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»Another fine mess you've gotten me into.« Oliver Hardy

S21 und die gebrochenen Kostenversprechen

Aufgelistet von Fritz Schirrmeister nach einer Aufstellung der ZEIT:

ZeitKosten
November 19952,5 Milliarden €
April 20094,5 Milliarden €
Sommer 2010Gutachten prognostizieren einen Zweistelligen Milliardenbetrag
Dezember 20126,8 Milliarden Euro
Juli 2016Bundesrechnungshof geht von 10 Milliarden Euro aus
Januar 20188,2 Milliarden Euro
Januar 20229,79 Milliarden Euro
Dezember 202311,99 Milliarden Euro

Quelle: Die Zeit, 20. November 2025 „Stuttgart 21: Nächste Verzögerung im Betriebsablauf“

Via NewS21letter (Rundmail), 25. September 2025


Silvio Meier: Kein Vergeben - kein Vergessen

Das Foto von © Björn Obmann zeigt das Transparent mit dem Text "Kein Vergeben - Kein Vergessen" während der Demo
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv
Hunderte Antifaschist*Innen zogen anlässlich des 33. Todestages von Silvio Meier, der am 21. November 1992 auf dem U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain von Neonazis getötet wurde, mit einer Demo durch Lichtenberg, um allen Opfern rechter Gewalt zu gedenken. Der Protest richtete sich zudem gegen rechte Kiezstrukturen sowie gegen zunehmend aggressiveres Auftreten von Neonazis nicht nur in dem Ostberliner Bezirk Lichtenberg.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Die Demonstration führte vorbei an mehreren Orten, an denen es in der Vergangenheit rassistische Übergriffe gab, unter anderem an einem Spielplatz in der Wönnichstraße.  Vor einer Woche wurde hier ein zehnjähriges Mädchen rassistisch beleidigt und die Mutter des Kindes geschlagen. Auf der Strecke lagen rechte Treffpunkte, wie die Kneipe Sturgis in der Margaretenstraße 21, in den letzten Jahren immer wieder Anlaufstelle von gewaltbereiten Neonazis. Aus Solidarität mit allen verfolgten Antifaschist*innen führte die Demo auch an der Justizvollzugsanstalt für Frauen in der Alfredstrasse 11 vorbei. Die Demonstration endete an der REWE-Markt-Filiale am Roedernplatz, wo eine junge Mutter aus rassistischen Motiven von einem Angestellten körperlich verletzt wurde.

Am 21. November jährt sich der Todestag von Silvio Meier zum 33. mal. Gleichermaßen jährt sich der rassistische Brandanschlag im Schleswig-Holsteinischen Mölln zum 33. Mal, welcher Ayşe Yilmaz, Bahide Arslan und Yeliz Arslan das Leben kostete.
Ihnen und allen anderen Opfern rechter Gewalt wollen wir gedenken. Gleichzeitig wollen wir rechte Strukturen und Treffpunkte offenlegen, um die potentiellen Täter*innen von Morgen in ihrem Handeln einzuschränken. Kommt mit uns auf die Straße und zu den Veranstaltungen im Vorfeld des Wochenendes. Niemand ist vergessen!

(Aufruf zur Demo)

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Links



Eine Reise zu Gewerkschafter*innen in Andalusien: Interview mit Christoph von der Brigade Claudia Jones

Claudia Jones Grafik via interbrigadas.org
Claudia Jones
Grafik via interbrigadas.org
"Es ist September und die internationale Brigade Claudia Jones ist in Almería angekommen. Seit Montag, den 08.09 sind wir fünf Brigadist:innen vor Ort. Die ersten Tage waren wir damit beschäftigt, die Unterkunft nutzbar zu machen, die kommenden Wochen konkret zu planen, und in den Gewerkschaftsalltag einzusteigen. Im folgenden Bericht wollen wir euch mehr zu der Brigade Claudia Jones erzählen, die aktuelle Situation umreißen, unsere Ziele vorstellen, und einen Einblick in die erste Woche geben. Als Brigade haben wir uns drei Brigadeziele vorgenommen: die Unterstützung des „banalen“ Alltags der SOC-SAT Gewerkschaft, das gemeinsame Gestalten eines Graffitis vor den Räumen der SOC-SAT in Almeria und die Entwicklung von politischen Bildungsformaten mit den SOC-SAT Genoss:innen zu gewerkschaftlichen Themen. (...)"

Im Interview erzählt Christoph (") von der Teilnahme an der Brigade Claudia Jones, ihren Zielen und Erfahrungen im Austausch mit Gewerkschafter*innen der SOC-SAT in Andalusien (und erklärt auch was eine Brigade eigentlich ist :) ).

Die Berichte zur Brigade finden sich unter den folgenden Links:
• Erster Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones
• Zweiter Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones
• Dritter Brigadebericht der internationalen Brigade Claudia Jones

Quelle: FAU Stuttgart, interbrigadas.org

Tesla X Glencore: Globale Ausbeutung für die Elektromobilität - Film Vorführung und Diskussion

🗓️27.11.2025 ab 18:30 Uhr
📍Im Regenbogencafé Neukölln Lausitzer Straße 22A

Die Grafik zeigt grafisch mit einem Filmstreifen aufbereitet die Daten zum Filmabend
Filmabend im Regenbogencafe
Der multinational agierende Rohstoffgigant Glencore beutet weltweit Ressourcen aus.
Besonders dramatisch sind die Folgen in Peru: Durch die Kupferminen des Schweizer Konzerns werden ganze Landstriche verwüstet, Wasserquellen vergiftet und Menschen verfolgt, inhaftiert oder in den Tod getrieben.

Das in Peru gewonnene Kupfer landet u.a. in der Tesla Gigafactory im Süden Berlins, wo es in Elektroautos verbaut wird.

Glencore und Tesla sind so eng miteinander verknüpft, dass Musk zeitweise erwog, einen erheblichen Anteil an Glencore-Aktien zu kaufen.

Beide Konzerne kooperieren außerdem in fragwürdigen Rohstoffunternehmungen mit mehr als fragwürdigen Geschäftspartnern auf dem afrikanischen Kontinent.

Der Aktivist und Journalist Vidal Merma begleitet seit Jahren die Kämpfe um Land und Wasser in Peru und hat einen Dokumentarfilm über die Zerstörung des lokalen Ökosystems gedreht, den wir mit euch schauen wollen.

Danach wird es noch einen kurzen Vortrag über die globalen Verstrickungen der beiden Konzerne und ein Q&A mit Vidal geben.

Der Film ist in spanisch, deutsch und einer indigenen Sprache mit deutschen Untertiteln.

– vegane Küfa ab 18:00 und heiße & kalte Getränke, danach gibts den Film.… im Solicafé Klatsche in der Regenbogenfabrik.

Das Café ist mit Rollstuhl über eine Rampe zugänglich; die Toiletten sind leider nicht rollstuhlgerecht.

*********************

The multinational commodities giant Glencore exploits resources worldwide.
The consequences in Peru are particularly dramatic: the Swiss corporation’s copper mines are devastating entire regions, poisoning water sources, and persecuting, imprisoning, or driving people to their deaths. The copper mined in Peru ends up, among other places, at the Tesla Gigafactory in southern Berlin, where it is used in electric cars.

Glencore and Tesla are so closely linked that Musk at one point considered buying a significant stake in Glencore. The two companies also cooperate in questionable raw materials ventures with more than questionable business partners on the African continent.

Activist and journalist Vidal Merma has been following the struggles over land and water in Peru for years and has made a documentary about the destruction of the local ecosystem, which we want to watch with you. Afterwards, there will be a short lecture on the global entanglements of the two corporations and a Q&A with Vidal.

The film will be in spanish, german and an indigenous language with german subtitles.

– Vegan dinner from 6 p.m., as well as hot & cold drinks followed by the film… at Solicafé Klatsche in der Regenbogenfabrik.

With wheelchair you can reach the café via a ramp, but the toilets are not wheelchair-accessible.


Brandmauern gegen blaue Elefanten? Die Betriebsratswahlen unter dem Druck der Rechten

"... Nüchtern betrachtet basiert die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit schon seit einiger Zeit auf der (stillen) Unterstützung von zur AfD neigenden Kolleg:innen. Die Lage spitzt sich zu. Vor den Betriebsratswahlen 2026 stehen die DGB-Gewerkschaften vor einem grundlegenden Dilemma: Die Kandidat:innen der DGB-Gewerkschaften werden nicht umhinkommen, ihr Mandat durch die Zustimmung von AfD-Wähler:innen zu erringen. (...) Bereits ein einzelner organisierter Rechter kann ausreichen, um den Nichtangriffspakt zu beenden. Das zeigt sich hervorragend am Fall von VW in Zwickau. (...) Es ist davon auszugehen, dass rechte Listen vor allem in größeren Betrieben eingereicht werden. In kleineren Betrieben werden Rechte, falls es keine Personenwahl gibt, wohl eher auf DGB-Listen auftauchen. Das gilt es bei der Listenaufstellung zu berücksichtigen. (...) Die Freistellung für die Betriebs- oder Personalratsarbeit ist für nicht wenige Menschen attraktiver als die Arbeit am Band oder in der Nachtschicht mit Patient:innen. Politische Motive spielen jedoch immer häufiger eine Rolle, so dass die Zahl von Listen mit rechten Kandidat:innen von 2018 bis 2022 anstieg. (...) Es wird eine große Zahl rechter Funktionär:innen auf DGB-Listen und bei Personenwahlen geben, besonders in kleineren Betrieben – schaut etwas genauer hin und besprecht das in Euren Gremien!..."

Aus dem Artikel von Jan Rottenbach (pdf) in express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit - Ausgabe 11/2025



Siehe mehr Informationen im Dossier bei LabourNet.


Über Vergebung

Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Thomas Walker, der die Rolle des Captain Macheath in „The Beggar's Opera“ kreierte, in seiner Rolle in einem Stich von 1728
Captain Macheath tritt die sowohl in John Gays The Beggar's Opera (1728) und dessen Fortsetzung Polly (1777) als auch 150 Jahre später in Bertolt Brechts Die Dreigroschenoper (1928) auf.

Dort bittet er um Verzeihung...
Die Kerle, die in Häuser brechen
Dieweil sie keine Bleibe kennen;
Die Lästermäuler, selbst die frechen
Sie könnten eure Mütter sein!
’s mag ihnen nur an Härte fehlen –
Ich bitt euch, ihnen zu verzeihn.

Habt da mehr Nachsicht mit den kleinen
Und weniger mit den großen Dieben
Die euch in Krieg und Schande trieben
Und betten euch auf blut’gen Steinen.
Die euch erpreßt zu Mord und Raube
Und nunmehr winseln ihr „Vergib!“ –
Stopft ihnen’s Maul und mit dem Staube
Der von eur’n schönen Städten blieb!

Und die da reden von Vergessen
Und die da reden von Verzeihn –
All denen schlage man die Fressen
Mit schweren Eisenhämmern ein.


Bertolt Brecht in: Gesammelte Gedichte Bd. 4, Ffm 1976, S. 1124 f.

About “Market Solutions” to every social Problem and the Mainstream Left

David Graeber 2015
David Graeber 2015
Photo: Guido van Nispen
License: Creative Commons Attribution 2.0 Generic
“With the collapse of the old welfare states, all this has come to seem decidedly quaint. As the language of antibureaucratic individualism has been adopted, with increasing ferocity, by the Right, which insists on “market solutions” to every social problem, the mainstream Left has increasingly reduced itself to fighting a kind of pathetic rearguard action, trying to salvage remnants of the old welfare state: it has acquiesced with–often spearheaded–attempts to make government efforts more “efficient” though the partial privatization of services and the incorporation of ever-more “market principle,” “market incentives,” and market-based “accountability processes” into the structure of the bureaucracy itself.”

David Graeber, from: The Utopia of Rules The Utopia of Rules (2015)



Wie wir trauern - How we mourn

Das SharePic zeigt einen gezeichneten Grabstein mit dem Text "We are here we will fight Freedom of Movement is everybodys Right". Um den Grabstein herum stehen Kerzen, darauf liegen Steine. Der Text "Wie wir trauern - How we mourn" sowie die Eckdaten 9. November 2025 OPlatz und das Logo des Jewisch Bund - drei nach links unten gerichtete Pfeile über einem Granatapfel, umrandet von Ähren und Olivenzweig sind darüber gelegt.
Gedenken 2025
Wir versammeln uns auch dieses Jahr wieder um mit euch, unseren Genoss*innen, der Novemberpogrome von 1938 zu gedenken. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Ideologien die hinter der staatlich sanktionierten Gewalt, die 1938 so viel Leid und Zerstörung über die jüdische Gemeinschaft gebracht haben, immer noch ähnliches Grauen über das Leben und die Welten unserer Genoss*innen bringen. Wie im letzten Jahr haben wir daher Genoss*innen aus verschiedenen miteinander verbundenen politischen Kämpfen eingeladen, sich mit einem eigenen Trauerritual zu beteiligen.

Wir widersetzen uns der staatlichen Vereinnahmung der Trauer über die nationalsozialistischen Verbrechen an unseren Communities. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass gemeinsame Trauer gemeinsame Resilienz und gemeinsamen Widerstand stärken kann. Nur gemeinsam können wir unsere Trauer in politische Kraft verwandeln.

Bitte kommt am Sonntag, den 9. November, um 16 Uhr zum Oranienplatz in Kreuzberg, um mit uns zu trauern.




We gather again this year with you, our comrades, to commemorate the November Pogroms of 1938. Again we gather in shared mourning, calling attention that the ideologies behind the state-sanctioned violence that unleashed destruction on Jewish people in 1938 are still bringing similar horror to the lives and worlds of our comrades across our interconnected political struggles. So like last year, we have invited comrades from diverse struggles to contribute a mourning practice.

We oppose the state’s appropriation of grief for Nazi crimes against our communities. We remain convinced that shared mourning can anchor and empower shared resilience and shared resistance. Only together can we transform our grief into political power.

Please come grieve with us at Oranienplatz, Kreuzberg, on Sunday, November 9, at 4pm.

Quelle / Source

Ein Schleier oder: Halloween und Wahlnacht

Diese Woche und die nächsten fünf Wochen spielen ich, Robert Evans, Io und Hazel im Cool Zone Media Book Club zusammen mit Jason Bulmahn Pathfinder (ähnlich wie D&D, aber besser).

In den letzten Wochen habe ich mich in Cool People Who Did Cool Stuff mit der Antike beschäftigt.

Zu Halloween habe ich über Druiden berichtet, diese Woche dann über die Gallae, die Trans-Priesterinnen des alten Roms.

Ich habe in letzter Zeit wieder fleißig geschrieben und hoffe, dass ich bald mehr darüber berichten kann. In der Zwischenzeit danke ich euch allen, dass ihr hier seid. Ich kann meine Dankbarkeit dafür, dass ich so viel Zeit mit meiner Kunst verbringen darf, gar nicht in Worte fassen.

Ein Schleier


In der Halloween-Nacht träumte ein enger Freund von mir von einem Bürgerkrieg. Er träumte davon, verzweifelt in verwüsteten Städten nach seinen Freunden zu suchen.

In der Halloween-Nacht träumte ich das auch. Ich träumte davon, in einer Stadt zu leben, in der man einen ballistischen Helm tragen musste, um nach draußen zu gehen, und in der man für jede Autofahrt einen Konvoi und Beobachter brauchte. Es ist nicht ungewöhnlich für mich, von Krieg und Apokalypse zu träumen, um das klarzustellen. In der Nacht danach fielen Asche und Papier vom Himmel, während ich einen ganz normalen Stress-Traum hatte, in dem ich als Erwachsener plötzlich wieder in der Highschool festsaß.

Aber diese Träume verbreiten sich, so wie sich ganz neue Ängste ausbreiten.

Demonstranten bei der No Kings Parade Demonstranten mit Plakaten auf denen gefordert wird, keine Stimmen für Mamdanis Mitbewerber Andrew Cuomo abzugeben, marschieren am 14. Juni 2025 durch die Straßen von New York City.
Demonstranten bei der No Kings Parade Demonstranten mit Plakaten auf denen gefordert wird, keine Stimmen für Mamdanis Mitbewerber Andrew Cuomo abzugeben, marschieren am 14. Juni 2025 durch die Straßen von New York City.

Foto: Moonlightonasnowynight
Lizenz: CC0
Letzte Nacht sind natürlich andere Ängste zurückgegangen. Ein Sozialist wurde mit überwältigender Mehrheit zum Bürgermeister der größten Stadt der USA gewählt. Ich bin skeptisch gegenüber Politikern, wie die meisten Leute wohl wissen. Ich bin skeptisch gegenüber dem System, das selbst die leidenschaftlichsten Linken zu korrumpieren scheint, und ich bin skeptisch gegenüber Mamdanis Fähigkeit, seine Versprechen einzuhalten. Was mich nicht skeptisch macht, ist die Wahlbeteiligung. Was mein anarchistisches Herz erwärmt, ist zu sehen, wie Menschen im ganzen Land beweisen, dass offener Faschismus, wenn schon nichts anderes, zumindest unpopulär ist.

Bitte hol dir deine Wahlnachrichten nicht von mir. Ich denke immer noch, dass das, was wir den Rest des Jahres tun, mehr über uns aussagt als das, was wir in der Wahlkabine tun. Aber ich bin dankbar zu sehen, dass, solange unsere demokratischen Institutionen zusammenhalten, „alle hungern lassen, Menschen entführen und alles zerstören” ein verlierendes Programm für politische Parteien ist.

Trotzdem träumen wir unsere Ängste.

In der Halloween-Nacht träumte ich, dass ich die größte Elster fand, die ich je gesehen habe, tot am Straßenrand, von kleineren Vögeln gefressen. Elstern waren schon immer Omen – eine Gruppe von ihnen wird schließlich als „Tiding“ bezeichnet –, aber für mich waren sie immer besonders wichtig, da das seit zwanzig Jahren mein Spitzname ist.

In meinem Traum versuchte ich meinem Begleiter all das zu erklären, warum ich Angst hatte, eine tote Elster am Straßenrand zu sehen. Aber sie hatten keine Zeit, mir zuzuhören, weil wir schnell an einen bestimmten Ort mussten, da Artillerie feuerte und alles kurz davor war, zerstört zu werden.

Es war kein subtiler Traum, aber wir leben auch nicht in subtilen Zeiten.

Letzte Woche war nach keltischer Tradition der Schleier zwischen den Welten am dünnsten. Letzte Woche, in der Nacht, konnten die Geister aus der anderen Welt unter den Bäumen hervorkommen und unter uns wandeln.

In der Halloween-Nacht ging ich tanzen. Ich trank ein einziges Glas Wein und es hätte mich fast umgehauen, weil ich einen leeren Magen hatte und/oder der Schleier dünner war.

Ich hab fast keinen Geruchssinn. Das hat nichts mit Covid zu tun, sondern ist genetisch bedingt. Meine Familie ist größtenteils anosmisch – geruchsblind. Mein eigener Geruchssinn ist relativ „hell“ (in visueller Hinsicht), aber völlig verschwommen. Düfte sind für mich normalerweise einfach nur „gut“ oder „schlecht“. Jasmin und Lavendel sind zwei meiner Lieblingsdüfte, aber ich weiß nicht, ob ich sie voneinander unterscheiden könnte.

An Halloween, nachdem ich ein Glas Wein auf nüchternen Magen getrunken hatte, erwachte mein Geruchssinn plötzlich zum Leben. Als hätte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Korrekturbrille aufgesetzt, konnte ich plötzlich alles riechen. Alkohol hat das bei mir noch nie bewirkt, zumindest habe ich das noch nie bemerkt.

Es war überwältigend. Es war zu viel. Wie schaffen es Menschen, wie schafft es mein Hund, ständig Gerüche wahrzunehmen? Wie schaffen es Menschen, so viel über das zu wissen, was irgendwo passiert ist?

Ich zog mich in die Kindhaltung zurück, bevor ich unruhig einschlief und von Krieg und diesem toten Vogel träumte.

Ich glaube daran, dass der Schleier dünner wird, obwohl dieser Glaube nicht ganz zu meiner allgemeinen Kosmologie und Theologie passt. Ich neige dazu, nicht zu glauben, dass unsere Seelen unverändert in eine andere Welt übergehen, sondern dass sie sich wie unsere Körper im Universum auflösen.

Ich kann dir nicht sagen, warum ich etwas glaube, das im Widerspruch zu dem steht, was ich sonst glaube, aber es fühlt sich nicht wie Heuchelei an, unvereinbare Überzeugungen zu haben. Stattdessen fühlt es sich menschlich an. Es fühlt sich an, als würde ich meine philosophischen Wetten absichern, sodass ich, egal was wahr ist, ein wenig Recht bekomme. Ich glaube, dass sich unsere Seelen in der großen Suppe der Welt auflösen. Ich glaube auch, dass der Herbst die richtige Zeit ist, um mit den Toten zu sprechen und von ihnen zu lernen, und ich glaube, dass meine Träume dieser Woche Omen sind, obwohl ich nicht glaube, dass sie Omen sind.

Ich kann dir nicht sagen, warum ich etwas glaube, das im Widerspruch zu dem steht, was ich sonst glaube, aber ich kann dir sagen, dass ich mich freue, dass ein Sozialist zum Bürgermeister der größten Stadt der USA gewählt wurde, obwohl ich gesehen habe, wie progressive Kandidaten und Parteien auf der ganzen Welt nach ihrer Wahl Teil der neoliberalen Maschinerie geworden sind. Ich glaube an etwas, das im Widerspruch zu meinen übrigen Überzeugungen steht. Ich glaube nicht, dass er Busse und Kinderbetreuung kostenlos machen wird, aber ich würde gerne sehen, wie er es versucht, und ich bin dankbar zu wissen, dass die Menschen sich umeinander kümmern wollen und ein System stärken wollen, das ihnen das ermöglicht.

An Politiker zu glauben ist ein bisschen wie an Magie, an Träume, an Gebete zu glauben. Ich werde dir nicht sagen, dass diese Dinge keine Rolle spielen, denn das tun sie eindeutig. Unsere Träume sind wichtig. Es ist wichtig, diese Träume auszudrücken und sich mit anderen zusammenzuschließen, um zu sagen: „Wir wollen eine bessere Welt.“

Aber wie William Blake sagte: „Wie der Pflug den Worten folgt, so belohnt Gott die Gebete.“ Man muss tatsächlich den Pflug schieben, wenn man das Feld pflügen will. Der Sieg progressiver Kandidaten ist ein Nebenprodukt unserer Arbeit, in der wir uns umeinander kümmern und eine bessere Welt aufbauen, nicht das Ziel unserer Arbeit.

Ich weiß nicht, ob diese Wahlen die schlimmsten meiner Träume, von Bürgerkrieg und zerbombten Städten, wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen. Ich weiß nicht, was die tote Elster bedeutet. Aber ich bin heute Morgen am Leben, und mein Hund schläft neben mir im Bett, und Träume bringen uns nicht um.

Ich glaube, ich begann stärker an den Schleier und die andere Welt zu glauben, als ich alleine in den Wald zog, weil ich mich häufiger auf meine Träume als Gesellschaft verließ. Aber es war die Liebe zu meinem Hund, einem kurzlebigen Wesen, die mich tief glauben ließ – ich möchte fast verzweifelt wissen, dass mein Hund und ich eines Tages am selben Ort sein werden. Ich werde ihn wahrscheinlich um Jahrzehnte überleben, aber eines Tages werden unsere Körper und Seelen Teil derselben großen Ursuppe des Universums sein.

[Das Wort „Suppe” für diese Idee habe ich von Bernard Mayes, dem schwulen Mann, der die erste Selbstmord-Hotline in den USA eingerichtet hat. Nachdem er sein Leben als anglikanischer Priester verbracht hatte, verlor er seinen Glauben nicht an den Atheismus, sondern an den „Soupismus”, und ich finde diese Idee ansprechend.]

Ich mache mir allerdings Sorgen, dass ich meinen Hund nicht überleben werde. Es ist schwer vorstellbar, dass wir irgendeine Zukunft haben, während sich die Welt erwärmt und Krieg droht, während in meinen Träumen Granaten fallen. Hoffnung ist jedoch eine Disziplin, und ich bin diszipliniert.

Im Herbst setzt die Dunkelheit ein, und danach kommt die Kälte. Das Licht wird bald zurückkehren, aber die Kälte wird danach noch monatelang zunehmen. Es gibt immer eine Verzögerung zwischen dem Versprechen des Lichts und dem Kommen des Frühlings. Das muss ich mir immer vor Augen halten.

Quelle: Margaret Killjoy, A Veil or: halloween and election night, 5. November 2025

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Übersetzung: Thomas Trueten [authorisiert]
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