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»Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.« Einstein

Rant: Gaspreiserhöhung muss man sich erst einmal leisten können...

Passend nach den Weihnachtsfeiertagen flatterte uns ein freundliches Schreiben unseres Energieversorgers ins Haus:

Ausschnitt aus der Ankündigung der Erhöhung des Gaspreises
Ausschnitt aus der Ankündigung der Erhöhung des Gaspreises
Sehr geehrteXXXX

sicherlich haben Sie schon aus den Medien erfahren, dass es derzeit einen außergewöhnlichen Preisanstieg für Erdgas gibt. Neben dem stark gestiegenen Preis für die Beschaffung von Erdgas, schlagen zusätzlich erhöhte Netznutzungsentgelte und zu guter Letzt die Erhöhung der CO2-Steuer zu Buche.

Ab dem 09.02.2022 müssen wir deshalb die Preise für den Tarif XXXX Ökogas anpassen. Auf Basis der Ziffer 9 der AGB verändert sich Ihr Arbeitspreis von 6,075 ct/kWh um 7,999 ct/kWh auf 14,074 ct/kWh.

Der Grundpreis passt sich von 220,02 €/Jahr um 13,55 €/Jahr auf 233,57 €/Jahr an. Alle vorgenannten Preise sind Bruttopreise. Für Sie bedeutet das, dass Sie im nächsten Jahr bei einem Verbrauch von 12.697 kWh Jahreskosten in Höhe von 2.020,59 € brutto haben werden.

Soviel Verständnis, wie man für die krasse Erhöhung der Energiepreise aufbringen soll, möchte ich einmal sehen, wenn Beschäftigte in den sowieso zahmen Tarifrunden mehr Geld fordern, um eben diese bezahlen zu können. Von den prekär Beschäftigten, Rentner:innen oder Hartz IV Bürgergeldempfänger:innen mal ganz zu schweigen, denn diese Erhöhungen sind für alle Betroffenen gleich. Pech haben einmal mehr diejenigen, die nicht mal ebenso die Energieversorgung ändern können, weil daß seit Jahrzehnen keinen Vermieter / die Politik / sonst wen gejuckt hat. Nun brennt die Bude und der schwarze Peter wird ausgerechnet denen zugeschoben, die sicher in der Vergangenheit keine Möglichkeit gesehen haben, sich im Kampf gegen Klimaveränderungen zu engagieren und so einen Teil der Verantwortung tragen.

Auf der anderen Seite wird aber doch immer deutlicher, daß ein wirkungsvoller Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe nur auf Kosten der Profite geführt werden kann. So lange es denen, die nach wie vor ihren Aktionären hohe Dividenden ausschütten und zig € Millionen Gewinne machen, nicht weh tut, sondern sie die Kosten einfach durchreichen können und das auch noch mit "Argumenten" wie "Energiewende / Klimaschutz usw. kostet halt" von Kräften, von denen man das nicht erwartet hätte, flankiert wird, so lange wird sich auch nicht wirklich etwas ändern.

Und sage keine:r, es sei kein Geld dafür da: Allein ein Blick auf den subventionierten "Umstieg" vom Verbrennungsmotor auf e-Antriebe, also für die verarmten Automobilkonzerne wie auch für die Käufer von e-Autos sollte reichen. Diese Subventionen zahlen letztlich wieder alle Lohnabhängigen und Rentner:innen über Kreuz- und quersteuern. Auch diejenigen, die aus den oben genannten Gründen auf das Auto verzichten und damit im Lande der Autobauer schon immer leidgeprüft, weil eben nicht subventioniert sind. Zum Beispiel mit kostenlosem ÖPNV, Ausbau der Schiene, Rückbau des Autoverkehrs, Ausbau von Parkmöglichkeiten für Lastenfahrräder usw.

Aber das Leben ist kein Ponyhof und bis auf weiteres ist bei uns eher kein Umbau von Gasheizung auf -ja auf was den eigentlich?- zu erwarten. Also werden wir in den sauren Apfel beißen und das nächst kleinere Übel wählen, d.h. zu dem momentan für uns günstigsten "klimaneutralen" Gas Anbieter wechseln. Die gesparte Lebenszeit und Kohle investieren wir in Projekte, die auch in der Auseinandersetzung um die Klimakrise einen Klassenstandpunkt vertreten.


Hinweis: Der Link führt zu enercity, einem Energieanbieter aus Hannover: WikiPedia Eintrag zu enercity. Wenn Du über diesen Link (Affiliate Link via aklamio) einen Anbieterwechsel vornimmst, erhältst Du eine Prämie von 50€. Ich ebenfalls. Du kannst alternativ auch den QR Code nebenan scannen.

Der QR Code führt zu enercity
Der QR Code führt zu enercity

Wenn bei Euch mal wieder die Eisbären den Mülleimer plündern...

... dann solltet Ihr etwas mehr Verständnis aufbringen. Nebenan, beim Kraftfuttermischwerk gibt es den Kurzfilm "Migrants", der von Schülern der Pôle 3D-Schule in Tourcoing-Roubaix, Frankreich gedreht wurde, zu sehen. Hier der Trailer dazu:

Fein raus

Foto: Hans Weingartz
Bullenfolkore bei der Demonstration gegen das AKW-Brokdorf (1981)
Foto: Hans Weingartz
Lizenz: CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Was hatte ich mir damals, am 28. Februar 1981, den Hintern abgefroren. Genutzt hatte es letztlich nichts, außer der Erkenntnis über das Wesen des "Atomstaates" und seiner Repressionsorgane bei unzähligen Menschen in und um die Wilster Marsch herum. Nun ist Ende des Jahres Schluss mit dem Meiler in Brokdorf. Allerdings greift auch das zu kurz. Neben der Frage der Endlagerung ist nämlich noch die Kleinigkeit offen, daß die Kosten für die Entsorgung ebenfalls alle tragen. Zumindest diejenigen, die Steuern zahlen.

„Am 31. Dezember 2021 um 23.59 Uhr wird das Atomkraftwerk Brokdorf endgültig abgeschaltet. Brokdorf war der erste Atommeiler, der nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl mit vielen Jahren Verspätung im Herbst 1986 ans Netz ging und dessen Ende nach der Fukushima-Katastrophe 2010 leider erst viel zu spät festgelegt wurde. In den 1970er und Anfang der 80er Jahren wurden mit zahlreichen Großdemonstrationen die bis dahin heftigsten Proteste ausgefochten, mit teilweise bürgerkriegsähnlichen Angriffen durch die Polizei auf Anfangs friedliche Bürger und Bauern (die holten sich dann die Studenten zur Hilfe :-)).

Wenige Wochen bevor in der Bundesrepublik weitere drei Atommeiler abgeschaltet werden - darunter das im Bild gezeigte AKW Brokdorf, legt die Bundesregierung den “Bericht nach § 7 des Transparenzgesetzes -“ Rückbau von Kernkraftwerken- vor. Die Berichtspflicht ist als Folge der Neuordnung der Entsorgung nuklearer Abfälle 2017 beschlossen worden. Eine Mehrheit von CDU/CSU, SPD und Grünen hatte beschlossen, die Atomkonzerne von der weiteren Verantwortung für die Atomabfälle zu enthaften. Dazu zahlten diese in einen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsfonds einmalig einen Betrag von rund 24 Mrd. Euro ein.

Damit waren die Atomkonzerne eine entscheidende Last der unkalkulierbaren Kosten der Atomenergienutzung los. Diese Risiken liegen nun bei den Steuerzahler:innen. Obwohl das Instrument der Rückstellungen von allen Seiten als Mangelhaft kritisiert wurde, beließ es eine Parlamentsmehrheit aber für den Rückbau der Atommeiler bei diesem Modell, bei dem das Geld ausschließlich unter Kontrolle der Konzerne bleibt, die dadurch zusätzliche Steuervorteile haben. Der Bericht der Bundesregierung zur Finanzierung des Rückbaus der AKWs sieht -“ für die nächsten drei Jahre -“ keine Probleme.“

Quelle: Flugblatt der Mahnwachengruppe vor dem AKW Brokdorf, anläßlich der 425. Mahnwache

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