Aktionen werden live in den sozialen Medien koordiniert.

„Normalerweise kontrolliert eine liberale Gewerkschaft oder Oppositionspartei die Berichterstattung, aber diesmal nicht. Selbst die Mainstream-Medien erkennen an, dass die sozialen Medien die Quelle der Berichterstattung sind. Politiker können die Narrative nicht mehr kontrollieren. Seit Jahrzehnten ist es Tradition, dass studentische Exekutivorgane normalerweise die Organisatoren solcher Demos sind, aber jedes Jahr werden diese Vermittler entlarvt. Von den Studenten selbst. Deshalb hassen NGOs, Gewerkschaften, „zivile Anarchisten“ und Studentenvereinigungen der Linken und Rechten die anti-organisatorische Fraktion.

„Scheiß auf sie alle. Wir regen die Jugendlichen dazu an, selbst aktiv zu werden.

Die Menschen lassen sich nicht mehr von ideologischen Pflichten, Normen und all diesen äußeren Werten einschüchtern.

„Letzte Nacht (28. August 2025) hat die Polizei jemanden ermordet. Es kam zu landesweiten Unruhen gegen die Steuererhöhung. In mehreren Städten waren die Unruhen spontan und selbstorganisiert. Das öffentliche Ansehen der Polizei bröckelt weiter, da die Bevölkerung die Randalierer unterstützt. Zellen koordinierten andere Dinge, und die meisten nihilistisch-aufständischen Ankündigungen dominieren die Berichterstattung.

„Anonyme Social-Media-Accounts mit Tausenden von Followern rufen zu antipolitischem Aufstand auf. Jeden Tag machen sie gute Aufrufe und Erklärungen.

Graffiti mit dem Text "Fuck the System - Fuck the State" sowie dem Ⓐ an einer Mauer
Anarchistische Graffiti, gesehen in Lamongan, Indonesien, während der aktuellen Unruhen.
„Die Gewerkschaftsvertreter kündigten an, dass sie auf die Straße gehen würden und es „keine Unruhen geben werde“, aber die Jugendlichen und Randalierer verspotten sie sofort in den sozialen Medien. Wir überlassen es den Jugendlichen. Wir können sie nur dazu anregen, noch unkontrollierbarer zu werden. Nachts ging das Internet den Bach runter. Während „zivile Anarchisten“ zu Volksräten aufrufen, rufen wir dazu auf, alles zu zerstören. Wir bieten nur die Koordination der Netzwerke und technische Fakten für Straßenaktionen. Wir organisieren niemals wirklich Menschen.

Seit Freitag, dem 29. August, haben die Anarchisten im Grunde die Kontrolle über die Berichterstattung. Die Leute reagieren landesweit auf den Aufruf, Polizeistationen und die Polizei selbst anzugreifen. Die Massenmedien haben die Kontrolle über die Informationen und Nachrichten verloren.

Unser Netzwerk ruft seit dem Polizeimord letzte Nacht immer wieder zur Rache auf, und es wird immer heißer. Die Zellen sind auf den Straßen.

Man kann den Aufstand in verschiedenen Nachrichtenkanälen sehen, obwohl alle guten Videos nur in den sozialen Medien zu finden sind.“

– Archipelago of Fire
„Das übersteigt unsere Erwartungen. Normalerweise werfen Demonstranten bei Protesten nur Steine oder zünden Reifen vor dem Büro an. Sie stürmen nie das Gebäude oder zünden es an.“

Anonyme Anarchisten in Indonesien


Supportlinks

Quelle: crimethinc: Voices from the Uprising in Indonesia, 04.09.2025

Übersetzung: Thomas Trueten


Nepalesische Anarchisten über den Sturz der Regierung: Ein Interview mit Black Book Distro

In Nepal eskalierte Anfang September 2025 eine Protestbewegung als Reaktion auf Polizeigewalt zu einem spontanen Aufstand, der mit der Brandstiftung des Parlaments und einer Reihe von Regierungsgebäuden, Polizeistationen, Parteizentralen und Villen von Politikern gipfelte. Innerhalb von anderthalb Tagen war Premierminister Khadga Prasad Oli geflohen und die Regierung war zusammengebrochen. Aber der Sturz einer Regierung ist nur die erste Phase eines viel längeren Kampfes; inmitten dieser Unruhen konkurrieren Monarchisten, Neoliberale und Radikale um die Zukunft Nepals. Um ein klareres Verständnis für den Hintergrund des Aufstands und die Dynamik innerhalb desselben zu bekommen, haben wir Black Book Distro interviewt, ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek in Kathmandu.

Der Aufstand in Nepal ist Teil einer Reihe von Aufständen, die Asien in den letzten Jahren erschüttert haben. Wir können die Spuren der Funken vom Sturz des Präsidenten von Sri Lanka im Jahr 2022 bis zum Aufstand in Bangladesch im Jahr 2024 und dem Aufstand in Indonesien im August 2025 verfolgen, ganz zu schweigen vom anhaltenden Bürgerkrieg in Myanmar.

Seit dem Sturz der nepalesischen Regierung sind auch auf den Philippinen heftige Proteste ausgebrochen. All dies ist eine Reaktion auf die weit verbreitete wirtschaftliche Not und das Versagen der Versprechen der Politiker. Die Komplizenschaft der institutionellen kommunistischen Parteien bei dem Massaker, das den Aufstand ausgelöst hat, sollte alle angehenden Revolutionäre daran erinnern, dass es unmöglich ist, die Probleme des Kapitalismus allein durch die Gewalt des Staates zu lösen – selbst wenn man „kommunistisch” im Namen seiner Partei hat.

Die Herausforderungen, die der Kapitalismus für die Menschen mit sich bringt, erfordern radikalere Veränderungen, als sie mit Polizeiausrüstung und politischen Vorschlägen in den Machtzentralen erreicht werden können.

Ebenso sollte dieser Aufstand Politikern und Polizisten auf der ganzen Welt zu denken geben, die glauben, sie könnten ungestraft plündern und terrorisieren. Heute mag das Geld, das sie erhalten, sie vor den Folgen ihrer Handlungen schützen – aber morgen ist alles möglich.

Keine dieser Revolten hat bisher alle ihre Ziele erreicht, aber während Menschen auf der ganzen Welt mit Oligarchie und staatlicher Unterdrückung zu kämpfen haben, bietet jede von ihnen Lehren.

Wie ein Kommentator in den sozialen Medien es ausdrückte: „Nur ein junger Mann, der die Haut des Feindes trägt.“

Stell dein Projekt vor. Wer bist du und was machst du?

Black Book Distro präsentiert einige englischsprachige Materialien während des Anarchist Zine Fest in Nepal.
Black Book Distro präsentiert einige englischsprachige Materialien während des Anarchist Zine Fest in Nepal.
Wir sind Black Book Distro, ein anarchistisches Kollektiv und eine Bibliothek mit Sitz in Kathmandu, Nepal, die sich der Radikalisierung durch Aufklärung über die Geschichte der Linken sowie der aktiven Beteiligung an Volkskämpfen und Bewegungen widmet, die wir für mit unseren Zielen vereinbar halten (die Proteste der Generation Z, die Meter-Byaj-Bewegung,1 die Guthi-Bewegung2). Wir sprechen zu euch als anarchistische Bewegung, die unter der Unterdrückung eines gescheiterten und korrupten kommunistischen Regimes und Kongresses steht.

Gib uns einen kurzen Überblick über die sozialen Bewegungen und Kämpfe in Nepal in den letzten ein oder zwei Jahrzehnten. Was waren die wichtigsten Anliegen, die zu den Unruhen in der Bevölkerung geführt haben?

In einer Hand liegen 3 leere Gewehrpatronenhülsen
Heute wurden scharfe Munition gegen Zivilisten, darunter auch Kinder, eingesetzt. Wir waren an vorderster Front. Wir haben gesehen, wie viele Menschen erschossen wurden.“
Nach der maoistischen Revolution hat Nepal mehrere Wellen sozialer, wirtschaftlicher, geografischer und politischer Umbrüche erlebt. Zu den wichtigsten Problemen gehören die weit verbreitete Kastendiskriminierung, eine tödliche Epidemie des Menschenhandels mit Wanderarbeitern, die durch den Mangel an Möglichkeiten im eigenen Land angeheizt wird, regelmäßige Grenzkonflikte mit unseren atomar bewaffneten Nachbarn und eine politische Korruption, die so dreist ist, dass sie zu einem erschreckend starken Wiederaufleben monarchistischer Gefühle im Land geführt hat.

Zu den Volksbewegungen für Veränderungen gehörten der Kampf der Madhesh um Rechte und Würde, Proteste gegen die Korruption in der COVID-Ära unter dem Motto „Enough Is Enough” (Genug ist genug), nationalistische Streitigkeiten über Grenzgebiete wie Lipulekh, die Hungerstreiks von Dr. KC für eine bessere Gesundheitsinfrastruktur, der Widerstand gegen räuberische Hypothekenzinsen und die Verteidigung der Gemeinschaftsflächen des Volkes der Newar.

Diese Kämpfe werden von einem komplexen sozialen Gefüge angetrieben, das immer noch von Patriarchat, Kastenwesen und Religion geprägt ist, während gleichzeitig verfassungsrechtliche Bemühungen um Repräsentation, Meinungsfreiheit, wirtschaftliche Freiheit und Föderalismus unternommen werden. Die wichtigsten politischen Organisationen sind die Kongresspartei, maoistische und marxistisch-leninistische Parteien sowie royalistische Fraktionen. Darunter gibt es unabhängige Jugendgruppen, linke Räume und indigene Gemeinschaftsgruppen.

Historisch gesehen wurden die meisten Proteste von den großen politischen Parteien angeführt oder beeinflusst, obwohl spontane Jugend- und Basisinitiativen zunehmend unabhängig agieren (einschließlich des jüngsten Aufstands der „Generation Z“).

Wie verstehst du die Ziele der Basisaktivisten in diesem Aufstand? Gibt es mehrere Strömungen mit unterschiedlichen oder widersprüchlichen Zielen?

Ein Demonstrant in Nepal zeigt eine „One Piece“-Piratenflagge, die zum Symbol der Rebellion in Indonesien geworden ist.
Ein Demonstrant in Nepal zeigt eine „One Piece“-Piratenflagge, die zum Symbol der Rebellion in Indonesien geworden ist.
Die aktuelle „Gen Z“-Bewegung hat ihre Wurzeln in der von Jugendlichen angeführten „Enough Is Enough“-Bewegung von 2019, die sich angesichts der Misswirtschaft während der COVID-19-Krise auf soziale Gerechtigkeit und Umweltfragen konzentrierte. Dieser erste Aufstand bestand aus mehreren unabhängigen Jugendgruppen, die von normalen Bürgern, Liberalen und linksradikalen Kreisen unterstützt wurden, ohne eine zentrale Führung zu haben. Seitdem hat die Regierung ihre Online-Überwachung und totalitären Maßnahmen gegen die Jugend immer weiter verschärft, was die Bewegung zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Ihre Hauptforderungen sind Meinungsfreiheit, Maßnahmen gegen Korruption und vollständige Rechenschaftspflicht der Regierung, ohne Beteiligung etablierter politischer Parteien. Die tragische Erschießung friedlicher Demonstranten, darunter Studenten, die von der Philosophie der Anime-Serie „One Piece“ inspiriert waren, löste weit verbreitete Empörung aus.

Der Aufstand war dezentralisiert und spontan und gipfelte in der Brandstiftung des Parlaments und der meisten Regierungsbüros, Politikerhäuser, Polizeistationen und Parteizentralen, wodurch die Regierung in weniger als 35 Stunden gestürzt wurde. Innerhalb der Bewegung gibt es verschiedene Strömungen: Monarchisten, die den König wieder auf den Thron bringen wollen, Gemäßigte, die Einfluss in einer neuen neoliberalen Regierung gewinnen wollen, und radikale Linke, die sich für echten Föderalismus, Säkularismus und die inklusive Teilhabe marginalisierter Gemeinschaften einsetzen. Diese Vielfalt an Zielen spiegelt die komplexen Bestrebungen und Spannungen innerhalb der Bewegung wider.

So wie wir es hier aus der Ferne verstehen, haben die Kommunisten in Nepal viele Jahre lang einen Widerstandskampf geführt, bevor sie 2006 die Staatsmacht erlangten. Wir haben den Eindruck, dass interne Konflikte innerhalb der revolutionären Bewegung insgesamt zu einer Reihe von Kompromissen zwischen den Kommunisten und der nepalesischen herrschenden Klasse geführt haben. Wie haben sich diese Kompromisse auf die nepalesische Gesellschaft ausgewirkt, insbesondere auf die radikalen Basisbewegungen, die sich am Volksaufstand beteiligt haben, sowie auf Gewerkschaften und andere Gruppen?

 Ein ausgebranntes Auto der nepalesischen Polizei vor dem Patan Durbar Square am 9. September 2025.
Ein ausgebranntes Auto der nepalesischen Polizei vor dem Patan Durbar Square am 9. September 2025.
Der Erfolg des maoistischen Aufstands beruhte auf seiner Opposition gegen die Überreste des „Panchayat“-Systems, einer feudalen agrarischen Unterdrückungsstruktur der mit der Monarchie verbündeten Eliten der oberen Kasten gegenüber dem einfachen Volk, die 1990 offiziell abgeschafft worden war. Sobald sie jedoch an der Macht waren, haben viele maoistische Führer ihre revolutionären Ziele aufgegeben, um die Kontrolle zu behalten, und nach und nach kapitalistische Praktiken übernommen, die genau das gleiche Panchayat-System der Unterdrückung widerspiegeln, das sie angeblich zerstört hatten. Diese Kompromisse haben ihre Glaubwürdigkeit bei den Massen untergraben, und die Maoisten werden heute allgemein eher als korrupte Politiker denn als Revolutionäre angesehen.

Unterdessen sind Menschenrechtsverletzungen durch Militär und Polizei weit verbreitet, und Gerechtigkeit bleibt für die Opfer auf allen Seiten unerreichbar. Das angeschlagene Image der linken Politik hat der monarchistischen Bewegung Raum gegeben; sogar die jüngste Gen-Z-Bewegung hat politische Parteien und Gewerkschaften bewusst von der Teilnahme ausgeschlossen, weil sie befürchtete, dass diese Gruppen ihre eigenen Interessen durchsetzen würden. Das hat zwar die Integrität der Bewegung geschützt, aber es ist jetzt schwieriger für echte linke Radikale, die Veränderung wollen, sich zu organisieren. Zum Glück entsteht langsam eine anarchistische Bewegung, die immer mehr Akzeptanz findet, obwohl manche Leute Anarchismus mit Chaos verwechseln.

Wie ist die Regierungskoalition entstanden? Wie siehst du den Unterschied zwischen den beiden kommunistischen Parteien und welche Rolle spielt die Kongresspartei in der Regierungskoalition?

Die Regierungskoalition entstand, um nach dem Krieg in einem zersplitterten Mehrparteiensystem eine parlamentarische Mehrheit zu sichern. Beide kommunistischen Parteien haben sich Korruption und kapitalistischen Praktiken verschrieben, wobei die UML (Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten)) derzeit die besser organisierte der beiden ist. Aufgrund ihres Missbrauchs kommunistischer Ideologien und ihrer korrupten Vergangenheit verliert die kommunistische Bewegung rapide an Boden, und Parteimitglieder werden oft verspottet, wenn sie sich zu ihrer kommunistischen Identität bekennen. Die Kongresspartei, die historisch gesehen eine wichtige Rolle bei der „offiziellen” Beendigung des Rana-Regimes und des Panchayat-Systems gespielt hat, bleibt die führende neoliberale Kraft in der Regierung. Im Jahr 2008 verbündeten sich Maoisten und Marxisten-Leninisten, um die Kongresspartei zu überstimmen, und im Jahr 2024 verbündeten sich die Kongresspartei und die Marxisten-Leninisten, um die Maoisten zu überstimmen. Während sie einst ideologische Differenzen trennten, sind diese Unterschiede in den Augen der Bevölkerung fast vollständig verschwunden.

Sowohl Indien als auch China gehören zu dem mächtigen Industrie- und Handelsblock, der als BRICS bekannt ist. Wie wirkt sich das auf die einfachen Leute in Nepal aus? Welche Gruppen wollen vom Sturz der nepalesischen Regierung profitieren?

Das Parlament von Nepal wurde am 9. September 2025 niedergebrannt.
Das Parlament von Nepal wurde am 9. September 2025 niedergebrannt.
Die Auswirkungen der BRICS-Mitgliedschaft auf die einfachen Nepalesen sind noch nicht klar, da die politischen und intellektuellen Kreise geteilter Meinung sind. Einige sehen die BRICS als Mittel, um die Vorherrschaft der USA zu verringern, während andere darin eine Ausweitung des autoritären Einflusses Chinas sehen. Die nepalesische Regierung beobachtet die Entwicklung der Beziehungen zwischen Indien und China vorsichtig und hat noch nicht entschieden, ob sie der BRICS beitreten wird.

Es bleibt unklar, welche Gruppen letztendlich vom Sturz der Regierung profitieren werden, aber keine politische Entscheidung in Nepal wird ohne die Beteiligung des indischen Geheimdienstes RAW (Research and Analysis Wing) getroffen. Auch die CIA [Central Intelligence Agency] spielt wahrscheinlich eine Rolle, wie es ihrer Geschichte in globalen Revolutionen entspricht. Zu den größten Gefahren zählen die Möglichkeit, dass royalistische Fraktionen mit indischer Unterstützung an die Macht kommen, angetrieben von extremistischer hindu-nationalistischer Politik, sowie das Wiederaufleben alter politischer Eliten ohne substanzielle Veränderungen. Ein Militärputsch war zwar eine reale Gefahr, fand aber glücklicherweise nicht statt.

Da Nepal ein Binnenstaat ist, der sozial und wirtschaftlich von Indien abhängig ist, hat sich die chinesische Investitionstätigkeit etwas verlagert, und es wurden Verbindungsautobahnen durch Nepal eröffnet. Während China und Indien ihre Rivalität verschärfen, wird Nepal, anders als andere Nationen, die an die geografischen Giganten grenzen, zu einem Schauplatz der Kontrolle und des Gleichgewichts...

Beide Mächte haben bisher offene Konflikte vermieden und Nepal zu einem Schauplatz des geopolitischen Gleichgewichts zwischen Indien und China gemacht. Nepal, das geografisch zwischen diesen beiden Atommächten eingeklemmt ist, hat nur begrenzte Möglichkeiten, sich ihrem endlosen Tauziehen zu widersetzen. Indiens Treibstoffblockade nach dem Erdbeben von 2015 war eindeutig ein Machtmanöver im Zusammenhang mit der Madhesi-Bewegung, die Indien inoffiziell unterstützte. China übt Einfluss aus, indem es die nepalesische Regierung dazu drängt, Proteste im Zusammenhang mit Tibet zu kontrollieren. Kulturelle Bindungen und offene Grenzen machen den Einfluss Indiens stärker spürbar, während chinesische Investitionen, wie zum Beispiel Autobahnprojekte im Rahmen der Belt and Road Initiative, von der Bevölkerung allgemein als Chance für wirtschaftliche Unabhängigkeit von Indien begrüßt werden.

Viele westliche Linke betrachten die Beziehungen Nepals zu China und Indien – beides Handelspartner der USA und Israels, obwohl China als geopolitischer Gegner der USA wahrgenommen wird – und kommen zu dem Schluss, dass die Aufstände in Nepal und Indonesien von der CIA unterstützte Farbrevolutionen sein müssen, die darauf abzielen, westlich orientierte Diktaturen zu installieren. Was denkst du darüber?

Zwar ist der ausländische Einfluss Indiens, Chinas und der USA unbestreitbar, doch die Aufstände auf eine von der CIA unterstützte Farbrevolution zu reduzieren, bedeutet, die echte Wut und die Opfer der nepalesischen Bevölkerung zu ignorieren. Millionen Menschen haben sich mobilisiert, um Parlamentsgebäude, Regierungsbüros und die Häuser politischer Führer niederzubrennen – nicht weil ausländische oder inländische Organisationen sie dazu aufgefordert hätten, sondern wegen jahrzehntelangem Versagen und Korruption der Regierung. Diese Bewegung als Farbrevolution zu bezeichnen, untergräbt unsere Solidarität mit ähnlichen Basisbewegungen auf der ganzen Welt. Aktivisten aus Bangladesch, Indonesien und Sri Lanka feiern die Kämpfe der anderen, ohne sie als ausländische Verschwörungen abzutun. Dies ist ein Volksaufstand, der aus erlebter Ungerechtigkeit entstanden ist. Wenn diese Aufstände Farbrevolutionen sind, dann wären mächtige globale Bewegungen wie der Arabische Frühling und Black Lives Matter ebenfalls Farbrevolutionen. Es ist an der Zeit, dass westliche Beobachter diese Kämpfe unterstützen, anstatt sie zu delegitimieren.

Welche Verbindungen siehst du, wenn überhaupt, zwischen dem Aufstand in Nepal und den vorangegangenen Aufständen in Sri Lanka, Bangladesch und Indonesien? Inwiefern haben diese die Vorstellungskraft der Bevölkerung beeinflusst und so zu dieser Revolte beigetragen? Was sind die Unterschiede zwischen dem nepalesischen Kontext und den anderen Kontexten?

Die Aufstände haben klare Gemeinsamkeiten, darunter weit verbreitete Korruption, Ausgrenzung, fest verwurzelte Macht nepotistischer Familien, staatliche Zensur und starke ausländische Einmischung. Sri Lanka, Indonesien und Nepal haben jeweils eine Geschichte kommunistischer Bewegungen und deren letztendlichem Scheitern. Eine interessante Verbindung zwischen Nepal und Indonesien ist das Vorhandensein aktiver anarchistischer Bewegungen und der kulturelle Einfluss des Anime „One Piece“, der für die Jugend beider Länder ihren Kampf gegen den Autoritarismus symbolisiert.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die kommunistische Bewegung in Nepal erfolgreich an die Macht kam, aber anschließend korrupt wurde und ihre Versprechen brach, was die Enttäuschung der Bevölkerung schürte, während in Indonesien und Sri Lanka die kommunistische Regierung nicht an die Macht kam.

Hast du aufgrund deiner jüngsten Erfahrungen in Nepal einen Rat für Menschen, die sich in anderen Teilen der Welt an basisdemokratischen Widerstandsbewegungen beteiligen?

Effektiver Widerstand muss organisierte Aufklärung, Agitation und die Bereitschaft zu spontanen Massenaufständen kombinieren. Es ist entscheidend, die Menschen darauf vorzubereiten, gesellschaftliche Bewegungen in die richtige Richtung zu lenken, insbesondere um die Machtvakuums zu bewältigen, die beim Zusammenbruch einer Regierung entstehen und oft von kapitalistischen Kräften genutzt werden, die die alte Ordnung wiederherstellen wollen. Die alten Eliten werden versuchen, die Macht zurückzugewinnen, aber die revolutionäre Bevölkerung in Nepal hat sich vehement dagegen gewehrt, indem sie Infrastruktur zerstört und sich physisch mit den Führern konfrontiert hat.

Allerdings war dieser Aufstand nicht vollständig auf das vorbereitet, was als Nächstes passiert. Bisher haben wir uns hauptsächlich auf Aufklärung und Proteste konzentriert, ohne Strukturen für die Zeit nach dem Zusammenbruch zu planen. Unser Rat an die Genoss*innen weltweit ist, sich nicht nur auf den Aufstand vorzubereiten, sondern auch auf nicht-hierarchische Strukturen und den gesellschaftlichen Wiederaufbau nach dem Sturz der Regime.

Was machen Anarchisten und antiautoritäre Gruppen in Nepal? Was können wir konkret tun, um anarchistische und allgemein antiautoritäre Bemühungen in Nepal zu unterstützen?

Das Foto zeigt das brennende Parlament
Eine Botschaft vom 13. September 2025: „Diejenigen, die mit der Polizei zusammenarbeiten. Ihr vergesst, dass sie unsere Kinder getötet haben. Diejenigen, die sagen, dass Vandalismus, Brandstiftung und Plünderungen falsch sind. Ihr vergesst, dass dies das Ergebnis der kollektiven Wut ist, die seit mehr als 40 Jahren gegen dieses Regime herrscht. Dass es das Ergebnis der kapitalistischen Hölle ist, in der normale Bürger sich niemals die Dinge leisten können, mit denen sie durch Werbung bombardiert werden. Glaubt ihr, dass die Elite von Kathmandu in Bhatbhatani [Nepals größter Einzelhandelskette] geplündert hat? Nein, das waren Menschen aus der Arbeiterklasse und der Mittelschicht. Glaubst du, Bhatbhatani hat so große Verluste erlitten? Die haben eine Versicherung. Das Hilton Hotel hat eine Versicherung. Haben die Eltern der toten Kinder eine Versicherung über Millionen von Rupien?
Anarchistische und antiautoritäre Gruppen in Nepal veranstalten Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen, Musikveranstaltungen sowie direkte Aktionen auf der Straße. Die meisten unserer anarchistischen Kollektive glauben an eine Organisation ohne Hierarchien und fördern offene Gespräche, sogar mit kommunistischen Radikalen, die wirklich egalitäre Gesellschaften anstreben. Wir glauben, dass Solidarität innerhalb der linken Bewegung super wichtig ist, deshalb beurteilen wir eher nach Taten als nur nach Ideologie. Um diese Bemühungen zu unterstützen, rufen wir dazu auf, das Bewusstsein für die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen zu schärfen, darunter der Tod von mindestens 72 Demonstranten, darunter viele Jugendliche, die getötet wurden, weil sie ein Ende von Korruption und Totalitarismus forderten. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und unverzüglich strafrechtlich verfolgt werden.

Fußnoten:


  • Meter-byaj ist eine Form der Kreditvergabe mit exorbitanten Zinssätzen. In den letzten Jahren hat eine Protestbewegung dagegen an Dynamik gewonnen.

  • Im Juni 2019 gingen Tausende auf die Straße, um gegen einen Gesetzentwurf zu protestieren, der jahrhundertealte Gemeinschafts- und Religionsstiftungen verstaatlichen würde. Dieses als „Guthi” bekannte System zur Erhaltung von Tempeln und traditionellen öffentlichen Räumen sowie zur Organisation von Festen hat seine Wurzeln in der Newar-Gemeinschaft, die im Kathmandu-Tal beheimatet ist.

  • Der Bürgerkrieg, der 2006 endete.

  • Eine Bewegung für die Rechte der Madhesis Tharus, Muslime und Janjati-Gruppen in Nepal, mit Aktivitätswellen in den Jahren 2007, 2008 und 2015.

  • Lipulekh ist ein Himalaya-Pass an der Grenze zwischen Indien und dem von China regierten Tibet. Die nepalesische Regierung hat Ansprüche auf die Südseite des Passes erhoben, die seit der britischen Kolonialherrschaft unter indischer Verwaltung steht.

  • Der Chirurg und Gesundheitsaktivist Dr. Govinda KC hat 23 Hungerstreiks durchgeführt, um Reformen zu fordern.



Quelle: Interview mit Black Book Distro, 22.09.2025

Übersetzung: Thomas Trueten
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