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»Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen.« Erich Kästner

Über 100 Organisationen, Verbände und Initiativen fordern die Legalisierung von Abtreibung und rufen zu Großdemonstrationen am 7.12.2024 in Berlin und Karlsruhe auf

Ein breites Bündnis aus über 100 Organisationen, Verbänden und Initiativen aus ganz Deutschland ruft zu Großdemonstrationen am 7.12.2024 in Berlin und Karlsruhe auf. Sie fordern die ersatzlose Streichung von § 218 aus dem Strafgesetzbuch, ein Recht auf freiwillige Beratung statt einer Beratungspflicht und die vollständige Kostenübernahme für alle.

Das Plakat zeigt neben dem Logo der Kampagne die Termine der beiden Demos Die unterzeichnenden Organisationen, Verbände und Initiativen fordern die Abgeordneten der demokratischen Parteien des Deutschen Bundestages dazu auf, noch in dieser Legislaturperiode die Rechte ungewollt Schwangerer zu stärken und die vielfältigen Hürden beim Zugang zu sicheren Abtreibungen abzubauen. Sie kritisieren politische Versuche dieses Vorhaben zu blockieren und verurteilen Verlautbarungen die Rechte ungewollt Schwangerer in Zukunft noch weiter einschränken zu wollen.

Die Unterzeichner*innen begrüßen den interfraktionellen Gesetzentwurf zur Neuregelung von Abtreibungen, welcher heute erstmalig im Bundestag beraten wird. Dieser ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu reproduktiver Gerechtigkeit. Sie fordern die Abgeordneten dazu auf sich jetzt für das Selbstbestimmungsrecht ungewollt Schwangerer einzusetzen. Gleichzeitig machen sie darauf aufmerksam, dass der aktuelle Entwurf weit hinter internationale Standards, wie den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation, zurückbleibt, wenn die Beratungspflicht wie auch die 12-Wochen-Frist bestehen bleiben. Sie fordern, dass die Abgeordneten an dieser Stelle nachjustieren.

Die Demonstrationen starten am 7.12.2024 parallel um 13:00 Uhr am Alexanderplatz in Berlin und am Kronenplatz in Karlsruhe mit Redebeiträgen, musikalischen Live-Acts und Infoständen. Sie bilden den Höhepunkt der zivilgesellschaftlichen Kampagne "Abtreibung legalisieren – jetzt!" und reihen sich ein in eine Vielzahl von Bestrebungen zur Legalisierung von Abtreibung in diesem Jahr, u.a. der Bericht der Expert*innen-Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin, die Ergebnisse der ELSA-Studie und der zivilgesellschaftliche Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibungen.

Weitere Informationen zu den Demonstrationen.

In memory of Kostas Fragoulis – murals against antiziganism and racist police violence

Photo: © RYC  |  Pavlos Fragoulis, the grieving father of Kostas, at the inauguration of the completed mural.
Foto: © RYC | Pavlos Fragoulis, the grieving father of Kostas, at the inauguration of the completed mural.
On December 5, 2022, 16-year-old Roma Kostas Fragoulis was shot dead by a motorcycle Cop in Thessaloniki, Greece. Almost three weeks later, artists and activists from Berlin and Thessaloniki responded to this event, which kept Greece in suspense at the time, with a joint mural campaign in collaboration with his relatives. Kostas died just 500 meters away from the Roma settlement where he lived. He had allegedly left a nearby petrol station without paying for 20 euros worth of petrol. The fatal shots were fired after a chase with two police officers who happened to be present. The incident sparked protests and sometimes violent clashes with the police throughout Greece. There were coordinated riots in more than ten regions of the country, which originated in the respective Roma neighborhoods and settlements. They were also fueled by the proximity to 6 December, the anniversary of the murder of 15-year-old Alexandros Grigoropoulos by a police officer in the left-wing alternative district of Exarchia in Athens in 2008. After Kosta’s death, left-wing activists supported the Roma protests. A local activist from Thessaloniki established contact between the artists, the Roma settlement and Kostas‘ relatives.

In consultation and direct cooperation with the relatives, the artists painted the spot where Kostas died with his name, the date of death and the slogan “It wasn’t the gasoline, it wasn’t the money, the cops shot me because I was Roma”. At the highway exit leading to the settlement, they spray-painted a larger-than-life portrait of him. Both pictures were taken during the day and without permission. At the hotel where they wrote the name, there were verbal arguments with the Greek operators. They wanted to prevent their business from suffering from the media attention. The atmosphere there was very tense simply because it was suspected that the police had deliberately destroyed the CCTV footage on site. The day after the murder, activists from the Copwatch initiative drove to businesses in the entire area and persuaded them to make the footage from their cameras available in order to provide Kosta’s relatives with legal support. Of all things, the camera that was pointed at the place of death was missing. The murals were intended to commemorate Kostas, make the police violence visible and raise public awareness. The images of the Roma during the painting campaign went viral in Greece, with several newspapers reporting on them.

However, they also triggered violent reactions from neo-Nazis on social media channels, who called for the murals to be destroyed – to no avail. As in many other European countries, antiziganism is widespread in Greece – many Roma have no access to housing, clean water or urban infrastructure. More than other population groups, they are excluded from the labor market, have hardly any political lobbying and are exposed to attacks by the police.

Go to the photos at Umbruch Bildarchiv.

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In Erinnerung an Kostas Fragoulis - Wandbilder gegen Antiziganismus und rassistische Polizeigewalt

Foto: © RYC  |  Pavlos Fragoulis, der trauernde Vater von Kostas, bei der Einweihung des fertigen Wandbilds
Foto: © RYC | Pavlos Fragoulis, der trauernde Vater von Kostas, bei der Einweihung des fertigen Wandbilds
Am 5. Dezember 2022 ist der 16-jährige Rom Kostas Fragoulis von einem Motorradpolizisten in Thessaloniki/Griechenland erschossen worden. Knapp 3 Wochen später reagierten Künstler*innen und Aktivisten aus Berlin und Thessaloniki mit einer gemeinsamen Wandbild-Aktion in Zusammenarbeit mit den Angehörigen auf dieses Ereignis, das Griechenland damals in Atem hielt.

Kostas starb nur 500 Meter entfernt von der Roma-Siedlung, in der er lebte. Angeblich hatte er eine nahe gelegene Tankstelle verlassen, ohne Benzin im Wert von 20 Euro zu bezahlen. Nach einer Verfolgungsjagd mit zwei zufällig anwesenden Polizisten fielen die tödlichen Schüsse. Der Vorfall löste in ganz Griechenland Proteste und zum Teil heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei aus. In mehr als zehn Regionen des Landes gab es koordinierte Revolten, die von den jeweiligen Roma-Vierteln und -Siedlungen ausgingen. Befeuert wurden sie auch durch die zeitliche Nähe zum 6. Dezember, dem Jahrestag der Ermordung des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos durch einen Polizisten im linksalternativen Athener Stadtteil Exarchia im Jahr 2008. Nach Kostas Tod unterstützten linke Aktivist*innen die Proteste der Roma. Ein lokaler Aktivist aus Thessaloniki stellte den Kontakt zwischen den Künstler*innen, der Roma-Siedlung und den Angehörigen von Kostas her.

In Absprache und direkter Zusammenarbeit mit den Angehörigen bemalten die Künstler*innen die Stelle, an der Kostas starb, mit seinem Namen, dem Todesdatum und dem Spruch „Es war nicht das Benzin, es war nicht das Geld, die Bullen haben auf mich geschossen, weil ich ein Roma war“. An der Autobahnausfahrt, die zur Siedlung führt, sprühten sie ein überlebensgroßes Portrait von ihm. Beide Bilder entstanden tagsüber und ohne Genehmigung. An dem Hotel, an dem sie den Namen schrieben, kam es zu verbalen Auseinandersetzungen mit den griechischen Betreiber*innen. Sie wollten verhindern, dass ihr Geschäft unter der Medienaufmerksamkeit leidet. Die Stimmung war dort allein deswegen sehr angespannt, weil vermutet wird, dass die Polizei die Videos der Überwachungskamera vor Ort gezielt vernichtet haben. Aktivist*innen der Initiative Copwatch fuhren am Tag nach dem Mord zu den Gewerbetreibenden in der gesamten Umgebung und überredeten sie, die Aufnahmen ihrer Kameras zur Verfügung zu stellen, um Kostas Angehörige juristisch zu unterstützen. Ausgerechnet bei der Kamera, die auf die spätere Todesstelle gerichtet war, fehlten die Aufnahmen.

Die Wandbilder sollten an Kostas erinnern, die Polizeigewalt sichtbar machen und Öffentlichkeit herstellen. Die Aufnahmen der Roma bei der Malaktion gingen in Griechenland viral, mehrere Zeitungen berichteten. Allerdings lösten sie auch heftige Reaktionen von Neo-Nazis auf Social-Media-Kanälen aus, die dazu aufriefen, die Wandbilder zu zerstören – ohne Erfolg. So wie in vielen anderen Ländern Europas ist Antiziganismus in Griechenland weit verbreitet – viele Roma haben keinen Zugang zu Wohnraum, sauberem Wasser oder städtischer Infrastruktur. Mehr als andere Bevölkerungsgruppen werden sie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, haben kaum eine politische Lobby und sind Übergriffen der Polizei ausgesetzt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Albert Norden zum Geburtstag - 4. Dezember 1904

Albert Norden, September 1963
Albert Norden, September 1963
„So fing es an: Ich stand an einem Frühsommertag 1918 in einer Schlange auf dem Elberfelder Markt. Auf was wir da warteten, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich handelte es sich um die Universalspeise jener späten Kriegszeit, die Kohlrübe, die als Suppe, Gemüse, Fleischersatz, Kompott, Pudding, Brotaufstrich und Kaffeesurrogat Verwendung fand. Plötzlich hörte man Singen und Rufen, ohne zu verstehen, worum es ging. Dicht vor dem knapp 100 Meter entfernten Rathaus ballte sich eine Menge zusammen, aus der die Pickelhauben von Polizisten aufblitzten; dann spritzen die Leute, meist junge Menschen, nach allen Seiten auseinander, und einer stellte sich als unschuldiger Käufer hinter mich in die Reihe.

Von ihm erfuhr ich, nachdem ich ihn angesprochen hatte, daß da junge Arbeiter und Arbeiterinnen gegen den Krieg demonstriert hatten. Er war es auch, den ich nun öfters traf und der mir einige Tage später ein gedrucktes Heftchen gab. Es war eine Agitationsbroschüre der alten Sozialdemokratie.“


Albert Norden ist – mit Wolfgang Abendroth und Jürgen Kuczinsky - einer der grossen Wuppertaler Enkel von Friedrich Engels.

Am 4. Dezember 1904 in Myslowitz geboren, wuchs er im Wuppertal auf. Sein Vater Joseph Norden war ab 1907 der Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Elberfeld und ein Vertreter des liberalen Reformjudentums. Joseph Norden wurde im Februar 1943 in Theresienstadt ermordet.

Albert Norden fand mit sechzehn Jahren zur grossen und starken Arbeiter:innenbewegung des Wuppertals.

„Im Realgymnasium wurde meine politische Lage schwierig. Anfang 1919 war ich mit zwei anderen Schülern zum Direktor gegangen und hatte die Einrichtung von Schülerräten gefordert. Ehrlich gesagt, wußten wir nicht exakt, wie diese Schülerräte funktionieren sollten. Geboren war unser Schritt einmal aus der Wut über die jetzt erkannte nationalistische Verhetzung der letzten Jahre durch die meisten Oberlehrer und Professoren, und zum anderen lag der Rätegedanke damals in der Luft. Überall wurden Räte gebildet, warum nicht auch in der Schule, um den Schülern Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung von Lehrplänen und Unterricht zu geben? Der Direktor hörte uns mit eisiger Mine an, strich seinen Tirpitzbart und schickte uns in den – Karzer. Damals hatte nämlich die Reaktion ihren Novemberschock teilweise schon überwunden und nahm den Kampf auf. Reaktionäre Jugendorganisationen bildeten sich, die unter den großbourgeoisen und Mittelstandssöhnen am Elberfelder Realgymnasium schnell Anhang fanden.

Zu einem bestimmten Anlaß – nach meiner Erinnerung war es eine Kaisergeburtstagsfeier [27. Januar] – sollte auf dem sehr großen Schulhof ein „Rendezvous“ der deutschvölkischen Jugend stattfinden. Die Jungkommunisten zogen hin und sprengten das eilig verbarrikadierte Tor und die Kundgebung, wobei es einige Verletzte gab. Wenige Tage darauf wurde ich vor die Lehrerkonferenz geholt und der Anstiftung des Zusammenstoßes bezichtigt. Später, als in Abwehr des Kapp-Putsches Wuppertals Arbeiter die Polizeidirektion stürmten, entdeckten sie Akten, aus denen hervorging, daß ein Spitzel in die Elberfelder revolutionäre Jugendorganisation geschickt worden war, der die Politische Polizei auch über meine Tätigkeit unterrichtet hatte. Vor dem Professorenkollegium leugnete ich narürlich, begegnete aber nur ungläubigen Gesichtern. Eine direkte Bestrafung erfolgte nicht, doch erhielt ich die freundliche Aufforderung, von der Schule abzugehen.“


Nach dem Schulverweis vom Realgynasium Aue, heute Carl-Fuhlrott-Gymnasium am Küllenhahn, begann der Sechzehnjährige eine Lehre als Holzarbeiter. Ab 1923 arbeitete er als investigativer Journalist in der kommunistischen Presse, und von da an führte er ein unstetes und gefährliches Leben, gekennzeichnet durch Repression, Gefängnis, der Flucht vor dem deutschen Faschismus und dem Exil in verschiedenen Ländern bis zur Rückkehr nach Deutschland im Herbst 1946.

Albert Norden stand nun im Zentrum des Kalten Krieges, denn er war ab der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre und in den sechziger Jahren einer der wichtigsten innerdeutschen Akteure der DDR und nahm in dieser Position mittelbar auch Einfluss auf die europäische und Weltpolitik.

Im Politbüro der SED hat er von 1958 bis 1970 die Deutschlandpolitik der DDR, also das Verhältnis der DDR zur BRD massgeblich bestimmt. Militarismus, Reaktion und Faschismus stellte er Frieden, Sozialismus und Antifaschismus gegenüber. Der Höhepunkt war 1965 die Herausgabe des legendären „Braunbuchs der Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und West-Berlin“.

Albert Norden war in der DDR eine Person des gesellschaftlichen Lebens, präsent in der Öffentlichkeit, in den Betrieben und Institutionen durch Besuche und Reden, in der Presse durch Beiträge, verantwortlich für viele Broschüren und Autor von einigen Bestsellern.

1963 hielt er eine Fernsehansprache zum Prozeß gegen BRD-Staatssekretär Hans Maria Globke, den faschistischen Schreibtischtäter und dann höchsten Beamten Adenauers.

International war er seit 1958 im Weltfriedensrat aktiv.

Ein kurzer Blick in ein beliebiges Inhaltsverzeichnis der Aufsätze und Reden zeigt sein breites Repertoire an Themen.

Dass die DDR das bessere Deutschland sei, findet sich natürlich in fast allen Texten und Reden der Nachkriegszeit. Und es ist klar, dass die kommunistische Bewegung des 20. Jahrhunderts parteilich an der Seite der Sowjetunion stand.

Eric Hobsbawm nennt den Zeitraum von 1917 bis 1989 das „kurze 20. Jahrhundert“.

Albert Norden war Handelnder in der grundsätzlichen Auseinandersetzung zwischen rechts und links, zwischen Ost und West, von 1919 bis kurz vor einem Tod 1982.

Aber auch 35 Jahre nach dem Ende der DDR und 42 Jahre nach dem Tod Albert Nordens besteht eine auffällige und bezeichnende Missachtung seiner objektiven Bedeutung, in der BRD im allgemeinen und in den politischen und historischen Wissenschaften im besonderen.

Auch in seiner Heimatstadt Elberfeld wird er totgeschwiegen oder verhöhnt.

Frau Dr. Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungstätte Alte Synagoge, bediente 2018 in der Westdeutschen Zeitung den Antikommunismus und den Hass auf die politischen Linke: „Man sagte ihm nach, er sei der Einzige gewesen, der im Politbüro etwas im Kopf hatte.“

Übrigens wurde die Begegnungstätte auf dem Grundstück der 1938 niedergebrannten Elberfelder Synagoge, Albert Nordens Elternhaus, errichtet.

Ist es naiv, vom Mainstream der bürgerlichen Gesellschaft BRD eine faire Beurteilung des Werkes Albert Nordens zu erwarten?

Warum dieses laute Schweigen?

Zur Annäherung an diese Fragen möchte ich folgende Texte unbedingt empfehlen.

Oben wurde bereits aus „Ereignisse und Erlebtes“, Berlin 1981 zitiert; hier schildert Albert Norden seine Kindheit und Jugend, sein Elternhaus und seine Familie, die journalistische Arbeit (inklusive Aufenthalt im Gefängnis Bendahl), in Düsseldorf, im Bergischen Land und dann in Essen. Die Autobiographie berichtet natürlich über viele weitere Stationen seines Lebens.

Das Gedenken an 500 Jahre Bauernkrieg steht unmittelbar bevor, und der Kampf um die Deutung der weltgeschichtlichen Ereignisse wird 2025 stattfinden.

1973 hat Albert Norden ein Buch zu dieser grossen Revolution geschrieben, beziehungsweise zu den mächtigen Gegnern der revolutionären Bauernschaft und ihrem Streben nach Demokratie.

Er berichtet in „Herrscher ohne Krone“ detailliert über den Aufstieg und die Macht des Clans der Fugger aus Augsburg.

„“Herrscher ohne Krone“ erscheint am Vorabend des 450. Jahrestages des Bauernkrieges. Hier besteht ein durchaus gewollter, weil tatsächlicher Zusammenhang. In dieser großen Klassenauseinandersetzung verkörperten die Fugger die finsterste Reaktion. Sie und ihresgleichen ermöglichten erst die Niederschlagung der Bauern. Denn zum Kriegführen gehört Geld, Geld und nochmals Geld – und das besorgten die Fugger: Sie finanzierten die Landsknechtsheere, die im Blut der Bauern wateten, und haben damals und in folgenden Jahrhunderten an Bauernmassakern teilgenommen.“


„In der Gegenwart leben sie in der BRD ein Milliardärdasein und inspirieren und finanzieren wie seit einem halben Jahrtausend die extreme Reaktion. Es führt ein gerader Weg von den Fuggern des Mittelalters zu jenem Familienoberhaupt Fürst Fugger, der an der Seite von Franz Josef Strauß nach 1945 zum Mitbegründer der CSU wurde, die er im ersten Bundestag vertrat und die ihn zum Schatzmeister und dritten Parteivorsitzenden machte.“

Zu diesem Buch wird ein ausführlicher Beitrag von mir erscheinen.

Wir stehen heute fassungslos vor dem beispiellosen Kriegsverbrechen, das seit 425 Tagen in Gaza verübt wird.

Schon 1926 ! hat Albert Norden die- bis heute gültigen - Ursachen des Nahost-Konflikts beschrieben. Während einer dreimonatigen Haftstrafe in Hamburg-Fuhlsbüttel wegen „öffentlicher Beleidigung“ hat er die Verhältnisse im zeitgenössischen Palästina einer materialischen Analyse unterzogen.

„1918 schon begann die Balfour-Deklaration sich auszuwirken. Ein Strom jüdischer Einwanderer lenkte sich ins Land, das in seiner Größe etwa Württemberg entspricht und dessen Einwohnerzahl 1918 dreiviertel Million betrug, darunter wohl 60 000 Juden. Heute ist dank der englisch-zionistischen Immigrationspolitik die Zahl der Juden um nahezu 100 000 gestiegen. Die britischen Imperialisten schlagen dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe: Einmal vermehren sie die Zahl der ihnen ergebenen Elemente im Land, zum anderen lenken sie den Kampf der allarabischen Befreiungsbewegung von sich auf die Juden ab. Divide et impera – Teile und herrsche! Es war noch immer die Kolonialmethode der gentlemen of the merry old England. Wie sie es mit Hindus und Mohammedanern in Indien machen, so auch mit den Juden und Arabern in Palästina.“


Albert Norden sieht, dass „dieser Fall des Zionismus und seines Objektes Palästina weitesttragende politische Konsequenzen in sich birgt, die viel größere Kreise als nur die Juden betreffen.“

(Gegen den Zionismus, in: Fünf Jahrzehnte im Dienst seiner Klasse – Ausgewählte Aufsätze und Reden 1922 – 1974, Berlin 1974)

Unmittelbar nach dem dritten israelisch-arabischen Krieg 1967 sagte Albert Norden vor dem Friedensrat der DDR: „Als die Vereinten Nationen vor knapp 20 Jahren den Beschluß faßten, den Staat Israel und einen palästinensisch-arabischen Staat zu schaffen, da befleckten die kapitalistischen Herren den neugegründeten israelischen Staat mit einem Doppelverbrechen: Erstens vertrieben sie Hunderttausende Araber vom Boden des neuen Staates und verwandelten die übrigen in Staatbürger zweiter Klasse, und zweitens griffen sie über die von der UNO gesteckte Staatsgrenze hinaus und eigneten sich räuberisch unter Verletzung des UNO-Beschlusses fremde Gebiete an, durch deren Anexion sie den israelischen Staat um die Hälfte vergrößerten. Das war nackter Raub, der zur vollständigen politischen und sozialen Entrechtung der auf diesem Gebiet wohnenden Araber hinzugefügt wurde.“

Und er stellte fest: „Der Staat Israel ist nicht der Staat der Juden, die in ihrer übergroßen Mehrheit außerhalb Israels leben und gar nicht in Israel leben wollen. Der Staat Israel wird dominiert von einer Gruppe wildgewordener Eroberungspolitiker, die in den letzten Tagen frech ein Gebiet okkupiert haben, das dreimal so groß ist wie der Staat Israel.“

(An der Seite der arabischen Völker, in: In Aktion für das sozialistische Vaterland – Ausgewählte Aufsätze und Reden 1964-1969, Berlin 1969)

Heute Albert Nordens Schriften wirklich lesen zu können, ist nicht einfach.

Im Buchhandel erhältlich ist lediglich „Frieden ohne Sozialismus? Albert Norden über die Ursachen von Kriegen und die Möglichkeit, diese zu verhindern“ Verlag am Park, Berlin 2016

Das von seinem Sohn Johnny Norden, 1940 im New Yorker Exil geboren, und seiner Frau Conny sorgfältig zusammengestellte Buch präsentiert knappe Ausschnitte aus Publikationen und Reden, kann aber durch seinen geringen Umfang nur „eine Handreichung“ zum weiteren Studium sein.

Einige Artikel finden sich auf der Internetseite der VVN-BdA Wuppertal:

„Wuppertal – 23. Januar 1936“
„Olympischer Friede vor und hinter der Theaterkulisse (1936)“
„Haltbare internationale Kunstseidenfäden“ (1953)
„Der Eichmann von Bonn“ Auszug (1960)
• „Das spanische Drama“ Auszug (1961)

Die Schriften von Albert Norden sind ausschliesslich antiquarisch zu erhalten; in den öffentlichen Bibliotheken der BRD stehen sie fast gar nicht, es finden sich nur einzelne Bücher – ohne Systematik, nach Zufallsprinzip. So besitzt die Universitätsbibliothek Wuppertal zwei seiner Bücher, die Autobiographie ist nicht dabei…

Anarchistisches Infocafé 9.12.: Mit Tesla Stoppen im NewYorck Bethanien

Das Foto zeigt zwei schwarz gekleidete und vermummte Personen auf einem Baggerarm, die ein Transparent mit dem Text: "Up with trees - down with capitalism" zeigen und dabei die Fäuste strecken. Dazu die Eckdaten aus dem Beitragstext.Folgende Info teilen wir gerne:

"Liebe Freund*innen!

In einer der trockensten Regionen Deutschlands wird 2020 die Tesla Gigafactory gebaut - mitten in einem Wasserschutzgebiet. Und damit nicht genug: die Fabrik soll erweitert und das Grundwasser damit weiter gefährdet werden. Mehr Wald soll dafür weichen. Wir sagen KEINEN METER WEITER und haben im Wasserwald 9 Monate lang aktiv Widerstand gegen die rücksichtslose Zerstörungswucht Musks geleistet. Bis unsere Versammlung unter den fadenscheinigen Gründen der Bombensondierung aufgelöst wurde. Und unser Barrio gewaltvoll geräumt wurde. Teslas schmutzige Produktion und neokoloniale Ausbeutung hinterlässt weltweit ihre Spuren. Wir stellen uns in den Weg. Kommt vorbei, lasst uns gemeinsam etwas über unseren Kampf lernen. Wir freuen uns auf euch

Love and Rage
Euer Wasserwald"


• Ab 19:30 Uhr gibt es veganes Essen für Alle auf Spendenbasis
• Ab 20:00 Uhr Veranstaltung
• NewYorck im Bethanien// Mariannenplatz 2A// 10997 Berlin

Blogkino: Black Friday (1940)

Weil sich gerade die Kapitalisten alle an ihrem künstlichen Feiertag "Black Friday" gegenseitig überunterbieten, dachten wir uns, daß wir da schon lange mitstinken können. Aus dem Grunde bringen wir eine Sonderfolge unserer beliebten Reihe Blogkino mit dem Boris Karloff Streifen "Black Friday": "Dr. Ernest Sovac soll für den Mord an seinem Freund Professor George Kingsley auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Einem Reporter übergibt er sein Tagebuch, der die Geschichte des Kriminalfalles liest.

An einem Freitag, dem 13. wird Professor Kingsley von einem Auto angefahren, das von dem Kriminellen Red Cannon gesteuert wird. Kingsley wird schwer verletzt, ebenso Cannon. Um das Leben seines Freundes zu retten, entnimmt Dr. Sovac dem sterbenden Cannon Gehirnzellen und transplantiert diese in Kingsleys verletztes Gehirn. Nachdem Kingsley wieder gesund ist, merkt seine Frau Margaret, dass der vormals so ruhige Ehemann zur Raserei neigt.

Sovac liest in der Zeitung, dass der verstorbene Cannon eine halbe Million US-Dollar versteckt hat. Er bringt seinen Freund Kingsley nach New York zu Plätzen, an denen Cannon tätig war. Er will damit durch die implantierten Gehirnzellen des Verbrechers das Gedächtnis stimulieren, so dass Kingsley ihn zum Geld führt. Sovac will mit dem Geld ein Krankenhaus bauen. Cannons Persönlichkeit und die Erinnerungen des Verbrechers gehen auf Kingsley über. Doch nun will er sich an seinen früheren Bandenmitgliedern Eric Marney, William Kane, Louis Devore und Frank Miller rächen. (...)" (WikiPedia)

Wir sind die seltsamen und furchterregenden Dinge in diesen Wäldern

„Ich bitte nicht darum, vor meinen Feinden sicher zu sein, sondern ihnen gefährlich zu werden.“

- das Gebet des Anarchisten


KI Bild: Dunkler Wald mit Eichen und Buchen und einer Person, die in einiger Entfernung zwischen den Bäumen steht
Bild: Thomas Trueten
Ich habe vor etwa zwölf Jahren aufgehört, mir Horrorfilme anzusehen, als ich in einem Van lebte. Ich habe viele Nächte allein in diesem Van mitten im Nirgendwo verbracht - tief im Wald oder auf leeren Parkplätzen im ganzen Land - und es war nicht gut für mein Nervensystem, Horrorfilme zu schauen. Menschen wie ich, der seltsame und unheilvolle Herumtreiber, werden normalerweise nicht allzu lange nach dem Zeitpunkt getötet, an dem wir den mutigen, aber unglücklichen Protagonisten von den uralten Schrecken erzählen, die unter dem Schnee oder was auch immer lauern. Der Punkt ist, dass ich oft genug allein an unheimlichen Orten war, und es hat mir nicht viel gebracht, Horrorfilme zu schauen.

2019 zog ich in eine winzige, schwarze A-förmige Hütte, die in den Wald eingebettet war. Es war nicht ganz mitten im Nirgendwo - es gab vielleicht zwei Nachbarn, die mich hätten schreien hören können. Aber es war niemand in Sicht. In der ersten Nacht, die ich in dieser Hütte verbrachte, fühlte ich mich wie in einem Horrorfilm. Da war ich nun, in einer dunklen und stürmischen Nacht, zu abgelenkt von den Blitzen, die durch das Glasfenster in der Tür zuckten, um auf meinen Schatz zu achten. Ich wartete darauf, dass der nächste Blitz eine Silhouette gegen die Bäume warf.

Stattdessen war alles in Ordnung. Am nächsten Tag verlegten wir den Boden und sie sprachen über ihre Liebe zu Podcasts über wahre Verbrechen, als queere Sexarbeiterin.

Im ersten Monat, als ich nachts den Hügel hinauf zu meiner Hütte ging, hatte ich Angst. Ich hielt ein Messer umklammert und schreckte vor Schatten zurück. Es dauerte nicht lange, bis ich aufhörte, mich vor diesem Wald zu fürchten. Vielleicht hörte ich vor allem deshalb auf, Angst zu haben, weil mir klar wurde: Ich war das Unheimliche in diesem Wald.

Der erste Eintrag im ersten Liber Monstorum, dem Buch der Monster aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert, handelt von einer Transfrau - oder vielleicht einer intersexuellen Person. Jemand, der männlich erscheint, aber als Frau lebt.

In einem durchschnittlichen Horrorfilm war ich nicht das unheilvolle erste Opfer, sondern das Monster.

Ich war eine bewaffnete Transfrau, die allein in den Wäldern in einer schwarzen A-förmigen Hütte lebte, die ich selbst gebaut hatte. Der Weg zu meinem Haus begann am Ende einer Schotterstraße und schlängelte sich durch ein Landprojekt voller bewaffneter Queers mit Hunden.

Zu dieser Zeit in meinem Leben haben mich Nazis gedoxed und fälschlicherweise festgestellt, dass ich einer der Anführer der Antifa war. Sie haben Fotos von mir herumgereicht. Sie gaben Informationen darüber weiter, wo ich wohnte und mit wem ich mich traf. Es ist eine nette Beschreibung; sie wählten schmeichelhafte Fotos aus und übertrieben die Bedeutung sowohl meiner Schriften als auch meines Aktivismus. Und ich hatte einfach ... keine Angst. Ich meine das nicht als Angeberei. Ich war nicht einmal mutig - man muss Angst haben, um mutig zu sein. Die Nazis haben mir keine Angst gemacht. Stattdessen hatten die Nazis eindeutig Angst vor mir.

So ist die richtige Reihenfolge der Dinge.

Manchmal schaue ich mir wieder Horrorfilme an.

Als queere Person in den USA, insbesondere als Transfrau, die in einem tiefroten Staat lebt, brechen für uns schreckliche Zeiten an. Dieses Mal werde ich nicht so tun, als hätte ich keine Angst. Dieses Mal werde ich mutig sein. Wir brechen in schreckliche Zeiten auf, aber wir sind nicht machtlos, und wir sind mindestens genauso furchteinflößend wie unsere Feinde.

Ich lebe in West Virginia und habe hier nicht mehr Angst zu leben als anderswo. Um es klar zu sagen: Es gibt konkrete und greifbare Bedrohungen, denen queere Menschen durch die Rechtssysteme der roten Staaten ausgesetzt sind. Wenn ich ein transsexuelles Kind oder ein Teenager wäre oder wäre, würde ich mir wahrscheinlich andere Orte zum Leben suchen, andere Orte, an denen der Zugang zu medizinischer Versorgung sicherer ist.

Mutig zu sein, bedeutet nicht, diese Bedrohungen zu ignorieren. Ich würde zwar niemandem raten, wegzulaufen (oder zu bleiben), aber ich denke, dass es für viele Menschen, insbesondere für Transpersonen, angebracht ist, ihre Pässe in Ordnung zu halten und Notfallpläne zu erstellen. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, meinen Namen legal zu ändern, aber die jüngsten Ereignisse haben mein Interesse daran, dies in nächster Zeit zu tun, stark verringert - ich möchte lieber, dass mein Regierungsname nicht mit meinen politischen Schriften in Verbindung gebracht wird, und ich möchte lieber, dass mein Regierungsname dem Geschlecht entspricht, als das ich mich leichter ausgeben kann.

Aber nur weil wir uns sehr realen Bedrohungen gegenübersehen - sowohl jetzt als auch deutlich sichtbar am Horizont - heißt das nicht, dass wir keine Handlungsfähigkeit haben, und es bedeutet nicht, dass wir aufgeben, fliehen oder verzweifeln sollten. Es war noch nie sicher, in diesem Land eine Transperson zu sein. Nach enormen Anstrengungen und Blutvergießen hatten wir einige Höhepunkte in Bezug auf rechtlichen Schutz und kulturelle Akzeptanz erreicht, und wir sehen, wie die Flut vor uns zurückgeht. Das ist in Ordnung. Wir haben das schon einmal durchgemacht. Vielleicht nicht als Einzelpersonen, aber sicherlich als Kultur.

Ein Journalist namens Edward R. Murrow hat ein Zitat, das mir oft genug durch den Kopf geht: „Denkt daran, dass wir nicht von ängstlichen Männern abstammen.“

Wir Queers haben eine Abstammungslinie der Tapferkeit, die einfach nicht zu leugnen ist.

Das längere Zitat von Murrow ist in diesem Zusammenhang und in diesem Moment ebenfalls erwähnenswert. Er schrieb über Senator McCarthy, er schrieb gegen die Angst vor dem Kommunismus. „Wir werden nicht in Angst voreinander leben. Wir werden uns nicht von Angst in ein Zeitalter der Unvernunft treiben lassen, wenn wir tief in unserer Geschichte und unseren Grundsätzen graben und uns daran erinnern, dass wir nicht von ängstlichen Männern abstammen - nicht von Männern, die Angst hatten, zu schreiben, zu sprechen, sich zu verbinden und für Dinge einzutreten, die im Moment unpopulär waren.“

Die Idee in diesem Zitat ist, dass wir den McCarthyismus bekämpfen müssen, aber auch, dass wir uns nicht von Angst in ein Zeitalter der Unvernunft treiben lassen sollten. Wir sollten nicht zulassen, dass die Angst voreinander unser Leben beherrscht. Das möchte ich vor allem all den Menschen sagen, die sich in letzter Zeit der Propaganda gegen queere Menschen, insbesondere Transmenschen, angeschlossen haben. Aber ich möchte auch mich selbst daran erinnern. Wir sollten nicht in Angst voreinander leben.

Ich habe Feinde, das ist klar. Sie haben mir Fotos von meiner Familie geschickt. Sie haben mir gesagt, dass sie mein Haus niederbrennen würden, während ich darin bin. Aber der Durchschnittsbürger, auch der Durchschnittsbürger hier in West Virginia, wo ich lebe, ist nicht mein Feind. Ich bin frustriert - mehr als frustriert - zu wissen, dass eine überwältigende Mehrheit meiner Nachbarn für einen Präsidenten gestimmt hat, der ausdrücklich Hass gegen queere Menschen verbreitet. Dennoch haben diese Menschen mir persönlich nie ein Gefühl der Unsicherheit vermittelt.

Ich habe an vielen Orten gelebt und ehrlich gesagt habe ich in Städten (zufälligerweise in Städten in blauen Bundesstaaten, basierend auf meinen Wohnorten) weitaus mehr Belästigungen erlebt als in Kleinstädten (oft in roten Bundesstaaten). Das liegt nicht daran, dass das Land ein magischer Ort ist, an dem es keine Vorurteile gibt, sondern einfach daran, dass es hier weniger Menschen gibt. Wenn ich in New York City die Straße entlanggehe, komme ich buchstäblich an Tausenden von Menschen vorbei, sodass es viel wahrscheinlicher ist, dass jemand etwas Schreckliches zu mir sagt.

Meine Daten werden auch durch die Tatsache verzerrt, dass ich unbewusst erwarte, in großen liberalen Städten sicherer zu sein, sodass ich weniger Vorsichtsmaßnahmen treffe und mich provokanter kleide. Wo ich lebe, bin ich manchmal im „Jungenmodus“. Manchmal auch nicht. Einige der Leute hier wissen, dass ich eine Transfrau bin, andere denken einfach, ich sei ein seltsamer, schwuler Mann mit Pony und Ohrringen (und einem Pick-up und einem Carhartt-Mantel, was hilfreich ist). Niemand macht mir wirklich Probleme.

Es ist nicht so, dass man die imaginäre Grenze von Maryland nach West Virginia überquert und plötzlich jeder ein anderer Mensch ist. Die Leute hier sind keine Monster. Egal, was dir Horrorfilme erzählt haben.

Das Motto, das man bei der Verteidigung der Gemeinschaft am häufigsten hört, lautet: „Wir sorgen für unsere Sicherheit“, und das ist etwas, woran ich aus tiefster Seele glaube. Ich erwarte nicht, dass der Staat für meine Sicherheit sorgt. Vielleicht sollte ich das erwarten können. Es ist schön, wenn es Gesetze gibt, die Arbeitgebern verbieten, Mitarbeiter zu entlassen, weil sie trans sind. Aber selbst wenn es diese Gesetze gibt, ist es verdammt schwer, als nicht-passende trans Person einen Job zu finden. (Ich persönlich habe Glück, denn in meinem Bereich als „anarchistische Autorin und Podcasterin“ ist das kein Problem.)

Es gibt einen Unterschied zwischen „Schuld“ und „Verantwortung“, mit dem Menschen in Aktivistenkreisen manchmal zu kämpfen haben. Es ist nicht meine Schuld, dass die Gesellschaft mich als monströs ansieht - dass die Ansicht, ich sei monströs, älter ist als die moderne englische Sprache. Es ist nicht meine Schuld, dass Menschen Schwierigkeiten haben, mich zu akzeptieren. Es ist nicht meine Schuld, dass Transfrauen im Mittelpunkt eines Kulturkrieges stehen, weil wir ein so gutes Keilthema sind, mit dem wir versuchen können, Progressive von Liberalen zu trennen.

Für meine eigene Sicherheit und Befreiung bin ich jedoch selbst verantwortlich. Niemand anderes (außer einer breiteren Gemeinschaft von Queers, Anarchisten und Aktivisten) wird das für mich tun. Wenn ich in einer besseren Welt, einer sichereren Welt leben möchte, muss ich akzeptieren, dass das an mir liegt, und aufhören, darauf zu warten, dass mich jemand anderes rettet.

Wer setzt Antidiskriminierungsgesetze durch? Die Polizei? Die Polizei ist bekanntermaßen nicht gerade die toleranteste Gruppe von Menschen.

Aber ich und „wir“ sind in diesem Kampf nicht allein.

Jahre bevor ich nach West Virginia zog, kam ich dorthin, um im Kampf gegen den Kohleabbau durch Bergbau zu helfen. Eines Nachts unterhielt ich mich lange mit einem pensionierten Bergarbeiter, einem weißen Mann namens Sid, der leider inzwischen verstorben ist.

Er erzählte mir eine Geschichte über den Kampf gegen den Vietnamkrieg in den späten 60er Jahren. Er sagte: „Wir standen mit unseren Antikriegsschildern an einer Ecke, an der anderen Ecke standen die schwarzen Radikalen mit ihren Antirassismus-Schildern und an einer dritten Ecke standen die Schwulen mit ihren Schwulenrechtsschildern. Eines Tages wurde uns allen klar, dass wir alle stärker wären, wenn wir alle an derselben Ecke stehen würden, also taten wir es und das waren wir auch.“

Es war so einfach und wahr. Eine Metapher und eine wahre Geschichte zugleich.

Er ist auch ein Beispiel für eine der Arten von Menschen, die man in West Virginia findet, die Art von Bergmann, der vor fünfzig Jahren an der Seite schwarzer und schwuler Aktivisten stand und vor zehn Jahren, im Herbst seines Lebens, verhaftet wurde, als er die Berge verteidigte.

Ich habe Angst vor dem, was kommt, aber ich habe keine Panik. Mir ist bewusst, dass ich in einem roten Staat lebe, aber ich habe keine Panik. Wenn wir Monster sind, dann haben wir Krallen und Reißzähne. Wenn wir Monster sind, dann können wir Angst einflößen. Wenn wir Monster sind, dann haben wir Freunde. Wenn wir Monster sind, dann haben wir eine Abstammungslinie der Macht. Wenn wir Monster sind, dann haben wir einander.

Oder keiner von uns ist ein Monster, weder wir noch sie, und wir sind alle Menschen. Gefährliche Menschen.

Ich mag aber Monster. Und wirklich gruselige Horrorfilme.

Quelle: © Margaret Killjoy: We Are the Strange and Scary Things in These Woods, 27. November 2024

Autorisierte Übersetzung: © Thomas Trueten / thomas@trueten.de

Die gesamte Geschichte der Ungerechtigkeiten des Zionismus in einem Beduinendorf

Die Zerstörung von Umm Al-Hiran veranschaulicht die zionistische Sichtweise auf Palästinenser als unbeständi, als bewegliche Schachfiguren in einem Spiel der demografischen Planung.

Israelische Polizei umstellt und zerstört die Moschee in Umm Al-Hiran, 14. November 2024. (Oren Ziv)
Israelische Polizei umstellt und zerstört die Moschee in Umm Al-Hiran, 14. November 2024. (Oren Ziv, acticestills.org)
Letzte Woche hat der Staat Israel nach der vollständigen Zerstörung von Umm Al-Hiran den Skalp einer weiteren palästinensischen Gemeinde an seinem Gürtel befestigt. Am Morgen des 14. Novembers stürmten Hunderte von Polizisten das Beduinendorf, das sich in der Negev/Naqab-Wüste im Süden Israels befindet, in Begleitung von Spezialeinheiten und Hubschraubern. Die Bewohner, israelische Staatsbürger, die lange befürchtet hatten, dass dieser Tag kommen würde, hatten bereits die meisten Gebäude im Dorf selbst abgerissen, um hohe Geldstrafen zu vermeiden. Alles, was die Polizei noch zerstören musste, war die Moschee.

So einfach endeten zweieinhalb Jahrzehnte des Kampfes um die Rettung des Dorfes und die Bewohner wurden obdachlos. Wenn man die gesamte Geschichte der Ungerechtigkeiten des Zionismus gegenüber den Palästinensern verstehen will – mit all der Diskriminierung, dem Rassismus, der Enteignung und der Gewalt, die auf einer Vision jüdischer Vorherrschaft und einer damit einhergehenden Besessenheit von demografischer Planung beruht – braucht man nur nach Umm Al-Hiran zu schauen.

Im israelisch-jüdischen Diskurs erregt die Zerstörung einer Beduinengemeinschaft kaum Aufmerksamkeit, geschweige denn Schlagzeilen. Schließlich handelte es sich um ein „nicht anerkanntes Dorf“ – ein sprachliches Mittel, das Israel einsetzt, um beduinische Bürger als Eindringlinge in ihrem eigenen Land darzustellen. Die israelische Öffentlichkeit betrachtet die systematische Zerstörung dieser Gemeinden als bloße Durchsetzung von Regeln. Aber die Bewohner von Umm Al-Hiran waren nicht nur keine Eindringlinge, sie wurden auch vom Staat selbst dorthin umgesiedelt.

Vor der Gründung Israels lebte die Gemeinschaft, aus der Umm Al-Hiran hervorging, im nordwestlichen Negev. 1952 wurden sie von der israelischen Militärregierung gewaltsam weiter nach Osten vertrieben, um ihr Land für den Bau des Kibbuz Shoval zu enteignen. Vier Jahre später beschloss der Staat, sie erneut zu entwurzeln und sie in ein Gebiet direkt innerhalb der Grünen Linie in der Nähe der südwestlichen Spitze des Westjordanlands zu drängen, wo sie bis letzte Woche blieben.

Israelische Polizei umstellt und zerstört die Moschee in Umm Al-Hiran, 14. November 2024. (Oren Ziv)
Israelische Polizei umstellt und zerstört die Moschee in Umm Al-Hiran, 14. November 2024. (Oren Ziv, acticestills.org)
In all diesen Jahrzehnten hat sich der Staat nicht die Mühe gemacht, den Status des Dorfes zu regeln. Er hat den Bewohnern keine Infrastruktur oder grundlegende Dienstleistungen wie Strom, Wasser, Bildung oder sanitäre Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Hier zeigt sich die ganze Verlogenheit des Zionismus: Den palästinensischen Bewohnern der Negev-Wüste werden über Generationen hinweg die grundlegendsten Lebensbedingungen vorenthalten, bevor sie eines Tages im Namen der „Verwüstung zum Blühen gebracht“ durch eine jüdische Gemeinde ersetzt werden.

Die Negev-Wüste macht mehr als die Hälfte des Staatsgebiets Israels aus, und weite Teile davon sind unbewohnt. Dennoch besteht der Staat darauf, „nicht anerkannte“ arabische Dörfer zu zerstören, um neue jüdische Dörfer zu bauen. Im Fall von Umm Al-Hiran sollte die neue Siedlung ursprünglich eine judaisierte Version des Namens des Dorfes tragen, das sie ersetzte: Hiran. Jemand hat es sich anders überlegt, und jetzt soll sie Dror heißen – „Freiheit“.

Das ist natürlich nichts Neues. Seit seiner Gründung zerstört Israel palästinensische Gemeinden und siedelt Juden an ihrer Stelle an. Allein während der Nakba von 1948 wurden Hunderte palästinensische Städte und Dörfer entvölkert. Aber die Geschichte von Umm Al-Hiran enthält eine weitere Ebene der Einstellung Israels gegenüber den Palästinensern, die für das Verständnis der Vorgehensweise des Zionismus von wesentlicher Bedeutung ist: die Wahrnehmung der Anwesenheit der Palästinenser als vorübergehend.

Dies ist einer der gewalttätigsten Ausdrücke jüdischer Vorherrschaft. Palästinenser werden als menschlicher Staub betrachtet, der einfach weggefegt werden kann, oder als Schachfiguren, die von einem Feld zum anderen bewegt werden können, um Israels nie endendes Projekt der demografischen Gestaltung zwischen dem Fluss und dem Meer zu verwirklichen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Entmenschlichung derjenigen, auf deren Land der Staat es abgesehen hat: die tiefe Überzeugung, dass diese Menschen keine Wurzeln haben und dass es daher nicht als Vertreibung angesehen werden kann, sie von einem Ort zum anderen zu bewegen.

Dorfbewohner stehen am 14. November 2024 neben den Trümmern zerstörter Gebäude in Umm Al-Hiran. (Oren Ziv)
Dorfbewohner stehen am 14. November 2024 neben den Trümmern zerstörter Gebäude in Umm Al-Hiran. (Oren Ziv, acticestills.org)
Auf diese Weise ist es möglich, die Bitten der Bewohner der galiläischen Dörfer Iqrit und Bir'em auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs, dass ihnen die Rückkehr auf ihr Land gestattet werden sollte, nachdem sie während der Nakba vertrieben worden waren, weiterhin zu ignorieren; es ist möglich, weitreichende ethnische Säuberungen im Westjordanland unter dem Vorwand der Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit durchzuführen; und es ist möglich, Hunderttausenden von Bewohnern des Gazastreifens immer und immer wieder die Evakuierung anzuordnen und sie so zu ewigen Nomaden zu machen, wie es der Zionismus beabsichtigt – und obendrein dies als humanitären Akt zu betrachten.

Die demografische Planung des Zionismus beschränkt sich nicht nur auf Palästinenser. Die Geschichte von Givat Amal, einem mizrachischen Viertel in Tel Aviv, das 2021 zwangsgeräumt und abgerissen wurde, weist viele Parallelen zur Geschichte von Umm al-Hiran auf; auch dort zwang der Staat eine marginalisierte Gemeinschaft, in ein Grenzgebiet umzuziehen, regelte nie ihren Status oder ihre Rechte an dem Land und vertrieb die Bewohner aus reiner Habgier, sobald der Wert des Landes stieg. In der Zwischenzeit halten staatlich anerkannte „Zulassungsausschüsse“ die Apartheid in Hunderten von jüdischen Gemeinden in der Negev-Wüste und in Galiläa aufrecht und stellen sicher, dass die „richtigen Leute“ an den richtigen Orten leben.

Aber es sind die Palästinenser, die der Zionismus in ein temporäres Volk mit einer vergänglichen Identität verwandelt hat. Dies ist die Annahme, die dem vor einem Jahrzehnt von Avigdor Lieberman verfochtenen Landtauschplan zugrunde liegt, der vorsieht, dass mehrere palästinensische Gemeinden innerhalb Israels in das Westjordanland verlegt werden, während Israel einige der Siedlungen annektiert: Heute können Palästinenser Bürger Israels sein, aber morgen können sie mit einem Fingerschnippen aufhören, es zu sein. (Liberman, der früher als Vertreter der extremen Rechten in der israelischen Politik galt, ist in letzter Zeit zu einer Art Held der linken Mitte geworden.)

Vielleicht liegt dieser zionistischen Entschlossenheit, die Palästinenser aus ihrer Heimat zu vertreiben, eine verinnerlichte Angst vor ihrer tief verwurzelten Verbindung zum Land zugrunde. Vielleicht ist es die Illusion, dass sie, wenn man sie oft genug entwurzelt und von einem Ort zum anderen vertreibt – sei es durch Todesmärsche in Gaza, ethnische Säuberungen im Westjordanland oder Zerstörung und Vertreibung im Negev –, irgendwann aufgeben und gehen werden.

Vor acht Jahren schrieb der israelische Oppositionsführer Yair Lapid eine Ode an die Hashomer Hachadash-Bewegung, in der er witzelte: „Ein Mann, der einen Baum pflanzt, geht nirgendwo hin.“ Es ist bemerkenswert, wie das Unterbewusstsein manchmal aus der Feder sprudelt, unabhängig von der Person, die sie hält. Schließlich weiß der Staat genau, wer die Olivenbäume gepflanzt hat, die die Armee in Gaza bombardiert und Siedler im Westjordanland in Brand gesetzt haben. Aber selbst nach Jahrzehnten der Zerstörung, Vertreibung und des Gemetzels weigert sich der Zionismus zu akzeptieren, dass sie nirgendwo hingehen werden.

Eine Version dieses Artikels wurde erstmals auf Hebräisch in Local Call veröffentlicht. Lest ihn hier.

Autor:In: Orly Noy


Orly Noy ist Redakteurin bei Local Call, politische Aktivistin und Übersetzerin von persischer Lyrik und Prosa. Sie ist Vorsitzende des Vorstands von B'Tselem und Aktivistin der politischen Partei Balad. In ihren Texten befasst sie sich mit den Schnittstellen und Definitionen ihrer Identität als Mizrahi, als linke Frau, als Frau, als temporäre Migrantin, die in einem ewigen Einwanderer lebt, und dem ständigen Dialog zwischen diesen Identitäten.

Quelle: +972Magazine, "The entire history of Zionism’s injustices, in one Bedouin village", 20. November 2024

Fotos: Oren Ziv

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]


Vor 291 Jahren: Breffu: eine Sklavin, eine Rebellin, eine Kämpferin - und eine Frau, die in der Geschichte fast unsichtbar ist

Die Zeichnung von Andrea Blumör zeigt den in eine helle Bluse gekleideten Oberkörper und das Gesicht von Breffu als schlanke Frau mit einem um den Kopf gewickelten hellen Tuch, die mit einem skeptischen Blick den / die Betrachter:In ansieht. Der Hintergrund des Bildes ist in Avocadogrünen Pastelltönen gemalt, das Porträt von Breffu selbst ist schwarz weiß.
Breffu
Mit freundlicher Genehmigung © Andrea Blumör
Breffu, genannt „Königin von St. John“, war eine Anführerin des Aufstands der Sklaven von 1733 auf St. John, einer kleinen Karibikinsel, die bereits 1718 von den Dänen kolonisiert wurde. Breffu stammte ursprünglich aus dem Königreich Akwamu (heutiges Ghana) und wurde auf einer Plantage versklavt, die Pieter Krøyer gehörte. Am 23. November 1733 führte Breffu zusammen mit König Claes, König  Juni und Kanta (alle ethnisch zu Akwamu gehörend) einen der frühesten  dokumentierten Fälle eines koordinierten Aufstands unter versklavten Personen an. Viele Gelehrte führen den Mut, einen solchen Aufstand zu initiieren, auf die stolzen Natur der Akwamu-Völker zurück, die die afrikanische Guineaküste beherrschten, die Handelsrouten im Landesinneren kontrollierten und Menschen aus den umliegenden Städten gefangen nahmen, um sie an europäische Sklavenhändler zu verkaufen. Der Tod des Akwamu-Königs im Jahr 1730 störte diese Kontrolle und das Volk der Akwamu wurde bald zur Mehrheit der versklavten Bevölkerung, die in die Karibik exportiert wurde.

Nur drei Jahre nach dem Tod ihres Königs initiierten Breffu und andere Akwamu aus dem untergegangenen Volk einen der längsten Sklavenaufstände in der Geschichte Nordamerikas. Der St.-John-Aufstand dauerte sechs Monate, von November 1733 bis Mai 1734. Interessanterweise bestand das Ziel des Aufstands nicht darin, die Menschen der Kolonie zu befreien oder nach Afrika zurückzukehren, sondern die weißen (hauptsächlich dänischen, aber auch einige französische) Plantagenbesitzer durch Anführer der Akwamu zu ersetzen. Die Anführer der Akwamu des Aufstands planten, die Plantagen und die Bevölkerung der Kolonie auf unbestimmte Zeit zu übernehmen und im Wesentlichen die früheren Versklavungspraktiken ihres Heimatlandes auf St. John wieder einzuführen.

Naturkatastrophen, Nahrungsmittelknappheit und strenge Sklavengesetze prägten das Klima auf St. John zur Zeit des Aufstands. Im Jahr des Aufstands wurde die Insel von Hurrikanen und Dürre heimgesucht, was es für die versklavten Menschen schwierig machte, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Dies und die Gefahren bei der Arbeit lösten unter der versklavten Bevölkerung eine Welle der Marronage aus. Als Reaktion auf die hohe Zahl der Maroons erließ Gouverneur Phillip Gardelin im Mai 1733 Maroon-Verordnungen, die spezifische Verfahren für das Einfangen und Bestrafen von Ausreißern vorsahen - Verfahren, die Auspeitschen, Amputation von Gliedmaßen, Folter und Tod umfassten.

Sechs Monate nach der Einführung der Maroon Verordnungen durch Gardelin begannen Breffu und andere Anführer in den frühen Morgenstunden des 23. November 1733 mit ihrem geplanten Aufstand. König Juni und andere Anführer eroberten Fort Fredericksvaern und sandten ein Signal an die Insel, indem sie die Kanone des Forts abfeuerten. Die Kanone war das Signal dafür, dass das Fort erfolgreich erobert worden war, erhielten andere Anführer des Aufstands das Signal, mit ihren Angriffen zu beginnen. Als Breffu die Kanone hörte, ermordete sie ihren Besitzer und seine Frau im Haus der Familie Krøyer. Nachdem sie Schießpulver und Munition von Krøyer erbeutet hatten, begaben sich Breffu und ihr Mitverschwörer Christian zum Haus von Gabriel van Stell und richteten die gesamte Familie hin: Ehemann, Ehefrau und Kind.

Über Breffus Rolle bei dem Aufstand in den verbleibenden sechs Monaten ist nicht viel mehr bekannt. Den Dänen fehlten die Ressourcen, um den Aufstand sofort niederzuschlagen, und sie wandten sich schließlich an die Franzosen, um Hilfe zu erhalten. Im Mai 1734 wendete sich das Blatt des Aufstands und die verbliebenen Rebellen (andere hatten sich ergeben oder waren von französischen und dänischen Streitkräften vernichtet worden) begingen Gruppenselbstmord. Breffus Leiche und die von 23 weiteren Rebellen wurden in der Browns Bay gefunden. Bei der Entdeckung der Leichen erfuhren dänische Beamte mit großem Schock, dass Breffu eine Frau war. Obwohl zu Beginn des Aufstands bekannt war, dass Breffu daran beteiligt war, wurde ihr Geschlecht nie explizit diskutiert – vielleicht aus der Annahme heraus, dass die Führung einer Rebellion eher für Männer charakteristisch sei.

Während Wissenschaftler darüber debattieren, ob Breffu (in einigen Quellen auch Prinzessin Breffu genannt) wirklich aus der königlichen Gesellschaft in Akwamu stammte, brachte ihr die Führungsrolle in der Rebellion den posthumen Titel „Königin von St. John“ unter späteren Generationen von Bewohnern der Jungferninseln ein. In Cruz Bay und anderen Gebieten von St. John wird Breffu bei Festivals und Paraden zum Unabhängigkeitstag gefeiert.

1848, mehr als 100 Jahre später, wurden auf den Dänischen Jungferninseln alle versklavten Menschen befreit.

Online-Ressourcen

Norton, Holly. „Breffu: eine Sklavin, eine Rebellin, eine Kämpferin – und eine Frau, die in der Geschichte fast unsichtbar ist.“ guardian.com. The Guardian, 20. März 2018. (Siehe unten)

Nielsen, Euell A. „Breffu (?-1734)“ blackpast.org, 23. Februar 2020.

KESSE. „Die Geschichte von Breffu, einer Sklavin aus Ghana, die 1733 einen großen Sklavenaufstand anführte, um die Westindischen Inseln zu übernehmen.“ Ghanaian Museum, 23. Dezember 2019.

KESSE. „Queen Akua, ghanaische Sklavin, die in Jamaika zur Königin wurde.“ Ghanaian Museum, 7. April 2020.

„Nanny.“ via Slavery and Rememberance

Literaturverzeichnis
Norton, Holly Kathryn. ‚Estate by Estate: The Landscape of the 1733 St. Jan Slave Rebellion.‘ PhD diss., Syracuse University, 2013.

Richelsen , Carolina Augusta, und Katherine Faust Larsen. „The 1733 Uprising on St. John.“ ArcGIS StoryMaps. Esri, 25. Juni 2020.

„The 1733 Slave Insurrection“ National Parks Service. US-Innenministerium. Zugriff am 23. September 2022. [Oiginallink ist defekt, hier die archivierte Seite via archive.org]

Quelle
Breffu via Journal of Slavery and Data Preservation

Autorin
Jada Similton

Bearbeitet von
Sophie Alegi

Beitragende Institutionen
Michigan State University

Übersetzung, Korrekturen und Ergänzungen
Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Weitere Quellen

Vielen Dank an H. für den Hinweis auf das Thema und an die Künstlerin Andrea Blumör für die Erlaubnis, ihr Bild von Breffu verwenden zu dürfen.


Statement zur Räumung des Wasserwaldes

Das Foto zeigt zwei Personen, die mit dem Rücken zu/m/r Betrachter:In auf einen Waldweg schauen. Die linke Person hat ein Tuch um den Kopf gebunden, die Rechte eine dunkle Strickmütze auf. Beide sind in Fleece Jacken gekleidet im Vordergrund liegt ein Rucksack, an den sich die linke Person anlehnt. Die rechte Person hat den Arm um die linke gelegt. Über dem Foto ist der Text "Statement zur Räumung des Wasserwalds" zu lesen.
Foto: Telegram
Wir dokumentieren das Statement zur Räumung des Wasserwaldes:

Knapp 9 Monate nachdem wir unseren bunten vielfältigen Protest in Wasserwald begonnen haben sind heute mit die letzten Menschen von unseren Strukturen geräumt worden und die Zerstörung eines Orts des Protests, der Organisierung, des Schutz der Natur, der Freund*innenschaft und der Überzeugung für den Systemwandel hat begonnen. Wir sind traurig, wütend und fassungslos, dass ein weiterer Freiraum für Profite, Kapital und Interessen von reichen Faschisten wie Elon Musk vernichtet wird. Wieder einmal zeigt der Staat seine hässliche Fratze: All das muss zerstört werden, was sich seinem Regelungs- und Kontrollwahn auch nur ansatzweise entzieht und als Alternativen zu seinem System existiert.

Wir haben in den letzten Monaten gelernt, gefeiert, gebaut, erfolgreiche Aktionen durchgeführt und am aller wichtigsten: eine Gemeinschaft gefunden, die uns das kapitalistische System nicht nehmen kann.

Wir sind dankbar für den Besuch und Austausch von Freund*innen und Genoss*innen aus der ganzen Welt, mit denen wir gemeinsam für das gute Leben für alle kämpfen!

Der Wasserwald im Kampf gegen Tesla wurde heute geräumt, aber es bleiben unsere Träume, unser Wille, Natur und Wasser vor Profit und Wirtschaft zu schützen und vor allem macht es uns nur stärker, uns zu widersetzen, zu besetzen, solange es eben heißt: Profit over People und nicht People over Profit!

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