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Viele Hitzetote im Stuttgarter Kessel: Mit der Rosensteinbebauung wird alles noch viel schlimmer

„Aus der Extremhitze der letzten Tage in Stuttgart und dem, was uns da noch bevorsteht, muss auch der Stuttgarter Gemeinderat radikale Konsequenzen ziehen“, so Alexander Schauenburg vom Klima - und Umweltbündnis Stuttgart.

Das Logo des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 zeigt die Silouette einer demonstrierende Menschenmenge mit dem darübergelegten Text "Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21" sowie den angedeuteten Transparenten mit dem Text "Kopf bleibt oben" und "Umstieg 21"

In der letzten Juniwoche musste die Stadt Stuttgart eine „Außergewöhnliche Einsatzlage“ (AEL) ausrufen, weil die Kliniken und Rettungsdienste am Limit arbeiteten. Bevor der Sommer so richtig begonnen hatte, zählte das Robert-Koch-Institut schon über 5000 Hitzetote bundesweit. Einen überproportionalen Anteil daran dürften hitzebedingte Tote in Stuttgart ausmachen, denn die Stadt ist aufgrund ihrer Kessel- und Windschattenlage eine Hitzeinsel und zählt daher laut Stadtklimatologie. „zu den niederschlagsärmsten Gegenden in Baden-Württemberg“. Bis 2050 rechnet die Stadt nicht nur mit deutlich mehr Starkregenereignissen, sondern „gleichzeitig mit mehr als doppelt so vielen Hitzetagen mit über 30°“, so heißt es im Klimabeschluss des Stuttgarter Gemeinderats vom 2. Juni 2022, in dem er sich auf Klimaneutralität bis 2035 verpflichtete.

„Angesichts der Erfahrungen der letzten Hitzetage und angesichts der kurz - und langfristigen Bedrohungsszenarien, muss jetzt Schluss sein mit dem verantwortungslosen Aufweichen der Klimaziele“, so Schauenburg weiter. Parallel dazu, und nicht alternativ dazu, müssen alle Register gezogen werden, um die Menschen vor den Folgen der langjährigen klimapolitischen Versäumnisse zu schützen – und vor allem nicht noch Öl ins Feuer zu gießen mit kontraproduktiven Maßnahmen, die die Hitzebelastungen besonders im Stuttgarter Kessel noch verschärfen. Damit gemeint ist das Festhalten am Bau eines neuen Stadtteils namens Rosensteinquartier mitten in die Stuttgarter Frischluftschneise. Wo doch von der Architektenkammer BaWü, der IBA 2027 u.a. längst das Signal ausgeht: „anders! bauen im Bestand“ – Wege zur Bauwende (IBA 2027).

Das KUS Logo zeigt die Erdkugel über dem blauen "K", eine Baumsilouette über dem grünen "U" und das Wappentier der Stadt Stuttgart - ein sich aufbäumendes Pferd - über dem gelben "U".

Nächtliche Fallwinde von den Hanglagen und die Windströmung von Kalten(!)tal Richtung Neckar sorgen für nächtliche Abkühleffekte, wobei der stärker abkühlende Gleiskörper des Kopfbahnhofs eine wichtige Rolle spielt. Bauhöhen von 21 bis 30m würden den Winddurchfluss in dieser klimasensiblen Zone um 40% bremsen, die inzwischen geplanten Bauhöhen von 24 bis 48m entsprechend stärker. Windbewegungen in Bodennähe kommen fast zum Erliegen, so ein leider unberücksichtigt gebliebenes Fachgutachen der Stadtklimatologie.

Angesichts des im livestream scheiternden Projekts Stuttgart21wird der Kopfbahnhof ohnehin mindestens noch 6 Jahre gebraucht - angesichts der neuen, völlig unrealistischen Inbetriebnahmetermine sicherlich noch viel länger bzw. für immer. Aufgrund der dramatischen Hitzeentwicklung in der Stadt fordern KUS und Aktionsbündnis die sofortige Umwidmung der Millionenbeträge für Personal und Bewerbung des Rosensteinquartiers zugunsten von Schutzmaßmahnen für die hitzebetroffene Bevölkerung und für die Realisierung von Wohnbau im Bestand.

Der realpolitisch unabweisbare Abschied von dem illusionären, viele Milliarden teuren Rosensteinprojekt wäre allein schon ein Gebot haushälterischer Vernunft für eine „Stadt am Limit“. Er wäre auch ein Richtungswechsel der Verkehrs- und Klimawende von rückwärts nach vorwärts, indem ein Bahnhof mit Zukunft ermöglicht würde.


„Stuttgart 2035 klimaneutral - wird das noch was?“
Diese Frage, konkret gemünzt auf das Thema Wärmewende, stellt KUS unterstützt von vielen Verbänden aus dem Umwelt- und Verkehrsbereich Vertretenden der Gemeinderatsparteien, die sich in einem gemeinsamen Beschluss 2022 auf dieses Klimaziel verpflichtet hatten – und zwar am Dienstag, den 14. Juli um 18h im Großen Saal des Stuttgarter Rathauses

Mehr dazu: Stuttgart 2035 klimaneutral

Quelle: Pressemitteilung Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und Klima- und Umweltbündnis Stuttgart, 12. Juli 2026


 

50 Jahre Seveso-Katastrophe

Das Bild zeigt das Gefahrgutschild für giftige Produkte- einen kahlen Baum im Hintergrund, verunreinigter Boden und einen Toten Fisch auf orangenem Hintergrund. Dazu der Text "50 Jahre Seveso Katastrophe" und der Verweis auf die Webseite mitwelt.org als Quelle"
Bild: Mitwelt.org

Im italienischen Seveso wurde am 10. Juli 1976 in der Chemiefabrik Icmesa durch eine Explosion in einem Reaktor eine Giftgaswolke „freigesetzt“ (Neusprech) und dadurch eine der größten Chemiekatastrophen der europäischen Geschichte ausgelöst. Die Folgen für das norditalienische Städtchen Seveso und die umliegende Region waren verheerend. Neben anderen Stoffen entwichen große Mengen der hochgiftigen Dioxinverbindung TCDD in die Umwelt. Hochgiftiges Dioxin verseuchte ein 18 Quadratkilometer großes Gebiet, etwa 200 Menschen erlitten akute Vergiftungen (Chlorakne), zahllose Tiere verendeten. Erst acht Tage nach dem Unglück wurde die Fabrik geschlossen und das verseuchte Gebiet evakuiert. Icmesa war ein Tochterunternehmen von Givaudan, das wiederum zur Hoffmann-La-Roche-Gruppe gehörte. Die Schweizer Roche war verantwortlich für niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und marode Anlagen, die so in der Schweiz nicht möglich gewesen wären. Die Arbeitsbedingungen in der TCP-Produktion waren extrem schlecht, die Anlage veraltet und unzureichend gewartet. Hohe Gewinne in Niedrigsicherheitsländern eben ... Seveso war damals aus Sicht Schweizer Konzerne eine industrielle „Verschmutzungs-Oase“ in Kerneuropa. Heute sind diese „Verschmutzungs-Oasen“ nach Asien oder Afrika weitergezogen, und mit dem erfolgreichen Kampf der Marktlibertären gegen das Lieferkettengesetz werden solche Zustände auch weiterhin bestehen. (...)


Weiterlesen bei Alex Mayer.




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