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»Das sind meine Prinzipien, und wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.« Julius Henry "Groucho" Marx

Viele Hitzetote im Stuttgarter Kessel: Mit der Rosensteinbebauung wird alles noch viel schlimmer

„Aus der Extremhitze der letzten Tage in Stuttgart und dem, was uns da noch bevorsteht, muss auch der Stuttgarter Gemeinderat radikale Konsequenzen ziehen“, so Alexander Schauenburg vom Klima - und Umweltbündnis Stuttgart.

Das Logo des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 zeigt die Silouette einer demonstrierende Menschenmenge mit dem darübergelegten Text "Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21" sowie den angedeuteten Transparenten mit dem Text "Kopf bleibt oben" und "Umstieg 21"

In der letzten Juniwoche musste die Stadt Stuttgart eine „Außergewöhnliche Einsatzlage“ (AEL) ausrufen, weil die Kliniken und Rettungsdienste am Limit arbeiteten. Bevor der Sommer so richtig begonnen hatte, zählte das Robert-Koch-Institut schon über 5000 Hitzetote bundesweit. Einen überproportionalen Anteil daran dürften hitzebedingte Tote in Stuttgart ausmachen, denn die Stadt ist aufgrund ihrer Kessel- und Windschattenlage eine Hitzeinsel und zählt daher laut Stadtklimatologie. „zu den niederschlagsärmsten Gegenden in Baden-Württemberg“. Bis 2050 rechnet die Stadt nicht nur mit deutlich mehr Starkregenereignissen, sondern „gleichzeitig mit mehr als doppelt so vielen Hitzetagen mit über 30°“, so heißt es im Klimabeschluss des Stuttgarter Gemeinderats vom 2. Juni 2022, in dem er sich auf Klimaneutralität bis 2035 verpflichtete.

„Angesichts der Erfahrungen der letzten Hitzetage und angesichts der kurz - und langfristigen Bedrohungsszenarien, muss jetzt Schluss sein mit dem verantwortungslosen Aufweichen der Klimaziele“, so Schauenburg weiter. Parallel dazu, und nicht alternativ dazu, müssen alle Register gezogen werden, um die Menschen vor den Folgen der langjährigen klimapolitischen Versäumnisse zu schützen – und vor allem nicht noch Öl ins Feuer zu gießen mit kontraproduktiven Maßnahmen, die die Hitzebelastungen besonders im Stuttgarter Kessel noch verschärfen. Damit gemeint ist das Festhalten am Bau eines neuen Stadtteils namens Rosensteinquartier mitten in die Stuttgarter Frischluftschneise. Wo doch von der Architektenkammer BaWü, der IBA 2027 u.a. längst das Signal ausgeht: „anders! bauen im Bestand“ – Wege zur Bauwende (IBA 2027).

Das KUS Logo zeigt die Erdkugel über dem blauen "K", eine Baumsilouette über dem grünen "U" und das Wappentier der Stadt Stuttgart - ein sich aufbäumendes Pferd - über dem gelben "U".

Nächtliche Fallwinde von den Hanglagen und die Windströmung von Kalten(!)tal Richtung Neckar sorgen für nächtliche Abkühleffekte, wobei der stärker abkühlende Gleiskörper des Kopfbahnhofs eine wichtige Rolle spielt. Bauhöhen von 21 bis 30m würden den Winddurchfluss in dieser klimasensiblen Zone um 40% bremsen, die inzwischen geplanten Bauhöhen von 24 bis 48m entsprechend stärker. Windbewegungen in Bodennähe kommen fast zum Erliegen, so ein leider unberücksichtigt gebliebenes Fachgutachen der Stadtklimatologie.

Angesichts des im livestream scheiternden Projekts Stuttgart21wird der Kopfbahnhof ohnehin mindestens noch 6 Jahre gebraucht - angesichts der neuen, völlig unrealistischen Inbetriebnahmetermine sicherlich noch viel länger bzw. für immer. Aufgrund der dramatischen Hitzeentwicklung in der Stadt fordern KUS und Aktionsbündnis die sofortige Umwidmung der Millionenbeträge für Personal und Bewerbung des Rosensteinquartiers zugunsten von Schutzmaßmahnen für die hitzebetroffene Bevölkerung und für die Realisierung von Wohnbau im Bestand.

Der realpolitisch unabweisbare Abschied von dem illusionären, viele Milliarden teuren Rosensteinprojekt wäre allein schon ein Gebot haushälterischer Vernunft für eine „Stadt am Limit“. Er wäre auch ein Richtungswechsel der Verkehrs- und Klimawende von rückwärts nach vorwärts, indem ein Bahnhof mit Zukunft ermöglicht würde.


„Stuttgart 2035 klimaneutral - wird das noch was?“
Diese Frage, konkret gemünzt auf das Thema Wärmewende, stellt KUS unterstützt von vielen Verbänden aus dem Umwelt- und Verkehrsbereich Vertretenden der Gemeinderatsparteien, die sich in einem gemeinsamen Beschluss 2022 auf dieses Klimaziel verpflichtet hatten – und zwar am Dienstag, den 14. Juli um 18h im Großen Saal des Stuttgarter Rathauses

Mehr dazu: Stuttgart 2035 klimaneutral

Quelle: Pressemitteilung Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und Klima- und Umweltbündnis Stuttgart, 12. Juli 2026


 

50 Jahre Seveso-Katastrophe

Das Bild zeigt das Gefahrgutschild für giftige Produkte- einen kahlen Baum im Hintergrund, verunreinigter Boden und einen Toten Fisch auf orangenem Hintergrund. Dazu der Text "50 Jahre Seveso Katastrophe" und der Verweis auf die Webseite mitwelt.org als Quelle"
Bild: Mitwelt.org

Im italienischen Seveso wurde am 10. Juli 1976 in der Chemiefabrik Icmesa durch eine Explosion in einem Reaktor eine Giftgaswolke „freigesetzt“ (Neusprech) und dadurch eine der größten Chemiekatastrophen der europäischen Geschichte ausgelöst. Die Folgen für das norditalienische Städtchen Seveso und die umliegende Region waren verheerend. Neben anderen Stoffen entwichen große Mengen der hochgiftigen Dioxinverbindung TCDD in die Umwelt. Hochgiftiges Dioxin verseuchte ein 18 Quadratkilometer großes Gebiet, etwa 200 Menschen erlitten akute Vergiftungen (Chlorakne), zahllose Tiere verendeten. Erst acht Tage nach dem Unglück wurde die Fabrik geschlossen und das verseuchte Gebiet evakuiert. Icmesa war ein Tochterunternehmen von Givaudan, das wiederum zur Hoffmann-La-Roche-Gruppe gehörte. Die Schweizer Roche war verantwortlich für niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und marode Anlagen, die so in der Schweiz nicht möglich gewesen wären. Die Arbeitsbedingungen in der TCP-Produktion waren extrem schlecht, die Anlage veraltet und unzureichend gewartet. Hohe Gewinne in Niedrigsicherheitsländern eben ... Seveso war damals aus Sicht Schweizer Konzerne eine industrielle „Verschmutzungs-Oase“ in Kerneuropa. Heute sind diese „Verschmutzungs-Oasen“ nach Asien oder Afrika weitergezogen, und mit dem erfolgreichen Kampf der Marktlibertären gegen das Lieferkettengesetz werden solche Zustände auch weiterhin bestehen. (...)


Weiterlesen bei Alex Mayer.




Heisse Luft: Hohe Raumtemperaturen in Arbeitsstätten. Was erlaubt ist und wann der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen muss

Nur mal so als Hinweis.
Screenshot: Lufttemperatur im Arbeitsraum	Randbedingung und Maßnahmen bis +30 °C	Wenn die Außenlufttemperatur über +26 °C liegt und geeigneter Sonnenschutz bereits verwendet wird, soll der Arbeitgeber Maßnahmen nach Tabelle 4 der ASR A3.5 ergreifen. In Einzelfällen (z. B. Tragen von PSA, Verrichten schwerer Arbeit, Anwesenheit von gesundheitlich Vorbelasteten oder besonders schutzbedürftigen Beschäftigten) ist mit einer angepassten Gefährdungsbeurteilung über weitere Maßnahmen zu entscheiden. bis +35 °C	Wirksame Maßnahmen nach Tabelle 4 der ASR A3.5 müssen vom Arbeitgeber ergriffen werden. über 35 °C	Der Raum ist während der Überschreitungszeit ohne Maßnahmen wie bei Hitzearbeit (Beispiele werden in der ASR genannt) als Arbeitsraum ungeeignet.
Screenshot: BAuA
Wenn es am Arbeitsplatz zu warm ist, können das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten darunter leiden. Ab welchen Temperaturen, welche entsprechenden Maßnahmen erfolgen sollten, kann man im maßgeblichen Regelwerk für die Anforderung an Arbeitsstätten, enthalten in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) erfahren. In dieser sind die Sachverhalte bezüglich der Raumtemperaturen in Arbeitsstätten verbindlich geregelt.


Bittere Orangen. Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa.

Lesung mit Gilles Reckinger
Das Buchcover zeigt Orangenpflücker* bei der Arbeit. Im Vordergrund eine Orangenstaude, im Hintergrund Orangenkartons und Menschen, die sie mit geernteten Früchten befüllen



Viele Menschen aus afrikanischen Ländern, die ihre Hoffnung auf ein freies Leben in Europa gesetzt hatten, sind nie aus Italien herausgekommen. Sie stecken fest in einer neuen Sackgasse: den süditalienischen Orangenplantagen.

Ohne Papiere und ohne Rechte, offen verachtet von der Bevölkerung, untergebracht in Slums und fern jeder medizinischer Versorgung, pflücken sie 12 Stunden am Tag Orangen.

Gilles Reckinger ist immer wieder nach Rosarno, eine kleine Stadt in Italiens Stiefelspitze, gereist, um die Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Erntehelfer zu dokumentieren.

Für die Neuausgabe seines viel beachteten Buches ist er Jahre später nach Rosarno zurückgekehrt.

Neben der Lesung gibt es auch die Möglichkeit die Ausstellung dazu im Foyer zu betrachten.

Weitere Infos zum Buch.

EineWeltHaus München, Schwanthalerstr. 80, 80336 München

Großer Saal E01 Peter Hammer Verlag in Kooperation Trägerkreis EineWeltHaus München e.V.

Eintritt: Frei
Quelle

Wer kennt schon MKULTRA?

Das Foto zeigt einen Menschen in einem ABC Schutzanzug, der einen Kaninchenkäfig trägt. Darin sitzt ein Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Es hört sich an wie die schönste Verschwörungstheorie, ist aber weit davon entfernt, sondern im Gegenteil von verschiedenstens Seiten wissenschaftlich dokumentiert, vom US-Kongress und verschiedenen Untersuchungsausschüssen von allen Seiten beleuchtet, verurteilt und verdammt:

Wissenschaftler füllten heute vor sechzig Jahren Glühbirnen mit Bacillus-globigii-Bakterien aka "BG" und heute als Bacillus atrophaeus geläufig und zerschlugen sie anschließend auf den Gleisen der New Yorker U-Bahn. Die Bakterien verbreiteten sich kilometerweit im gesamten U-Bahn-Netz, wurden von Tausenden von Zivilisten eingeatmet und setzten sich auf deren Kleidung ab. Bis zum 10. Juni waren 1 Million New Yorker dem Bakterium ausgesetzt. Dies war nur eines von vielen Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung, die an US-Zivilisten durchgeführt wurden. Natürlich gab es Tausende von US-Soldaten, Gefangenen, Zivilisten und Indigenen, die während Atomwaffentests absichtlich und/oder versehentlich Strahlung ausgesetzt waren und im Rahmen des MKULTRA-Programms unwissentlich starken psychedelischen Drogen ausgesetzt wurden.

Das US-amerikanische Programm für biologische Versuche begann offiziell 1943 mit der Gründung der U.S. Army Biological Warfare Laboratories in Camp Detrick (heute Fort Detrick) in Frederick, Maryland. Die Regierung begann mit der Bevorratung von Bacillus anthracis (Anthrax), Francisella tularensis (Tularämie), Brucella spp. (Brucellose), Coxiella burnetii (Q-Fieber), das venezolanische Pferdeenzephalitis-Virus, Botulinumtoxin (Botulismus) und Staphylokokken-Enterotoxin B. Allerdings hatte die Regierung bereits während des Ersten Weltkriegs Ricin getestet.

1950 führte die US-Marine vor der Küste von San Francisco die Operation Sea-Spray durch, bei der zwei Bakterienarten, Bacillus globigii und Serratia marcescens, in die Luft versprüht wurden. Elf Menschen wurden nach dem Test in San Francisco mit schweren bakteriellen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert. Fast jeder Einwohner der Stadt war dem Erreger ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen starb. 1951 wurden im Norfolk Naval Supply Center in Virginia Tests durchgeführt, bei denen Pilzsporen unter der überwiegend afroamerikanischen Belegschaft verteilt wurden, um die rassistische Theorie zu überprüfen, dass Schwarze anfälliger für Pilzerkrankungen seien als Weiße. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde Zinkcadmiumsulfid per Flugzeug über eine Reihe von Städten, darunter St. Louis und Minneapolis, versprüht. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden mehrere Journalisten wegen Aufruhrs vor Gericht gestellt, weil sie berichtet hatten, dass die USA während des Koreakriegs biologische Waffen eingesetzt hatten. Im Rahmen der Operation Whitecoat (1954–1973) wurden freiwillige Siebenten-Tags-Adventisten der Tularämie ausgesetzt.

Die Freilandversuche wurden bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. 1965 verbreiteten sie Bakterien im gesamten Washingtoner National Airport, und 1966 führten sie einen Test in der New Yorker U-Bahn durch. Präsident Nixon soll 1969 dem offensiven Biowaffenprogramm der Vereinigten Staaten ein Ende gesetzt haben. Biowaffen sind gemäß den Genfer Protokollen von 1925 verboten, die die USA jedoch erst 1975 ratifizierten – im selben Jahr, in dem sie auch die Biowaffenkonvention ratifizierten.

Die Existenz solcher Programme ist hierzulande eher politisch und geschichtlich interessierten Menschen bekannt und erreichte das Bewußtsein eher im kulturellen Bereich: Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem 1962 erschienenen Buch Einer flog über das Kuckucksnest, das 1975 unter demselben Namen verfilmt wurde. Der 2003 veröffentlichte Roman Shutter Island von Dennis Lehane thematisiert ebenfalls Menschenversuche in den Vereinigten Staaten dieser Zeit und wurde 2010 verfilmt. Die 2017 erschienene Serie Wormwood beschäftigt sich mit den Todesumständen von Frank Olson. Stephen Kings Roman Feuerkind von 1980 thematisiert ebenfalls als harmlose Medikamentenstudien getarnte Menschenversuche mit starken Halluzinogenen durch einen Geheimdienst ähnlich der CIA, wodurch zwei Probanden übersinnliche Fähigkeiten entwickeln und diese auch (in Form von Pyrokinese) an ihre Tochter vererben.

Über MKULTRA entstanden die Dokumentationen von Stefan Albrecht und Johannes Schäfer Die Dressierten Killer (4. August 2002/ZDF) sowie Deckname Artischocke von Egmont R. Koch und Michael Wech (12. August 2002/ARD) und eine Reihe von Spielfilmen, darunter Fletcher’s Visionen (1997), Experiment Killing Room (2009) und American Ultra (2015). Auch die TV-Serie Stranger Things nimmt auf das MKULTRA-Programm Bezug.


MKULTRA ist allerdings nicht das einzige derartig menschenverachtende Programm. So existierte bekanntlich mit COINTELPRO und dem ähnelnde Programme wie Operation CHAOS aber auch die anderen (selbstredend "rechtswidrigen") CIA Programme HTLINGUAL (HGLINGUAL), Project 2, Project MERRIMAC, Project RESISTANCE, Domestic Contact Service etc. bis hin zum inflationären Einsatz von Heroin und anderen Drogen zur Heroin gezielt gegen die die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Zerstörung des afroamerikanischen Widerstandes beispielsweise der Black Panther Party (BPP).

Aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: Mike Dunn, WikiPedia, eigene Ergänzungen


Das leere Feld, der leere Tank oder: die Öl- und Nahrungsmittelkrise

Immer wenn ich etwas richtig Untergangsstimmungsvolles schreibe, etwas, das sehr nach „Der Himmel stürzt ein“ klingt, möchte ich denselben Vorbehalt anbringen: Ich will dir nicht erzählen, dass der Himmel einstürzt. Panikmache bringt Klicks, aber eine auf Klicks basierende Wirtschaft ist eine schreckliche Sache, und ich möchte nicht in einer solchen Gesellschaft leben, also möchte ich keine Panikmache betreiben.

Meeresoberflächentemperatur April bis Juni 2023. Ab Juni kann man deutlich El Niño sehen.
Meeresoberflächentemperatur April bis Juni 2023. Ab Juni kann man deutlich El Niño sehen.
Grafik: NOAA, gemeinfrei
Aber es gibt viele Krisen, die in den nächsten Monaten ihren Höhepunkt erreichen könnten. Wir könnten den schlimmsten El Niño seit 1877 (oder schlimmer) erleben, der die Wassertemperaturen um 3 Grad Celsius ansteigen lässt. Diese Hitzewelle tötete weltweit 50 Millionen Menschen. Das ist eine Zahl von Todesopfern, die größer ist als die von zwei Ersten Weltkriegen oder etwa zwei Drittel eines Zweiten Weltkriegs. Die durch diese Erwärmung verursachte Hungersnot tötete etwa 3 % der Weltbevölkerung, was sie möglicherweise zur schlimmsten Naturkatastrophe der Menschheitsgeschichte macht. Ein modernes Äquivalent wären etwa 250 Millionen Menschen.

Die globale Gesellschaft ist heute wesentlich widerstandsfähiger gegen Hungersnöte als im 19. Jahrhundert. Heutzutage haben wir Wettervorhersagen, was hilft. Und natürlich starben bei der Hungersnot so viele Menschen, weil im Grunde das Britische Empire so viele Menschen durch absichtliche Misswirtschaft in der Situation tötete.

Ich glaube nicht, dass ein El Niño diesen Sommer 250 Millionen Menschen das Leben kosten wird. Aber Katastrophen, insbesondere weltweite Katastrophen, sind Stresstests für die Systeme, die wir eingerichtet haben.

Und wie du sicher weißt, stecken unsere derzeitigen Systeme in Schwierigkeiten.

Es wurde vielfach berichtet, dass in den USA 70 % der Landwirte nicht damit rechnen, sich Dünger für die diesjährige Ernte leisten zu können. Die moderne industrialisierte Landwirtschaft (die den Großteil der Welt ernährt) ist auf petrochemischen Dünger angewiesen, dessen Versorgung durch die US-Invasion im Iran stark beeinträchtigt wurde.

Es besteht auch eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass die europäischen Ölreserven im Mai oder Juni zur Neige gehen (ich habe beides gelesen) und dass die der USA etwa am 4. Juli ausgehen könnten, pünktlich zum 250. Jahrestag des Landes. (Ich fange an zu denken/zu hoffen, dass all die Fanartikel mit der Aufschrift „America 1776–2026“ lediglich ein Todesdatum prophezeien.) Die Erschöpfung der Reserven bedeutet nicht, dass „es kein Benzin mehr gibt“, sondern dass die USA in eine Versorgungskrise geraten werden (wir fördern etwa 60 % unseres Öls selbst und 3/4 des Rests kommen aus Nordamerika, aber wir decken unseren eigenen Bedarf nicht).

Benzin für sieben Dollar ist natürlich eine enorme Belastung für das tägliche Leben der Amerikaner, da die meisten von uns auf benzinbetriebene Autos angewiesen sind, um zur Arbeit, zum Einkaufen und so weiter zu kommen. Aber es wird auch einfach so, so viel Öl in der Lebensmittelproduktion verbraucht, von Dünger über Traktoren bis hin zum Transport.

Also… könnte es schlimm werden.

Ich habe diese seltsame Angewohnheit, Dinge eher in Wahrscheinlichkeiten zu betrachten. Ich denke mir konkrete Zahlen für meine Risikoanalyse aus, aber das sind wirklich nur Zahlen, die ich mir ausdenke. Es gibt keinen Grund, warum du meine Zahlen verwenden solltest. Dahinter steckt keine Wissenschaft.

Die meiste Zeit meines Lebens lag die Wahrscheinlichkeit, dass ein absolut dramatisches Ereignis so ziemlich alles in meinem Leben versaut (wie eine weltweite Hungersnot oder ein Weltkrieg oder ein zweiter amerikanischer Bürgerkrieg), bei etwa 1 %. Das ist eine Überlegung wert, aber kein Grund zur Sorge.

Als also 2024 die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs auf etwa 5 % anstieg, war das ein wirklich, wirklich großer Anstieg. Das war eine Verfünffachung. Das war es wert, darüber nachzudenken. Es war immer noch nicht wahrscheinlich. Ich war nicht überrascht, dass es nicht passiert ist. Dieses Jahr? Dieses Jahr fühlt es sich an wie, ich weiß nicht, 15 %. Ich glaube, es besteht eine 15-prozentige Chance, dass dieses Jahr alles komplett den Bach runtergeht. Aber nächstes Jahr? Nach einem verdammt heißen Sommer und den Kriegen in der Ukraine und im Iran, die sich hinziehen und die weltweite Nahrungsmittelversorgung zerstören? Ich weiß es nicht. 40 %?

Ich mache mir wirklich große Sorgen.

Ich will wirklich, wirklich kein „Der Himmel stürzt ein“-Typ sein, aber etwas fällt vom Himmel, und es fühlt sich an, als könnte es der Himmel selbst sein.

Aber du solltest meine erfundenen Zahlen ignorieren, denn erstens sind sie erfunden und zweitens gibt es fast nie einen konkreten, berechenbaren Moment, in dem „die Kacke am Dampfen ist“. Was mehr oder weniger sicher ist: Benzin und Lebensmittel werden teurer werden. Und dagegen solltest du versuchen, etwas zu unternehmen, wenn du kannst.

Ich hatte nicht vor, dieses Jahr im Garten anzulegen. Das ist mein schreckliches Geheimnis. Ich bin eine schlechte Prepperin. Ich wollte mir einfach nicht die Mühe machen. Ich habe bei weitem nicht alle Tomaten, Peperoni oder Basilikum gegessen, die ich letztes Jahr angebaut habe, und das meiste landete einfach wieder im Kompost. Ich koche nicht einmal besonders viel, wenn ich ehrlich bin. Ich bin eine schlechte Anarcho-Tradwife – ich verbringe die meiste Zeit mit Schreiben und Lesen. Also wollte ich keinen Garten anlegen.

Aber ich verfolge den Krieg und das Wetter schon eine Weile, und vor ein paar Tagen habe ich gerade ein paar Kartoffeln in Eimer gepflanzt, und ich werde mich wahrscheinlich dieses Wochenende um mein Nicht-Wurzelgemüse kümmern. Einer meiner Lieblings-Prepper, Eric Shonkwiler (du liest doch When-If, oder?), hat es so ausgedrückt:

Es ist noch nicht zu spät, mit deinem Garten anzufangen – wir hatten hier eine ungewöhnliche Kälteperiode, die mich bisher davon abgehalten hat, fast alles zu pflanzen, und der Super-El-Niño sorgt so gut wie sicher dafür, dass sich unsere Vegetationsperiode, wenn wir unsere Pflanzen bewässern können, bis in den Oktober oder sogar noch später verlängert. Das kannst du dir zunutze machen.

Ich hatte eigentlich nicht vor, im Garten zu arbeiten, aber jetzt werde ich es doch tun, und schon hat es Wunder für meine Stimmung bewirkt, einfach nur etwas Erde unter den Fingernägeln zu haben. Betrachtet diesen Frühling und Sommer als eure Monate der Lebensmittelvorbereitung. Worauf auch immer ihr euch konzentrieren wollt, es ist jetzt billiger, es zu tun, als es bald sein wird, da die Preise weiter steigen.

Ich würde auch die Vorratshaltung empfehlen. Betrachte Lebensmittel in drei Kategorien: Es gibt frische Lebensmittel, die auf deiner Arbeitsplatte oder im Kühlschrank liegen und Tage bis Wochen halten, dann gibt es Vorrats- und Tiefkühlkost, die Monate bis Jahre hält, und schließlich gibt es Langzeitvorräte, die Jahrzehnte oder Jahrhunderte halten.

Um deine Vorratskammer aufzufüllen, kaufe zusätzliche Mengen an haltbaren Lebensmitteln (Konserven, Trockenprodukte, verpackte Lebensmittel), die du ohnehin isst, und verbrauche sie nach und nach. Die meisten selbstgemachten Konserven sind ebenfalls Vorratsnahrung: Die meisten getrockneten, geräucherten, eingelegten und eingemachten Lebensmittel halten Monate oder Jahre, aber keine Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Dennoch ist dies wahrscheinlich der wichtigste und nützlichste Teil deiner Lebensmittelvorsorge. Die meisten Krisen dauern nur Monate oder Jahre, und fast niemand rechnet damit, einen Vorrat anzulegen, von dem er tatsächlich den Rest seines Lebens überleben könnte.

Langzeitvorräte können gekauft (es gibt Spezialanbieter für Eimer mit Bohnen und Reis sowie Geschäfte, die gefriergetrocknete Konserven verkaufen) oder selbst hergestellt werden. Du kannst deine eigenen Bohnen, Reis, Haferflocken, Linsen und andere solche Lebensmittel (vor allem solche ohne viel Wasser oder Fett) in Mylar-Beuteln mit Sauerstoffabsorbern lagern. Du kannst Hartkekse backen, die nach nichts schmecken und vor dem Verzehr aufgeweicht werden müssen, aber in manchen Fällen jahrhundertelang haltbar sind. Du kannst auch ein paar Tausend Euro für einen Gefriertrockner ausgeben und fast jedes Lebensmittel konservieren, das du möchtest. (Gefriergetrocknete Lebensmittel halten insgesamt wesentlich länger als dehydrierte Lebensmittel). Das Letzte habe ich noch nicht ausprobiert, aber Gemeinschaften können sich zusammentun, um gemeinsam einen zu kaufen – was wichtig ist, da es sich um echte Schwerlastgeräte handelt, die Wartung und Ölwechsel erfordern.

Da die USA zudem plötzlich ihre Soft-Power-Strategie, Entwicklungsländer zu ernähren, eingestellt haben, gibt es auf dem Markt für Regierungsüberschüsse jede Menge „humanitäre Rationen“, die spottbillig zu haben sind. Was verdammt deprimierend ist. Ich habe etwa 10 Kisten davon in meinem Keller. Die meisten Quellen (sprich: YouTube-Videos von Leuten, die sehr alte MREs essen) scheinen darauf hinzudeuten, dass sie bei richtiger Lagerung nicht besonders schnell verderben, sondern nur schlechter schmecken und weniger Nährstoffe enthalten.

Die dramatische Krise, in der wir stecken, hat auch eine positive Seite. Gottes offenes Fenster, wenn man so will.

Immer mehr Menschen können sich das Leben nicht mehr leisten. Wir haben eine echte Chance, eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft vorzuschlagen und darauf hinzuarbeiten. Was derzeit besteht, funktioniert nicht. Wir haben die Gelegenheit, alternative Lösungen anzubieten. In Krisenzeiten werden diejenigen am ehesten gehört, die als Erste einen Aktionsplan vorschlagen.

Wir können einen Plan vorschlagen. Zum Beispiel den Aufbau einer Bottom-up-Gesellschaft aus lokalen Entscheidungsgremien, die sich zusammenschließen, um größere Probleme in größerem Maßstab anzugehen. So wie die Zapatisten, die Rojavaner oder die Anarchosyndikalisten. Vielleicht haben wir diese Chance. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Es lohnt sich, darauf hinzuarbeiten.

Quelle: "The Empty Field, the Empty Gas Tank or: the oil and food crisis", 16. Mai 2026 von Margaret Killjoy.

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


Berlin: Revolutionäre 1. Mai- Demonstration 2026

Fronttransparent der Demo mit dem Text "gegen die Gesamtscheiße - Die Zukunft gehört uns!" und einem Roten Stern mit Antifaflaggen auf der linken Seite getragen von verschiedenen Personen, dahinter eine Masse von Menschen am späten Abend.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Unter dem Motto „Gegen die Gesamtscheiße“ startete die diesjährige revolutionäre 1. Mai-Demonstration unter der Beteiligung mehrerer 10.000er Teilnehmer*innen vom Oranienplatz in Kreuzberg. Marxistische Jugendgruppen, Pali-Solidaritäts-Bewegung und ein großer Antifablock bildeten den Anfang. Ein sich schon am Mittag bildener „Menschenteppich“, durch verschiedenste angemeldete und auch nicht angemeldete Party- und Feierangebote in großen Teilen von Kreuzberg erschwerte den Start und einen geschlossenen Demozug. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge. Ein Teil der Demo schaffte es die Route einzuhalten, der andere Teil blieb erstmal stecken. Ab dem Görlitzer Park wurde der Antifa-Block von einem dichtem Bullenspalier begleitet. Am Rande der Demo wurden Nazi-Influencer vertrieben, es gab zahlreiche Solidaritätsgrüße von Balkonen und der Bordsteinkante. Gegen 23.00 Uhr erreichte die Demonstration den Abschlußkundgebungsplatz am Südstern. Dort ließen es sich die Bullen nicht nehmen, Teile des Antifablocks anzugreifen, durch Geschlossenheit konnte dieses abgewiesen werden. Was bleibt von diesem Tag? 10.000de waren auf der Straße, organisiert und auch weniger organisiert, und ein Gefühl, das Mensch nicht allein ist mit der Gesamtscheiße um uns herum.

„Wir feiern das Leben, die Rebellion und die Befreiung. Weg damit: Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegsregime. Feminizide, Männlichkeit und Patriarchat. Nationalismus, Faschismus und AfD. Wasserprivatisierung, Autobahnausbau und Klimakatastrophe. Regierende Bürgermeister, Zäune und nächtens geschlossene Parks. Autoritarismus, Dogmatismus und scheinbar einfache Wahrheiten. Angriffe auf Rojava, Krieg in der Ukraine und Genozid in Gaza. Racial Profiling, »kriminalitätsbelastete Orte« und neue Polizeigesetze. Finanzielle Kürzungen, Demontage des Sozialstaats und der restliche Monat am Ende des Geldes. Gefangennahme von Cilia Flores mit Ehemann, von Antifaschist*innen und unserer langjährigen Nachbarin Daniela Klette. Private Wohnungsunternehmen, steigende Energiekosten und hohe Mieten. Merz, Pistorius und alle anderen da oben. Alles Würg!

Wir finden das Leben viel zu interessant, um es für all das herzugeben. Deshalb soll die ganze Scheiße zerfallen, wie es einst Karl Marx formulierte, und dazu werden wir beitragen. Wir spielen nicht mit, wir rebellieren, wir widersetzen uns. Wir verweigern uns den auferlegten Pflichten. Wir desertieren aus diesen Verhältnissen. Wir brechen aus und nehmen uns am Ersten Mai die Straße. Denn wenn schon die Gegenwart verloren ist, so wollen wir doch die Zukunft erobern.Mit Zehntausenden werden wir am Abend des 1. Mai in Berlin zur jährlich größten Manifestation der radikalen Linken zusammenkommen. Uns eint unsere Unzufriedenheit mit dem Bestehenden und der Widerspruch zum Herrschenden, das kein Versprechen mehr für uns hat. Mit rebellischer Munterkeit laden wir zu einem Block auf der revolutionären 1.Mai-Demo alle ein: Wütende und Traurige, Lohnabhängige und vermeintlich Überflüssige, Kind und Kegel, Schlawinerinnen und Rabauken, Militante und die gesamte Bagage. In unserer Vielfalt finden wir die Einheit.“

(aus: Aufruf des Antiautoritären Blocks)


Eine gute Übersicht mit Infos zur Demo und allen anderen Aufrufen findet ihr auf der Seite von erstermai.nostate.net/

Weitere Ereignisse zu diesem Thema
Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)Links

Erneuerbare Energien verteidigen!

Das Foto zeigt das Fronttransparent mit dem Text: "Erneuerbare Energien verteidigen!"
Foto ©: heba/Umbruch Bildarchiv
Am 18. April demonstrierten in vier bundesdeutschen Städten an die 80.000 Menschen für die Energiewende und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energie aus Wind und Sonne. In Berlin begann die Demo von über 20.000 Teilnehmerinnen am Invalidenpark. Dort ist auch das Energie- und Wirtschaftsministerium von Frau Reiche. Diese CDU-Ministerin glänzte in den letzten Monaten durch eine offene Lobbypolitik für die fossile Industrie und die großen Gaskonzerne wie EON und RWE.

Katherina Reiche holte sich Ratschläge von den Energiekonzernen, wie ein beschleunigter Ausbau von Großbatteriespeichern zur Verhinderung der Dunkelflaute zugunsten der geplanten Gaskraftwerke verhindert werden kann und Frau Reiche sprach sich auch für die Renaissance der Atomkraft aus. Diese Frau ist eine „grandiose Fehlbesetzung und soll sofort zurücktreten“, so eine Kundgebungsrednerin des breiten Bündnisses von ‚Friday for Future‘ über ‚Greenpeace‘ und ‚Campact‘ bis zu Wirtschaftsvertretern aus der Branche der Erneuerbaren. Gerade jetzt zeige sich wie fundmental wichtig die Erneuerbaren sind für einen stabilen Strompreis, für die Klimaziele und eine Unabhängikeit von Autokraten der Öl- und Gasexportländer.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Links

This Saturday: All Out for No Kings Day 3!

Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Die Grafik zeigt eine durchgestrichene Krone sowie den Text "No Kings - No illegal Wars"
Masked secret police are terrorizing our communities. An illegal, catastrophic war is putting us in danger and driving up our costs of living. Attacks on our freedom of speech, our civil rights, and our freedom to vote are happening on a daily basis. Costs are pushing families to the brink. #Trump is acting like a tyrant. But this is America, and power belongs to the people - not to wannabe kings or their billionaire cronies.

This Saturday, March 28th, we will show up together to demand, No Kings!


Please plan to join what promises to be the largest democracy, human rights, and peace demonstration in U.S. history. More than 3,000 events are planned.

FIND A NO KINGS EVENT NEAR YOU!

As President Trump escalates his attempts to control us, it is on us, the people, to show that we will fight to protect one another and our country. If he believes we will roll over and allow him to take our freedoms, he is mistaken. We are coming together on March 28 across issues, ages, races, and religions, because we know we can overcome this repression when we unite.



(In #Germany also in #Munich / #München #Nuremberg / #Nürnberg #Frankfurt #Wiesbaden #Düsseldorf #Bremen & #Hamburg)

#NoKings! #NoWars! #NoNukes! #NoICE


Wenn du weit kommen willst, geh gemeinsam oder: Mach eins nach dem anderen

Ich schreibe ständig über Hoffnung, darüber, wie man die Verzweiflung besiegt, und in manchen Wochen denke ich, ich muss die am wenigsten geeignete Person auf der Welt sein, um über dieses Thema zu schreiben. Denn in manchen Wochen ist die Verzweiflung so tiefsitzend, dass sie wie ein Dämon der Schlaflähmung auf meiner Brust lastet.

Ich war eigentlich nie ein verzweifelter Mensch. Die meiste Zeit meines Lebens haben mich das Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Grausamkeit zum Handeln und zum Aktivismus angespornt. Im Moment fällt mir das schwerer. Die Krise ist schlimmer als je zuvor, und manchmal liege ich nachts da und versuche, eine Lösung für alle Probleme der Welt zu finden, und das ist eine unmögliche Aufgabe, und es überwältigt mich, und ich schalte ab und schlafe schließlich ein. Es ist wie Schafe zählen, wenn du Albträume statt Träume willst.

Vielleicht bin ich gerade deshalb qualifiziert, darüber zu schreiben, weil ich in letzter Zeit mit Hoffnung und Verzweiflung zu kämpfen habe. Ich hoffe es.

Es gibt eine Art Sprichwort, das mir in letzter Zeit oft durch den Kopf geht. „Wenn du schnell vorankommen willst, geh allein. Wenn du weit kommen willst, geh gemeinsam.“

Ich kann dieses Problem, das Problem des Faschismus, nicht alleine lösen. Ich kann mir nicht einmal alleine ausdenken, wie die Lösung aussehen könnte.

Das ist eine schwere Erkenntnis für mich, denn obwohl ich so etwas wie ein anarchistischer Kommunist oder Sozialist oder was auch immer bin, war ich schon immer ein Einzelgänger. Ich arbeite lieber alleine. Ich mag Projekte, die man alleine machen kann. Nur … nun ja, es gibt keine Projekte, die man alleine machen kann.

Oh, klar, ich schreibe Bücher, diese bekanntlich einsame Beschäftigung. Meine Freunde helfen mir beim Brainstorming, mein Agent hilft mir, einen Verlag zu finden, meine Lektoren helfen mir beim Überarbeiten, ein Designer gestaltet sie schön, und Bibliothekare und Buchhändler helfen dabei, dass sie die Leser erreichen. Das Schreiben selbst ist grundsätzlich eine einsame Tätigkeit (für mich und die meisten Autoren), aber alles, was es möglich und lohnenswert macht, ist eine kollektive Anstrengung.

Oh, klar, ich habe einmal „ganz allein“ eine Hütte gebaut. Auf dem Grundstück eines Freundes. Mit Ratschlägen von befreundeten Bauunternehmern und Fremden im Baumarkt auf dem Land und aus einem halben Dutzend YouTube-Videos. Und Hilfe beim Setzen der Fundamentpfosten. Und Hilfe beim Verlegen des Fußbodens und der Wandpaneele. Und Hilfe beim Aufrichten der Dachsparren. Die meiste Zeit, die ich in dieses Haus gesteckt habe, war ich allein im Wald, oben auf einer Leiter, und habe die Litanei gegen die Angst wiederholt, aber ich habe diese Hütte nicht allein gebaut, obwohl ich sie allein gebaut habe.

Ich kann mich nicht allein durch den Faschismus hindurchdenken, und ich hasse das.

Schlimmer noch, ich weiß nicht, ob wir selbst alle zusammen in der Lage sein werden, alles zu tun, was wir tun müssen. Vielleicht ist die Aufgabe, die vor uns liegt, tatsächlich unüberwindbar, und ich mag es nicht, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Aber der Faschismus war schon immer der Miniboss. Der Klimawandel wartet dahinter und droht.

Das Bild der nordlichen Erdhabkugel, von oben auf den Nordpol gesehen, zeigt, dass die Meeresoberflächentemperaturen am 5. März 2022 vor der nordamerikanischen Küste (grüner Kreis) um bis zu 14,1 °C  höher waren als im Zeitraum 1981–2011
Das Bild zeigt, dass die Meeresoberflächentemperaturen am 5. März 2022 vor der nordamerikanischen Küste (grüner Kreis) um bis zu 14,1 °C höher waren als im Zeitraum 1981–2011.
Quelle: arctic-news
Ein „Blue Ocean Event“ ist die Bezeichnung für einen Sommer ohne arktisches Eis – oder besser gesagt, einen Sommer, in dem das arktische Eis unter tausend Quadratkilometer fällt und das Wasser blau statt weiß hinterlässt. Vor etwa zehn Jahren sprach der Weltklimarat der UN davon, dass dies bis zum Ende des Jahrhunderts möglich sein könnte, vielleicht sogar schon früher.

Einige Klimamodelle (pessimistischere Modelle, aber nicht die pessimistischsten) deuten darauf hin, dass wir diesen Sommer ein Blue-Ocean-Event haben könnten. Wahrscheinlich wird es nicht dazu kommen, aber es ist eine ernstzunehmende Möglichkeit, wie sie früher in unserem Leben undenkbar gewesen wäre.

Wir warten größtenteils in dieser schrecklichen Schwebe zwischen Untätigkeit und Handeln. Die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, sind schwerwiegend genug, um ziemlich drastische Maßnahmen zu rechtfertigen, aber uns wird gesagt, wir sollen bis zu den Wahlen den Atem anhalten. Mehr noch: Wir wissen, dass die meisten drastischen Maßnahmen die Situation nicht wirklich verbessern werden, denn einzelne drastische Maßnahmen neigen nicht dazu, die Welt zum Besseren zu verändern, denn wenn man weit kommen will, muss man es gemeinsam angehen.

Wenn es etwas gibt, das mir Hoffnung gibt, dann ist es das, was ich vor ein paar Monaten in Minneapolis gesehen habe. Das Problem wurde nicht „gelöst“, nicht endgültig, aber Zehntausende von Menschen haben direkt gegen die Invasion von Bundestruppen in ihrer Stadt gehandelt (und handeln weiterhin). Sie kommen weit, weil sie gemeinsam vorangehen.

Heute Morgen wusste ich nicht, wie ich aufstehen sollte.

Es gibt all diese Dinge, die ich mir selbst sage, Dinge, an die ich glaube, wie: Konzentriere dich auf das, worüber du Einfluss hast. Konzentriere dich auf lokale Themen, lokale Probleme. Konzentriere dich darauf, Resilienz aufzubauen, sowohl für dich selbst als auch für deine Gemeinschaft.

Das Foto zeigt die Filiale von Harbor Freight Tools in Austin, Texas
Harbor Freight Tools Austin, TX
Foto: Jeff Keyzer, WA, USA
Diese Woche habe ich Gartenzubehör für einen Freund bestellt, ich war bei Harbor Freight (Vorschläge am Ende), um diese tollen Schnäppchen zu ergattern, und ich bin zu einem persönlichen Treffen mit lokalen linken Preppern gegangen, um auszutauschen, was wir wissen und wie wir uns gegenseitig helfen können. Wir haben über Gefriertrockner und Teach-Ins gesprochen, über Tinkturen und Notfallmedizin. Diese Woche habe ich meinen Keller aufgeräumt und einem neuen Freund etwas über Notstromversorgung beigebracht.

Das sind alles Dinge, die es wert sind, getan zu werden.

Ich wusste immer noch nicht, wie ich heute Morgen aufstehen sollte.

Was mich auf die Beine brachte, war eine SMS vom Schnellreaktionsnetzwerk in meiner Nachbarschaft, eine SMS, in der stand, dass Bundesbeamte ein paar Blocks weiter eine Razzia in einem Haus durchführten. Das brachte mich auf die Beine, ich zog mich an, verließ das Haus und ging joggen, wobei ich mir wünschte, ich wäre in besserer Form. Es war letztendlich keine Einwanderungskontrolle, sondern nur eine Drogenrazzia (die Leute wurden nicht wegen ihres Geburtsortes entführt, sondern in Käfige gesteckt, weil sie die falschen Pflanzen im Haus hatten. Irgendwie sollen wir glauben, dass es einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Dingen gibt).

Es war nicht die ICE, aber es war gut, sich daran zu erinnern, dass es den Leuten wichtig ist, dass sich Menschen innerhalb kürzester Zeit versammelt haben. Und dass ich einer dieser Menschen war, denen es wichtig ist, die nützlich sein können.

Und das hat mich heute Morgen aus dem Bett gebracht.

Und es hilft mir, mich daran zu erinnern, dass ich dazu beitragen kann, etwas zu tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Und es hat mir klar gemacht, dass ich eine kleine Notfalltasche nur für die ICE-Wache brauche, mit einer Pfeife, einer Corona-Maske, einem Notizbuch, einem Stift, einem Filzstift und Karten mit meinen Rechten. Denn ICE ist überall im Land aktiv, aber die ICE-Wächter auch. Die ICE-Wache ist nicht das Wichtigste, was ich mache. Es ist nicht das, worauf ich mich konzentriere, oder worin ich die meiste Erfahrung habe. Aber wenn sie in meiner Nachbarschaft sind, dann lohnt es sich, an das alte Sprichwort zu denken: „Wer, wenn nicht wir?“

Und wer liebt nicht die Ausrede, kleine Sets zusammenzustellen?

Um Dinge zu erreichen, muss man große Projekte in konkrete Schritte zerlegen und diese dann umsetzen. Aber manchmal hat man kein wirkliches Bild davon, wie man das gesamte Projekt bewältigen soll. Manchmal ist ein Projekt zu groß, um es im Kopf zu behalten, besonders wenn man allein ist, und deine Aufgabe ist es, einfach über die Schritte nachzudenken, die helfen könnten, diese Schritte dann zu gehen und zu sehen, was passiert. Es lohnt sich, ein konkretes, kleineres Projekt auszuwählen (wie den Aufbau eines Schnellreaktionsnetzwerks, eines Vorsorgekreises oder einer radikalen Versammlung) und andere Leute zu finden, die das auch tun wollen. Denn gemeinsam können wir viel erreichen.

(Und es stellt sich heraus: Wenn du schnell vorankommen willst, musst du wahrscheinlich erst mal joggen üben.)

Dinge, die ein Prepper vielleicht bei Harbor Freight kaufen möchte – eine unvollständige Liste

  • Planen (Notunterkünfte, Pavillons für große Versammlungen, Aufräumarbeiten nach Katastrophen)
  • Plastikfolie und Klebeband (zum Abdichten von Räumen und Fenstern, um sie bei Stromausfällen warm zu halten)
  • Schlauchschellen und Kabelbinder (Notfall-Fahrzeugwartung)
  • Brechstangen, Äxte und Vorschlaghämmer (Notfall-Abbrucharbeiten, z. B. für Rettungszwecke)
  • Abschleppgurt (für Fahrzeugbergung)
  • Benzinkanister (Benzin für 2–3 Monate lagern, oder 1–2 Jahre mit Additiven)
  • wetterfeste, mit Schaumstoff gefüllte Hartplastikkisten (Elektronik für Katastrophengebiete lagern)
  • Batterien (für alles)
  • PSA (Schutzbrillen, Masken, Ohrstöpsel, Nitrilhandschuhe, diese großen weißen Einweganzüge, die man bei der Katastrophenbeseitigung tragen kann)
Meistens vermeide ich es, Elektronik und komplizierte Werkzeuge bei Harbor Freight zu kaufen, weil die Qualität dort sehr unterschiedlich ist, aber ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Sachen wie Schaufeln, Planen und so weiter.

Vielleicht fange ich an, diese kleinen Mini-Prepper-Tipps am Ende der Beiträge hinzuzufügen. Mal sehen, ob ich das durchhalte.

Quelle: "If You Want to Go Far, Go Together or: doing one thing at a time", 25. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]
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