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»La propriété, c'est le vol« Pierre Joseph Proudhon

Gedenkkundgebung zum 14. Todestag von Burak Bektaş

Das Plakat zum Gedenkkundgebung zum 14. Todestag von Burak Bektaş mit den Angaben zur Aktion
Plakat zur Gedenkkundgebung zum 14. Todestag von Burak Bektaş
❓Wer hat Burak ermordet?
❗️Schluss mit der Straflosigkeit!
🕯️🖤Gedenkkundgebung zum 14. Todestag🖤🕯️

🗓️Sonntag 12. April 2026 |⏰ 14 Uhr|
📍Gedenkort Burak Bektaş – Rudower Straße / Möwenweg – Berlin-Neukölln

Burak Bektaş wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 in Berlin vor dem Krankenhaus Neukölln erschossen. Er war 22 Jahre alt. 4 seiner Freunde haben den Mordversuch überlebt, 2 von ihnen wurden lebensgefährlich verletzt. Die Tat ähnelt den Morden des Neonazi-Netzwerks NSU. War das Motiv auch bei diesem Mord Rassismus?

Der Mord an Burak und die vier Mordversuche sind bis heute nicht aufgeklärt. Der Mörder wurde nicht ermittelt.
Seit Jahrzehnten werden migrantisierte, linke und antifaschistische Menschen in Neukölln nicht nur ungehindert angegriffen, sondern die Täter können sich offenbar auch auf Schutz, Duldung oder zumindest auf Wegsehen verlassen.

Es wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss erkämpft, der untersuchen sollte, weshalb die Ermittlungsbehörden die Terrorserie des Neukölln-Komplexes nicht aufgeklärt haben.

Der Mord an Burak geschah ein halbes Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU. Die Ermittlungsbehörden haben an ihrer Arbeitsweise dennoch nichts geändert und leugnen die Existenz und Wirkung von Rassismus. Fehlende
Ermittlung bedeutet Straflosigkeit. Rechte Gewalttäter, Nazis können weiterhin ungehindert Terror verbreiten.
„Ich will Gerechtigkeit. Mein Sohn ist gestorben und der Täter soll seine Strafe bekommen.“

Melek Bektaş

Kein Vergessen! Kein Vergeben!
Kein Schlussstrich!

Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

Solidarität mit der Habersaathstraße

Das Foto von © heba zeigt das Transparent mit dem Text "Abriss war gestern schon Scheiße" mit dem "Roten Rathaus" im Hintergrund.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
In der Habersaathstraße 40-48 wird seit Jahren versucht, Menschen mit Drohungen und Gewalt aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Seit vier Monaten leben die Mieter:innen ohne Heizung und Warmwasser. Leerstehende Wohnungen werden im Auftrag des Vermieters demoliert, Türen eingetreten, Sanitäranlagen zerstört. Schlägertrupps im Haus – Angst gehört für die Bewohner:innen zum Alltag.

„Das geht uns alle an!“ Der Berliner Mieterverein, das Bündnis gegen Verdrängung & Mietenwahnsinn, das Bündnis gegen Zwangsräumungen und andere organisierten am Samstag, den 28. März eine Soli-Demonstration für die Habersaathstraße. 400- 500 Menschen kamen zur Unterstützung und um Druck zu machen, das die Bewohner*innen der Habersaathstraße nach dem langen Winter endlich sicher in ihren Wohnungen bleiben können. Kein Abriss! Mieter:innen schützen! Bezahlbare Wohnungen retten! Rekommunalisierung jetzt!

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Nach der Auftaktkundgebung vor dem Roten Rathaus führte die Demo quer durch Berlin-Mitte zur Novalisstraße 13 zur Zwischenkundgebung. An der immer noch von Abriss bedrohten ehemaligen CHARITE Papageienplatte in der Habersaathstrasse 40-48 wurde die Demo mit großem Hallo und Musik von Judith’s Krise, dem Resonanzchor und Kiezchor zur Abschlusskundgebung empfangen. In den Beiträgen zur Geschichte und aktuellen Situation in der Habersaathstraße findet auch ein Thema Gehör, das auf öffentlichen Kundgebungen sonst eher Tabu ist. Annegret Taube von „Leerstand Hab Ich Saath“ spricht über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe bedeuten. Hier ihr Beitrag.

„Ich komme jetzt schon einige Jahre und immer gerne hier ins Haus, um ein bisschen zur Hand zu gehen wo ich kann. Ob bei Reparaturen von Türen, Lampen, Spülkästen oder zerschlagenen Fenstern, ob zur Gartenpflege oder zum aufwischen des letzten Wasserschadens und vor allem auch um emotionalen Beistand zu leisten in diesem psychisch, physisch und emotional so belastenden Kampf um das eigene Zuhause.
Nie, Daniel, vergisst du nach einem langen gemeinsamen Arbeitstag dich für meine Hilfe zu bedanken. Aber wer sollte hier eigentlich wem danken? Wer hilft hier eigentlich wem?
Helfe ich Miriam, Ibrahim oder Daniel darin ihren Wohnraum nicht zu verlieren, weil ich ein bisschen bei der Instandhaltung helfe, ein bisschen Fürsorge leiste?
Ist es nicht viel mehr umgedreht: Dadurch das ihr immer noch diese fünf Häuser vor dem Abriss verteidigt, mit allen Strapazen, die das bedeutet, kämpft ihr auch für meine Chancen auch in Zukunft noch einen irgendwie bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und heute ist eine Wohnung schneller verloren als eine neue gefunden, dieser Erfahrung bin ich Anfang des Jahres selbst knapp entkommen. Das hier geht uns also alle an!
Wenn diese Wohnungen erhalten bleiben, wenn das Recht auf Wohnen über Pichottas Traum vom Abriss siegt, hat das nicht nur einen positiven Einfluss auf den Berliner Mietspiegel insgesamt. Es sendet auch ein Signal an andere Eigentümer*innen mit ihren verbrecherischen Entmietungsmethoden, ist auch ein Mut-machendes Signal an andere Menschen in Mietenkämpfen und bestenfalls hilft es sogar gegen die Arbeitsverweigerung mancher trüben Tasse im Bezirksamt, die mit ihrer Untätigkeit, ihrem schwachen Willen und fehlendem Mut diese kriminellen Eskalationen wie sie in der Habersaathstraße 40-48 seit Jahren geschehen, erst ermöglichen. Ja, dieser Kampf hier geht uns alle etwas an!
Für unser Zuhause müssen wir selber kämpfen, das ist in dieser Stadt längst bekannt. Die Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48 sind ein besonders beeindruckendes Beispiel, denn
hier kämpfen Menschen seit bald 20 Jahren und sie tun es ausgesprochen erfolgreich! In diesem Sinnen möchte ich die Gelegenheit nutzen einmal ausdrücklich Danke zu sagen an alle
Bewohner*innen der Habersaathstraße 40-48. Besonders bedanken möchte ich mich bei den Langzeitmieter*innen der IG Hab für ihre unglaubliche Ausdauer, für ihre Hartnäckigkeit und
Widerstandsfähigkeit, für die längst nicht mehr zu zählenden Stunden an harter Arbeit, die du Daniel seit Jahren investierst diesen Wohnraum nicht nur für dich, sondern für so Viele zu erhalten und das unter Umständen, für die mir früher die Fantasie gefehlt hätte. Danke an euch alle, die ihr euch dem eskalierenden Wohnungsmarkt nicht ergebt! Sondern euch widersetzt und für den Erhalt dieser Häuser einsteht und damit nicht nur das eigenen Zuhause schützt, sondern auch mein Zukünftiges.

Das war der angenehme Teil meines Beitrags.
Jetzt möchte ich über die andere Seite politischer Arbeit sprechen, die viel weniger Beachtung findet, von der öffentlich nur selten gesprochen wird, die nicht kämpferisch und laut auf
Kundgebungen und Soliveranstaltungen von allen gefeiert werden kann. Ich denke, viel zu selten sprechen wir über die hohe emotionale Belastung, die diese Kämpfe auch bedeuten. Vielleicht tun wir das im kleinen vertrauten Kreis, in dem man sich traut von seiner Verzweiflung und von seiner Angst zu sprechen. Auf öffentlichen Veranstaltungen, in großen Plenas, auf Bühnen einer Kundgebung oder in Texten, die wir schreiben, kommt dieser Teil oft nicht vor.
Nicht anschlussfähig für ein Demopublikum was vor allem motiviert werden möchte?
Psychische und physische Belastungen und ihre Folgen sind in den letzten Jahren auch ein erheblicher Teil des Kampfes um die Habersaathstraße 40-48 geworden. Sie sollten auch Beachtung finden. Wer die Geschichte dieses Haus hören möchte, soll auch von dem Schaden hören, den dieser lange harter Kampf an unseren Seelen angerichtet hat.
Mit der emotionalen Belastung die der existenziellen Kampf um den eigenen Wohnraum auch bedeutet meine ich: Die Angst zu scheitern, das Gefühl vor lauter Überarbeitung den Sinn nicht mehr zu kennen, viel zu viel Arbeit für zu wenige Hände, die doch schon so müde sind von aller Schufterei. Die Last von zu viel Verantwortung, auch seinen Mitstreiterinnen gegenüber. Ich meine damit auch die Wut darin nicht angehört zu werden, über sogenannte innere Konflikte nicht sprechen zu sollen und sich von den eigenen Leuten im Stich gelassen zu fühlen. Ich meine auch die Last, die Angst der Anderen mit aushalten zu müssen und die, am eigenen Anspruch bei allem trotzdem verständnisvoll zu bleiben, letztlich doch zu scheitern.
Solidarität mit erhobener Faust auf der Straße ist leichter als in Solidarität mit denen, die vom Kampf kaputt gegangen sind sich zu verbünden. Wenn wir aber von einer besseren Welt für alle träumen, wie wir sagen, dann geht auch das uns alle an.

Wer glaubt, siegreiche Häuserkämpfe führen nur die mit einer starken Psyche, mit einem stabilen gesunden Umfeld, mit einer guten Work-Life-Balance und der viel gelobten Selbstfürsorge, der täuscht sich. Nein. Diese Häuser erhalten Menschen, von denen Viele massiven Schaden an ihrer Seele erlitten haben, durch das was hier passiert. Diese Häuser erhalten die oft Gebrochenen und wieder Zusammengeflickten, die psychisch Instabilen, die Traumatisierten. Wenn wir nach unserem Befinden gefragt werden, kann es passieren, dass wir viel zu viel reden, zu emotional zu wenig sachorientiert, wir vergreifen uns im Ton, wir haben Schlafstörungen, Haarausfall, dünne Nerven und trinken Tee gegen nervöse Unruhezustände – auch so sind die Kämpfer*innen der Habersaathstraße 40-48 und siehe da die Häuser stehen noch! Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Der Maschinenraum in diesem Haus läuft aber manchmal klappert, quietscht und keucht er eben gewaltig.

Ich frage mich oft, wie solidarisch diese Welt, auf die wir hoffen ist, wenn wir uns so wenig trauen öffentlich zuzugeben, dass diese Kämpfe zu führen für viel von uns auch bedeutet kaputt zu gehen, auszuscheiden, damit allein zu bleiben und schließlich vergessen zu werden.
Um ehrlich zu sein habe ich schon lange genug von kämpferischen Parolen, die schnell verklingen, nichts wissen wollen von unseren Belastungen, die da aber auch eben sind. Parolen, die mich vor allem daran erinnern, dass ich bloß tapfer weiter machen soll. Ich habe auch genug von guten Ratschlägen zur besseren Abgrenzung und Selbstfürsorge. So ein Projekt wie dieses zu erhalten, bedeutet für die, die das hier vor Ort tun oft, über die eigenen Grenzen zu gehen. Auch weil schon viele gegangen sind, auch wenn das immer niemand hören will.
Ein Mieter sagte mal zu mir: Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Dieses Haus ist auch ein Gefängnis. Wir leben in einem permanenten Ausnahmezustand.

Lieber noch als manche Kundgebung es oft war, ist mir jeder Arm, der mir gereicht wird, um zu heulen über die Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit, die wir hier oft empfinden, ist mir jedes ernst gemeinte ‚Wie geht es euch?‘, was einen Moment hilft sich weniger allein in diesem Kampf zu fühlen.
Ich wünsche mir, dass wir anfangen uns von der Kehrseite unseres Aktivismus genauso selbstbewusst zu berichten, wie von den gewonnenen Kämpfen. Das wir uns trauen öffentlich zu
sagen ‚Ich kann nicht mehr, es ist zu viel‘ und auch das geht uns alle etwas an. Ich wünsche mir die Stärke, gemeinsam auch laut und öffentlich „Schwach“ sein zu können und das als neue Praxis der Selbstfürsorge anzuerkennen.
Ich habe hier nicht nur gelernt wie unbeschreiblich schön es sich anfühlt etwas gemeinsam zu bewegen. Ich habe hier aber auch schmerzlich lernen müssen: Soziale Kämpfe haben für manche Menschen etwas Zerstörerisches. Ich möchte das das nicht vergessen wird. Es gehört genauso zur Geschichte dieser Häuser.
Diese Rede wird deshalb auch keine ermutigende Pointe haben. Denn unsere seelischen Schmerzen, die wir bei allem immer mit uns tragen, all die Tränen die um und in diesen Häusern schon geweint wurden hatten sie auch oft genug nicht.

Ich wünsche mir, dass die schmerzliche Seite beim Widerstand leisten nicht mehr so oft vergessen wird, das Menschen sich in diesen so emotional belastenden Kämpfen weniger allein fühlen und das sie ermutigt werden darüber zu sprechen. Ich bin froh über unseren Zusammenhalt.“
Annegret Taube

Weitere Hintergrundinformationen gibt es auf der Seite EINE PLATTE WILL BLEIBEN und auf der Seite DAS GEHT UNS ALLE AN

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links


"...die Gewaltlosigkeit ist bourgeoiser Luxus!"

Die Collage zeigt Petra Krause vor einer symoblischen, wehenden roten Fahne
Collage: Roter Aufbau
Die Revolutionärin und Auschwitz überlebende Petra Krause ist am 2. April 2025 gestorben

1939 in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren, wurde mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, wo ihre Mutter ermordet wurde. Sie selbst überlebte Misshandlungen u. medizinische Experimente. Über Ost- und Westdeutschland zog sie 1957 nach Italien.

Sie schrieb für «konkret», bereiste Afrika, Asien und Amerika u. kam zum Schluss, dass zur Veränderung der Welt revolutionäre Mittel notwendig seien.

Petra Krause führte in den 70er Jahren unter anderem mit der Gruppe "Anarchistische Kampforganisation" Enteignungen in Schweizer Armeedepots durch: Die erbeuteten Waffen und Sprengstoffe kamen dann spanischen Anarchist:innen im Kampf gegen Franco, der RAF & Brigate Rosse, griechischen Revolutionär:innen und der palästinensischen Befreiungsbewegung zugute.

Petra war auch an einer direkten Aktion auf ein Napalm-Lager in Westdeutschland involviert. Jener Stoff, welcher in Vietnam hunderttausende töten und Millionen von Menschen nachhaltig schädigen sollte, wurde mit Sprengstoff in Westdeutschland angegriffen, sehr praktischer Internationalismus sozusagen.

Bewegt teilen wir mit, dass Petra Krause, geboren 1939, in den frühen Morgenstunden des 2. April 2025 in Mailand gestorben ist.

Petra hat sich in den 1960er Jahren politisiert und war vor allem in den 1970er Jahren in verschiedenen Ländern Europas als revolutionäre Internationalistin aktiv. Sie versuchte, die verschiedenen damaligen politisch-strategischen Schwerpunkte – von Spanien bis in den Norden Europas – miteinander zu verknüpfen, wobei sie sich als Revolutionärin auch durch eine konkrete Praxis auszeichnete. Das verband sie auch mit revolutionären Kräften in der Schweiz, wo sie 1975 verhaftet und der Isolationsfolter unterworfen wurde. Sie trat dem Gegner auch in Gefangenschaft entschlossen entgegen, was zur Verknüpfung des Kampfes drinnen mit der breiten Kampagne draussen führte. Daraus entstand in der Folge eine enge politische Verbindung mit ihr. Auch nach ihrer Auslieferung nach Italien, wo sie 1977 frei kam, nahm sie ihre Rolle, die verschiedenen revolutionären Ansätze – von Frankreich bis Griechenland – miteinander zu verknüpfen, weiterhin wahr, auch in ihrer späteren Klandestinität, zu der sie gezwungen war, weil sie sich allen Kräften, die den revolutionären Kampf aufgeben wollten, theoretisch und praktisch widersetzte.

Wir gedenken heute der revolutionären Spur, die sie gelegt hat, und nehmen sie weiterhin auf in in unserer Praxis, eine internationalistische, revolutionäre, kommunistische Perspektive zu erkämpfen.

Revolutionärer Aufbau Schweiz
Rote Hilfe International


Weiterführende Links:
  • Petra Krause: Gewaltfreiheit als «bourgeoiser Luxus»
  • Zwei Jahre lang sass Petra Krause in Untersuchungshaft, doch der Prozess in Winterthur fand ohne sie statt. Petra Krause wird am 15. August 1977 nach Italien ausgeliefert und in Rom wie eine Heldin empfangen.
  • Eine Frau narrt die Schweiz. Petra Krause trieb den Bundesrat zur Weissglut. Lesen Sie hier bisher geheime Akten dazu.
  • Behalten wir Petra Krause in Erinnerung und ihre Kämpfe gegen den Faschismus, Kapitalismus, Patriarchat und Imperialismus am Leben! Ganz wie sie sagte: "...die Gewaltlosigkeit ist bourgeoiser Luxus"! Quelle

Danke an H. für die Linkauswahl.

Filmvorführung zu Hans Gasparitsch: „Ich bin ja jetzt der Letzte“

Der Flyer zum Film zeigt neben einem Foto des älteren Hans Gasparitsch die Angaben zur Filmvorführung
Flyer zum Film
FILMVORFÜHRUNG im Gasparitsch:

Arbeiterkultur - Jugendwiderstand - Konzentrationslager.
Hans Gasparitsch, geboren 1918 in Stuttgart, erzählt.
„ICH BIN JA JETZT DER LETZTE“

📅 FREITAG, 10. APRIL, 20.30 UHR
🎥 Filmdauer: 40 min.
📍 Stadtteilzentrum Gasparitsch, Rotenbergstr. 125, Stuttgart

Mit 16 Jahren schrieb Hans Gasparitsch am 14. März 1935 mit roter Farbe „Hitler = Krieg“ auf den Sockel der Rossebändiger im Stuttgarter Schlosspark. Er und seine Freunde von der „Gruppe G“, in der Hans organisiert war, wurden von der Gestapo verhaftet. Es folgte der größte Prozess gegen Jugendliche in Württemberg während der NS-Zeit. Für Hans begann ein zehnjähriger Weg durch deutsche Gefängnisse und Konzentrationslager - ein Weg tiefen Leidens, aber auch ein Weg der Erfahrung großer Menschlichkeit und Solidarität seitens vieler Mithäftlinge.
Im Film berichtet Hans Gasparitsch:
• über seine Jugend in der Arbeiterkultur der 1920er Jahre,
• über das Erstarken der Nazis in Ostheim vor und nach
1933,
• über seine Politisierung und erste Widerstandsaktionen,
• über die Aktion bei den Rossebändigern,
• über Prozess, Verurteilung und Inhaftierung,
• über seine Zeit in den Konzentrationslagern,
• und über die Jahre danach.
Die Erzählungen von Hans Gasparitsch werden durch historische Fotos und Dokumente eindrucksvoll ergänzt.

Ab 20 Uhr lädt die Kneipe zum entspannten Miteinander ein - mit gutem Essen, kühlen Getränken und Gelegenheit zum Austausch 🥗🍝🍞


This Saturday: All Out for No Kings Day 3!

Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Masked secret police are terrorizing our communities. An illegal, catastrophic war is putting us in danger and driving up our costs of living. Attacks on our freedom of speech, our civil rights, and our freedom to vote are happening on a daily basis. Costs are pushing families to the brink. #Trump is acting like a tyrant. But this is America, and power belongs to the people - not to wannabe kings or their billionaire cronies.

This Saturday, March 28th, we will show up together to demand, No Kings!


Please plan to join what promises to be the largest democracy, human rights, and peace demonstration in U.S. history. More than 3,000 events are planned.

FIND A NO KINGS EVENT NEAR YOU!

As President Trump escalates his attempts to control us, it is on us, the people, to show that we will fight to protect one another and our country. If he believes we will roll over and allow him to take our freedoms, he is mistaken. We are coming together on March 28 across issues, ages, races, and religions, because we know we can overcome this repression when we unite.



(In #Germany also in #Munich / #München #Nuremberg / #Nürnberg #Frankfurt #Wiesbaden #Düsseldorf #Bremen & #Hamburg)

#NoKings! #NoWars! #NoNukes! #NoICE


k9 » größenwahn » politischer fiimabend: „Autour du Feu“- der Feuerkreis

Der Flyer zeigt Jacques Fasel 1985 beim Prozess in Fribourg in einer Illustration von Luigi Olivadoti sowie Angaben zum Film aus dem Textbeitrag
Flyer zum Film (Vorderseite)
In einem Wald treffen zwei ehemalige Mitglieder der bewaffneten antikapitalistischen Westschweizer Gruppierung La Bande à Fasel an nem Lagerfeuer auf drei junge Aktivistinnen der ZAD Le Mormont von XR Rebellion u. in der Schweiz aktiven antirassistischen Kollektiven. Eine Nacht lang diskutieren sie Fragen über den zivilen Ungehorsam u. radikalere Formen des Widerstands. Wie weit darf man gehen, um seine Ideale zu verteidigen?

Dokumentarfilm: „AUTOUR DU FEU“ - der Feuerkreis

Laura Cazador & Amanda Cortös 2024 OmU

Jacques Fasel und Daniel Bloch sitzen eine Nacht lang mit drei jungen Aktivistinnen aus der Klimabewegung und antirassistischen Kollektiven um ein Lagerfeuer im Wald und sprechen über Formen des Widerstands und der Repression im Lauf der Zeit. Mit seiner Bande überfiel der Anarchist Jacques Fasel in den Siebzigern Poststellen und Geldtransporter in der Romandie, mit der Beute finanzierten sie autonome Projekte. „Wir hatten Freude daran, in den sozialen Krieg zu ziehen. Der Begriff «revolutionär» war angemessen, weil wir glaubten, die Revolution würde zu unseren Lebzeiten stattfinden. Ich unterstützte die ‚Anti-AKW-Bewegung, die Antigefängnisbewegung und kleinere Projekte wie unabhängige Radios und eine Theatergruppe“ Er wurde oft gefasst, saß lange im Knast ist mehrfach ausgebrochen. "Das Gefängnis hat mich gestärkt" Der Film stellt nun sein Handeln jenem junger Aktivistinnen gegenüber.

Ein Gespräch über die Revolution als Prozess, den Wald als Rückzugsort - und Technologie als Waffe.

«Es muss nicht immer Forelle in Champagnersauce sein»

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + Us samariterstraße + S frankfurter allee

"Wo ist Eure Grenze?“

„Wo ist Eure Grenze?“

Diese Frage stand auf einem Plakat auf der grossen Demonstration am 11. November 2023 in Wuppertal. Zu diesem Zeitpunkt ging die Bombardierung und die Blockade Gazas bereits einen Monat lang, tausende Menschen wurden schon getötet. Trotzdem war das Grauen, das bis heute folgte, im November 2023 unvorstellbar.

Ich möchte heute an diese Demonstration erinnern. Sie war unter dem Motto „Stoppt die israelischen Kriegsverbrechen“ angemeldet. Im Polizeibericht heisst es, dass „die Versammlung insgesamt überwiegend friedlich“ verlaufe.

Ja, die Demonstration war friedlich. Aber die 2000 Menschen, die damals gegen den Genozid auf die Strasse gegangen sind, wurden auf vielfache Weise während der Demonstration bedrängt und verunsichert.

Schon vorher, bei der Genehmigung der Demonstration, hat die Polizei das ursprüngliche Motto „Stoppt den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza“ untersagt, so dass es in „Stoppt die israelischen Kriegsverbrechen“ geändert wurde.

Es war am 11. November 2023 in Wuppertal verboten, das Wort Genozid auf einem Plakat zu zeigen! Eine junge Frau wurde gezwungen, das Wort „genocide“ zu übermalen, weil sie sonst von der Polizei angezeigt worden wäre.

Der Wuppertaler Polizeipräsident hat - als oberster Polizist der Stadt - in Begleitung eines Übersetzers persönlich alle arabischsprachigen Plakate kontrolliert. Auch gerufene Parolen wurden überwacht.

Während auf der kleinen pro-israelischen Gegendemonstration viele aus der Wuppertaler Zivilgesellschaft von CDU bis Linke waren, sind auf der Demonstration „Stoppt die israelischen Kriegsverbrechen“ fast überhaupt keine linken Menschen aus unserer Stadt gewesen.

Zwei bekannte Juso-Mitglieder haben die Teilnehmenden unseres Demozuges mit aggressiven Blicken gemustert, einer der beiden hat heute ein hohes politisches Amt in der Kommunalpoltik inne.

Der deutschlandweit bekannte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach war zusammen mit einem Team von STERN TV auf der Demonstration und hat die Leute mit provokativen Fragen und Statements bedrängt. Aus dem Filmmaterial wurde ein aggressiv-diffamierender Bericht für RTL gemacht, der die Vorurteile gegenüber pro-palästinensischen Menschen bestätigen soll.

All das, unangemessene Polizeikontrolle, völkermord-leugnende pro-Israel Demonstranten, das Wegducken der fortschrittlichen Zivilgesellschaft, offene Zensur, Krawall TV mit rechtem Polit-Promi, hat bei den friedlich Demonstrierenden ein Gefühl der Bedrohung und des Ausgeschlossenseins hervorgerufen.Wuppertal war im November 2023 exemplarisch für Deutschland, wo Misstrauen, Vorurteile und Ausgrenzung und das Schweigen der Mehrheit alles bestimmt hat.

Und heute, im März 2026? Alles ist seit November 2923 viel schlimmer geworden, und alle sehen es.

Der Genozid in Gaza wird fortgesetzt, die ethnische Säuberung der Westbank wird fortgesetzt, Israel führt eine Invasion im Libanon durch, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg von USA und Israel zerstört den sogenannten Nahen Osten und die Weltwirtschaft.
Ob bald Atombomben von den USA und Israel geworfen werden?

„Wo ist Eure Grenze?“

Wir möchten jetzt Refaat Alareer gedenken, dem grossen palästinensischen Schriftsteller und Hochschullehrer, der am 6. Dezember zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Familie getötet wurde. Er hinterlässt uns sein Gedicht „Wenn ich sterben muss“

Wenn ich sterben muss

Wenn ich sterben muss,

musst du leben

um meine Geschichte zu erzählen

um meine Besitztümer zu verkaufen

um ein Stück Soff zu kaufen

um einige Fäden

(mache es weiß mit einem langen Ende)

sodass ein Kind, irgendwo in Gaza

während es das Paradies im Auge hat

wartend auf seinen Vater,

der in einem Feuer verschwand

und niemanden verabschiedete

nicht einmal sein eigen Fleisch

nicht einmal sich selbst -

den Drachen sieht, meinen Drachen,

den du nähtest,

über sich fliegend

und für einen Moment denkt,

dort ist ein Engel,

der Liebe zurückgibt

Wenn ich sterben muss

lass es Hoffnung bringen

lass es eine Geschichte sein

(Übersetzung @tarek_bae auf Instagram)

Quelle: Rede von Sebastian Schröder am 21. März 2026 auf der „Demonstration für ein befreites und selbstbestimmtes Palästina“


Buchtipp: Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks - 3. Auflage

Das Buchcover zeigt eine Hydra, die auf Kronen sitzt und diese frisst Dazu Angaben zum Buch
Buchcover
Eine absolute Leseempfehlung und nach einiger Zeit jetzt endlich wieder in der 3. Neuauflage erschienen: Die amerikanischen Historiker Peter Linebaugh und Marcus Rediker beleuchten in ihrem international gefeierten Standardwerk die Ursprünge und den atemberaubenden Aufstieg des frühen globalen Kapitalismus im Gebiet des englisch dominierten Atlantiks vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, ohne den die Welt, wie sie heute ist, nicht zu verstehen ist.

Im Gegensatz zur gängigen Geschichtsschreibung stellen die Autoren die Perspektive der multi-ethnischen Proletarier, die der erlittenen Gewalt etwas entgegenzusetzen versuchten, in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Es ist dies die Geschichte der verarmten Massen, der Seeleute und Sklaven, der Schuldknechte, der einfachen Frauen, der marginalisierten Arbeiter und Bauern. Sie treten hier als politische Subjekte in Erscheinung, anstatt als unberechenbare und politisch naive Masse abgetan zu werden, die den Gang der Geschichte durch plan- und hoffnungslose Revolten vorübergehend aufhielt.

Aus einer Fülle historischer Überlieferungen rekonstruieren die Autoren Aufstände, Streiks und Meutereien gegen das gewaltige Kolonialisierungs- und Siedlungsprojekt des Empire. Landlose, Sklaven und Entrechtete entwickelten Formen kooperativer Widerständigkeit, ohne dass dabei Fragen von nationaler Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht eine bestimmende Rolle spielten. Die Deklassierten entwarfen durchaus eigene Entwürfe eines besseren Lebens. In den Augen der Obrigkeit handelte es sich bei dieser unberechenbaren amorphen Unterschicht um eine »vielköpfige Hydra«, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue wuchsen.

Dieses außergewöhnliche und glänzend geschriebene Werk zeichnet die untergründige Geschichte des transatlantischen Empires nach und rückt die revoltierenden Heerscharen afrikanischer Sklaven, städtischer Proletarier, der Piraten und Indigenen der Karibik in den Mittelpunkt. Im angelsächsischen Raum gilt es als Klassiker der neueren Labor History. Im Jahr 2001 wurde es mit dem International Labor History Award ausgezeichnet.

Peter Linebaugh & Marcus Rediker
Die vielköpfige Hydra
Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks
Aus dem Englischen von Sabine Bartel
ISBN 978-3-86241-489-5, 480 Seiten, Paperback, 24 Euro

Verlagsinformation


Fenian Bastards oder: Das enttäuschende Erbe der irischstämmigen Amerikaner

Ich bin nicht besonders stolz darauf, irischstämmiger Amerikaner zu sein. Wenn du mich kennst, mag dich das überraschen – ich rede ständig über meine irischen Wurzeln und darüber, dass die Iren seit 800 Jahren dafür kämpfen, sich vom kolonialen Joch zu befreien.

Ich habe das ganz klar – und ein bisschen peinlicherweise – zu einem ziemlich großen Teil meiner Persönlichkeit gemacht. Es ist nicht der irische Teil des Irisch-Amerikanischseins, auf den ich nicht stolz bin, sondern der amerikanische Teil, und wo diese beiden Wörter aufeinandertreffen.

Um es ganz offen zu sagen: Wir irisch-amerikanischen Leute haben es echt vermasselt. In Irland waren wir Revolutionäre. In Amerika waren wir Polizisten, Kolonisatoren und Rassenunruhestifter. Wir haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen, sobald wir konnten, und unser Erbe und unsere Sprache gegen Weißsein und verwässerte Kulturreste eingetauscht, die wie grünes Bier und Kleeblätter aussehen.

Ich sage „wir“, als wäre ich nicht erst mehrere Generationen später in diese Situation hineingeboren worden, als hätte meine Großmutter die Muttersprache ihrer Eltern kaum gesprochen. Sie wurde (natürlich) in Boston als Tochter von Einwanderern aus Galway geboren, die verzweifelt wollten, dass ihre Kinder sich assimilieren. Ihr Vater floh kurz vor dem Aufstand aus Irland, aber jeder seiner Brüder kämpfte darin und wurde dafür verhaftet.

Der vielleicht stolzeste Moment meines Lebens war es, einem dieser Brüder an seinem hundertsten Geburtstag die Hand zu schütteln. Dieser Mann lebte in drei verschiedenen Jahrhunderten, und soweit ich das beurteilen kann, kämpfte er in einem gescheiterten Aufstand, einer größtenteils erfolgreichen Revolution und einem Bürgerkrieg gegen die Revolutionäre, die das Land verkauften – und das alles, bevor er fünfundzwanzig wurde. Als ich ihn traf, war er schon seit Jahrzehnten blind, aber er grinste über beide Ohren, als er die Nachkommen seines Bruders traf. Er lebte länger als die berühmt-berüchtigte langlebige Königin, die später das Reich regierte, gegen das er zu den Waffen griff, und das, obwohl er in einer Steinhütte lebte.

Ihn getroffen zu haben, ist etwas, worauf ich stolz bin. Das ist ein Vermächtnis, das mir wichtig ist.

Den Familiennamen meiner Großmutter kann ich bis zur Schlacht von Clontarf im Jahr 1014 zurückverfolgen, als die Iren die Wikinger von ihren Küsten vertrieben.

St. Patrick’s Day? Der St. Patrick’s Day ist mir scheißegal. Ich habe heute Morgen in einem Café einen grünen St. Patrick’s Day-Milchshake getrunken und er hat nach Zahnpasta geschmeckt.

Ich habe ihn trotzdem getrunken, weil er aus Zucker bestand und ich im Grunde ein Kobold bin. Ich hoffe, dass das, dass ich ihn trotzdem getrunken habe, nicht irgendwie Teil der Metapher wird, die ich hier aufbaue.

Weder irischstämmige noch nicht-irischstämmige Amerikaner können uns ertragen, wenn wir mit unserem Erbe angeben, egal ob wir grünen Plastikmüll tragen und nach Whiskey schreien oder IRA-Lieder singen und ein Erbe der Rebellion für uns beanspruchen, dem wir sicher nicht gerecht zu werden scheinen. Niemand kann uns ausstehen, und ich nehme es ihnen nicht übel. Es ist vernünftig, jeder weißen Person zu misstrauen (oder sie nicht zu mögen), die Unterdrückungspunkte für sich beansprucht, indem sie davon redet, dass sie früher nicht weiß war (was wir mit unseren italienisch-amerikanischen Brüdern gemeinsam haben, ist, dass wir uns darüber beschweren, nicht immer weiß zu sein, katholisch zu sein und unsere Geschichte des radikalen Linksextremismus aufzugeben).

Es stimmt, dass die Iren während des größten Teils der amerikanischen Geschichte nicht ganz weiß waren, aber wir hatten es hier nie auch nur halb so schlimm wie Schwarze oder indigene Völker, und wir sind nun schon seit hundert Jahren weiß, weil wir am Scheideweg dem Teufel begegnet sind und ihm unsere Seele verkauft haben. Um ehrlich zu sein – und um eine Büchse Würmer zu öffnen, die niemand essen möchte: Irisch-Amerikaner haben im protestantischen Amerika mindestens genauso viel Unterdrückung erfahren, weil sie katholisch waren, wie weil sie Iren waren (schau dir die Geschichte der zweiten Inkarnation des KKK an, um mehr darüber zu erfahren). Aber noch einmal: Der Katholizismus ist derzeit kein Faktor der Unterdrückung in diesem Land, und während Geschichte wichtig ist, sind die gegenwärtigen Verhältnisse wichtiger.

Es gibt ein Erbe der irischstämmigen Amerikaner, das es wert ist, beachtet zu werden, aber es ist begraben unter Polizisten, weißen Supremacisten (aber ich wiederhole mich) und Leprechaun-Hüten.

Der historische Stich zeigt eine geheime Versammlung von Bergarbeitern
'The Strike in the Coal Mines - Meeting of Molly M'Guire Men".'
Aus Harper's Weekly, 31. Januar 1874.
Was ein Erbe angeht, das es wert ist, beachtet zu werden, kann ich in ein paar Richtungen weisen. Erstens, und das kenne ich am besten, sind die Molly Maguires aus den Kohlefeldern von Pennsylvania. Als Großbritannien in den 1840er Jahren seinen zweiten Völkermord an Irland verübte, indem es die Insel aushungerte, flohen die Menschen nach Nordamerika und brachten einige altehrwürdige Traditionen der Arbeiterklasse mit. (Der erste Völkermord an den Iren geschah durch Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert im Zuge des Englischen Bürgerkriegs. Frag mich, warum mir die frühe antimonarchistische Bewegung in England völlig egal ist.)

Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, aber ich kann auf zwei konkurrierende Theorien des Arbeiterkampfes verweisen, die im 19. Jahrhundert um Relevanz wetteiferten. Die eine, hauptsächlich aus England importiert, war der Gewerkschaftswesen. Streiks, Arbeitsniederlegungen, Tarifverhandlungen. Sozialismus als etwas, das man anstreben und aufbauen muss. Die andere, aus Irland, lautete im Grunde: „Gründe mit deinen Freunden eine Geheimgesellschaft, betrink dich, zieh Frauenkleider an und töte die Reichen, während sie in ihren Betten schlafen.“ Das ist eine ziemlich coole Tradition. Sie stammt von den Leuten, die Engels (von Marx und Engels) für zu barbarisch-sozialistisch hielt, um jemals gute und ordentliche marxistische Sozialisten zu werden.

(Im Ernst, es ist faszinierend, wie besessen von Irland Engels war, und zwar auf die ganz falsche Art und Weise.)

Aber die Molly Maguires. Es gab also diese losen Geheimgesellschaften während der gesamten irischen Geschichte (oder zumindest seitdem es englische Grundbesitzer gab, die man erwürgen konnte), aber die heute berühmteste ist die, die es bis in die Kohlebergwerke Amerikas geschafft hat: die Molly Maguires. Ihr Crossdressing war nicht wirklich eine Gender-Sache, und es war auch nicht wirklich eine Verkleidung. Es war eher ein magischer Akt der Verwandlung. Sie wurden zu etwas anderem, wenn sie sich verkleideten, um Sabotage und Gewalt zu verüben. Das ist eine Drag-Tradition, hinter der ich stehen kann.

Die meisten irischen Bergleute waren froh genug, den Gewerkschaften nach britischem Vorbild beizutreten, und ehrlich gesagt ist Gewerkschaftswesen insgesamt wahrscheinlich der bessere Weg, um die Macht der Arbeiterklasse aufzubauen. Aber wann immer die Bosse anfingen, gegen die Gewerkschaften vorzugehen und die Organisierung unter Strafe zu stellen, standen die Fenian-Bastarde schon bereit. Aufstand und Revolution sind keine Gegensätze; sie sind sich ergänzende Strategien. Akzeptiert die Gewerkschaften, oder ihr bekommt es mit den Mollies zu tun.

Obwohl der Staat eine mächtige Sache ist und die Molly Maguires größtenteils verschwanden, nachdem eine Menge von ihnen gehängt worden waren. So ist das eben. Irland erlangte 1922 den größten Teil seiner Unabhängigkeit, obwohl Michael Collins und einige der anderen revolutionären Führer einen Kompromiss akzeptierten und bald darauf gegen ihr eigenes Land in den Krieg zogen, was zu der Teilung führte, die das Land heute hat. (Meine irische Familie redet nicht gern über Politik, aber meiner Tante wurde erzählt, dass mein revolutionärer Onkel bis zu seinem Lebensende jedes Mal spuckte, wenn er den Namen Michael Collins hörte.)

Aber Revolutionäre auf der ganzen Welt sind darauf angewiesen, einen Ort zu haben, an den sie gehen können, wenn es zu Hause zu heiß wird. Für die Russen war es die Schweiz. Für die Iren war es Amerika. Das ist eine Geschichte, in die ich hier und da in den Drehbüchern verschiedener Episoden hineingeschaut habe, die ich mir aber noch nicht vollständig angesehen habe. Eine Geschichte der irisch-amerikanischen Revolutionäre, die Spenden sammelten, Waffen kauften, bereit zum Krieg nach Irland zurückkehrten und sogar in Kanada einmarschierten. (Im Ernst. Sie dachten, wenn sie Kanada erobern könnten, könnten sie es den Briten als Lösegeld für Irlands Freiheit anbieten. Das ist nicht gerade der antikolonialistischste Schachzug, aber es ist seltsam und es ist passiert, und ich werde irgendwann darauf eingehen.)

Das Foto zeigt den anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbten Chicago River an dessen Promenade Menschen spazieren und der von Wolkenkratzern umgeben ist.
Der anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbte Chicago River
Foto: Knowledge Seeker
Lizenz: Public Domain
Das ging jahrzehntelang so weiter. Die Fenian Brotherhood wurde 1858 gegründet, ein amerikanisches Pendant zur Irish Republican Brotherhood, aus der später die Irish Republican Army hervorging. Aber es gab auch Leute wie den irischen (nicht-amerikanischen) Syndikalisten Jim Larkin, der 1917 in Chicago den Dil Pickle Club mitbegründete, zusammen mit einem amerikanischen IWW-Bombenbauer namens Jack Jones (ich glaube nicht, dass er in einer Gewerkschaft für Bombenbauer war, er war einfach ein Gewerkschafter, der Bomben baute, um Chefs in die Luft zu jagen. Das war damals so üblich). Dieser Club war ein Ausgehort und einer der wenigen Orte in Chicago, an denen Menschen verschiedener Hautfarben zusammenkamen. Und dort verbrachte Jim Larkin seine Zeit im Exil, bevor er in ein weitgehend freies Irland zurückkehrte. Vor der Revolution gab es in Irland nicht viel anarchistische Geschichte (obwohl Syndikalisten und Anarchisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine größere Rolle im revolutionären Kampf spielten), aber ich habe eine Theorie, warum es dort keine Anarchistenbewegung mit großem A gab. Ich habe sogar irgendwo Notizen zu dieser Theorie, aber sie liegen mir gerade nicht vor, denn das hier ist kein gut durchdachter Essay, sondern ein Rant, den ich geschrieben habe, weil ich sauer war, dass mein St. Patrick’s Day-Milchshake nach Zahnpasta schmeckte und ich ihn trotzdem getrunken habe. Scheiße, ich glaube, dieser Milchshake ist doch Teil der Metapher.

Im Laufe der gesamten anarchistischen Geschichte finde ich, dass europäische Anarchisten weniger damit beschäftigt waren, den Anarchismus in die Kolonien zu exportieren, als vielmehr damit, antikoloniale Kämpfe zu unterstützen und indigene Methoden des Aufstands zu importieren, die dann in Europa verarbeitet und wieder exportiert wurden. Da ist der griechische anarchistische Arzt Plotino Rhodakanaty, der nach Mexiko ging, um von den Menschen etwas über traditionelle Landnutzung zu lernen, und am Ende eine Generation indigener mexikanischer Anarchisten inspirierte. Da ist die Veteranin der Pariser Kommune, Louis Michel, die sich im Exil mit den indigenen Völkern Neukaledoniens solidarisierte und dort ihr anarchistisches Denken weiterentwickelte. Da ist der Naturforscher Peter Kropotkin, der den Großteil seiner Theorien zum anarchistischen Kommunismus durch das Studium der Natur und der Anthropologie entwickelte, unter anderem in sibirischen Gemeinschaften. Und dann gibt es noch… britische Anarchisten, die (soweit ich weiß) die einzigen Menschen in Großbritannien waren, die die irische Unabhängigkeit und die Gewalt der Unterdrückten unterstützten. Die Herausgeber britischer anarchistischer Zeitungen in den 1880er- und 1890er-Jahren versuchten nicht, den Anarchismus nach Irland zu exportieren, sondern sammelten Spenden für irische Revolutionäre und machten sich Notizen über irische Methoden des Sozialismus und des Widerstands. Wie die irischen Geheimgesellschaften. Möglicherweise (das habe ich auf meinem Red-String-Board noch nicht ganz nachverfolgt) der Vorläufer von Affinitätsgruppen.

Direkte Aktion, Aufstand und gemeinschaftliche Landnutzung waren bereits Kernprinzipien der irischen Kultur. Irgendwo in mir habe ich einen guten und ordentlichen Aufsatz über die Abschaffung der Weißheit, darüber, wie wir, um die weiße Vorherrschaft zu zerstören, die Weißheit als soziales Konstrukt zerstören müssen. Ich werde ihn irgendwann schreiben (andere haben ihn bereits geschrieben, aber wer lernt nicht gerne, einen guten Coversong zu spielen? Es ist wie bei der Volksmusik; die Abschaffung der Weißheit ist für alle da).

In der Zwischenzeit denk daran: Wenn wir Irland richtig feiern wollten, würden wir heute palästinensische Flaggen hissen und kein Grün tragen. Einige Episoden, die ich gemacht habe und in denen es um solche Themen ging:

Quelle: "Fenian Bastards or: the disappointing legacy of Irish-Americans", 18. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

18. März: Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Das SharePic zur Kundgebung in Stammheim zeigt die Gefängnismauer sowie die Eckdaten zur Kundgebung: 18.03. // 18 Uhr // Justizvollzugsanstalt Stammheim
SharePic zur Kundgebung in Stammheim
Der 18. März als internationaler Kampftag für die Freilassung aller politischen Gefangenen knüpft an eine lange Tradition der revolutionären ArbeiterInnenbewegung an.

Am 18.3.1848 stand das sich gerade entwickelnde Proletariat auf den Barrikaden, 23 Jahre später, am 18.3.1871, kam es zum ersten Mal zu einer breit in der verarmten Bevölkerung verankerten Zerschlagung parlamentarisch-monarchistischer Machtstrukturen durch die proletarische Klasse. An diesem Tag griffen die Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter zu den Waffen und schufen für einen kurzen Zeitraum eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, die als Pariser Commune bekannt wurde. Nach nur 71 Tagen wurde der Versuch, sich von den Fesseln der Herrschaft zu befreien, brutal niedergeschlagen.

Die militärisch hochgerüstete Reaktion übte nach ihrem Sieg über die Kommunard_innen blutige Rache. Mehr als 20.000 Männer und Frauen wurden getötet, über 13.000 Menschen zu meist lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Doch im kollektiven Gedächtnis der sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen blieb die Commune nicht in erster Linie als Niederlage haften, sondern als die Geschichte eines gemeinsamen Aufbruchs. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein galt der 18. März als „Tag der Commune“.

1923 erklärte die ein Jahr zuvor gegründete Internationale Rote Hilfe (RHI) den Tag zum „Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. Der Faschismus jedoch sollte dieser Tradition ein Ende setzen.

1996 initiierte der „Förderverein Libertad! für internationale Kommunikation und Solidarität“ zusammen mit der Roten Hilfe e.V. zum ersten Mal wieder einen Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen. Seitdem werden an diesem Tag vielfältige Aktionen und Veranstaltungen durchgeführt; die Rote Hilfe versucht mit der jährlichen Sonderausgabe zum 18. März, den politischen Gefangenen eine Stimme zu verleihen sowie den verschiedenen Solidaritäts- und Antirepressionsinitiativen eine Plattform zu bieten, um die Themen „Staatliche Repression“ und „Politische Gefangene“ ins Bewusstsein zu rufen.

Auch 2026 gibt es bundesweit gibt es viele Aktionen, an denen ihr euch beteiligen könnt. Eine Übersicht gibt es beim Bundesvorstand der Roten Hilfe.


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