trueten.de

»The boundaries which divide Life from Death are at best shadowy and vague. Who shall say where the one ends, and where the other begins?« Edgar Allan Poe

Viele Gründe gegen die Aufführung der »Feuerzangenbowle«

Das historische gemalte Filmplakat zeigt Heinz Rühmann in Frack und Zylinder, eine Zigarette im Mund. Vor ihm steht eine Feuerzangenbowle und mehrere mit der Bowle gefüllte Gläser.
Historisches Filmplakat des Films
Die meisten kennen Heinz Rühmann in »Die Feuerzangenbowle« als schusselig-sympathische Figur Pfeiffer. Die Komödie spielt im Kaiserreich und handelt von einem Erwachsenen, der wieder in die Schule zurückkehrt, und den daraus entstehenden Verwicklungen. Wir kennen die Figur Pfeiffer, weil der Film seit 1969 regelmäßig im Ersten und den dritten Programmen der ARD ausgestrahlt wird, vorzugsweise in der Weihnachtszeit und um Silvester. Die ARD begründet dies auch heute damit, dass es »ein deutscher Filmklassiker« sei, »der sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut«.

Gedreht 1943, uraufgeführt im Januar 1944 – jetzt erklärt sich das unbestimmte ungute Gefühl, das sich beim Schauen einstellt. Natürlich wurde kein Film im Faschismus ohne Hintergedanken gemacht, auch die scheinbar harmlosen Filme haben ihre Funktion in der NS-Propaganda erfüllt.

Dieser Film von 1944 verklärt die Vergangenheit des wilhelminischen Obrigkeitsstaates und transportiert unterschwellig Elemente der NS-Ideologie wie »Rasse« oder Gehorsam. Damit verfolgt er das Programm des Faschismus und steht im Gegensatz zu unseren zentralen demokratischen Werten wie Vielfalt und Toleranz. Noch wichtiger war allerdings die Funktion des Films in der Kulturpolitik von Propagandaminister Goebbels: »Die Feuerzangenbowle« war ein attraktives Mittel, um viele Menschen im Kino von Krieg und Diktatur abzulenken, und dadurch auch unverzichtbarer Teil der »Durchhalte«-Propaganda des Naziregimes.

Wir kennen Heinz Rühmann, seine Stimme mit seiner sich einprägenden Art zu sprechen vor allem aus der »Feuerzangenbowle«. Goebbels hat Rühmann verehrt und ihn vielfältig eingebunden, Rühmann war einer der bestbezahlten und bekanntesten Schauspieler und hat sich bei Hitler und Göring persönlich für die Aufführung des Films eingesetzt. Als Regisseur hat er 1940 den jährlichen »Geburtagsfilm« für Goebbels gedreht – zu dessen vollster Zufriedenheit. 1944 wird Rühmann auf die »Liste der Gottbegnadeten« gesetzt, ein Privileg nur für die im Faschismus Bekanntesten und Wichtigsten aus Kunst und Kultur. Rühmann war Nutznießer und Stütze des Regimes. Auf der anderen Seite der Tod eines Menschen: Der Autor des von Kindern im Film vorgetragenen Kanons »Der Frühling liebt das Flötenspiel doch auch auf der Posaune«, Erich Knauf, wurde am 2. Mai 1944 wegen »defätistischer Äußerungen« im Zuchthaus Brandenburg enthauptet.

Seit Beginn der Ausstrahlung des Films wird in der Bundesrepublik die Debatte um die Geschichte und die Bedeutung des Films geführt. Die künstliche Popularität der »Feuerzangenbowle« ist bis heute ein wichtiger Teil der Verharmlosung des deutschen Faschismus. Rühmann war Superstar sowohl im Faschismus als auch in der Bundesrepublik. Er verkörpert die Einstellung des »es war ja alles nicht so schlimm«.

Aber es ist noch viel schlimmer: Die Rechte für jede öffentliche Aufführung liegen seit den siebziger Jahren bei Cornelia Meyer zur Heyde aus Münster. Sie entscheidet, ob, in welchem Kontext und wo der Film außerhalb der Öffentlich-Rechtlichen gezeigt werden darf, und erhält dafür eine Lizenzgebühr. Meyer zur Heyde war im Vorstand der AfD Münster und ist im rechten Hayek-Club Münsterland aktiv. Sie erlaubt ausschließlich Aufführungen zu unterhaltenden Zwecken. In kritische Diskussionen eingebettete Aufführungen untersagt sie immer.

Das Festhalten der ARD an regelmäßigen Ausstrahlungen führt direkt zu Lizenzgewinnen von Frau Meyer zur Heyde, denn »Die Feuerzangenbowle« bleibt präsent und bekannt. Die ARD hat die Fernsehtradition »Feuerzangenbowle« geschaffen – die ARD soll diese miserable Tradition endlich beenden. Die Kreisvereinigungen Wuppertal und Münster der VVN-BdA treten der Aufführung des Films in Kinos, Universitäten etc. entgegen und informieren die Öffentlichkeit vor der Aufführung über die Hintergründe und die Nutznießer.

Wir lehnen ab, wofür der Film steht: die Verharmlosung und Normalisierung des deutschen Faschismus nach dem 8. Mai 1945. Wir fragen die Fans des Films, welche Gründe für die Ausstrahlung sprechen. 1994 hat Georg Seeßlen gesagt: »›Die Feuerzangenbowle‹ ist weder ein ›guter‹ noch ein ›böser‹ Film. Dieser Film ist, leider, auch kein unschuldiger.«

Erstveröffentlichung 6. November 2021

Blogkinmo: The Lawless (1950)

Heute zeigen wir im Blogkino das Thrillerdrama "The Lawless", der hier unter dem Titel "Gnadenlos gehetzt" lief: Ein engagierter Zeitungsredakteur aus Kalifornien macht sich Sorgen um die Notlage der Obstpflücker im Bundesstaat, bei denen es sich hauptsächlich um Einwanderer aus Mexiko handelt, die (abfällig als „Obststreuner“ bezeichnet werden).

Der Filmkritiker Thom Andersen bezeichnete The Lawless als Beispiel für einen film gris, eine zynischere Variante des Film noir mit linken Themen. Der Film wurde auch unter dem Titel The Dividing Line veröffentlicht. John Hoyt spielt gegen seinen Typus einen sympathischen, rassentoleranten Vater und der damals 19-jährige Tab Hunter gibt sein Debüt.


Blogkino: Night Has A Thousand Eyes (1948)

Heute zeigen wir im Blogkino den Thriller "Night Has A Thousand Eyes" mit Edward G. Robinson in der Hauptrolle. Der Plot: "Die Millionenerbin Jean Courtland versucht Selbstmord zu begehen, wird aber von ihrem Verlobten Elliott Carson davon abgehalten. In Rückblenden wird die Vorgeschichte erzählt.

John Triton tourt mit seiner Verlobten Jenny und dem Klavierspieler Whitney Courtland als angeblicher Wahrsager durch Varietés. Eines Tages hat er tatsächlich zutreffende Zukunftsvisionen. Sein Freund Courtland wird dank ihnen zum Millionär. Als Triton den Tod seiner Verlobten voraussieht, verlässt er sie und zieht sich aus der Gesellschaft zurück. Nach vielen Jahren zieht Triton in dieselbe Stadt wie Courtland. Dieser hatte nach Tritons Verschwinden dessen Verlobte geheiratet, die allerdings bei der Geburt der Tochter Jean verstarb. Als Triton die Vision eines Flugzeugabsturzes hat, bei dem Whitney Courtland ums Leben kommt, versucht er das zu verhindern und sucht dessen Tochter auf, um sie zu warnen. Das Unglück lässt sich allerdings nicht mehr verhindern.

Nun sieht Triton den Tod Jeans vor Ablauf einer Woche voraus. Jeans Verlobter Carson hält ihn für einen Betrüger und zieht die Polizei hinzu, die Triton misstraut. Diese stellt Jean in ihrem eigenen Haus unter Polizeischutz. Triton sieht verschiedene Ereignisse voraus, die vor Jeans Tod eintreten sollen. Eine Vorhersage nach der anderen erfüllt sich. Der Tod soll Jean abends um elf Uhr unter freiem Himmel ereilen. Dem Mörder, der auch für Courtlands Tod verantwortlich ist, gelingt es durch das Zurückstellen einer großen Wanduhr im Wohnzimmer die Polizei zu täuschen.

Als Jean glaubt, die Gefahr sei vorüber, verlässt sie alleine das Haus und geht in den Garten. Triton bemerkt den Trick und eilt Jean hinterher. Im letzten Augenblick gelingt es ihm den Mord zu verhindern. Die dazukommende Polizei begeht jedoch einen folgenschweren Irrtum. Sie erschießt Triton, weil sie ihn für den Angreifer hält..."


Blogkino: In Cold Blood (1967)

Heute zeigen wir im Blogkino den Thriller "In cold blood" nach dem gleichlautenden Roman von Truman Capote. Das Buch galt seit dem Vorabdruck in der Zeitschrift The New Yorker als literarische Sensation und ist die detaillierte Rekonstruktion der grauenhaften Morde an der vierköpfigen Farmerfamilie Clutter auf ihrem bei Holcomb im Westen von Kansas gelegenen Anwesen im November 1959. Mit dem Buch wollte Truman Capote einen „non-fiktionalen Roman“ erschaffen, der beweisen sollte, dass eine Tatsachenerzählung genauso spannend sein kann wie ein raffinierter Thriller. Damit wurde er zum Wegbereiter eines neuen Genres, des New Journalism. Zur Handlung: "Kansas im November 1959: Der wegen Totschlags vorbestrafte Perry Smith und Dick Hickock planen, das Haus der Familie Clutter zu überfallen. Sie glauben, dass Mr. Clutter eine große Menge Bargeld in einem Tresor hat. Nachdem sie allmählich erkannt haben, dass es in dem Haus weder einen Tresor noch größere Mengen Bargeld gibt, tötet Smith das Ehepaar und zwei ihrer Kinder im Teenageralter. Die Leichen der Opfer werden am nächsten Tag entdeckt. Sofort beginnen die polizeilichen Ermittlungen. Der hinzugezogene Psychologe glaubt nicht an einen Raubmord – es fehlen nur ein paar Schecks, ein Radio und 43 Dollar. Die beiden Gesuchten versuchen, sich der Fahndung zu entziehen, doch als sie mit den gestohlenen Schecks bezahlen, werden sie verhaftet.

Die Polizei verhört die beiden und konfrontiert sie mit belastenden Indizien, so zum Beispiel mit einem blutigen Stiefelabdruck, der genau in das Profil der Stiefel von einem der beiden passt. Durch Verweigerung von Antworten verzögert sich das Verhör. Man behauptet, sie hätten einen Fehler gemacht und einen Zeugen hinterlassen. Zum Schluss gesteht Hickock, um einer Verurteilung zum Tode zu entgehen. Eine Gerichtsjury befindet Smith und Hickock für schuldig und verurteilt sie zum Tode durch den Strang. 1965 werden sie in Lansing hingerichtet." (WikiPedia)




cronjob